seit 1861 Vertragshafen mit 184000 Einw., als Handelsstadt wichtig,
weil sie an der Kreuzung des _Kaiserkanals_ mit dem Yangtse liegt,
der von Peking nach Hangtschou läuft und 1100 km lang ist (zwischen
Peking und Tschinkiang 800 km); jetzt ist der Kanal allerdings
stark verfallen und ohne Bedeutung für den Handelsverkehr zwischen
Süd- und Nordchina. Seit 1907 ist Tschinkiang Station der Bahnlinie
Schanghai-Nanking. Anlegebrücken für die Flußdampfer. Die Stadt hat
eine Fremdenniederlassung (deutsches Postamt; Agentur von _Melchers
& Co._) oberhalb der Chinesenstadt am Hügel Yintai-schan mit gut
gepflegtem Bund mit Bäumen und ist mit starken Mauern umgeben. Der
Kaiserkanal (s. oben), der den Yangtse ohne Schleusen kreuzt, bildet
einen Teil des Festungsgrabens. In der Umgegend Jagd auf Wildschweine
und Fasanen. Der schönste Punkt der Umgebung ist die *_Goldinsel_
(_Kinschan_) dicht oberhalb der Fremdenniederlassung am r. Ufer, die
noch 1823 am l. Ufer und 1842 mitten im Fluß lag; an ihrem Westabhang
ein großes buddhistisches Kloster mit Pagode.
Die Fahrt geht weiter an der hohen, siebenstöckigen Pagode von
_Yitsching_ (_Jitschöng_) am l. Ufer vorbei; die Stadt ist Hauptplatz
für den Salzhandel. Dann werden die Ufer flach, am r. Ufer zeigt der
Hintergrund bewaldete Berge; auf einem hohen Berge am l. Ufer steht die
_Ninganschan-Pagode_. Die Gegend wird immer fruchtbarer. Auf dem r. Ufer
hohe Zyklopenmauern über Hügeln, auch mehrere Pagoden und Schornsteine
einer Marinewerft, sowie der Löwenhügel (_Schetseuschan_), mit modernen
Batterien bewaffnet; dann erreicht man _Hsiakuan_ (zwei europäisch
geleitete Gasthöfe), die Ufervorstadt von
(330 km) =Nanking= (chines. [»Südresidenz«] _Chiang-ning-fu_, spr.
dyáng-ning-fú), Stadt mit 267000 Einw., darunter etwa 160 Europäer (14
Deutsche), am r. Yangtseufer in hügeliger Gegend, seit 1899 dem
Fremdhandel geöffnet; es war die uralte Kaiserstadt Chinas seit 200 v.
Chr. bis 1404 und blühte am meisten in den ersten Zeiten der
Ming-Dynastie, seitdem schwand ihre Größe; 1854 wurde sie im
Taipingaufstand zerstört (wobei auch der berühmte, 165 m hohe
Porzellanturm völlig zugrunde ging); heute ist sie zwar als Handelsplatz
von Tschinkiang überflügelt, aber als Sitz des Generalgouverneurs der
Provinz Kiangsu, Anhui und Kiangsi sehr wichtig (zurzeit Regierungssitz
der Revolutionäre), hat Provinzialhochschule (Nanking ist der
literarische Mittelpunkt Chinas, mit großen Büchereien und Druckereien),
Militärstation, drei Militärschulen, Marineschule und Arsenal,
zahlreiche Missionen. Die rege Industrie stellt aus der hier wachsenden
Baumwolle den als »Nanking« bekannten Stoff her; berühmt ist der Nankinger
Seidenbrokat. _Eisenbahnen_ nach Schanghai (S. 248), Bahnhof in Hsiakuan
bei der Dampferbrücke, und von _Pukow_ (gegenüber Hsiakuan am l. Ufer)
nach Tsinan am Hoangho (und weiter nach Tientsin), davon 110 km im
Betrieb; die ganze Strecke soll im Herbst 1912 fertig sein. Das
Fremdenviertel vor dem Nordtor der Stadt, in Hsiakuan, dient wegen
ungesunder Lage fast nur als Geschäftsviertel; fast alle Fremden wohnen
innerhalb der Stadtmauer. P und T in Hsiakuan und Nanking. _Deutsches
Konsulat_ (Konsul: Dr. Wendschuch) liegt 4,5 km vom Hafen, an der r.
Seite der Hauptstraße in Nanking; deutscher Arzt 9 km vom Hafen, kann
telephonisch gerufen werden. Nanking ist mit Mauern umgeben, die bis zu
15 m hoch und 56 km lang sind. Aus der Ufervorstadt _Hsiakuan_ gelangt
man auf einer guten Straße über eine Brücke, die über einen Kanal führt,
durch das stattliche Tor _Yifongmen_ in die Stadt Nanking; der südliche
Stadtteil enthält noch Reste der Mauer, die den von den Taipings
zerstörten Palast der Ming-Dynastie umgab; man benutze Wagen (am
Hafenplatz zu haben, täglich $ 3-4) oder Rikscha, da die Entfernungen
sehr groß sind, z. B. bis zur französischen Jesuitenmission 8,5 km vom
Landungsplatz. Im SO. der Stadt liegt das moderne chinesische
Geschäftsviertel, sehr belebt, mit engen Straßen. Im O. das ehemalige
Mandschuviertel, weitläufig gebaut, mit dem Palast (Yamen) eines
Bannergenerals, der als Stellvertreter des Kaisers sogar den
Generalgouverneur überwacht. Östl. vom Mandschuviertel lag die alte »Rote
verbotene Stadt«, in der die Ruinen des Palastes der Mingkaiser liegen.
Im N. Gärten, Reis- und Gemüsefelder innerhalb der Stadtmauern,
dazwischen überall Grabdenkmäler, auch ein öffentlicher Garten und eine
Rennbahn. Die Gebäude der Ersten chinesischen allgemeinen
Landesausstellung von 1910 dienen weiter einer Dauerschau für
Unterrichtswesen und Industrie der Provinz Kiangsu. Gegenüber Nanking
liegt _Pukou_ (_Pukotschöng_), Endstation der Bahn nach Tientsin und
Peking (s. oben).
=Ausflug= zum =Minggrab= (bei schlechtem Wetter nicht ratsam). Von
der Mitte Nankings braucht man gut 1-1/2 St. mit Rikscha für den
Hinweg, der durch das Tor Tschaoyangmen führt. Die Gräberstraße
beginnt mit einem dreibogigen Tor, hinter dem eine höhere Torhalle
folgt, die am Abhang eines heiligen Gräberhügels liegt, um den nun
der Weg, die groteske »Geisterallee«, herumführt; paarweise stehen
die steinernen Ungeheuer zu beiden Seiten des Wegs, Pferde, Löwen,
Kamele, Elefanten; dann folgen die Steinbilder von Militär- und
Zivilmandarinen. Dahinter liegen die Grabanlagen. Die
ursprünglichen Grabanlagen sind im Taipingaufstand 1854 vernichtet
worden; die jetzigen Gebäude sind nur eine notdürftige Kulisse, die
der Kaiser Tsait'ien errichten ließ, um darin alljährlich den Manen
des großen Gründers der Ming-Dynastie opfern zu lassen. Im zweiten
Hof vom Kaiser K'ang Hsi (1662-1723) verfaßte Inschriften zur
Erinnerung an seinen Besuch der Stätte; der hinterste Hof mündet in
einen Tunnel, der zu einer Terrasse mit roter Mauer führt. Dahinter
erhebt sich ein bewaldeter Hügel, in dem der Kaiser Hungwu
(1368-98) ruht.
Die Flußfahrt aufwärts führt an der _Fasaneninsel_ vorbei, wo im Herbst
gute Jagd ist, und weiterhin an der Stadt =Taiping=, am r. Ufer, schon
von weitem an einer siebenstöckigen Pagode zu erkennen; die Stadt war
der Herd des großen, nach ihr benannten Aufstandes (1852-64) der
christenfreundlichen Chinesen gegen die Tsing-Dynastie, ihre Mauern sind
810 erbaut.--Dann folgt
(413 km) =Wuhu=, Stadt mit 129000 Einw., 1 km landeinwärts, mit Mauern
umgeben, am r. Ufer des Yangtse, Vertragshafen seit 1877, als
Handelsplatz wichtig, weil es durch Wasserwege mit großen
Handelsstädten, besonders mit dem Teestapelplatz _Taipinhsien_, ferner
mit den wichtigen Seidenhandelsplätzen _Nanling_ und _Kinghsien_ sowie
mit _Ningkuofu_ verbunden ist. Einfuhr: Opium und Baumwollwaren;
Ausfuhr: Seidengewebe, Tee und Steinkohlen, vor allem aber Reis, der in
riesigen Mengen verfrachtet wird. Die europäische Niederlassung liegt
auf Hügeln unterhalb der Chinesenstadt, bisher nur von der
amerikanischen Methodistenmission besiedelt. Agentur der deutschen Firma
Arnhold, Karberg & Co. ist in Wuhu. Wuhu hat elektrische Beleuchtung.
Eisenbahn von Wuhu nach _Kuangtetschou_ ist im Bau und soll bis
Hangtschou (S. 252) weitergeführt werden.
Oberhalb Wuhu wird das Flußbett enger, das l. Ufer zeigt hohe Berge.
Etwa 3 km unterhalb (512 km) _Tatung_ (Dampferstat.), Stadt am r. Ufer,
steht die auffällige Pagode _Kiangschanki_ auf 30 m hohem, überhängendem
Steilufer.--Weiter oberhalb am l. Ufer (588 km) =Nganking= (_Ankingfu_),
Hauptstadt der Provinz Anhui, von großen Mauern umgeben, mit 40000 Einw.
und einer der schönsten siebenstöckigen Pagoden Chinas; obgleich nicht
Vertragshafen, dürfen die Dampfer doch anlegen sowie Reisende und Güter
aus- und einschiffen. --16 km nnö. von Nganking, beim Dorfe
_Huoschangkiao_, liegt eine berühmte Pagode am Eingang einer
Tropfsteinhöhle. Die Gebirge der Umgegend sind reich an landschaftlicher
Schönheit, besonders im Frühjahr, wenn die Azaleen, Rhododendren und
Glycinen blühen; im Herbst und Winter Jagdausflüge auf Fasanen, Enten,
Gänse, Hasen, Ziegen, Füchse und Panther.--Weiter flußaufwärts zeigt die
mit Mauern umgebene Stadt _Tungliu_ am r. Ufer zwei siebenstöckige
Pagoden, davon eine auf einem Hügel.--Die malerischste Stelle des untern
Yangtse ist bei *=Siaukuschan= (»kleiner Waisenknabe«), einer 90 m hohen
Granitinsel mit großen Tempelanlagen, Laubwald und einer Pagode auf dem
Gipfel; gegenüber, am r. Ufer, liegt der 200 m hohe _Kingtseschan_
(»Spiegelberg«), von dem ein 30 m hoher Granitfels in das Strombett
vorspringt. Etwa 3 km oberhalb Siaukuschan am r. Ufer auf schroffem
Felshang die befestigte Stadt _Pengtse_, der Stammort der Familie
_Lihungtschangs_.--An der Mündung des _Poyangsees_, dessen Zuflüsse in
die reiche Provinz Kiangsi führen, liegt die befestigte Stadt (714 km)
_Hukau_ mit 10000 Einw.; sw. von ihr sieht man 1400 m hohe Berge. Reis,
Weizen, Seide, Baumwolle, Indigo, Tee und Zucker werden in Menge mit
Dschunken aus dem Poyangsee zum Yangtse, meist nach Kiukiang,
verschifft. --24 km oberhalb Hukau am r. Yangtseufer liegt
(738 km) =Kiukiang=, Stadt mit 36000 Einw., Vertragshafen seit 1862, vor
dem Taipingaufstand sehr reich. Die Fremdenniederlassung mit etwa 100
Europäern (britisches Konsulat, Missionen) liegt oberhalb der
Chinesenstadt, deren Mauer am Yangtseufer 0,5 km lang ist. Russische
Ziegelteefabrik. In der Chinesenstadt gute Silberschmiede, die hübsche
Sachen in chinesischem und europäischem Geschmack anfertigen (Adresse
auf dem Flußdampfer zu erfahren). Hauptausfuhr: Porzellan der
kaiserlichen Manufaktur in Tschingtetschen, Kiungtschau-Teesorten. In
der Nähe liegt _Kuling_, eine von Missionaren gegründete europäische
Sommerfrische (über 900 m hoch) mit etwa 130 Häusern und Telegraph, mit
Sänften zu erreichen. Regelmäßige Verbindung mit Dampfbarkassen durch
den Poyangsee und den Kankiang nach _Nantschang_ (P und T, Missionen),
der Hauptstadt der Provinz Kiangsi. Eisenbahn Kiukiang-Nantschang im
Bau. Von hier wichtige Straße des Eingebornenhandels auf dem für Boote
schiffbaren _Kankiang_ aufwärts bis fast zur Quelle, über einen
niedrigen Paß (_Meiling_; 300 m) herüber zu einem schiffbaren Nebenfluß
des _Peikiang_ und diesen abwärts nach _Kanton_ (S. 225).--Oberhalb
Kiukiang liegt am l. Ufer die Stadt (779 km) _Wusüeh_, Dampferstat.;
etwa 13 km weiter erreicht man das Eiserne Tor des Yangtse,
_Pwanpienschan_, wo bewaldete Berge das Strombett einengen; die Enge ist
beiderseits stark befestigt.--Sehr schön ist auch die Strecke zwischen
den Städten _Kitschou_ und _Schiwuiyao_ (Ausfuhrhafen der Eisenerze der
von Deutschen angelegten Staatsbergwerke von _Tiehschanpu_ und der
Kohlengruben in _Huangsanschi_). --Bei der Stadt _Wutschang_ am r. Ufer
liegen die Sischanhügel, während gegenüber bis zu der mit Mauern
umgebenen, an Hügeln gelegenen Stadt _Huangtschoufu_, Dampferstat., das
Ufer flach ist. Die letzte Strecke bietet nichts Besonderes, bis viele
Schornsteine und Masten die Annäherung an die drei großen Städte
_Hankau_, _Hanyang_ und _Wutschang_ an der Mündung des Hanflusses in den
Yangtse ankünden.--(960 km) _Hankau_.
Hankau.
=Ankunft auf dem Yangtse.= Man sieht zuerst am l. Ufer den
Flußbahnhof, dann die Fremdenniederlassungen. Die Flußdampfer legen
an Landungsbrücken an dem breiten, mit Bäumen bepflanzten Bund
(Kai) an.
=Ankunft mit der Bahn= von Peking auf dem Bahnhof in der
französischen Niederlassung.
=Gasthöfe=: _Boemers Hotel_ (deutscher Wirt), neu, am Bund, 22 Z.,
Pens. $ 6-8, gute Verpflegung.--_Terminus-Hotel_, am Bahnhof,
teuer.
=Post=: _Deutsches Postamt_, mit Telephonnetz;
=Telegraph=.--=Rikschas, Wagen, Ponys= und Sänften sind zu haben.
=Eisenbahn=: _Hankau-Peking_ ist im Betrieb (s. S. 280); die
Bahnfahrt Hankau-Berlin über Peking dauert 15 Tage; die Linien
_Hankau-Kanton_ und _Hankau-Tschöngtu_ sind im Bau und auf
Teilstrecken schon im Betrieb.
=Dampfer=: Tägl. nach _Schanghai_, vgl. S. 247; etwa 3mal
wöchentlich nach _Itschang_ (S. 262) mit englischen, chinesischen
und japanischen Dampfern; durch den Tungtingsee nach Tschangte,
Tschangscha und Hsiangtan mehrmals wöchentlich japanische und
chinesische Dampfer.
=Banken=: _Deutsch-Asiatische Bank_ (Korresp. der Allgemeinen
Deutschen Creditanstalt in Leipzig und der Deutschen Bank;
_Hongkong-Shanghai-Bank_; _Banque de l'Indochine_; _Chartered Bank
of India, Australia & China_; alle vier Korresp. der Berliner
Disconto-Gesellschaft; _Russisch-Chinesische Bank_.
=Konsulat=: _Deutsches Reich_, Konsul Müller, am Bund.--=Deutscher
Arzt=: Dr. _Röse_.--=Apotheke=: _Watson_.-- =Geschäftsadressen=:
Deutsche Großkaufleute am Orte: Arnhold, Karberg & Co., Melchers &
Co., Siemssen & Co., Carlowitz & Co., Schlichting, Schwarz Goumer &
Co., Bornemann & Co., Schwartzkopff & Co., Adolf Krämer, Max
Mittag, Siemens-Schuckert-Werke. Deutsche Handwerker.-- Deutsche,
englische, russische, französische und japanische Niederlassungen.
=Hankau= (engl. _Hankow_, chines. _Hàn-Kŏū_;, d. h. Mündung des
Han), Vertragshafen seit 1861, bildet zusammen mit Hanyang und Wutschang
einen der wichtigsten Wohnplätze der Erde, dessen Gesamteinwohnerzahl
auf etwa 1,5 Mill. geschätzt wird; davon entfallen auf Hankau 820000,
auf Wutschang 400000, auf Hanyang 200000. Die drei Orte gruppieren sich
derart um die Mündung des Hankiang in den Yangtsekiang, daß Hanyang im
spitzen Winkel oberhalb der Einflußstelle, Hankau im stumpfen Winkel
unterhalb der Einmündung, Wutschang aber gegenüber auf dem r.
Yangtseufer liegt; Hanyang und Wutschang liegen etwas erhöht auf
hügeligem Gelände, Hankau tief und flach. Nur Hanyang und Wutschang sind
mauerumgürtete Städte; Hankau hat trotz seiner großen Volkszahl und
Handelsbedeutung nur den Rang eines offenen Marktfleckens. Jeder der
drei Orte hat seine besondere Bedeutung: Hankau ist in erster Linie
Großhandelsplatz, Wutschang Lokalhandelsplatz, Hanyang als Hauptstadt
der Provinz Hupe Verwaltungsplatz. Die Entwickelung einer
Millionenansiedelung an dieser Stelle war dadurch bedingt, daß die
Mündung des Han in den Yangtse den räumlichen Mittelpunkt und das
natürliche Verkehrszentrum Mittelchinas bildet, das bisher der
Knotenpunkt der großen Handelsstraßen war und künftig der großen
Eisenbahnlinien sein wird; außerdem ist es der küstenfernste Punkt
Chinas, der von größern Seeschiffen erreicht werden kann und daher in
_direktem_ Verkehr mit den Überseeländern steht, die mit China Handel
treiben; liegen doch alljährlich während der Teeernte im Mai Dutzende
großer Seedampfer und bis zu 3000 Dschunken vor Hankau. Durch den obern
Yangtsekiang, der noch 800 km aufwärts für Flußdampfer, 2000 km für
Boote fahrbar ist, und durch den Hankiang zieht es die Produkte von
Szetschuan und Hupe, durch den Yüenkiang und Hsiangkiang die von
Kweitschou und Hunan an sich und wird für die Reichtümer dieser
Provinzen zum natürlichen Stapelplatz und Umschlagsort.
Die Ausfuhr umfaßt Tee, Seide, Eisenschienen, Bohnen und Bohnenkuchen,
Erze, Sesamsaat, Häute, Tabak, Holzöl, Baumwolle, Talg, Wachs, Gallnüsse
u. a. Die Einfuhr: Opium, Baumwoll- und Wollwaren, Kohlen, Seife, Glas,
Eisenwaren, Lampen, Petroleum, Kriegsmunition u. a. Der Teehandel ist
hauptsächlich in russischen Händen; im Gesamthandel Hankaus ist der
deutsche Anteil bedeutender als der englische (244 Deutsche leben in
Hankau). Auch als Industriestadt entwickelt sich Hankau, es besitzt
Baumwollspinnereien, ein sehr leistungsfähiges modernes Eisen- und
Stahlwerk, das etwa 20000 Arbeiter beschäftigt, Gewehr-, Geschütz- und
Patronenfabrik in Hanyang, Streichholzfabrik, fünf russische
Ziegelteefabriken, sechs Albuminfabriken (vier deutsche), zwei Münzen in
Wutschang, Nagel- und Nadelfabrik, Papierfabriken, Lederfabrik,
Grasleinenfabrik, Seidenweberei, Elektrizitätswerk, Getreidemühlen,
Tuchfabrik, Zementfabrik, Exportschlachterei, Bauwerft für Flußdampfer
(Yangtse Engeneering Work) etc. Die deutsche Niederlassung hat
vorzügliche Kaianlagen.--In der _Chinesenstadt_ ist sehenswert das
_Klubhaus der Schansi-Gilde_, der die reichen aus der Provinz Schansi
stammenden Bankiers angehören, mit dem Tempel des Kriegsgottes _Kuan Ti_
(als »Kuan Yü« berühmter Feldherr des 2. Jahrh. v. Chr., im 12. Jahrh.
selig gesprochen und 1594 vom Kaiser Wan Li als »Kuan Ti« unter die
Götter versetzt; er ist Schutzpatron der Schansi-Leute), fünf großen
Theaterbühnen und stattlichen Klubräumen. (Erlaubnis zur Besichtigung
leicht, event. durch das Konsulat zu erhalten.) [Hand] Man vermeide es,
bei Umzügen und Volksfesten in die engen Straßen der Chinesenstadt zu
gehen!
=Ausflüge= (auf je 1/2 Tag): 1) Zu Boot nach dem sogen. =Joss House
Hill= bei Hanyang mit Tempeln des Flußgottes und des sagenhaften
Kaisers Yü (s. S. 261).--2) Zu Boot nach dem =Shêchan= (spr.
schōĕ-chan), »Schlangenberg« in Wutschang, weithin kenntlich
an dem seinerzeit vom Gouverneur Tuan-fang zum Empfang fremder Gäste
in europäischem Stil aufgeführten (aber nie benutzten)
Backsteingebäude mit Turm, das wie eine Kirche aussieht. Dahinter
eine am Berg ansteigende Tempelanlage mit Kultusstätten
verschiedener Gottheiten. Hindurchgehen! Oben ein _Teehaus_ mit
Terrasse und herrlicher *Aussicht über die Dreistadt
Wutschang-Hanyang-Hankau. Kleine Trinkgelder öffnen alle Türen. Die
obere Anlage heißt Huàng-has-lŏū, d. h. »Turm des gelben
Kranichs«. Hinter dem Empfangsgebäude eine 1868 vom
Generalgouverneur Kuan Wên errichtete Kopie (das Original ist bei
Hèng choufou in Hunan) der berühmten Inschrifttafel des großen Yü
(2207 bis 2197 v. Chr.) mit der sogen. Kaulquappenschrift, das
sagenumwobene älteste Denkmal der chinesischen Literatur.
Von =Hankau nach Itschang= hat man mehrmals wöchentlich Fahrgelegenheit
mit englischen, japanischen und chinesischen Dampfern (vgl. S. 259).
Oberhalb Hankau fließt der Yangtse mit zahlreichen großen Windungen (zu
deren Abschneidung ein Kanal von Hankau nach Schasi [Piënhokanal]
besteht) teils inmitten einer großen Ebene, teils an deren Rand; auf der
linken Seite ist er daher meist von einem Deich begleitet.
Die Schiffe laufen zunächst die große Handelsstadt (150 km) =Hsingti=
an, dann (250 km) =Yotschau=, Stadt mit 20000 Einw., Vertragshafen seit
1898, am Einfluß des großen _Tungtingsees_ in den Yangtse. Die Stadt ist
auf Anhöhen erbaut und mit Mauern umgeben, zum Westtor führt eine
Steintreppe vom Ufer. In der Hafenvorstadt südl. von Yotschau eine
schlanke Pagode. Die Fremdenniederlassung, mit Seezollamt, P u. T, liegt
malerisch auf einer roten Sandsteinanhöhe nördl. vom Dorfe _Tschenglin_
(_Chengling Settlement_), etwa 7 km unterhalb Yotschau. Der Ort ist sehr
schön, gesund und der kühlste am mittlern Yangtse. Alle Dampfer zwischen
Hankau und Itschang laufen Tschenglin an, ebenso die Dampfer, die im
Sommer nach Tschangscha laufen. Die Eisenbahn (im Bau) Hankau-Kanton
wird Yotschau berühren.
Der =Tungtingsee= ist etwa 110 km lang und 55 km breit; er nimmt
die großen r. Nebenflüsse Hsiang und Yüen auf, die im Sommer für
kleine Dampfer schiffbar sind. Der See ist das obere Staubecken des
Yangtse, bei den Sommerüberschwemmungen stehen viele Ortschaften
unter Wasser, im Winter verliert er völlig das Aussehen eines Sees
und wird zu einer welligen Schlickebene, die von einem Netz
schmaler Wasserläufe durchsetzt ist. Nur der Hsiang hat ein tiefes
Flußbett durch den See gegraben. Der _Hsiangkiang_ mündet in der
Südostecke des Tungtingsees; an ihm liegt etwa 210 km oberhalb
Tschenglin die wichtige Handelsstadt =Tschangscha=, Hauptstadt der
Provinz Hunan mit etwa 300000 Einw.; ihre Mauern haben 9 km Umfang
und sieben Tore, die mit Ausnahme des Westtors bei Dunkelwerden
geschlossen werden. Die Straßen sind breit und zeigen schöne
Geschäfte, viele Tempel und Gildehallen. Vor der Ostmauer steht
eine große Militärschule. Tschangscha ist seit 1904 Vertragshafen,
Fremdenviertel soll außerhalb der Nordmauer angelegt werden.
Britisches Konsulat; chinesische Gasthöfe; Missionen; gute Polizei;
P u. T. Industrie: Streichholzfabriken, Bambus-, Lack- und
Neusilberwaren; zwei Antimonraffinerien, Kupfer- und Silbermünze.
Ausfuhr: Tee, Reis, Bauholz, Kohlen, Baumwolle. _Dampfer_:
englische, chinesische und japanische regelmäßig nach Hankau und
Hsiangtan. Die im Bau begriffene Bahnlinie Kanton-Hankau berührt
Tschangscha; die erste Teilstrecke _Tsaoschan-Tschütschou_
(_Chuchow_) ist seit Ende 1910 im Betrieb, die Strecke
Tschangscha-Tschütschou (70 km) sollte 1911 fertig werden.
Oberhalb Yotschau (s. oben) laufen die Yangtsedampfer den Vertragshafen
(450 km) =Schasi=, mit 96000 Einw., P u. T, Mittelpunkt der Webebezirke,
am l. Ufer an; er ist Hafenplatz für die 10 km nw. gelegene große Stadt
=Kintschau=, mit über 100000 Einw. Etwa 6 km oberhalb Schasi mündet, von
S. kommend, der _Taipingkanal_ in den Yangtse. Weiter oberhalb passiert
man die große Stadt (525 km) =Tschikiang= mit rotem Sandsteinufer in
gebirgiger Gegend; 17 km oberhalb liegt ebenfalls am r. Ufer die Stadt
=Ituhien= an der Mündung des _Tsinkiang_ in den Yangtse. Nun zeigen die
Yangtseufer schroffe Sandsteinhänge. Ein Kloster auf 376 m hohem Berg am
l. Ufer und eine siebenstöckige Pagode künden die Annäherung an
(575 km) =Itschang=, Stadt mit 70000 Einw. (80 Europäer), Vertragshafen
seit 1876, am l. Ufer, mit Mauern eingefaßt. Viele europäische Firmen
haben hier chinesische Agenten. Deutsches Konsulat, deutsches Postamt
wird von Hankau verwaltet. Bahn von Itschang nach Wanhsien im Bau, soll
bis Tschungking geführt werden.-- Man besteige den Itschang
gegenüberliegenden Berg, von den Fremden »die Pyramide« genannt; schöne
Aussicht über die Umgebung.-- Tagesausflng (event. im Tragstuhl) nach
dem (3 St.) Höhlentempel _Lungwang-tung_ (»Grotte des Drachenkönigs«)
mit unterirdischem See.