=Gasthöfe=: _Astor House_ (Pl. 1; deutsche Leitung), Victoria Road,

im Englischen Viertel, gegenüber dem Victoriagarten, gelobt, Pens.

$ 5-10, für ein Ehepaar $ 12.--_Imperial Hotel Ltd._, Rue de

France, 50 Z., Pens. $7.--_Hôtel de la Paix_ (Pl. 2), Rue du

Consulat, 40 Z., Pens. $ 5-8.--_Queen's Hotel_, Victoria Road, 20

Z., Pens. $ 4-7.

=Post=: Deutsches Postamt (Pl. 7).-- =Telegraph.=--=Wagen=,

=Rikschas= und =Reitpferde= sind zu haben.--=Eisenbahnen=:

_Nordchinesische Bahn_ nach Peking, Tongku, Mukden und Yingkou (S.

328); _Tientsin-Pukou-Bahn_ im Betrieb bis Tsinanfu (S. 272) mit

Anschluß nach Tsingtau (S. 267) und bis Taianfu (S.

273).--=Dampfer= vgl. unter Tongku, S. 279. Dampfer-Agenturen:

_Norddeutscher Lloyd_, Melchers & Co. (Telegr.-Adresse:

Nordlloyd-Tientsin); _Hamburg-Amerika Linie_, Carlowitz & Co.

=Elektr. Straßenbahn= durch die Chinesenstadt, die österreichische,

italienische, russische, französische und japanische bis zur

englischen Niederlassung.

=Banken=: _Deutsch-Asiatische Bank_ (Pl. 3), Korresp. der Allg.

Deutschen Credit-Anstalt in Leipzig; _Hongkong & Shanghai Banking

Corporation_ (Pl. 5), beide Korresp. der Deutschen Bank; _Chartered

Bank of India_ (Pl. 4), alle drei Korr. der Berliner

Disconto-Gesellsch.

=Konsulate=: _Deutsches Reich_, Konsul Legationsrat Knipping;

Vizekonsul Freih. v. Grote.--_Österreich-Ungarn_, Konsul M. Kobr

und Dr. F. Stumvoll. --=Deutscher Klub=: _Concordia_, in der

deutschen Konzession; _Tientsin Club_, Victoria Road.

=Deutscher Arzt= und drei Krankenhäuser für Europäer sowie ein

Lazarett des Deutschen Ostasiatischen Detachements mit

Tollwut-Impfstation.-- =Deutsche Apotheke=: _S. J. Betines & Co._

--=Deutsche Buchhandlung=: _Aug. Michels;_ Zeitungen: »Tageblatt für

Nordchina«; »Peking and Tientsin Times«; »Courrier de

Tientsin«.--=Photograph=: _F. Scholz_.--=Photographische

Gegenstände=: in der Deutschen Apotheke. --=Geschäftsadressen=: _E.

Lee_; _Wolff & Kierulff_ (beide deutsch); _Hall & Holtz_

(englisch); _A. H. Jaques_ (engl.), alle drei Victoria Road, für

allgemeine Ausrüstung.

=Geschichtliches.= Tientsin ist die Hauptstadt des Vizekönigs der

Provinz Tschili; hier wurden 1858 und 1860 die ersten

Handelsverträge mit europäischen Mächten abgeschlossen. Infolge

chinesischen Vertragsbruchs wurde 26. Aug. 1860 die Stadt von den

Engländern und Franzosen genommen. 1870 Niedermetzelung der

Europäer.

Im Boxeraufstand wurden die europäischen Niederlassungen vom 17.

Juni bis 13. Juli 1900 von chinesischen Truppen belagert; an den

heftigen Kämpfen nahmen die Marinemannschaften der

Seymour-Expedition teil, die am 10. Juni zum Entsatz der belagerten

Gesandtschaften in Peking ausgezogen war, aber durch chinesische

Truppen zum Rückzug nach Tientsin gezwungen wurde, wo sie am 26.

Juni nach schweren Verlusten wieder eintraf. Die deutschen

Streitkräfte zählten 21 Offiziere, 4 Ärzte, 757 Mann

(Schiffsbesatzungsteile und 3. Seebataillon); außerdem kämpften in

Tientsin 3500 Russen, 1800 Engländer, 500 Amerikaner, 300

Franzosen, 150 Japaner, 100 Italiener, 75 Österreicher. Am 11. Juli

standen 12650 Mann europäische und japanische Truppen in der Stadt,

denen es bald gelang, die chinesischen Belagerungstruppen zu

vertreiben. Seitdem war Tientsin Hauptstützpunkt für die

Unternehmungen gegen Peking und wurde erst 1902 den Chinesen

zurückgegeben.

=Tientsin=, wichtigste Handelsstadt Nordchinas, seit 1860 dem

Fremdhandel geöffnet, liegt auf 39° 10' nördl. Br. (etwa wie Lissabon)

am Zusammenfluß des Peiho mit dem Hunho (Hsiho); von O. mündet der

Lutaikanal, von W. der Kaiserkanal bei der Chinesenstadt in den Peiho,

so daß Tientsin der wichtigste Stapelplatz für den Durchgangshandel aus

den Provinzen Tschili, Schensi, Schansi, Kansu, Turkistan, Mongolei und

einen Teil der Mandschurei ist. Das Hinterland hat die Größe Europas mit

etwa 100 Mill. Einw. Tientsin hat etwa 800000 Einw. 1909 liefen 952

Schiffe mit 1159000 Reg.-Ton. den Hafen von Tientsin an. Der untere

Peiho ist nur für kleine Dampfer und Dschunken befahrbar. Die

_Chinesenstadt_ (Altstadt) ist ein Rechteck, früher rings von

Zinnenmauern umschlossen, die von der provisorischen Regierung (1900-02)

zum Teil niedergelegt wurden, um breiten Straßen Platz zu machen. In den

großen Vorstädten auf beiden Flußufern und an den Kanälen ist der Sitz

des lebhaftesten Handelsverkehrs. Alle chinesischen Stadtteile sind

schmutzig und ungesund, doch haben sich die hygienischen Verhältnisse

seit der europäischen Verwaltung durch Anlage eines Wasserwerks etc.

verbessert. Die deutschen Reichspostdampfer der Hamburg-Amerika Linie

gelangen bei günstigem Wasserstand bis zu den Fremdenniederlassungen der

Stadt; der Peiho, dessen Mündung bei Tongku (S. 279), der Hafenstadt von

Tientsin, etwa 75 km osö. liegt, friert zwischen Ende November und Mitte

März zu, als Hafen für Tientsin und Peking dient in dieser Zeit

Tschinwangtau (S. 329). Der Kaiserkanal ist nur für Fahrzeuge mit 1 m

Tiefgang schiffbar.-- Die _Fremdenniederlassungen_ (_Tientsin

Settlement_) der Deutschen, Engländer, Franzosen und Japaner liegen am

r. Peihoufer, gegenüber und südl. vom Bahnhof, zu dem über den Fluß eine

eiserne Brücke führt. Die Russen, Italiener, Österreicher und Belgier

haben ihre Konzessionen am l. Ufer. Die 1896 begründete deutsche

Niederlassung (mit Kriegerdenkmal für die im Jahre 1900 Gefallenen) ist

die südlichste und hübscheste der ganzen Villenstadt, von der das

englische Viertel mit Rathaus und kleinem Museum im _Anglo-Chinese

College_ hauptsächlich Geschäftsviertel ist. Die französische

Niederlassung wurde während des Boxerkriegs fast ganz zerstört; in ihr

liegt ein Krankenhaus und das chinesische Zollamt. Die japanische

Niederlassung liegt in der südlichsten Vorstadt der chinesischen

Stadt.--_=Rundfahrt=_ durch die Chinesenstadt mit Rikscha, Wagen oder

Straßenbahn; die Werkstätten der Handwerker, meist straßenweise

dieselben Gewerke, sind vielfach sehenswert. Gelegenheit zu Einkäufen

von Fellen, besonders von Tigern und Leoparden. Es ist nicht ratsam,

nach Sonnenuntergang sich in der Chinesenstadt und ihren Vorstädten

aufzuhalten. Sehenswert sind außer dem _Yamen_ des Vizekönigs etwa noch

der dem Gedächtnis Lihungtschangs gewidmete Tempel sowie verschiedene

Theater und Versammlungshallen der großen Gilden. Vom Turm des Astor

House Hotel überblickt man Stadt und Umgegend.

=Von Tientsin nach Peking= (140 km) mit der _=Nordchinesischen

Eisenbahn=_, tägl. 3 Züge in 3 St. (Reichskursbuch Nr. 706). Der Bahnhof

Tientsin Settlement liegt neben der russischen Niederlassung; jenseits

liegt ein großes Gräberfeld, um das die Bahn im Bogen über die Brücke

des Lutaikanals und durch den Außenwall nach Stat. _Tientsin City_

führt. Man sieht l. das Arsenal von _Hsiku_ (Schauplatz der Kämpfe des

Seymourschen Korps am 22. Juni 1900), erreicht (11 km) _Peitsang_

(Kämpfe am 21. Juni und 5. Aug. 1900) in öder, melancholischer

Landschaft. Dicht vor (26 km) _Yangtsun_ überschreitet die Bahn den

Peiho; man sieht Dörfer, Getreide-(meist Mais-)Felder, dazwischen

zahllose Erdhügel, die Gräber sind, auch strichweise Grün und gelangt

über (41 km) _Lofa_ nach (60 km) _Langfang_, dem äußersten Punkt, den

Seymour erreichte; heftige, zwar siegreiche, aber erschöpfende Kämpfe am

14. und 18. Juni 1900, unter Beteiligung deutscher Marinetruppen (»the

Germans to the front«).--Bei (95 km) _Huangtsun_ beginnt das mit Mauern

eingehegte Gebiet des kaiserlichen Wildparks _Nun-yüan_ (»Südgarten«),

volkstümlich _Haitze_, der reich an Hirschen und Damwild war und fast

bis Peking reicht; dient als Truppenübungsplatz.-- Bei (112 km)

_Fêngtai_ zweigt nach SW. die Bahnlinie Paotingfu-Hankau ab (S. 299).

Bald erblickt man l. Berge und dann l. die Mauern der Chinesenstadt,

deren alter Bahnhof _Machiapu_ vor dem Südtore nicht mehr benutzt wird,

die Bahn durchbricht die Südmauer der Chinesenstadt, geht durch deren

schwach bebauten östl. Teil, biegt in der NO.-Ecke der Chinesenstadt

nach l. und läuft westl. außerhalb der Mauer der Mandschustadt zum

Endbahnhof am Wassertor (140 km) _Peking-Tschiën-mönn_ (S. 280) dicht

beim Gesandtschaftsviertel.

B. Von Tsingtau über See nach Peking.

Der Dampfer (vgl. S. 265), von Tsingtau (S. 267) mit nö. Kurs abfahrend,

umsteuert das niedrige SO.-Vorgebirge von Schantung, auf dem ein

Leuchtturm vor den Riffen warnt; in der Nähe liegt der _Iltisfriedhof_,

wo die Besatzung des in nächster Nähe im schweren Taifun 23. Juli 1896

gestrandeten deutschen Kanonenboots »Iltis« ihre Ruhestätte hat; der

Friedhof hat schmiedeeisernes Gitter mit Kaiseradler, in der Mitte eine

Porphyrsäule. Dann erblickt man die scharfen, zerklüfteten, bis 277 m

hohen felsigen Hügel des _Schantungvorgebirges_ (_Tatschingschan_) und

steuert mit WNW.-Kurs in das _Gelbe Meer_ zwischen Nordchina und Korea.

Westl. vom Schantungvorgebirge liegt im Schutze einer Insel der Hafen

von

=Weihaiwei= (_King's Hotel_, 60 Z., Pens. $ 6; _Clark's Hotel_),

englischer Freihafen ohne Handelsbedeutung. Ursprünglich chinesischer

Kriegshafen, wurde Weihaiwei im Februar 1895 vom Marschall Oyama von der

Landseite erobert und blieb bis 1898 als Faustpfand in japanischem

Besitz; 1898 wurde es von der chinesischen Regierung an England

verpachtet, das aber seit dem Bündnis mit Japan und der Vertreibung

Rußlands aus der gegenüberliegenden Halbinsel Liautung (Hafen Port

Arthur) nur wenig Wert mehr auf diese Besitzung legt, um so mehr, als

der Hafen selbst schlecht und die Verbindung mit dem innern China sehr

mangelhaft ist. Der Ort ist aber gesund und hat angenehmes Sommerklima,

er dient daher ähnlich wie Tsingtau als Erholungsort und Seebad. Die

Stadt liegt auf einem Bergabhang an der Westseite der Bucht. In der

Umgebung sind heiße Schwefelquellen.

Von Weihaiwei steuert man auf die _Kungkungtauinseln_ zu, die der Reede

von Tschifu vorgelagert sind; auf der größten Insel steht ein

Leuchtturm. Die Schiffe ankern auf der Reede innerhalb der Inseln so

nahe den Landungsbrücken, als ihr Tiefgang es gestattet; der Hafen ist

durch keine Mole geschützt und das Landen bei Nordwind schwierig und oft

unmöglich (der Bau eines Wellenbrechers ist begonnen).

=Tschifu= (_Chefoo_), chinesischer Vertragshafen in der Provinz

Schantung, seit 1862 dem Fremdhandel geöffnet.

=Gasthöfe=: _Astor House Hotel_ (österreichischer Direktor,

französischer Koch), mit Terrasse am Strande, neu, empfehlenswert,

Z. von $ 3,50 an.-- _Beach Hotel_, mit Terrasse am Strande, Pens. $

4-8.--=Deutsches Postamt= mit =Telegraph= und Kabel nach Tsingtau,

Tientsin, Schanghai etc. =Telephon= unter chinesischer

Verwaltung.--=Sampan= (Boote) 10-25 c. von der Reede an Land. Die

Gasthöfe schicken ihre Boote zu den Postdampfern.--=Eisenbahn= über

_Töngtschoufu_ an der Miautau-Straße nach _Weihsien_ (S. 272) mit

Anschluß an die Schantungbahn ist geplant.-- =Dampfer= nach

Tsingtau, Tientsin (tägl.), Schanghai (tägl.), Korea (Tschimulpo,

Fusan), Dairen, Japan und Wladiwostok. Agentur des _Norddeutschen

Lloyd_: Anz & Co. (Tel.-Adr.: Nordlloyd-Chefoo). --_Hamburg-Amerika

Linie_ (Tel.-Adr.: Halinie-Chefoo), Agentur: H. Diederichsen & Co.;

Postdampfer Schanghai-Tsingtau-Tschifu-Tientsin

wöchentl.--=Banken=: _Deutsch-Asiatische Bank_, Agentur: Anz & Co.;

_Russisch-Asiatische Bank_, Korr. der Deutschen Bank.--=Deutscher

Konsul= Dr. Lenz, 10 Min. von den Landungsbrücken auf dem

Jentaihügel, nahe der _Signalstelle_ (Sturm- und

Schiffsmeldesignale). Österreichischer Vizekonsul Baron v.

Babo.--Französisches =Hospital=.--Internationaler =Chefoo-Club=.

_Custom-Club._

Das =Klima= von Tschifu ist an sich gesund, aber Fieber und

Dysenterie kommen auch unter den Europäern vor; Cholera und Pocken

sind in der Chinesenstadt stets zu finden. Man meide das

Brunnenwasser und das rohe Obst. Im Mai herrschen heiße Südwinde

(bis 40° Wärme), Juli bis August heiße Regenzeit, im Winter häufig

heftige Schneestürme, im Februar bis 10° Kälte.

Die Stadt Tschifu, sehr schön von Bergen umgeben, hat 75000 Einw.,

darunter 300 Europäer; das Europäerviertel liegt am Strand an und auf

dem Signalhügel. Als Tschifu im Jahre 1862 dem Fremdhandel geöffnet

wurde, hatte es wegen einer durch den Hoangho verursachten

Überschwemmung, einer Störung im Betrieb des Kaiserkanals und des

Taipingaufstandes Aussichten auf eine gute Entwickelung. Diese

Hoffnungen haben sich wegen der mangelhaften Verbindungen mit dem

Innern Chinas nicht erfüllt, und in neuester Zeit ist Tschifu vom

günstiger gelegenen Tsingtau rasch überflügelt worden. Der Handel mit

Rohseide, Seidenstoffen (Pongées), Spitzen (in Seide und Baumwolle)

belief sich 1909 auf etwa 200 Mill. M. 38 Seidenspinnereien. Schule der

China-Inland-Mission mit 300 Schülern. Mehrere Missionsanstalten.

Berühmte Obstkulturen, Weinbau (The Chang yu Pioneer Wine Co., Leiter

ein Österreicher, Baron v. Babo). Die zum Teil ummauerte Chinesenstadt

ist schmutzig und wenig sehenswert. Spaziergang auf die höchste

Hügelkuppe (405 m) mit kleiner Pagode bei Tschifu bietet *Aussicht über

das Meer und das gebirgige Hinterland. Im Sommer wird Tschifu von

europäischen Badegästen und amerikanischen, französischen und

chinesischen Kriegsschiffen besucht. Tschifu ist Durchgangshafen für die

nach N. fahrenden Dampfer.

_=Dampferfahrt.=_ Aus dem Gelben Meere dampft man von Tschifu durch die

mit Inseln reich besetzte Straße von Petschili in den _Golf von

Petschili_ (_Tschili_), dessen nördlichster Teil _Liautunggolf_ heißt.

Im Winter kann die Fahrt sehr kalt und stürmisch sein; meist benutzen

die Dampfer die _Tschangschan-Durchfahrt_, wobei die Große Bambusinsel

(Tatschuschan) etwa 4 Seem. und die Kleine Bambusinsel (Siautschuschan)

r. und die Insel _Tschangschan_ l. bleiben und dann das Blinkfeuer der

Insel Hauki nahe passiert wird. Das Land an der Peihomündung ist so

flach und niedrig, daß man nur die Schiffe auf der Reede, das

Feuerschiff und r. den Leuchtturm auf der Insel Schaluitien sieht.

Kleine Dampfer werden vom Lotsen über die _Takubarre_ gebracht, während

große auf der _Reede_, 8 Seem. seewärts von Taku, ankern; die Reisenden

werden mit Dampfbarkassen in 1 St. an Land gesetzt. Bei der Einsteuerung

in den Fluß sieht man die am 17. Juli 1900 während der Wirren

eingenommenen _Takuforts_, bei deren Beschießung sich das deutsche

Kanonenboot »Iltis« unter Korvettenkapitän Lans hervorragend auszeichnete;

die durch Kapitän z. S. Pohl eroberten Forts sind jetzt gänzlich

zerstört und dürfen nicht wiedererbaut werden; hinter dem alten Südfort

am r. Ufer liegen die Lotsenhäuser der europäischen Takulotsen. Nach

zwei scharfen Biegungen in der flachen Flußniederung des Peiho (vgl.

beifolgende Karte), wo viele wagerecht drehende Windmühlen (Salzmühlen)

die seichten Salzbecken mit Seewasser zur Salzgewinnung speisen, nahebei

hohe Salzlager, vorbei am großen Fischerdorf _Taku_, erreicht man

=Tongku= (_Station Hotel_; _Hôtel du Louvre_, französische Küche, 12 Z.,

Pens. $ 6; _Bahnwirtschaft_), Hafenstadt für Tientsin und Peking,

zugleich Ausgangspunkt der Bahnlinien nach Peking und Yingkou (Inkau),

ein schmutziges Nest, in dem vorläufig noch deutsche, englische,

japanische und französische Truppenposten stehen. Passagierdampfer

landen an den Anlegebrücken nahe dem Bahnhof. Agentur des _Norddeutschen

Lloyd_ in Tongku (Taku): Melchers & Co. Außer den S. 278 angeführten

deutschen Dampfern nach Tschifu, Tsingtau und Schanghai laufen

japanische, englische und chinesische ebendahin und nach Nagasaki, Kobe,

Dairen, Antung (am Yalu), Tschimulpo und Hongkong. Man beachte, daß die

nach Japan verkehrenden Dampfer meist klein, daher bei schlechtem

Wetter recht unbequem sind; Weltreisende sollten möglichst die

Vorschläge S. 249 beachten, also von Berlin mit der Bahn über

Peking-Hankau nach Schanghai reisen und von da mit großem Postdampfer

nach Japan. Da außerdem für die Fahrt Tientsin-Japan meist wenig Kabinen

I. Klasse verfügbar sind, muß man frühzeitig vorausbestellen.

=Von Tongku nach Peking= mit der _=Nordchinesischen Bahn=_ in 1-1/2 St.

für I. $ 1,6o, II. $ 1. (Die meisten Bahnbeamten sind Chinesen.)

Haltestellen sind _Hsinho_ und _Künliangtschöng_; nach schneller Fahrt

durch die im Winter eintönige, im Sommer meist mit Kauliang, einer bis 3

m hohen Hirseart, bestandenen Ebene der Peihoniederung am l. Ufer des

Flusses erreicht die Bahn (43 km) Stat. _Tientsin Settlement_.--Weiter

nach Peking vgl. S. 277.

14. Peking und Umgebung.

Vgl. beiliegenden Plan.

=Ankunft.= Die beiden Kopfstationen der _Nordchinesischen Bahn_ und

der _Peking-Hankau-Bahn_ liegen östl. und westl. vom Haupttor

Tchiën-mönn. Vom Mukdenbahnhof erreicht man das Hôtel des

Wagons-Lits zu Fuß in 3 Min. durch das »Water Gate«. Vom

Hankaubahnhof fährt man in Rikscha 10 Min. zum Hotel durch das

Tchiën-mönn. Hausdiener der Gasthöfe sind am Bahnhof.

=Gasthöfe=: _Grand Hôtel des Wagons-Lits_ (deutsche Leitung), I.

Haus, mit allem Komfort, 100 Z., Pens. $ 8-12, oft überfüllt, daher

telegraphische Vorausbestellung (»Wagonlits-Peking«) dringend

anzuraten.--_Hôtel du Nord_ (deutscher Inhaber O. Ludwig), beim

Tore Hatamönn, billiger, aber (sehr primitiv) in alten

Chinesenhäusern.-- _Hôtel de Pékin_ (italienische Leitung), am

Nordglacis.--Chinesische Gasthöfe sind für europäische Reisende

unbewohnbar. Chinesische Speisehäuser (stets ungemütlich und

schmutzig) zeigt der Führer. Vorher zu Hause essen!

=Telegraph= in der Telegraph Lane (vgl. Plan).

=Postanstalten=, deutsche, französische, japanische, russische, im

Gesandtschaftsviertel.

=Wagen= besorgen die Gasthöfe, ebenso =Rikschas=.

=Automobile= zu Fahrten zum Sommerpalast (1 St.), Zoologischen

Garten (1/2 St.).

=Führer= (Erklärungen mit Vorsicht aufzunehmen) besorgen die

Gasthöfe, desgleichen =Reittiere= und =Tragstühle= zu Ausflügen.

=Eisenbahnen=: _Nordchinesische Bahn_ (Imperial Railways of North

China) nach Tientsin (S. 277) und nach Mukden (S. 324) mit Anschluß

an die _Südmandschurische Bahn_ (Reichskursbuch 706) über

Charbin-Irkutsk-Moskau nach Berlin (S. 301); die _Mongolische Bahn_

(Imperial Peking-Kalgan Railway) nach Suiyüan (S. 295) und die

_Peking-Hankau-Bahn_ oder _Peihan-Bahn_ (Reichskursbuch 706;

Imperial Ching-Han Railway) nach Hankau (S. 259 u. 299).

=Geld= s. S. 219. Viel falsches Silber- und Kupfergeld ist im

Umlauf.--=Banken=: _Deutsch-Asiatische Bank_; _Hongkong & Shanghai

Banking Corporation_; beide Korresp. der Berliner

Disconto-Gesellschaft, erstere auch der Deutschen Bank in Berlin

und der Allgem. Deutschen Creditanstalt in Leipzig. Ferner (seit

1910) _Russisch-Asiatische Bank_; _Yokohama Specie Bank_; _Banque

de l'Indo Chine_, sämtlich in der Gesandtschaftsstraße.

=Theater=: In der Chinesenstadt, die besten in dem 1900

niedergebrannten Stadtteil sw. vom sogen. Kaisertor in der Straße

Dà-schi-laol und ihren Parallelstraßen. Theater alten Stils am

Fleischmarkt Jóū-schi, sö. vom Kaisertor. Beste Plätze auf der

Galerie; Mitnahme eines Führers ratsam.

=Reisebureau= der Schlafwagengesellschaft im Hôtel des

Wagons-Lits.-- Führer: _Boy-Ed_, Peking und Umgebung, $ 2,20, und

andre Führer in englischer Sprache im Hotel des Wagons-Lits

käuflich.

=Gesandtschaften= (meist an der Gesandtschaftsstraße): _Deutsches

Reich_, Gesandter Se. Exzellenz Wirkl. Geh. Rat Graf v. Rex

(Sommersitz in Peitaiho). --_Österreich-Ungarn_, Ritter v.

Kuczynski.

=Deutscher Arzt=: Stabsarzt Dr. _Gelinsky_, deutscher

Gesandtschaftsarzt.-- =Deutsches Krankenhaus= und Militärlazarett

nördl. der deutschen Offiziershäuser. --=Deutsche Apotheke=: _J.

Betines & Co._ im amerikanischen Hospital an der Hatamönnstraße,

gegenüber Hôtel du Nord. Französisches Krankenhaus _St.-Michel_ in

der Gesandtschaftsstraße.

=Geschäftsadressen.= Deutscher Photograph: _M. Hartung_, gegenüber

deutschem Offizierskasino; japanischer (gut) _Yamamoto_, neben

Direktion der Peking-Hankau-Bahn;--Reiseausrüstung etc.: _Kierulff

& Co._ (deutscher Inhaber Krüger), Gesandtschaftsstraße; _H.

Bahlke_ (deutsch), Hatamönnstraße, neben Hôtel du Nord; _L.

Wanniek_ (Österreicher), ebenda;-- chinesische Geschäfte in der

Hatamönnstraße und in der Chinesenstadt.

=Zeiteinteilung= für 10 Tage. 1. Tag: Gesandtschaftsviertel und

Abendspaziergang auf der Mauer.--2. Tag: östliche Mandschustadt bis

zum Gelben Tempel.--3. Tag: westliche Mandschu- und Kaiserstadt.--4.

Tag: Chinesenstadt.--5. und 6. Tag: Ausflug zum kaiserlichen

Sommerpalast (geöffnet jeden 5., 15., 25. chinesischen Datums, 3

Tage vorher bei Gesandtschaft einschreiben) und in die Westberge.

--7.-10. Tag: Ausflug nach der Großen Mauer und den Minggräbern.

--Ganz flüchtige Reisende brauchen 2 Tage für Peking, 1 Tag

Sommerpalast und 3 Tage für den Ausflug zur Großen Mauer und den

Minggräbern. Vgl. auch Zeiteinteilung auf S. 294.--Zu genaueren

Studium der Stadt nehme man mindestens 4 Wochen Aufenthalt.

[Hand] Für _=Umschreibung der chinesischen Laute=_ mit lateinischen

Buchstaben befolgt jeder Schriftsteller über chinesische Dinge sein

eignes System. Im folgenden sind die chinesischen Worte in der

praktischen Umschreibung nach dem System Sir Thomas Wade's

wiedergegeben, dessen Hauptregel ist: die Vokale wie im Deutschen,

die Konsonanten wie im Englischen zu sprechen. Da viele

Abweichungen vorkommen, ist die Aussprachebezeichnung in eckigen

Klammern [] beigefügt; man merke: alle Laute wie im Hochdeutschen

mit folgenden Besonderheiten: y = j in Jahr, jung; j = französisch

j in Journal, Jongleur; h = ch in Bach, Loch; ch = ch in China,

Chemie; ie stets getrennt sprechen i-ĕ (nicht wie langes i),

ebenso ou, das entweder ŏ-ū oder ō-ū lautet; w wie

englisch w (nicht wie deutsches w).

* * * * *

Weltreise. Erster Teil: Indien, China und Japan · 第 40 / 63 段