=Geschichtliches.= Der Hafen von Schanghai war schon im 10. Jahrh.

wichtig und wurde unter den Mandschus 1292 Unterpräfektur (hien).

Die Stadtmauern wurden 1522-66 erbaut. Im 17. Jahrh. gründeten die

Jesuiten die Niederlassung Zikawei; der Minister Zi Kwangki, Freund

des Jesuiten P. Ricci, hatte das Land geschenkt; als er mit Familie

zum Christentum übertrat, wurden die Missionare vertrieben, und der

Orden erhielt erst durch den Vertrag von Nanking seinen Besitz

wieder. Im Opiumkrieg zerstörte die englische Flotte am 16. Juni

1842 die Wusungforts und nahm Schanghai. Durch den Vertrag von

Nanking wurde Schanghai dem Fremdhandel geöffnet, und den sich

ansiedelnden Engländern, Franzosen und Amerikanern wurde Landgebiet

in Erbpacht zugewiesen, wofür dem Kaiser von China jährlicher Zins

zu zahlen ist. Während des Taipingaufstandes, der das reiche

Hinterland von Schanghai besonders hart betraf und großenteils

entvölkerte, wurde die Stadt 1853 und 1861 von den Rebellen

bedroht, aber durch englische und französische Truppen geschützt.

Die Stadt entwickelte sich schon während des Aufstandes günstig,

weil viele reiche chinesische Kaufleute in der Fremdenniederlassung

Schutz fanden. Später wurden die 1843 begründete englische und die

seit 1848 bestehende amerikanische Niederlassung zu einer Gemeinde

(_International Settlement_) vereint; sie werden von einem

Gemeinderat (Municipal council) geleitet, in dem die Engländer die

Mehrheit haben, aber auch Deutsche und Amerikaner sitzen. Die seit

1847 bestehende französische Niederlassung (_Concession française_)

bildet eine eigne Gemeinde. Während des Boxerkriegs waren starke

englische, deutsche, französische, japanische und russische Truppen

zum Schutze der reichen Handelsstadt gelandet.

=Schanghai= (d. h. »oberhalb des Meeres«), die wichtigste internationale

Seehandelsstadt Ostasiens, verdankt ihre Bedeutung der Lage nächst der

Mündung des Yangtse, der wichtigsten Wasserstraße Chinas. Da an den

flachen Ufern der Mündungsstrecke des Riesenflusses selbst wegen der

Schwankung in der Wasserführung des Stromes und des starken

Unterschiedes von Ebbe und Flut keine Mündungsstadt entstehen konnte, so

ist diese seitwärts 14 Seem. oberhalb der Mündung des Wusung- oder

Huangpu-Flusses entstanden. Letzterer dient als einzige Ausmündung

sämtlicher Kanäle und Flußläufe des flachen und tiefgelegenen, aber

außerordentlich fruchtbaren und dichtbevölkerten Gebietes zwischen dem

untersten Yangtse und der Hangtschoubucht, das sowohl nach dem Yangtse

wie nach dem Meere zu eingedeicht ist. In den unter chinesischer

Verwaltung stehenden Stadtteilen leben etwa 175000 Chinesen. In den

beiden Fremdenniederlassungen wohnten 1910 zusammen 548137 Chinesen,

ferner 15006 Nichtchinesen, darunter 4779 Briten, 3466 Japaner, 1088

Deutsche, 114 Österreicher und 76 Schweizer. Unmittelbar außerhalb der

Fremdenniederlassungen haben sich noch etwa 5000 Japaner angesiedelt.

Wirtschaftlich stehen Engländer, Deutsche und Amerikaner den andern

Nationen weit voran. Die Stadt verfügt über ein gutbewaffnetes

Freiwilligenkorps, eignes Polizeikorps und Feuerwehr. Die Straßen der

Fremdenniederlassungen sind gut gepflegt, weitläufig und meist

rechtwinklig zueinander angelegt. Am Flusse liegt eine breite

Uferstraße, _Bund_, mit Bäumen und Rasenplätzen, wo die großen

Dampferlinien eigne Landungsbrücken haben. An der Stadtseite des Bund

erheben sich stattliche Gebäude: das _Zollhaus_ am Eingang in die Hankow

Road; ihm gegenüber die _Deutsch-Asiatische Bank_; nördl. davon der

Prachtbau der _Russisch-Chinesischen Bank_, dann die Chartered Bank und

die Yokohama Specie Bank; Ecke der Yinkee Road der Prachtbau des

*_Deutschen Klubs Concordia_, 1906/07 im Renaissancestil erbaut, das

schönste Klubhaus in Ostasien. Am Nordende des Bund liegt die _Masonic

Hall_ (Freimaurerhalle). Dazwischen südl. vom Zollamt liegen

Geschäftshäuser europäischer Großkaufleute, die Hongkong & Shanghai

Bank, das Telegraphenamt und der sehr schöne *Neubau des _Shanghai Club_

im Barockstil (Pl. 13). Dahinter sowie nördl. und südl. vom Bund dehnen

sich die Stadtteile der Fremdenniederlassungen aus, die sämtlich mit

Kanalisierung und elektrischem Licht versehen sind. Die Stadt hat

vorzügliche Schulen, darunter die 1911 errichtete deutsche

_Kaiser-Wilhelm-Schule_ an der Weihaiwei Road (Vorschule, Realgymnasium,

höhere Mädchenschule), eine große englische Bürgerschule, Mittelschulen

für Chinesen, eine _deutsche Medizinschule_ (1907 von deutschem

Kuratorium gegründet) zur wissenschaftlichen Ausbildung chinesischer

Ärzte, große moderne Krankenhäuser für Europäer und Chinesen, unterhält

Sportplätze am Beginn der Bubbling Well Road und im Hongkiu Park.

Elektrische Straßenbahnen durchziehen die Hauptstraßen. Am Beginn der

Bubbling Well Road liegt der Rennplatz, Eigentum des Shanghai Race Club.

Im Stadtviertel _Hongkiu_ ist eine _deutsche evangelische Kirche_. Im

französischen Viertel ist die große katholische St. Josephskirche.

Schanghai ist Sitz eines katholischen und eines anglikanischen Bischofs,

eines englischen Gerichtshofs _Supreme Court of China_ (zur Schlichtung

von Streitsachen, in denen Engländer die Beklagten sind) sowie eines

amerikanischen Obergerichts, des Statistischen Amts der chinesischen

Seezollbehörde sowie einer Abteilung der Royal Asiatic Society.--Die

_Chinesenstadt_ liegt südl. vom französischen Viertel, ist mit Mauern

umgeben und hat große Vorstädte, in denen am Wasser auch Warenlager

(_Godowns_) europäischer Kaufleute liegen. Der Handelsverkehr ist sehr

lebhaft, eingeführt werden Baumwollenstoffe, Opium, Petroleum, Kohlen,

Maschinen u. a., ausgeführt besonders Seide, Tee, Borsten, Federn, Hanf,

Moschus, Galläpfel, Strohgeflechte, Rhabarber, Wachs, Häute und Talg.

Schanghai ist der wichtigste Umschlagsplatz für alle Erzeugnisse Chinas,

weil es durch den Yangtsestrom mit vielen wichtigen Provinzen gute

Verkehrsverbindung hat.

_=Rundfahrt=_ (mit Rikscha, Wagen oder Straßenbahn). Im _Internationalen

Viertel_ ist der _Bund_ die besuchteste Promenade; mehrere Denkmäler

stehen im nördl. Teil, eins für _Sir Harry Parkes_ vor der Nanking Road,

dann das *_Iltisdenkmal_ (zum Andenken an die Besatzung des am 23. Juli

1896 vor Kap Schantung gestrandeten deutschen Kanonenboots) und in dem

kleinen Park (_Public Garden_) am Nordende des Bund ein englisches

Kriegerdenkmal (The ever victorious army) sowie ein Standbild von

Margary; dort im Sommer Nm. oder abds. dreimal wöchentl. zuweilen Musik

der 50 Mann starken Stadtkapelle (deutscher Kapellmeister, Prof.

Buch).--Hauptgeschäftsstraße ist die _Nanking Road_ mit sehenswerten

Markthallen, in deren Verlängerung, _Bubbling Well Road_, der Rennplatz

nebst andern Sportplätzen sowie eine Gartenwirtschaft (_St. George's

Farm_) und ein europäischer Friedhof liegen.--Das Villenviertel im W.

der Stadt ist neuerdings weit ausgebaut, eine Spazierfahrt durch die

hübschen Alleen ist wegen des internationalen Treibens sehr interessant.

--Im frühern Amerikanischen Viertel ist _Broadway_ die Geschäftsstraße,

an deren Ende Seide- und Baumwollwebereien liegen. Ein Teil von Hongkiu

ist Villenviertel.--In das _Französische Viertel_ gelangt man vom

Südende des Bund auf einer Brücke über den Yangkingpang-Kanal, die

Fortsetzung des Bund nach S. bildet der _Quai de Wampoo_, an dem dicht

bei der Brücke ein _Wettersignalturm_ steht, der die Wetterberichte und

wichtigen Taifunwarnungen des vorzüglichen meteorologischen

Observatoriums der Jesuiten im benachbarten Zikawei veröffentlicht; die

Wetterkarten für das ostasiatische Gebiet hängen dort (täglich erneut)

aus; außerdem _Zeitball_ (Pl. 14) sowie Wetter- und Sturmwarnungssignale.

Die ersten Gebäude am Quai de Wampoo sind die Banque de l'Indochine, das

Geschäftshaus der deutschen Firma _Melchers & Co._ (Agenten des Nordd.

Lloyd etc.), das Gebäude der Messageries Maritimes, das französische

Konsulat und das Gebäude der französischen »Mission étrangère«. Dann

gelangt man zum _Quai de France_, wo viele Lagerhäuser (Godowns) liegen.

Hauptstraße der »Concession Française« ist die _Rue du Consulat_, in der

das Rathaus (Hôtel de la Municipalité) mit dem Denkmal des Admirals

Protet und das Hôtel des Colonies liegen. Durch die Rue du Consulat und

die Avenue Paul Brunat führt die elektrische Straßenbahn nach Zikawei.

Durch die neuen Stadtteile der Französischen Niederlassung führen

elegante Villenstraßen, so die 11 km lange _Avenue Paul Brunat_, an der

auch der Deutsche Gartenklub liegt. Zahlreiche Straßen vermitteln den

Verkehr zwischen der Französischen und der Internationalen

Niederlassung.--Die _Chinesenstadt_ grenzt dicht an das Französische

Viertel, ist mit Mauern umgeben und hat so enge (schmutzige) Straßen,

daß man sie nur zu Fuß oder mit Sänfte besuchen kann (im Sommer wegen

der übeln Ausdünstungen nicht zu empfehlen). Einige Tempel sind

sehenswert, besonders die Kungfutsze-Pagode und der Tempel der

Stadtgötter, in dessen Nähe das auf einem Teich erbaute alte Teehaus

Husingting nebst Mandarinenklub steht; Marktplatz und Werkstätten, wo

Schnitzereien hergestellt werden, besuche man im Vorbeigehen. Man nehme

einen Führer, da es sehr schwierig ist, sich in den engen Gassen

zurechtzufinden. Wenn man Kanton gesehen hat, kann man sich den Besuch

der Chinesenstadt von Schanghai ersparen.

=Ausflüge=: 1) Nach *=Zikawei=, einer großartigen Niederlassung der

Jesuiten, 8 km östl. von Schanghai, mit elektrischer Bahn

(einsteigen bei Melchers & Co.), Einspänner ($ 3) oder Rikscha auf

ebener Straße; auf den Feldern vor der Stadt viele Gräber. Man fährt

dann in einen Park und durch steinernen Torbogen in den

Klostergarten mit Säulenhalle. Die große Anlage von _Zikawei_

besteht aus vielen Gebäuden, darunter das Gebäude des Bischofs von

Kiangnan, ein Seminar, Jesuitenkollegium, große Bibliothek, Museum

und Wetterwarte, Waisenhaus für Chinesenmädchen mit

Klosterschwesternschule (sehenswert; 1000 Personen im Kloster, 35

Nonnen; Stickereien, Klöppeleien werden gefertigt und billig

verkauft), Kapelle und Karmeliterkloster, ein Waisenhaus für

Chinesenknaben mit Druckerei, Maler- und Bildhauerschule; die hier

zum Verkauf gestellten Schnitzereien sind sehr begehrt und

preiswert. In der Wetterwarte (zum Besuch ist Erlaubnis _vorher_

einzuholen) wirken die Jesuitenväter, insbesondere der berühmte

Meteorolog P. Froc zum Besten der gesamten Schiffahrt in den

ostasiatischen Gewässern; ihre Taifunwarnungen, die mit auf den

Beobachtungen der Observatorien von Hongkong, Manila und neuerdings

Tsingtau beruhen, sind wohl die sichersten Wettervorhersagen, die

überhaupt irgendwo gemacht werden. Daher hat jeder Ostasienreisende

alle Ursache, diese Tätigkeit zu bewundern und den gelehrten Vätern

zu danken für die Fürsorge, die jedem Weltreisenden zugute kommt, da

alle Schiffe sich nach den Sturmwarnungen von Zikawei richten.

Hauptklimadaten für Zikawei nach 34jährigen Beobachtungen:

Mitteltemperatur des Jahres 15°, des Januar 3,1°, des Juli 26,9°.

Mittlere Jahresextreme 37,2° und -7,4°. Jährliche Niederschlagshöhe

1118 mm. Die Jesuitensternwarte in Zose liegt 20 km von Zikawei auf

einem 100 m hohen Hügel. Vom Turm der Wetterwarte in Zikawei hat man

gute Aussicht über die Umgegend.--Auf dem Weg nach Zikawei kommt man

am _Lihungtschang-Tempel_ vorbei, in dessen Garten ein Bronzedenkmal

für den chinesischen Staatsmann _Lihungtschang_ (in Europa

angefertigt) steht. In der Nähe von Zikawei (Spaziergang 1/2 St.

durch saubere Dörfer) liegt hinter einem dreistöckigen Torbau mit

Drachenbildern die siebenstöckige Pagode _Lischuangta_ in _Longhua_

nahe dem Wusungufer (vom obersten Stock *Aussicht über die

Flußebene; Besteigung aber zurzeit unmöglich, da die Treppen

zerfallen sind). Von dort Rückfahrt mit Wagen (den man vorher

hinbestellen muß) am _Kiangnin-Arsenal_ vorbei (Besuchserlaubnis

_vorher_ einholen!). Diese Fahrt sowie der Gang von Zikawei nach

Longhua sind sehr lohnend zur Zeit der Pfirsichblüte.

2) =Hangtschou=, tägl. mit der Bahn, Mittagsschnellzug (Speisewagen)

ab Schanghai in 6 St.; oder mit Dampfbarkassen, hübsche Fahrt an

malerischen Ortschaften vorbei und unter gewölbten Brücken hindurch,

über den Vertragshafen _Sutschou_ (einst eine Millionenstadt, aber

in der Taipingrevolution schrecklich verwüstet) oder direkt nach

_Kiahsing_, von da auf dem _Kaiserkanal_ nach =Hangtschou=,

Hauptstadt der Provinz Tschekiang, mit etwa 350000 Einw., dem

Fremdhandel seit 1896 geöffnet. Englisches Konsulat. Große

Seidenwebereien und Werkstätten für kostbare Goldstickereien. Die

Stadt hat 10 Tore und 35 Li (= 20 km) Umfang. Seit 1650 besteht in

der NW.-Ecke der Stadt ein befestigtes Mandschuviertel. Mitten in

der Stadt der Stadthügel (City Hill) mit Tempeln und schöner

Rundsicht. In der Nähe liegt der große, von Bergen eingerahmte

_Sihu_ (Westsee) mit Trümmern prächtiger Bauwerke; am See auf einem

Hügel liegt die alte Pagode _Paoschuta_, auf dem See die Insel

_Kuschan_ mit Kiosken, Tempeln und Palast. (Marco Polo hat die ganze

Anlage als eine der prächtigsten in China seinerzeit beschrieben.)

Viele Tempel und Klöster sind in der Umgebung des Sees, darunter die

sogen. Hinduklöster. Als der Mönch Odoric im 13. Jahrh. Hangtschou

besuchte, wurden hier am Fuße des Berges zahlreiche Affen mit

Menschengesichtern von den Priestern gefüttert, die die Seelen edler

Menschen sein sollten.-- Andre berühmte Tempelanlagen liegen im

nahen _Tienmuschan_ (»Gebirge der Himmelsaugen«).

3) *=Flutbrandung (Bore) des Tsientangkiang=, bei Voll- und Neumond,

am sehenswertesten zur Tag- und Nachtgleiche (21. März, 23.-24.

Sept.), eine großartige Naturerscheinung, die man am besten von der

Pagode bei _Haining_ beobachtet; man gelangt dahin von Hangtschou

mit der Bahn bis _Lining_, von da auf bequemen Wegen mit Rikscha

nach (20 km) _Haining_, am l. Ufer des Tsientangkiang, etwa 45 km

unterhalb Hangtschou; dort besteige man die Pagode. Bei Haining

tritt die Flutbrandung zwar fast mit jeder Flut ein, erreicht aber

nur zur Springzeit (Voll- und Neumond) große Höhe und

Geschwindigkeit; dann bildet sie eine 3-8 m hohe, steile Kaskade

schäumenden Wassers in gerader, 2 km langer Linie quer über den

Fluß; die gewaltige Wassermasse nähert sich mit

Dampfergeschwindigkeit unter starkem Rauschen. Man beachte, daß das

Phänomen zur Tag- und Nachtgleiche in Haining schon einige Stunden

vor Voll- und Neumond eintritt.

4) =Saddle Islands=, eine malerische Gruppe von 25 Felseninseln

und zahlreichen Klippen, ist die nördlichste Gruppe des großen

_Tschusan-Archipels_, der beim Nimrodsund (S. 244) beginnt und der

großen Bai von Hangtschou vorgelagert ist; die größten Inseln sind

_North Saddle_, _South Saddle_, _East Saddle_, die wie auch viele

kleinere von fleißigen Fischern bewohnt sind. Bäume wachsen nur an

einigen geschützten Stellen, sonst sieht man nur Gestrüpp zwischen

den Felsen. Während der Fischzeit (April, Mai, Juni) beleben

Tausende von Fischerdschunken aus Ningpo und Wentschou und

unzählige Sampans die Inselgewässer. Gefangen wird besonders

Tintenfisch in riesiger Menge; der Fang wird ausgeweidet und auf

den Klippen in der Sonne getrocknet, aber nur bis Mitte Juni, dann

ist der durch dieses Verfahren erzeugte Gestank vorbei.

=North Saddle= wird jetzt als Seebad und Sommerfrische besucht;

Dampfer laufen in 7-8 St. von Schanghai dahin (Entfernung 84

Seem.). Der höchste Gipfel (238 m) von North Saddle ist bequem zu

besteigen und gewährt prächtige *_Aussicht_ über die Inselgruppe.

Drei gute Buchten ermöglichen, in ruhigem Wasser mit Sampan zu

landen; sehr malerisch ist die Südostbucht. Auf dem Nordende steht

ein Leuchtturm (europäische Wärter). Die Insel bietet

Erholungsbedürftigen beste Gelegenheit zum Seebaden, Fischen,

Segeln, Klippenklettern. Der Bau eines Sanatoriums auf North Saddle

ist geplant.--Wegen Dampfergelegenheit, Unterkunft und Verpflegung

erkundige man sich in Schanghai beim Coast Inspector des Kaiserl.

Chinesischen Seezollamts.

5) =Sutschou= (_Soochow_), an der Bahnlinie Schanghai-Nanking und

am Kaiserkanal, Hauptstadt der Provinz Kiangsu, seit 1896 dem

Fremdhandel geöffnet, mit 500000 Einw. (vor der Taipingrevolution 1

Mill.) und lebhaftem Seidenhandel. Von Sutschou Gelegenheit mit

Boot und Sänfte zu Ausflügen in die Hügel der Umgebung; gerühmt

werden die Hügel _Fan-fen-san_ mit den Gräbern der Fan-Familie, der

_Goldhügel_, der _Tien-bing-san_, der _Ling-gan-san_ (südl. vom

Fan-fen-san) mit berühmter alter Pagode und Ruinen alter Paläste

der Könige Wu und Yueh; ferner der _Schang-fang-san_ (der

Flutfluchthügel, wo das Volk des Königs Wu sich bei Überschwemmung

gerettet haben soll), der berühmte _Hung Schan_, alle mit

zahlreichen altchinesischen Bauwerken. Man benutze dabei die Karte

»_Country round Soochow_«, von Thomas Ferguson, in Schanghai zu

haben, und lese vorher »_History of Soochow_« von Dr. A. P. Parker

(Schanghai).

Auf dem Yangtsekiang von Schanghai nach Hankau und Itschang.

Vgl. die Karte bei S. 215.

=Dampfer= der _Deutschen Yangtselinie_ (etwa wöchentl. einmal), der

_China Merchant's Co._ sowie englische, französische und japanische

laufen auf dem Yangtsekiang von _Schanghai_ nach (1085 km)

_Hankau_, so daß jeden Tag einmal, oft zweimal, Fahrgelegenheit

ist. Fast alle Dampfer sind gut eingerichtet und bieten gute

Verpflegung. Die Fahrtdauer (bis Hankau etwa 4 Tage) ist vom

Wasserstand im Yangtse abhängig (s. unten). Die Fahrpreise sind bei

_Melchers & Co._ sowie den Agenturen der fremden Linien in

Schanghai zu erfahren. Da die Dampferfahrkarten auch für die

Bahnfahrt Schanghai-Nanking und zurück gültig sind, empfiehlt es

sich, um Zeit zu gewinnen, diese (wenig lohnende) Strecke mit der

Bahn, Fahrzeit 7 St., zu machen. Wegen Anordnung des Reisewegs für

_Weltreisende_ durch Nordchina vgl. S. 249; man beachte, daß die

Bergfahrt nach Hankau zeitraubend ist, daher sollte man womöglich

nur von Hankau zu Tal nach Schanghai fahren.

Der =Yangtsekiang=, der Hauptfluß Südchinas, ist mit einer Länge

von ungefähr 5000 km (Donau 2860 km) und einem Stromgebiet von 1,9

Mill. qkm (dem 10fachen des Rheingebiets) einer der mächtigsten

Ströme der Erde. Er kommt wie die Hauptzuflüsse seines Oberlaufs

aus dem Hochgebirge Osttibets und fließt in seinem ganzen Oberlauf

in tiefeingeschnittenem Tal ungefähr südwärts, bis er an der

Nordgrenze von Yünnan ostnordöstl. Richtung annimmt, die der

Mittel- u. Unterlauf durch die Provinzen Szetschuan, Hupe, Nganhwei

und Kiangsu im großen ganzen beibehält. Leider erfüllt der Yangtse

die Aufgabe, einen bequemen Weg durch die schwer überschreitbaren

Gebirgsketten des innern Südchina zu bieten, wegen zahlreicher

Stromschnellen nur während der kurzen Perioden mittlern

Wasserstandes im Frühjahr und Herbst, so daß von der

Austrittsstelle aus dem innern Gebirgslande bei Itschang bis zu dem

äußerst fruchtbaren, dichtbesiedelten und ertragreichen »Roten

Becken« der Provinz Szetschuan hinauf Dampfschiffverkehr erst seit

1909 versuchsweise hat eingerichtet werden können. Um so größere

Bedeutung hat der Strom in seinem immer noch 1700 km langen

(deutsche Elbstrecke 740 km) Unterlaufe von Itschang (S. 262) an,

wo er zwar auch noch vielfach durch Bergland fließt, aber mit

gleichmäßig geringem Gefälle. Mit seinen Nebenflüssen bildet er

hier innerhalb eines der reichsten Teile Chinas ein

weitverzweigtes, vortreffliches Wasserstraßennetz. Große Seeschiffe

können bei Flußhochwasser im Sommer bis Hankau hinauf fahren. Eine

ganze Reihe volkreicher und wichtiger Städte sind daher an seinem

Unterlauf entstanden: Tschinkiang (großer Nahrungsmittelhandel),

Nanking, Wuhu (Reis), Kiukiang (Tee u. Porzellan) und vor allem die

Städtegruppe Hankau-Wutschang-Hanyang; weiter oben Yautschou,

Tschangscha, Tschangte und Itschang. Im Frühjahr, wenn die

Schneeschmelze eingesetzt hat, beginnt der Strom zu steigen und

erreicht seinen Höchststand, der das winterliche Niedrigwasser in

eingeengten Strecken des Mittellaufs bis 30 m, bei Hankau 15 m, bei

Kiukiang noch um 14 m übersteigt, erst im Juli oder August, weil

ihm auch die Sommerregen viel Wasser zuführen. Da auch die

Nebenflüsse im Sommer Hochwasser haben, so würde die Anschwellung

im Unterlaufe des Yangtse noch stärker sein, wenn nicht zwei große

Flachseen, der _Poyangsee_ und der _Tungtingsee_, die

Hauptwassermassen dreier großer rechtsseitiger Nebenflüsse, des

_Kan_, des _Hsiang_ und des _Yüen_, aufnähmen und nur allmählich

wieder abgäben, so wie regulierende »Talsperren« größten Stiles

wirkend.

Die Fahrt auf dem untern Yangtse und den angrenzenden Strecken

seiner Nebenflüsse ist zwar keineswegs reizlos, doch vermag sie

große landschaftliche Schönheiten nur stellenweise zu bieten;

solche steigern sich erst in dem großartigen Durchbruchstale

oberhalb Itschang. Die Reize einer Yangtsefahrt beruhen

hauptsächlich auf dem großen Verkehr und den interessanten

Städtebildern und auf den interessanten Einblicken in das

Wirtschaftsleben des chinesischen Volkes.

Die Fahrt von _Schanghai_ führt zunächst flußabwärts bis _Wusung_

(S. 246), dann in den über 30 km breiten Mündungstrichter

_Yangtsekiang_ (die Chinesen nennen den Strom _Ch'ang-chiang_, spr.

tscháng-djang, d. h. Langer Strom). Die ersten 160 km aufwärts

von Wusung fährt man in dem Ästuar wie auf einem großen gelben See,

dessen Ufer nur stellenweise sichtbar werden. Von den Häusern sieht

man nur die Dächer, ihr unterer Teil ist hinter Deichen verborgen,

die die Dörfer der Flußniederung gegen Überschwemmung schützen.

Nur die Lotsen vermögen sich durch die vielen Bänke im Fahrwasser

hindurchzufinden; die jährlichen Überschwemmungen ändern die Fahrrinnen

fortwährend, schwemmen Inseln an oder reißen Uferstrecken fort.

Landmarken bilden Pagoden auf Hügeln, so die _Pauschanpagode_ nahe

bei Wusung, oder Baumgruppen und Gerüstbaken, so r. auf der großen,

flachen Insel _Tsungming_. Nach etwa 16 St. Fahrt zeigen beide Ufer

Hügel. Bei den mit einer Pagode gekrönten _Langschanhügeln_ (110 m

hoch), einem besuchten Wallfahrtsort mit vielen Tempeln, wird der

Strom schmäler, die Berge werden höher, beim _Huangschan_ ist der Fluß

kaum 1400 m breit, am r. Ufer liegen 6 Forts, am l. Ufer gegenüber

der Stadt _Kiangyin_ (Stadtmauer 1506 erbaut) noch drei Batterien.

Hier ist der Telegraph von Schanghai nach Peking mit Kabel durch den

Yangtse geführt. Oberhalb erweitert sich das Bett, der Kurs führt an

Wäldern, Feldern und vielen Dörfern vorbei; der Fluß ist mit Dschunken

und Dampfern reich belebt. Weithin sichtbar ist die siebenstöckige

_Tschusanpagode_ auf dem Gipfel eines hohen Berges mit Fichtenwald;

am Fuße des Berges liegt eine zweite befestigte Flußsperre mit acht

Batterien, Kuppelfort und kasemattiertem Erdwerk, in der Nähe ein

Militärlager. Vor Tschinkiang wird die Landschaft sehr malerisch;

mitten im Strom liegt die _Silberinsel_ (_Tsianschan_; ähnlich der

Böcklinschen Toteninsel), deren bewaldeter Hügel eine niedrige Pagode

und andre Tempelanlagen trägt; auch hier Festungswerke am Südende der

Insel und an beiden Ufern.

Weltreise. Erster Teil: Indien, China und Japan · 第 36 / 63 段