Hinter Hotgi tritt die Bahn in das Gebiet des größten Vasallenstaats

des britisch-indischen Kaiserreichs, in das Reich des Nizam von

_Hyderabad_ (11-1/2 Mill. Einw., 82000 engl. QM.; die Dynastie

regiert seit 1740), und führt durch gutbewässerte Ebenen über die

Stadt (353 M) _Gulbarga_ (Dâk Bungalow) nach (376 M) _Wadi Junction

Station_ (427 m; Bahnwirtsch.); Umsteigen in die »Nizam's State

Railway« und über (420 M) Stat. _Tandur_ (Bahnwirtsch.) nach (491

M) =Hyderabad=, _Haidarabad_ (620 m; _Bahnwirtsch._; _Montgomery

Hotel_, gegenüber dem Bahnhof, gut, Pens. 7 Rup.; _Brind's Hotel_,

Pens. 7 Rup.; wegen Hotelwagen vorher vereinbaren; _Droschken_ nach

Secunderabad I. Kl. 1 Rup. die Stunde, 9 Rup. den Tag, II. Kl.

4-1/2 Rup. den Tag), Hauptstadt des Nizam mit 499840 Einw. sehr

verschiedener Völkerschaften (Hauptsprachen: Telugu und Mahratti,

außerdem hört man Kanaresisch, Hindustani, Hindi, Marwori, Gondi u.

a.) und dem buntesten *_Straßenleben_ von malerischstem Reiz, mit

beachtenswerten *_Basaren_ (_Bidriwork_, d. h. Silbereinlegearbeit

aus Bidri). Die Bevölkerung trägt noch Waffen. Die Stadt liegt am

Musi-Flusse zwischen Gärten und ist mit einer bastionierten Mauer

umgeben. Im Herbst 1908 wurde die Stadt durch Überschwemmung des

Flusses infolge von Dammbrüchen der oberhalb gelegenen Stauseen schwer

geschädigt. Baumwoll- und Papierfabrikation bedeutend. _Bank of Bengal_

(Korrespondent der Berliner Disconto-Gesellschaft).--_=Rundfahrt.=_

Zum Besuche der Sehenswürdigkeiten in Hyderabad und Golkonda hole man

(vor der Rundfahrt morgens im gewöhnlichen Anzug) bei der Palastwache

am Palast des Nizam einen Erlaubnisschein der Adjutantur Sr. Hoheit

des Nizam; der Besuch gilt dem Flügeladjutanten (Empfehlungen sind

wertvoll); gewöhnlich schickt der Adjutant den Paß durch einen

Soldaten; man kann auch durch die Hotels Erlaubnisscheine auswirken.

Die englische _Residency_ liegt außerhalb der Stadtmauern in _Chadar

Ghat_; zwischen ihr und der Stadt ist eine 180 m lange Granitbrücke,

die _Oliphant Bridge_. Man kreuze den Fluß über die nächste nach W.,

die _Afzal Ganj Bridge_, dann gelangt man durch das _Afzal Ganj Gate_

in eine breite Straße, die fast durch die ganze Stadt führt. In der

Nähe des Tores liegt die _Afzal Ganj-Moschee_ mit vier Minarets neben

dem städtischen Hospital; etwa 100 m innerhalb des Tores ist der

Palast des berühmten Ministers Sir _Salar Jang Bahadur_ (gest. 1883),

der dem Lande viel genützt hat.--Weiter in der Hauptstraße trifft

man an einer Straßenkreuzung, wo jede Straße mit einem 15 m hohen

Bogen überwölbt ist, auf den _Char Minar_, eine alte Gelehrtenschule

mit vier schlanken Minarets, 1591 erbaut.--Östl. davon liegt die

_Mecca-Moschee_, groß und finster, mit vier Minarets und sechs

Bogen.--Der _Nizam's Palast_ liegt westl. vom Char Minar; er ist

modern eingerichtet und reichlich mit unzugänglichen, durch sechsfache

konzentrische Einfriedigung von der Stadt getrennten Harems versehen,

und noch reichlicher mit Dienerschaft. Man besuche den Elefantenhof,

wo meist etwa 60 Elefanten angefesselt stehen. Am 5. Muharreni (erster

Monat des mohammedanischen Jahres) findet der _Langar_, ein Umzug der

gesamten Truppen des Nizam um den Palast, statt (der Nizam und gegen

100000 Einw. der Hauptstadt sind Mohammedaner). --Sehenswerter ist

der _Felikan-Palast_ (_Falak Numa_), 1 km südl. von der Stadt, mit

reizendem Terrassengarten, auf einem Hügel mit *Aussicht; es ist ein

moderner Prunkbau zur Aufnahme fürstlicher Besucher (im Innern ein Saal

mit Lachspiegeln).--_Öffentlicher Garten_ mit kleinem Zoologischen

Garten (Fr. Abend Konzert).

10 km nördl. von Hyderabad (Bahn dahin) liegt =Secunderabad=,

_Sikanderabad_ (_Montgomery Hotel_, sehr gut, Pens. 7 Rup.; _Brind's

Parade Hotel_; _Wagen_ 10 Rup. für 1 Tag, nach Golkonda und zurück 12

Rup.), das stärkste Militärlager der Engländer im mittlern Indien,

weitläufig auf 50 qkm angelegt; mehrere Kantonnements sind in der Nähe

in _Bolaram_ und _Trimalgiri_ (mit befestigtem Rückzugslager). Hier

stehen etwa 10000 Mann englische Truppen. Der _Parade Ground_ liegt

südl. vom Bahnhof.

=Ausflug= nach =Golkonda=, 11 km nw. von Hyderabad. (Man besorge

sich vorher Erlaubnisschein, s. oben.) Von Secunderabad 1-1/2 St.

Wagenfahrt durch eine Gegend voller einzelner, oft seltsam

geformter Granitblöcke. Ein Granithügel trägt das alte

_Königsschloß von Golkonda_, durch eine 4850 m lange Mauer mit über

80 Basteien aus Granitblöcken und 2, früher 8 Toren, von breitem

Graben umschlossen. Im Granittor prüft die Wache den

Erlaubnisschein, dann führt eine steile, zum Teil zerfallene Treppe

zwischen Ruinen von Palästen und Moscheen zum 130 m hohen Gipfel,

auf dem der Königspalast mit flachem Dach (Aussicht) liegt.--In der

Ebene nördl. und östl. vom Schloß liegen 18 gut erhaltene,

granitene Mausoleen der Kutab Shahi-Dynastie mit stattlichen

Kuppeln; eins der höchsten ist das der Sultanin _Haiyat Baksh

Begum_ (gest. 1617). Schöner ist das Grab ihres Mannes, des Sultans

_Muhammad Kuli Kutab Shah_ (gest. 1612).

Von Hyderabad Rückfahrt mit »Nizam's State Railway« nach (121 M) _Wadi_

(S. 98), dort umsteigen in den Madraszug der »Great Indian Peninsula

Railway«. Man fährt dann durch eine weite Ebene mit Granitblöcken über

(385 M von Bombay) _Nalwar_ und auf 1170 m langer Brücke über den Fluß

_Kistna_, südl. von (427 M) _Krishna_, nach (443 M) _Raichur_ (400 m;

Bahnwirtsch., Dâk Bungalow), Stadt aus dem 14. Jahrh., mit sehenswertem

Nord- und Westtor; von der hohen Zitadelle *Aussicht. Hier beginnt

die »Madras Railway«; sie führt über (486 M) Stat. _Adoni_, uralte Stadt

aus dem 10. Jahrh. v. Chr., mit dem größten Baumwollenmarkt im Dekhan,

und über den wichtigen Bahnknotenpunkt (518 M) _Guntakal_

(Bahnwirtschaft), dann vorbei an der Hügelfestung südl. (r.) von (536 M)

_Gooty_ (Bahnwirtschaft), ferner über die Stationen (566 M) _Tadpatri_

und (632 M) _Cuddapah_ (beide mit Bahnwirtschaft) nach

(710 M) _Renigunta_ (im Bahnhof Wirtschaft und Schlafzimmer, vorher

brieflich beim Station-Master anzumelden!).

=Kleinbahn= von Renigunta nach (13 km) =Tirupati= (Dâk Bungalow),

Stadt mit 14000 Einw., stets mit Pilgern gefüllt. Etwa 13 km vom

Bahnhof steht auf dem siebengipfeligen heiligen Hügel _Tirumala_

(760 m) eine sehr alte _Pagode_ (die heiligste Hügelpagode in

Südindien). Der Aufstieg ist schwierig. Der Nordaufstieg führt vom

Dorfe _Balapilli_ durch dicke Dschungeln und über Hügel, wo Tiger

und Panther vorkommen sollen. Auf dem 7. Gipfel, _Sri

Venkataramanachellam_, erhebt sich die Pagode zwischen Mango-,

Tamarinden- und Sandelholzbäumen (Eintritt ist für Europäer nicht

erlaubt). Hier auch ein Bungalow für europäische Besucher.

Von Renigunta führt die »Madras Railway« über den Knotenpunkt (751 M)

_Arkonam_ (Bahnwirtschaft) nach (793 M, 1278 km) _Madras_.

Madras.

Vgl. den Plan S. 101.

=Ankunft zur See.= Der auch beim besten Wetter stark brandende

flache Strand ist eingefaßt mit europäischen Häusern, die sich vom

Grün der Gummibäume, Bananen, Palmen, Banyanbäume malerisch

abheben. Die Dampfer ankern im Hafen; die Landung geschieht in

flachen Booten, sogen. Masulas; Taxe 2-1/2 Rup., für Jollen 1 Rup.

Die Boote landen an der Landungsbrücke. Hafengeld für Gepäck 1 Rup.

pro Tonne, mindestens 4 annas, Tragelohn für jeden Kuli 2-4 annas.

Zollabfertigung im Zollamt am Hafen.

=Ankunft am Bahnhof.= Von _Colombo_ über Tuticorin kommend, steigt

man am Hauptbahnhof der _South Indian Railway_, _Egmore Stat._,

aus, Bahnwirtschaft; von _Bombay_ kommend, steigt man an der

_Central Station_ der _Madras and Southern Mahratta Railway_ aus;

beide Bahnhöfe liegen 1,5 km voneinander. Von _Calcutta_ Ankunft

auf der _Central Station_.

=Gasthöfe=: _Hôtel d'Angelis_, Mount Road; 40 Z., Pens. 10 Rup.,

gut, neu eingerichtet, beste Küche.--_South Indian Railway Hotel_,

mit dem Bahnhof verbunden; 80 Z.--_Spencer's Hotel_, Mount Road;

Pens. 10 Rup.-- _Connemara_, mäßig.--_Prince of Wales_, Pens. 6

Rup., in guter Lage dicht an der Mount Road.--_Victoria_, Pens. 6

Rup.--_Elphinstone Hotel._--_Elphinstone Branch Hotel_ (Egmore) u.

v. a.-- NB. Die Häuser am Hafen in der »George Town« sind nicht zu

empfehlen! Tägl. Pens. 5-10 Rup.--=Restaurant=: _D'Angelis_, Mount

Road, gute Küche, auch Zimmer.

=Post.= Hauptamt (_General Post Office_) in George Town, nahe dem

Hafen; ein andres Amt etwa 1/2 km westl. vom Connemara Hotel. NB.

Man gebe Briefe eigenhändig am Postamt auf. --=Wagen.= Wegen der

großen Entfernungen auch innerhalb der Stadt miete man für den

ganzen Tag.-- =Straßenbahnen= (elektrische) zwischen den Vorstädten

und den Hauptpunkten der alten Stadt.

=Eisenbahnen=: _South Indian Railway_ (Egmore Station) nach

Tuticorin (und Colombo); _Madras and Southern Mahratta Railway_

(Central Station u. a.) nach Bangalore, Goa, Poona, Hyderabad,

Bombay (S. 100-96); nach Calcutta (S. 135).

=Dampfer=: _Österreichischer Lloyd_, monatl. nach Colombo und

Calcutta; Agentur: Volkart Brothers; auch für _Messageries

Maritimes_;--nach Colombo und Calcutta: _British India Steam Nav.

Co._, wöchentl., Agentur: Binny & Co.; nach Rangoon und Singapore

dieselbe wöchentl.;--nach Penang und Singapore: _British India

Steam Nav. Co._ alle 14 Tage.--Agent des Norddeutschen Lloyd: _Carl

Simon Söhne_.

[Illustration: Lageplan von Madras.]

=Banken=: _National Bank of India Ltd._, I. Line Beach, Korr. der

Deutschen Bank und der Allgemeinen Deutschen Creditanstalt in

Leipzig.--_Chartered Bank of India, Australia & China_,

Esplanade.--_Mercantile Bank of India Ltd._, Armenian Street. Alle

drei Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft.-- =Reisebureau=:

_Binny & Co._--=Konsulate=: _Deutsches Reich_, Konsul M.

Miersch.--_Österreich-Ungarn_, Konsul E. Steiner.--=Polizei=:

_Egmore Police Court_, Pantheon Road.

=Ärzte=: Dr. _Niblock_; Dr. _Giffard_; Dr.

_Robertson_.--=Zahnärzte=: _Badcock_; _P. Furnival_.--=Apotheken=:

_Smith & Co._, Mount Road und Esplanade; _Maclure_, Mount Road, u.

a.--=Krankenhaus=: _General Hospital_, nahe Central Station.

=Buchhandlungen=: _Higgenbotham & Co._; _Combridge & Co._, beide

Mount Road.--=Photographien=: _Wiele & Klein_; _Del Tufo_, beide

Mount Road.

=Geschäftsadressen=: Optiker: _W. E. Smith & Co._; _Lawrence &

Mayo_, beide Mount Road.--Kleidermacher: _Moses & Co._; _Smith &

André_; _Oakes & Co._, sämtlich Mount Road.--Reiseartikel: _Spencer

& Co_.--Juweliere: _Orr & Sons_; _T. R. Tawker & Sons_, beide Mount

Road.--=Zeitungen=: _Madras Mail_; _Madras Times_; _Hindu_; _Madras

Standard_.

=Zeiteinteilung.= Für die Stadt Madras, Museum, Botanischer Garten

und Marina genügt 1-1-1/2 Tag. Madras ist aber ein guter Platz, um

die südindischen Tempelanlagen in Trivalur, Conjeeveram,

Mahabalipuram, Tanjore (S. 127) sowie die Nilgiri-Berge (S. 128) zu

besuchen.

=Geschichte.= Fort St. George in Madras wurde 1639 von den

Engländern erbaut; die Agentur der Englisch-Ostindischen Kompanie

wurde 1653 Präsidentschaft; die Stadt hatte Anfang des 18. Jahrh.

schon etwa 300000 Einw., wurde 1746 von La Bourdonnais erobert,

fiel aber im Aachener Frieden 1748 wieder an England zurück. In den

Kriegen gegen Haidar Ali wurde Madras hart bedrängt, entwickelte

sich später aber zur dritten Handelsstadt Ostindiens.

=Klima.= Im Sommer heiß und trocken, aber ungefährlich, im Winter

gesund. März bis Oktober, wo der SW.-Monsun weht, sind heiß und

trocken, Regenzeit im NO.-Monsun, Oktober bis Dezember. Das

Einsetzen des NO.-Monsuns Mitte Oktober ist meist von heftigen

Stürmen begleitet. Heißeste Monate sind Mai und Juni

(Mitteltemperatur etwa 31,5° C), kühlste (aber nicht kalt) Dezember

bis Februar (Mitteltemperatur etwa 24,3° C). [Hand] _Man trinke

kein Leitungswasser, sondern nur Sodawasser!_

=Madras= (_Madrissa_, d. h. Hochschule, oder _Mandar-raj_, von den

Eingebornen _Chennapatnam_ genannt), Hauptstadt der _Presidency

of Madras_ (_of Fort St. George_), wichtigster Platz an der

Koromandelküste und drittgrößte Seestadt Indiens, hat 517335 Einw.

und ist Sitz des Gouverneurs. Die Stadt zieht sich 15 km am flachen

Strande hin und ist mit den Vorstädten 6 km breit. In der Mitte

des Strandes liegt das alte _Fort St. George_ (auch _White Town_

genannt), worin das _Grand Arsenal_ mit historischer Waffensammlung,

ferner die Kasernen der europäischen Truppen, die _St. Mary's Church_

und die Regierungsgebäude. Die _Esplanade_ trennt das Fort von der

_George Town_, dem Eingebornenviertel und Geschäftsviertel mit

engen, schmutzigen Straßen; davor am Strande liegt der durch zwei

Wellenbrecher gebildete Hafen mit Zollamt, Hafenamt, Postamt, Bank of

Madras, Geschäfts- und Warenhäusern. Auch größere Schiffe können jetzt

nach Umbau des Hafens in diesem ankern.--Südl. vom Fort zieht längs des

Strandes die Hauptpromenade, _The Marina_, hin, die auf der _Napier's

Bridge_ über den _Cooum-Fluß_ führt; hinter der Marina liegt etwa 1 km

sw. vom Fort das _Government House_ (Palast des Gouverneurs) mit Park

und südl. davon der _Chepauk Park_, mit dem alten Palast der Nabob

von Karnatik, jetzt _Board of Revenue_.--Westl. vom Fort liegen das

_Pacheappah's College_, eine Stiftung des reichen Hindu _Pacheappah

Mudelliar_, ferner das _General Hospital_.--Westl. von der _Central

Railway Station_ ist der schöne öffentliche _People's Park_, ein

Volkspark mit Musikpavillon, Tennisplätzen und Tierkäfigen.--Vom

Government House führt die 11 km lange _Mount Road_, die Hauptstraße

für europäische Geschäfte, sw. nach _St. George Cathedral_, neben der

der kleine, aber schöne *_Botanische Garten_ liegt, und weiter nach

_Little Mount_, wo der heilige Thomas den Märtyrertod erlitten haben

soll, und schließlich nach dem etwas größern Hügel _St. Thomas Mount_

oder _Great Mount_, auf dessen etwa 90 m hohem Gipfel eine alte, jetzt

armenische _Kirche_ (1547 von Portugiesen erbaut) steht; in ihr ein

1111 Jahre altes nestorianisches Kreuz mit Inschrift von 801.--In der

katholischen _Kathedrale St. Thomé_ am Südende der Marina sollen die

Gebeine des heiligen Thomas ruhen.--In der _Pantheon Road_ liegt das

_Museum_, daneben das _Victoria Technical Institute_ (s. unten); 1,5 km

westl. davon das 1792 gegründete _Madras Observatory_ (Sternwarte), wo

der Nullpunkt der trigonometrischen Aufnahme Indiens ist, und wo die

_Standard Time_ (die indische Ortszeit) bestimmt wird.

_=Rundfahrt=_. Morgens zunächst durch das _Fort St. George_, dessen

Waffensammlung im Grand Arsenal nur für Kenner Interesse bietet, über

die _Esplanade_ nach dem Hafen (sehenswerte Landungsbrücke), von da nach

dem _People's Park_, wo man die Tigerkäfige und Markthalle besichtigt.

Dann nach der _Pantheon Road_ zum *=Government Central Museum=, tägl.

geöffnet 6-1/2 Uhr früh bis 5 Uhr abds. (der erste So.-Nm. im Monat nur

für eingeborne Frauen!); es enthält unter anderm eine gute Sammlung von

Rohstoffen und fertigen Erzeugnissen des Chinin sowie von südindischen

Pflanzenfarbstoffen; ferner südindische ethnographische Altertümer;

große Sammlung von Gipsmasken indischer Rassen und naturhistorische

Sammlung. Dann in das *=Victoria Technical Institute=, einen schönen

mohammedanischen Bau, tägl. geöffnet von 7-1/2 früh bis 6 Uhr abds.

(außer Di.), staatliche Verkaufsstätte für alle Kunstprodukte

Südindiens, auch für gute und preiswerte Antiquitäten. Dann durch

_Harris Road_ und über _Harris Bridge_ zur _Mount Road_, an deren Ecke

in prächtigem Park (mit Rudeln halbzahmer Gazellenantilopen) das

_Government House_ liegt; nun sw. durch den mit europäischen Geschäften

besetzten Teil der Mount Road, vorbei an der Statue des Generals _Neil_

vor dem Eingang zum Klub, an der _St. George Cathedral_ (l.) vorüber zum

*=Botanischen Garten=, neben der Kathedrale, nicht sehr groß, aber recht

geschmackvoll angelegt, mit von Schlingpflanzen umrankten Lusthäuschen

und schilfumsponnenen Teichen, auf denen prächtige Lotos und Victoria

Regia blühen. Viele seltene Prachtbäume, Hibiscus tiliaceus, Pompelmus,

Teakbaum u. v. a.--Wenn Zeit vorhanden, fahre man über _Little Mount_

bis _Great Mount_ (s. oben) und durch den Ort _Mailapur_ (_St. Thomé_),

mit vielen indischen Tempeln und nur von Brahmanenpriestern und ihren

Familien bewohnt, richte sich aber so ein, daß man vor 1/2-5 Uhr Nm. bei

der _St. Thomé Cathedral_ am Strand ist, um von da nordwärts auf die

zwischen 5 und 6 Uhr abds. belebte Promenade am Meer, die *_Marina_, zu

fahren und dabei auch den an Gazellen reichen _Chepauk Park_ zu

besichtigen. Man kann auch vom Botanischen Garten direkt durch die

Cathedral Road nach der Marina gelangen. An der Marina liegt auch ein

kleines, aber sehenswertes _Aquarium_ mit farbenprächtigen und

merkwürdigen Fischen.

=Ausflüge= (alle landschaftlich wenig lohnend, aber zu

interessanten Kunstdenkmälern führend): 1) Nach =Trivalur=

(_Trivellore_) mit »Madras and Southern Mahratta Railway« (26 M in

1-1/2 St.) zum Besuch einer großen _Tempelanlage_ mit 5 äußern und

2 innern Gopuras, einer unvollendeten 1000-Säulenhalle (688 stehen

noch) und vielen sehenswerten Heiligtümern.

2) Nach =Conjeeveram= (das südindische Benares) mit derselben

Bahnlinie (in 3 St. über _Arkonam_), eine der 7 heiligen Städte,

mit 40000 Einw.; 3 km vom Bahnhof liegt der _Ekambarah Swami_

geweihte große _Saiva-Tempel_, an dessen Südseite eine 57 m hohe

zehnstöckige Gopura, durch die man eintritt; innen l. eine

1000-Säulenhalle (nur noch 540). Außerhalb der Umfassungsmauer nach

O. ist ein hoher kunstvoller Wagen mit schweren Holzrädern. In das

Allerheiligste (_Vimanah_) darf kein Europäer, kann sich aber an

den Naúch-Tänzerinnen in nächster Nähe ergötzen. Etwa 3 km weiter

liegt der _Wischnutempel_ in _Little Conjeeveram_, in dem man die

kostbarsten Geschmeide und mit Edelsteinen besetzte Goldketten der

Statuen der Gottheiten besichtigen kann. (Wer Madura und

Trichinopoly gesehen, kann sich diese beiden Ausflüge sparen.)

3) Nach *=Mahabalipuram=, sehr lohnend; man lasse durch den

Hotelbesitzer die Fahrt sowie Ausrüstung mit Lebensmitteln gut

vorbereiten. _Mahabalipuram_ (guter Dâk Bungalow) liegt am

Meeresstrande, etwa 56 km südl. von Madras. Man fährt (NB. mit gut

gefülltem Frühstückskorb!) zunächst mit Wagen bis (9 km) _Guindy

Bridge_, nahe Little Mount; von dort fährt man in Booten (jedes

Boot etwa 10 Rup., trägt 2 Reisende ohne Diener) auf dem

_Buckingham Canal_ 12-14 St., am besten nachts, bis gegenüber vom

Dorfe _Balipitham_. Man kann auch von Madras (Egmore Station) mit

der _South Indian Railway_ nach (35 M) _Chingleput_ (guter Dâk

Bungalow) fahren, vorher den Station-Master benachrichtigen, der

das Nötige bestellt; man fährt von Chingleput mit Tonga (2-1/2

Rup.) über _Tirukalikundrum_ zum Kanal und von da mit Boot weiter.

Man steigt an der Ostseite des Kanals aus, wo sich aus dem flachen

Strandgürtel ein niedriger Rücken Gneisfelsen erhebt. Dort liegen,

aus dem Stein gehauen, die berühmten *=Sieben Pagoden= (_Seven

Pagodas_), teils sehr alte Nischentempel, reich mit Skulpturen

geschmückt, dann auch freistehende Pagoden und kolossale

Skulpturmonumente (Elefanten, Affen und andre Tiere). Hier ist die

ganze Brahminenlehre in Stein dargestellt, zum Teil in weit über

ein Jahrtausend alten Denkmälern. Die ganze Anlage war eine uralte

Brahminen-Freistätte, wie sie (nach _W. Gallenkamp_) rätselhafter

und weniger bekannt nirgends in Indien anzutreffen ist.

Bootsrückfahrt am besten wieder nachts, wobei man sich gegen

Moskitos mit Netz und Rauch schütze.

4) Nach =Ootacamund= (sehr lohnend), s. S. 128.

5. Aus Europa durch den Suezkanal nach Colombo.

Die Insel Ceylon.

Vgl. die Karte S. 107.

A. Von Genua oder Neapel nach Colombo.

=Reichspostdampfer des Norddeutschen Lloyd= (abwechselnd von

_Bremerhaven_ oder _Hamburg_ ausgehend, über Rotterdam, Antwerpen,

Southampton, Gibraltar in 14 Tagen nach Genua) gehen jeden zweiten

Do. von =Genua= (_Lloyd-Expreß_, s. S. 9), dann über (336 Seem.)

_Neapel_, (1446 Seem.) _Port Saïd_ und den _Suezkanal_ in 17 Tagen

(von Neapel) nach (4934 Seem.)

=Colombo= (Ankunft So. oder Sa.). Die Schiffe gehen weiter nach

_Singapore_, _Hongkong_, _Schanghai_, _Nagasaki_ oder _Tsingtau_,

_Kobe_ und _Yokohama_. Fahrpreis von _Bremen_ oder _Hamburg_ nach

_Colombo_ I. Kl. 1170 M., II. 765, III. 405 M. (hin und zurück I.

Kl. 1760 M., II. 1145, III. 605 M.); von _Genua_ oder _Neapel_ I.

Kl. 1080 M., II. 720, III. 360 M. (hin und zurück I. Kl. 1625 M.,

II. 1080, III. 540 M.; Näheres s. neuestes Handbuch der

Reichspostdampferlinien des Norddeutschen Lloyd, erscheint zweimal

jährlich).

Die Reichspostdampfer laufen von _Neapel_ (S. 23) in 4 Tagen nach (1110

Seem. von Neapel) _Port Saïd_ (S. 25), dann durch den _Suezkanal_ über

(1197 Seem.) _Suez_ und durch das _Rote Meer_, wie S. 31 u. 36

beschrieben, nach (2505 Seem.) _Aden_ (S. 38); von da mit östl. Kurs

durch den Golf von Aden; die Reichspostdampfer nehmen dann den stets

sichern Weg nördl. um die Insel _Sokotra_ (S. 41), die nicht immer in

Sicht kommt (sie hat keine Leuchtfeuer), während einzelne andre Dampfer

_Kap Guardafui_ (Râs Assir), dessen Abhänge von O. gesehen einem

schlafenden Löwen gleichen, ansteuern und dann südl. von den kleinen

Inseln und Sokotra auf die Südspitze Vorderindiens, _Kap Comorin_,

zusteuern. Die Reichspostdampfer laufen mit OSO.-Kurs meist durch den

_Neungrad-Kanal_ nahe nördl. an der Koralleninsel _Minikoi_ vorbei,

deren Leuchtturm eine gute Landmarke ist; oder auch durch den

_Achtgrad-Kanal_ südl. von Minikoi (vgl. die Karte bei S. 96). Nachts

sind nahe über dem südl. Horizont die schönen Sternbilder des Südlichen

Kreuzes sowie des Schiffs zu sehen. Dann südl. vom _Kap Comorin_

entlang. Bei der Annäherung an Colombo begegnet man zuweilen schon den

einfachen Fischerbooten mit viereckigen Segeln und Ausliegern, ehe die

schönen Berglinien der Küste von Ceylon auftauchen; später sieht man

dunkleres Vorland. Die große Hafenstadt erkennt man früher an den vielen

Schiffsmasten und Schornsteinen als an den Häusern, die größtenteils

zwischen üppigem Pflanzenwuchs (namentlich Kokospalmen) verborgen

liegen. Der hohe Leuchtturm und der Palast des Gouverneurs südl. davon

sind deutlich zu erkennen. Charakteristisch ist schon von weitem der

2241 m hohe Adamspik östl. von Colombo.--(4934 Seem. von Genua, 7570

Seem. von Bremerhaven) _Colombo_; Ankunft s. S. 110.

B. Von Marseille nach Colombo.

=Messageries Maritimes=, jeden 2. So. von _Marseille_ (S. 24) über

(1510 Seem.) _Port Saïd_ und (1597 Seem.) _Suez_, abwechselnd über

(2881 Seem.) _Djibouti_ (S. 36) oder über _Aden_ nach (5098 Seem.)

_Colombo_ in 16 Tagen. Über auswechselbare Rückfahrkarten mit dem

Österreichischen Lloyd s. S. 22. (Die Dampfer gehen weiter nach

_Singapore_, _Hongkong_, _Schanghai_, _Yokohama_.)

=Peninsular and Oriental Co.=, von _Marseille_ jeden 2. Fr. über

_Port Saïd_ und _Aden_ nach _Colombo_ in 15 (von Brindisi in 13)

Tagen; Fahrpreis ab Brindisi I. Kl. 48 £. (Die Schiffe gehen weiter

nach Australien.)

=Orient Line= jeden zweiten Do. von _Marseille_ über _Neapel_,

_Port Saïd_, _Suez_ nach _Colombo_ in 17 Tagen. Fahrpreis ab Neapel

I. Kl. 34-48 £ (weiter nach Australien).

C. Von Brindisi nach Colombo.

=Expreßdampfer der Peninsular and Oriental Co.= (vgl. S. 23) haben in

_Port Saïd_ Anschluß an die von Marseille (s. oben B.) kommenden Dampfer

derselben Gesellschaft, mit denen _Colombo_ in 13 Tagen erreicht wird.

D. Von Triest nach Colombo.

=Österreichischer Lloyd= (vgl. S. 22), am 12. und 25. jedes Monats über

(1305 Seem.) _Port Saïd_, _Suez_ (2700 Seem.), _Aden_, dann abwechselnd

über _Karachi_ oder _Bombay_ in etwa 30 Tagen nach _Colombo_. Fahrpreis:

Salonklasse 36 oder 32 £, Intermediate Kl. 26 £. Umtauschbare

Rückfahrkarten mit den Messageries Maritimes (S. 22) mit 24 Monaten

Gültigkeit.--Diese Lloyddampfer gehen weiter abwechselnd über _Madras_,

_Rangoon_ nach _Calcutta_ oder über _Penang_, _Singapore_ nach

_Hongkong_, _Schanghai_, _Yokohama_, _Kobe_.

Die Insel Ceylon.

=Ceylon= (im Sanskrit _Singhala_ [»Löwenwohnort«], bei den Eingebornen

_Lankadiva_, arabisch _Serendib_), britische Insel im Indischen Ozean,

an der Südspitze von Vorderindien, von dem sie durch den _Golf von

Manár_ und die 93 km breite _Palkstraße_ getrennt wird, ist von N. nach

S. 445 km (München-Magdeburg) lang, bis 235 km (Ulm-Passau = 250 km)

breit und 66000 qkm (Bayern 76000 qkm) groß. Ceylon besteht in seinem

südl. Hochland aus denselben alten Gesteinen wie das Dekhan und bildete

wohl, bevor das dazwischenliegende Landstück in die Tiefe sank, einen

Teil des Kontinents, nach dem jetzt wieder im NW. der Insel die sogen.

_Adamsbrücke_ (S. 124), ein junges Gebilde aus verkittetem Meeressand,

hinzieht. Fast das ganze nördliche Drittel der Insel ist eine prächtig

bewaldete Ebene; ein breiter Gürtel von Tiefland umgibt auch das

Bergland des südl. Teils, das im Durchschnitt 650 m hoch ist. Auf der

innern Hochebene _Nuwara Elya_ erheben sich zahlreiche Einzelgipfel,

darunter der 2241 m hohe _Adam's Peak_ (S. 121), der _Pedrotallagalla_

(2538 m), der _Kirigalpolla_ (2387 m), der _Totapolla_ (2353 m).

Zwischen den Bergen dehnen sich schöne und fruchtbare Täler aus. Die

Nordküste und die mit Kokospalmen bedeckte Westküste sind flach, die

Süd- und Ostküste steil und felsig; hier bietet der vorzügliche Hafen von

_Trincomalí_ Raum und Schutz für die größte Flotte. Die Flüsse sind nur

zur Regenzeit wasserreich, der bedeutendste ist der _Mahawelli Ganga_,

330 km lang und zur Hälfte schiffbar. Ceylon besteht in seiner

Hauptmasse aus archäischen Gesteinen, nur in den ausgedehnten flachen

Landstrichen im N. herrschen junge quartäre Bildungen (Meeressand,

Madreporenkalk etc.) vor. Berühmt sind die Lager von Edelsteinen

(Saphir, Rubin, Zirkon, Spinell, Granat, Turmalin, Katzenaugen etc.),

die aus den alten Gesteinen des Berglandes ausgewaschen sind und nun im

Schwemmlande der Flüsse gefunden werden. --Die _=Bevölkerung=_ beträgt

(1911) 4,1 Mill. Seelen, darunter 2,7 Mill. Singhalesen und 1 Mill.

Tamulen. Daneben zählte man 1904 224719 Mauren (d. h. Indo-Araber),

23312 Eurasier oder Burghers (Mischlinge von Europäern und

Singhalesinnen), 11207 Malaien, 9583 Europäer und 21115 Araber, Afghanen

etc., dazu wenige Tausend Weddas (S. 108). Die Herkunft der

_Singhalesen_ ist noch ganz unsicher; meist nimmt man an, daß sie

arischen Ursprungs, also Verwandte der Hindu und unter Umgehung der ganz

Südindien erfüllenden Drawida (Tamulen) auf dem Seewege von

Nordwestindien her nach der Insel gekommen seien.

[Illustration: Karte von Ceylon.]

Weltreise. Erster Teil: Indien, China und Japan · 第 15 / 63 段