50000 Einw., auf 16° 35' nördl. Br. am l. Ufer des _Huong-giang_ oder
Huéflusses; gegenüber liegt die französische Oberresidentschaft
(_Résidence supérieure_) und ein kleines französisches Viertel.
Sehenswert sind die Königsstadt und die Königsgräber, zur Besichtigung
ist Erlaubnis durch die Residentschaft zu erwirken. Der *_Palast_ des
Königs _Duy-Tan_ ist mit hoher Mauer umgeben, viele Gebäude liegen innen
in Gärten. Die Stadt umgibt die Königsstadt, hat viele Pagoden, Schulen,
Zeughäuser und ist mit Festungsmauern nach Vaubans System umgeben.
Gewerbe und Handel sind unbedeutend. Bahn nach _Hanoï_. Beim Ausflug
nach den *_Königsgräbern_ (1 Tag, Mundvorrat mitnehmen!) fährt man von
Hué im Wagen bis zum Fluß und nimmt hier Sampan zum Besuch der
flußaufwärts gelegenen Gräber (es ist verboten, durch die Mittelpforte
der Mausoleen einzutreten, die nur für den König da ist). Man besichtigt
zuerst das Mausoleum von _Gia-long_, dann das hervorragend schön
gepflegte von *_Minh-mang_ (mit Gärten). Dann zurück zum Wagen und
Besichtigung der interessanten Totenstadt von *_Tu-duc_ in der Nähe von
_Thieu-tri_.
Von Tourane (s. oben) steuert der Dampfer mit NNW.-Kurs durch den Golf
von Tonkin auf die kleine Insel _Hon-dau_ mit Leuchtfeuer zu, die vor
der _Cua-Cam-Mündung_ des Roten Flusses liegt; r. läßt man die
_Norwayinseln_ mit 22 Seem. weit sichtbarem Blitzfeuer, die den großem
Inseln vor der Alongbucht vorgelagert sind. Bei =Do-Son= (_Grand Hôtel_;
_Doson Hôtel_, gut), 22 km so. von Haïphong, ist auf einer Halbinsel ein
hübsches, vielbesuchtes Seebad mit vielen Villen angelegt. In die
Mündung des _Cua-Nam-trieu_, dem neuen Hauptfahrwasser nach Haïphong,
das durch den _Dinh-Vu_-Durchstich mit dem Cua-Cam (oberhalb dessen
Mündung) verbunden ist, können jetzt große Dampfer bis 8,5 m Tiefgang
einsteuern.
=Haïphong=, Stadt mit 27000 Einw., ist der Haupthafen von Tonkin, wie
Saïgon der von Cochinchina ist, und hat in seiner Lage Ähnlichkeit mit
jenem; es liegt nicht im Delta des Hauptflusses von Tonkin, des Roten
Flusses, dessen Mündungsarme zum Teil wie die des Mekong verschlammt
sind, sondern etwas seitlich am Zusammenfluß des _Song Tam-bac_ mit dem
_Cua-Cam_, 37 km vom Meere.
=Gasthöfe=: _De Commerce._--_De l'Univers_, beide ersten Ranges;
einfacher _De Marseille_; _De l'Europe_.--=Post u.
Tel.=--=Telephon= nach Hanoï; Kabel nach Saïgon und
Hongkong.--=Eisenbahn= nach Hanoï und weiter, vgl. unten.
--=Dampfer=: _Messageries Maritimes_ nach Saïgon und Marseille;
_Correspondances fluviales du Tonkin_ nach Hanoï zweimal wöchentl.,
außerdem nach vielen Plätzen in Tonkin; _Norddeutscher Lloyd_:
Agent Speidel & Co.-- =Geld=: S. 181.--=Banken=: _Banque de
l'Indo-Chine_, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft und der
Deutschen Bank; _Hongkong Shanghai Banking Corporation_; _Chartered
Bank of India, Australia and China_ (Agent Speidel & Co.).
=Sprache=, vgl. S. 181.--=Theater= mit französischer Truppe;
Societé musicale. --=Ärzte=: _Dr. Forest_; _Mazot_.-- =Apotheken=:
_Brousmiche_; _Pharmacie Coupard_.--=Buchhandlung=: _Schneider_.
--=Zeitungen=: _Courrier de Haïphong_ etc.--=Photographen=: _Bonal
& Co._; _A-kit_, Rue du Commerce 3; _A-dong_, Rue du Commerce 59.
Die Stadt macht europäischen Eindruck; an den Flußufern liegen
Warenschuppen und Schiffswerften, gute Kai-Anlagen und ein Trockendock.
Haïphong ist Ein- und Ausfuhrhafen für Tonkin und die chinesische Provinz
Yünnan, bis zu deren Hauptstadt eine Eisenbahn führt. Deutsche
Frachtdampfer der Hamburg-Amerika Linie und der Reederei Jebsen laufen
Haïphong regelmäßig an. Ausfuhr: Reis, Zinn, Farbhölzer (Gambir), Mais,
Paddy (ungeschälter Reis), Maniok (Manihot), Galmei (Zinkspat), Wolfram.
Außer einem Denkmal Jules Ferrys keine Sehenswürdigkeiten.
=Ausflug= in die *=Alongbucht= und den *=Faitsilong-Archipel= ist
sehr lohnend, doch beschwerlich; man fährt am besten mit
Küstendampfer von Haïphong bis _Hongay_ (kleiner Gasthof) und
mietet dort einen großen Sampan (mit Schlafgelegenheit); bequemer,
doch teurer ist das Mieten einer Dampfbarkasse in Haïphong. Zur
Fahrt ist ein ortskundiger Schiffer unentbehrlich. Thos. Cook's
Office in Hongkong stellt Heckraddampfer für 2-4tägigen Ausflug von
Haïphong aus; Kosten nach Zahl der Teilnehmer. Die grotesken
Felseninseln der Bucht sind Naturwunder größter Sehenswürdigkeit,
besonders folgende: _Ile de la Surprise_, _Grottes des Merveilles_,
_le Cirque_, _le Tunnel_ (2 km lange, enge Tropfsteinhöhle, durch
die man hindurchfährt) und viele andre seltsam geformte, meist
steile Klippen und Inseln, deren grüne Kalkfelsen mit Orchideen,
Gräsern und Gebüsch prachtvoll bewachsen ist. Vor der Fahrt
beschaffe man sich Seekarten der Bucht beim Hafenkapitän in
Haïphong. Photographien sind in Haïphong und Hanoï zu haben.
_=Eisenbahn=_ nach Hanoï, 101 km in 3 St. 40 Min. für I. $ 7,07, II. $
5,05. Man fährt um Haïphong herum, dann über eine 90 m lange Drehbrücke
durch die Flußniederung vorbei an der Zitadelle von (44 km) _Haïduong_,
Stadt mit 8000 Einw., 25 m hohem Uhrturm und schönem Park; dann über (60
km) _Cam-giang_, (76 km) _Lac-dao_ und (95 km) _Gia-lam_ und über die
prächtige, 1682 m lange Brücke _Pont Doumer_ über den Roten Fluß nach
=Hanoï=, Hauptstadt Indochinas, auch _Kescho_(d. i. Markt) genannt.
=Gasthöfe=: _Grand Hôtel Métropole_, Boulevard Henri Rivière, gute
Pens. 15-25 Fr. -- _Hanoï-Hôtel_, Rue Paul Bert. -- _De la Paix_,
Rue Paul Bert. -- _Du Lac_, Rue Jules Ferry.--=Post u. Tel.=:
Square Paul Bert. -- =Telephon=, auch nach Haïphong. --
=Elektrische Straßenbahn= von Place de Négrier nach Bac-moi-phuong,
_Village du Papier_ und Tan-ap; I. Kl. 5 cents. -- =Eisenbahn=:
nach _Haïphong_; nach _Lang-son_ und noch 465 km über die
chinesische Grenze bis Yünnanfu soll zum Yangtse-Tal geführt werden
(S. 189); nach _Ninh-binh_ im Bau bis Vinh und weiter nach Anam; im
Bau nach _Sontay_. -- =Dampfer= der _Correspondances fluviales_
nach Haïphong, Nam-dinh und Laokay. -- =Bank=: _Banque de
l'Indo-Chine_, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft. --
=Theater=: _Théâtre municipal_, französische Truppe am Boulevard
Amiral Courbet; chinesisches Theater. -- =Konzerte=: Militärmusik
Do. abds. Square Paul Bert, So. Nm. im Botanischen Garten; _Société
philharmonique_. --=Militärhospital.= -- =Buchhandlungen=:
_Schneider_; _Crébassac_, beide Rue Paul Bert. -- =Zeitungen=:
_Avenir du Tonkin_; _Indépendance tonkinoise_; _Indo-Chinois_;
_Tribune_; _Revue indochinoise_.
=Geschichte.= Hanoï wurde angeblich 767 n. Chr. von Chinesen
gegründet und lag damals dem Meere ganz nahe, ist ihm aber durch
Anwachsen des Flußdeltas entrückt worden. 1427 wurde Hanoï durch
die Le-Dynastie Hauptstadt von Anam und Tonkin. Infolge Vertrags
von 1874 wurde neben zwei andern Häfen auch Hanoï dem Fremdhandel
eröffnet und ein französischer Konsul mit militärischer Bedeckung
in der Stadt zugelassen, die in dem Kriege von 1882 beschossen,
besetzt und mit Tonkin 1883 unter französisches Protektorat
gestellt wurde.
=Tonkin.= Die Ebene des _Roten Flusses_ oder _Songkoi_, dessen
Mittelpunkt Hanoï bildet, ist nur so groß wie Sachsen oder Baden,
aber von den Bewohnern mit chinesischem Fleiß bestellt und darum
sehr volkreich. Die Reisproduktion des Songkoideltas würde freilich
noch viel bedeutender sein, wenn der Songkoi nicht während seines
Hochwassers, das seinen Wasserstand um 8-9 m erhöht, häufig
ausbräche und sich ein neues Bett suchte; auch die Ausbildung des
die Wasserverteilung im Delta regelnden Kanalnetzes ist infolge
dieser Unbeständigkeit des Flusses zurückgeblieben.-- Das _=Klima=_
Tonkins ist insofern dem Cochinchinas ähnlich, als die Regenzeit
wie dort vom SW.-Monsun gebracht wird und in den Sommer fällt
(Höhepunkt Juli). Dagegen macht sich die nördlichere Lage im Winter
schon ziemlich bemerkbar: die Junitemperatur beträgt noch 28,7°,
aber die Februartemperatur nur noch 16,5°, der mittlere jährl.
Tiefstand der Temperatur 6,7°.
Die Stadt _Hanoï_, unter 21° 2' nördl. Br. am r. Ufer des Songkoi, 175
km von dessen Mündung, malerisch gelegen, ist terrassenförmig angelegt,
mit breiten, modernen Straßen und hübschen Promenaden, hat schöne
Wohnhäuser, Geschäftshäuser, Villen und große moderne Magazine (Debeaux
frères, Union commerciale indo-chinoise etc.) im europäischen, andre
Häuser aus Stein und Ziegeln im chinesischen Stil. Hanoï ist Sitz des
französischen Generalgouverneurs und Oberresidenten, mit 103188, mit
Nachbarorten 150000 Einw., darunter 2000 Chinesen, 1088 Europäer (ohne
Militär). Die eingeborne Industrie erzeugt Baumwollen- und Seidenstoffe,
schöne Seidenstickereien, Perlmutterarbeiten (Inkrustationen),
Filigranarbeiten aus Gold und Silber, lackierte Waren. Der Handel, meist
in den Händen von Chinesen, neuerdings auch von Europäern, ist
bedeutend; Ausfuhr: Reis, Zuckerrohr, Seide, Mais, Bohnen, Schellack,
Erze. Fahrzeuge können bis Hanoï hinaufgelangen, Boote (in der guten
Jahreszeit auch Dampfschaluppen) bis Laokay. Außerhalb der Stadt liegt
die hohe alte, für den damaligen Herrscher von Anam nach Vaubans System
durch französische Offiziere erbaute Zitadelle mit schöner Pagode,
Wohnungen der Mandarinen, Kasernen, Magazinen, Arsenal, Schatzkammer
etc.--_=Rundfahrt.=_ Morgens besuche man die _Markthallen_ in der
Eingebornenstadt, in der Rue du Riz; dicht dabei, in der Rue des Voiles,
ist die _Pagode des Kriegsgottes Ba Mã_ mit *Bronzestatue auf
Drachenthron. Beim Teich von _Truc-bach_ liegt die *_Pagode des Großen
Buddha_ mit schöner Riesenbronzestatue Buddhas; auch die Pagode der
beiden Schwestern _Trung_ (_Trung-Liet_, zweier tonkinesischer
Jungfrauen von Orléans, die Anam 38 n. Chr. vom chinesischen Joch
befreiten) ist sehenswert. Im Kleinen See (_Petit Lac_) liegt die
*_Pagode de l'île de Jade_ (auch _Ngoc Son_ genannt). Von da fahre man
an der _Kathedrale_ vorbei zum *_Museum_ beim Bahnhof am Boulevard
Gambetta, worin Baudenkmäler der hinterindischen Kunststile gesammelt
sind; in Nebenhallen sind permanente Ausstellungen von Kunst-,
Gewerbe- und Handelsgegenständen. Vor dem Museumsplatz steht am Boulevard
Gambetta ein schönes _Denkmal_ (von Rivière): »Frankreich beschützt
Indochina«.--Nun zum _Botanischen Garten_ (_Jardin Botanique_), in
dessen Mitte der kleine Hügel _Nui-sa_ liegt; oben *Aussicht über Stadt
und Roten Fluß. Außer Pflanzensammlung findet man Käfige mit Tigern,
Hirschen, Vögeln, Schlangen etc.--Neben dem Botanischen Garten liegt in
schönem Park der _Palast des Generalgouverneurs_.--Südl. vom Botanischen
Garten die Lotospagode _Chua Mot-cot_, aus dem 11. Jahrh.-- Die bis zur
Hauptstadt der benachbarten chinesischen Provinz Yünnan seit 1910
fertiggestellte Bahn (s. unten) ermöglicht einen bequemen Besuch des
südwestlichen China.
Von Hanoï nach Yünnanfu.
Vgl. die Karte bei S. 215.
=Eisenbahn=: Die _Tonkin-Yünnanbahn_ (von der Compagnie française
de chemin de fer de l'Indochine et du Yunnan erbaut und 1. April
1910 dem Verkehr übergeben) verbindet die Tiefebene von Tonkin
durch das großartige Erosionstal des _Songkoi_ (Roter Fluß) mit der
südwestlichsten chinesischen Provinz _Yünnan_. Wegen der prächtigen
Naturbilder und der zahlreichen kühnen Bauwerke dieser Gebirgsbahn
ist ihre Befahrung zu empfehlen trotz zurzeit noch vorkommender
Betriebsstörungen. [Hand] Über Fahrzeiten, Fahrpreise, Unterkunft
etc. erkundige man sich in Hanoï oder Haïphong.
Den größern Ostteil der =chinesischen Provinz Yünnan= bildet ein im
Mittel 2000 m hohes, von Gebirgszügen überragtes Kalksteinhochland,
das wegen seiner Wasserarmut eine ziemlich dürftige Vegetation hat;
die Bergzüge tragen jedoch vielfach Laub- und Nadelwälder. Die
Talmulden sind teilweise mit rotem Ton, den Zersetzungsprodukten
des Kalksteins, ausgekleidet und zuweilen von Seen eingenommen.
--Das _=Klima=_ soll für Europäer angenehm sein.
--Die _=Bevölkerungszahl=_ beträgt nur 12 Mill., darunter einige
beinahe unabhängige Stämme der Ureinwohner (_Lolo_ und _Lissu_).
Etwa ein Drittel der Bewohner sind Mohammedaner (_Panthoi_ oder
_Choitsu_), die nichtchinesischer Herkunft, aber stark mit Chinesen
vermischt sind. Letztere machen die Hauptmasse der Bevölkerung aus.
Infolge seiner Abgelegenheit sind in Yünnan besonders häufig
Aufstände gegen die Zentralregierung erfolgt, zuletzt der große
Mohammedaneraufstand 1853-72.-- Der Hauptreichtum des Landes liegt
in seinen _=Bodenschätzen=_, vor allem Zinn, Zink, Kupfer, Silber,
Gold, Kohlen und Salz sowie Edel- und Halbedelsteine (Rubine,
Saphire, Jade, Jadeit, Nephrit). Durch den Bau der Yünnanbahn haben
sich die Franzosen die Ausbeutung dieser Erzlager gesichert
(englisch-französisches Bergwerkssyndikat). Der Westteil Yünnans
steht durch Tragtierkarawanen in regem Handelsverkehr mit Birma und
Siam, der Nordteil mit Suifu am Yangtse (S. 254).
Von _Hanoï_ (S. 188) über eine große Eisenbahnbrücke auf das l. Ufer des
_Songkoi_ und durch den obersten Teil der angebauten Deltaebene bis zur
Austrittsstelle des Songkoi aus dem Gebirge. Das Tal des Mittellaufes
des Flusses ist 1000-1200 m tief in das regenreiche Gebirgsland von
Obertonkin eingeschnitten und größtenteils mit Urwald bedeckt, der
zahlreiches Wild birgt; der Strom ist trotz mancher Stromschnellen in
der Regenzeit (Sommer) mit großen Schiffen aufwärts bis Laokay zu
befahren. Die Bahn folgt dem Songkoital bis
(296 km) =Laokay=, dem französischen Grenzort, an der Mündung des
Bergflusses Namti in den Songkoi; wichtiger Handelsplatz; kleine
Zitadelle, erzreiche Umgebung.--Über den _Namtifluß_ nach dem
chinesischen Grenzort _Hokeon_ (d. h. Flußmündung). Dann beginnt der 180
km lange Aufstieg zum Hochlande von Yünnan, im Tale des Namti aufwärts,
mit Hilfe von 78 Tunneln und 123 Brücken, davon 24 Tunnel und eine
zwischen zwei Tunnel eingeschaltete Brücke auf einer 15 km langen
Strecke (Boucle, Schleife), die zur Überwindung eines Talkessels dient,
bis--(476 km) _Möngtse_ (1370 m), Stadt mit etwa 12000 Einw., seit 1889
dem Fremdenhandel geöffnet; in der Umgebung Zinn-, Silber- und
Bleibergwerke. Weiter nordwestwärts wieder über zahlreiche Brücken und
Tunnel über _Tschikai_ und die Kreishauptstadt _Lin-ngan_ (1380 m),
sodann über einen Gebirgszug ins Tal des _Holiukiang_, des
Hauptquellflusses des Hsikiang (S. 254), und in diesem aufwärts auf die
Hochfläche von _Hsin-hsing_ (1643 m), zuletzt um den See _Tienschi_
(1950 m) herum nach
(773 km) =Yünnanfu= (1960 m), Hauptstadt der Provinz Yünnan und Amtssitz
des Generalgouverneurs von Yünkwei (Provinzen Yünnan und Kweitschou);
Missionsstation, Telegraph nach Tschungking (S. 263) und weiter nach
Mittelchina sowie nach Birma; berühmte Seidenstoffe und Teppiche.
10. Von Singapore nach Batavia. Die Insel Java.
Vgl. den Karton auf der Karte von »Hinterindien« bei S. 155.
=Koninklijke Paketvaart Maatschappij=: Von _Singapore_ innerhalb 24
St. nach Ankunft des Reichspostdampfers des Norddeutschen Lloyd aus
Europa nach _Batavia_. Außerdem wöchentlich ein Dampfer direkt von
_Singapore_ nach _Batavia_ in 2 Tagen. Rundreisekarten
Singapore-Batavia-Soerabaja-Singapore I. $ 90, II. $ 54.
=Stoomvaart Maatschappij Nederland= alle 14 Tage von _Singapore_
nach _Batavia_ in 2 Tagen.
=Messageries Maritimes= alle 14 Tage im Anschluß an die
ostasiatische Hauptlinie von Europa, in 2 Tagen von _Singapore_
nach _Batavia_.
Die Fahrt von Singapore nach Batavia führt durch die Riouwstraße
zwischen den Inseln _Batam_ r. und _Bintang_ l., passiert dann die
»Linie« (den Äquator), zuweilen durch »Linientaufe« (Fest der
Schiffsbesatzung mit Begießung von Wasser äußerlich und Rum innerlich)
gefeiert, und geht an bewaldeten Inseln des _Riouw-_ und _Lingga-
Archipels_ mit südlichem Kurs meist durch die schmale _Bangkastraße_,
zuweilen zwischen den Inseln Bangka und Billiton durch die
_Gasparstraße_. Die Zinninsel _Bangka_ ist flach mit etwa 700 m hohen
Bergen, ihr Hauptort _Muntok_ am Westende wird von Dampfern angelaufen.
_Billiton_ (_Blitong_) ist ebenfalls bergig, bis 600 m hoch und reich an
Zinn und Eisen; der Hauptort _Tandjong-Pandang_ liegt an der Westküste.
Bei der Ansteuerung der Bataviabai ist der weiße Leuchtturm auf einer
kleinen Insel auffällig; die Küste ist flach, die hohen Berge des
Hinterlandes geben ein prächtiges Bild, sind aber häufig im Dunst
verdeckt.
Die Insel Java.
Vgl. die Karte bei S. 155.
=Java=, die kleinste, aber wichtigste der Großen Sundainseln, ist
der reiche und stark bevölkerte Hauptsitz des
_niederländisch-ostindischen Kolonialreiches_, das insgesamt 1,9
Mill. qkm (das 3-1/2fache des Deutschen Reiches) umfaßt, aber nur
38 Mill. Einw. zählt. Der Besuch Javas ist äußerst lohnend wegen
der reichen tropischen Pflanzen- und Tierwelt, der zahlreichen
Vulkane, der interessanten, freundlichen Bevölkerung, der
buddhistischen und brahmanischen Denkmäler und des Charakters der
Insel als einer ungewöhnlich blühenden tropischen
Pflanzungskolonie. Die gute niederländische Verwaltung hat dafür
gesorgt, daß die ganze Insel bequem und gefahrlos bereist werden
kann.
Die Insel erstreckt sich von der Sundastraße im W. in 1060 km Länge
bei 70-200 km Breite bis zur Balistraße im O. und ist mit
Nebeninseln, Madoera etc., 131500 qkm groß. Bis zur jüngern
Tertiärzeit befand sich an der Stelle von Java wahrscheinlich eine
Gruppe von kleinern Inseln; dann begannen an zahlreichen Stellen
vulkanische Ausbrüche, deren Auswurfsmassen (meist Schlamm und
Asche, wenig Lava) den Archipel zu der heutigen langgestreckten
Insel zusammenschweißten. So zeigt das heutige Java ein etwa 1000
km langes Gebirgsrückgrat, dem zahlreiche Vulkankegel aufgesetzt
sind; gegen die Nordküste senkt es sich zu einem hügeligen
Flachlande, das sich von der Ebene Ostsumatras (S. 157) durch die
geringe Ausdehnung des Sumpflandes sehr vorteilhaft unterscheidet.
Der Landschaftscharakter wird, namentlich im Südteile der Insel,
ganz von den _=Vulkangipfeln=_ beherrscht; es gibt ihrer weit über
100, von denen fünf noch in jüngster Zeit tätig waren, während
viele andre wohl nur scheinbar erloschen sind. Sie ordnen sich in
einer Längsreihe und mehreren Querreihen an. Die Höhe der Vulkane
ist sehr verschieden; 45 von ihnen sind höher als 2000 m, am
höchsten ist der _Semeroe_ mit 3680 m. Sie zeigen meist nicht
Spitzkegel-, sondern mehr Flachkegelform, ihre Krateröffnungen
haben teilweise mehrere Kilometer Durchmesser, und ihre Abhänge
sind von regelmäßig angeordneten Regenrinnen zerfurcht und förmlich
gerippt.
Das =Klima= ist entsprechend der Nähe des Äquators und der
Inselnatur des Landes äußerst gleichmäßig. Die mittlere
Jahrestemperatur von Batavia beträgt 26°, von der die höchste und
die niedrigste durchschnittlich im Jahr vorkommende Temperatur nur
um je 6,5° abweichen. Es gibt demzufolge nur zwei Jahreszeiten, die
feuchte und die trockne, die auf den beiden Längsseiten der Insel
entgegengesetzt sind: auf der Nordseite fällt die Regenzeit in
unsern Winter (Dezember bis Februar), die Zeit des NW.-Monsuns, auf
der Südseite in unsern Sommer (April bis Oktober), die Zeit des
SO.-Monsuns; letzterer liefert bedeutend mehr Feuchtigkeit. Das
Innere hat keine ausgeprägte Regen- und Trockenzeit. Im Hochland
entsprechen die Temperaturen etwa den Mai- und Junitemperaturen in
Süddeutschland: Tosari, 1780 m hoch, hat 16° Jahrestemperatur, als
kältesten Monat den August mit 15°, als wärmsten den Januar mit 17°
(in dieser Umkehr des jährlichen Temperaturganges offenbart sich
die Lage auf der Südhalbkugel der Erde!). Das Klima des Hochlandes
ist für den Europäer durchaus zuträglich, nur das des feuchtheißen,
fiebergeschwängerten Küstenstrichs (also auch der Städte Soerabaja
und Batavia) ist gefährlich.
Die =Pflanzendecke= ist infolge der beständigen feuchten Wärme und
der Regenfälle sehr üppig und läßt sich in den Mangroven- und
Sumpfgürtel der Küste, die Flachlandvegetation, in der besonders
Palmen und Bambus hervortreten, den tropischen Regenwald der untern
Berghänge, den tropischen Gebirgswald und die Strauchvegetation der
höchsten Gipfel gliedern. Ein nicht geringer Teil des Waldgebiets
wird von Savannen eingenommen, die mit mannshohem _Alang-Alanggras_
bestanden sind. Ein großer Teil des ganzen Landes ist in
Kulturland, Reisfelder der Eingebornen und Pflanzungen der
Europäer, verwandelt.
Die =Tierwelt= Javas weicht von der des hinterindischen Festlandes
und Sumatras schon ziemlich stark ab. Zwar beherbergt die Insel
noch den Tiger, das Nashorn und den Gibbonaffen, aber der Elefant,
der Tapir, der Orang-Utan und der schöne Argusfasan fehlen ihr.
Trotzdem ist die Fauna noch sehr reich, besonders an Affen, Vögeln
(Pfau, Nashornvögel etc.) und prächtigen Schmetterlingen. Andre
bekannte Bewohner der Insel sind Fliegende Hunde, Panther, wilde
Hunde (Canis rutilans), Banteng (Bos banteng), Wildschweine (Sus
ritlatus und verruccosus), Hirsche, sehr viele Schlangen, darunter
Pytons, Eidechsen, Leistenkrokodile und Kaimane.
Die =Bevölkerung= Javas beträgt (1905) etwa 30 Mill. (darunter
65000 Europäer und Mischlinge, 300000 Chinesen und 19000 Araber)
und ist mit 229 auf 1 qkm beinahe doppelt so dicht wie im Deutschen
Reiche (vgl. S. 20); dabei ist etwa ein Fünftel der Insel
(Küstensümpfe, Alangsteppen, Bergwälder) noch Wildnis, und
Großstädte gibt es nur drei. Die Hauptmasse der Bevölkerung besteht
aus _Malaien_ und sondert sich in zwei verschiedensprachige
Hauptgruppen, die _Sundanesen_ im W. der Insel, klein (1,57 m),
untersetzt, kräftig, mit groben Gesichtszügen, und die etwas
größern (1,61 m), feiner gebauten, hübschern _Javaner_ im O., zu
denen man auch die Bewohner der Nachbarinseln Madoera und Bali
rechnet. Die Malaienbevölkerung Javas ist freundlich, bescheiden
und unterwürfig, willig, aber nicht ausdauernd im Fleiß und für
größere Anstrengungen ungeeignet und läßt sich von den eingebornen
Fürsten und den Holländern völlig leiten; die natürliche Hinterlist
und Rachsucht der Malaien kommt verhältnismäßig wenig zum
Durchbruch. Die eigne Kultur der Malaien ist nicht gering, freilich
auch von Vorderindien aus seit alters stark beeinflußt. Hausgewerbe
sind Weberei und das _Batiken_, bei dem man weiße Arabesken und
andre Muster auf farbigem Stoff dadurch erzeugt, daß man die
Stellen, die weiß bleiben sollen, durch Aufgießen von Wachs vor dem
Gefärbtwerden schützt. Hauptbekleidungsstück ist der _Sarong_, ein
um den Unterkörper geschlagenes Tuch. Bei der Herstellung der auf
Pfählen errichteten Häuser und der Gerätschaften finden Bambus und
Rotangstricke die vielseitigste Verwendung. Unter den Vergnügungen
spielen _Hahnen- und andre Tierkämpfe_ sowie _Schatten- und
Puppenspiele_ (Wajang), in denen unter Orchesterbegleitung
namentlich Szenen aus alten Heldenepen aufgeführt werden, die
Hauptrolle. Hauptnahrungspflanze ist der Reis; seine Kultur erfolgt
mit Hilfe des Wasserbüffels von den kleinen weilerartigen Dörfern
(Kampongs) aus, die mit allerlei Fruchtbäumen (Kokos-,
Areka-[Betelnuß-] und Sagopalmen) umpflanzt sind.
Unter der fremden Bevölkerung spielen außer den Europäern die
_Chinesen_ und die _Araber_ die Hauptrollen. Erstere betätigen sich
als Großkaufleute und Pflanzer, vor allem aber als Kleinhändler.
Die Araber spielen als Wucherer, religiöse Fanatiker und
Unruhestifter eine sehr unliebsame Rolle. Die _Europäer_ sind als
Beamte, Soldaten, Kaufleute und Pflanzer auf der Insel. Der
europäische _=Plantagenbau=_ steht in hoher Blüte und liefert für
den Welthandel mannigfaltige Produkte, deren Zahl von den in
Buitenzorg und Boeboelat bestehenden botanischen Gärten und
Versuchsstationen noch immer zu erhöhen gesucht wird. Die
Hauptkulturen liefern für den Welthandel Kaffee (besonders im
trocknen Osten), Tee (viel, aber nicht gut), Kakao, Zimt, Zucker
(aus den Zuckerrohrpflanzungen der östl. Ebene), Pfeffer, Reis,
Kopra, Indigo, Cochenille, Tabak (in Mitteljava), Chinarinde (im
feuchten Gebirgslande Westjavas) etc. Monopol der Regierung sind:
Seesalzgewinnung, Sammeln der eßbaren Schwalbennester,
Opiumverkauf, Pfandhäuser, dann Teakholzschläge der Tectona grandis
in den Staatsforsten (Djattiwälder).