Die Küstenprovinzen Südchinas sind, abgesehen von der Delta-Ebene

des Hsikiang, an der Kanton und Macao liegen, fast ganz von

Gebirgsland erfüllt, das sich mit meist von SW. nach NO.

streichenden Ketten hinter einer insel- und buchtenreichen, trotz

Verschlammung der Buchten nicht hafenarmen Küste erhebt. Die

Längstäler dieses Gebirgslandes werden von gut schiffbaren und

durch niedrige Talwasserscheiden miteinander in bequemer Verbindung

stehenden Flüssen durchzogen, deren bedeutendster der gegenüber

Hongkong mündende _Hsi-kiang_ ist. Die Flüsse stellen die besten

Verkehrswege des Landes dar, da Eisenbahnen noch fast ganz fehlen

und Landstraßen nicht vorhanden sind. Der Landverkehr ist vielmehr

ausschließlich auf Saumpfade angewiesen und auf Fußwege, auf denen

Menschenkraft als wichtigstes Transportmittel verwendet wird.

=Klima.= In gleicher Breite wie das nördl. Drittel Vorderindiens

gelegen, hat Südchina doch ein viel rauheres Klima als dieses

abnorm warme Gebiet, weil ihm die schützende nördl. Gebirgsschranke

fehlt. Ganz Ostasien steht ebenso wie Südasien unter der

klimatischen Wechselwirkung zwischen der großen asiatischen

Landmasse, deren Inneres sich im Winter stark abkühlt und im Sommer

stark erhitzt, und den viel gleichmäßiger temperierten Randmeeren;

es hat also Monsunklima (vgl. S. 40). Der sommerliche SW.-Monsun,

der weiter nordostwärts in S.- und SO.-Monsun übergeht, ist auch

hier warm und bringt Trübung und Regen; der winterliche NW.-Monsun

weht dagegen in ganz Ostasien viel stärker als der Sommerwind, ist

kalt, sehr trocken und bringt heiteres Wetter. So haben nur

Hongkong und Kanton noch ein einigermaßen tropisches Klima mit

feuchtheißem Sommer, aber regenarmem und ziemlich rauhem Winter;

weiter nordostwärts wird der Temperaturgegensatz zwischen Sommer

und Winter immer stärker, die Sommerhitze erreicht überall noch

tropische Höhe, während im Winter schon im Hinterland von Swatau

unterm Wendekreis die Berge bis tief hinab gelegentlich in Schnee

gehüllt sind.

Die =Pflanzendecke= hat gleichfalls nur im S. noch tropischen

Charakter mit Palmen, Bananen, Bambus u. dgl.; weiter nordostwärts

und im Gebirge spielen immergrüne, hartblätterige (subtropische)

Gewächse die Hauptrolle, unter denen die Kamelien und deren

Verwandter, der Teestrauch, die bekanntesten sind. Die

ursprüngliche Vegetation tritt jedoch stark zurück hinter den

Kulturgewächsen, denn die Küstenprovinzen sind äußerst dicht

bevölkert und sogar die Berghänge bis zu 1500 m hinauf mit Hilfe

von _=Terrassenkultur=_ in Benutzung genommen. Außer

Nahrungspflanzen, unter denen Reis, Mais, Hirse und andre

Getreidearten, Zuckerrohr, Hülsenfrüchte und Gemüse die Hauptrolle

spielen, werden besonders Baumwolle, der Teestrauch und der

Maulbeerbaum (für die Seidenraupenzucht) kultiviert. Ebenso ist

auch von der freilebenden höhern =Tierwelt= außer den schönen

Fasanen wenig mehr zu merken.

Die =Chinesen= und ihre Werke werden daher fast überall für den

Besucher Chinas im Vordergrunde des Interesses stehen. Seitdem sie

seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. aus Innerasien in ihr heutiges Land

vorgedrungen sind, das (mit Ausschluß der Mandschurei, der

Mongolei, Ilis und Tibets) etwa 4 Mill. qkm umfaßt (annähernd

7-1/2mal so viel wie das Deutsche Reich), haben sie dieses in ein

Kulturland zu verwandeln verstanden, wie kein anderes Volk der Erde

seinen Wohnsitz. Die Fruchtbarkeit und das dem Ackerbau günstige

Klima sowohl des lößbedeckten Nordteils des Reiches wie des

lößfreien Südteils wiesen von jeher auf den Ackerbau als die

natürliche Grundlage der Volkswirtschaft hin, und die rasch

zunehmende Volksverdichtung zwang zu immer weiterer Ausdehnung des

Kulturlandes und zu immer sorgfältigerer Ausnutzungsweise

desselben, die heute geradezu als »Gartenbau« bezeichnet werden

kann. Die starke Volksvermehrung (die große Zahl der Kinder ist

eine der auffälligsten Erscheinungen im menschenwimmelnden China)

hat ihren Hauptgrund in der den Grundzug der chinesischen

Volksreligion bildenden Ahnenverehrung, welche die Darbringung von

Ahnenopfern durch männliche Nachkommen verlangt und auch die

Ärmsten zu frühzeitiger Heirat zwingt. Die Gesamtbevölkerung Chinas

soll nach der letzten Volkszählung (1910) reichlich 400 Mill.

betragen, was einer mittlern Volksdichte von 100 entspräche

(Deutsches Reich 1910: 65 Mill. auf 541000 qkm, Dichte 120). Doch

ist diese Zahl wohl zu hoch angenommen. Indem so die

Lebensbedingungen für den einzelnen auf dem gegebenen Raum immer

knapper wurden, sind höchste Genügsamkeit und ausdauernder Fleiß

(Sonntag in China unbekannt) Haupteigenschaften des Chinesen

geworden; der chinesische Bauer ernährt sich und seine Familie von

einem uns Europäern winzig erscheinenden Stückchen Land, der Kuli

von einem lächerlich geringen Arbeitslohn. Das namentlich im N.

stark kontinentale Klima mit seinen plötzlichen

Witterungsschwankungen vertilgte alle weichlichen Individuen und

hat die Chinesen durch natürliche Auslese gegen Witterungseinflüsse

unempfindlich gemacht; sie sind das einzige Volk der Erde, das in

_=allen=_ Klimaten arbeitsfähig bleibt; daher die weite Verbreitung

chinesischer Kulis. Trotzdem die Chinesen ein Ackerbauvolk sind und

der Bauernstand (außer den Akademikern) als der höchste gilt,

wohnen sie nur in einzelnen Landesteilen auf dem Lande verstreut;

meist drängen sie sich vielmehr in großen, volkreichen Dörfern und

in mauerumgürteten _=Städten=_ zusammen, den Plätzen der großen

Märkte, des Warenaustausches und des Handels, in denen der lebhafte

Handelsgeist des Volkes seine Wirkungsstätten findet. Das enge

Zusammenwohnen und die starke Konkurrenz in diesen Wohnplätzen hat

als sehr unangenehme Eigenschaften Hinterlist und Unreinlichkeit

sowie anderseits eine einseitig materielle Lebensauffassung

hervorgerufen. Der maßlose nationale Hochmut des Chinesen, der ihn

auch in uns Europäern nur »Barbaren« sehen läßt, und die Erstarrung

ihrer Kultur, die sich erst in allerjüngster Zeit zu lösen beginnt,

finden ihre Erklärung in dem Umstande, daß China, das »Reich der

Mitte«, stets von kulturell tieferstehenden Völkern umgeben war und

alle seine Bedürfnisse selbst erzeugte, so daß es sich Jahrtausende

hindurch nach außen ganz abschließen konnte.

Die chinesische =Volksreligion= sieht, wie bereits oben erwähnt,

ihren Endzweck in der Verehrung der Ahnen und des Herrschers. Ihre

philosophische Weiterbildung hat sie im _Konfuzianismus_, der Lehre

des _Kungfutsze_ (551-478 v. Chr.), gefunden, dessen noch heute im

höchsten Ansehen stehende Philosophie den einzelnen lehrt, sich nur

als Glied der Gesamtheit zu betrachten und dessen Wohle sich

unterzuordnen. Der Buddhismus hat in China, so weit seine Klöster

dort auch verstreut sind, nie eine große Rolle zu spielen vermocht.

Der Islam zählt etwa 30 Mill. Anhänger in entlegeneren Teilen des

Reiches. Sehr gering sind auch die Aussichten auf Ausbreitung des

Christentums unter diesem ältesten Kulturvolk Asiens; nur die

Jesuiten haben einst (um 1600) große Erfolge erzielt, aber nur,

weil sie dem Volke ihren Ahnenglauben und die Verehrung des

Kungfutsze ließen.

Die gegenseitige Eifersucht der verschiedenen christlichen

Konfessionen, Sekten und Richtungen, die heute noch alle

Anstrengungen der Missionen illusorisch machen, haben schon damals

das Werk der Jesuiten zerstört: gerade als der kaiserliche Hof in

Peking im Begriffe stand, zum Christentum überzutreten, wurden die

Jesuiten dank den Einflüsterungen der Dominikaner und Franziskaner

vom Papst zurückgerufen. Heute zählt man unter den Chinesen etwa 1

Mill. katholische und 150000 protestantische Christen, die

vorwiegend den untern Volksklassen angehören.

Die ganzen =staatlichen Verhältnisse= sind zurzeit in stärkster

Umbildung begriffen; den Hauptanteil an dieser Umwälzung haben die

Südchinesen. Das Beamtenheer der _Mandarinen_ erfährt seine

Ausbildung auf rein formalistischem Wege durch das Studium der

Klassiker. Die darin erlangten Kenntnisse werden durch Prüfungen

nachgewiesen, an denen jedermann teilnehmen kann. Es herrscht

Ämterkauf. Die Amtssitze der höhern Beamten (die durch kleine

Knöpfe auf den Mützen und Stickerei des Brustlatzes gekennzeichnet

sind) tragen die Bezeichnung fu (z. B. Singanfu, Tschifu).

=Geschichte.= Ursprünglich war China von unzivilisierten Stämmen

bewohnt; um 2600 v. Chr. drangen die Stammväter der heutigen

Chinesen aus Zentralasien in das nordwestchinesische Lößgebiet ein.

Singanfu in der heutigen Provinz Schensi wurde ihre Hauptstadt. Sie

brachten aus ihren trocknen Ursitzen die Teekultur und die

Berieselungskunst mit. Im Laufe langer Zeiten dehnten sie ihre

Herrschaft über das ganze heutige China und noch weiter aus, wurden

aber später vielfach von fremden Dynastien unterworfen, die teils

von W., teils von N. kamen. Im ersten nachchristlichen Jahrtausend

waren es vor allem tungusische Stämme, die aus der nördl.

Mandschurei ins Liautal (um Mukden) gelangt waren und nun durch die

schmale Pforte von Liauhsi (vgl. S. 329) nach Nordchina vordrangen.

Am bekanntesten unter ihnen sind die _Kitan_ geworden, die die in

China von 905-1125 n. Chr. herrschende _Liau-Dynastie_ begründeten;

auf sie geht die Bezeichnung Chinas als _Kitai_ zurück.

Zu Anfang des 13. Jahrh. wurde China ein Teil des gewaltigen

Reiches der _Mongolen_, und _Kublai Chan_, der Enkel Dschingis

Chans, machte Peking zu seiner Hauptstadt und begann den Bau des

gewaltigen Kaiserkanals (S. 265); Marco Polo stand längere Zeit in

seinen Diensten. Schon 1356 machte sich aber ein chinesischer

Priester, _Tschuyüentschang_, zum Herrn von Nanking und begründete

1368 als Kaiser die einheimische _Ming-Dynastie_, die bis 1644

herrschte, dann aber dem tatkräftigen jungen Chan der gleichfalls

von N., aus dem Liautal, gekommenen tungusischen _Mandschu_ weichen

mußte, der als Kaiser _Schuntschi_ die _Tsing-Dynastie_ begründete.

1662 wurden die Holländer aus Formosa vertrieben, das sie 1625

besetzt hatten. Im 17. und 18. Jahrh. wurden vereinzelte

Niederlassungen der Russen, Franzosen und Engländer geduldet.

Wichtig für die Eröffnung des Handelsverkehrs mit Europa war der

Opiumkrieg 1840-42, in dem die Engländer Hongkong erwarben und die

Öffnung der Häfen Kanton, Amoy, Futschou, Ningpo und Schanghai

erzwangen. Ernstlich bedroht wurde die Tsing-Dynastie durch den

Taiping-Aufstand, dessen Führer _Hung-Siutsuen_ Anhang unter

christenfreundlichen Chinesen fand, sechs Provinzen und 1853 die

alte Hauptstadt Nanking einnahm. Bald darauf geriet die kaiserliche

Regierung in Krieg mit England und Frankreich; 1860 wurde Peking

besetzt, der Sommerpalast geplündert und zerstört und China zu

Handelsverträgen mit allen Seemächten gezwungen. Dann unterstützten

aber die Engländer und Franzosen die chinesische Regierung gegen

die Taiping, deren letzte Stütze, die Stadt Nanking, 1864 genommen

wurde. Im Krieg um Korea zwischen Japan und China 1894/95 verlor

letzteres Formosa und die Pescadores-Inseln. 1897 nahm Deutschland

als Sühne für die Ermordung zweier Missionare die Kiautschoubucht,

1898 Rußland Port Arthur und Talienwan, Frankreich Kwangtschou und

England Weihaiwei und Nord-Kowloon bei Hongkong; hierdurch entstand

eine fremdenfeindliche Stimmung, die zu der Boxerbewegung führte.

Nach Zerstörung der Takuforts am 17. Juni 1900, Ermordung des

deutschen Gesandten (20. Juni), Befreiung des Landungskorps unter

Admiral Seymour und Entsatz Tientsins wurde Peking am 14. Aug.

genommen. Seit dem Ausbruch der Revolution im Herbst 1911, welche

die Stürzung der monarchischen Dynastie und republikanische

Verfassung anstrebt, ist das chinesische Reich in innere Wirren

verwickelt; europäische Streitkräfte schützen Leben und Eigentum

der fremden Staatsangehörigen.

=Reiseliteratur für China=: _v. Richthofen_, Schantung und seine

Eingangspforte Kiautschou (Berlin 1898); _E. Tiessen_, China

(Berlin 1902); _W. Grube_, Religion und Kultus der Chinesen

(Leipzig 1910); _M. v. Brandt_, 33 Jahre in Ostasien (Leipzig

1901); _G. Wegener_, Zur Kriegszeit durch China 1900/01 (Berlin

1902); _Madrolle_, Chine du Sud; _Ders._, Chine du Nord (Paris

1904).

Reisen in China.

Reisepaß für die chinesischen Behörden besorgt der deutsche Konsul

im Ankunftshafen; man tut gut, sich mit Visitenkarten in

chinesischer Schrift zu versehen (die Namen, Rang, Heimatsort und

Reisezweck angeben). Das Gepäck ist zu beschränken, weil die

Verkehrsverhältnisse schlecht sind. Am bequemsten reist man in

Südchina auf Flußdampfern und Flußbooten (gemieteten

»Hausbooten« [Sampans] oder Dschunken); letztere sind auch bei

Kanalfahrten zu gebrauchen, aber die Reise geht langsam vonstatten,

flußaufwärts mit Ziehleuten. Landreisen am besten zu Pferde, viel

unbequemer sind die Maultiersänfte und der zweiräderige Reisekarren

(ohne Federn!); letzterer ist für größeres Gepäck unentbehrlich,

doch gibt es Fahrstraßen nur vereinzelt und nur in Nordchina;

Südchina kennt außer den Wasserstraßen nur Saumpfade und als

Transportmittel nur Menschen und Tragtiere. Wenn man die Karre mit

eignen Feldbettstücken polstert, ist sie allenfalls erträglich.

Reittiere kauft man am besten, Packtiere (Maultiere) mietet man. v.

Richthofen empfiehlt die Benutzung von Reit- und Packtieren für alle

Landesteile von Nordchina; man kann mit ihnen auf Fußwegen auch

Berge übersteigen.

Gute Maultiere leisten die besten Dienste. Moskitonetz ist im

Sommer unentbehrlich. Im Winter sorge man für warme Kleidung,

Decken und mit Schaffell gefütterten Mantel sowie hohe, derbe

Wasserstiefel. Laterne, großer Vorrat an Stearinlichten,

europäisches Tischgerät, Glas und Porzellan zwischen Filzplatten

verpackt, Kochgerät.

Der Diener muß europäisch kochen können, die chinesische Kost ist

ungesund, nur gekochter Reis und Brot sind frisch brauchbar.

Hühner, Enten und deren Eier sind billig, Rind- und Hammelfleisch

nur in Städten, wo Mohammedaner wohnen und in den Städten mit

größern Europäerkolonien; die Chinesen selbst verwenden das Rind

nur als Zugtier. Chinesisches Schweinefleisch ist wegen großer

Verbreitung der Trichinose ungenießbar. Zum Mundvorrat nehme man

reichlich Fleischextrakt, gepreßte Gemüse, Kakao, Tee (schwarzen,

die Chinesen trinken grünen), kondensierte Milch.

Über den Verkehr mit der Bevölkerung hole man sich vorher bei

Landeskennern Rat; niemals vergesse man, daß man sich unter einem

Kulturvolk befindet. In größern Orten mache man dem

Gemeindevorsteher Besuch; wenn er Geschenke schickt, gebe man dem

Hauptdiener etwa so viel, wie die Lebensmittel wert sind.

=Geld.= In Hongkong werden Silbermünzen zu 1 $ (Dollar), 50, 20, 10

und 5 cents geprägt; 1 _Hongkong-Dollar_ = 100 cents = 1,78-1,95

M., je nach dem Kurs. Post und Telegraph nehmen nur Hongkong-Dollar

sowie Noten der Lokalbanken, kein englisches Geld etc. Im

Geschäftsverkehr ist der _Tschop-Dollar_ (mit meist rotem

chinesischen Geschäftsstempel versehener Kanton-Dollar), auch »old

und new Mexican Dollar«, dem Hongkong-Dollar ungefähr gleichwertig.

Höheren Wert, etwa 2-2,40 M., hat der echte _Mexikanische Dollar_,

der überall an der chinesischen Küste vollwertig ist (man hüte sich

vor falschen Dollars, die am Klang kenntlich sind!); der

Hongkong-Dollar ist nur in Hongkong, Kanton, Swatau, Amoy und

Singapore vollwertig, an andern chinesischen Plätzen wird er gar

nicht oder nur mit Verlust genommen. Kupferstücke von 20 Käsch

gelten nur im südlichen China. Auch mit dem Papiergeld ist Vorsicht

geboten; manche Noten sind nur in Hongkong und dem südlichen China

vollwertig, während man (selbst bei Scheinen der Hongkong-Shanghai

Bank, die in Hongkong ausgestellt sind) in Schanghai 10 Proz. und

mehr Verlust erleidet. Deshalb erkundige man sich vor größern

Geldabhebungen bei zuverlässigen Bankgeschäften, ob das

aufgenommene Geld auch im nächsten Hafen noch vollwertig ist.

Im chinesischen Reiche laufen als =Münzen= die _Tungtsien_,

_Sapeken_ oder _Käsch_ um, das sind auf einer Seite bezeichnete

Rundstücke aus Kupfer mit Zinn, Blei und Zink, von ungleicher Größe

und Dicke mit vierkantigem Loch. Je 100 werden zu einem _Mahs_ oder

_Tsiën_ aufgereiht und 10 Schnüre zu einem _Liang_ oder _Tael_

gebündelt. Diesem wurde ein Kegel fast reinen Silbers (engl. sycee)

von in Schanghai 34,246 g Gewicht gleichgesetzt; aber man erhält

für solches Tael 750-2000 Käsch, je nach dem Platzkurs. In

_Haikuan-Tael_ von 38,246 g oder bei vertragsmäßig 1-1/3 Unze

Avoirdupois = 37,799 g werden die Zölle bezahlt. 1 Haikuan-Tael =

1-1/2 mexikan. Dollar = etwa 2,95 M. = 0,70 amerikan. Dollar. Als

wirkliche Münzen, jedoch vielfach verunstaltet, benutzt man

mexikanische und andre Dollars, die seit 1873 auch in Kanton

geprägt werden und hier 24,494 g fein wiegen sollen; dieser Dollar

von Kanton, = 4,409 M. Silber, erhielt 1890 Gültigkeit im ganzen

Reiche, wird aber, wie die übrigen Edelmetallmünzen, außerhalb der

Vertragshäfen in der Regel gewogen. Größere Barzahlungen erfolgen

in gestempelten Silberbarren von meist 50 Tael. Außerdem zahlt man

in Goldblättern, deren Feinheit der Goldschmied in chinesischer

oder englischer Schrift beglaubigt. Alle diese Wertzeichen haben

gegeneinander veränderlichen Kurs.

Den Geldverkehr mit Europa und Amerika vermitteln in den

Vertragshäfen ansässige =Banken=. Von den chinesischen

Bankgeschäften sind die wichtigsten u. sichersten

die »Schansi-Banken« (Hsihao). Der Zinsfuß beträgt durchschnittlich

10-15 Proz. Die chinesischen Banken geben eigne Noten aus. Allein

in Tientsin emittieren gegen 300 Banken solche. Sie haben ungefähr

die Größe europäischer Banknoten, sind auf starkes, grobes Papier

gedruckt und mit einer Menge Stempel versehen, um Fälschungen zu

verhüten. Die Noten lauten auf 100-10000 Käsch.

=Sprache.= Mit chinesischen Dienern, Geschäftsleuten, Boys spricht

man meist das _Pidgin English_ (Geschäftssprache), ein Gemisch aus

Englisch, Portugiesisch und Chinesisch, bei den europäischen

Wörtern stets l statt r, also plople statt propre = rein.

Beispiele: Gut so, macht nichts, genug = maskee; Art und Weise =

fashion; Ort, Gegend, Haus = side; holen, kaufen, bekommen = catch;

bring' mir = catch this side; holen = makee come; oben = topside;

trage hinauf = catch topside; schnell = tschop; sofort =

tschop-tschop; sehr gut (Nr. 1) = numbel one; haben Sie bekommen =

have gott?; ich oder er kann oder darf nicht = no can do!; der Herr

weiß schon = master savee; Kellner, hol' einen kräftigen Träger,

der mir meine beiden Koffer sofort hier heraufbringt, hast du

verstanden? = boy! makee come numbel one side kuli tschop-tschop

two piecee topside must have this side! savee?; Wünscht der Herr

Frühstück? = Master wantchee tschau-tschau? Ich will sofort eine

Selterwasser haben = My wantchee soda, tschop-tschop!; Whisky und

Soda, ich verstehe = Whisky soda! My savee!; Bring' Champagner her

= champaign-lai!; das Wasser gehört nicht dem Herrn, es gehört ihm,

und er will Geld dafür = Water no belong master, water belong he,

he wantchee money!; Du bist ein sehr schlechter Diener = You belong

very bad boy; Verstand = savee-box; es ist sehr schlecht (kaput,

zerrissen, verdorben etc.) = belong bad; ich weiß nicht = my no

savee; Ich bin ein Deutscher = My belong German.

Die _Sprache der Chinesen_ ist unter allen Kultursprachen die

einfachste. Sie besteht nur aus einsilbigen Wörtern. Ihr fehlen

alle Beugungen, jede Unterscheidung von Haupt- und Zeitwort, jede

Wortbildung überhaupt, außer Zusammensetzung der Silben. Die

Bedeutung der Wörter im Satz wird durch ihre Stellung

hervorgebracht. Die Umgangssprache zerfällt in zahlreiche Dialekte,

die in Aussprache und Artikulation so voneinander abweichen, daß

sich die Angehörigen verschiedener Provinzen oft kaum verstehen.

Allgemein verbreitet ist dagegen das sogen. _Kwānhoá_

(Hochchinesisch) als Sprache der Gebildeten und als

Verkehrssprache. Die chinesische _Schrift_ ist aus einer

Bilderschrift hervorgegangen.--Über _Namenschreibung_ vgl. S. 281.

Für Erlernung der wichtigsten hochchinesischen Worte und

Redewendungen zu empfehlen: »Konversationsbuch für die Reise und den

Selbstunterricht« von _Hsüeh Chi Tschong_.

11. Von Singapore nach Hongkong. Kanton. Macao. Philippinen: Manila.

Vgl. die Karte S. 155 und die beifolgende Karte.

=Reichspostdampfer des Nordd. Lloyd= (S. 166) von _Singapore_ alle

14 Tage Fr. oder Sa. in 5 Tagen nach (1437 Seem.) _Hongkong_, für

I. Kl. 8 £ 16 sh., II. Kl. 6 £ 12 sh. Rückfahrkarte 1-1/2facher

Preis. -- =Österreich. Lloyd= monatl. einmal von _Singapore_ nach

(1448 Seem.) _Hongkong_ in 6 Tagen. -- =Messageries Maritimes= alle

14 Tage von Singapore über (648 Seem.) _Saïgon_ (S. 179) in 7 Tagen

nach (1582 Seem.) _Hongkong_. -- =Peninsular and Oriental Co.= von

_Singapore_ alle 14 Tage in 6 Tagen nach (1440 Seem.) _Hongkong_.

Von _Singapore_ führt der kürzeste Seeweg mit NNO.-Kurs etwas westl. an

den holländischen _Anambas-Inseln_ vorbei, dann in Sicht der

französischen Inseln _Great Catwick_ und _Cécir de Mer_, weiter während

des SW.-Monsuns mit nördlichem Kurs unter der Küste von Annam entlang,

wobei _Kap Padaran_ mit Leuchtfeuer eine gute Ansteuerungsmarke bildet,

und westl. von den _Paracel-Inseln_ vorbei, dann vom 17.° nördl. Br. ab

mit NO.-Kurs nach _Hongkong_. Dieser Weg ist der beste für die Monate

April bis September; trotzdem laufen viele Dampfer während des ganzen

Jahres von Cécir de Mer mit nordöstl. Kurs zwischen den _Paracel-Inseln_

und Riffen und der großen, mit gefährlichen Riffen besetzten

_Macclesfield-Bank_ hindurch, obwohl dieser mittlere Seeweg etwas länger

ist. Bei starkem NO.-Monsun macht der Dampfer gewöhnlich einen östlichen

Umweg, weil dann im östlichen Teile des Südchinesischen Meeres

schwächerer Gegenwind als nahe vor der Küste von Annam vorgefunden wird.

Bei der Annäherung an Hongkong kommen kleine Inseln, dann die schön

geformte hohe Felseninsel _Hongkong_ (S. 222) in Sicht. Von den

vorgelagerten _Ladronen_ und _Kaipong-Inseln_ ist die 448 m hohe _Große

Ladronen-Insel_ an ihrer Bergkuppe zu erkennen; die Insel _Paktsim_

(Kaipong-Inseln) zeigt die auffälligen _Eselsohren_, zwei fast

senkrechte, 286 m hohe spitze Gipfel. Die vorgelagerte, 30 m hohe

_Gap-Klippe_ trägt einen weißen Leuchtturm (mit Blinkfeuer von 18 Seem.

Sichtweite), von dem aus ankommende Dampfer telegraphisch nach Hongkong

gemeldet werden. Bei der Annäherung an den _Tschukiang_ (Perlfluß) oder

_Kantonfluß_, dem die _Insel Hongkong_ inmitten einer Gruppe kleiner

Felseninseln östl. vorgelagert ist, trifft man meist auf große

Flottillen kleiner Fischerdschunken. Die _Gap-Klippe_ r. lassend,

steuert der Dampfer mit nördlichem Kurs östl. von der _Lingting-Insel_

auf die _West-Lamma-Durchfahrt_ zu und dann r. drehend durch die

_Sulphur-Durchfahrt_ zwischen _Green Island_ und der Insel Hongkong auf

die _Reede von Hongkong_, die einen geschützten Hafen bildet.

Weltreise. Erster Teil: Indien, China und Japan · 第 31 / 63 段