=Kanton=, _Canton_ (chines. _Kwang-tschou-fu_), die wichtigste

Handelsstadt Südchinas, zweitgrößte Stadt des chinesischen Reiches

und Hauptstadt der Provinz Kwangtung, liegt unter 23° 8' nördl. Br.

am l. Ufer des _Perl-_ oder _Kantonflusses_, nahe dem Nordrande

des Sikiangdeltas, in einem Gebiete, das noch üppige, tropenartige

Vegetation besitzt, aber im Winter zuweilen schon Nachtfröste erleidet.

Durch sein Straßenleben ist es die interessanteste Stadt Chinas. Die

Stadt ist von der üblichen rechteckigen Backsteinmauer (nebst Graben)

umgeben, die hier 10 km lang, 12 m hoch und an der Krone 7 m breit

ist, und zerfällt in die dem Fluß zugekehrte Neustadt und die durch

Mauer mit Graben von ihr getrennte, fünf Sechstel der Gesamtfläche

einnehmende alte Tatarenstadt. Hervorzuheben sind hier die Yamen

(Residenzen) des Generalgouverneurs und des Tatarengenerals, das

Kungfutszekollegium und der kaiserliche Tempel, die Fünfstockpagode,

120 andre Tempel, eine Moschee, mehrere buddhistische Klöster, die

Münze, der große Exerzierplatz und die französische katholische Kirche.

Neu- und Weststadt sind das Geschäftsviertel. Ein interessantes

Wirrwarr von Straßen, Gassen, Sackgassen und Wassergraben, 1,2-4

m breit, mit Granitquadern belegt, darunter meist Wasser- oder

Schlammgräben, darüber von April bis Oktober Strohmatten oder

»Himmelsfenster« (mosaikartige Schiebefenster aus Muschelschalen),

darin Menschenknäuel wie in keiner andern Großstadt (vor den

Essenszeiten in den Märkten!), Gewimmel, Gelärm, Geschrei, Geruch.

Auf dem flachen, durch zahllose Kanäle durchkreuzten Ufer (außerhalb

der Mauer), auf Pfahlbauten, sowie in den bis nahe an die Flußmitte

verankerten Booten der »Wasserstadt« wohnt gleichfalls eine

zahlreiche Bevölkerung. Die Fremdenniederlassung befindet sich

auf der Insel _Schamien_, die, ehemals eine Schlammbank, 1859-61

erhöht und ummauert wurde und jetzt mit ihren breiten Banyanalleen

angenehmen Eindruck macht; die Engländer erhielten 4/5, die Franzosen

1/5. Unter den erstern haben sich auch Deutsche, Amerikaner,

Niederländer niedergelassen. Die Einwohnerzahl wird auf 900000

angegeben, darunter 2000 Mönche und Nonnen (9/10 buddhistische);

mehr als 100000 Menschen wohnen auf etwa 84000 Fahrzeugen im Strom.

-- Als Industriestadt nimmt Kanton in China den ersten Rang ein als

Hauptsitz der Seidenspinnerei und -weberei und Seidenstickerei,

durch Borten- und Schnurenfabrikation, Färberei, Glasbläserei, Glas-

und Steinschleiferei, Lackwaren- und Papierfabrikation, Holz- und

Elfenbeinschnitzerei, Möbelschreinerei; in der Umgebung beschäftigt

die Seiden-, Metall- und Porzellanindustrie ganze Dörfer, zur

Zeit der Zuckerernte arbeitet ein großer Teil der Bevölkerung in

den Zuckermühlen. -- Der Handel Kantons liegt zum größten Teil

in englischen und deutschen Händen. Werden die meist für Kanton

bestimmten, in Kaulun und Lappa verzollten Waren eingerechnet, so

beläuft sich der Gesamtwert des Handels von Kanton auf etwa 900 Mill.

Mark. Hauptposten der Ausfuhr sind Tee, Rohseide und Seidenwaren (für

31,4 Mill. Taels), Matten, Zucker, Kassia, Porzellan, Feuerwerkskörper;

der Einfuhr Opium (für 5,3 Mill. Taels), Baumwollenzeuge,

Baumwollengarne, Wollwaren, Metalle, Petroleum, Kohlen, Erdnüsse. Der

Handel wird stark durch Hongkong beeinflußt, wo der Schwerpunkt des

auswärtigen Geschäfts liegt. -- Stadt und Hafen sind durch Forts und

Batterien geschützt; auf den im N. der Stadt gelegenen Bergen liegen

fünf kleine Forts, auf der Südseite vier, darunter _Dutch Folly_,

jetzt Station für drahtlose Telegraphie, auf einer kleinen Felseninsel

mitten im Fluß, am Westende der Insel Whampoa das Haukwa-, Napier-

und Barrierenfort. Die Forts an der Bocca Tigris (S. 225), mit vielen

Geschützen bewaffnet, aber ungeschickt gebaut, wurden in den Kämpfen

mit England 1841, 1847 und 1857 leicht genommen.

Das _=Klima=_ von Kanton zeigt starke Extreme, das Thermometer steigt im

Sommer bis 38° C und sinkt im Winter bis 4,5°, Schnee und Eis sollen als

Seltenheit vorgekommen sein (z. B. 1893).

_=Rundfahrt=_ mit Führer (S. 227) und im Tragsessel (kaltes Frühstück

sowie an Kleingeld etwa $ 2 für Priester und Händler mitnehmen,

dessen Verteilung man dem Führer überlasse; Trinkgelder nur, wo

Wächter Türen öffnen: im Wa Lam Tse, in der Fünfstockpagode, in Tsans

Ahnenhalle, etwa 5-10 cents). Beim Gasthof über die Brücke in die

engen Gassen der Chinesenstadt. Durch die Schuhmacherstraße geradeaus

zum _Hung Sing-Tempel_, dort r. in die Ha Gao Po (Hauptstraße für

chinesische Seidenstoffe, am Anfang der Straße, r., Läden mit Sänften

für Hochzeiten- und Begräbnisse), dann l. durch die Sai Loi Tso Te

(Schwarzholzmöbel mit Marmor- und Perlmuttereinlagen) zum *=Tempel der

500 Götzen= (_Wa Lam Tse_; »Tse« = buddhistische, »Kün« = taoistische

Klöster). Am Eingang die sagenumsponnenen Torwächter, buntbemalte

Figuren aus gebrannter Erde hinter schmutzigen Holzgittern. Erste

Halle: die drei Buddha. Zweite Halle: siebenstöckige Marmorpagode,

Geschenk des Kaisers Kien Lung. Dann l.: _Halle der 500 »Lohan«_

(Schüler Buddhas): 500 lebensgroße Tonfiguren sitzen in langen

Reihen an den Wänden. Dem Eingange gegenüber Kaiser Kien Lung in

goldschimmerndem Gewande. Rechts von ihm zeigt der Tempelwächter

»Marco Polo«. Wer will, kann sich die Priesterwohnungen ansehen.

Zurück zur Ha Gao Po, durch die Ta Tung Gei (chinesische Banken,

Apotheken; Seidenfaden) nach der Tsong Yün Fong (Seidenstickereien,

Bilder in Schwarzholzrahmen). In Nachbarstraßen alle Arten Laternen.

Die nächste Straße, Dai Sann Gei, ist eine Haupthandelsstraße

(Elfenbein, Kuriositäten, Fächer; Nephrit = »Jadestone« fast nur hier

echt zu haben). In der Parallelstraße Ho Bunn Gei Schwarzholzmöbel,

Musikinstrumente und Felle. Durch das »_Tor der Tugend_« (_Kwai

Tak Mun_) in die =Altstadt=. Am Tor viele Läden mit Käfigvögeln,

Schlangen, Affen und anderm Getier. L. durch die Dai See Gei in das

Mandschuviertel. Hier der »_Tempel der fünf Genien_« (_Ng Sin Gunn_).

»Die fünf Genien flogen auf Rammblöcken durch die Luft nach Kanton. Die

Balken wurden in Steine verwandelt und hier aufbewahrt«. Eine große

Glocke (5000 kg schwer) hängt hier: »ihr Klang bringt Unglück über

die Stadt«; 1857, bei der Belagerung durch Franzosen und Engländer,

schlug eine Granate ein Stück aus ihr heraus und machte sie tönen. Im

Tempelhof eine Fußspur Buddhas. -- Nordwestl., ganz nahe, die älteste

Moschee (_Wai Sing Tse_) in China, um 626 gegründet; über ihr der

»Nackte Turm« (_Kwong Tap_) als Minaret; die Moschee soll von einem

Onkel Mohammeds gebaut sein, dessen Grab sich in einer andern der drei

Moscheen Kantons befindet. In der Nähe der »Kwong Tap« wohnen meist

Mohammedaner, deren Gesamtzahl auf 3000 angegeben wird . -- Nördl.

anschließend das Reservat der Bannertruppen, auch Mandschu. Ihre Häuser

sind meist klein, unordentlich, weiß gestrichen mit schwarzgemalten

»Querbalken« über der Tür. Keine Läden hier, die Männer sind Soldaten,

Wächter oder ohne Gewerbe. Die Mandschufrauen fallen durch lange,

hellblaue Gewänder auf, während Chinesenfrauen Obergewänder, die nur

bis zum Rumpfende reichen, tragen. -- Nach N., durch die Fa Tap Gei

nach der *=Blumenpagode= (_Fa Tap_, richtiger »Geschmückter Turm«,

im Gegensatz zum»Nackten Turm«, Kwong Tap), einem achtseitigen,

neunstöckigen, rosaübertünchten Turm von 51 m Höhe; 505 n. Chr. erbaut;

ins Innere kein Zutritt. -- Weiter nördl. bis zum großen Nordtor (_Dai

Pak Mun_); unterwegs hübscher Blick auf das Wachthaus über dem Tor. --

Von hier besuche man ein »=Totenhaus=« (z. B. das Buddhistenkloster

_Sao San_).

Ein hof- oder gartenartiger Raum, oft im Anschluß an ein Kloster,

ist mit Längs- und Quermauern durchzogen, an jeder Wandseite liegen

Zimmerfluchten; das Ganze gleicht einer Miniaturstadt aus kleinen

viereckigen Grabkapellen. Gegen Eintrittsgeld und jährliche Miete

lassen reiche Leute hier ihre Toten niederlegen, bis der Wahrsager

Ort und Zeit für die Beerdigung bestimmt hat, was Jahrzehnte dauern

kann. Die Ausstattung des Raumes ist verschieden; meist ist in der

Mitte ein Altartisch, dahinter hängt ein Vorhang oder Teppich zum

Verhüllen des Sarges. Auf oder neben dem Altar sind Opfergefäße,

Räucherstäbchen, Speisen, große Figuren aus buntem Papier, an den

Wänden Bilder, an der Decke hängen Lampen und, senkrecht oder

wagerecht, gestickte oblongische Läufer. Oft ist auch ein Diener

anwesend, wohnt oder schläft in einem Nebenraum der »Totenstadt«

und sorgt für frisches Essen und Wasser. »Bei Kindersärgen steht

Spielzeug, bei Frauensärgen Spiegel, Salbentöpfe, kostbare Kleider.

Zuweilen wird der Tote betrogen und erhält Speisen aus Wachs, die

haltbarer sind. In manchen Kapellen lesen in weiße Trauerkleider

gehüllte Chinesen aus Folianten laut Totengebete, während ein

buddhistischer Priester den Takt in Pentametern auf einer kleinen

Topftrommel schlägt« (nach _Hans Meyer_). Die Herstellung der

Papierwaren für Toten- und Opferkult (Papierblumen, -sänften,

-treppen, -figuren, -tabakspfeifen, -geld, -opferschnitzel) ist

eine bedeutende Industrie der Stadt.

Nahe beim Nordtor der _Kun Yam-Berg_, einer der heiligen Orte Kantons.

Kun Yam ist die buddhistische Göttin der Barmherzigkeit (Sanskrit

_Avalokitêshvara_) und eine der häufigsten Bildsäulen hier. 1858-62 war

am Berg das Hauptquartier der Engländer und Franzosen. Unten das

Taoistenkloster _Sam Yün Kung_, einer der saubersten und schönsten

Tempel der Stadt; eine lange Flucht breiter Granitstufen führt empor zum

Kun Yam-Tempel; vom Tempelhof schöner Blick über die Stadt. -- Zwei

Minuten weiter die =Fünfstockpagode= (_Ng Tsang Lao_), keine Pagode,

sondern ein mächtiger Burgturm von Hausgröße, rechteckig, fünfstöckig,

aus rotem Gestein, die Simse weit vorspringend, erbaut unter dem ersten

Ming-Kaiser (zwischen 1366 und 1399). Vom Obergeschoß weiter *Ausblick:

Im S. die Stadt, der Perlfluß als schimmerndes Band, an seinen Ufern

zwei Neunstockpagoden, in der Ferne die _Sai Siu-Hügel_. Im O. und W.

die dörferbesäte Ebene, im N. und NO. dicht hinter der Stadtmauer

die »Weißen Wolkenberge« (ein andrer heiliger Ort; hier findet der

Totenkult sein letztes Ziel: vom Fuße bis zum Gipfel liegen die

Hufeisengräber neben- und übereinander). Im Oberstock zwei Bildsäulen:

_Kun Yü_ und _Wan Tsèng_ (heilig gesprochener Kultusminister aus dem 7.

Jahrh.), denen die Prüflinge opfern, um gut zu bestehen. Höhe und Lage

auf der schon an sich 10 m hohen Stadtmauer machen die Fünfstockpagode

zu einer Landmarke. Die Chinesen sagen: Kanton gleicht einer mächtigen

Dschunke, die Fünfstockpagode ist der Hintermast mit gespreiteten

Segeln, die Blumenpagode der Vordermast (Zeichen des steigenden Handels

und steigenden Wohlstandes der Stadt).

Auf der _Stadtmauer_ (zu Fuß) oder durch die Stadt (in Sänfte) nach dem

kleinen Nordtor (_Siu Pak Mun_). Geradeaus, immer nach S., bis zur

Hauptstraße der Altstadt, der etwa 1 St. langen _Wei Ngoi Gei_ (»Straße

der Wohltätigkeit und Liebe«), dann r. zum »=Tempel des

Schreckens=« (_Sing Wong Miu_, »Sing Wong« ist der Schutzgott der

ummauerten Städte, deshalb findet sich sein Tempel ebenso in jeder Stadt

wie der des Kungfutsze).

Der _Sing Wong Miu_ ist ein typisch-kantonesischer Tempel: klein,

neuerdings renoviert. Er wird von Frauen, Landleuten, Soldaten

besucht, gleichzeitig von »Bauernfängern«; Bettler, Spieler,

Wahrsager, Hausierer drängen sich hier, zumal an Festtagen. An den

Wänden des Hofes werden die Strafen der buddhistischen Hölle in

Bildern vorgeführt (r. und l. je fünf).

»Da wird ein Kerl lebendig in Öl gesotten, während grausige

Ungeheuer die Glut des Ofens anfachen; dort wird ein armer Sünder

aufgeschraubt wie ein Korkzieher, an andrer Stelle wird ein

Bösewicht Zoll für Zoll zerstückelt, am dritten Ort ein andrer

unter einer Riesenglocke zu Tode geläutet, und so geht es fort

durch alle erdenklichen Stufen der raffiniertesten

Grausamkeit« (_Hans Meyer_). Das Ganze erinnert an ein Panoptikum.

Dem Sing Wong-Tempel gegenüber durch die Fu Hog Tung Gei nach

dem *=Kungfutsze-Tempel= (_Kuong Tsao Fu Hog Kung_). Kanton hat

drei Kungfutsze-Tempel, dieser ist der erste. An bestimmten Tagen

im Frühling und Herbst versammeln sich hier alle Zivil- und

Militärbeamten, an ihrer Spitze der Generalgouverneur. Die Verehrung

des großen Weisen besteht im Räuchern, Verbrennen von Kerzen, Opfern

von Reis, Wein, Fleisch, Musik, Niederknien u. a. -- Nicht weit davon,

in der _Söng Mun Dai Gei_ (Hauptstraße der chinesischen Buchhändler)

die *_Wasseruhr_. Sie besteht aus vier Kupferkübeln, die auf Stufen

stehen. Das Wasser tropft von einem zum andern; im untersten schwimmt

ein Anzeiger, der angibt, wie lange das Wasser fließt. Nach 12 St.

wird es ins oberste Gefäß zurückgegossen. Erbaut wurde die Wasseruhr

um 1320. -- Nördl. zurück zur _Wei Ngoi Gei_ und diese entlang bis

zum _Westtor_ (_Sai Mun_). Auf dem Weg mehrere Yamen (Amtsgebäude).

Das Schatzmeistersyamen (der Einmündungsstelle in die Wei Ngoi Gei

gegenüber), dann ein wenig weiter, r., das Präfektsyamen, zuletzt das

des Tatargenerals (die Straße führt durch die großen Tore des Vorhofs,

l. eine Wand mit dem kaiserlichen Drachen). -- Nach Schamien zurück

durch die Sap Tsat Po und Sap Bat Po (wichtige Handelsstraßen, hier

auch viele europäische Waren).

_=Kürzere Rundfahrt=_: Wem diese Fahrt zu lang ist, gehe von der Ha

Gao Po zum Westtor und hier auf die Stadtmauer: schöne Blicke auf

den Tempel der fünf Genien, den »Nackten Turm«, die Blumenpagode,

den Kun Yam San, die Fünfstockpagode. (Vom Nackten Turm auf der

Stadtmauer zum Großen Nordtor; uralte Geschütze auf der Stadtmauer,

Schweine und Hühner liegen darunter, menschliche Faulenzer schlafen

darauf, daneben kochen die Wächter ihr Essen; auch l. durch die

Mauerluken manch hübsches Bild; bis zum Großen Nordtor 25 Minuten

zu Fuß, vom Tor aus gehe man wie bei der ersten Fahrt beschrieben.)

Zwei hervorragend schöne Gebäude erfordern weitere Ausflüge: 1) =die

Ahnenhalle der Familie Tsan=. Man fahre mit der Nordbahn (7 Min.)

nach der ersten Station Hgai Chim. L. vom Bahnhof die Hochschule

der beiden Kuong-Provinzen (mauer- und grabenumzogenes Viereck, mit

vielen Gebäuden und Baumgruppen, einer kleinen Stadt ähnlich). Mit

Sänfte nach der Ahnenhalle (15 Min.), einem der schönsten Gebäude in

Südchina, drei Reihen Hallen hintereinander. Überreiche Stuckarbeiten

an Dach und Mauerwerk, die weiten stillen Höfe erinnern an die

Alhambra; in der letzten Halle viele kleine Ahnentafeln. -- 2) =Der

Kungfutsze-Tempel des Pünjü-Distrikts= (_Pun Yü Hog Kung_), großer

Bau, prächtig gelbrotes Ziegeldach, ornamentale Drachen über dem

Eingang zur Haupthalle (nur an Kungfutszes Geburtstag geöffnet, sonst

Eingang durch Seitentüren), im Innern seltsame Riesenfigur des großen

Philosophen. -- Daneben die Amtsgebäude des Pun Yü-Magistrat; Besuch

der Gefängnisse (Erlaubnis des Beamten!) nicht uninteressant. Die

Schauerszenen, früher häufig, sind jetzt unterdrückt. Am Flußufer der

_Richtplatz_, in »Friedenszeiten« werden hier Töpfe getrocknet. Soviel

Hinrichtungen am Tage stattfinden, soviel Holzkreuze werden vorher

dort etwas erhöht aufgebaut; das Schauspiel (meist Kopfabschlagen) ist

widerlich. -- Unter den vielen Tempeln der Stadt sind noch zu erwähnen:

der _Medizintempel_, vor dessen Eingang eine vergoldete Holzschnitzerei

hängt; im Innern schöne Reliefs und im Nebensaal 60 Götzenbilder,

von denen jedes ein Jahr des Menschenlebens und der 60jährigen

Kalenderperiode darstellt; vor jedem steht eine Vase zum Opfern von

Räucherkerzen. Eine kreisrunde Tür führt in einen andern Saal mit

zwei Altären. -- Einer der ältesten Tempel, 362 erbaut, liegt im NW.

der alten Stadt, nahe der Blumenpagode, im _Kloster der glänzenden

Elternliebe_ (_Kwang hiao tse_); er hat zwei kleine siebenstöckige,

eiserne Türme mit Inschriften aus dem 10. Jahrh. -- Bemerkenswert ist

noch der _Kaiser-Tempel_ (_Wan tscheu kong_) ein Staatsgotteshaus,

wo die Zivil- und Militärbeamten Kantons an Kaisers Geburtstag,

beim Neujahrsfest und bei Verheiratung des Kaisers Festgottesdienst

abhalten. Auf dem kahlen Altar steht eine Tafel, auf der der goldene

Namenszug des Kaisers auf grünem Lack angebracht ist. -- Für weitere

Auskunft ist zu empfehlen: »_A Guide to the city and suburbs of Canton,

by Dr. Kerr_« (Hongkong, Kelly and Walsh).

=Ausflug.= Kanton gegenüber, am Südufer des Perlflusses, die

Vorstadt =Honam= auf gleichnamiger Insel; Bootsbauerei, Hauptsitz

der Mattenindustrie, etwa 200000 Einw. Mit Sampan fährt man (nicht

ohne ortskundigen Europäer!) über den Fluß. Sehenswert sind eine

große _Tempelanlage_ (_Hoi tswang tse_) im _Kloster des

Meer-Banners_, zu der man durch eine lange Reihe von Toren und

Holzstatuen gelangt, zwei Hauptpagoden und drei riesige

Buddhafiguren; am interessantesten sind die vielen Bonzen, die man

in ganzen Rotten trifft (listige Augurenphysiognomien). -- Dann

fährt man flußaufwärts zur Insel =Fati=, gegenüber von Schamien, wo

sehenswerte _Ziergärten_ liegen; sie enthalten außer vielen

Blütengewächsen, Palmen, Dracaenen auch absonderliche

Buschpflanzen, die zu allerlei Figuren (Menschen, Drachen, Fische,

Fächer u. a.) zurechtgestutzt sind, denen mit Glas und

Porzellanansätzen nachgeholfen wird; sehr eigenartig sind auch die

Miniaturlandschaften, meist Berge mit Häusern, Grotten, Brücken,

Menschen, Bäumen. Bei der Wasserfahrt kann man gelegentlich

beobachten, wie Priester auf großen Dschunken Andachten abhalten;

auch das Treiben auf dem Wasser, das Familienleben in den

Fahrzeugen bietet Sehenswertes. Am angenehmsten sind Fahrten mit

»Hausboot« der auf Schamien ansässigen Europäer; sie sind für

Ausflüge zu Wasser bestimmt.

2. Seitentour: Hongkong-Macao.

=Dampfer=, s. S. 221. 40 Seem.; Fahrzeit etwa 3-1/2 St., Ausflug

auf 1 Tag (besser 2 Tage). Fahrpreis $ 4; So. Sonderschiffe hin und

zurück $ 2, 6 St. Aufenthalt (genügt für Rickschafahrt, Besuch der

Spielhöllen und aller Sehenswürdigkeiten). (NB. Man kann auch von

Kanton direkt nach Macao in etwa 8 St. fahren [Fahrpreis $ 5], doch

sind die Dampfer [S. 225] sehr klein, daher bei Seegang unbequem.)

Die Fahrt von _Hongkong_ ostwärts, je nach dem Wetter dicht längs der

Nord- oder Südküste der großen Insel _Lantao_, ist reizvoll; dann durch

die ziemlich offene Mündung des _Kantonflusses_, vorbei an kleinen

Inseln nach dem versandenden Hafen von Macao, der an landschaftlicher

Schönheit mit Hongkong wetteifert, trotzdem die Felsenhalbinsel Macao

nur 100 m hoch ist. Auf dem Fort _Nossa Senhora da Guia_ steht der

erste europäische Leuchtturm, der in China brannte; die Hügel tragen

alte Festungswerke. Die kleine Stadt sieht von See mit ihren Kirchen,

Terrassen, Arkaden und Balustraden malerisch aus. Im Hafen liegen meist

nur Fischerfahrzeuge.

Macao (vgl. den Karton auf der Karte S. 219).

=Gasthöfe=: _Hotel Boa Vista_, über der Stadt in schönster Lage,

Rua do Tanque do Mainato 1, gut, allein zu empfehlen; Pens. $ 8. --

_Macao-Hotel_ an der Grande Promenade, mäßige Preise. -- =Post u.

Tel.= (Kabel) portugiesisch. -- =Rikschas=: 1 St. 10 cents in der

Stadt, 15 cents außerhalb. -- =Tragsessel= mit 2 Trägern ein Weg 15

cents; 6 St. 50 cents; für den Tag $ 1. -- =Dampfer=: nach

_Hongkong_ tägl. früh, Sa. und So. 2mal tägl., für $ 4-2; nach

_Kanton_ Mo. Mi. Fr. früh. -- =Sprache= portugiesisch, doch kommt

man mit Englisch überall durch. -- =Geld= portugiesisch; 1

_Milreis_ (1000 _reis_) etwa 4,53 M., also 100 reis = 45 Pf. Es

gelten Banknoten der Hongkong-Schanghai Banking Co. und das in

Hongkong umlaufende Kleingeld. Der Goldkurs schwankt täglich. --

=Spielhöllen= (mit Roulette): _Fantam_; _Wong hang_; _Wong wo_;

Einsatz von $ 1 an, man gewinnt beim »fan tam« den vierfachen

Einsatz, weniger 10 Proz.; Spielzeit den ganzen Tag, das Spiel ist

primitiv (man wird enttäuscht sein).

=Macao= wurde 1517 von den Portugiesen besetzt und diente einst als

alleiniger Vermittelungsplatz des europäischen Handels mit China.

Seitdem aber die Fremden in Kanton selbst Zutritt gefunden, und

vollends, seitdem die Engländer die Insel Hongkong und die

Halbinsel Kaulun besetzt haben, ist Macao als Handelsplatz völlig

bedeutungslos geworden, zumal auch der Hafen durch die Sinkstoffe

des Hsikiang ganz verschlammt ist. Der Besuch des Ortes lohnt aber

auch heute noch wegen seiner herrlichen, an Monte Carlo erinnernden

Lage auf einer kleinen Felsenhalbinsel und wegen der zahlreichen

Zeugen der einstigen portugiesischen Kolonialherrlichkeit. Es ist

kein größerer Gegensatz denkbar als zwischen dem reichen Leben, das

in Honkongs Straßen und Hafen pulsiert, und dem menschenleeren

Macao. Die Portugiesen selbst haben hier wie überall in ihren

Kolonien ihr Volkstum nicht rein erhalten, sondern sind zu einer

Mischrasse herabgesunken. Der Baucharakter der Europäerstadt ist

dagegen noch rein portugiesisch. -- Das _=Klima=_ ist im Sommer

weniger heiß, angenehmer und gesünder als auf Hongkong.

=Macao= (spr.-kāu) liegt 60 km westl. von Hongkong auf einer felsigen

Halbinsel, die eine nur 100 m breite Landzunge mit der flachen

chinesischen Insel _Heongschan_, des Südteils des Hsikiang-Deltas,

verbindet. Die Grenzmauer, deren Tor früher chinesische Soldaten

bewachten, ist jetzt verfallen. Macao hat 63991 Einw. Der Handel

ist sehr im Niedergang (Waffenschmuggel) und ganz in Händen von

Chinesen. -- Die _Stadt Macao_ ist malerisch auf einer Hügelreihe

erbaut, die bis 100 m vom Strand aufsteigt; die Straßen sind vielfach

steil. Auf den Höhen mehrere alte Forts, die mit je einer Kompanie

Festungsartillerie und Infanterie besetzt sind. Macao scheidet sich

in die regelmäßig gebaute portugiesische (jetzt verödete) Stadt

mit fünf Kirchen, darunter die St. Pauls-Kathedrale, zahlreichen

Kapellen und (seit 1834 aufgehobenen) Klöstern, aber auch nicht minder

zahlreichen Spielhöllen, und das chinesische Viertel mit großem

Basar und engen, schmutzigen Gassen. Macao ist Sitz des Gouverneurs,

eines Bischofs und eines chinesischen Mandarins und Hauptsitz der

französischen Missionen in China. -- Der äußere _Hafen_ ist ungenügend

geschützt, zwei innere Häfen sind eng und verschlammen, daher nur

für Flußdampfer und Dschunken brauchbar, während große Seeschiffe

9-10 km von Macao ankern müssen. Eingeführt wird aus China: Seide,

Matten, Tee, Zucker, Schweine, Tabakblätter, Bambus; aus Hongkong:

Reis, Erdnußöl, Petroleum, Kohle, Mehl. Ausgeführt werden nach China

Opium, Baumwollengarn und Reis. -- Die Portugiesen erhielten bereits

1557 gegen jährliche Zahlung von 500 Taels an China das Recht zur

Niederlassung; diese Summe wurde bis 1848 entrichtet. -- Seit 1845

ist Macao Freihafen, konnte sich aber neben Hongkong nicht behaupten,

besonders seit 1873 der Kulihandel verboten wurde.

_=Rundfahrt in der Stadt=_ mit Rikscha vom Gasthof Boa Vista hinunter

in die Hauptstraße der Stadt, _Praia Grande_, wo der _Palast des

Gouverneurs_ und andre Regierungsgebäude liegen und am Nordende ein

_Park_, in dem Nm. Musik spielt, während ganz Macao dort promeniert.

-- Dann l. den Berg hinauf zur Ruine der _São Paolo-Jesuitenkirche_

mit schönem Portal und etwas weiterhin zum _Camões-Garten_, wo der

verbannte Dichter seine »Lusiaden« vollendet haben soll und eine

Büste des Dichters steht, mit mehreren Inschriften, darunter einer

sehr stimmungsvollen Widmung eines Franzosen. -- Ein guter Weg, die

Avenida Vasco da Gama, führt nördl. zur chinesischen Grenze; auf einer

Anhöhe sieht man einen terrassenförmigen Parsenfriedhof. -- Jenseit

des kleinen Grenztores 8 km weiter liegt eine reiche chinesische

Besitzung mit sehenswertem Park.--In dem fleißigen, aber häßlichen

Chinesenviertel von Macao ist eine Opiumfabrik sehenswert. -- Die

_=Spielhöllen=_ (_Casa do Jogo_, _Gambling saloon_) liegen meist in

der Rua da Felicidade. Macao gewährt wegen seiner idyllischen Ruhe und

malerischen Umgebung genußreichen Aufenthalt für 2-8 Tage. -- 26 km von

Macao liegen die heißen Quellen von _Yo muh_.

=3. Seitentour: Hongkong-Manila= (vgl. Karte s. 155).

=Dampfer= der _China Navigation Co._ und der _Indo-China Steam

Navigation Co._ (wöchentl.), der _Philippine Steamship Co._

(14tägig) laufen von Hongkong nach Manila (640 Seem.) in 2-1/2

Tagen; Fahrpreise veränderlich, je nach Güte der Dampfer $ 30-50,

Hin- und Rückfahrt $ 50-80. Der _Norddeutsche Lloyd_ (Austral-Japan

Linie) läuft Manila alle 28 Tage an. Es ist notwendig, einen Paß

bei sich zu haben, der vom amerikanischen Konsul in Hongkong

visiert ($ 1 Gold) wird. Bei der Passagebelegung in Hongkong wird

von allen Dampferlinien die auf den Philippinen verlangte

Immigration Tax von 8 Pesos = $ 4 Gold hinzugerechnet. Bleibt der

Reisende weniger als 3 Monate auf den Philippinen, kann er diese

Summe durch die Agentur der Linie, mit der er nach Manila fuhr,

reklamieren. Das Beste ist, dies 14 Tage oder 3 Wochen vor der

Abreise zu veranlassen, da es solange dauert, bis das Zollamt den

Betrag zurückzahlt.

Weltreise. Erster Teil: Indien, China und Japan · 第 33 / 63 段