Hauptteil eine Beckenlandschaft, deren Mittelpunkt der Tonlé-sap
bildet. Um die Sumpflandschaften in der Umgebung dieses Flachsees,
die dichte Waldungen mit vielen Kautschuk liefernden Gewächsen
tragen, reihen sich fruchtbare Reisbaugebiete, die nur in der
Regenzeit überschwemmt sind. Weiter nach außen folgt eine
Steppenzone mit Lateritboden und endlich eine niedrige
Gebirgsumrahmung, die wieder bewaldet ist; sie besteht im SW. aus
dem Küstengebirge, bis 1000 m hoch, und im N. aus dem
_Pnom-dangrek_, dem Steilabfall des nördl. gelegenen Plateaus von
Nieder-Laos.
Das feuchtheiße _=Klima=_ Cochinchinas ist als sehr wenig günstig
bekannt. Man unterscheidet auch hier drei Jahreszeiten, die kühle,
die heiße und die Regenzeit; letztere dauert vom Mai bis zum
November, solange der SW.-Monsun weht, und erreicht ihren Höhepunkt
im September; sie bringt täglich Gewitter. Gesundheitlich am
gefährlichsten ist die Zeit nach der Regenzeit, bis der Boden
ausgetrocknet ist. Saïgon hat eine mittlere Jahrestemperatur von
27,4°, am kühlsten ist der Dezember mit 25,4°, am wärmsten der
April mit 29,3°, die Wärmeschwankung ist also sehr gering.
Cochinchina umfaßt 57000 qkm mit 2,9 Mill. Einw., Cambodja 175000
qkm mit 1,2 Mill. Einw. Seine Hauptstadt ist Pnom-Penh, wo der
König Sisowath residiert. Die Hauptmasse der _=Bevölkerung=_
Cochinchinas wird von _Anamiten_ gebildet, die als vorzügliche
Reisbauern, Handwerker und Soldaten gerühmt werden, den ganzen
Handel jedoch, wie die Siamesen, den Chinesen überlassen haben.
=Reisen in Indochina.= Beste Zeit ist Dezember bis Februar. Der
Sommer ist nur an der Küste und im Hochgebirge erträglich. Paß ist
von Nutzen; chinesische Diener müssen mit Paß versehen sein. Für
längere Reisen ins Innere sind mehrere Diener nötig, die sorgfältig
ausgewählt werden müssen; Koch und Dolmetscher der Landessprache
ist nötig. In Anam verschafft man sich Träger beim Ortsvorstand
oder Postverwalter. Europäer finden an Orten, wo Gasthäuser fehlen,
meist im Gemeindehaus Unterkunft. Bei Schwierigkeiten wende man
sich an die anamitischen Behörden und, wenn nötig, an den
französischen Residenten. Man reist, wo es keine Pferde gibt, meist
im Tragsessel oder im Palankin; Sessel ist vorzuziehen. Zur
Ausrüstung gehören Feldbett, Zelt, Moskitonetz, Medikamente gegen
Malaria und giftige Stiche, Lebensmittel und Kochgeschirr.
Unterwegs sind Eier und Geflügel zu haben. Man benutze nach
Möglichkeit die Flußdampfer.
=Reiseliteratur=: _Gräfin Montgelas_, Bilder aus Südasien (München
1906); _Madrolle_, Indo-Chine (Paris 1902).
Saïgon.
Vgl. den Plan S. 180.
=Ankunft zur See.= Der Dampfer macht an einer Landungsbrücke fest;
Zolldurchsicht ist streng. Man fährt mit Rikscha in 15 Min. zum
Gasthof.
[Illustration: Plan von Saïgon.]
=Gasthöfe=: _Grand Hôtel Continental_, Rue Catinat; 100 Z. 4, F.
0,75, Déj. 2, Dîn. 3, Pens. von $ 8 an; zu empfehlen. --_De
l'Univers_, Rue Turc; 70 Z., Dîn. $ 1,50, Pens. $ 4-9.-- _Des
Nations_, Boulevard Charner, ganz bescheiden.--_Des Colonies_, Rue
Nationale, nur als Restaurant zu benutzen. =Restaurants=: _Grand
Hôtel Restaurant de l'Hôtel de Ville_, guter Mittagstisch $
1,50.--=Cafés= sind viele vorhanden.
=Post und Telegraph=: Place de la Cathédrale.--=Telephon= im
Stadtgebiet.
=Wagen=: Zweispänner und Einspänner (_Malabar_) nach Tarif (Fahrt
nach _Cholon_ 70 bzw. 50 c.).--=Rikschas= (_Poussepousse_) nach
Cholon 40 c., hin und zurück mit 1 St. Aufenthalt 80 cents.--
=Sampans= (Boote) mit zwei Ruderern nach _Cholon_ 40 cents.
=Dampfstraßenbahn=: Nach (6 km) _Cholon_ zwei Linien, davon eine
bis (5 km) _Bin-dong_; eine nach (18km) _Hok-mon_ mit Zweiglinien
nach Da-kao. --=Eisenbahnen=: Von Saïgon über _Cholon_ nach _Mytho_
71 km; von Saïgon über _Bienhoa_ und _Giaray_ (79 km) nach
_Tanh-linh_, 132 km, und nach _Phanthiet_ soll an der Küste bis
_Vinh_ (im nördl. Anam) geführt werden (dann Anschluß bis Yünnanfu
in China, S. 189).
=Automobile= werden bei den guten Straßen viel, auch zu Postfahrten
(z. B. nach _Tay-ninh_ [100 km nw.], nach [23 km] _Bienhoa_ und
[120 km] _St.-Jacques_) verwendet. Automobile zum Besuch der
Umgebung sind zu mieten, einschl. Chauffeur $ 30 für den Tag.
=Dampferagenturen=: _Messageries Maritimes_: de Baillou
(Tel.-Adresse: Messageries Saïgon).--_Messageries fluviales de
Cochinchine._--_Norddeutscher Lloyd_: Speidel & Co. (Tel.-Adresse:
Speidel, Saïgon).
=Geld.= Amtlich französisches Geld: 1 Fr. =100 Centimes; im
Landesverkehr ist die Hauptmünze der Dollar (_Piastre_ genannt) zu
100 cents; vgl. S. 219. Ein Silberdollar etwa = 2 Fr. 15 c. = 1,80
Mk.--=Banken=: _Banc de l'Indo-Chine_, Korr. der Deutschen
Bank.--_Hongkong & Shanghai Banking Corporation_, beide am Kai des
Arroyo chinois, beide Korresp. der Berliner
Disconto-Gesellschaft.--_Chartered Bank of India, Australia and
China._
=Sprache= der Anamiten ist einsilbig, isolierend mit sechs
Tonakzenten und stark mit chinesischen Lehnwörtern durchsetzt.
Grammatik von _Dignet_ (Paris 1897) und _Dirr_ (Wien 1894),
Wörterbuch (anamitisch-französisch) von _Bonet_ (Paris 1899-1900).
In den Gasthöfen, Bahnhöfen und Agenturen wird Französisch und
Englisch gesprochen.
=Theater.= _Théâtre municipal_, französische Truppe, Spielzeit
Oktober bis April, Vorstellungen am Di. Do. Sa. So., Logenplatz $
2, Fauteuil $ 1,50.-- _Anamitische Theater_, sehenswert!
=Militärkonzerte=: Mi. abds. am Boulevard Charner, So. Nm. im
Jardin de Ville oder Jardin Zoologique.
=Konsulate=: _Deutsches Reich_, Konsul
Reinsdorf.--_Österreich-Ungarn_, Konsul Franz Fischer.--=Deutscher
Klub.=-- =Polizeiamt=: Ecke Quai du Commerce und Boulevard Charner.
=Ärzte=: französische Zivil- u. Militärärzte. Großes
_Militärhospital_.--=Buchhandlungen=: _Schneider_, im Continental
Hotel; _Rey & Curiol_; _Claude_, die beiden letztern Rue
Catinat.--=Zeitungen=; _Opinion_; _Courrier Saïgonnais_; _Nam-ky_.
--=Geschäfte= in der Rue Catinat.
=Zeiteinteilung=: 1. Tag: Vm. Markt, Stadt und Zoologischer Garten;
Nm. nach Cholon und zurück.--2. Tag: Ausflüge in die
Umgebung.--3.-10. Tag (oder länger): Reise über Pnom-penh nach
Angkor-Thom.
=Geschichte.= Die anamitische Ortschaft wurde von Chinesen
besiedelt; 1789-1811 war Saïgon Hauptstadt des anamitischen Kaisers
Hia-long, der, durch den Taysonsaufstand aus Hué vertrieben, erst
1811 wieder sein altes Reich eroberte. Seitdem nennen die Anamiten
die Stadt _Gia-dinh_; 1790 befestigte Oberst Ollivier, ein Franzose
im Dienste Anams, die Stadt. 1859 nahm Admiral Rigault de Genouilly
Saïgon, das bis 1902 Hauptstadt Indochinas blieb und wichtiger
Kriegshafen wurde.
=Saïgon=, Hauptstadt von Cochinchina, liegt nahe dem Ostrande des
Mekongdeltas, 55 km vom Meer entfernt, am r. Ufer des Saïgonflusses,
der im Gegensatz zu den verschlammten Mündungsarmen des Mekong für
Dampfer befahrbar ist, auf 10° 40' nördl. Br. und hat etwa 51000 Einw.,
darunter 5500 Franzosen, 300 andre Europäer und 12000 Chinesen. Die
Stadt ist sorgfältig und geschmackvoll gebaut mit reinlichen Straßen,
der Sumpfboden ist durch Kanäle trockengelegt. Als Hafen dient der
Fluß; Warenschuppen und Kohlenlager der Messageries Maritimes (BC5)
liegen am Südende, die Marinewerft mit großem Trockendock am Nordende
der Stadt. An die Marinewerft grenzt der Zoologische und Botanische
Garten (BC1, 2); letzterer reicht bis zu der großen _Zitadelle_ (mit
europäischen Kasernen; B2). Von der Ostseite der Zitadelle führt
der breite _Boulevard Norodom_ (AB2, 3) zu dem mitten in großem
Park gelegenen _Palast des Gouverneurs_ (A3), hinter dem sich der
_Volkspark_ (A4; _Jardin de Ville_) anschließt. Saïgon hat eine große
_Kathedrale_ (A3) in romanischem Stil, eine Sternwarte, mehrere Schulen
und verschiedene Denkmäler. Das Klima ist für Europäer nicht gesund.
Hauptausfuhr: Reis, gesalzene Fische, Baumwolle, Pfeffer, Gummi, Kopra,
Häute, Felle, Hörner und Kautschuk. Einfuhr: Textilwaren, Maschinen,
Chemikalien u. a. -- _=Rundfahrt.=_ Um das Volksleben kennen zu lernen,
fahre man frühmorgens auf den Markt (B4; _Marché_) in der Nähe des
Arroyo chinois, dann durch die hübschen Anlagen des _Jardin de Ville_;
nördl. von diesem Volkspark liegt das _Collège Chasseloup-Laubat_
(A3), wo Eingeborne als Dolmetscher ausgebildet werden; dann nach
r. um den Park des Gouverneurs herum durch den _Boulevard Norodom_,
vorbei r. am _Denkmal Gambettas_ (A3) und der Kathedrale, l. der
Zitadelle, zum _Botanischen Garten_ (_Jardin Botanique_), der reich an
tropischen Zier- und Nutzpflanzen ist (mit Baumschule und botanischer
Versuchsstation); im daranschließenden _Zoologischen Garten_ (_Jardin
Zoologique_) sind sehr große Königstiger, Leoparden, Bären, Elefanten,
Pelikane sowie Schlangen. Nm. besuche man die Promenaden in der
Umgebung (A1; _Tour de l'Inspection_), wenn man das Villenviertel und
die vornehme Welt Saïgons sehen will.
=Ausflüge=: 1) Nach der Eingebornenstadt =Cholon=, 5 km sw.
Dampfstraßenbahn (2 Linien) alle 20 und 30 Min. in 14 Min.;
Eisenbahn in 9 Min.; oder mit Wagen auf verschiedenen Wegen. Man
fährt am Arroyo chinois entlang durch die anamitischen Vororte,
vorher am Hospital von _Choquan_ über mehrere Brücken über den mit
Sampans und Dschunken besetzten Arroyo (Kanal). -- Ein andrer Weg,
die »Route stratégique«, führt vorbei an europäischen Gärten sowie
an chinesischen und anamitischen Gemüsegärten; dann vorüber an den
Trümmern einer Königspagode bei der _Ferme des Mares_ (einem
Landgut) und über die _Gräberebene_ (_Plaine des tombeaux_) mit
vielen Grabhügeln.
=Cholon= (_Bahnwirtschaft_; _Café de Paris_, Avenue
Jaccareo.--Juweliere: _Chan Binh_, Rue Gia-long 78; _Ngo Phuoc_,
Rue des Jardins 47; _Taquang Thanh_, Rue de Canton 80;
Holzschnitzereien, Möbel mit Perlmuttereinlagen; Stickereien:
_Duyet-hoa Xuong_, genannt _O-chau_, Rue de Canton 73), Stadt von
138000 Einw., die wichtigste Gewerbe- und Handelsstadt von
Cochinchina und Hauptstapelplatz für den Reishandel; von Chinesen
1780 gegründet, sieht Cholon ganz chinesisch aus, mit chinesischen
und anamitischen Theatern und buntem Straßenleben sowie mehreren
Pagoden. Das Drachenfest wird jährlich wie in China sehr
gefeiert.-- In der Nähe von Cholon liegt die Tonwarenfabrik
_Caï-maï_.
2) _=Eisenbahn=_ über (23 km nö.) _Bienhoa_ (am Donnai) nach dem
800 m hohen, prächtig bewaldeten Berge =Nui-Chuachan=, mit
Observatorium und landwirtschaftlicher Versuchsstation, unweit des
derzeitigen Endpunktes der Bahn (Giaray). Man nehme Verpflegung
mit.
3) Mit _=Automobil=_: a) Über Bienhoa nach den Wasserfällen des
_Donnai_, oberhalb _Trian_, 48 km; Mundvorrat mitnehmen.--b) Über
Bienhoa und _Baria_ (Gasthof) nach _Kap St.-Jacques_ (S. 177), 120
km.--c) Nach (30 km nördl.) _Thudau mot_ (Gasthof, gute Küche) am
Saïgonfluß, Hauptstadt der wegen intensiver Tropenkulturen
bekannten Provinz gleichen Namens.
Seitentour: Von Saïgon über Pnom-Penh nach Angkor-Thom.
Vgl. die Karte auf S. 177.
Für Weltreisende lohnt der Besuch Saïgons nur, wenn damit eine
Reise nach Cambodja (beste Zeit November, Dezember, Januar) zum
Besuch der berühmten _Khmer-Bauten in Angkor-Thom_ verbunden wird.
Die _Société des Études Indochinoises_, an deren Spitze gebildete
Franzosen stehen, welche die Reise nach Angkor selbst gemacht haben
(Adresse im Museum und in der Stadtbibliothek zu erfragen), macht
sich eine Ehre daraus, den Reisenden mit Auskünften zu helfen. Die
Dampfergesellschaft _Messageries fluviales_ hat zwei Ausflüge
eingerichtet (Nr. 1 für 8 Tage zu 350 Fr., Nr. 2 für 12 Tage zu 450
Fr.) nach folgender
=Zeiteinteilung=: _=Ausflug für 8 Tage=_: Dampferabfahrt von Saïgon
Do. abds. (man kann auf eigne Kosten, I. Kl. $ 2,55, II $ 1,70, Fr.
Nm. mit Bahn ab Saïgon fahren nach [71 km] =Mytho=
[_Hotelrestaurant Viol_], wichtige Hafenstadt in der Cua
Tieu-Mündung des Mekong-Deltas mit 6950 Einw.; Ausfuhr von Reis,
Mais, Tabak und Kopra. In Mytho erreicht man den Dampfer);-- Sa.
früh Ankunft in Pnom-Penh;-- So. früh ab Pnom-Penh;--Mo. früh an
Siem-Reap-Mündung, mittags an Angkor-Wat, Tempelbesuch;--Di. früh
nach Angkor-Thom, Nm. Rückkehr nach Angkor-Wat;--Mi. früh ab
Angkor, nachts an Pnom-Penh;-- Do. ab Pnom-Penh Vm.;--Fr. früh an
Saïgon.
_=Ausflug für 12 Tage=_: Fr., Sa., So. wie vorher;--Mo. Angkor-Wat;
--Di. Angkor-Thom;--Mi. Preah-Khan; --Do. Ta-Prohm;--Fr. Bat
Choum;--Sa. Me-Bom etc.;--So. Abfahrt und nachts an Pnom-Penh;
--Mo. ab Pnom-Penh;--Di. früh an Saïgon. Die Zeiten stimmen gut mit
den Dampfergelegenheiten nach und von Hongkong und Singapore.
Die =Khmervölker= bilden den östlichen Zweig der Austroasiaten,
einer sehr alten Bevölkerungsschicht Südasiens, die im
Gesichtstypus zwischen den Mongolen und den Malaien steht, aber mit
keiner dieser beiden Völkergruppen näher verwandt ist. Die heutigen
Khmer (die Cambodjaner) sind liebenswürdig, friedlich, heiter,
gastlich, sehr wahrheitsliebend, mit starkem Nationalgefühl, stehen
aber in ihren wirtschaftlichen Leistungen weit hinter den Anamiten
zurück. Ihre Ehen meist monogamisch, die Frauen sehr frei; der
Bräutigam dient um die Braut und lebt im Hause der Eltern der Frau.
Die Blütezeit ihrer _=Kunst=_ und die Zeit ihrer politischen
Vormachtstellung liegen weit zurück. Ihre Kunst blühte im 10.-14.
Jahrh. und war eine Tochter der vorderindischen (neubrahmanischen)
Kunst; von dieser hat sie die Grundlagen für die bauliche Anordnung
ihrer Pagoden und Paläste übernommen, diese aber durchaus
selbständig und glücklich weiterentwickelt, so daß Bauten
entstanden sind, die sowohl durch die Großartigkeit der
Gesamtanlage wie die Schönheit der Einzelteile und den reichen
Schmuck an Bildwerken noch heute als Ruinen unser Staunen wachrufen
und sehr vorteilhaft von der überladenen neusiamesischen Baukunst
abstechen. Besonders merkwürdig ist das Durcheinander brahmanischer
und buddhistischer Darstellungen und Götterbilder in diesen
Tempeln, die als brahmanische Verehrungsstätten errichtet, aber
später vom Buddhismus in Besitz genommen worden sind.
Das _Khmer-Reich_ begründete in der zweiten Hälfte des 1. Jahrh. n.
Chr. der sagenhafte Held _Preah Thong_ (lebt noch in Volksliedern),
der die jungfräuliche Königin _Neang_ heiratete.
Ende des 5. Jahrh. führte _Kambu_, ein indischer oder nach Indien
verbannt gewesener cambodjanischer Prinz, indische Religion und
Sitten ein; ihm folgten andre bedeutende Herrscher, deren Reich
sich auf ganz Hinterindien bis an den Golf von Bengalen und auf die
Malakkahalbinsel ausdehnte; 811 wurde die prächtige Hauptstadt
_Angkor-Thom_ eingeweiht, die nach noch vorhandenen chinesischen
Schilderungen nirgends ihresgleichen gehabt hat. Die Erbauung von
_Angkor-Wat_ unter König _Suryavarman II._ fällt schon in den
Beginn des Verfalls (12. Jahrh.); 200jährige blutige Kriege
zwischen Cambodja und den Thaï (jetzigen Siamesen und Laoten) im
13.-15. Jahrh. verursachten den Zusammenbruch des Khmer-Reiches,
dessen Hauptstadt Angkor-Thom 1462 nach dreimaliger Zerstörung
endgültig verlassen wurde. Die zur Herrschaft gelangten _Thaï_, die
dem Buddhismus anhingen, machten Angkor-Wat zum buddhistischen
Heiligtum (ob es im Khmer-Reich nur Tempelstadt oder auch
Königspalast war, ist zweifelhaft, doch wahrscheinlich). Cambodja
hütet die alten Überlieferungen des Khmer-Reiches; die alte hohe
Kultur ist noch überall sichtbar und unterscheidet das
interessante, noch zu wenig bekannte Land sehr von allen andern
hinterindischen Ländern.
Von Mytho (s. S. 183) fährt man mit Flußdampfer über _Vinhlong_, hübsche
Niederlassung am r. Ufer, und über _Sadec_, den »Garten von Cochinchina«,
vorbei an Ortschaften in fruchtbaren Niederungen mit bergigem Hinterland
und erreicht
=Pnom-Penh= (_Grand Hôtel_ [Unterbringung im Hotel auf Kosten der
Messageries fluviales. Das Hotel gibt für den Aufenthalt in Angkor einen
Boy als Koch sowie Proviant, Wein und Mineralwasser mit. Zur
Stadtbesichtigung ist 1 Tag Zeit]; _Banque de l'Indo-Chine_, Korresp.
der Berliner Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank; Post und
Tel.; viele französische Geschäfte; Agent des Norddeutschen Lloyd:
_Speidel & Co._), Hauptstadt des Königreichs Cambodja mit 46000 Einw.,
darunter 360 Europäer (meist Franzosen), 6800 Chinesen; einige
Stadtteile haben modernen Zuschnitt, im Khmerstil gebaut. Viele
Spielhöllen, von Chinesen geleitet, wo »ba-quan« gespielt wird. Eine große
Allee führt parallel zum Flusse durch die Stadt zum *_Königspalast_, mit
vielen Gebäuden mit Perlmutterornamentik, großem Thronsaal mit
Deckengemälden (Nymphen und Göttinnen). Sehr sehenswert ist das Ballett
der Bajaderen des Königs, mit anmutigen Körperbewegungen von klassischer
Schönheit. Mitten in der Stadt liegt der *_Pnom_, ein Hügel mit einer
986 erbauten Pagode, umgeben von schattigem _Volkspark_ mit Käfigen
wilder Tiere und Vogelhäusern. Prächtige Steintreppe mit Löwen- und
Kriegerfiguren führt zur Pagode, *Aussicht auf Fluß und Umgegend. Modern
sind das _Heiligtum des großen Bonzen_ und der _Königstempel Vaht
Phrakeo_; auch die Leichenverbrennungsstätte ist sehenswert.
Die Fahrt geht von Pnom-Penh in den Ausfluß des _Tonlé-sap_ (S. 179) und
erreicht den großen See bei _Kompong Luong_, dem Landungsplatz für den 6
km westlichern alten Königssitz _Ou-dong_, mit seltsamen Mausoleen und
einem Riesenbuddha sowie mehreren reich mit Figuren, Reliefs etc.
geschmückten Pagoden. Am r. Ufer liegt flußaufwärts das Malaiendorf
_Lo-vek_ und 8 km westl. davon die Ruinen von _Lo-vek_, einer noch
ältern Hauptstadt Cambodjas als Ou-dong. Am NW.-Ende des großen Sees
liegt die Mündung des _Siem-Réap_; dort liegen l. Sampans bereit für
Reisende und Gepäck. Man fährt etwa 4-1/2 St. mit Sampan je nach
Wasserstand den kleinen Fluß hinauf, bis man die Ochsenkarren erreicht,
die den Reisenden zum _Rasthause_ (ganz neu, mit 10 Z. und 14 Betten
sowie Speisesaal) bei _Angkor-Wat_ bringt; Mitnahme von Decken für die
zuweilen sehr kühlen Morgenstunden im Boot ist zu empfehlen. Nm. Besuch
des wenige Schritte vom Rasthaus entfernten, noch gut erhaltenen, von
Prea-ket Mealea im J. 57 n. Chr. erbauten Tempel *=Angkor-Wat=, etwa 3
km nördl. von Siem-Réap; er steht in einem Park, zeigt viele
brahmanische Inschriften, Denkmäler, seltsame Tiergestalten,
Säulenhallen, große Gopuratürme, prächtige Tore etc. Von da Besuch des
Königspalastes von *=Angkor-Thom=, 4 km nördl. vom Rasthaus; er ist von
einem Mauerviereck mit 4 km Seitenlänge umgeben, das fünf Tore mit
Türmen und Terrassen hat; im Innern stehen sonderbare Zeugen der alten
Khmerkunst: der _Bhan-yong_ (_Bayon_), ein mehrstöckiger Hallenbau mit
14 Türen sowie andere fast rätselhafte Bauwerke, die als Paläste und
Tempel dienten. Nach Angkor-Wat wallfahrten jetzt noch zahlreiche
Pilger; die Tempelstätten werden von Priestern gepflegt. Die ganze
Umgegend ist reich an Tempelruinen.
Die Dampfer fahren noch weiter bis _Battambang_ am Seng-ke; die
Stadt ist des Handels wegen wichtig, hat auch viele alte Tempel im
Innern und in der Umgegend.
Von Pnom-penh nach =Khôn= (276 Seem.) auf dem Mekong aufwärts mit
Dampfern der »Messageries fluviales« im August bis Dezember in 4
Tagen, zurück in 18 St. Auf dem obern Mekong Dampfer je nach
Wasserstand bis _Pak-moun_, dann Bootsfahrt in 15 bis 20 Tagen bis
_Luang-prabang_ im obern _Laos_. Sehr interessante und
landschaftlich lohnende Fahrt durch das meist ziemlich enge,
stellenweise schluchtartige, tief (bis 1000 m) ins Gebirge
eingesenkte, aber infolgedessen auch ziemlich heiße Mekongtal. Die
Strombreite wechselt zwischen 1/2 km und 50 m; mehrfach sind
Stromschnellen zu überwinden. Man treffe Vereinbarungen mit
den »Messageries fluviales«.
Von Saïgon nach Haïphong und Hanoï.
=Messageries Maritimes= alle 8 Tage von _Saïgon_ nach _Tourane_ für
I. Kl. 128, II. 89-1/2 Fr. und weiter nach _Haïphong_ für I. 192,
II. 140 Fr. Dann 101 km =Eisenbahn= von Haïphong nach _Hanoï_.
=Anam.= Das unter französischer Oberherrschaft stehende Königreich
_Anam_, 160000 qkm groß mit 5,5 Mill. Einw., Hauptstadt Hué,
besteht größtenteils aus Gebirgsland, das im südlichen Teil steil
unmittelbar zur Küste abfällt und erst von Hué ab nordwärts einer
schmalen, sehr fruchtbaren Küstenebene Raum läßt. Die etwa 1200 km
lange Küste von Anam ist der Schiffahrt sehr ungünstig; häufig von
Stürmen und im Herbst und Winter von starker Brandung heimgesucht,
bietet sie in ihrem südlichen Teil durch Felsriffe, im nördlichen
durch Sandbarren der Annäherung von Schiffen gefährliche
Hindernisse, enthält aber viele gute Häfen, darunter die _Bucht von
Tourane_; Tourane hat sich schnell zur Hafenstadt für die etwa 80
km nördl. gelegene Hauptstadt _Hué_ entwickelt, die ihrerseits ihre
Vorrangstellung der Lage am Südende der Küstenebene und am
Ausgangspunkte eines bequemen Überganges über das Gebirge hinüber
nach _Laos_ (Paß von Ailao, 410 m) verdankt. Das Gebirge,
die »Kordillere« von Anam, erhebt sich durchschnittlich bis 600 oder
700 m, doch mit einigen Gipfeln auf 2500 m. Es zeigt zwar eine
Reihe von durch tiefe Täler getrennten Ketten, ist aber
wahrscheinlich nicht, wie die Gebirgsketten des westlichen Teils
von Hinterindien, ein Faltungsgebirge, sondern durch Bruchbildung
entstanden; es besteht meist aus alten und widerstandsfähigen
Gesteinen und ist gut bewaldet.
Nordwärts von Hué beherbergt es noch viele Naturvölker. Das
_=Klima=_ der nördlichem Küstenstrecke Anams weicht von dem
Cochinchinas ziemlich stark ab; der jährliche Temperaturverlauf ist
weniger gleichmäßig, der Winter kühler, die heiße Zeit um einige
Monate verschoben (Hué Jahr 25,4°; Februar 19,7°, Juni und August
29,5°), die Regenzeit wird nicht vom SW.-Monsun, sondern vom
NO.-Monsun gebracht und fällt in die Monate September bis Dezember,
Höhepunkt im Oktober.
Die Seefahrt vom Kap Saint-Jacques (S. 177) längs der Küste von Anam
bietet vom Leuchtturm des Kap _Padaran_ (mit Blitzfeuer von 32 Seem.
Sichtweite) schöne Gebirgslandschaft. Ein sehr schöner Hafen liegt in
der Bucht von _Cam-ranh_, der als Schutz bei stürmischem Wetter dient.
Manche Dampfer laufen den Hafen von _Nha-Trang_ an, in dessen
Laboratorium 1897 Dr. Yersin den Pestbazillus entdeckte. Man passiert
dann _Kap Varella_ mit Leuchtturm und gelangt nach _Quinhone_,
Hafenplatz in einer großen geschützten Bucht; in der Ebene viele
Baudenkmäler der Khmer (S. 183); 18 km nw. liegt die Zitadelle von
_Binh-dinh_ (15000 Einw.). Auf 16° 15' nördl. Breite erreicht man die
schöne Bucht von
=Tourane= (_Tourane Hôtel_ oder _Hôtel Morir_, 40 Z. 4, Ged. 3,50, Pens.
12 Fr.;--_Banque de l'Indo-Chine_, Korr. der Deutschen Bank und der
Berliner Disconto-Gesellschaft); moderne Stadt (vgl. S. 185) mit 4300
Einw. (100 Europäer); Ausfuhrplatz der Kohlengruben von _Nang-Son_;
_=Eisenbahn=_ von hier über _Hué_ nach _Quangtri_, 175 km. Im Volkspark
Skulpturen von Khmerbauten. Der Hafen mit 8 m Wassertiefe liegt 3/4 St.
von der Stadt. Ausflug im Palankin mit Trägern (durch die französische
Residentschaft vorher zu bestellen), die alle 10 km gewechselt werden
(Preis 10 c. für jeden Mann), über den 470 m hohen Bergkamm _Col des
Nuages_ bis (107 km) _Hué_; soll sehr lohnend sein. Schneller gelangt
man mit der _=Eisenbahn=_ (s. S. 185) nach