sehr lohnend, es ist das schönste und mannigfaltigste seiner Art in
Indien), aus rotem Sandstein etwa 1568 von Akbar begonnen, von seinem
Sohn Jahangir fortgesetzt (die meisten Bauten stammen vom Schah Jahan,
dem kunstsinnigen Enkel des großen Kaisers), berührt mit dem Nordturm
das rechte Jumna-Ufer; seine Mauern sind fast 21 m hoch; sein »Water
Gate« (Pl. 2) ist geschlossen, Haupteingang von NW. durch das _Delhi
Gate_ (Pl. 1); außerdem am Südende das _Amar Singh Gate_ (Pl. 3).
Innerhalb des Delhi Gate ist noch ein zweites Tor, _Elephant Gate_ oder
_Hathi Pol_. Geradeaus geht man über den Mina-Basar zur *_Perlmoschee_
(_Moti Masjid_, Pl. 4), der schönste weiße Marmorbau mit drei Kuppeln
und prächtiger Vorhalle, in deren Mitte ein Marmorbecken.--R. von
der Moschee der große Zeughausplatz, vor dessen Ostseite die große
öffentliche Audienzhalle _Diwan-i-Am_ (Pl. 5), mit Thronstufen in der
Mitte. Einige Stufen führen nun in den großen =Palast Schah Jahans=
(Pl. 6), der aus vielen prächtigen Einzelbauten von weißem Marmor
besteht; zunächst vorbei am _Machhi Bhawan_ zur kleinen dreikuppeligen
»Edelsteinmoschee« (_Naginah Masjid_), für die Königinnen bestimmt;
darunter lag ein Basar, wo die Hofdamen Einkäufe machten. Oberhalb nach
dem Fluß auf offener Terrasse ein schwarzer Thron; südl. davon die
Hausmoschee des Kaisers (_Mina Masjid_) und weiterhin die wunderbar
schöne Privataudienzhalle _Diwan-i-Khas_ mit Ausblick auf den Fluß und
die Gärten (1637 erbaut). Im kleinsten Marmorsaal wurde der von seinem
Sohn Aurangzeb entthronte Jahan 7 Jahre gefangen gehalten, gepflegt
von seiner Tochter Jahanara; Jahan starb im kleinen Pavillon (mit
schönen Fenstern), die Augen nach dem Taj Mahal (s. unten) gerichtet.
Eine Treppe führt zum _Saman Burj_, eigentlich _Jesamine (Yâsmin)
Burj_ (Jasminturm, Wohnung der Favoritsultanin), mit Springbrunnen
in einem schönen Pavillon; südl. daneben der »Goldene Pavillon« mit
vergoldetem Dach und Frauengemächern; westl. von diesen Pavillons
lagen die Marmorbäder der Prinzessinnen; von da durch den Weingarten
(_Anguri Bagh_) gelangt man zu dem _Shish Mahal_ (Spiegelpalast) in der
NO.-Ecke des Gartens. Der alte, sehr sehenswerte, aus rotem Sandstein
erbaute _Jahangir Mahal_ (oder _Akbar-Palast_) am Südende der übrigen
Bauten ist gut erneuert und hat prächtige Sandsteinornamente. -- Nahe
vor dem Delhi Gate nw. jenseit der Bahn liegt die _Hauptmoschee_ (_Jama
Masjid_), erbaut 1644 vom Schah Jahan zu Ehren seiner Tochter Jahanara;
nördl. davon die _Kalan Masjid_, älteste Moschee in Agra. -- Von da
fahre man über die Eisenbahnbrücke nach dem prachtvollen *_Mausoleum
von I'timad-ud-daulah_, einem reichgeschmückten weißen Marmorbau mit
Mittelkuppel und vier Ecktürmen mitten in herrlichem Park; es enthält
sieben Gräber, in der Mitte das des Wesirs Ghiyas Beg, Schwiegervaters
Schah Jahangirs und Vaters der Nur Jahan. -- Die Hauptsehenswürdigkeit
Agras (etwa 3 km sö. von den Gasthöfen) ist der **=Taj Mahal= (kurz
_Tadsch_ oder _Tadschmahal_ = Kronpalast, eigentlich _Taj bibi ka
Roza_ = Grab der Kronendame), »ein Traum in Marmor«, am r. Ufer der
Jumna; es ist das aus weißem Marmor ausgeführte und auf einer 18 m
hohen Plattform ruhende _Mausoleum Schah Jahans_ (regierte 1628-58)
und seiner Lieblingsgattin Mumtaz-i-Mahal (Stolz des Palastes, gest.
1629), mit weithin sichtbarer Kuppel von 18,8 m Durchmesser, woran
20000 Arbeiter 22 Jahre unter Leitung des Baumeisters Austin von
Bordeaux gearbeitet haben sollen. Der Taj ist vielleicht das schönste
und stimmungsvollste Denkmal ganz Indiens und gilt für edler als die
Alhambra und andre berühmte maurische Bauten. Im Innern, umschlossen
von einem zart in Marmor ausgeführten Gitterwerk, stehen zwei
Kenotaphe, die wie die Wände reich mit Blumen aus kostbaren Steinen
und mit anmutigen Ornamenten geschmückt sind. Umgeben ist das Gebäude
von einem prachtvollen Garten, in dem herrliche Zypressen und ein
langes, geradliniges Wasserbecken mit vielen Springbrunnen liegen. Der
Eingang zum Taj ist durch das _Taj Ganj Gate_, das zu dem prächtigen
großen *Torweg (_Great Gateway_) des Gartenhofs führt (mit 26
Marmorkuppeln!); außerhalb eine schöne Karawanserei und andre Gebäude
aus rotem Sandstein. Es ist dringend zu empfehlen, den Taj mehrmals,
und womöglich einmal bei Mondschein, zu besuchen. NB. Die Hotels wissen
die Zeiten, wann der Taj bis Mitternacht geöffnet bleibt! Im Mausoleum
beten und bringen Blumen zu den Sarkophagen Vertreter aller Religionen
Indiens, Hindus, Buddhisten, Mohammedaner und Parsi.
=Ausflüge=: 1) Nach =Sikandarah=, mit Wagen in 3/4 St. Man fährt
durch die Eingebornenstadt, vorbei am _Central Jail_
(Hauptgefängnis; Besichtigung der Teppichwebereien der Gefangenen
empfehlenswert, man schicke seine Karte dem Inspektor), dann etwa 6
km nw. Der Weg führt an vielen Gräbern vorbei; in Sikandarah liegt
das _Mausoleum Begum Miriam_, der angeblich christlichen Frau Maria
des Kaisers Akbar, ein zweistöckiger roter, zurzeit recht
verwahrloster Sandsteinbau; im Unterstock 40 Kammern, im Oberstock
ein weißer Marmorkenotaph. Ein prachtvolles Tor aus rotem
Sandstein, mit Einlagen von weißem Marmor führt zum *_Grabe
Akbars_; von den Minarets zu Seiten des Tores schöne Aussicht bis
nach Fatehpur-Sikri. Ein breiter Weg führt zum Mausoleum, einem
vierstöckigen Pyramidenbau, die untern drei Stockwerke von rotem
Sandstein, das oberste aus weißem Marmor; auf der Plattform steht
der weiße Marmorkenotaph genau über der Stelle, wo unten im
Kellergeschoß sein Sarkophag, umgeben von andern Gräbern, steht. Am
Nordende des *Kenotaphs eine 1 m hohe *Marmorsäule, auf der lange
Zeit der berühmte Diamant »Koh-i-Nur« lag, bis ihn der persische
Eroberer Nadir Schah raubte (jetzt gehört er zum britischen
Kronschatz). -- In einem modernen Hause in Sikandarah befindet sich
ein _Waisenhaus_. Man tut besser, Sikandarah früher als den Taj zu
besuchen.
2) Westwärts nach (38 km) *=Fatehpur-Sikri= (_Dâk Bungalow_, neu
und groß, mit guter Verpflegung, für längern Aufenthalt
eingerichtet; für kurzen Aufenthalt Frühstückskorb vom Hotel
mitnehmen!) mit Wagen (25 Rup. in 3-1/2 St.) oder Automobil (45
Rup., einzelne Sitze bei Fahrten, die das Hotel unternimmt, 10
Rup., in 1 St.) auf guter, schattiger Landstraße, von Akbar d. Gr.
angelegt, wie die alte verlassene Residenzstadt selbst, deren
Paläste noch sehr gut erhalten sind. Durch das Agra-Tor einfahrend,
sieht man r. von der Straße die alte Münze, gegenüber die
Schatzkammer, dann fährt man in den Kaiserpalast hinein, vor den
_Diwan-i-Am_; l. liegen die Räume der Sultana und daneben der Dâk
Bungalow (wo man auf Wunsch meistens auch einen Führer erhält);
gegenüber sind türkische Bäder. In der NO.-Ecke des Palastes ist
das Haus der türkischen Königin; am Nordende des Hofs eine schöne
Privataudienzhalle _Diwan-i-Khas_, südl. davon der _Panch Mahal_
(ein »Damenheim« oder Zenana) und sw. von diesem das kleine _Haus der
Miriam_ (Akbars angeblich christlicher Gattin, einer Prinzessin von
Jaipur) mit Garten und Bad; westl. davon das geschmackvolle
_Birbal's Haus_. Ferner sind zu erwähnen der Turm _Harem (Hiran)
Minar_, mit steinernen Elefantenzähnen geziert, über den Gräbern
des kaiserlichen Lieblingselefanten, und die Grabmoschee (weißer
Marmor in rotem Sandstein) des heil. *_Salim Chistis_ in der Nähe
des großen _Siegestors_ und dieses selbst.
3) Südwärts nach *=Gwalior=; von _Agra Road Station_ mit der
_Indian Midland Railway_ durch steiniges, hügeliges Gebiet, die
nördl. Ausläufer des Malwaplateaus, das schon zum Dekhan gerechnet
werden muß, über (35 M) _Dholpur_ und 6 km weiter südl. über eine
schöne Brücke aus rotem Sandstein über den Fluß _Chambal_
(_Chumbul_) nach (76 M, 122 km) *=Gwalior= (161 m; _Gwalior Hotel_
[von einem Parsen geführt], außerdem staatliches Fremdenhaus
_Musafir Khana_, in dem Unterkunft nur bei Empfehlung und
Vorausbestellung zu haben ist. Reitelefanten durch Hotelmanager zu
bestellen, Bakschisch an den Führer. Droschken, mäßig, zu haben [im
Notfall Sänfte nehmen]), Hauptstadt des Vasallenstaats der
Mahratten, hat mit der neuen Garnisonstadt _Lashkar_ 89154 Einw.
(5/6 Hindu, 1/6 Mohammedaner), liegt in einer Flußebene zwischen
den Ausläufern des Malwaplateaus und hat schmutzige Häuser. Vor den
Toren der alten Stadt steht die schöne Hauptmoschee _Jama Masjid_;
in der Stadt der prachtvolle *_Palast des Maharadschah_ (einer der
schönsten in Indien) sowie mehrere Dschaintempel. Die berühmte
*=Festung Gwalior= erhebt sich auf einem 110 m hohen senkrechten
Sandsteinfelsen (oben 1900 m lang und 600 m breit) an der Westseite
der Stadt; sie ist noch jetzt eine der stärksten Indiens. Am
NO.-Ende die sechstürmige Zitadelle.
Im Innern der Festung sind Acker und Wasserbecken, für 15000 Mann
Besatzung ausreichend. Wahrscheinlich wurde sie 275 n. Chr.
gegründet von Suraj Sen, der den Sonnentempel baute;
jahrhundertelang war die Feste Herrschersitz, viel bestürmt und
selten erobert. Englische Truppen nahmen die Festung 1803, 1844 und
1858; 1886 wurde sie an den Maharadschah übergeben. Zum Besuch der
Feste ist keine Erlaubnis erforderlich, man schreibt sich ins
Fremdenbuch am Eingang ein; der Leiter (»Keeper«) des Fremdenhauses
(Musafir Khana) sorgt für Bereitstellung des Elefanten, falls der
Maharadschah geneigt ist, solchen für Besucher zur Verfügung zu
stellen. Vom Fremdenhaus fährt man bis zum Fuße der Feste, dort
wartet dann der Elefant für den steilen Aufstieg. Ein steiler Weg
führt durch folgende sechs Tore in die Feste: _Alamgiri Gate_ (das
nördlichste Tor, 1660 erbaut), *_Badalgarh_ (oder _Hindola_)
_Gate_, ein schöner Hindubau; r. steht dicht unter dem Felsen der
Festung der _Gujari Mahal_, Schloß der Königin von Man Sing, schon
sehr verfallen; _Bhairon_ (oder _Bansur_) _Gate_, 1485 erbaut; dann
das _Ganesh Gate_ mit dem Taubenhaus (_Kabutarkhana_) davor und
einem Hindutempel daneben; nun vorbei an dem Felsentempel
_Chatar-bhuj-mandir_ (erbaut 876), ein Wischnuheiligtum mit
Wasserteich (in dessen Nähe sehr alte Skulpturen), durch das
_Lakhshman Gate_ weiter hinauf längs der Ostseite der Paläste
zum »Elefantentor« _Hathiya Pol_ (_Paur_), neben dem das _Hawa Gate_
in den _Man Singh Mandir_ führt, der, 1486-1516 erbaut, bunte
Mosaikwände hat. Nördl. schließen sich noch vier Paläste an:
_Vikram Mandir_, _Karan Mandir_, _Jahangiri Mahal_ und _Shah Jahan
Mahal_ am Nordende der Feste. Von den elf Hindutempeln der Feste
ist der mittelste, _Teli-ka-Mandir_ (Anfang des 12. Jahrh.), der
sehenswerteste; er ist dem Schiwakult gewidmet, auf höchster
Berghöhe mit prächtiger *Aussicht erbaut und um 1880
wiederhergestellt. -- Die Felsenskulpturen an den Abhängen der
Feste, besonders die südwestl. Gruppe in der Schlucht _Urwahi_,
sind ebenfalls sehr sehenswert, weil einzig in ihrer Art in ganz
Nordindien; die meisten Skulpturen, im 13. Jahrh. hergestellt (laut
Inschrift aus den Jahren 1440, 1453, 1497 etc.), wurden unter dem
ersten Großmogul Babar zum Teil stark beschädigt. Es sind fünf
Gruppen.
Das durchfahrene Gebiet gehört zu den reichsten Kulturgebieten
Indiens; Audh, der Ostteil der »Vereinigten Provinzen«, ist schon so
weit in Kultur genommen, daß die Wälder großenteils (außer im
nördl. Randgebiet gegen den Himalajastaat Nepal hin) verschwunden
sind und mit ihnen auch viele wilde Tiere, wie der Tiger. Dabei hat
das Land, das großenteils von Natur genügend befeuchtet ist (der
künstlich bewässerte Anteil des Kulturlandes wird, je weiter
ostwärts, um so kleiner), schon ganz tropischen Charakter.
C. Von Agra über Cawnpore, Lucknow und Allahabad nach Benares.
=Eisenbahn=: Agra-Cawnpore in 5-1/2 St.; Cawnpore-Lucknow in 2 St.;
Lucknow-Allahabad in 5-1/2 St.; Allahabad-Benares in 3-1/2 St.;
Agra-Allahabad in 9 St.
Von _Agra Fort Station_ (S. 83) mit der East Indian Railway (am besten
mit Nachtzug, der etwa 3/4-12 Uhr abfährt) über die prächtige
Jumna-Brücke mit 16 Bogen nach (15 M) _Tundla_; dort meist umsteigen in
den von Delhi kommenden Zug, dann östl. weiter über _Ferozabad_ nach (72
M) Stat. =Etawah=, _Itawah_ (Bahnwirtschaft mit Gastzimmer; _Dâk
Bungalow_, 1 km vom Bahnhof), Stadt mit 40000 Einw. in malerischer Lage
zwischen Schluchten und Abhängen am Nordufer der Jumna, mit schöner
Hauptmoschee; *Aussicht vom teilweise zerstörten Fort auf dem Hügel über
der Stadt; unterhalb vom *_Fort Bathing Gats_ am Flußufer. -- Die Bahn
erreicht im weitern Verlaufe das rechte Gangesufer bei
(158 M, 254 km) Stat. =Cawnpore=, _Khanpur_ (Bahnwirtsch., gut; _Civil
and Military Hotel_, gut; _Empress Hotel_, Pens. 7-9 Rup.; _Victoria
Hotel_; die _Bank of Bengal_ und die _National Bank of India Ltd._ sind
Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere auch der Deutschen
Bank; _Droschken_ nach Tarif), Knotenpunkt von fünf Bahnlinien und an
der untern Einmündungsstelle des östl. Gangeskanals in den Ganges
gelegen, mit enger, schmutziger Eingebornenstadt von 197170 Einw. (1/4
Mohammedaner), wo auf den Basaren gute Früchte, Leder- und
Juwelierarbeiten feilgehalten werden und interessantes Leben und Treiben
herrscht. Die Stadt ist ohne andre Sehenswürdigkeiten als solche, die an
den Aufstand erinnern; in Cawnpore ließ Nana-Sahib im Mai und Juni 1857:
446 englische Soldaten, Frauen und Kinder hinmorden, wofür die Engländer
im November weit blutigere Rache nahmen. Wo General Wheeler sich gegen
Nana-Sahib verschanzt hatte, steht die _Memorial Church_; etwa 3 km
nördl. liegt nahe dem Gangesufer der _Memorial Garden_ mit
_Gedächtnisbrunnen_, in dessen Mitte ein Friedensengel (von Marochetti)
aus Marmor.
=Seitentour.= Von Cawnpore mit der Indian Midland Railway oder mit
einer Zweiglinie der Oudh and Rohilkhand Railway über die
Ganges-Eisenbahnbrücke durch die reichbebaute Ebene von Audh nach
(44 M, 71 km) Stat. =Lucknow= oder =Lakhnau= (122 m;
Bahnwirtschaft; _Wutzler's Royal Hotel_ [Bes. Deutscher], eins der
besten in Indien, 2-1/4 km vom Bahnhof; _Savoy and Imperial Hotel_,
Abbott Road, Pens. 7 Rup.; _Civil and Military Hotel_; _Prince of
Wales Hotel_; mehrere Klubs; _Bank of Bengal_, Korr. der Berliner
Disconto-Gesellschaft; _Droschken_ nach Tarif), Knotenpunkt von 6
Bahnlinien, Stadt mit 264049 Einw. (1/3 Mohammedaner), am _Gumti_,
einem schiffbaren l. Nebenflusse des Ganges; großstädtisches Leben,
aber weniger sehenswert als Delhi und Agra. Auch die großen
Prachtbauten von Lucknow sind architektonisch dürftig; von
Engländern ebenso wie Cawnpore nur wegen der Ruinen und
Gedächtnisstellen aus der Aufstandszeit (es wurden hier 2000
Engländer getötet) besucht. -- _=Rundfahrt=_: Nw. von der
_Residency_, den Regierungsgebäuden, liegt im _Machhi Bhawan Fort_
die interessante große Halle _Great Imambarah_ in altem Palast,
jetzt Zeughaus; man gelangt dann über die _Iron Bridge_ zum
Lichttempel _Hussainabad_, der nur von außen sehenswert ist. In der
Nähe der interessante _Kaisar Bagh_ (Kaisergarten mit Palästen). In
der Stadt sind die Basare, besonders der _Nakhkhas_ oder
Vogelbasar, sehenswert. Filigran- und Goldschmiedearbeiten,
Pfeifenmacher, Tonfiguren. Auch die Elefantenställe der Regierung
sind sehenswert sowie das Museum (bis 3-1/2 Uhr offen; Fr.
geschlossen) mit buddhistischen Reliquien aus Muttra (S. 83) etc.,
und viele schöne Gärten.
Von _Cawnpore_ weiter mit der »East Indian Railway« sö. nach
(277 M, 445 km) =Allahabad= (61 m; _Kellner's Rooms_, am Bahnhof, mit
guter Schlafgelegenheit, Chota-hazri im Zimmer, andre Mahlzeiten in der
Bahnwirtsch.; _Laurie's Great Northern Hotel_, Pens. 6 Rup.; _Central
Hotel_; _Bank of Bengal_, Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft;
_Droschken_ nach Tarif; die Zeitung »_Pioneer_« ist eine der wichtigsten
in Indien, »_Pioneer Mail_« Wochenausgabe für Europa). Besuch von
Allahabad ist nur bei reichlicher Zeit zu empfehlen; Benares, Agra und
Delhi bieten weit mehr indische Kulturbilder.
=Geschichtliches.= Allahabad kommt um 250 v. Chr. unter dem Namen
_Prayâga_ (»Opferstätte«) vor. Akbar baute 1572 hier sein Fort
_Ilâhabâs_, das Schah Jahan I. (1632-56) dann Allahabad (»Stadt
Gottes«) nannte. Die Stadt gehörte zum Reiche des Großmoguls, bis
sie 1753 durch den Wesir Safter Jang von Audh erobert ward. Aber
schon 1765 wurde sie von den Briten besetzt und dem Großmogul Schah
Alam zur Residenz angewiesen. Nachdem dieser 1771 Allahabad
verlassen hatte, überließen es die Engländer durch den Vertrag vom
Jahre 1773 dem Naib von Audh, der es endlich an die Ostindische
Kompanie abtrat.
Die Stadt _Allahabad_, Hauptstadt der Nordwestprovinzen, mit 172032
Einw. (etwa 2/3 Hindu, 1/3 Mohammedaner, 6000 Christen), liegt auf der
Landzunge an der Mündung der Jumna in den Ganges, an deren Spitze das
große, von Akbar erbaute, von den Briten umgestaltete _Fort_ liegt
(Besichtigung nur mit Erlaubnis der Militärbehörde; längere Wagenfahrt
dazu erforderlich); es umschließt Kasernen, Pulvermagazin, Arsenal für
30000 Mann, die berühmte Säule des _Asoka_ (240 v. Chr.), einen
unterirdischen Tempel mit dem ewigen Feigen- oder Banyanbaum. Allahabad
besteht aus dem engen Eingebornenviertel mit ärmlichen Lehmhütten neben
prächtigen Palästen und dem schönen, gartenreichen europäischen Viertel.
Hervorragende Bauten hat die Stadt wenige, z. B. den Palast des
Gouverneurs, Kasernen, Verwaltungs- und Gerichtsgebäude, die Große
Moschee, das Serail von Khusru zur unentgeltlichen Aufnahme von
Reisenden, den _Khusru Bagh_ (mit malerischem, hohem Festungstor, durch
das man in die gepflegten Gärten mit drei Mausoleen gelangt),
katholische und anglikanische Kirche, Bibliothek und Museum, Stadthaus,
das Muir Central College, das große Zentralgefängnis zu Náini. Allahabad
ist berühmter Wallfahrtsort, wo sich, um im Ganges zu baden, im Dezember
und Januar 250000, alle 12 Jahre aber eine Million Pilger versammeln.
Dann wird hier die _Magh Mela_, eine religiöse uralte Messe, abgehalten.
Mit der Bahn über (363 M) _Mughalo Sarai Junction Station_ (Speiseraum
im Bahnhof), hier umsteigen! Dann über die fast 1,5 km lange Stahlbrücke
über den Ganges nach (373 M, 560 km) _Benares_ (82 m).
Benares.
Vgl. den Plan S. 91.
=Ankunft= auf _Cantonment Station_ der Oudh and Rohilkhand Railway;
auch direkt von _Lucknow_ (S. 88) über (88 M) _Fyzabad_ und (118 M)
_Jampur_ nach (199 M, 320 km) _Benares_; letztere Strecke ist etwa
88 km kürzer.
=Gasthöfe= (beide liegen 4,5 km landeinwärts vom Ganges und von der
Eingebornenstadt): _Clark's Hotel_, 25 Z., Pens. von 7 Rup. an,
gelobt; _Hôtel de Paris_, 60 Z., gelobt; beide Hotels mit
Garten.--=Bank=: _Bank of Bengal_, Korresp. der Berliner
Disconto-Gesellschaft. --=Führer= zum Besuch der Eingebornenstadt
und Basare sind unentbehrlich wegen der engen, wirren
Straßen.--=Wagen= besorgt das Hotel, Zweispänner 8 Rup. für 1, 4
Rup. für 1/2 Tag; _Droschken_ nach Tarif; empfohlenen Fremden
stellt zuweilen der Maharadschah von Vijayanagrum seinen
Staatswagen.--=Kuriositäten=: Seidenstickereien, Schals,
Messinggefäße, indische Nippsachen, Malereien, Goldschmiedearbeiten
in den Basaren der Eingebornenstadt.
=Geschichtliches.= Benares war schon im 6. Jahrh. v. Chr. der
Mittelpunkt der Religion des Buddha, der hier zuerst »das Rad
seiner Lehre drehte«, was durch eine riesige Stûpa
(Reliquienbehälter) 5 km nördl. von Benares der Nachwelt
überliefert wurde. Später, nach dem Untergang des indischen
Buddhismus, war es einer der Hauptsitze des Brahmanismus und wurde
dann nach seiner Einnahme durch die Mogulkaiser (1194) 600 Jahre
lang von Mohammedanern beherrscht. Diese vermochten den
Brahmanismus nicht ganz zu unterdrücken, der sich seit dem 18.
Jahrhundert, nach dem Sturz der Herrschaft der Großmoguln, rasch
von neuem erhob und heute in Benares wieder eine der
Hauptpflegestätten brahmanischer Philosophie verehrt. So ist
Benares durch die Mannigfaltigkeit der in seinen Mauern gepflegten
Religionen wie seiner Denkmäler religiöser Baukunst eine der
merkwürdigsten Städte der Erde geworden: Buddhismus, Brahmanismus
und Islam haben ihre Andachtsstätten hier errichtet, Brahmanismus
(Hindu-Religion) und Islam blühen noch heute, dazu der Schiwa-Kult,
der in ziemlich starkem Gegensatze zum Brahmanismus steht, da seine
Anhänger (die Lingaiten, nach dem Symbol des Schiwa, dem Lingam,
genannt) die Vorrechte der Brahmanen verwerfen, und schließlich die
Sekte der Dschain, die ebenso alt wie der Buddhismus ist und diesem
in mancher Hinsicht ähnelt.
=Zeiteinteilung.= 1. Tag: Vor Sonnenaufgang Stromfahrt auf dem
Ganges vom Dasaswamedh Ghat aufwärts mit Besichtigung der
Leichenverbrennungsstätte Manikarnika Ghat, der Aurangzeb-Moschee
und des nur vom Boot aus besuchbaren Nepalese-Tempels (Boot für 2
St. 3 Rup.--Frühstück mitnehmen). Nach Frühstück mit Boot zum
Affentempel, Goldenen Tempel, kleine Aurangzeb-Moschee, andere
Tempel, den _Brass Market_ (Messingarbeiten sind Spezialität von
Benares). Dann Lunch im Hotel; nachher Fahrt nach Sarnath
(Museum).--2. Tag: Droschkenfahrt zum Kuhtempel Annapurna, dann
verschiedene Tempel, Brunnen des Wissens, Anand-Bagh-Garten, Annie
Besant's Hindu College (theosophische Gesellschaft), Basare in der
Eingebornenstadt.--Nm. Fahrt nach Belipur, Spazierfahrt im
englischen Viertel.
[Illustration: Plan von Benares.]
_Benares_ (82 m), _Banaras_, _Warânasi_ (»im Besitz des besten Wassers«,
früher auch _Kasi_ genannt), Bezirkshauptstadt mit 209331 Einw.
(vorwiegend Hindu), ist seit 2-1/2 Jahrtausenden Hauptsitz brahmanischer
Gelehrsamkeit und als heiligste Stadt der Hindu der besuchteste indische
Wallfahrtsort. Viele reiche Hindu haben sich hier Paläste erbaut, wo sie
ihre letzten Tage hinbringen; wer in der heiligen Stadt in der Gunst der
Brahmanen stirbt, ist sicher, unmittelbar in den Schoß der Gottheit
aufgenommen zu werden. Täglich pilgern Tausende, an Festtagen
Hunderttausende hierher, um im Ganges Gebete und Waschungen zu
verrichten oder Krüge mit dem Wasser des heiligen Stromes zu füllen, das
bis zur Südspitze Indiens getragen wird; seine Versendung ist ein
wichtiger Industriezweig. Kranke lassen sich hierhertragen, um
angesichts des heiligen Stromes zu sterben. Benares hat 1454 meist
kleine Hindutempel, 272 Moscheen, mehrere Dschaintempel, einen
buddhistischen Tempel. NB. _Eintritt in alle Tempel, außer Affentempel
und Kuhtempel, ist Europäern verboten!_ Die prächtigste Ansicht gewährt
die Stadt von dem 540-780 m breiten Ganges aus, an dessen weitem Bogen
sie sich hinzieht. Alle andern Gebäude überragt die _Moschee Aurangzebs_
mit ihren schlanken, 35 m hohen Minarets. Ein mächtiger Bau ist auch
die 1693 errichtete Sternwarte (s. unten). Zwischen Paläste und Tempel
drängen sich elende Hütten, das Innere der Stadt ist ein Gewirr enger,
schmutziger Gassen. Das saubere englische Viertel (_Sikraul_) enthält
eine Kirche, ein Hospital, Kasernen, 3 höhere Schulen, 3 englische
Missionsanstalten, eine Bank. Die durch den Fremdenverkehr geförderte
Industrie erzeugt Seidenstoffe, Schals, Gold- und Silberstickereien,
Juwelierwaren, Messinggefäße (berühmt auf dem Messingmarkt, _Brass
market_), Lackwaren. Der Handel, unterstützt durch Dampfschiffahrt auf
dem Ganges und die Bahnen, vertreibt heimischen Zucker, Indigo, Salpeter
und führt europäische Waren ein. Benares enthält eine höhere Hindu- und
eine höhere Sanskritschule, das Benaresinstitut, eine Gesellschaft meist
eingeborner Männer, und die Carmichael-Bibliothek.
Die Stadt zeigt das indische Leben unverfälscht; _Hans Meyer_ sagt
von Benares: »Da ist der unfaßbare Wust bizarrer Häuser und
Häuschen. Da sind die Hunderte und aber Hunderte von wunderlichen
Tempeln mit Kuppeln, Pagoden, Götzenfratzen, Rüsselschnörkeleien,
mit farbigen, silbernen, kupfernen und goldenen Anhängseln und
Bedachungen. Da sind die massiven, aus dem Strom aufsteigenden
Paläste der einheimischen Prinzen und Radschas, da tobt und windet
sich die endlose Menschenmenge aus dem Gewühl enger Gassen nach dem
heiligen Fluß und zurück ... --Heilige Stiere wandeln an den
Häuserreihen entlang und setzen die Gemüsekrämer in Schrecken,
Affen sitzen auf den Sonnenzelten u. Dachgesimsen, schreiend,
fressend oder spielend, unter Tamburin- und Schellenbegleitung
werden Götzen auf Tragbahren herumgeschleppt, feierlichen Aufzügen
begegnet man in jeder Straße.« An Festtagen ist das Menschengewühl
beängstigend: trotz der Scheu der Hindu vor Europäern empfiehlt es
sich, einen indischen Schutzmann (gegen guten Bakschisch) zur
Begleitung mitzunehmen und keine Innenräume der Tempel zu betreten.