Kiautschougebiets, hat (1910) 38000 Einw., darunter 1600 Europäer (ohne
2500 Mann Militär), im Landgebiet wohnen 127000 Chinesen; die Stadt
liegt auf 36° 4' nördl. Br. (wie Gibraltar) zwischen Hügeln auf der
Halbinsel an der Ostseite der Kiautschoubucht. Sämtliche Hafenanlagen,
städtischen Anlagen, Wege und Bahn sind deutsche Arbeit, mit deutschem
Gelde geschaffen. Der _Handelshafen_ (BC1; _Großer Hafen_ genannt, im
Gegensatz zum _Kleinen Hafen_ [B2], der dem Dschunken und Bootsverkehr
dient) mit großem Schwimmdock nimmt Schiffe jeder Größe auf, seine
Kaianlagen sind mit Bahngleisen, Warenschuppen und mit einer größern
Reparaturwerft versehen. Die Stadt ist weitläufig und gesund angelegt;
an der _Tsingtaubucht_ liegen das deutsche Geschäftsviertel (BC2, 3) mit
dem alten Yamen, Lazarett und Kasernen (C3). Nördl. davon erstreckt sich
bis zum Kleinen Hafen das Chinesenviertel _Tapautau_ (C2, 3) mit
Markthalle und Missionsanstalten. Zwischen _Tapautau_ und dem
Handelshafen sind die Lagerhäuser und Bureaus der großen Exportfirmen.
Östl. vom Yamen liegt das Villenviertel an der _Auguste-Viktoria-Bucht_
(D3). In der _Tsingtaubucht_ (BC3) sind mehrere Landungsbrücken für
Boote. Die Gesundheitsverhältnisse von Tsingtau sind dank der guten
hygienischen Einrichtungen die besten an der ganzen ostasiatischen Küste
geworden, daher und wegen des angenehmen Sommerklimas wird die Stadt von
europäischen Badegästen aus allen Häfen Ostasiens als Seebad besucht.
Die _Gouvernementschule_ (C5) ist ein Reformrealgymnasium (1910 mit 170
Schülern und 10 Lehrern) in 9 Klassen (Vorschule, Sexta bis Sekunda);
Alumnat für Auswärtige bei einem Oberlehrer sowie in einzelnen Familien.
Die deutsche _Mädchenschule_ wird von Franziskanerinnen geleitet. Die
_Kiautschoubibliothek_ umfaßt bereits etwa 30000 Bände, im Lesezimmer
liegen 70 deutsche und englische Zeitungen und Zeitschriften aus. Die
_meteorologische Station_ (Direktor Dr. _Meyermann_; ein großes
Observatorium, Geschenk des Flottenvereins, ist Anfang 1912 in Benutzung
genommen) auf dem Wasserberg (BC4) gibt tägliche Wetterkarten heraus.
Mehrere _Krankenhäuser_ sind von den Missionen eingerichtet.
_=Rundgang.=_ Vom Kaiser-Wilhelm-Ufer führt in der Richtung der
_Tsingtau-Landungsbrücke_ (C3), in deren Nähe das Haus des
Tsingtau-Clubs steht, die Friedrichstraße nach N.; an ihr liegt r. das
1902 eröffnete _Seemannshaus_ (B4), zur Erholung für die Mannschaften
des Kreuzergeschwaders und der Garnison bestimmt. Westl. von der
Tsingtau-Landungsbrücke liegt die am 25. Okt. 1909 eröffnete
*_Deutsch-Chinesische Hochschule_ (B3), die nach Anmeldung beim Leiter,
Prof. Keiper, dem frühern Dozenten an der Universität in Peking,
besichtigt werden kann. Die Hochschule bezweckt, jungen Chinesen mit
genügenden Vorkenntnissen ihrer Mutterschrift etc., was ein chinesischer
Studieninspektor beaufsichtigt, staatswissenschaftliche, technische,
medizinische oder land- und forstwissenschaftliche Ausbildung nach
deutscher Lehrmethode und in deutscher Sprache zu geben. (Von 200
Angemeldeten bestanden 93 die Aufnahmeprüfung; 17 wurden dazu noch
bedingt eingestellt, insgesamt 110; die Neubauten der Hochschule rechnen
auf 520 Zöglinge.) Am Nordende der Friedrichstraße liegt r. die
Markthalle (B4); hinter ihr beginnt das Chinesenviertel _Tapautau_ (B4),
durch das die Schantungstraße zum _Kleinen Hafen_ (B2) führt, von dem
man auf der Rechternstraße längs des Strandes zum großen _Handelshafen_
(BC1) gelangt. Vom _Bauhafen_ (C2) vor dem Handelshafen gelangt man auf
der Westpaßstraße vorbei am _Faberhospital_ (C2) und der _evangelischen
Missionsanstalt_ bis in die Nähe des _Gouvernementslazaretts_ (C2), doch
benutze man den Fußweg, der vorher l. nördl. von Villa Crusen auf den
_Diederichsberg_ (99 m) hinaufführt; oben bei der Signalstation (C4)
*Aussicht über Stadt und Hafen. (Die Station zu betreten ist verboten!)
Abstieg nach S. vorbei am _Diederichsstein_ (mit Felsinschrift zum
Andenken an die Besitznahme durch den Admiral v. Diederichs); in der
Nähe das neue _Gouverneurswohnhaus_ (D5), 1906/07 erbaut. Der Fußweg
mündet unterhalb des Lazaretts, in der Nähe der neuen _evangelischen
Christuskirche_ (C5), in die Bismarckstraße, von der r. am Hohenloheweg
das stattliche _Gouvernementsgebäude_ (B5) liegt. Man folgt der
Bismarckstraße, an der l. die alte Gouvernementsschule und ehemalige
Kapelle, die neue Gouvernementsschule (s. oben) und unterhalb davon bei
den »Fünfzehn Eichen« ein der Meeresgöttin geweihter _Tempel_ (C5) steht,
worin eine Figur dieser Göttin nebst andern Figuren und Malereien
sehenswert sind. Man biegt nun l. und folgt dem Kaiser-Wilhelm-Ufer zum
alten _Yamen_ (C5), dem frühern Sitz des chinesischen, dann
provisorischer Amtssitz des deutschen Gouverneurs, mit bemerkenswerter
_Fengschuimauer_ (zum Schutz gegen Wind- und Wassergeister) vor dem
Eingang; auf der Innenseite ein Bild des Ungeheuers Tan. Von da fahre
man mit Rikscha nach S. und längs des Auguste-Viktoria-Ufers zum
Badestrand (D3), wo im Sommer wöchentl. zweimal Nachm. die Militärmusik
spielt; dahinter breitet sich das Villenviertel von Tsingtau aus. Vom
Seebad führt die Iltispaßstraße über den Exerzierplatz und l. vorbei am
_Europäerfriedhof_ (mit Denkmal des Gouverneurs Jaeschke und des
Missionars und Sinologen E. Faber) am Fuße des _Bismarckbergs_ (D2),
dann r. an den Iltiskasernen auf guten Wegen auf den _Iltisberg_ (E2; 4
km von Tsingtau) mit sehenswertem *Forstgarten und mehreren
Aussichtspunkten sowie Granitfelsen (»Mausefalle« 2/3 km östl. von den
Kasernen). Beachtenswert ist die durch die deutsche Marineverwaltung
ausgeführte Aufforstung der früher kahlen Berge. Bückweg am
_Bismarckberg_ entlang, über den Europäerfriedhof und an den (r.)
_Bismarckkasernen_ (D2) vorbei durch die Ostlagerstraße zur Stadt
zurück. Tsingtau, ursprünglich nur als Flottenstützpunkt gedacht, ist
eine mustergültige Schöpfung der deutschen Marineverwaltung, die von
deutschen Weltreisenden als »Kleinod unseres Volksgeistes« bezeichnet
wird, das deutschen Baustil, deutsche Behaglichkeit, Sauberkeit und
Ordnungsliebe im fernen Osten rühmlichst zur Geltung bringt. Kein
Weltreisender sollte versäumen, diese zukunftsreiche deutsche Siedelung
zu besuchen!
Ein =Ausflug= in den =Lauschan=, zwei Tage, zu Wagen (hin und
zurück $ 12) oder zu Pferde, auf guter Fahrstraße, ist
landschaftlich sehr lohnend und gewährt gute Einblicke in den
Charakter des Berglandes von Schantung. Der Hauptast des Lauschan
(»beschwerliches Gebirge«), der die höchsten Gipfel (Lauting, 1130m
= Brockenhöhe, Steinerne Säge, Fünffingerspitze) trägt, zieht
nordsüdl. an der Ostgrenze des Schutzgebietes entlang und fällt
ostwärts steil zur großen Lauschanbucht ab. Westwärts sind ihm
einige Seitenäste mit tiefen Tälern dazwischen vorgelagert. Trotz
seiner geringen Höhe macht das Gebirge einen sehr unwirtlichen,
beinahe alpinen Eindruck; steil steigen die nackten felsigen Hänge
der Granitberge zu zackigen Graten auf, ihre untern Teile sind von
mächtigen Trümmerhalden umhüllt. Kahl und waldlos ist alles, fast
jede Vegetation ist den brennholzsuchenden Chinesen zum Opfer
gefallen, nur ganz niedrige, struppige Kiefernholzschonungen
bestehen hier und da. Auch in den Tälern findet man Grün nur in der
Nähe der Ortschaften und um die Tempel und Klöster.
Nördl. über (4 km) _Taitungtschen_, durch malerische Dörfer und
über Höhen nach (15 km) _Litsun_, großem Marktflecken mit
Bezirksamt am gleichnamigen Fluß; von da östl. am r. Flußufer
entlang über _Tschengtan_ nach (21 km) _Hsiaho_, dann über den
Bergrücken östl. weiter nach (24 km) _Nanlungkou_, von da östl.
über (26 km) _Hanho_ ins Lauschantal nach (28 km) _Tschiuschui_ und
dann flußaufwärts, vorbei am Tempel (30 km) _Tschiuschui-an_ mit
Bambushain bis zum (33 km) _Tempelpaß_ (447 m), wo in prächtiger
Gebirgsgegend das =Deutsche Genesungsheim= (_Mecklenburghaus_,
zugleich Gasthof mit mäßigen Preisen) für das Kiautschougebiet
liegt; Aussicht aufs Meer und ins Lauschantal. Man übernachte im
Genesungsheim und gehe am nächsten Morgen 2 km bergab ins
Peischahotal nach (35 km) _Peitschiuschuimiau_, Kloster mit schönen
Kiefern- und Bambuspflanzungen; südl. vom Kloster liegen sechs
Landhäuser von Europäern. Man folgt nun dem Peischahotal aufwärts
bis (37 km) _Schuangschywu_, dann steigt l. ein Fußweg zum (39 km)
_Tempel Waldfrieden_ (Gelegenheit zum Übernachten, der Schlüssel zu
den dem Bergverein Tsingtau gehörigen Räumen im Genesungsheim); von
da auf bezeichnetem Fußweg zum (43 km) _Kuhpaß_ (961 m) am
deutschen Grenzstein Nr. 5, dann südl. weiter zum (47 km) _Lauting_
(1130 m), dem höchsten Gipfel des Lauschan, schon außerhalb des
Schutzgebiets; von da führt ein bezeichneter Fußweg zur (51 km)
_Irenenbaude_, dem steinernen Haus des Bergvereins Tsingtau
(bequeme Unterkunft, im Sommer geöffnet, sonst Schlüssel im
Genesungsheim). Von der Irenenbaude führt ein bezeichneter Fußweg
zum Genesungsheim zurück; von andern Wegen führt einer nach
_Schuangschywu_, einer nach _Schatstykou_ südl. durch das
_Prinzental_ und ein dritter nach _Tschiu-schui_ über den
Mattenstock. Alle Wege im Lauschan sind rot-weiß-rot und mit Nummer
bezeichnet.--Für Wanderungen im Lauschan benutze man die Wegkarte
des »Bergvereins«; der Gebirgswart des Vereins (zurzeit Obersekretär
_Bergemann_) erteilt gern Auskunft.
A. Von Tsingtau über Land nach Peking.
Von _Tsingtau_ bis (412 km) _Tsinanfu_ mit der
=Schantung-Eisenbahn= in 11-1/2 St. für I. Kl. $ 14, II. $ 7; keine
Rückfahrkarten (vgl. Reichskursbuch 706). --Von Tsinanfu bis (335
km) Tientsin mit der =Tientsin-Pukou-Eisenbahn= in 10-3/4 St.,
tägl. in jeder Richtung ein Zug; bis Fertigstellung der
Hoanghobrücke bei Tsinanfu Überfahrt über den Fluß auf Fähren (vgl.
Reichskursbuch 706). Von Tientsin bis Peking s. S. 277.
Die _Schantung-Eisenbahn_ soll für unsre Kolonie die fehlende
Schiffahrtsstraße ins Hinterland ersetzen, den Ausfuhr- und
Einfuhrhandel aus der Provinz Schantung und dem nördl. Teil der
Großen Ebene nach Tsingtau lenken und vor allem auch die
Kohlenlager von Fangtse und Poschan erschließen. Die
Schantung-Eisenbahngesellschaft, die die Bahn erbaut hat und seit
1. Juni 1904 betreibt, beutet
als »Schantung-Bergbaugesellschaft« auch die Kohlenfelder aus. Das
Gebirgsland von Schantung öffnet sich gerade im Hintergrunde der
Kiautschoubucht zu einer hügeligen Senke, die einen bequemen Zugang
nach Tsinanfu, der Hauptstadt Schantungs, gewährt.
Die =Provinz Schantung=, die man durchfährt, ist, trotzdem sie
großenteils gebirgig ist, außerordentlich dicht bevölkert (im
Durchschnitt 258 Bewohner auf 1 qkm, in Deutschland nur 120);
trotzdem sie als metallreich gilt, beruht ihr Hauptreichtum doch
auf der Landwirtschaft, die außer Nahrungsmitteln auch Baumwolle
und Opium hervorbringt, dem Obstbau und der Seidenzucht. Die
Bevölkerung ist kräftig, intelligent und dem Fortschritt zugeneigt.
Die beiden großen chinesischen Philosophen Kungfutsze und Mengtse
entstammen ihr. Zahlreiche, von Karren und Schubkarren reich
belebte Straßen durchziehen das Land. Die einzige Industrie ist die
Strohflechterei, die auch stark exportiert.
Vom Bahnhof in Tsingtau (S. 267) an der Prinz-Heinrich-Straße (B3) fährt
die Bahn um das Nordende der Stadt am Kleinen Hafen und großen
Handelshafen vorbei, dann längs der Küste der Kiautschoubucht über den
Haipofluß nach dem Dorf--(8 km) _Syfang II_; gute Gartenschänke
(_Paradiesgarten_, Molkerei [Kusserow]), Ausflugsort der Tsingtauer; in
der Nähe schöner Totenhain.--Weiter nach (18 km) _Tsangkou_, Dorf mit
Gartenlokal (Bang), bequemem Ausflugsort, in dessen Nähe die große
Seidenspinnerei der Deutsch-Chinesischen Seidenindustriegesellschaft
(Kolonialgesellschaft) liegt, die jetzt außer Betrieb ist, doch neu
verpachtet werden soll.--Die Bahn wendet sich dann in großem Bogen,
viele reiche Dörfer berührend, westl. und erreicht nach 2-1/4 St.
(81 km) =Kiautschou=, unansehnliche Stadt mit etwa 84000 Einw.,
außerhalb des deutschen Schutzgebiets, aber in der neutralen Zone. Vom
Bahnhof führt ein Weg zum Nordtor; innerhalb dessen l. ein Wohnhaus für
die Bahnbeamten, gegenüber die evangelische Mission (Missionar Töpper),
r. ein kleiner Tempel; jenseit des Bahnhofs liegt die ehemalige Kaserne
der deutschen Besatzung. Vom Nordtor sw. gelangt man in einen schönen
Park (Lotos, Bambus etc.), dann zum _Tempel des Gottes der Reichtümer_,
von da zum Tempel der Himmelskönigin, ferner zum _Literaturtempel_ und
dem verwahrlosten (meist geschlossenen) _Kungfutszetempel_ mit Drachen
auf den Dachfirsten. Das Yamen des Unterpräfekten liegt nahe dem
Westtor, in seiner Nähe die Prüfungshalle. Außerhalb des Osttores der
_Tempel des Kriegsgottes_. Im NW. der Stadt die katholische Mission.
Hinter Kiautschou durchläuft die Bahn fruchtbare Gegend mit hübscher
Landschaft.--(107 km) =Kaumi=, lebhafte Marktstadt, 20 Min. vom
Bahnhof, mit hohen Mauern, sehenswerten Läden, Tempeln und schönem
*Mandarinengrab. 15 Min. vom Gasthof liegt auf einem Hügel mit Park die
Kaserne der ehemaligen deutschen Besatzung, in der jetzt ein
chinesischer Hauptmann sowie die deutsche evangelische Mission (mit
Schule und Krankenhaus) wohnen.--Bei (183 km) Stat. =Fangtse= liegt 20
Min. südl. das große Kohlenbergwerk nebst Wäscherei und eine
Brikettfabrik der deutschen Schantung-Bergbaugesellschaft. Die Kohle
eignet sich leider nur zum Hausbrand, nicht zum Verbrauch auf
Schiffen.--Die Bahn führt durch das Tal des Weiho, überschreitet diesen
und seinen Nebenfluß Yunho auf eisernen Brücken. Man sieht
Obstpflanzungen, bewaldete Hügel und einen schönen Zypressenhain bei
_Nanliu_; die Dörfer werden dichter, die Häuser sehen wohlhabender
aus.-- (196 km) =Weihsien=, lebhafte Handelsstadt, von Mauern umgeben,
mit deutschem Postamt und amerikanischer Missionsstation (Lou tao yüan);
der Pailangho fließt mitten durch die Stadt. Die Gewerbe sind
straßenweise geordnet.--Dann führt die Bahn über (220 km) _Tschanglo_
nach (255 km) =Tsingtschoufu=, Stadt mit 35000 Einw., Stammsitz der
Ming-Dynastie mit amerikanischer Mission. Vom Bahnhof führt eine breite
Straße in die Hauptstraße der Chinesenstadt, in deren Nähe die
Mandschustadt liegt. Im Kloster _Tschinglungtse_ (4 km) eine große
*Tempelanlage.--Die Bahn führt nun über (270 km) _Tschotien_ nach (302
km) _Tschangtien_.
=Zweigbahn= von hier nach (43 km) =Poschan=, nach v. Richthofen der
industriellsten Stadt in China in schöner Landschaft. In Poschan
sind alte Kohlenbergwerke, ferner eine Glasfabrik nach europäischem
Muster (gläserne Schnupftabakfläschchen von Poschan sind berühmt);
auch wird dort der Schmelz für das Pekinger »Cloisonné« gewonnen. Die
deutsche Schantung-Bergbaugesellschaft besitzt in _Hungschan_ (7 km
nw. von der Bahnstation _Tsetschuan_, 32 km von Tschangtien) einen
Förderschacht für Fettkohle.
Die Hauptbahn läuft über (320 km) _Tschoutsun_, Haupthandelsplatz für
Schantungseide, Tussah genannt, nach (406 km) _Tsinanfu-Ost_, dann um
die Stadt herum nach (409 km) _Tsinanfu-Nordwest_ bis zum Endpunkt der
Bahn, dem (412 km) _Westbahnhof_ von
=Tsinanfu= (_Hotel Trendel_, am Westbahnhof, mäßig, Pens. $ 5; Gasthaus
des Schlächtermeisters _Stein_, nahe dem Bahnhof, bescheiden, sauber,
gelobt), Hauptstadt der chinesischen Provinz Schantung und wichtige
Handelsstadt der Kreuzungsstelle des Hoangho mit dem Kaiserkanal, Sitz
des Gouverneurs, mit etwa 360000 Einw., Hochschule, Rechtsakademie,
Lehrerseminar, Gewerbeschule (mit Ausstellung der in der Schule
hergestellten Gegenstände), Polizeischule, Kadettenschule und Arsenal;
die Stadt hat elektr. Licht und Telephon. _Deutsches Konsulat_, Konsul
Dr. Betz.
=Zeitteilung=: Bei eintägigem Aufenthalt besichtige man die heißen
Quellen, den Lotosteich und mache einen etwa vierstündigen Ausflug
zum Tausend-Buddha-Berg.
Sehenswert sind der *=Lotosteich= (_Ta ming hu_) im N. der Stadt mit
Tempeln und Ahnenhallen am Rand und auf den Seeinseln und hübschen
Ausblicken (Bootsfahrt); die _Provinzialbibliothek_ mit alten Relief- und
Inschriftensteinen am Seeufer; das Provinziallandtagsgebäude; die
*=heißen Quellen= (Pai tu tsuan), in denen das die Straßen
durchfließende heiße Wasser entspringt, mit altem Quellentempel, worin
ständiger Markt abgehalten wird, in der südl. Vorstadt; ganz im S. die
weitläufige Anlage der Englischen Baptistenmission mit Medizinschule und
Museum; vor dem neuen Westtor (_Pu li men_) der stattliche Neubau des
Ober- und Landgerichts, dahinter das Mustergefängnis, an der zur
Handelsniederlassung am Westbahnhof führenden Straße; in der
Niederlassung liegen das _Deutsche Konsulat_ (Konsul Dr. Betz), das
große Verwaltungsgebäude der Tientsin-Pukou-Eisenbahn, das _Sanatorium
Dr. Kautzsch_, Niederlassungsamt; _Deutsches Postamt_ im Westbahnhof.
Bank: _Deutsch-Asiatische Bank_ (Korresp. der Deutschen Bank).
=Kleinere Ausflüge= in die Berge im S. zum *=Tschien fo schan=
(_Tausend-Buddha-Berg_), buddhistischem Wallfahrtstempel über der
Stadt mit hübschem Blick auf die Umgebung bis zum Hoangho; in
hochromantischer Talschlucht im Gebirge; nur mit Führer zu Fuß
durch die Berge in 3-1/2 St. oder zu Pferd auf Umweg um das Gebirge
herum in 2-1/2 St.
=Ausflug= zur =Geburtsstadt und dem Grabe des Kungfutsze=. Von
Tsinanfu mit der Südlinie der Tientsin-Pukou-Bahn in etwa 3 St.
nach (etwa 70 km) _Taianfu_ (Bahnhofshotel) mit den sehenswerten
Tempeln der _Pihiayüen kün_ und des _Taimiau_. Von da Besteigung
des *=Taischan= (1550 m), des schönsten Punktes von Schantung,
hochberühmter, alter heiliger Wallfahrtsberg, Aufstieg 4 St.,
Abstieg 3 St.; mit Bergsänften für Tag und Träger 1000 Käsch (etwa
$ 0,40) und Trinkgeld, vier Träger erforderlich. Der Weg führt von
Taianfu an der Ostmauer des Taimiau entlang nach der Stadtmauer,
außerhalb nach W. durch den großen Ehrenbogen _Taitsungfang_ (16.
Jahrh.), der den Anfang des berühmten Treppenwegs (etwa 6000
Stufen) zum Gipfel bildet, dann zwischen Zypressen, Tempeln, Toren,
Gedenksteinen und Raststellen bergauf; viele Ausblicke in
zerklüftete Gebirgslandschaft. Der obere Teil der »Treppe zum
Himmel« schmiegt sich wie eine Riesenschlange an die steile
Felswand; oben hinter dem ersten Tor hält _Kuanti_, der Kriegsgott,
die Wacht. Auf einem Sattel zwischen zwei Kuppen sind
Unterkunftshütten: die Hochfläche ist übersät mit Tempeln; der
schönste Tempelpalast mit hohen Toren, Trommel- und Paukenturm,
Höfen und Pavillons ist der Himmelsmutter (_Pihiayüen kün_)
geweiht: auf schwerem Sockelbau mit Freitreppe erhebt sich ein
Kungfutszetempel; alle Anlagen überragt der Tempel des
Edelsteinkaisers (_Yühuangti_) auf dem höchsten Gipfel am Nordrand
des Berges. Herrlicher Blick auf den Fluß _Tawönho_, die Stadt
Taianfu in der Ebene und das Trümmerfeld ähnliche Gebirge nach O.,
N. und W. vom »Lebensgipfel« aus. In der Nähe berühmte
Felseninschrift aus der Zeit der Tang-Dynastie (7. Jahrh.); man
kann im Gebirge in einem Kloster übernachten. Von Taianfu gelangt
man weiter mit der Bahn nach (etwa 130 km) _Yentschoufu_, von da zu
Pferd oder zu Fuß nach (18 km) *=Küfu= am Fuß des großen
Schantunger Gebirgsdreiecks, wo _Kungfutsze_ (Confucius) 551 v.
Chr. geboren wurde und 478 starb; den größten Teil der Stadt nimmt
die großartige Anlage des _Kungfutszetempels_ ein. Durch fünf
Vorhöfe und hallenartige Tore, mit Inschriften und Gedenksteinen
geschmückt, führt der breite Weg zum Hauptheiligtum _Tatschengtien_
(»Zur großen Harmonie«) des Kungfutszetempels mit gelb glasiertem,
doppeltem Dach, auf dessen First Fabeltiere die bösen Geister
fernhalten; die marmornen Monolithsäulen des Tempels (16. Jahrh.),
auf denen Wasser, Berge und Wolken mit den beiden nach dem
Edelstein greifenden Drachen in erhabener Arbeit gemeißelt sind,
stehen auf 3 m hoher Plattform; die Tempelhalle ruht auf roten
Hartholzsäulen; in der Halle stehen fünf geschnitzte Schreine mit
Opfertischen, im mittlern erhebt sich die goldglänzende Statue des
Kungfutsze mit kaiserlichen Insignien, am seltsamen Zeremonienhut
12 grün- und rotseidene Quasten mit Perlen, zu den Füßen die
Seelentafel mit Inschrift: »Tschescheng siensche Kungtse
schen-wei« (d. h. des allerheiligsten hehren Lehrers Kungtse
geistiger Thron).
Im Schrein l. Jenfutse, der Neffe, und Tsesetse, der Enkel des
Weisen, r. die andern Hauptschüler Tsengtse und Mengtse (Mencius).
Um den Haupthof liegen mauerumzogene Unterkunftshäuser für die
Kaiser und ihr Gefolge, in denen sie sich fastend auf die Opfer
vorbereiteten, ferner kleine Tempel für die Eltern und Vorfahren
des Weisen, Hallen für die geweihten Musikinstrumente, Übungsräume
für die Musikanten etc.
Kleiner ist der Tempel des Jenfutse, hinter dem in einem noch viel
kleinern Tempel der Frau des großen Schülers geopfert wird. Nahebei
eine gute chinesische _Herberge_. In Küfu residiert das
gegenwärtige Haupt der Familie, der _ »heilige Herzog« Kun_ (_yen
scheng kung_), der 74. direkte Nachkomme des Kungfutsze.
(Ausführliche Schilderungen und Abbildungen der Sehenswürdigkeiten
auf dem Taischan und in Küfu in: »_Studien und Schilderungen aus
China_«, Nr. I: _Der Taischan_; Nr. II: _Heiligtümer des
Konfuzianismus_; Verlag der katholischen Mission in Yentschoufu, zu
haben in den Buchhandlungen in Schanghai und Tsingtau.) Der Weg von
Küfu zum einfachen und schlichten Grab des Weisen führt durch den
*_Geisterweg_, dessen Allee aus der Zeit der Han-Dynastie (206 v.
Chr. bis 220 n. Chr.) stammen soll. Marmorbogen, mit Löwen
geschmückt, überspannen den Weg, an dem Kioske mit Inschriften
stehen. Man gelangt in einen urwaldähnlichen Totenhain; die spitzen
Grabhügel der Verwandten des Kungtse sind dicht überwachsen. Durch
einen alten Ehrenbogen und über eine spitzbogige Brücke erreicht
man ein Torgebäude, hinter dem der Ehrenweg beginnt, der an den
großen Steinfiguren der »hochehrwürdigen Oheime« zu seiten einer
Rauchopferschale vorbei zum Grabhügel des »_Allerheiligsten_« führt,
der, mit Gestrüpp bewachsen, einen großen, nach S. gerichteten
Grabstein voll altertümlicher Schriftzeichen mit schwerem
Opfertisch zeigt--das *_Grab Kungfutszes_, umgeben von den Gräbern
seiner nächsten Verwandten.
Sehr anstrengend, aber lohnend, ist der Rückweg von Küfu in östl.
Richtung über das Gebirge nach Poschan (S. 272) mit einräderigen
Reisekarren (wheelbarrows, in Pidgeon: bibalos), von je zwei Kulis
gezogen; drei Tagereisen bis Poschan, auf schmalen Gebirgspfaden,
an Abgründen vorbei, über den Poschanpaß (mit steinerner
Ehrenpforte), auf sehr schlechten, mit Steingeröll übersäten Wegen.
Unterwegs viele schöne Ausblicke. In Poschan sehenswerte
Glasbläsereien und Töpfereien. Rückfahrt von Poschan mit der
Schantung-Bahn nach Tsingtau.
_Kungfutsze_, der bedeutendste Staats- und Sittenlehrer Chinas,
griff, um der Zerrissenheit Chinas in viele kleine Einzelstaaten
abzuhelfen, auf den altchinesischen Ahnenkultus und die alten
Schriften der chinesischen Weisen zurück, erklärte als vornehmste
Pflicht den unbedingten Gehorsam des Sohnes gegen den Vater, des
Untertanen gegen den Kaiser als Statthalter Gottes; außerdem lehrte
er die Tugenden Menschlichkeit, Rechtlichkeit, Schicklichkeit,
Weisheit und Treue. Die weitgehende chinesische Elternverehrung ist
durch ihn noch gefördert worden. In verschiedenen Büchern stellte
er die Aussprüche der Kaiser des Altertums und ihrer Ratgeber
zusammen. Trotzdem er kein Religionsstifter war, wurden nach seinem
Tode ihm zahllose Tempel geweiht und Gedenkopfer dargebracht. Einer
der schönsten Tempel Chinas ist in Küfuhsien ihm zu Ehren errichtet
und mit Inschriften, Vasen und Schnitzereien aller Zeiten
geschmückt. In der Stadt führen etwa vier Fünftel der Einwohner
seinen Namen, darunter der Herzog von Kung, der sein direkter
Nachkomme ist.--_Mengtse_ (_Mencius_), der berühmteste aus der
Schule des Kungfutsze hervorgegangene Philosoph, geb. 372 v. Chr.,
gest. 289, hat seine Lehren in frischer, lebendiger Form in sieben
Büchern zusammengefaßt, die zu den klassischen Schriften Chinas
rechnen (auch ins Englische und Französische übersetzt). Seine
Nachkommen werden seit zwei Jahrtausenden in dem Nachbarorte
_Tschouhsien_, der Heimat des Mengtse, in einem heiligen Wald von
Eichen und Zypressen begraben.
=Von Tsinanfu nach Tientsin= weiter mit der Tientsin-Pukou-Bahn (S.
271), einer wichtigen Bahnlinie, die künftig Schanghai über Nanking
(Überfahrt über den Yangtse mit Fährdampfer nach Pukou S. 256), Tsinanfu
und Tientsin mit Peking verbindet, die Bahn ist auf der nördlichen, mit
deutschem Geld und von deutschen Firmen gebauten Hauptstrecke
(Tsinanfu-Tientsin) bereits im Betrieb, trotzdem die Hoangho-Brücke,
deren Fundamentierung ungeheure Schwierigkeiten machte, voraussichtlich
erst Ende 1912 betriebsfertig wird (Fährdampfer über den Hoangho vgl. S.
271). Die Nordstrecke zwischen Tsinanfu und Tientsin berührt keine
großen Städte und führt durch den Nordteil der Großen Ebene über 30
meist kleine Stationen; etwa 120 km nördl. von Tsinanfu trifft die Bahn
bei _Tötschou_ den Kaiserkanal (_Nan yün ho_) und hält sich dann bis
Tientsin nahe östl. von ihm.
Tientsin.
Vgl. den Plan auf beifolgender Karte.
Der =Bahnhof= liegt am l. Peihoufer nahe der eisernen Brücke, die
in die Fremdenniederlassungen führt. Man beachte, daß man in Stat.
_Tientsin Settlement_ aussteigt; der zweite, nördliche Bahnhof
_Tientsin City_ liegt am Nordende der Chinesenstadt.