=Von Itschang nach Tschungking= (740 km) bietet die Fahrt auf dem

Yangtse (Eisenbahn, s. oben) wegen gefährlicher Stromschnellen oft

große Schwierigkeiten. Nachdem frühere Versuche, eine Dampferverbindung

herzustellen, fehlgeschlagen waren, hat von März bis Dezember 1910

der Flußlotse, der englische Kapitän Plant, mit dem chinesischen

Dampfer Shutung (mit Prahm im Schlepp) einen etwa 14tägigen Verkehr

aufrechterhalten (Fahrpreise für Bergfahrt, 6-9 Tage, I. Kl. $ 50,

Talfahrt [2-4 Tage] I. Kl. $ 25). Vorausbestellung der Fahrkarten

in Itschang ist zu empfehlen. Sehr lebhaft ist dagegen, weil der

Yangtse die einzige Verkehrsader zwischen den östlichen Provinzen

und der reichen Provinz Szetschuan (50 Mill. Einw.) bildet, der

Dschunkenverkehr, der die gesamte Güterbeförderung und den größten

Teil der Personenbeförderung zwischen Itschang und Tschungking

besorgt; letztere erfolgt auf »Passagierbooten«, die die Strecke in

der günstigsten Reisezeit (von Oktober bis Mai bei niedrigem Wasser)

in 25-32 Tagen zurücklegen; Boote mittlerer Größe enthalten 3 Zimmer,

Küche und Gepäckraum; der Fahrpreis beträgt 150-200 Taël. Konserven und

Getränke sind aus Hankau mitzubringen, Fleisch und Gemüse ist unterwegs

erhältlich. In Itschang empfiehlt sich die Mitnahme eines Rotbootes, d.

h. Rettungsbootes (durch Vermittelung des Konsulats von der Ortsbehörde

zu erlangen). Die Fahrt durch das tiefeingeschnittene Erosionstal ist

landschaftlich äußerst lohnend; eine der von NO. nach SW. streichenden

Bergketten nach der andern wird durchbrochen, ihre hohen Steilabstürze

wechseln mit den flachen Einmündungen, der dazwischen liegenden Täler,

Talengen mit Talweiten. _Friedr. Hirth_ (seinerzeit Seezolldirektor

in Tschungking) berichtet von seiner Reise wie folgt: »Die Reise ist

im ganzen kaum gefährlicher als eine Seereise, trotz der reißenden

Stromschnellen, deren man täglich mehreren begegnet. Die Landschaft ist

während eines großen Teils der Reise großartig und stets interessant.

Man denke sich die Sächsische Schweiz mehrfach übereinander getürmt

und die Elbe um das Drei-bis Vierfache verbreitert, um sich ein Bild

von den berühmten '_Gorges_' von Itschang zu machen, so heißen bei den

Engländern jene Engpässe, durch die sich der große Strom bis zu einigen

Tagereisen oberhalb Itschang hindurchzwängt. Zwischen Itschang und

Kweitschoufu überschreitet man die Grenze von Szetschuan. Die Mitte

der Reise bildet die Stadt _Wanhsien_, ein wichtiger Knotenpunkt für

den Handel in Ost-Szetschuan«, mit schönen Straßen, Läden, Tempeln und

Pagoden, auf einem Hügel; Bahn nach Itschang im Bau, nach Tschungking

und weiter nach Tschöngtu geplant; etwa 1000 Handwebstühle sind in der

Stadt in Betrieb; in den nahen Bergen Kohlengruben. Ein Telegraph führt

von Itschang über Wanhsien nach Tschungking und Tschöngtu und von dort

über _Ja-tschou_ nach _Tachienlu_ (tibetanisches Grenzgebiet); von

Tschungking nach _Suifu_.

(740 km) =Tschungking= (Unterkunft nur in chinesischen Gasthäusern),

Stadt mit 610000 Einw., seit 1890 Vertragshafen, die Handelsmetropole

der Provinz Szetschuan, liegt am l. Yangtseufer (über 2500 km oberhalb

Schanghai) an der Einmündung des _Kialingkiang_ halbinselförmig auf

einer 30 m hohen Felsplatte. Die Umgebung ist sehr malerisch, im

S. am r. Ufer liegt der heilige Berg _Tuschan_, wo der mythische

Kaiser Yü seine Gattin heiratete. --_=Konsulate=_: _Deutsches Reich_,

Konsul Weiß; ferner Großbritannien, Frankreich, Japan und Amerika.--

_=Post=_: _Kaiserl. Chinesische Post_ und ein _Französisches

Postamt_.--_=Krankenhäuser=_: _Deutsche Poliklinik_ (unter Leitung

eines Stabsarztes); englisches, französisches und amerikanisches

Missionshospital (letzteres mit Frauenabteilung).--_=Fremde

Firmen=_: _Arnhold, Karberg & Co._ und _Carlowitz & Co._, beide

deutsch; englische: _Mackenzie & Co._ und _British-American

Tobacco Co._--_=Ladengeschäfte=_: ein französisches, das Konserven

und Spirituosen vertreibt, ein amerikanisches, Apotheke und

Gebrauchsgegenstände. --_=Klub=_: _Seezoll-Klub_ mit Billardzimmer. P

u. T.-- Tschungking ist der Hauptflußhafen und -handelsplatz für das

»Rote Becken« von Szetschuan, ein von schiffbaren Flüssen durchzogenes,

dicht besiedeltes (40 Mill. Einw., 250 auf 1 qkm) Hügelland von

800-1000 m Durchschnittshöhe, das sehr fruchtbar ist und günstiges

Klima hat. Seine Hauptprodukte, die von Tschungking zur Ausfuhr

kommen, sind: Seide, Häute, Moschus, Rhabarber, Opium, Wolle, Borsten,

Gallnüsse, Ziegenfelle; Einfuhr: Baumwollengarn, Wollenstoffe. Etwa

1600 Dschunken verkehren jährlich in Tschungking.

Der Yangtse wird oberhalb Tschungking bis _Pingshanhien_ (westl. von

Suifu) befahren; er ist noch weiter schiffbar, aber unsicher wegen

der Überfälle durch unabhängige Lolostämme. (Vgl. _H. Hackmann_, An

den Grenzen von China und Tibet; Halle a. S. 1904.)-- Lohnend ist

ein Ausflug von Tschungking nach der Provinzhauptstadt =Tschöngtu=,

die auf einer der besterhaltenen Straßen Chinas in 10-12 Tagen zu

erreichen ist, am besten im Tragstuhl (Tragkulis erhalten für die ganze

Reise 4000 Käsch oder etwa $ 4). Die Gasthöfe sind verhältnismäßig

sauber und billig, Kosten des Nachtlagers 300-1000 Käsch; Moskitonetz

und Insektenpulver sind unentbehrlich. Tschöngtu, Sitz des

Generalgouverneurs und der obersten Provinzialbehörden, mit etwa 600000

Einw., liegt nicht weit vom Fuße des das Rote Becken im N. begrenzenden

Hochgebirges in einer sehr fruchtbaren Ebene, die etwa halb so groß ist

wie die Oberrheinische Tiefebene. Es ist das »Paris Chinas« und gilt

als die gebildetste, reinlichste und schönste Stadt des ganzen Reiches.

Die Stadt zerfällt in die chinesische, die Tataren- und die (ehemalige)

Kaiserstadt. In letzterer sind die Räume des Arbeitsamtes (einer Art

Industrieschule). In der Tatarenstadt mandschurische Bevölkerung

mit kleiner Mandschurengarnison. Die Zahl der Ausländer ist gering,

da Tschöngtu nicht Vertragshafen. Außer drei Konsuln (deutschem,

englischem und französischem) und einigen Ausländern (meist Japanern)

in chinesischen Diensten wohnen dort nur Missionare. Mit den Missionen

sind Hospitäler verbunden. (Vgl. _A. Genschow_, Unter Chinesen und

Tibetanern, Rostock 1905.)

Etwa 60 km nw. von Tschöngtu, am Rande der Ebene, wo der Min aus dem

Gebirge tritt, liegt =Kuanhsien=, berühmt durch das mehr als 2000 Jahre

alte Bewässerungssystem, dem die Tschöngtuebene ihre Fruchtbarkeit

verdankt. Von dort aus werden die unzähligen künstlichen Kanäle, die die

ganze Ebene durchziehen, mit Wasser versorgt. Die Öffnung der Dämme bei

Kuanhsien erfolgt im Frühjahr unter großem Zeremoniell. Dem Begründer

dieser Bewässerungsanlage ist dort einer der prächtigsten Tempel Chinas

errichtet worden.

Ausflug (etwa 5 Tage) nach dem heiligen Berge =Omi= (3380 m), einem der

interessantesten und schönsten Punkte Westchinas.

Nordchina.

=Nordchina= unterscheidet sich in seinem ganzen

Landschaftscharakter von Südchina sehr stark. Schon die

Oberflächengestaltung ist ganz anders; denn während Südchina

größtenteils aus Gebirgsland besteht, bildet den wichtigsten Teil

Nord Chinas ein Flachland: die 300000 qkm einnehmende (Preußen

350000 qkm) _Große Ebene_, die das weit ins Nordchinesische Meer

vorspringende, Bayern an Größe gleichende _Gebirgsland von

Schantung_ umschließt. Erst westl. der Großen Ebene beginnt

zusammenhängendes Gebirgsland. Mehr noch unterscheidet sich aber

der Norden des »Reiches der Mitte« vom Süden durch seine Kahlheit.

Außer Nutzbäumen (Obst- und Maulbeerpflanzungen) und Gräberhainen

gibt es keine holzigen Gewächse mehr, alles ist ausgerodet. Nackt

steigen die Granitberge von Schantung empor, waldlos das Gebirge im

N. von Peking; kahl, einförmig, im Winter geradezu trostlos ist

auch die Große Ebene. Sogar die Graswurzeln rauft der Chinese mit

eigens dazu hergestellten Gerätschaften aus, denn die Bevölkerung

ist dicht, der Winter kalt, die Kohle teuer und das Brennmaterial

rar. Eine dritte Haupteigenschaft Nordchinas, sein Reichtum an Löß,

jener lehmartigen, aber ungeschichteten und kalkreichen, äußerst

fruchtbaren Bodenart, die in trockenem Klima durch Verwitterung

entsteht und vom Wind fortgetragen und in Tälern und an Berghängen

abgelagert wird, tritt dem Weltreisenden nur in der gelben Farbe

des Gelben Meeres, des Hoangho, d. h. des Gelben Flusses, und des

Peiho, entgegen. Der _Hoangho_ durchfließt vor seinem Eintritt in

die Große Ebene diejenigen Gebirgsländer, die hauptsächlich von

einer dicken Lößdecke verhüllt sind; er bringt daher so viel

gelösten Löß in die Ebene mit hinaus, daß er nicht nur gelb

aussieht und auch das Meer, in das er mündet, weithin gelb färbt,

sondern daß er sein Bett immer wieder über seine Umgebung erhöht

und, trotzdem er von den Chinesen in Dämme eingeschlossen wird,

ständig die Neigung hat, seitwärts auszubrechen. Diese Neigung wird

noch erhöht durch die starke Anschwellung, der er, wie der

Yangtsekiang, allsommerlich unterliegt. So kann es nicht

wundernehmen, daß der Hoangho in den letzten 2-1/2 Jahrtausenden

neunmal seinen Unterlauf gewechselt hat; sein jetziges Bett, das am

Gebirgslande von Schantung nördl. vorbeiführt, hat er erst seit

1852 inne; von 1280-1852 floß er südostwärts und mündete halbwegs

zwischen Schanghai und Kiautschou. Solche Laufwechsel des Stromes

und auch schon Dammbrüche bilden für die dicht bevölkerte Ebene

natürlich immer furchtbare Ereignisse; bei dem letzten Ausbruch im

Jahre 1887 wurden 22000 qkm (etwa = Westfalen oder Schlesien)

überschwemmt, und 1,5 Mill. Menschen kamen ums Leben. So wertvoll

also der Yangtse für China ist, so unnütz, ja verderblich ist ihm

der Hoangho, um so mehr, als er wegen zu großen Gefälles auch im

Unterlauf kaum schiffbar ist.

Das =Klima= Nordchinas ist wie das des übrigen Ostasien ein reines

Monsunklima; im Sommer herrscht feuchtwarmer Seewind, im Winter

kalter und trockner Landwind. Die Regenzeit fällt daher in den

Sommer; der Winter ist, je weiter nach Norden, um so trockner. Die

Temperatur bleibt im Sommer durch ganz Nordchina trotz seiner

Erstreckung durch neun Breitengrade gleich hoch, nur an den Küsten

wird sie durch die Seenähe etwas gemildert (Julitemperatur in

Schanghai 26,9°, in Peking 26,6°, in Tsingtau aber nur 23,4°).

Dagegen nimmt sie im Winter nordwärts stark ab (Januartemperatur in

Schanghai 3,1°, in Peking-4,7°, in Tsingtau aber nur-0,4°, wieder

wegen der Seenähe). Man sieht schon aus diesen wenigen Zahlen, daß

das Klima nordwärts immer extremer, der Unterschied zwischen Sommer

und Winter immer schroffer wird; unsre Kolonie Kiautschou ist

klimatisch noch recht begünstigt.

=Bodenwirtschaft.= Die Große Ebene sowohl wie das gebirgige

Schantung sind dicht besiedelt, denn die Ebene ist, von einigen

sandigen Strichen abgesehen, fruchtbar, und die feuchtheißen Sommer

gestatten meist noch den Anbau empfindlicher Pflanzen, wie des

Reises und der Baumwolle; außerdem werden eine Menge andrer

Nahrungspflanzen (namentlich auch Bohnen), Ölpflanzen (Erdnuß)

und Obstarten gezogen; der Teestrauch kommt nur im SW. der

Großen Ebene noch fort, die Seidenraupenzucht ist weit verbreitet,

doch wird der gewöhnliche, auf dem Maulbeerbaum lebende

Seidenspinner im Gebirgslande Schantungs durch zwei andre Arten

vertreten, deren Raupen auf Eichen leben und die sogen.

Schantungseide liefern. Die Berghänge Schantungs werden, soweit sie

nicht nackter Felsboden sind, mit Terrassenkultur bewirtschaftet.

Die einzelnen Familien besitzen, wie in Südchina, meist nur sehr

kleine Grundstücke, die entsprechend intensiv ausgenutzt werden.

An guten _Häfen_ sind auch die Küsten Nordchinas, die teils sandig und

flach, teils felsig und steil sind, nicht reich, und von diesen ist

wieder die Mehrzahl während einiger Wintermonate durch Eis

gesperrt; »eisfrei« sind nur unsre Kiautschoubucht und das erst neuerdings

benutzte Tschinwangtao am Nordostzipfel des Gelben Meeres, dem Golfe von

Liautung. Der Hauptweg für den Warenverkehr zwischen Süd- und Nordchina

war in frühern Zeiten der _Kaiserkanal_, der vom Kaiser Kublai Chan

(1280-95), dem Gründer Pekings, angelegt wurde, von Hangtschou südwestl.

von Schanghai bis Tientsin reicht, aber im Winter gleichfalls

großenteils zufriert und stark verfallen ist. Der _Landverkehr_ erfolgt

auf schlechten Straßen mit Lasttieren (Kamelen, Maultieren, Ponys), auf

zweiräderigen, ungefederten, stark gebauten Karren, und für Waren auch

auf Schubkarren, die zum Teil mit Segeln versehen sind. Der Weltreisende

wird von diesen unbequemen Transportmitteln aber kaum Gebrauch machen

müssen, da das _Eisenbahnnetz_ Nordchinas die wichtigsten Städte bereits

sämtlich miteinander verbindet. Folgende Hauptlinien bestehen: von der

Küste des Gelben Meeres (Tongku, nahe der Peihomündung) über Tientsin

nach Peking; von Tongku nordostwärts über Schanhaikwan nach Mukden und

den Häfen der Halbinsel Liautung; von Peking über das Nankaugebirge und

Kalgan nach Suijuenwan in der Mongolei; von Peking entlang dem Westrande

der Großen Ebene und zuletzt über das Waigebirge nach Hankau am Yangtse

(S. 259); von Tientsin durch den Ostteil der Großen Ebene und den

Westteil des Gebirgslandes von Schantung nach Pukou gegenüber Nanking

(diese Strecke ist erst teilweise dem Verkehr übergeben, soll aber im

Herbst 1912 fertig sein); endlich von Tsingtau nach Tsinanfu, der

Hauptstadt Schantungs, die an der vorgenannten Strecke liegt.

13. Von Schanghai nach Tsingtau, Tientsin und Peking.

Vgl. die Karten S. 215 und 275.

=Reichspostdampfer der Hamburg-Amerika Linie= »Admiral v.

Tirpitz« und »Staatssekretär Kraetke« jeden So. ab Schanghai über

(390 Seem.) Tsingtau und (550 Seem.) Dairen nach (690 Seem.)

Tientsin, Fahrzeit 4 Tage; Rückfahrt von Tientsin jeden Sa. oder

So.--Ferner Dampfer »Gouverneur Jaeschke« und »Sikiang« jeden Mi. von

Schanghai über Tsingtau und (500 Seem.) Tschifu nach Tientsin,

Fahrzeit 5 Tage; Rückfahrt von Tientsin jeden Mi. oder Do. Im

Winter (Dezember-März) ist der Hafen von Tientsin durch Eis

geschlossen, dann laufen die Dampfer nach Dairen oder Tschinwangtao

(von da mit Bahn nach Tientsin). Fahrpreise: von Schanghai nach

Tsingtau I. Kl. $ 33, II. 20, hin und zurück $ 50 und 30; nach

Tschifu I. 35, II. 20, hin und zurück 55 und 33; nach Dairen I. 45,

II. 27,50, hin und zurück 67,50 und 41,25; nach Tientsin I. Kl. $

60, II. 33, hin und zurück $ 90 und 50. (Der Wert des mexikanischen

Dollars schwankt nach

dem Silberkurs, z. B. Anfang 1903 = 1,66 M., Anfang 1907 = 2,40 M.,

zurzeit 2,35 M.).

=Eisenbahn= von _Tsingtau_ nach _Peking_ s. S. 271; der Landweg ist

besonders im Winter zu empfehlen, wenn die Schiffahrt nach Tientsin

durch Eis gesperrt ist.

Fahrt von _Schanghai_ nach _Wusung_ S. 246; die Yangtsemündung wird

durch das nördl. Fahrwasser verlassen, das nahe an der 60 m hohen Insel

_Schaweischan_ (mit Leuchtturm) vorbeiführt. Die niedrige Küste kommt

bald aus Sicht, das Wasser bleibt aber gelb gefärbt, solange der Kurs

die seichten Bänke nördl. vom Yangtse kreuzt. Nach etwa 30 St. taucht

das _Lauschangebirge_ (S. 270) auf, dessen Ost- und Südseite fast

unmittelbar aus dem Meere bis 700 m ansteigt; die Hauptkette hat über

1000 m Höhe, der höchste Punkt, der _Lauting_, 1130 m. Die Küste in der

Umgebung der Kiautschoubucht ist kahl, ebenso sehen die vorgelagerten

Inseln _Tschalientau_ (Leuchtturm mit starkem Blitzfeuer) und Taikungtau

aus. Später erkennt man die Einfahrt in die _Kiautschoubucht_ zwischen

dem _Kap Jaeschke_ an der Südseite, hinter dem sich ein 166 m hoher

Hügel erhebt, und der niedrigen Halbinsel _Yunuisan_ an der Nordseite

unmittelbar vor der felsigen Halbinsel, auf der die Stadt Tsingtau (S.

267) liegt, deren stattliche europäische Häuser aus großer Entfernung zu

erkennen sind.

=Kiautschou.= Das am 14. November 1897 besetzte, der Verwaltung des

Reichsmarineamts (Gouverneur: Kapitän z. S. Meyer-Waldeck)

unterstellte deutsche Schutzgebiet umfaßt die große Kiautschoubucht

bis zur Hochwassergrenze, die darin liegenden Inseln Yintau und

Huangtau und die den Eingang zur Bucht bildenden Halbinseln sowie

einige kleinere Inselchen; das ganze landfeste Gebiet ist nur etwa

550 qkm groß (Staat Hamburg 415 qkm). Eine 50 km breite »neutrale

Zone« umgibt es. Der wichtigste Teil des Schutzgebietes ist die

nördl. Halbinsel, nahe deren Spitze die Stadt Tsingtau angelegt

worden ist. Die Kiautschoubucht selbst ist zwar groß u. vor Stürmen

ziemlich geschützt, aber kein guter Naturhafen, da sie großenteils

ganz flach ist; nur der Eingang und die diesem naheliegenden Teile

sind tiefer, der Handelshafen ist auf der Innenseite der

Tsingtau-Halbinsel durch Errichtung eines großen halbkreisförmigen

Steindammes und Molen künstlich geschaffen. Tsingtau ist in erster

Linie der politische Stützpunkt Deutschlands in Ostasien; doch hat

es auch alle Aussicht, ein wichtiger Handelshafen zu werden,

obgleich ihm die Wasserwege nach dem Binnenlande, die Hongkong bez.

Kanton und Schanghai groß gemacht haben, fehlen; dieser Mangel wird

aber zum Teil durch die Schantungeisenbahn ersetzt, die für den

Zugang zum nördl. Teil der Großen Ebene eine breite, hinter der

Kiautschoubucht sich öffnende Senke im Gebirgslande von Schantung

benutzen konnte, und durch die Eisfreiheit des Hafens ausgeglichen.

Das schon obenerwähnte, für nordchinesische Verhältnisse angenehme

Sommerklima hat Tsingtau rasch zu einem beliebten Seebad für die

Europäer ganz Chinas werden lassen.

In den wenigen Jahren, die seit der deutschen Besitzergreifung

verflossen sind, ist unter den Gouverneuren Rosendahl, Jaeschke und

Truppel an Stelle des armseligen, verseuchten Fischerdörfchens

Tsingtau eine gesunde, mit allen modernen Einrichtungen versehene

Europäerstadt mit zahlreichen öffentlichen Gebäuden und neben ihr,

in der Nähe des Hafens, das Chinesenviertel Tapautau

emporgewachsen. Die kahlen Berghöhen der Umgebung beginnen unter

der Pflege der deutschen Forstverwaltung sich zu begrünen, und ein

reger »Bergverein« sorgt für die touristische Erschließung des

Lauschan mit dem Mecklenburghaus (S. 270).-- Vgl. _Gg. Wegener_,

Das Kiautschougebiet (in Hans Meyer, Das Deutsche Kolonialreich,

Band II).

Tsingtau.

Vgl. beifolgende Karte mit Plan.

=Ankunft zur See.= Der Dampfer steuert durch die 3 km breite

Einfahrt zwischen Kap Jaeschke (l.) und Yunuisan-Leuchtturm (r.) in

die Kiautschoubucht hinein, dann um die Tonne des Hufeisenriffs

(r.) herum durch die Baggerrinne in den großen, neu angelegten

Handelshafen, an dessen Kai festgemacht wird. Das Hafengebiet ist

Freihafen; Tsingtau selbst gehört seit 1906 zum chinesischen

Zollgebiet, doch ist Privatgepäck von Reisenden zollfrei.

Zollabfertigung durch das chinesische Seezollamt an der Grenze des

Freihafengebiets (C 2).

=Gasthöfe=: _Prinz Heinrich_ (Pl. B5), Kaiser-Wilhelm-Ufer; 90 Z.,

F. $ 1, Ged. 1,50, Pens. $ 5-10, monatl. von $ 100

an.--_Strandhôtel_ (D3), an der Auguste-Viktoria-Bucht (Kurhaus,

geöffnet Mai-Oktober); 30 Z., F. $ 1, Ged. 1,50, Pens. $ 8-12,

Monatspreise billiger. --_Central_ (Pl. B5), 30 Z., Pens. $

5-6.--_Metropole_, Friedrichstr. 260; 15 Z., Pens. $

3-4.--_Familienpension Luther_, Hohenloheweg, Pens. $ 6. Küche

gerühmt.--_Pension Frau Mohrstedt_; _Pension Frau Röper_, beide

billiger und Irenestraße.

=Restaurants=: _Hotel Kiautschou_, Ecke Friedrich- und

Prinz-Heinrich-Straße. --_F. Vogt_, Friedrichstr.--_Zum

Pschorrbräu_ (_Dachsel_), echte Biere, Küche gut,

Tirpitzstr.--_Haase_, Friedrichstr. --_Zur Börse_, Schantungstr.--

_Lehmann_, Schantungstr.--_Bahnrestaurant_,

Hohenzollernstr.--=Café=: _Keining_, Friedrichstr., auch

Konditorei.

=Post, Tel. und Telephon= (Pl. B5), Albertstraße. Telegraphenkabel

nach Schanghai und Tschifu.

=Wagen= liefern _J. Richardt_ und _A. W. Heinzel_,

Speditionsgeschäfte.-- =Reitpferde= (chines. Ponys) ebenda.--

_Rikschas_ I. und II. Kl. sind reichlich vorhanden. _Automobile_

sind zu mieten.

_Eisenbahn_ (Bahnhof A5) von Tsingtau über _Kiautschou_ und

_Weihsien_ in 11-1/2 St. nach (412 km) _Tsinanfu_ (S. 272);

Zweigbahn nach _Poschan_. (Direktion der _Schantung-Eisenbahn_ in

Berlin, Behrenstr. 14.) Die Strecke Tsinanfu-Tientsin (335 km) der

_Tientsin-Pukou-Eisenbahn_ ist bis auf die Hoanghobrücke fertig

(vgl. S. 275 und Reichskursbuch Nr. 706).

=Dampfer= (S. 265): jeden Di. u. Sa. nach Schanghai, jeden Di. u.

Fr. nach Dairen und Tientsin. Einmal monatl. direkter

Reichspost-(Lloyd-)Dampfer nach und von Deutschland. Außerdem

Fahrgelegenheiten mit englischen, chinesischen und japanischen

Passagierdampfern (Fahrpläne in den

Tageszeitungen).--_Hamburg-Amerika Linie_, Agentur

Friedrichstr.--_Norddeutscher Lloyd_, Agent Melchers & Co.,

Kaiserstraße (Tel.-Adr.: »_Nordlloyd, Tsingtau_«).

=Münzwesen und Geldverhältnisse= chinesisch, vgl. S. 219; deutsche

Nickelmünzen zu 5 u. 10 Cents; chinesische 5-, 10- u. 20-Centsstücke

werden nur mit 10-20 Proz. Verlust genommen. Silbergeld:

Mexikanische Dollars; Banknoten der Deutsch-Asiatischen Bank zu $

50, 20, 10, 5, 1.--=Banken=: _Deutsch-Asiatische Bank_ (Pl. B5),

Kaiser-Wilhelm-Ufer (Zentrale in Berlin, Behrenstr. 14); Korr. der

Berliner Disconto-Gesellschaft, der Deutschen Bank und der

Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in Leipzig.--_Hongkong &

Shanghai Banking Corporation_, Agentur: Arnhold, Karberg & Co.

=Theater=: ein chinesisches.

=Klub=: _Tsingtau-Club_ (Einführung durch Mitglied erforderlich),

am Kaiser-Wilhelm-Ufer.

=Fremdenführer=: »Führer für Tsingtau und Umgebung« von Dr. _Fr.

Behme_ und Dr. _M. Krieger_ (4. Aufl., Wolfenbüttel 1911); in den

Buchhandlungen in Tsingtau und auf den deutschen Dampfern zu haben

(auch eine englische Ausgabe).

=Verein zur Hebung des Fremdenverkehrs= (Vorsitzender _H. v.

Kropff_) erteilt Auskünfte und gibt den _Führer des

Verkehrsausschusses_ (Preis 30 Cents) heraus.--=Bäder=: Seebad mit

Strandhotel (s. oben).--=Ärzte=: Mehrere Marineärzte; Zivilarzt Dr.

_Wunsch_, Prinz-Heinrich-Straße; Zahnarzt _Buchinger_,

Friedrichstraße.--=Rote Kreuz-Apotheke=, Prinz-Heinrich-Straße (Pl.

B5). --=Krankenhäuser=: Vorzügliches _Marinelazarett_ mit

Frauenpavillon; _Faber-Krankenhaus_, für Europäer (Pl. B4);

_Faber-Hospital_ (C2), für Chinesen.

=Buchhandlungen=: _Paul Lindner_; --_E. Rose_, beide

Friedrichstraße.-- Deutsch-chinesische Druckerei und Verlagsanstalt

_Walther Schmidt_, auch Buchhandlung, Friedrichstr. 410, gibt

heraus die Tageszeitung: »Tsingtauer Neueste Nachrichten« nebst

Wochenausgabe »Kiautschou-Post« (Redakteur H. v.

Kropff).--=Photograph=: _F. Takahashi_,

Friedrichstr.--_Photographische Gebrauchsgegenstände_ liefert die

_Rote Kreuz-Apotheke_, Prinz-Heinrich-Straße. --Das Photographieren

von Festungswerken ist wie in Deutschland verboten.

=Geschäftsadressen.= Optiker und Uhrmacher: _Fischer_, Ecke

Prinz-Heinrich- und Albertstr.; Kleiderhändler: _Paul Heinrich_,

Friedrichstr.; Warenhäuser: _Sietas Plambeck & Co._; _Schwartzkopf &

Co._, Hohenzollernstr.; _Baumann_; _Grill_, beide Friedrichstr.;

Konserven und Materialwaren: _Boedicker & Co._; _O. Linke_,

Prinz-Heinrich-Straße; China- und Japanwaren in Lack, Seide und

Porzellan: _Singtai & Co._, Friedrichstr.; _Cheap Jack & Söhne_,

chinesisches Seidenhaus, Kiautschoustraße.

=Konsulate=: _Vereinigte Staaten von Amerika_, Diederichsweg, Konsul

_Mac Nelly_; _England_, bei Firma _Cornabé, Eckford & Co._, Ecke

Schansi- und Tsinanstr.; _Rußland_, Vizekonsul _Kropatschek_,

Bismarckstraße.

Weltreise. Erster Teil: Indien, China und Japan · 第 38 / 63 段