=Ausflug= von Lahore nach den _Shalimar Gardens_ (4 km onö. vom

Hauptbahnhof) auf der »Grand Trunk Road«, l. (3 km) das Tor des

Rosengartens _Gulabi Bagh_ (von Sultan Beg, Admiral des Schahs

Jahan, erbaut) und gegenüber, 1 km sö. von der Straße, das Grabmal

des Baumeisters _Ali Mardan Khan_ (der 1637 für Schah Jahan die

Shalimar-Gärten anlegte). Die einst weltberühmten, leider

verfallenen *=Gärten von Shalimar= haben drei Terrassen mit 450

Fontänen. In ihrer Umgebung, besonders südl. der Straße, liegen

noch andre, teilweise ebenfalls sehenswerte Gärten.

Die Fahrt mit der North Western Railway von Lahore nach Peshawar (288 M

in 17-1/2 St.) berührt (391 M von Delhi) _Gujranwala_, Geburtsort

Randjit Singhs (geb. 2. Nov. 1780, Maharadscha, genannt »Löwe des

Punjab«).--Bei (452 M) _Jhelum_ (Dschilam) überschreitet die Bahn den

vierten der Punjabflüsse und tritt bald darauf aus dem Tiefland in das

Mittelgebirgsland, das sich in etwa 500 m durchschnittlicher Seehöhe

hier in großer Breite dem Himalaja vorlegt. Man sieht im N. die bis 4730

m hohen Schneegipfel Kaschmirs.--(523 M) =Rawal Pindi= (520 m;

_Flashman's Hotel_, gut, Pens. 8 Rup.; _Limetree Hotel_, am Bahnhof;

_Imperial Hotel_, Havelock Road, Pens. 8 Rup.; _Rawal Pindi Hotel_;

_Mellors Hotel_ u.a. _Droschken_ nach Tarif; Banken: _Alliance Bank_,

_Commercial Bank of India_), eine junge Stadt mit 86248 Einw. (1/2

Mohammedaner), starke Festung und größte Militärstation des nördl.

Indiens (6 Regimenter und 5 Batterien), liegt am r. Sohanufer; Handel

mit Kaschmir.

=Von Rawal Pindi nach Srinagar in Kaschmir.=

195 M = 314 km; einer der besten Zugänge nach Kaschmir, in 3 Tagen

auf guter Landstraße zurückzulegen; dreisitzige Tonga 124 Rup., ein

Sitz 48 Rup. (geliefert von der Firma _Dhaujibhoy & Son_, Hin- und

Rückfahrt 228 Rup.); die Posttonga fährt nachts nicht; Ekkas für

Diener und Gepäck 22 Rup. Die Reise ist für mindestens 8tägigen

Aufenthalt in Kaschmir sehr lohnend, aber sehr anstrengend; die

Tonga ist ein zweiräderiger, niedriger Karren mit drei Sitzen,

Gepäck kann wenig mitbefördert werden. Man muß 3 Tage lang je 10

St. mit 1/2 St. Mittagspause in schlecht gefedertem, unbequemem

Wagen, der fast nur im Galopp fährt, mit häufigem Pferdewechsel,

sich zusammenrütteln lassen. Der starke Staub verursacht leicht

Augenentzündung. Im Winter ist die Fahrt der Kälte wegen nicht

ratsam. Man kann auch in bequemern Landauern fahren, die aber sehr

teuer sind und 4 Tage brauchen. Die Dâk Bungalows unterwegs sind

meist gut, haben aber nur leere Bettgestelle, also Reisebettzeug

mitnehmen! Ausflüge von Srinagar in das Alpenland erfordern Zelt,

Feldküche, Ponies zum Reiten und Gepäcktragen; diese Ausrüstung wie

auch Träger können in Srinagar durch _Cockburn's Agency_ beschafft

werden (am besten vorher briefliche Abmachungen).

Man fährt über (37 M) =Murree= (2300 m; _Powell's Hotel_;

_Rowbury's Hot._), einen Höhenluftkurort mit europäischer

Temperatur, mit Sanatorien und Kasernen, hinter denen sich 2700 m

hohe Berggipfel erheben; im Sommer sind viele britische Truppen

hier in der Sommerfrische. Dann Abstieg in das tief

eingeschnittene, enge Durchbruchstal des Jhelum (Dschilam) nach (64

M) _Kohala_ (guter Dâk Bungalow); von hier talaufwärts (das Tal ist

im Sommer so heiß, daß Dattelpalmen gedeihen, und man am besten

frühmorgens oder abends fährt; im April und Mai prächtige

Schneegebirgslandschaft) über eine Hängebrücke (Zoll!) über (75 M)

_Dulai_ (guter Dâk Bungalow) nach (85 M) _Domel_ (guter Dâk

Bungalow), wo das Tal eine scharfe Biegung nach SW. macht, aber

immer noch eng bleibt, über (99 M) _Garhi_ (guter Dâk Bungalow) und

(108 M) _Hatti_ in wild-schöner Landschaft nach (119-1/2 M)

_Chagoti_ (Dâk Bungalow über der Drehbrücke); dann folgt (133 M)

_Uri_ (guter Dâk Bungalow) und (146 M) _Rampur_ (Dâk Bungalow), von

da ebene Straße nach (162 M, 261 km) _Baramula_ (guter Dâk

Bungalow), kleinem Ort am untern Ende des weiten Hochgebirgsbeckens

von Kaschmir, das einst von einem großen See eingenommen war; hier

mieten Reisende, die längere Zeit in Kaschmir bleiben wollen, ein

Hausboot (Preis je nach Größe und Einrichtung mit Bootsleuten

30-150 Rup. monatlich) zu schönen Ausflügen auf dem großen

_Wularsee_ und nach Srinagar. Von Baramula fährt man in 3 St. mit

Wagen (Hausboot braucht dazu einen Tag) nach (195 M, 314 km)

=Srinagar= (1600 m), d. h. _heilige Stadt_, auch _Suradjnagar_ oder

_Kaschmir_ genannt, Stadt mit 126358 Einw. (5/6 Mohammedaner),

Sommerresidenz des Maharadscha von Kaschmir und Jammu, im

prachtvollen Kaschmirtal am Jhelumfluß gelegen. _=Unterkunft=_:

_Dâk Bungalow_; _Nedou's Hotel_, sehr gut; viele Besucher leben in

Hausbooten oder Zelten; beste Zeltplätze im _Chenar Bagh_ für

Junggesellen, im _Munshi Bagh_ und _Ram Bagh_ am r. Flußufer nahe

der englischen Kirche; ferner am Dal-Den im _Nasim Bagh_. Der Agent

des Maharadscha gibt Auskunft für Reisende über Unterkunft, Preise,

Kulis etc.; _Cockburn's Agency_ besorgt Boote, Zelte und jede andre

Ausrüstung; englische Ärzte in den Missionen und beim Residenten,

wo man auch amtliche Vorschriften für das Reisen im Lande erhält.

_=Bank=_: _Punjab Bank_. _=Leihbibliothek=_ vorhanden.

_=Photographen=_: _Millais_; _Jadu Kishan_.--Die Stadt hat enge,

oft übelriechende Straßen mit Holzhäusern, darin eine prächtige,

aus Zedernholz mit reichen Schnitzereien hergestellte Hauptmoschee

(_Jama Masjid_). Man besteige zunächst den Hügel

*_Takht-i-Suleiman_ (300 m über der Stadt), auf dem ein Tempel

steht; eine gerade Pappelallee führt hinauf, oben prachtvoller

Blick auf das »Glückliche Tal«. Auch der Aufstieg auf den 76 m hohen

Festungsberg _Hari Parbat_ im N. der Stadt ist sehr lohnend.

_=Bootsfahrt=_ auf dem malerischen _Dal_ (_City Lake_) nö. der

Stadt, vorbei an den schwimmenden Gärten (man lese Thomas

Moore: »Light of the Harem« und »Lallah Rookh«) nach _Nishat Bagh_ am

Ostufer, dann nach dem vom Schah Jahangir erbauten Lustschloß

_Shalimar Bagh_ in der NO.-Ecke des Sees mit Reiherstand, von da

zum »Garten des Segens« _Nasim Bagh_ am NW.-Ufer und zurück am Dorfe

_Hazrat Bal_ vorbei, am Westufer nach S. durch den Kanal unterhalb

Hari Parbat und den Nasim Bagh-Kanal nach dem Dal Gate.

--_=Ausflug=_ von Srinagar auf verschiedenen Wegen, zuerst mit

Boot, dann zu Wagen nach (ca. 26 km) =Gulmarg= (Schatten der

Rosen), in einem Tage, einer kühlen, etwas feuchten Sommerfrische

(_Nedou's Hotel_, gut; Besucher wohnen auch in Holzhütten oder

Zelten), 2590 m ü. M., mit Ausblick auf den 8120 m hohen

_Nanga-Parbat_.

Die _=Eisenbahn=_ führt von Rawal Pindi weiter, zuletzt hinab in das

hier breite Industal und bei (581 M) _Attock_, nahe der

Vereinigungsstelle des Kabulflusses mit dem Indus (Stat. _Attock

Bridge_, Dâk Bungalow), über den 200 m breiten _Indus_ auf einer

fünfbogigen Gitterbrücke. Das starke Fort _Attock_ beherrscht den Zugang

zu Vorderindien von NW. her; alle Eroberer Indiens, so Alexander d. Gr.

326 v. Chr., Timur 1397, Schah Nadir 1738 u. a., drangen durch das

Kabultal und über Attock ein, daher ist die kleine Festung noch jetzt

strategisch wichtig. Die Bahn bleibt nun in der Ebene des Kabulflusses,

passiert =Peshawar=, die Hauptstadt der neuen nordwestlichen

Grenzprovinz und Sitz eines High Commissioner, in ungesunder Lage, mit

ziemlich extremen Temperaturverhältnissen (Juni 32,9°, Januar 9,8°,

gelegentlich kommen Fröste vor), 97392 Einw. (3/4 Mohammedaner), engen,

gewundenen Gassen, vielen Basaren für den wichtigen Durchfuhrhandel von

Kabul, Buchara und Zentralasien, dem alten Palast _Bala-Hissar_, mit

vielen Moscheen und den Resten einer berühmten mohammedan. Akademie. Im

_Museum_ reiche archäologische Funde: »Gandharaskulpturen« aus der

Umgegend, besonders aus Sari Bohlol, 40 km nö. von Peshawar.--3,5 km

westl. liegt der Endpunkt der Bahn, (627 M, 999 km) _Peshawar Cantonment

Station_ (Dâk Bungalow; _Flashman's Hotel_, Pens. 7 Rup., nahe dem

Bahnhof; _Droschken_ nach Tarif; _Bank_ Punjab Banking Co.--_Geschäfte_

für mittelasiatische Waren in der Stadt: _Safdar Ali_; _Haji Rahman_);

in öder Ebene das an die Stadt gelehnte englische Truppenlager (über

20000 Mann), Stützpunkt für Unternehmungen gegen Afghanistan. Peshawar

verdient trotz mangelhafter Unterkunft mehrtägigen Aufenthalt schon

wegen des Ausflugs zum Khaiberpaß, dessen Besuch leider seit 1910 auf

_einen_ Wochentag beschränkt ist.

=Ausflug= nach dem *=Khaiberpaß=, der südl. des unzugänglichen

Durchbruchs des Kabulflusses den Safed Kuh, das Grenzgebirge

zwischen Afghanistan und Indien, überschreitet und die Verbindung

zwischen Afghanistan und der indischen Nordwestprovinz herstellt.

Zu seinem Besuch ist eine Erlaubnis des »Political Officer in

charge« in Peshawar nötig. Ausflug zu Wagen (14 Rup.) 5 St. hin und

zurück, interessant sowohl landschaftlich wie wegen des regen

Karawanentreibens. Man fährt auf guter Straße bis zum (17 km) _Fort

Jamrud_ (501 m; Dâk Bungalow), am Ostende des Passes, mit starker

englischer Besatzung. Der nach Afghanistan führende _Khaiberpaß_

zieht 53 km lang in Windungen bis 1011 m Höhe über das Gebirge; er

ist nur Dienstags und Freitags für Karawanen geöffnet, wird dann

vom Afridi-Stamm (_Khaiber Rifles_) bewacht, die auch die

befestigten Posten (26 km) _Ali Musjid_ (730 m) und _Landi Kotal_

(520 m) besetzt halten. In Ali Musjid, wo die englischen

Befestigungen gegen Afghanistan beginnen, muß man leider umkehren.

Die Fahrt des deutschen Kronprinzen bis Landi Kotal war eine

besondere Höflichkeit. Neuerdings dürfen sogar englische Offiziere

nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Oberkommandierenden (zurzeit

General James Wilcocks) bis Landi Kotal reisen. Die wilde,

malerische Landschaft des Passes ist sehr sehenswert.--Eine

Eisenbahn von Peshawar bis Landi Kotal ist im Bau.

3. Seitentour: Lahore--Karachi.

=Eisenbahn=: _North Western Railway_ von Lahore über Mooltan und

Hyderabad (Sindh) nach (784 M) Karachi, Schnellzug in 24 St. für I.

Kl. 58 Rup. 6 annas, II. Kl. 29 Rup.

Die »Industalbahn« führt durchweg durch Gebiete, die viel mehr

vorderasiatischen als indischen Charakter tragen. Die beiden großen

Landschaften, die sie durchfährt, das Punjab und das Sindh, sind

wirtschaftlich geeint durch den Indusstrom, klimatisch einander

ähnlich als Trockengebiete, die nur spärliche und unregelmäßige

Regen empfangen und großenteils geradezu wüstenhaft sind. Die von

O. her ziemlich nahe an das untere Industal herantretende Wüste

Thar soll streckenweise die Sahara an Öde und vollkommener

Vegetationslosigkeit übertreffen. Der Indus hat für das Sindh eine

ähnliche kulturelle Bedeutung wie der Nil für Unterägypten, aber es

bestehen doch gewisse schwerwiegende Unterschiede:

während die alljährliche Anschwellung des Nils, die auf der

Regenzeit in Innerafrika beruht, regelmäßig und ruhig verläuft,

nimmt die des Indus nicht selten dadurch stürmischen Charakter an,

daß sich der normalen Sommerflut, die durch die Schneeschmelze im

obern Einzugsgebiet des Stromes erzeugt wird und im Unterlauf ihren

Höhepunkt im Juli erreicht, noch Regenwasserwellen aufsetzen, die

auf den Sommerregen im Punjab beruhen. Dadurch ist der Mensch

gezwungen worden, den Strom in Dämme einzuschließen. Die

befruchtende und befeuchtende Wirkung der Indusfluten kann daher

nur durch Vermittelung von Kanälen erfolgen, die zahlreich vom

Strome abgezweigt sind. Sie ermöglichen, daß ein etwa 20 km breiter

Kulturstreifen den Indus begleiten kann. Ähnlich liegen die

Verhältnisse längs der Punjabströme, doch sind hier die

Kulturstreifen nicht so breit, und die Hochwasserbetten sind durch

breite Kies- und Schotterflächen bezeichnet. Die Erträgnisse dieser

Kulturstreifen, in denen die Dattelpalme vielfach der auffallendste

Baum ist, wie das Kamel das häufigste Nutztier, wo Akazien,

Pappeln, Tamarisken und andre Gewächse trockner Zonen gehölzbildend

auftreten, sind mannigfaltig: Baumwolle, Ölsaaten, Zucker, Indigo,

namentlich aber Weizen, dessen Anbau in neuerer Zeit rasch

zugenommen und das Aufblühen von Karachi, das als Ausfuhrhafen

dient, verursacht hat. Als Verkehrsstraße hat der Indus trotz

seines geringen Gefälles im Unterlaufe nur wenig Bedeutung, weil

die Arme des Deltas, mit dem er mündet, für Schiffe unbenutzbar

sind; denn auch darin ist der Indus gegen den Nil benachteiligt,

daß er nicht wie letzterer in ein ruhiges Meer, sondern in ein

solches mit lebhafter Gezeitenbewegung mündet. Durch die Flut

werden die massenhaften Sinkstoffe immer wieder flußaufwärts

getragen und verschlämmen die Mündungen. Die Dampfschiffahrt reicht

daher nur von Tatta am Hauptmündungsarm bis Mooltan am Jilam. Den

Hauptverkehr vermittelt die Industalbahn.

Von Lahore (S. 76) führt die Bahn über (116 M) _Harapa_, einen kleinen

Ort, wo Alexander d. Gr. einen Sieg erfocht, nach der sehr alten Stadt

(207 M) _Mooltan_ (Erfrischungs- und Warteraum, Dâk Bungalow) mit alten

Grabdenkmälern, 85708 Einw., meist Mohammedaner; wichtiger Stapelplatz

für die an Bodenerzeugnissen reiche Umgebung. Ein Stück südl. davon

passiert die Bahn das alte Bett des Biasflusses, der jetzt weit oben in

den Sutlej mündet, früher aber diesem parallel in den Jilam floß. Weiter

auf der (270 M) _Adamwahanbrücke_ von 1287 m Länge über den Sutlejfluß

nach (272 M) _Bahawalpur_ (Dâk Bungalow), Hauptstadt eines

Eingebornenstaates mit 15000 Einw. (4/5 Mohammedaner), mit sehenswertem

Palast des Nawab. Bei (488 M) Rohri _zweigt_ die Bahnlinie nach

Belutschistan und Afghanistan ab; Rohri liegt malerisch am l. Ufer des

Indus auf felsiger Höhe, die 4-5stöckigen Häuser haben flache Dächer

mit Geländern; die große Moschee (Jama Masjid) ist ein schöner roter

Ziegelbau, die drei Kuppeln mit Porzellanziegeln gedeckt. Bei Rohri sind

die großen Bewässerungsschleusen des _Eastern Nara-Kanals_.

(674 M) =Hyderabad (Sindh)=, _Haidarabad_ (guter Dâk Bungalow im

Cantonment; _Brind's Hotel_; _Bank of Bengal_; Droschken nach Tarif),

Distriktshauptstadt der Provinz Sindh der Präsidentschaft Bombay,

am Beginn des Indusdeltas gelegen, mit 75964 Einw. (Hindus und

Mohammedanern), 6 km östl. vom Indus, wahrscheinlich von Alexander

d. Gr. gegründet, hat Industrie in Seidenstickereien, Juwelier- und

Lacksachen. Sehenswürdigkeiten sind das alte, sehr unregelmäßig

geformte _Fort_ mit dem alten Palast Mir Nasir Khans, jetzt

Absteigequartier hoher britischer Offiziere; vom Fort über dem Torweg

interessanter Ausblick auf den Basar mit buntem Völkergemisch. Auf dem

Nordende des Hügels der Stadt sind die Grabmäler der Kalhoras- und

Talpura-Fürstengeschlechter. Die Bahn kreuzt nun den Indus und führt

nach

(784 M) =Karachi= (mehrere Bahnhöfe; wer nicht sofort an Bord des

Dampfers muß, steige Station Frere Street, auch Cantonment Station

genannt, aus).

=Gasthöfe=: _Paul's Hotel_, dicht bei Frere Street Station,

gut;--_The Devon Villa Hotel_, gut.

=Banken=: _National Bank of India_; _Bank of Bombay_ etc.

=Klubs=: _Sindh Club_; _Gymkhana, Ladies Club_; _Golf Club_.

=Zeitung=: »_Sindh Gazette._«

=Konsulate=: Deutsches Reich: Konsul _A. Thöle_;

Österreich-Ungarn: Konsul _W. U. Nicholas_, Vizekonsul _K. S.

Anderson_.

=Dampfer=: _Österreichischer Lloyd_ (Anderson & Co.,

Tel.-Adr.: »Lloydiano«), monatlich nach Triest in 20 Tagen;

_Dampfschiffahrts-Gesellschaft Hansa_ (Bremen); _British India

Steam Nav. Co._ (Mackinnon, Mackenzie & Co.), wöchentl. nach Europa

und Bombay sowie nach dem Persischen Golf; _Messageries Maritimes_

(H. Curjel Bombay Co.), monatl. nach Marseille; außerdem noch andre

britische Linien.

=Geschäfte=: _Sadar Bazaar_, gut.

_Karachi_ (Kurrachee, Karatschi), Distriktshauptstadt der Provinz Sindh,

mit 159270 Einw., am äußersten Nordwestende des Indusdeltas (nahe dem

Fuße des Pabgebirges, des Grenzgebirges gegen Belutschistan, gelegen),

ist trotz seiner Entlegenheit zum größten Teile Indiens und trotz seines

steter Versandungsgefahr durch die Sinkstoffe des Indus unterliegenden

Hafens der drittgrößte Seehafen Indiens geworden (1910 liefen 525

Schiffe mit 758000 Reg.-Ton. ein), weil es unter der Herrschaft der

Engländer (seit 1842) als Hauptausfuhrhafen des Punjabs dient; Einfuhr

von Eisenbahnmaterial, Stückgütern, Metallen, getrockneten und

gesalzenen Fischen etc.; Ausfuhr von Baumwolle, Weizen, Wolle, Ölsaat,

Häuten, Apothekerwaren, Pferden. Die Stadt hat Handelskammer,

Baumwollpressen, Eisenwerke, Schiffswerft mit Trockendock, Kohlenlager.

Der Seehafen ist durch Wellenbrecher geschützt und mit modernen

Kaianlagen, Ladebrücken etc. gut versehen. Die vorgelagerte Halbinsel

_Manora_ ist durch mehrere Küstenforts verteidigt. Die Eingebornenstadt

nahe am Hafen ist eng gebaut und stark bevölkert; der europäische

Stadtteil weiter aufwärts am Layarifluß macht einen ganz modernen

Eindruck, weitläufig und regelmäßig angelegt, mit vielen schönen

Gebäuden, darunter die _Frere Hall_ mit Bibliothek, Ball- und

Versammlungssälen. Sehenswürdigkeiten enthält die Stadt nicht, doch wird

sie infolge ihrer Handelsbedeutung besucht.

B. Von Delhi nach Agra.

=Eisenbahn=: _East Indian Railway_ von _Delhi_ über _Aligarh_ nach

_Agra_ in 6 St. für I. Kl. etwa 11, II. Kl. 6 Rup.; --_Great Indian

Peninsula Railway_ (»Agra-Delhi Cord Line«) über _Muttra_ in 4-1/2

St. (Speisewagen).

Die Great Indian P. R. ist die direkte Linie; sie hält sich in der

Nähe des r. Jumna-Ufers, an dem sowohl Delhi wie Agra liegen. Die

East Indian R. beschreibt einen Bogen durch das Gebiet zwischen

Jumna und Ganges und überschreitet zweimal die Jumna. Sie

durchfährt in ihrer ganzen Erstreckung die »Vereinigten

Provinzen« (Agra und Audh), während die Great Indian zunächst den

Südostzipfel des Punjabs durchläuft. Obgleich das Land mit Hilfe

der Kanäle, die seit 100 Jahren namentlich in dem zwischen dem

Ganges und der Jumna gelegenen Gebiete angelegt worden sind, reich

angebaut ist, macht sich die Trockenheit des Klimas in den der

Regenzeit unmittelbar vorhergehenden Monaten (Februar bis Mai)

durch große Dürre und Staubplage recht bemerkbar.

Von _Delhi_ (S. 70) führt die East Indian Railway zunächst nach

(78 M) =Aligarh= (_Kellner's Refreshment and Sleeping Rooms_, am

Bahnhof, bequem für kurzen Aufenthalt, auch Schlafgelegenheit; guter

_Dâk Bungalow_), Distriktshauptstadt und sehr alte Festung, die die

Stadt _Koil_ schützt; mit dieser zusammen 63715 Einw. (2/3 Hindu, 1/3

Mohammedaner), Sitz des _Anglo-Oriental College_ zur Erziehung vornehmer

Mohammedaner. Anfang Februar hier eine sehenswerte Messe. Beim dritten

Meilensteine (5 km) südl. von Aligarh an der Straße ein riesiger

heiliger Banyanfeigenbaum (_Ficus religiosa_), und in dessen Nähe ein

Malteserkreuz zur Erinnerung an einen Überfall englischer Truppen

während des Aufstandes 1857.--Bei (127 M) _Tundla Junction_

(Bahnwirtsch.) muß man event. in den Zug nach Agra umsteigen, der in

entgegengesetzter Richtung auf einer andern Linie noch 24 km westl. bis

Agra läuft. Dicht vor Agra führt die Bahn auf großartiger vierbogiger

Brücke über den Jumna-Fluß.

Fährt man mit der Great Indian Peninsula Railway, so empfiehlt sich

der Besuch von (89 M) _Muttra_ oder _Mathura_ (Dâk Bungalow),

uralter Stadt (schon Ptolemäus bekannt) von 60000 Einw., am r.

Jumna-Ufer. Muttra wurde 1017 vom Afghanenfürsten Mahmud seiner

kostbarsten Tempelschätze beraubt, ist noch heute mit der kleinern,

10 km stromauf an der Jumna gelegenen Stadt _Brindaban_ (einem

hochheiligen Wallfahrtsort der Hindus) einer der Hauptsitze der

Brahmanen, mit zahlreichen Tempeln, in denen der Krischnakult

gepflegt wird. Bootfahrt auf der Jumna, wo morgens Tausende vor den

Tempeln baden (ein kleines Benares).

(142 M, 228 km) =Agra= (204 m), Ankunft _Fort Station_ oder (über

Muttra) auf _Cantonment (Road) Station_, 10 Min. von den Gasthöfen.

=Gasthöfe=: _Hotel Cecil_ (Hotz, Schweizer), I. Ranges, Deutsch

gesprochen, sehr gelobt, Pens. von 8 Rup. an. -- _Laurie's Great

Northern Hotel_ (20 Min. sw. vom Bahnhof), Pens. 7 Rup.--

_Metropole._ -- _Savoy_, Pens. 6 Rup. -- Guter _Dâk Bungalow_ nahe

dem Postamt am Drummond Road. -- Speiseräume im Bahnhof. --

=Droschken= nach Tarif. -- =Post u. Tel.= nahe beieinander, 2,5 km

südl. vom Bahnhof. -- =Polizeiämter= 1 km nw. vom Bahnhof. --

=Geschäftsadressen=: _Bank of Bengal_, Korr. der Berliner

Disconto-Gesellschaft. -- Teppichfabrik _Otto Weylandt_ (deutscher

Besitzer), nahe I'timad-ud-daulah. -- Schals, Gold- und

Silberstickereien: _Ganeshi Lall & Sons_, Johari-Basar. --

Seifenstein und Marmormosaik: _Nathoo Ram_, gegenüber Agra College.

-- Miniaturmaler: _Badri Pershad._ -- Photograph: _Priya Lal._

=Zeiteinteilung.= 1. Tag: Vm. Fort, Nm. Fahrt nach Sikandarah,

abds. nach Dinner *Taj Mahal (bei Mondschein); -- 2. Tag: Vm. Taj

Mahal (bei Sonnenaufgang), dann Fahrt zum I'timad-ud-daulah-Grab,

zu Weylandt (Teppichfabrik) und Chinika-Roza-Grab, Nm. 2 Uhr mit

Auto (Pers. 10 Rup.) in 1 St. nach Fatehpur-Sikri; -- 3. Tag:

Nochmals Fort und Stadt.

=Geschichtliches.= Unter dem Lodhikönig Nizam Iskander (1488-1517)

ward Agra, damals noch ein Dorf, Residenz; 1526 wurde es von Baber,

dem Begründer des mohammedanischen Reiches der Großmoguln,

genommen, der es jedoch wieder an die Afghanen verlor. Erst Akbar

besetzte es 1559 dauernd und machte es zur Hauptstadt. Schah Jahan

I. (1632-56) errichtete die Prachtbauten. Aber schon Aurangzeb

(1656-1706) verlegte die Residenz nach Delhi, und nach seinem

Tode wurde die Stadt von den Dschat, Persern, Afghanen etc.

verwüstet, bis die Ostindische Kompanie sie den Mahratten nahm.

Während des Sepoyaufstandes im Juli 1857 wurden die Engländer im

Fort belagert, aber am 10. Okt. vom Oberst Greathed entsetzt.

[Illustration: Plan von Agra.]

_Agra_, Hauptstadt der Division Agra, hat mit der Garnison 182419 Einw.

(2/3 Hindu, 1/3 Mohammedaner, einige tausend Christen), starke Industrie

in Schuhen, Pfeifen, Goldtressen und schönen Mosaikarbeiten sowie

lebhaften Handel mit baumwollenen und feinen wollenen handgeknüpften

Teppichen (die Fabrik des Deutschen, Herrn Otto Weylandt, ist sehr

sehenswert) und bearbeiteten Steinen. Agra besitzt vier Colleges und ist

Sitz der obersten Divisionsbehörden. --Die Stadt liegt in dem großen

Bogen, den die schiffbare _Jumna_ (Dschamna) hier nach O. macht; in der

Tiefe des Bogens das Fort, südl. davon die Kasernen und nw. die

Regierungsgebäude, dazwischen die besser als in andern indischen Städten

gebauten Eingebornenviertel. Agra ist reich an Prachtbauten im reinsten

maurischen Stil, die auf die Zeit zurückgehen (Mitte des 17. Jahrh.), da

die Stadt die Residenz der mohammedanischen Großmoguln (turktatarischen

Stammes, mit persischer Umgangssprache) war.

Weltreise. Erster Teil: Indien, China und Japan · 第 12 / 63 段