(356 M) _Ootacamund_, _Utakamand_, kurz _Ooty_ oder _Uti_ genannt, der

besten Sommerfrische Südindiens, 2390 m ü. M., mit 13,5° C mittlerer

Jahreswärme (Januar 11,6°, April 16,1°).

=Gasthöfe=: _Sylk's Hotel_, Inhaber G. D'Angelis & Son,

Madras.--_Rosemount Hotel._--_Shoreham House_, empfohlen, Pens. 5

Rup. im Vorfrühling.-- _Farrington_; _Fir Crove_; _Centre Hotel_.

--=Post= u. =Tel.= nahe der St. Stephanskirche und dem NO.-Ende des

Sees.-- =Wagen= (Tongas) für Ausflüge; Ponys zum Reiten.--=Bank=:

_Bank of Madras._ --=Sanatorium= ist während des Sommers im

Betrieb, dann sind auch =Ärzte= anwesend.--=Buchhandlung= und

Geschäfte für europäische Bedürfnisse; =Photograph=: _Wiele &

Kleine_.

_Ootacamund_ ist die Hauptgesundheitsstation der Präsidentschaft Madras;

im Sommer haben der Gouverneur und der Höchstkommandierende ihre

Amtssitze hier. Die Bungalows des Ortes liegen weit verstreut in einem

von Bergen umgebenen flachen Tale, der größte Teil von Ooty liegt nördl.

und nö. von dem schönen (künstlichen) See (2201 m), der 2,5 km lang ist.

Ortsvorsteher (Municipal Office), Postamt, Buchhandlung und europäische

Läden liegen nö. vom Basar der Eingebornen, etwa 1 km nördl. vom

NO.-Ende des Sees. Etwa 3 km südl. vom See liegt _Lawrence Asylum_, eine

Knabenschule mit Turm. Das Regierungsgebäude (_Government House_) liegt

etwa 1 km nö. vom Postamt; dicht dabei der prachtvolle *_Botanische

Garten_, der in einer Reihe Terrassen ansteigt und neben der indischen

auch die europäische und australische Flora berücksichtigt; Heliotrope

erreichen hier 3 m Höhe und 9 m Umfang, eine Verbena-Art wird 6 m hoch.

Am obern Hang des Talkessels ist eine Chinchonapflanzung

(Chinarindenbaum, Lieferant des Chinins); auch Tee-, Eukalyptus- und

Lorbeerpflanzungen finden sich in der Umgebung von Ooty, die sich durch

wundervollen, parkartigen Pflanzenwuchs auszeichnet.

=Ausflüge= (stets Mundvorrat mitnehmen!) mit Tonga und zu Fuß sind

sehr lohnend; der höchste Gipfel Südindiens, der 2628 m hohe

_Dodabeta_, liegt etwa 4 km östlich vom See von Ooty: oben

meteorolog. Observatorium: *Aussicht. --Um den merkwürdigen,

aussterbenden Stamm der =Todas=, der hellfarbigen, großen,

kräftigen Ureinwohner der Berge mit kühner Adlernase und fast

europäischen Gesichtszügen, kennen zu lernen, muß man ihre

Ansiedelungen, _Mands_, etwa 4 halbrunde Hütten, aufsuchen oder

ihren heiligen Mand, die pyramidenförmige Strohhütte, _Tiriri_

genannt, in der nur der Priester (_Pālāl_) mit seinem die

heilige Büffelherde bewachenden und die Butter bereitenden Diener

(_Kawilāl_) haust. Im Tiriri wird die heilige Büffelschelle

aufbewahrt, als Sinnbild der Hauptgottheit, des Hiriadewa; dieser

bringen die Priester Gebete (wobei sie den rechten Daumen auf die

Nasenspitze halten und mit den übrigen gespreizten Fingern die

Stirn berühren). Die Todas sind dem Christentum völlig

unzugänglich. Man ist jetzt geneigt, sie für einen Zweig der

drawidischen Völkergruppe zu halten, der sich hier in

abgeschiedener Bergeinsamkeit besonders rein erhalten konnte, also

das Urdrawidatum repräsentiert. Auf verschiedenen Hügeln, besonders

auf dem _Karoni Hill_, 5 km südlich von Ooty, findet man die

sonderbaren Steinkreise der Todas, _Phins_ genannt, die Reliquien,

Urnen und hübsche goldene Ornamente enthalten. Ein heiliger Ort der

Todas ist der _Murkurti Peak_ (2560 m), etwa 32 km westl. von Ooty,

wovon aber nur 13 km im Wagen zurückgelegt werden können, den Rest

muß man reiten (man nehme reichlich Lebensmittel und Jagdgewehr

mit). Der Weg folgt den Windungen des Pavakflusses bis zur Gabelung

mit dem _Paikari-(Pykara-)Fluß_; man folgt dann letzterm bis zu

seiner Quelle, die nur 2,5 km vom Gipfel liegt. Die Westseite des

Gipfels fällt schroff etwa 2000 m tief ab. (Vorsicht, da der Boden

am Rande sehr locker und unsicher ist!) Oben *Aussicht auf den

_Kundah_ (2240 m) und den _Avalanche Hill_ (2590 m). (Andre

lohnende Ausflüge nach dem _Ranga Swami_-Tempel, den Wasserfällen

auf dem _Sigur Ghat_ und bei _U-Yal-Hatti_.)

Den Rückweg von Ootacamund nimmt man am bequemsten über _Coonoor_ nach

_Madras_, s. S. 100.

=Von Ootacamund durch das Nilgirigebirge und das südliche Dekhan

über Mysore und Bangalore nach Madras;= für Jagdfreunde und

kräftige Wanderer sehr lohnend, aber anstrengend. Man miete in Ooty

einen Bullockcar (etwa 40-45 Rup.) und lasse sich vom »Transitman«,

dem Fuhrunternehmer, schriftlich die Bezahlung, auch für den

Ochsenwechsel unterwegs, quittieren, versehe sich mit reichlichen

Lebensmitteln (Konserven), Getränk und Jagdgewehr, Matratze und

Decken und fahre nur in den kühlern Morgen- und Abendstunden. Diese

Fahrt fordert von Ooty nordwärts etwa 80 km bis _Nanjangud_ 3 Tage;

etwa alle 8 km werden die Ochsen gewechselt, in elenden Dörfchen;

zwischen 10 und 4 Uhr Rast im Schatten. Die 1. Tagereise führt

durch Hochland mit Tiroler Landschaftsbildern, sodann senkt sich

die Straße am Nordabfall des Nilgirigebirges in Zickzacklinien bis

zum einsamen Bungalow von _Sigur_, wo man übernachtet.--Die 2.

Tagereise führt durch die Vorberge des Nilgirigebirges durch fast

unbewohnte Gegend; gute Jagd auf Dschungelhühner, Holztauben,

Falken, zuweilen auch auf große schwarze Adler und Eulen; ferner

auf Antilopen, Sambarhirsche, Wildschweine, Stachelschweine (sehr

wohlschmeckend!), Hasen, Steinböcke (sehr scheu!), Marder,

Schakale, zuweilen auch auf schwarze Bären und Panther. Zwischen

dem mannshohen Gras und in den Dschungeln trifft man auch nicht

selten auf Königstiger. Übernachtung im Bungalow von

_Goondloped_.--Die 3. Tagereise führt wiederum durch gutes

Jagdgebiet, abends erreicht man

=Nanjangud= (_Nandschangad_), Stadt mit sehr heiligem Tempel, wo im

März dreitägiges Wagenfest stattfindet; Endpunkt der _Madras and

Southern Mahratta Railway_; man benutze womöglich noch den Abendzug

nach

(15 M) =Mysore=, _Maisur_ (770 m; _Dâk Bungalow_; _Bahnwirtschaft_;

_Gordon Hotel_, gut; _Royal Hotel_), Hauptstadt des gleichnamigen

Staates, mit 68111 Einw., am Fuße des Chamundihügels, auf dem ein

Tempel steht, wo bis zur Zeit von Haidar Ali Menschen geopfert

wurden; auf dem Wege zum Gipfel steht ein riesiger _Nandi_

(heiliger Stier des Schiwa). Alter und neuer Palast des Radschah.

Marstall, Zoologischer Garten.

Ausflug nach =Seringapatam= (wo keine Schlafgelegenheit für

Europäer und [Hand] der großen Fiebergefahr wegen dringend vor

Übernachten dort gewarnt wird) mache man mit Wagen von Mysore.

_Seringapatam_ (_Srirangapattan_), die alte Hauptstadt des Staates

Mysore, liegt auf einer Insel des Flusses Cauvery (Kaveri), hat nur

noch 2000 Einw., zur Zeit Tippu Sahibs aber 150000. Im Mausoleum

ruhen Haidar Ali und sein Sohn Tippu Sahib. Die Stadt ist nach dem

sehr alten Tempel _Vishnu Sri Rangam_ genannt. Der Besuch der

engen, ungesunden Stadt hat geschichtliches Interesse.

Die _Madras and Southern Mahratta Railway_ führt über

(54 M) =Maddur= (_Bahnwirtschaft_), unbedeutende Stadt mit zwei

großen Wischnutempeln, _Narasinh Swami_ und _Varada Raja_. Von hier

Ausflug mit Tonga (10 Rup., 24 St., Vorausbestellung nötig) nach

den Cauvery-Wasserfällen (lohnend in der Regenzeit; elektrische

Kraftstation für das Kolargoldfeld), südlich nach (27 km)

_Malvalli_ (Dâk Bungalow), dann 20 km nach dem »See von Siva«. Die

Wasserfälle sind bei der Insel _Sivasamudram_ während der Regenzeit

eine 1 km breite Wasserfläche; Höhe der Fälle etwa 90 m.

Von Maddur fährt die Bahn in 3 St. durch welliges Gelände mit

bizarren Felsbrocken, Maisfeldern und Palmenwäldern nach

(102 M, 164 km) =Bangalore= (916 m; _City Station_ mit

Bahnwirtschaft; _West End Hotel_, 45 Z., Pens. 6-8 Rup.; _Cubbon

Hotel_, 36 Z., Pens. 5 Rup.; _Bowring Hotel_; _Cunningham Hotel_;

_Droschken_ nach Tarif; _Motorwagen_ der _Indian Cycle & General

Engineering Co._, Stafford House, und des _Motor House_, South

Parade; Bank of Madras), Hauptstadt des Vasallenstaates Mysore, mit

159046 Einw.; stark besetzte Militärstation und wichtiger

Handelsplatz für Getreide, Baumwolle und Teppiche. Bangalores

dichtbevölkerte Altstadt (_Petta_) hat enge, krumme Straßen, viele

Moscheen und Hindutempel, in einem eine berühmte Statue der Göttin

der Schönheit; südl. davon liegt das alte _Fort_ mit dem _Arsenal_,

im NO. das englische Viertel mit vielen Kirchen, der Wohnung des

britischen Residenten für Maisur, Regierungsgebäude, Central

College, Zentralgefängnis. Außerhalb der Stadt liegt der neue

_Palast des Maharadschah_ und der schöne Park _Lal Bagh_ mit

Botanischem Garten. Bedeutend ist die Teppichweberei, Anfertigung

von goldenen und silbernen Tressen, Gerberei. Die Stadt liegt im

Grünen, das aber weniger tropisch als in Madras ist; man sieht

Ahorn und Pappeln. Bangalore ist als gesunde Stadt mit angenehmem

Klima beliebter Ruhesitz für englisch-indische Pensionäre.

1) =Ausflug nach den Cauvery-Wasserfällen= mit Motorwagen von

Bangalore (s. oben) teurer, aber schneller und bequemer als von

Maddur mit Tonga (s. unter Maddur).

2) =Ausflug nach den *Gersoppa-Fällen= von Bangalore mit der Bahn

(Poona-Linie) über (131 M) _Birur_ (umsteigen; in 9 St.,

Rückfahrkarten I. Kl. 24, II. 12 Rup.) nach (169 M) =Shimoga= (_Dâk

Bungalow_), Distriktshauptstadt mit 8000 Einw., am l. Ufer der

Tunga; Manganeisengruben in der Nähe; von da mit Motorwagen (in

Bangalore vereinbaren und Platz bestellen bei der Indian Cycle etc.

Co.; 4 Personen je 38, 3 je 50, 2 je 75 Rup.; die Gesellschaft

trifft auf Bestellung auch Fürsorge für Unterkunft und Verpflegung,

Tag 10 Rup.). Der Ausflug dauert von Shimoga je einen Tag hin und

zurück mit Automobil; für Reisende mit Bullock-Tonga sind

Rasthäuser in (24 km) _Ayanur_, (48 km) _Anantpur_, (74 km)

_Sagar_, (88 km) _Talgappe_ und (104 km) *_Gersoppa-Fälle_ (auch

_Gairsoppa_ oder _Jog Falls_ genannt); die vier Wasserfälle des

_Sharasvati_-Flusses sollen zu den schönsten der Erde rechnen, der

erste (_Radschah_ genannt) fällt 240 m fast senkrecht hinab, der

zweite (_Roarer_) hat zwei Stufen, der dritte (_Rocket_) besteht

aus vielen kleinen Fällen, der vierte (_Dame Blanche_) aus einer

Reihe von Strudeln. Das Landschaftsbild mit dem Felsenbett und

Uferdschungeln ist großartig; die malerische Wirkung wechselt mit

dem Sonnenstand; Felsentauben umflattern die Fälle, Regenbogen

überspannen das Flußtal. Dicht bei den Fällen sind zwei Bungalows

für Fremde, deren Wächter auch einfache Nahrung kochen: doch nehme

man reichlich Lebensmittel und Getränk mit.

Zur Fahrt nach Madras in Bangalore City Stat. umsteigen, dann über

(145 M) _Bowringpet Junction_ (Zweigbahn [10 M] nach _Marikuppam_,

mit Goldminen des Kolargoldfeldes) nach (189 M) _Jalarpat Junction_

(Bahnwirtschaft; umsteigen in den Zug nach Madras, dann über (241

M) _Katpadi_ (Bahnwirtschaft; 6 km südl. die Tempel von _Vellore_,

an einer Zweigbahn, die auch nach _Villupuram_, S. 128, führt);

ferner über (256 M) _Ranipet_ (Stat. für die [8 km südl.]

geschichtlich interessante Stadt _Arcot_, die schon Ptolemäus

erwähnt) und über (279 M) _Arkonam_ nach (321 M) _Madras_ (S. 100).

Von Madras nach Calcutta.

=Madras and Southern Mahratta Railway= vom Zentralbahnhof in

=Madras=, Schnellzug Vm. mit durchgehenden Wagen bis (1032 M, 1661

km) =Calcutta= (Howrah Stat.) in 43 St. für I. Kl. 91, II. 44 Rup.

4 annas; Gepäcküberfracht (S. 50) pro maund 6 Rup. 4 annas. (Wegen

Änderungen des Abfahrtbahnhofs erkundige man sich vorher.)

=Geographisches.= Die Bahnfahrt längs der flachen Ostküste des

Dekhans bietet landschaftlich wenig, ist aber doch weniger

einförmig als die durch die Gangesebene. Der östliche

Küstenstreifen der vorderindischen Halbinsel ist gut angebaut; da

die natürliche Feuchtigkeit dazu vielfach nicht ausreichte, sind

zahlreiche Kanäle angelegt, die das Flußwasser überallhin

verteilen. Der Bahnbau hat zahlreiche Brücken nötig gemacht; denn

das Dekhan dacht sich nach O. hin ab, und die Zahl der in die Bai

von Bengalen mündenden Wasserläufe ist deshalb sehr groß. Meist

sind es kleinere Flüsse, die von den Ostghats, dem östl.

Randgebirge des Dekhans, herabkommen, aber dazwischen auch einige

große, nahe der Westküste der Halbinsel entspringende Ströme:

Kistna, Godavery, Mahanadi. Der größte von ihnen ist der Godavery,

150 km länger als der Rhein und mit einem Einzugsgebiet von der

Größe Preußens. Die Verkehrsbedeutung aller dieser Flüsse ist

gering. Die großen Ströme laufen in Deltas aus, die besonders

fruchtbar sind, aber von der Bahn umgangen werden müssen. Der

Küstenstrich selbst ist hafenlos, sandig, vielfach mit Dünen

besetzt, aber mit Kokos- und Palmyrapalmen bewachsen. Mehrfach sind

große Haffe entstanden, so nahe nördlich von Madras, und der

Chilkasee (S. 133). Küstenstädte von Bedeutung fehlen.

Von _Madras_ fährt man über (23 M) _Ponneri_ (Bahnwirtschaft)

nach (85 M) _Gudur_ (Bahnwirtschaft) und (110 M) _Nellore_

(Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow, gut), in dessen Hindutempel römische

Münzen aus dem 2. Jahrh. gefunden wurden, Stadt von 30000 Einw.,

am Pennar-Fluß, Missionsquartier; dann über (130 M) _Bitragunta_

(Bahnwirtschaft) und (182 M) _Ongole_ (Bahnwirtschaft) über den breiten

Kistna-(Krischna-)Fluß nach (268 M) _Bezwada Junction_ (Bahnwirtschaft;

Dâk Bungalow), Stadt mit 12000 Einw., Bahnknotenpunkt für Hyderabad

(S. 98) und Bellary; in der Nähe der Höhlentempel _Undavilli_ und der

_Amararshnaraswami-Tempel_, 1361 erbaut, und andre Sehenswürdigkeiten

für Reisende, die noch nicht tempelmüde sind.--Bei (305 M) _Ellore_

(Bahnwirtschaft), mit Teppichwebereien, ist der Vereinigungspunkt der

Kistna- und Godaverykanäle; die Bahn überschreitet später auf großer

Brücke den 3,5 km breiten _Godaveryfluß_ und erreicht gleich darauf

die alte Orissa-Königsstadt (361 M) _Rajahmundry_ (Radschamandry;

Bahnwirtschaft); etwa 40 km flußaufwärts durchbricht der Godavery die

Ostghats in landschaftlich schönen Schluchten.--Bei (392 M) _Samalkot

Junction_ führt r. eine Zweigbahn (8 M) nach der kleinen Hafenstadt

_Cocanada_ (Hotel Viktoria) mit Reede für Küstendampfer. --Der

Schnellzug fährt über (426 M) _Tuni_ (Bahnwirtschaft) nach (485 M)

_Waltair_ (Bahnwirtschaft; von hier Zweigbahn [3 km] nach dem kleinen,

geschützten Hafenplatz _Vizagapatam_ [Dâk Bungalow], mit 41000 Einw.,

in hübscher Lage).--Dann über (522 M) _Vizianagram_ (Bahnwirtschaft),

Hauptstadt eines der größten Zanindari-Staaten mit schönem Palast des

Maharadschah, und (656 M) _Berhampore_ (Bahnwirtschaft) nach (686

M) _Rambha_, am Südende des schönen _Chilkasees_, eines Haffes, an

dessen Ufern man vielerlei Wild, in der kühlen Jahreszeit viele Arten

Wasserhühner sieht.

(749 M) _Khurda Road_ (Bahnwirtsch.), Bahnknotenpunkt.

=Zweigbahn= von _Khurda Road_ nach (28 M) *=Puri Jagganath= (_Hotel

Seaside_, gelobt, 10 Z., Pens. 6 Rup., 2 Pers. 10 Rup.; _Dâk

Bungalow_), Küstenstadt von 20000 Einw., berühmt wegen des

_Krischna-Heiligtums_, zu dem im Juni, bei dem großen Wagenfeste

(_Rath Dschatra_), Hunderttausende von Pilgern aus ganz Indien

wallfahren. Am Südende der Stadt, deren Hauptstraße fast nur aus

heiligen Bauten besteht, liegt der große _Haupttempel_, der dem

Wischnu-Krischna als Dschaganath (Weltherr) geweiht ist, und dessen

Inneres nur von Hindu betreten werden darf; man besichtige den

Tempel vom Dach eines Gasthauses (für Eingeborene) gegen Trinkgeld;

drei hölzerne Blöcke mit verzerrten Gesichtern bedeuten Krischna,

seinen Bruder Balabhadra und seine Schwester Subhadra; für diese

drei Götzen sind 14 m hohe Wagen mit 16 Rädern von 2 m Durchmesser

vorhanden, auf denen sie beim Fest von den Pilgern zum Gartenhaus

gezogen werden.--Der Haupttempel ist von etwa 120 kleinen Tempeln

für alle indischen Gottheiten umgeben, die mit einer hohlen innern

und einer großen, mit vier Gopuratoren versehenen hohen äußern

Mauer umgeben sind, wovon letztere ein Quadrat von 225 m

Seitenlänge umschließt. 18 Feste werden im Tempel abgehalten, davon

ist das Wagenfest das 10. im Jahre. Vor dem östl. oder Löwentor

steht eine prächtige Säule mit Statue des Aruna. Am Strandstreifen

_Swarga Dwara_ (Himmelstor) baden die Pilger.

Die Bahn fährt von Khurda Road über (760 M) _Bhubaneswar_ (mit vielen

alten Tempeln, mehr als 500 Heiligenschreinen und Höhlentempeln in der

Umgegend) und über (778 M) _Cuttack_ (Bahnwirtsch.; Dâk Bungalow),

Hauptstadt von Orissa, am obern Ende des Mahanadideltas, dann weiter

über die Flüsse Mahanadi und Brahmani nach (850 M) _Bhadrak_

(Bahnwirtsch.), (888 M) _Balasore_ (Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow) und

(960 M) _Kharagpur_ (Bahnwirtsch.) nach (1032 M, 1661 km) =Calcutta=,

_Howrah Stat._

Calcutta.

Vgl. den beifolgenden Plan.

=Ankunft zur See.= Calcutta liegt am linken Ufer des _Hooghly_

(Hugli), des westlichsten Seitenarms des Gangesdeltas, und zwar 130

km oberhalb des Golfes von Bengalen, 83 Seem. oberhalb der

untersten Deltainsel _Saugor_ (berüchtigt wegen ihres

Tigerreichtums, es sollen hier jährlich an 2000 Eingeborne von

Tigern getötet werden). Die Einsteuerung ist besonders bei Nebel

sehr schwierig. In der Nähe des _Pilot's Ridge_-Feuerschiffs kommt

der Lotse an Bord. Große Dampfer können nur bei Hochwasser über die

Barren im Flusse einlaufen. Das Wasser ist schmutziggelb. Die Ufer

zeigen niedriges, schlammbedecktes Gebüsch, Dschungeln und

Grasflächen; den Fluß beleben Möwen, Seeschwalben, später auch

Weihen, Sumpf- und Landvögel. Etwa 34 Seem. flußaufwärts von Saugor

liegt am l. Ufer (r.) _Diamond Harbour_, das Cuxhaven Calcuttas.

Von hier führt die »Eastern Bengal State Railway« von _Diamond Head_

in etwa 2 1/2 St. nach (38 M) _Beliaghatta Stat._ in

Calcutta.--Etwa 10 Seem. oberhalb Diamond Head liegt am rechten

Ufer (l.) die uralte kleine Stadt _Tamluk_, im 5. Jahrh. ein

wichtiger Seehafen. Etwas oberhalb liegt die gefährlichste Barre,

die »James and Mary-Bank« (mit nur etwa 3 m Tiefe bei Niedrigwasser).

Weiter stromaufwärts wird der Pflanzenwuchs an den Ufern immer

üppiger; man sieht Dörfer, Pagoden und Tempel, Anlegeplätze für

Flußboote mit hohen Treppenterrassen, und hinter der scharfen

Krümmung bei _Hangman Point_ erblickt man aus 11 km Abstand die

Häuser von Calcutta. Nun erscheint l. der prächtige Botanische

Garten, r. _Garden Reach_ (A 6), die großen _Kidderpur-Docks_ (B

6), in denen die Frachtdampfer neben den Warenspeichern liegen.

Auch der Fluß dient als Hafen und ist oft mit Schiffen stark

gefüllt. Der Hafenmeister bestimmt den Liegeplatz für die Schiffe;

wenn kein Kai frei, muß man vom Strom im Boot fahren und landet am

besten am Chandpal Ghat, an der NW.-Seite vom Fort William; dort

Zollabfertigung, falls nicht schon vorher an Bord erledigt, was

meist der Fall sein wird (vgl. S. 49). Jeder Reisende erhält vom

Zollbeamten einen Paß, ohne den er sein Gepäck keinem Wagen

übergeben darf. Zollpflichtige Güter werden ins Zollamt (_Custom

House_; Pl. 4, C 3) nahe der Hooghlybrücke geschafft.

=Ankunft am Bahnhof=: Von Bombay (S. 53), Benares oder Madras (S.

100) kommend, in _Howrah Station_ (C 3) am r. Hooghlyufer, dicht

bei der Schiffbrücke; von Darjeeling oder aus Assam kommend, in

_Sealdah Station_ (E 4) an der Ostseite der Stadt, nahe Bow Bazar

Street; von Diamond Head in _Beliaghatta (Mutla) Stat._,

unmittelbar südl. von Sealdah Stat.

=Gasthöfe=: _Continental_ (Italiener F. A. Boscolo), Chowringhee

Road 9/12 am Maidan (D 4).--_Great Eastern_, Old Court House Str.

1/3 (D 4); größtes Haus, renoviert, Essen gut.-- _Grand Hotel_

(Frau Mack, österreich. Manager Mayer), Chowringhee Road, 150 Z.,

Pens. von 10 Rup. an; von Deutschen besucht.--_De Paris_, 27

Dhurrumtollah (D 4).--_Spence's Hotel_, 4 Wellesley Place (CD 4).

Pension in allen je nach Jahreszeit und Zimmer 8-20 Rup.--[Hand]

Man beachte, daß die Reisezeit von Mitte Dezember bis März

zusammenfällt mit der Heimreisezeit der in Indien ansässigen

Europäer und mit der Hauptfestzeit an Bällen, Wettrennen etc. in

Calcutta, daher sollte man beizeiten Zimmer vorausbestellen.

=Boarding Houses= gibt es viele, allerdings wenig gute; zu

empfehlen das von _Mrs. Monk_ (Middleton Row 11); _Mrs. Walter's_

(Russel Street 6-9) und _Mrs. Pell's_ (Camac Street 1). Man zahlt

meist 175 Rup. für den Monat oder 7 Rup. für den Tag Pension, doch

in der Reisezeit bis 10 Rup. und mehr, dann ist Vorausbestellung zu

empfehlen.

=Restaurant= und =Konditorei=: _Peliti_, Esplanade, East 10. --

_Bristol Hotel_, Chowringhee Road, gute Billards; weniger für

Damen.

=Post u. Tel.=: _Post Office_ (Pl. 2, C4), Ecke Dalhousie Square

und Koila Ghat Street. --_Telegraph Office_ (Pl. 3, D4), Ecke von

Dalhousie Square South und Old Court House Street.

=Wagen=: _Carriages_ (Landauer), _Einspänner_ (billig) und _Ticca

gharis_ (Droschken) nach Tarif.

=Automobile= für Tage, Wochen oder Monate stellt die _French Motor

Car & Electric Co._, Bentinck Street 55.

=Straßenbahnen=, elektrische mit vielen Linien, billig und bequem.

=Eisenbahnen=: 1) Von _Howrah Station_ (Pl. 10, C3) geht die _East

Indian Railway_ nach Benares und bis Peshawar (S. 80); nach Bombay

via Jubbulpore (S. 63) od. via Nagpur (S. 63); die _Madras and

Southern Mahratta Railway_ nach Madras und Tuticorin (S. 126).--2)

Von _Sealdah Station_ (E4) die _Eastern Bengal State Railway_ nach

Darjeeling (S. 141) und Assam (S. 140) sowie von _Beliaghatta

(Mutla) Station_ nach Diamond Head.

=Dampfer=: _Norddeutscher Lloyd_ (Agent: _Schröder, Smidt & Co._),

Old Court House Str. 6/7 (Pl. 30, D4), mit fremdem Zwischendampfer

oder Bahn bis Colombo, von da mit Reichspostdampfer nach Europa;

mit Zwischendampfer bis Singapore, von da mit Reichspostdampfer

nach Ostasien.-- _Österreichischer Lloyd_ (Agent: _R. de Calò_)

zweimal monatlich über Madras, Colombo, Bombay, Aden, Suez nach

Triest in 31 Tagen.--_Messageries Maritimes_ (Agent: _Grézoux_,

Hare Street 5-6), Zwischendampfer alle 4 Wochen über Pondichéry

nach Colombo.-- _Peninsular & Oriental Steam Nav. Co._ (Agent: _R.

A. A. Jenkins_, Strand 19) alle 14 Tage über Colombo nach Europa;

ebenso über Singapore nach Ostasien.--_British India Steam Nav.

Co._ (Agent: _Mackinnon, Mackenzie & Co._, Strand 16) wöchentlich

nach allen indischen Häfen und Colombo; dreimal wöchentlich nach

Rangoon.-- _River Steam Nav. Co._ (Agent: _Mac Neill & Co._, Clive

Ghat Street 2), Flußdampfer nach Assam etc.

=Banken=: _Deutsch-Asiatische Bank,_ 32 Dalhousie Square (Pl. 31,

C4).-- _National Bank of India Ltd._, Clive Str. Beide Korr. der

Deutschen Bank, der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere der

Allg. Deutschen Creditanstalt in Leipzig; ferner _Chartered Bank of

India, Australia and China_, Council House Street 5.--_Hongkong

and Shanghai Banking Corporation_, Dalhousie Square 31, beide mit

Zweigstellen in Hamburg.--Für Reisende besorgt auch _Cook's Office_

(s. unten) Bankgeschäfte, Kreditbriefe etc.

=Reisebureaus=: _Thos. Cook & Son_ (Pl. 3, C4), Old Court House

Street 11, gegenüber dem Telegraphenamt.

=Konsulate=: _Deutsches Reich_, Auckland Place 3 (Pl. 28, E5),

Generalkonsul _Prinz Heinrich XXXI. Reuß j. L._, Durchl.,

Vizekonsul Dr. Remy; deutsches Konsulat (Pl. 28a, CD3), Clive Row

9, Konsul Hans R. Schuler.-- _Österreich-Ungarn_, Generalkonsulat,

Theatre Road 36 (Pl. 29, E5), Generalkonsul Dr. Ferd. Freyesleben,

Vizekonsul W. R. Czerwenka.--=Deutscher Klub= (Pl. 32, D5), Elysium

Row 13, einer der schönsten im Osten. Besuch 6-8 Nm.--=Polizeiamt=

(Pl. 9, D3), Bow Bazar Street.

Weltreise. Erster Teil: Indien, China und Japan · 第 19 / 63 段