_=Staatsreligion=_ ist der Buddhismus, der durch seine zahlreichen

Priester und Mönche (jeder Siamese muß, wie der Birmane, eine

Zeitlang als Mönch leben) wie durch seine prunkvollen Tempelbauten

und vielen Feste und Aufzüge dem öffentlichen Leben das

Hauptgepräge gibt. Die Tempel Ayuthias, der alten Hauptstadt,

zeichnen sich vor denen des übrigen Indiens dadurch aus, daß sie

sich nach oben hin nicht verjüngen, sondern aus einer Anzahl von

Stockwerken gleichen Umfanges bestehen. Das Hauptmerkmal der

religiösen Bauten Bangkoks ist die Überladenheit mit allerlei

Schmuck. Der _=Hauptverkehr=_ in der Menamebene findet trotz

neuerdings angelegter Bahnen noch zu Wasser statt; der

Handelsverkehr zu Lande nach den südl. Schanstaaten in Birma und

nach der chinesischen Provinz Yünnan (S. 189) erfolgt durch

Karawanen, die von der wichtigsten Stadt Obersiams, Chiengmai,

ausgehen; diese Stadt liegt im wichtigsten Teakholzbezirk an der

obern Schiffahrtsgrenze des Maping, des Hauptnebenflusses des

Menam. Die jetzige Dynastie beherrscht Siam seit 1782. Der König

_Maha Vadjiravudh, Phra Mongkut Klao_, geb. 1. Jan. 1881, in London

erzogen, regiert seit 24. Okt. 1910. Das Heer ist europäisch

geschult. Zur Flotte gehören 1 Kreuzer, einige Kanonenboote und

Torpedofahrzeuge etc. Landesflagge ist rot mit dem _=Weißen

Elefanten=_, dessen Heiligkeit aus der frühesten buddhistischen

Geschichte stammt. (Gautama, d. i. Buddha, ging als weißer Elefant

in den Leib seiner Mutter ein.) Zu den Titeln des Königs gehört

auch der »Herr des Weißen Elefanten«. Wird ein »weißer« Elefant (d. h.

nur heller grau als die andern) gefangen, dann wird er mit großen

Festlichkeiten in den königlichen Marstall aufgenommen.

Bangkok.

Vgl. die Pläne S. 172 und S. 174 sowie die Karten S. 155 und 177.

=Ankunft zur See.= Die Dampfer ankern auf dem Menamflusse, die

Landung geschieht mit Sampans am l. Ufer, wo der Hauptteil der

Stadt liegt.

=Gasthöfe=: _Oriental Hotel_, am Flußufer, mäßig und nicht billig;

schickt Motorboot zum Dampfer.--_Hôtel de l'Europe_, ganz

mäßig.--_Bristol Hotel und Restaurant_ (Deutscher, C. Prüfer),

gelobt, sauber, preiswert, deutsches Faßbier, Pens. 6, monatl. 150

Tikals; Treffpunkt deutscher Kapitäne.-- Pension in den Gasthöfen

8-12 Tikals (Frühst. 8 Uhr, Tiffin 12 Uhr, Dinner 7 Uhr).

=Post=: Siamesisch. Briefe und Karten gebe man auf der Post ab,

nicht in die Straßenbriefkasten.--=Telegraph=: Überland nach Birma,

Singapore und Indochina.--=Telephon= in den Gasthöfen etc.

=Wagen=: Europäische Droschken und Rikschas (die Kutscher verstehen

nicht englisch).

=Straßenbahn=: elektrisch, führt vom südlichen Vorort _Bāng

Koläm_ durch die New Road bis zur Königsstadt.

=Eisenbahnen=: Von Bangkok nach (20 km) _Paknam_ und nach (264 km)

_Korat_ mit Zweigbahn nach Paknam-Poh; über Rat-buri nach (152 km)

_Petscha-buri_ (deutsche Ingenieure); Staatsbahn nach (63 km)

_Patriu_; Privatbahn nach (33 km) _Tacheen_ und weiter nach (34 km)

_Meklong_ an der Westküste des Golfs von Siam. (Die deutschen

Eisenbahnbaumeister kennen das Land; Auskünfte nur bei der

Staatsbahn.)

=Ortszeit= von Bangkok 5 St. 42 Min. vor gegen M.E.Z.

=Dampfer=: _Norddeutscher Lloyd_ (Agent: A. Markwald & Co.,

Telegr.-Adresse: »Nordlloyd, Bangkok«) etwa zweimal wöchentlich

nach und von Singapore und Hongkong, mit I. Kl.-Kabinen.

--_Messageries fluviales de Cochinchine_, alle 14 Tage über

_Schantabun_ (Siam), Samit und Pulo Condor nach (510 Seem.)

_Saïgon_.--Auf dem _=Menam=_: _Siam Steam Packet Co._ täglich nach

_Ayuthia_ (in 8 St.) und _Muong Angton_; wenn der Wasserstand es

zuläßt, auch bis _Muong Paknam-Poh_.

=Geld.= Silbermünzen: 1 _Tikal_ (oder Bat = 15 g Silber) hat etwa

1,54 M. Wert; man rechnet 5 Tikals = 4 $ mexikanisch, 1 Tikal = 100

Satang. Auch 10-, 5- und 1-Cents-Stücke werden geprägt. Einige

Banken geben Banknoten aus. Bei schwierigern Geldgeschäften wende

man sich womöglich stets an das Konsulat.

[Illustration: Lageplan von Bangkok.]

=Banken=: _Hongkong & Shanghai Banking Corporation_, Korr. der

Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig; _Chartered Bank of India,

Australia & China_, Korr. der Deutschen Bank; _Banque de

l'Indo-Chine_; alle drei Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft.

_Siam Commercial Bank._

=Sprache=, _Tai_ genannt, ist einsilbig und verwandt mit dem

Chinesischen, doch kommen auch mehrsilbige Wörter aus dem Sanskrit

und Pali vor. Vgl. _Wershoven_, Lehr- und Lesebuch der siamesischen

Sprache und deutsch-siamesisches Wörterbuch, Wien 1892.

--=Zeitungen=: »_Bangkok Daily Mail_«; »_Bangkok Times_«; »_Siam

Observer_«.-- =Theater=: siamesische und chinesische.

--=Konsulate=: _Deutsches Reich_, Gesandter Frhr. v. d. Goltz;

Vizekonsul Frhr. Rüdt v. Collenberg. --_Österreich-Ungarn_, der

deutsche Vertreter. --Deutsche unterstehen in Siam deutscher

Gerichtsbarkeit. Paß erforderlich. -- =Deutscher Klub.=

--=Amerikanische Mission= (gibt sehr liebenswürdig Auskunft über

Land und Volk). --=Polizei= gegen Fremde im allgemeinen

zuvorkommend, event. rufe man sofort den Schutz des Konsulats an.

=Ärzte=: Leibarzt des Königs und die deutschen Ärzte Dr. Schäfer

und Dr. Hintze.

=Geschäftsadressen=: Gute europäische und chinesische Läden in der

New Road; beim Einkauf von Rubinen und Saphiren ist Vorsicht

geboten; die besten Edelsteine gehen roh zum Schleifen nach Europa.

Deutscher Juwelier, auch Curios: _F. Grählert & Co._ Auch ein

deutscher _=Photograph=_ (_Rob. Lenz & Co._) sowie zwei deutsche

_=Apotheken=_: Bangkok Dispensary (_R. Schulz_) und Tatten

Dispensary (_M. Mannsfeldt_) sind in Bangkok.

=Zeitteilung.= 1. Tag: Wagen- und Bootsfahrt durch die Stadt, Märkte

besuchen, Nm. New Road und Dusit-Park. --2. Tag: Vm. Tempel, Nm.

Palastviertel.--3. Tag: Ausflug nach Ayuthia. Zum Kennenlernen

Siams sind 14 Tage Zeit gut zu verwerten.

=Klima.= Die Gesundheitsverhältnisse sind nicht sehr gut, da die

Stadt auf flachem, feuchtem Boden erbaut und von zahlreichen

Kanälen durchzogen ist, die allen Unrat aufnehmen und bei niedrigem

Wasserstand sehr schlimme Gerüche aussenden. Die mittlere

Jahrestemperatur beträgt 26,7° (Dezember 23,8°, April 28,6°). Man

unterscheidet, wie in Indien, drei Jahreszeiten: die kalte Zeit vom

November bis Februar, die heiße im März und April und die Regenzeit

von Ende April bis in den Oktober hinein. Die kalte Zeit mit

vorwiegendem NO.-Wind bringt nach warmen Tagen recht kühle Nächte,

so daß man sich vor Erkältungen sehr hüten muß, und ist fast

regenlos. Die Wärme nimmt dann rasch zu und wird im April

namentlich dann sehr unangenehm, wenn die Seebrise ausbleibt. Der

gegen Ende April einsetzende SW.-Monsun bringt auch hier die

Regenfälle, die am heftigsten zu Beginn (Mai) und gegen Ende seines

Wehens (September) fallen. Die Gesamtregenmenge ist vergleichsweise

gering (1500 mm), da das Gebirge Malakkas viel Feuchtigkeit

abfängt.

=Geschichte.= Nach Zerstörung der alten Hauptstadt Ayuthia 1767

durch die Birmanen wurde das Dorf Bangkok Hauptstadt des

chinesischen Feldherrn Phya Tak, der dort seine Dynastie

begründete, aber 1782 durch den siamesischen Chan Phya Chakkri

entthront wurde; amtlich heißt die Stadt deshalb noch _Si Ayuthia

Mahä_ = große, erhabene Stadt. Nach Abschluß der Handelsverträge

mit England, den Vereinigten Staaten und Preußen (um 1861)

entwickelte sich Bangkok zur wichtigsten Handelsstadt; ihr

schnelles Aufblühen wurde durch den 1910 verstorbenen König

Tschulalongkorn tatkräftig und erfolgreich gefördert. 1893

erzwangen 2 französische Kanonenboote die Durchfahrt durch die

Küstenbefestigungen und bedrohten Bangkok; seitdem sichert die

Eifersucht der europäischen Großmächte dem Lande vorläufig die

Unabhängigkeit.

=Bangkok= (»Stadt der Obstbäume«), Hauptstadt von Siam, mit 628675 Einw.

(darunter über 100000 Chinesen) und 18 km Umfang, unter 13° 45' nördl.

Br., beiderseits des Menam, 33 km oberhalb dessen Mündung. Wichtiger

Seehafen für Ausfuhr von Reis, Teakholz, Büffelhäuten etc.; 1908 liefen

830 Schiffe mit 774424 Reg.-Ton. ein. Die Ufer haben Landungsanlagen;

die siamesische Flotte liegt beim Königspalast an Bojen, fremde

Kriegsschiffe ankern gegenüber Oriental Hotel. Bangkok besteht aus einer

innern, mit 10 m hoher Zinnenmauer umgebenen und einer äußern Stadt. Die

Häuser liegen meist in Gärten, sind am Ufer aus Holz oder Bambus und auf

Pfählen gebaut, sonst jetzt auch aus Stein erbaut, während früher Stein

außer von Europäern nur zu Tempeln und Klöstern, deren Bangkok an 700

besitzt, und bei den königlichen Palästen verwendet wurde. Viele

schwimmende Häuser auf Bambusflößen werden in den die Stadt

durchziehenden Kanälen an Pfählen festgebunden, mit Kramläden oder

Werkstätten; da viel Marktverkehr auf dem Wasser, ist der Fluß sehr

belebt.

[Illustration: Stadtplan von Bangkok.]

In der innern Stadt liegt der =Palast des Königs= (s. unten) hinter

einer hohen Mauer von 1300 m Umfang; der Boden im Innern ist ganz mit

Marmor- und Granitfliesen belegt; inmitten des Hofes erhebt sich, von

einem spitzen, vergoldeten Turm überragt, der _Mahāprasāt_, die Halle,

in der der König ausländische Gesandte empfängt; in einem weitern

Saal erteilt der König Gehör.-- Der schönste Schmuck Bangkoks ist die

_Pagode Wat Tscheng_ (S. 176), die sich in Terrassen bis zu einer

Kegelspitze verjüngt. Mit den Pagoden sind stets Klöster verbunden,

wo oft 200-300 Mönche wohnen, außerdem Güter, Höfe, Teiche, Tempel

und Kapellen, alle umschlossen von einer großen Mauer.--Besuchswert

ist auch die _Vajirañan-Bibliothek_ (Dir. Dr. O. Frankfurter),

1881 gegründet, mit wertvollen Handschriften.--Die _=Bevölkerung=_

besteht aus Tai oder Siamesen, ferner Birmanen, Chinesen, Malaien,

Leuten aus Laos, Pegu, Annam, Kambodja.--Die heimische _=Industrie=_

ist seit Zulassung des Fremdhandels sehr gesunken, nur der Bau von

Flußschiffen und Dampfern, mit Maschinen aus Europa, noch bedeutend;

ferner besteht in Bangkok eine Gesellschaft für elektrische Anlagen,

viele Reisschälmühlen, Dampfsägewerke. Bangkok ist Mittelpunkt des

aufblühenden Außenhandels von Siam.

_=Rundfahrt durch die Stadt.=_ Das siamesische Leben und das Treiben auf

den Märkten sieht man auf Fluß- und Kanalfahrten mit Dampfbarkasse oder

Sampan oder mit Wagen zunächst morgens nach dem 2 km langen Hauptbasar

_Talāt Noï_, wo das Völkergemisch erstaunlich ist, oder nach dem

kleinern Basar _Talāt Vat Koh_; die meisten Fremden, besonders

Chinesen, trifft man auf dem Basar *=Sampeng= im SO. der Stadt, mit

vielen Verkaufsstellen von Lebensmitteln, Gebrauchsgegenständen, mit

Niederlagen von Buddhafiguren und Götzenbildern; auch chinesische

Spielhöllen fehlen nicht. Von den vielen, meist prächtigen Tempeln sind

die schönsten im Palastviertel. (NB. Zutritt zum Palastviertel und zu

dem großen Tempel sowie zum Museum ist nur gegen besondere Erlaubnis

gestattet, die man durch Konsul oder Empfehlung erlangt.) Das

*=Palastviertel=, wohin man durch die New Road mit Wagen fährt, besteht

aus vielen großen und kleinen Gebäuden, in deren Mitte der _Palast des

Königs_ (s. oben), ein moderner Prachtbau mit siamesischem Dach, liegt.

Wer gut empfohlen ist, erhält junge vornehme Siamesen (die fertig

Englisch sprechen) als Führer. Es empfiehlt sich, Nm. gegen 5 Uhr zum

Palast zu fahren; dann findet dort meist Promenadenkonzert statt. Hinter

dem Empfangspalast liegt das Königshaus _Khāng Nai_, worin der König

wohnt. Im Marstall werden die »weißen« Elefanten (schmutzig hellgrau oder

graubraun mit weißen Flecken auf den Ohren, vgl. S. 171) gezeigt; sie

nehmen mit Dankverbeugung Zuckerrohr.--Prächtig ist der Tempel *_Wat

Phra Käo_ (Tempel der Kleinodien), dessen Hauptbau _Phra Ubosat_

verschwenderisch reich an Goldmosaik ist; sein Hauptaltar, der eine

Buddhafigur aus Jaspis mit Kopf aus Smaragd trägt, ist mit Gold und

Edelsteinen übersät, die Türen sind mit Perlmutter eingelegt, die

Ziegeln vergoldet etc. Zahlreiche Phratschedis (kegel- und

pyramidenspitze kleine Pagoden) umgeben den Haupttempel; unter ihnen ist

die _Si Rathana Phratschedi_ außen bis zur Spitze mit Goldmusiv

bekleidet.-- In der Nähe liegt der Krönungstempel _Putaprang Phrasat_

und daneben der feine Pavillon _Phra Mondop_.

Phantastische Figuren schmücken die Eingänge der Tempel; oft sieht

man den Vogelmensch _Khrut_, aus Bronze, obere Hälfte Mensch,

untere Vogel, mit spitzer Kopfbedeckung und Maske und grüner

Fayencerüstung, daneben fast europäische Groteskfiguren, Antiken,

Elefanten, Affen, Tiger, Pferde und Adler. Um die Altäre stehen

Vasen mit betäubend duftenden Tempelblumen: Ylang-Ylang, Plumeria

und Tuberosen, dazu Weihrauch, hell- und dunkelgelb gekleidete

Priester mit Ylang-Ylangblüten in der Hand, Blumen und Reis

opfernde Frauen and Kinder.

Außerhalb des Palastes liegt das _Museum_, eine Schatzkammer von

Edelsteinen und chinesischem Porzellan. Daneben ein als Museum benutzter

Tempel mit vielen Buddhafiguren.--Südl. vom Schloß sind Staats- und

Wirtschaftsgebäude und Gartenanlagen mit Kiosken; am Menamufer ist ein

Wasserpavillon und Anlegeplatz für Boote.--Im nördlichen Teile liegen

das Ministerium des Auswärtigen, die Münze und die Druckerei. In der

Nähe hat König Tschulalongkorn den schönen _Dusit-Park_ (Paradiespark)

angelegt, wo gelegentlich bei elektrischem Licht Musik spielt und Feste

gefeiert werden; in der Nähe ist ein großes *_siamesisches Theater_, wo

nur junge Mädchen meist sehr phantastische Stücke aus der indischen

Göttersage spielen.--Von den vielen Tempelanlagen ist *=Wat Tscheng= mit

dem 70 m hohen _Phraprangturme_ weithin sichtbar; von der obersten

Galerie prächtige Aussicht. Den Mittelbau krönen vier Türmchen, aus

deren Nischen dreiköpfige Elefanten hervortreten. --Ebenfalls weithin

sichtbar erhebt sich über einer Baumgruppe auf einem Hügel der _Wat

Saket_.--Die größte Tempelanlage nahe dem Königsviertel ist der _Wat

Poh_ mit 49 m langer, schwer vergoldeter liegender Buddhafigur, auf

deren mit Perlmutter eingelegten Fußsohlen die 64 Zeichen der Schönheit

und Bilder aus Buddhas Leben dargestellt sind.--Noch zu erwähnen ist der

_Wat Radschabophit_ mit den Grabmälern der Königskinder; _Wat Sutat_ mit

Riesenbuddha, dem 72 überlebensgroße Jünger gegenüber sitzen; der Palast

_Sarānrom_ mit schönen Fresken.

=Siamesische Volksfeste.= Das Hauptfest _Kathin_ (Besuch der

Tempel) ist im Oktober; der König besucht am ersten Tage zu Wagen,

die beiden nächsten zu Fuß oder in prächtigem vergoldeten Tragstuhl

mit militärischem Aufzug die Tempel, wobei die ganze Stadt festlich

geschmückt ist, an den folgenden vier Tagen in seiner 50 m langen

grotesken Galeere _Rüa Pratinang_, von 60 Ruderern bewegt, mit etwa

40 märchenhaft ausgerüsteten Prachtbarken, worin die Prinzen und

der Hofstaat folgen, mit Musik und Gesang der Ruderer die Tempel

auf dem rechten Flußufer. Wenn diese Aufzüge zu Ende sind, beginnen

die Volksfeste mit Illumination, Feuerwerk und phantastischen

Aufzügen.--Andre Feste sind: die Zeremonie des

Haarknotenabschneidens bei den Königskindern; die Verbrennung

verstorbener Prinzen und Prinzessinnen, wo die Festlichkeiten:

Paraden, Umzüge, Feuerwerke, Laternentänze, Theater- und

Marionettenvorstellungen, meist drei Tage dauern, u. a.--Ähnlich,

mit märchenhafter Illumination des Palastes, der Stadt und der

Kriegsschiffe, wird der Geburts- und Krönungstag des Königs

gefeiert.

=Ausflüge=: 1) Nach =Phrabāt= (oder _Prabat_), einem berühmten

Wallfahrtsort, 16 km nördl. von Bangkok auf einem Berg. Eisenbahn

(nach _Lop buri_) bis (102 km) _Tarna_, von da mit Straßenbahn noch

20 km. Phrabāt ist ein Kloster, das in vergoldetem Turm auf mit

Silberplatten belegtem Fußboden hinter silbernem Gitter eine

heilige Fußspur Buddhas, mit goldenem Geschmeide bedeckt, enthält;

im Hintergrund eine Buddhafigur unter goldenem, mit Edelsteinen

verziertem Thronhimmel.

2) Nach *=Ayuthia=, 70 km nördl., sehr lohnend, Führer und

Mundvorrat mitnehmen! _=Eisenbahn=_ von Bangkok nach _Ayuthia_ in 2

St.; der Bahnhof in Ayuthia liegt 1/2 St. von den Ruinen und dem

Elefantenkral. Empfehlenswerter ist die *_Fahrt auf dem Menam_ mit

selbstgemietetem kleinen _=Dampfer=_ der Siam Steam Packet Co.; man

muß für Verpflegung selbst sorgen. Fahrzeit zu Berg etwa 10-12 St.,

zu Tal 6-9 St. Auf der Flußfahrt beobachtet man siamesisches Leben

auf den schwimmenden Häusern; die Ufer sind mit wohlhabenden

Dörfern, Gärten und Reisfeldern bestanden. Grüne Ufer findet man

beim königlichen Sommerschlosse _Bang Pha-in_ (auch mit der Bahn zu

erreichen; zum Besuch ist Erlaubniskarte erforderlich, 4-5 Tage vor

dem Ausflug beim Konsulat zu bestellen), mit schönen Gärten,

zierlichen Pavillons, Elefantenstall, Bädern etc., auch einen

Buddhatempel in gotischem Kirchenstil! Nun teilt sich der Fluß, der

östliche Arm führt zum Ort =Ayuthia=; man landet beim

*_Elefantenkral_, Riesenzaun aus 3-4 m hohen und 1/2 m dicken

Teakholzpfosten, die etwa 1/2 m voneinander in die Erde gerammt

sind; mit zahmen weiblichen Elefanten werden die wilden Herden aus

den Dschungeln der Umgegend in die Nähe des Krals gelockt, dann

durch eine Treiberkette mit Geschrei, Tamtam, Fackeln und Schüssen

in den Kral getrieben. Der König sieht dem Eintreiben auf hohem

Pavillon zu. Dann besorgen zahme Elefanten das Zähmen der wilden,

von denen die schönsten in den Marstall des Königs kommen (noch im

Anfang des 19. Jahrh. sollen bis zu 6000 Kriegselefanten an den

Schlachten in Hinterindien teilgenommen haben), die übrigen als

Arbeitstiere bei den Holzfällern, an Sägemühlen und Bauunternehmer

verkauft werden.--Die malerischen Ruinen der alten Hauptstadt (ihre

Blüte war 1350-1767) liegen auf einer Insel von 8 km Umfang, die

mit Zinnenmauer umgeben war; kleine Kanäle führten vom Fluß in die

Stadt; am schönsten sind die Trümmer des alten Palastes mit

*Riesenbuddha und die der königlichen Tempel. Am Südende der Stadt

hatten die Niederländer eine Handelsfaktorei, gegenüber die

Portugiesen und französischen Jesuiten, die eine Zeitlang sehr

einflußreich waren. Von einem vierstöckigen Wachtturm guter

Überblick über Alt- und Neu-Ayuthia; der neue Ort _Krungkao_ mit

etwa 20000 Einw. ist eine Pfahlbautenstadt, in der man mit Sampan

in die Läden und Spielhöllen, viele in schwimmenden Hütten,

fährt.--Etwa 6 km von der Stadt liegt in der Ebene die sehr hohe

und daher sehr heilige Pyramide oder Phratschedi _Palavi_, umgeben

von Sümpfen, daher nur im Sampan oder auf Elefanten zu erreichen;

oben *Aussicht; im dritten Stockwerk eine riesige vergoldete

Buddhafigur.

3) Nach =Lopburi=, etwa 50 km stromauf von Ayuthia am Menam, mit

Dampfer; der Ausflug soll sehr anstrengend, aber auch sehr lohnend

sein (Auskunft bei den deutschen Eisenbahnbaumeistern in Bangkok).

Von Singapore nach Saïgon.

Vgl. beifolgende Karte.

=Messageries Maritimes= alle 14 Tage von _Singapore_ in 2 Tagen

nach (648 Seem.) _Saïgon_; außerdem eine 14tägige Zweigdampferlinie

zwischen _Saïgon_ und _Singapore_, wo die Dampfer Anschluß haben:

nach Europa mit den deutschen Reichspostdampfern oder holländischen

Dampfern, nach Ostasien mit englischen Dampfern.-- Von Saïgon

Anschlußdampfer alle 8 Tage über _Quinhone_ und _Tourane_ nach

_Haïphong_.

Die Fahrt von _Singapore_ geht mit NNO.-Kurs durch das Südchinesische

Meer (S. 214), vorbei an der Granitinsel _Pulo Condor_, Strafkolonie für

Anamiten und Chinesen, mit Leuchtturm. Bei _Kap Saint-Jacques_, dem

SW.-Ende des Gebirgsbogens von Anam, kommt die Küste von Cochinchina in

Sicht; das Kap ist ein oben kahler, unten dichtbewaldeter Bergrücken

(mit Leuchtturm), an dessen Fuß ein Seebad mit Sanatorium für Offiziere

und Beamte (Hôtel de la Plage) liegt. Auf den Höhen starke

Küstenbefestigungen. (NB. Man hüte sich, diese zu photographieren, wenn

man auf einem französischen Dampfer fährt!) Hübsche Spazierwege sind in

der Umgebung des Seebades; in der Nähe liegt eine Pagode an einer

Stelle, wo ein Walfisch gestrandet, 1848 von anamitischen Fischern

erbaut. Dann fährt der Dampfer in dem schmalen und sehr gewundenen

_Donnaï-Fluß_ 60 km zwischen flachem Sumpflande, dichten Dschungeln,

dann Reisfeldern, Bananen- und Palmenhainen. Bei der Einfahrt in den

_Saïgonfluß_ sieht man die roten Türme der Kathedrale der Stadt

_Saïgon_; auf dem Fluß ist wenig Verkehr.

=Indochina.= Der östl. Teil Hinterindiens ist unter dem Gesamtnamen

Indochina französisches Kolonialgebiet unter einem

Generalgouverneur (in Hanoï), das sich in folgende sechs Gebiete

gliedert: _Cochinchina_, _Cambodja_, _Anam_, _Laos_, _Tonkin_ und

_Kwangtschou_; letzteres liegt außerhalb Hinterindiens an der

Ostseite der südchinesischen Halbinsel Leitschou. Cochinchina und

Tonkin stehen unter unmittelbarer französischer Verwaltung, Laos

und Anam haben noch einheimische Fürsten, die von französischen

Oberresidenten geleitet werden. Das ganze Gebiet umfaßt etwa 800000

qkm (annähernd = Deutsches Reich und Österreich) mit 16 Mill. Einw.

Es enthält im S. und im NO. zwei Ebenen, die des _Mekong_ und des

_Roten Flusses_ (Songkoi); erstere umfaßt Cochinchina und den

Hauptteil von Cambodja, letztere das Zentrum von Tonkin. Der

Hauptteil des französischen Besitzes aber ist Gebirgs- und Hochland

und gliedert sich in die Kordillere von Anam und die

dahinterliegenden Plateaus und Stufenlandschaften von

Laos.--_=Klimatisch=_ gehört ganz Indochina dem südasiatischen

Monsungebiet an, doch unterliegt der jährliche Klimaverlauf in den

verschiedenen Landesteilen ziemlich starken Abweichungen, von der

beständig feuchtheißen Sumpfniederung von Cochinchina bis zu dem

schon viel extremern Klima Tonkins und den rauhen Hochebenen des

innersten Laoslandes und von dem Sommerregen Saïgons bis zu dem

Herbst- und Winterregen von Huë.--Auch die

_=Vegetationsverhältnisse=_ sind sehr verschieden, vom tropischen

Regenwalde bis zur Wüstensteppe einiger trockener Kalkplateaus im

Laoslande.--Die bekanntesten Vertreter der _=Tierwelt=_ sind hier

wie im übrigen Hinterindien Elefant, Tiger, Panther und der

Gibbonaffe. --Die beiden Tiefebenen sind zugleich Mittelpunkte der

_=Kultur=_ und Volksverdichtung und wichtige Reisbaugebiete; Reis

bildet den Hauptgegenstand der Ausfuhr, dem erst in weitem Abstande

Zinn, Fische und Bodenbauprodukte folgen.--Die _=Bevölkerung=_

teilt sich wie im übrigen Hinterindien in Halbkulturvölker, die die

leichter zugänglichen Landesteile, namentlich die Küsten und

Flußebenen, bewohnen, und in Gebirgsstämme, die noch nicht über das

Naturvölkertum hinausgekommen sind. Körperlich und in ihrem

Kulturbesitz sind alle diese Völker, wie es der von den Franzosen

ihrem Kolonialbesitz gegebene Name sehr glücklich ausdrückt, sowohl

von Indien wie von China her vielfältig beeinflußt worden, in

diesem Teile Hinterindiens naturgemäß mehr von dem näherliegenden

China aus, wie denn auch heute die Chinesen einen wichtigen

Bevölkerungsteil ausmachen. Doch haben sich für den alten Einfluß

der indischen Kultur auch in diesem Teile Hinterindiens glänzende

Zeugen in den Ruinen von Angkor-Thom in Cambodja (S. 185) erhalten.

=Cochinchina= besteht in der Hauptsache aus dem feuchtheißen und

ungesunden, aber sehr fruchtbaren und für den Reisbau vorzüglich

geeigneten Delta des gewaltigen _Mekongstromes_, das sich rasch

weiter ins Meer hinausschiebt und vom Mekong allsommerlich von

neuem überschwemmt und befruchtet wird. Ein Stauwerk zur Regelung

des Flutverlaufes, wie es die Engländer in Ägypten bei Assuan

errichtet haben, brauchten die Franzosen nicht zu bauen, weil der

Mekong ein riesiges natürliches Regulierungsbecken im _Tonlé-sap_,

einem See, der die Mitte des Beckens von _Cambodja_ einnimmt,

besitzt. Bei der Hauptstadt von Cambodja, _Pnom-Penh_, beginnt das

Mekongdelta mit einem zu diesem See führenden Arm, der während der

sommerlichen Hochflut des Stromes der Seemulde einen bedeutenden

Teil des Mekongwassers zuführt, so daß der Tonlé-sap im Sommer von

110 auf 200 km Länge, von 1 auf 12 m Tiefe und von 3000 auf 25000

qkm Fläche wächst. Im Herbst, wenn der Mekong fällt, beginnt der

Tonlé-sap sich wieder zu entleeren und führt Cochinchina im Winter

die nötige Feuchtigkeit zu. --Ein Netz von Kanälen regelt den

Zu- und Abfluß des Wassers in der Mekongtiefebene, besonders im

Delta, das, so groß wie das rechtsrheinische Bayern, flach und

sumpfig, fast ganz dem Reisbau gewidmet ist.

Weltreise. Erster Teil: Indien, China und Japan · 第 25 / 63 段