empfehlen; 1910 ist vom diplomatischen Korps ein Promenadenweg mit
Ruhebänken zwischen Tchiën-mönn und Hada-mönn angelegt. Ein Aufgang
zur Mauer liegt am Südende der Sodenstraße, die gegenüber der
_St.-Michelkathedrale_ von der Gesandtschaftsstraße südl. führt, ein
zweiter westl. vom Wassertor hinter der Russisch-Asiatischen Bank.
Man geht westl. auf der Mauer bis zum Wassertor und Tchiën-mönn;
östl. gelangt man über das Hadamönntor auf der Mauer am deutschen
Friedhof vorbei bis zum SO.-Eckturm, dann noch 3/4 km nördl. bis zur
_Kaiserlichen Sternwarte_ (_Kuanhsiang t'ai_ [G'wàn-chiang-taí]),
erbaut 1279 unter Kublai, geleitet im 14.-17. Jahrh. von arabischen
Astronomenfamilien, dann von den Jesuiten, deren berühmter Astronom
P. Verbiest (gest. 1688 in Peking) die alten mongolisch-arabischen
Instrumente durch kunstvolle, zeitgemäßere Armillarsphären,
Azimutalkreise, Sextanten und einen Himmelsglobus ersetzte. Einige
dieser Instrumente wurden 1901 nach Potsdam gebracht; der Himmelsglobus
ist 1905 durch eine (allerdings nur 1/3 so große) Nachbildung ersetzt
worden. Die Franzosen haben die von ihnen seinerzeit fortgenommenen
Instrumente 1905 zurückgegeben. (Von der frühern Existenz der in
Deutschland befindlichen zeugen nur die leeren Steinsockel.)--Dicht
nördl. von der Sternwarte lagen die _Großen Prüfungshallen_
(_Kung-yüan_ [Ging-yüan]) mit mehreren tausend Zellen, wo alle drei
Jahre aus dem ganzen Reiche die bereits doppelt geprüften Anwärter
ihr Staatsexamen und »den Doktor machten«, d. h. den Titel »Chü-jên«
[Dyü-jön] erwarben, der Anrecht auf die Beamtenlaufbahn gab (die alten
Examina sind 1905 abgeschafft worden). Das Gebäude wurde 1900 von den
fremden Truppen zerstört und wird gegenwärtig zum Bauplatz für das 1912
zu eröffnende Parlament hergerichtet. Ein deutscher Architekt baut hier
das Oberhaus (_Schang-i-yüan_) und das Unterhaus (_Chia-i-yüan_) des
modernen China.
Zum Besuch der =Chinesenstadt= fährt man mit Rikscha durch das
Tchiën-mönn südl. in die breite, gepflasterte Tchiën-mönn-Straße, an
der 2,5 km vom Tor r. der von den Fremden so genannte =Ackerbautempel=,
chines. _Hsien-nung-t'an_ [Chièn-nung-tán], »Altar des ersten
Ackerbauers«, d. h. des sagenhaften Kaisers Shên-nung [Schönnung]
(2838-2698 v. Chr.) liegt, eine große, mit prächtigem Park und einer
3450 m langen Mauer umgebene Anlage, die vom Kaiser Chia Ch'ing
[Dyiá-tching] der Ming-Dynastie (1522-67) erbaut und unter Kaiser
Ch'ien Lung [Tchien-lúng] (1736-96) der regierenden Mandschudynastie
erneuert wurde.
Es bestehen vier Kultusstätten: der eigentliche Altar des
Shên-nung, eine Tempelhalle des Jahresgottes (Tai-sui-tien
[Tai-ssōē-dién]), eine ebensolche des Planeten Jupiter
(Mu-hsing-tien [Mù-ching-dién]) und die Halle Pei-tien [Bé-tièn],
wo der Kaiser in jedem Frühjahr seine Kultushandlungen beginnt. Vor
einer Terrasse das Feld, das der Kaiser an einem bestimmten Tag im
Frühjahr mit den Prinzen des kaiserlichen Hauses, den höchsten
Beamten der Stadtverwaltung und einer Anzahl der ältesten Greise
Pekings eigenhändig bestellt; der Kaiser zieht mit dem Pfluge drei,
die übrigen Teilnehmer an der feierlichen Handlung je eine Furche
und streuen symbolisch Reis-, Weizen- und Hirsekörner darüber. Der
früher benutzte kunstvolle Bronzepflug ist 1900 verschwunden und
jetzt durch einen plumpen, gelb angestrichenen Holzpflug ersetzt
worden. Während der Okkupation von 1900/01 diente die Tempelanlage
den amerikanischen Truppen unter General Chaffee als
Quartier.--Priester gibt es hier, wie in allen kaiserlichen
Tempeln, nicht, da der Kaiser in diesen der einzige Priester ist.
(Trinkgeld an die führenden Aufseher 10-20 c.)
Gegenüber liegt der schönste und großartigste Tempel Pekings, der von
den Fremden sogen. *=Himmelstempel=, chines. _T'ien-t'an_
[T'ien-tán], »Altar des Himmels«, eine gewaltige Anlage von einer 5750 m
langen Mauer umgeben, unter der Regierung des Mingkaisers Yung Lo
(1403-25) erbaut; sie diente dem Kult des Himmels und der Erde, bis
Kaiser Ch'ien Lung im 18. Jahr seiner Herrschaft (1754) einen
besondern »Altar der Erde« (Ti-t'an [Di-tán]) im Norden Pekings vor dem
Tore An-ting-mên [An-ding-mönn] erbaute.
Durch das nördl. Tor der äußern Westmauer gelangt man durch eine
Allee schöner alter Zypressen zum Tore der innern Mauer. Hinter
diesem erblickt man zunächst r. ein von einem Graben umzogenes
Gebäude, die _Halle der Enthaltsamkeit_ (Chai-kung [Djaí-gung]),
woselbst der Kaiser die Nacht vor dem Opfer fastet; sehenswerter
Thronsessel im Hauptraume. -- Dann sö. zum _großen Hauptaltar_,
chines. _Yüan-ch'iu_ [Yüĕn-tchió], »Runder Hügel« oder Nán-t'an,
=Südaltar= genannt, ganz aus weißem Marmor erbaut und von
Marmorbogen umgeben. Hier opfert der Kaiser als »Sohn des
Himmels« alljährlich zur Zeit der Wintersonnenwende als
Hoherpriester seines Volkes und erfleht den Segen des Himmels für
das kommende Jahr. Auf der obersten Plattform werden zur Zeit des
Opfers eine Anzahl Zelte aus dunkelblauem Tuch errichtet, in die
auf vergoldeten hölzernen Thronsesseln die Seelentafeln
des »Allerhöchsten Himmlischen Herrschers«, des Jahres, der
Gestirne, der Sonne, des Mondes und der 8 kaiserlichen Ahnen des
regierenden Hauses stehen. Vor allen Tafeln stehen Opfertische mit
den verschiedensten Sorten von Fleisch, Wildbret, Fischen,
Sämereien, Früchten und Backwerk. Während der Kultushandlung, die
die kaiserliche Kapelle auf eigenartigen, kunstvoll gearbeiteten
Instrumenten mit einer uralten Sakralmusik begleitet, kniet der
Kaiser allein auf der obersten Plattform, während die übrigen
Terrassen und der Hof mit den Prinzen und den höchsten
Würdenträgern besetzt sind. Insgesamt nehmen an dem 3/4 St. vor
Sonnenaufgang beginnenden Opfer mehrere hundert Personen teil, die
sich schon am vorhergehenden Tag aus der Stadt dorthin begeben und
teils in den ausgedehnten Wohnhausanlagen, teils in Zelten
übernachtet haben. Dieser Südaltar ist der eigentliche »Altar des
Himmels« und der Hauptpunkt der ganzen Anlage. Die oft gehörte
Behauptung, die Chinesen hielten ihn für den Mittelpunkt der Erde,
gehört ins Gebiet der vielen Fabeln, die sich während der
Okkupationszeit von 1900/01 gebildet haben. -- Am Fuße des Altars
stehen neun große eiserne Becken, je eins beim ersten Opfer eines
jeden Kaisers der regierenden Dynastie gestiftet, in denen grobe
weiße Seidenstoffrollen verbrannt werden. -- Nahe sö. vom Altar ein
aus grünglasierten Ziegeln erbauter Brandopferofen (liáo-lu), in
dem jedesmal ein schwarzer Stier verbrannt wird. Die zur
Tempelwirtschaft gehörende Herde schwarzer Stiere kann man oft auf
den weiten Grasflächen weiden sehen. -- Wenig nördl. vom Südaltar
ein Pavillon, in dem die Kultusgeräte aufbewahrt werden. (Kein
Zutritt!)
Man wende sich nun nördl. Auf einer mit mächtigen Steinquadern
belegten breiten Terrasse gelangt man zum *=Nordaltar=, chines.
_Ch'i-ku-t'an_ [Tchi-gu-tán], »Getreideopfer-Altar«, genannt; auf
ihm erhebt sich ein stattliches rundes Gebäude, einer der schönsten
Bauten Pekings, _Ch'i-nien-tien_ [Tchi-niĕn-dién],
»Jahresopfer-Halle«, genannt. Hier pflegte der Kaiser ehemals
alljährlich im Frühjahr um eine glückliche Ernte zu beten. Seitdem
das Gebäude aber 1852 infolge eines Blitzschlags abbrannte, ist das
Ernteopfer stets gleichfalls auf dem Südaltar abgehalten und die an
Stelle der alten neuerbaute Halle nie benutzt worden. Der Pavillon
nördl. davon enthält die Kultusgeräte.--Bei der Besetzung im Jahre
1900 lag die britisch-indische Kavallerie des Generals Gaselee im
Himmelstempel. -- (Trinkgeld an den führenden Aufseher je 10-20 c.)
Außerdem sind in der Chinesenstadt sehenswert die Hauptgeschäftsstraße
Dà-schĭ-lărl, die Buchhändlerstraße _Liu-li-ch'ang_ [Lèo-li-tscháng]
mit Kuriositätenläden und sw. davon der _Buddhatempel Fà-yüan-ssé_, der
älteste Tempel Pekings, 645 erbaut.--Nahe der Buchhändlerstraße ist
eine sehenswerte Cloisonnéfabrik (S. 284).
Ausflug zu den kaiserlichen Sommerpalästen und in die Westberge.
Etwa 2-3 Tage, mit Nachtlager in den Klöstern am »Tempel der
blaugrünen Wolke« und am Miaofengschan. Der alte Sommerpalast allein
ist eine kleine Tagestour. Alle größern Ausflüge suche man in
Gesellschaft zu machen, Herren zu Pferde (tägl. $ 2), Damen in
Maultiersänfte (tägl. $ 4); oder in Tragstühlen, die der Gasthof
besorgt; dazu nehme man Reitknechte nach Bedarf, einen Führer
(tägl. $ 2), einen Koch (tägl. $ 0,75) sowie eine Pekingkarre
(tägl. $ 2) mit Mundvorrat und Getränk sowie Matratzen und Decken
mit. Die Gasthöfe besorgen die Ausrüstung. Unterwegs regelt der
Führer alle Ausgaben. Chinesische Herbergen trifft man unterwegs.
Man verläßt die Mandschustadt durch das nordöstliche Tor, _Andingmönn_,
und gelangt, den _Tempel der Erde_ (_Di-tan_) r. lassend, zum *=Gelben
Tempel= (_Huang-ssĕ_), etwa 25 Min. nördl. von der Stadtmauer, einer
großen Tempelanlage mit prachtvollen Marmorbauten inmitten alter
Parkanlagen, von Kaiser Ch'ien Lung zu Ehren des ihn zu seinem 70.
Geburtstage 1780 besuchenden Tashi Lama erbaut; er besteht aus drei
Teilen; das mittlere, arg zerfallene Gebäude in halb tibetischem Stil
diente dem heiligen Mann aus Tibet, der im Rang nur dem Dalai Lama
nachsteht, zur Wohnung, die östl. Tempelanlage _Tung-huang-ssĕ_
[Dùng-huang-ssĕ] als Privatkapelle.
Als der Heilige 1781 an den Blattern starb, ließ der Kaiser seine
Kleider westl. des Wohnpalastes beisetzen und darüber aus weißem
Marmor eine schöne Pagode errichten, während der Leichnam in einem
vergoldeten Sarge nach Tibet geschickt wurde. Pagoden sind
buddhistische Grabdenkmäler, die in ihren fünf Hauptabschnitten die
fünf Elemente darstellen und die Auflösung des Körpers in die fünf
Elemente versinnbildlichen sollen. An der Pagode schöne Reliefs,
die wunderbare Geburt des Heiligen, seine Lehrtätigkeit, Tod und
Wiedergeburt als Buddha darstellend, 1900 leider von japanischen
Soldaten arg verstümmelt. --Der Gelbe Tempel war 1861 das
Hauptquartier Lord Elgins, als die Engländer und Franzosen das Tor
An-ding-mèn bombardierten, durch das sie später einzogen.--Dicht
östl. vom Gelben Tempel das von der chinesischen Regierung für den
Dalai Lama gebaute Absteigequartier (_Dalai-lama chĭng-yung_),
wo der tibetische Heilige im Jahre 1908 wohnte. Zu sehen: seine
Reisewagen, sein Altar, von ihm gesegnete Gegenstände. Eintritt
gegen Trinkgeld erlangbar.
10 Min. nördl. davon der kleine, unscheinbare Tempel
_Tsan-tan-ssĕ_ mit den Leichen der im Yung-ho-yung verstorbenen
Mönche, die hier in viereckigen, ca. 1 qm großen Holzkisten in
einer der Stellung des Embryo im Mutterleibe entsprechenden
Körperhaltung (buddhistische Lehre der ewigen Wiedergeburt!)
aufgestapelt und gelegentlich im Vorhofe verbrannt werden. Die
Aschensäcke hängen an den Wänden der Haupthalle in groben gelben
Beuteln; sie werden gelegentlich nach dem Wallfahrtsort
Wu-tai-schan in der Provinz Schansi geschickt und dort beigesetzt.
Nur für starke Nerven, namentlich bei warmer Witterung!
Vom Oktober bis Februar pflegen die nach Peking aus der Mongolei
kommenden Tributgesandtschaften in den großen Karawansereien beim
Gelben Tempel abzusteigen. Daher heißt diese ganze Gegend der
=Mongolenmarkt=.
Zwischen dem Gelben Tempel und der Stadt Peking liegt der alte
Exerzierplatz der mandschurischen Bannertruppen, wo die
kriegerischen großen Kaiser K'ang Hsi, Yung Chêng und Ch'ien Lung
von einem noch zu erkennenden Sandhügel in der Mitte Heerschau
hielten. Zurzeit wird hier der Bau der neuen Reichsuniversität
vorbereitet (Alumnat mit Colleges nach amerikanischem Vorbild).
Zu Pferde etwa 20 Min. wnw. weiter erreicht man den =Tempel der
Großen Glocke= (_Ta-chung-ssĕ_ [Dá-djung-ssĕ]) mit einer der
5 Riesenglocken, die der Ming-Kaiser Yung Lo (1403-25) gießen ließ,
1578 erbaut. Sie ist innen und außen mit dem Text einer Hymne auf
Amitabha Buddha in chinesischen und Sanskritschriftzeichen bedeckt.
Den besten Eindruck von der gewaltigen Größe der Glocke erhält man,
wenn man sich unter sie stellt.
Wer den Umweg von 2-3 St. über den Gelben Tempel und den Tempel der
Großen Glocke scheut, gelangt am besten zu den Sommerpalästen, wenn
er Peking durch das Nordtor der Westmauer, das _Hsi-dschi-mönn_
[Chí-dji-mönn] verläßt. [Wer Eile hat und sich mit derselben Straße
zum Hin- und Rückweg begnügt, fährt im Automobil oder Wagen die neue
große Chaussee über _Hai-dien_.]--10 Min. westl. von Hsi-dschi-mönn
der 1907 eröffnete _Botanische_ und _Zoologische Garten_ mit
europäischem Restaurant, Teehaus und einem Absteigequartier der
verstorbenen Kaiserin-Regentin. (Eintritt in die botanische und
zoologische Abteilung pro Person je 8 Kupfercents, Besichtigung des
kaiserlichen Hauses pro Person 20 c.; auf guter Straße in Wagen,
Auto oder Rikscha bequem zu erreichen.) Vor dem Tor überschreitet
man die Mongolische Bahn (S. 280). L. von einer über einen Kanal
führenden Steinbrücke liegen die Bootshäuser für die kaiserlichen
Dschunken, in denen sich die Majestäten auf dem Kanal von einem
kleinen Raddampfer zum Sommerpalast schleppen ließen. Am vielfach
gewundenen Kanal entlang schöner Weg bis zu dem von einem indischen
Buddhistenmissionar in hindustanischem Stil erbauten Tempel
_Wù-t'a-ssĕ_ (»Fünf-Pagoden-Tempel«), jetzt verfallen und verlassen.
Nach etwa 1/2 St. neben einer Schleuse der nach 1900 wieder schön
hergerichtete Tempel _Wan-shou-ssĕ_ [Wăn-shŏū-ssĕ] mit sehenswerten
Höfen und Hallen.--Unmittelbar westl. daneben das Absteigequartier der
Majestäten _Hsing-kung_ [chíng-gung], die hier auf der Fahrt nach dem
Sommerpalast rasteten und der Schleuse wegen die Boote wechselten;
sehenswert, da alle Wohnräume vollständig eingerichtet und die Höfe
gegen Trinkgeld zugänglich sind.--Da der weitere Weg am Kanal entlang
bald durch Militärposten versperrt wird, verlasse man den Kanalweg und
biege durch den westl. vom kaiserlichen Absteigequartier gelegenen
Torbogen nach N. ab. Bei dem Marktflecken _Hai-tien_ [Hai-diĕn]
erreicht man die von Peking zum Sommerpalast führende Straße und
gelangt auf ihr, an den neuen Kasernen der Gardedivision und den
Sommersitzen der Prinzen und hohen Würdenträger vorbei, zum (15 km)
sogen. *=Alten Kaiser-Sommerpalast=, _Yüàn-ming-yüán_ (»Park des
Vollendeten Glanzes«), einst die Sommerresidenz des großen Ch'ien
Lung (1736-96), der hier 1793 die erste englische Gesandtschaft
unter Lord Macartney empfing. Der Palast wurde 1861 zur Strafe für
die Gefangennahme und Ermordung der englischen Parlamentäre von den
verbündeten Engländern und Franzosen gänzlich ausgeplündert (ganze
Schiffsladungen von Kunstwerken gingen nach Europa) und in barbarischer
Weise zerstört; die Ruinen geben nur ein schwaches Bild der vergangenen
Pracht. Für den Europäer interessant sind die Überreste der von den
französischen Jesuitenmissionaren nach Vorbildern von Trianon und
Versailles erbauten Rokokobauten, Labyrinthe u. dergl. Der schöne Park
ist »heimlich« gegen Trinkgeld von einer Seitentür an der Westmauer
wieder zugänglich.-- An verschiedenen prinzlichen Sommersitzen vorbei
führt die große Steinstraße weiter zum sogen. =Neuen Sommerpalast=,
_I-ho-yüan_ [I-hōă-yüán, »Park des Alterfriedens«], von den Fremden
nach dem in ihm liegenden Hügel _Wan-shou-shan_ [Wàn-schŏū-schăn,
»Kaisersgeburtstagsberg«] genannt (Wan-shou heißt eigentlich »10000
[mal] hohes Alter«), weil der Begründer dieses Sommersitzes, Kaiser
K'ang Hsi (1662-73), zum Andenken an den 60. Geburtstag seiner
Mutter auf der Spitze des Hügels einen Tempel erbauen ließ. Auch
diese Sommerresidenz wurde 1861 von den Engländern und 1900 von den
verbündeten Truppen zerstört und ausgeplündert; sie ist neuerdings
zum Teil aufgebaut und dient dem Hofe während der wärmern Monate
zum Aufenthalt. (Besichtigung am 5., 15. und 25. jedes chinesischen
Monats gestattet, man melde sich spätestens drei Tage vorher bei
der Gesandtschaft an, der Eintritt nur gegen auf Namen des Inhabers
lautende Karte gestattet; Trinkgeld pro Person $ 1, Kahnführer
extra.)--Etwas westl. liegt der ebenfalls von Kaiser K'ang Hsi
angelegte älteste der kaiserlichen Sommergärten _Ching-ming-yüan_
[Dyìng-ming-yüăn, »Park des ungetrübten Glanzes«], gleichfalls 1861
und 1900 zerstört, mit dem Hügel _Yü-ch'üan-shan_ [Ü-tchüen-schăn,
»Berg der Nephritquelle«]. Auf der Spitze des Hügels die weithin
sichtbare Pagode _Yü-fîng-t'a_ [Ü-fong-tá], von wo man eine herrliche
*_=Aussicht=_ über die kaiserlichen Sommergärten, die Pekinger Ebene
und in die nahen Westberge hat. Der Eintritt ist gegen Trinkgeld 50 c.
(für 1-2 Pers.) unschwer zu erlangen und solchen zu empfehlen, denen
Besuch des Sommerpalastes wegen Zeitmangel unmöglich.
Am Fuße des Hügels entspringt unterhalb eines Tempelchens die
=Nephritquelle=, die die künstlichen Teiche der kaiserlichen
Gärten, den nach Peking führenden Kanal und die Stadtgräben und
Teiche der Hauptstadt bewässert, deren weiterer Abfluß dann der in
den _Peiho_ [Bai-hōŏ, »Weißer Fluß«] mündende _T'ung-chou-_
[Túng-djŏū-] _Kanal_ ist. Über der Quelle die von Kaiser K'ang
Hsi verfaßte Inschrift »Erste Quelle der Welt« und ein Lobgedicht
des Herrschers über die Köstlichkeit des Quellwassers. -- Südl.
vom Quellteiche die noch erkennbaren Grundmauern des Sommerpalastes
der Kaiser der Chin [Dyin-] Dynastie (1115-1234).
Westl. vom Yü-ch'üan-shan-Hügel erblickt man in den Schluchten der
=Westberge= (_Hsi-shan_ [Chi-schan]) zahlreiche malerisch gelegene
Klöster und die bis zu den Berggipfeln laufenden Mauern des
kaiserlichen =Jagdparkes Ch'ing-i-yüan= [Tching-yi-yüan, »Park des
lautern Behagens«], gleichfalls 1861 und 1900 arg mitgenommen, aber
mit seinen Ruinen und Gartenanlagen immer noch sehr sehenswert. Der
anschließende Berg heißt =Hsiang-shan= [Chiáng-schan, »Duftberg«];
die Sage berichtet, daß auf diesem Berge Shun, der letzte Sproß der
Liao-Dynastie, die 1125 von den Chin vernichtet wurde, begraben
ist.--Unweit nördl. liegt das Kloster *=Pi-yün-ssĕ=
[Bi-yün-ssĕ, »Kloster der nephritgrünen Wolken«], reich an
herrlichen Marmorbauten; es wurde zur Zeit der mongolischen
Yüan-Dynastie (1280-1364) gegründet, doch stammen die schönen
Bauten meist aus dem 18. Jahrh., wo das Kloster ein
Lieblingsaufenthalt der großen Mandschukaiser war. Einen
sonderbaren Eindruck macht die _Halle der 500 Lo-han_
[Lōŏ-han], das sind buddhistische Heilige; 500
überlebensgroße, aus Lehm geformte und vergoldete Figuren sitzen an
den Wänden und in der Mitte einer ausgedehnten Halle. In einer
Seitenhalle sind Hölle und Paradies in Tonfiguren dargestellt, die
18 Martern und 9 Belohnungen im Jenseits. Am Fuß der Berge von
Pi-yün-ssĕ und Hsiang-shan ein Besichtigungsplatz der alten
Mandschutruppen mit Pavillon des Kaisers, Beobachtungsterrasse der
Kommandanten am Ende der Bogenschießbahn und einer
Stadtmauersilhouette für Eskaladierübungen.--NW. von Pi-yün-ssĕ,
von Bäumen halb verdeckt, liegt das schöne Kloster
_Yü-huang-t'ing_.
Weiter nö. liegt in einem Seitental das =Kloster Wo-fo-ssĕ=
[Wōŏ-fōŏ-ssĕ], das »Kloster des liegenden Buddha« mit
der Kolossalfigur des Buddha moribundus, die den geschichtlichen
Gautama Buddha Sakhyamûni in dem Augenblick seines Eingehens in das
Nirwana darstellt. -- Nö. das Kloster =Yi-kuan-ssĕ= [Yi-gūăn-ssĕ],
in dessen Nähe das Grab des nicht anerkannten Ming-Kaisers Ching Ti
[Dyíng-di], der sich 1450-57 der Herrschaft bemächtigt hatte,
nachdem sein Bruder, der Kaiser T'ien Shun [Tiĕn-schún] in der
Schlacht bei T'u-mu-pu als Gefangener in die Hände der Mongolen
gefallen war. -- Nw. von Yi-kuan-ssĕ in einer Schlucht das
sehenswerte Kloster =Pao-tsang-ssĕ= [Bào-dsang-ssĕ], 1439 von
einem Lama aus Tibet gegründet, Sommerquartier der Eunuchen des
Palastes. -- Auf den anliegenden Bergabhängen fallen einige
sonderbare Bauwerke in tibetischem Stil auf; sie sind von Kaiser
Ch'ün Lung errichtet, bevor er die Eroberung Tibets begann, damit
sich seine Gardetruppen im Erstürmen hochgelegener tibetischer
Häuser üben sollen. Die Chinesen nennen diese Bauten
_Hsi-tsang-tien_ [Chi-dsung-diĕn, »Tibetische Hallen«].
Südl. von allen bisher genannten Klöstern liegt am Abhange der
Westberge die Klosteranlage =Pa-ta-ch'u= [Bà-da-tschú] mit den
Sommerquartieren der englischen Gesandtschaft.
Hat man mehrere Tage zur Verfügung, so empfiehlt sich auch folgende
Tour:
1. Tag: Von Peking an den kaiserlichen Sommergärten vorbei über
_Wang-êrh-shan_ [Wàng-örl-schan] (schwieriger Paß! sonst Umweg um
den Berg herum) nach _Hei-lung-t'an_ [Hè-lung-t'án, »Teich des
Schwarzen Drachen«] mit Tempel und hübschem Quellteich. Hier
Frühstück. Dann weiter über das Kloster _Wên-ch'üan-ssĕ_
[Wö̆n-tchüĕn-ssĕ, »Tempel der warmen Quellen«] mit heißen
Schwefelquellen und primitiven Badeeinrichtungen, nach dem schönen
Kloster _Ta-chüeh-ssĕ_ [Dá-dyüĕ-ssĕ, »Tempel der großen
Erleuchtung«], früher Sommerquartier der deutschen Gesandtschaft.
2. Tag: Zu Fuß mit Führer auf ziemlich beschwerlichem Bergpfad
(zweimaliger Auf- und Abstieg) in etwa 4-6 St. nach dem berühmten
Wallfahrtsort =Miao-fêng-shan= [Miāŏ-fong-schăn], wo man
am besten übernachtet; rüstige Fußgänger können auch nach
Ta-chüeh-ssĕ zurückkehren.
3. oder 4. Tag: Zurück nach Peking.
Empfehlenswert ist auch die folgende oft erprobte Tour:
1. Tag: Entweder zu Pferde von Peking über _T'áng-shan_
(Besichtigung der Quellen, des kaiserlichen Gartens und Frühstück)
nach _Ch'an-p'ing-chou_ [Tschàng-ping-djŏū], wo leidliches
chinesisches Gasthaus, oder mit der Mongolischen Bahn nach _Nankou_
und von dort zu Fuß oder mit Esel nach _Ch'ang-p'ing-chou_.--2.
Tag: Besichtigung der _Ming-Gräber_ (S. 296). Frühstück am besten
mitnehmen und Picknick bei den Gräbern. Dann am Fuße der Berge
entlang nach _Nankou_ (S. 295).--3. Tag: Durch den sogen.
_Nankou-Paß_ bis zur _Großen Mauer_ (S. 296). Aufstieg auf der l.
Seite, da r. die Mauer teilweise zerstört ist. Frühstück in einem
der Türme, dann zurück nach (ca. 20 km) _Nankou_. --4. Tag: Mit
der Bahn zurück nach Peking oder zu Pferde am Fuße der Westberge
entlang nach dem Kloster _Ta-chüeh-ssĕ_ (s. oben).-- 5. Tag: An
den kaiserlichen Sommergärten vorbei zurück nach Peking (vgl.
oben).
Ausflug nach der Großen Chinesischen Mauer und den Minggräbern.
Vgl. den Karton auf Karte S. 275.
Man rechne 2-3 Tage. 1. Tag: =Eisenbahn= (Mongolische Bahn, 1909
bis Kaigan, 1911 bis Suiyüen, 510 km von Peking, eröffnet. In
Kalgan _Railway Hotel_ wie in Nankou; Fahrzeit 11 St., Fahrpreise
Peking-Kalgan: I. Klasse $ 8,10, II. Kl. $ 5,40; Bahnhof vor dem
NW.-Tor Hsi-dschi-mönn, wohin mit Auto, Wagen oder Rikscha) tägl.
früh etwa 8,40 Uhr (Fahrplan ändert oft!) in 3 St. bis
_Ching-lung-chiao_ (Tching-lung-tchiāo) am Fuße der Großen Mauer
(der Aussicht wegen stelle man sich auf die vordere Plattform, die
Lokomotive schiebt, mehrere Tunnels). Von hier geht man etwa 1/2
St. bis zum Tor der Mauer. Rückfahrt mit der Bahn 6,43 Uhr Nm. ab
Ching-lung-chiao (oder auf von Nankou aus vorausgeschickton Eseln)
nach (44 km von Peking) =Nankou=, wo man im _Railway Hotel_
(gelobt, Pens. $ 6) übernachtet. -- 2. Tag: Früh 1/2-5 Uhr auf
Eseln zu den Minggräbern, zum Tiffin ins Hotel zurück und 12,30 Uhr
Mitt. Eisenbahn zurück nach Peking. -- Ausrüstung wie S. 291
beschrieben.