Bahnhof.--=Droschken= I. und II. Klasse nach Tarif.
=Banken=: _Bank of Bengal_.--_Delhi Bank_, letztere Korr. der
Berliner Disconto-Gesellschaft. --=Polizei= in Hamilton Road und
nw. vom Kashmir Gate, nahe bei Ludlow Castle.-- Bungalow des
Distriktsresidenten nahe bei Kashmir Gate.--=Zeitung=: _The Morning
Post_.--=Apotheke=: _Narain & Co._, New Druggist's Hall.--Zwei
=türkische Bäder= in der Stadt.--=Photograph=: _Sultan Ahmad Khan_,
innerhalb des Delhi Gate.--=Geschäftsadressen.= Indische
Kuriositäten: _Imre Schweigar_, Kashmir Gate, große Auswahl von
Kunstschätzen; _Jadu Kissen_, am Kashmir Gate, Photographien von
Indien; Juweliere in der Hauptstraße Chandni Chauk (besonders
Goldfiligran!); ebenda Geschäfte für Emaille-Metallsachen,
Elfenbeinschnitzereien (_Rughnat Das_, Kinari Basar) und -malereien,
Seidenstickereien, gestickte Schuhe, Kleider, Decken u.
dgl.--=Klub=: _Delhi Club_ im Ludlow Castle.
=Zeiteinteilung.= 1. Tag: Vm. Besuch des Forts und Königspalastes,
der Moscheen Jama Masjid und Kalan Masjid; Nm. Rundfahrt in der
Stadt, Basare in der Hauptstraße Chandni Chauk.--2. Tag: Frühzeitig
Wagenfahrt nach Firozabad (Asokasäule) und Indrapat, dann zum
Mausoleum Humayun's und andern Grabdenkmälern; von da zum Kutab
Minar (Essen vorausbestellen!). Rückfahrt Nm. über Jai Singhs
Sternwarte. Wagen zum Kutab und zurück 12-16 Rup. den Tag.
[Illustration: Plan von Delhi.]
=Geschichtliches.= Delhi nimmt geschichtlich den ersten Rang unter
den Städten Indiens ein; als _Indraprastha_ (griech. _Indabara_)
kommt es schon im »Mahȧbhârata«, dem altindischen Heldengedicht,
vor. Der Name stammt von einem Fürsten _Dilu_, der im 1. Jahrh. v.
Chr. 10 km stromabwärts einen Burgbau aufführte. Unter
einheimischen Fürsten verwüstet, wurde Delhi 1011 n. Chr. von dem
Ghasnawidensultan Mahmud erobert und mußte 1052 durch Anang Pal II.
neu bevölkert werden. 1193 eroberte Kutab ed-din Eibek, Feldherr
des Ghoriden Moizz ed-din, die Stadt. Kutab als Statthalter machte
sich 1206 als Beherrscher Hindustans unabhängig und begründete
damit die »Sklaven«-Dynastie (1206-90), die in ihrer Hauptstadt
Delhi großen Glanz entfaltete. 1290 folgten die tatarischen
Dynastien Khildschi und Tughlak, bis 1398 der Mongole Timur Delhi
eroberte und niederbrannte. Als die Stadt sich wieder erholt hatte,
kam sie 1451 unter die afghanische Dynastie des Bahlul Lodhi; diese
stürzte 1526 ein Nachkomme Timurs, Baber, der sich zum Großmogul
erklärte. 1739 plünderte Nadir Schah von Persien die Stadt. 1803
wurde Delhi an die Engländer abgetreten. Im Mai 1857 versuchten die
Sepoys (eingeborne Truppen) die Herrschaft der Briten abzuwerfen
und ermordeten die Europäer; aber 20. Sept. 1857 wurde die Stadt
von den englischen Truppen gestürmt und der letzte Scheingroßmogul
nach Rangoon verbannt. 1911 wurde anläßlich der Krönung König
Georgs V. zum Kaiser von Indien bestimmt, daß der Regierungssitz
des indischen Kaiserreichs von Calcutta nach Delhi verlegt werde.
_Delhi_ (252 m), Hauptstadt der britischen Division der Provinz Punjab,
demnächst Hauptstadt des indischen Kaiserreichs, mit 232859 Einw. (zur
Hälfte Hindu, etwa 80000 Mohammedaner), liegt inmitten der
steppenartigen Jumna-Ebene, die nur in der Regenzeit mit frischem Grün
überzogen ist, am rechten, hohen und aufgemauerten Ufer des schiffbaren
Flusses Jumna (Dschamna) und ist rings mit einer hohen und starken
Stadtmauer umgeben (mit Graben und Glacis). Die schmutzige, enge
SW.-Hälfte ist die Eingebornenstadt; in der andern Hälfte liegen
prächtige Bauwerke, darunter im Fort der alte Königspalast (s. unten).
Wegen seiner vielen Moscheen und Tempel wird Delhi das »Rom
Asiens« genannt. Eine aus der Blütezeit Delhis stammende Wasserleitung
wurde von der englischen Regierung wiederhergestellt. Delhi besitzt
viele Schulen, Druckereien und Zeitungen. Die Industrie ist nicht
bedeutend; berühmt sind die Gold- und Silberarbeiten, Musselin- und
Schalweberei und die Schnitzerei. Die Bedeutung von Delhi beruht
gegenwärtig auf der Größe des Handels (Indigo, Baumwolle, Seide, Korn,
Ölsaaten, Metalle, Salz, Hörner, Häute, Tabak, Zucker, Öle, Gold- und
Silberwaren). Die Umgebung ist meilenweit bedeckt mit den Ruinen des
_alten Delhi_ oder _Indrapat_, zwischen denen wieder eine Reihe von
Dörfern entstanden ist. Unter den vielen zerstörten Palästen, Moscheen
und Grabmälern ist am berühmtesten der (14 km südl.) _Kutab Minar_ (S.
74).
_=Rundgang.=_ Das stark befestigte =Fort= mit dem alten *=Königspalast=,
1632 von Schah Jahan aus gewaltigen Mauern von rotem Sandstein erbaut,
liegt auf einer Anhöhe über dem Flußufer an der Ostseite der Stadt
(Besichtigung erlaubt), Haupteingang von der Hauptstraße Chandni Chauk
(Silver Street) durch das gewaltige _Lahore Gate_; ein Arkadengang führt
geradeaus in die Musikhalle _Nakkar Khana_ (Pl. 1), dahinter die
öffentliche Audienzhalle _Diwan-i-Am_ (Pl. 2), mit Marmorthronsockel an
der Rückwand (den juwelengeschmückten Pfauenthron, der hier oder im
Diwan-i-Khas stand, raubte 1739 Schah Nadir, er steht jetzt in Teheran);
nun nach l. durch Quergebäude in die private Audienzhalle
*_Diwan-i-Khas_ (Pl. 3), eine offene Marmorhalle von seltenster innerer
Schönheit und Pracht, mit vier vergoldeten Marmorkuppeln und Mosaiken,
deren Edelsteine leider längst geraubt sind (mit der persischen
Inschrift: »Und gibt es ein Eden der Wonne auf Erden---- Du findest es
hier! und nur hier kann's Dir werden!«). R. von der Halle liegt der
_Saman Burj_ (Jasminturm, Pl. 4) mit märchenhaften Frauengemächern und
der _Rang Mahal_ (Pl. 5), eine gemalte Halle. Nördl., also l. vom
Diwan-i-Khas, prächtige Marmorbäder (_Akab Baths_, Pl. 6) und westl.
daneben die kleine, aber feine *_Perlmoschee_ (_Moti-Masjid_, Pl. 7) aus
weißem und grauem Marmor mit Bronzetor und drei Kuppeln, erbaut um 1660
von Aurangzeb, benannt nach jetzt gestohlenen Perlmuttereinlagen.
Dazwischen reizende Anlagen mit Marmorterrassen. Jetzt ist der Palast
teilweise in Kasernen verwandelt; seit 1904 wird auf Betreiben des
damaligen Vizekönigs Lord Curzon (der die schöne Decke im Diwan-i-Khas
herstellen ließ) für Erhaltung und Ausbesserung der Meisterwerke
indischer und mohammedanischer Architektur von einer ständigen
Kommission gesorgt. Statt der frühern Sorglosigkeit ist strenge Aufsicht
eingeführt. Ein kleines _Museum_ im Fort enthält besonders
Miniaturmalereien der Schule von Delhi unter den Großmoguln. Ausgang
durch das sehenswerte _Delhi Gate_ am Südende. --Über die Torbrücke
führt ein Fußweg zur Elgin Road, die man kreuzt, um geradeaus durch Khas
Road auf den Platz zu gelangen, wo die großartige =Jama Masjid=
(_Dschama Masdschid_), die größte Moschee der Erde, steht. Sie erhebt
sich auf einem 9,5 m hohen, 140 m breiten und langen Viereck von roten
Sandsteinquadern und ist aus weißem Marmor erbaut, der mosaikartig mit
rotem Sandstein abwechselt. Den Haupteingang bildet eine prächtige
Freitreppe, die Decke drei weiße Marmorkuppeln mit schwarzen Streifen,
an jedem Ende der Front ein 45,6 m hohes Minaret (oben prächtiger
*Rundblick). Besuch der Moschee am besten Freitag mittags, wo Tausende
von Mohammedanern den Platz füllen, um zu beten und die Vorlesung aus
dem Koran anzuhören.--Nun südl. nach der Schwarzen Moschee, _Kalan
Masjid_, 1386 vom Firoz Schah Tughlak im Stil der ursprünglichen
arabischen Moschee erbaut, nahe dem Turkuman Gate.--Zurück denselben Weg
und am Dschaintempel (_Jain Temple_) nw. von Jama Masjid vorbei zur
Hauptstraße =Chandni Chauk= (_Silver Street_), die vom Lahore Gate des
Forts fast 2 km bis zum Lahore Gate der Stadtmauer westl. läuft und mit
den besten indischen Kunstgewerbeläden besetzt ist; an ihrem Westende
die _Fatehpuri-Moschee_ (1650 aus rotem Sandstein erbaut). In der Mitte
der Chandni Chauk ein Springbrunnen, dabei die _Sonahri Masjid_ oder
_Goldene Moschee_ mit drei Goldkuppeln; östl. und r. davon der
_Moti-Basar_.--Dann östl. weiter und durch die nächste Querstraße l.
nach dem prächtigen _Queen's Garden_ mit steinernem Elefanten (aus
Gwalior 1645 vom Großmogul Schah Jahan hierher geschafft). An der
Nordseite des Queen's Gardens läuft die _Queen's Road_ am Bahnhof
vorbei; man folge ihr östl. bis zur ersten Querstraße l., in der Post
und Telegraph liegen; dann l. in die _Hamilton Road_, hier r. die
Bibliothek, l. das Polizeiamt.
=Umgebung=:
1) Fahrt nach =Alt-Delhi= (_Firozabad_). Die Trümmer
der alten riesigen Millionenstadt reichen fast 30 km südl. vom
jetzigen Delhi; man fahre aus dem südl. Stadttore Delhi Gate südl.
am Gefängnis und Irrenhaus vorbei; etwa 4 Min. östl. liegt das alte
dreistöckige =Fort Firozabad= (_Kotila_ genannt); auf seinem Dach
steht die *_Lat-_ oder _Asoka-Säule_, ein Monolith aus rotem
Sandstein, 13 m hoch, mit Inschriften, wovon die zunächst
sichtbaren, in etwa 3 m Höhe, im Nagri-Dialekt aus dem Jahre 1524,
darüber aber das wichtige Edikt von Asoka, um 255 v. Chr., in den
ältesten bisher in Indien bekannten Schriftzeichen abgefaßt sind.
Weiter sö. (3 km südl. vom Delhi Gate) die alte _Feste Purana Kila_
(_Indrapat_) mit Tor; innen die stilvolle _Kila Kona-Moschee_ (1541
erbaut).--Etwa 1,5 km südlicher das prachtvolle *_Mausoleum des
Großmoguls Humayun_ in einem wohlgepflegten Park; Humayun, Sohn
Babers, des Erneuerers der Dynastie Timurs auf dem Thron von Delhi,
starb infolge Sturzes von der Treppe in Purana Kila 1556; sein
Mausoleum ist eins der prächtigsten Indiens, in ihm sind 150
Mitglieder der Familie der Großmoguln beerdigt.--Nun westl.
zum Grabmal des heiligen _Nizam-ud-din Aulia_, einem
Säulenprachtbau mit großer Kuppel; man steige aus und gehe durch
die Säulenhalle _Chausath Khambe_, in deren Umgebung noch viele
stimmungsvolle Grabdenkmäler liegen, darunter westl. vom Chausath
Khambe das Grab des Dichters _Amir Khusrau_ (der Papagei von
Hindustan), gest. 1315; nahebei das Grab der frommen _Jahanara_,
Tochter des Schah Jahan (gest. 1681). Auch das Mausoleum _Safdar
Jangs_, etwa 1,5 km westl., ist sehenswert. Dann Rückweg auf der
Hauptstraße nach Delhi, an der 3 km südl. vom Ajmer Gate r. (östl.)
_Jai Singh's Sternwarte_ liegt (1724 erbaut). Man tut gut, den
Ausflug nach Alt-Delhi in Abschnitte (s. die Zeiteinteilung, S. 71)
zu teilen wegen der vielen Sehenswürdigkeiten.
2) Fahrt zum *=Kutab Minar=, der größten Sehenswürdigkeit Delhis,
etwa 17 km südl. vom Ajmer Gate; beansprucht frühen Aufbruch,
dauert etwa 4 St. (Dâk Bungalow, mit gutem Essen, vorhanden, man
bestelle aber voraus; während der Reisezeit ist für Essen und
Getränke genügend gesorgt, doch für größere Gesellschaften auch
dann Vorausbestellung ratsam. Ein etwa 1/2 km vom Gasthaus
entferntes Mausoleum ist als Dâk Bungalow für höhere englische
Beamte eingerichtet; Reisende mit besondern Empfehlungen können auf
Wunsch Erlaubnis zum Übernachten erhalten, um am nächsten Tag die
alte Festung _Tughlakabad_ (8 km; s. weiter unten) zu besuchen. Man
fährt durch das Ajmer Gate an der Sternwarte Jay Singh's und dem
Mausoleum von Safdar Jang (s. oben) vorbei; weiterhin liegt r. vom
Wege (3,5 km nördl. von Kutab) der große verfallene Wasserbehälter
_Hauz Khas_ (vom Sultan Ala ud-din Khiliji 1293 erbaut) und südl.
davon eine Gelehrtenschule und das Grabmal von _Firoz Schah_.--Das
*=Kutab Minar= ist ein Riesenminaret (»Polarstern«-Minaret) von 76
m Höhe, 14,5 m unterm und 3 m oberm Durchmesser mit fünf äußern
Galerien; 375 Stufen führen zur Turmspitze, von der prächtige
*Aussicht auf die Trümmer von Alt-Delhi und über die weite
Punjab-Ebene. Neben dem Minaret steht die teilweise verfallene
=Moschee Kuwat-ul-Islam= (Bau 1191 begonnen), einst ein Prachtwerk
ersten Ranges, im Innern eine Säule aus massivem Schmiedeeisen von
7 m Höhe und 40 cm Durchmesser mit Sanskritinschrift aus dem 3.
Jahrh. n. Chr.; vor der NW.-Ecke der Moschee das älteste bekannte
indische _Grabmal des Altamsh_ (gest. 1236). Sö. vom Kutab Minar
liegt das Tor _Alai Darwazah_, daneben das _Grabmal des Imam Zamin_
und nördl. von dem großen Ala ud-din-Hof, der, mit Resten von
Säulengängen umschlossen, die ganze Anlage quadratisch einfaßt,
liegt der dicke, runde, niedrige _Turm Alai Minar_ (etwa 1312
erbaut).--Etwa 8 km östl. vom Kutab Minar liegt die alte _Festung
*Tughlakabad_ und südl. daneben das schöne _Grabmal des Tughlak_.
_=Fortsetzung der Bahnfahrt=_ nach Calcutta (s. S. 82).
1. Seitentour: Delhi-Umballa-Simla.
219 M (352 km) =Eisenbahn=, in etwa 12 St. etwa für I. Kl. 37 Rup., II.
Kl. 20 Rup.--Von Delhi nach _Umballa_ zwei Linien: Die westliche kürzere
über _Panipat_ bleibt auf dem rechten Jumna-Ufer, die östliche macht
einen Umweg über _Meerut_.
Man benutze den Schnellzug über (54 M) _Panipat_; der östlichste Teil
des Punjab, den man hier durchfährt, wird von vielen kleinern, aus den
Vorbergen des Himalaja kommenden Flüssen durchströmt, die sich später in
der Tharwüste verlieren. Die Landschaft bleibt flach bis (123 M)
=Umballa= (_Ambala_), _Cantonment Station_, Knotenpunkt mehrerer
Bahnlinien (_Umballa City_ und _Civil Station_ liegen 9 km westl.),
Distriktshauptstadt von 80082 Einw. (1/2 Hindu, 3/8 Mohammedaner);
_Lumley's Hotel_, nahe dem Bahnhof, Pens. 4 Rup. _Droschken_ zu haben.
Bank: _Alliance Bank of Simla_. Viele englische Läden, Kirchen,
Krankenhäuser. Hier umsteigen in den Simla-(Kalka-)Zug, wenn man in
einem Lahore-Zug fährt.--Das Land steigt allmählich und trägt gegen den
Himalaja hin mit der Zunahme der Seehöhe und damit auch der
Niederschlagshöhe immer reichere Vegetation.--(162 M) =Kalka= (730 m;
_Dâk Bungalow_; _Lowries Hotel_, daneben PT), der Endpunkt der
Hauptbahn, liegt schon in den Vorhöhen des Himalaja. Von hier führt eine
Bergbahn in 7 St. hinauf nach
(219 M) =Simla= (2159 m; _Hotel Cecil_ [Hotz, Schweizer], I. Ranges,
Deutsch gesprochen, vorzüglich, Pens. von 7 Rup. an; _Grand [Peliti's]
Hotel_, gut; _Lowries Hotel_, ähnliche Preise; _Longwood Hotel_, Pens. 6
Rup.; _Elysium_; _Metropole_, Pens. von 6 Rup. an; die Preise sind hoch;
Banken: _Alliance Bank_, _Delhi & London Bank Ltd._, Korr. der Berliner
Disconto-Gesellschaft; Klubs; PT bei der Union Church; Zeitung: _Simla
News_; Photographen: _Hotz_ (Deutscher), _Bourne & Shepherds_;
europäische Schneider- und Modegeschäfte etc. vorhanden). Berühmter
Himalaja-Luftkurort, Distriktshauptstadt mit 15000 (im Sommer 30000)
Einw., europäisch gebauten Häusern, Palast des Vizekönigs etc. Simla ist
eine großstädtisch angelegte europäische Sommerfrische, seit 1864
Sommerhauptstadt Indiens, in der der Vizekönig mit allen
Regierungsbehörden sechs Monate jährlich den Amtssitz hat (im Winter in
Delhi); es bietet jede Bequemlichkeit für verwöhnte Europäer auch für
längern Aufenthalt; Konzerte, Theater, Bälle; Bibliothek, Schulen, auch
katholische Schule und Kapelle; Sanatorien und Krankenhäuser. Mittlere
Jahrestemperatur 12,8° C (Juni 19,4°, Januar 3,8°; die Jahrestemperatur
von Simla entspricht also etwa der der französischen Riviera; doch sind
die jährlichen und auch die täglichen Temperaturschwankungen geringer
als dort. Darjeeling ist im Sommer nicht unbeträchtlich kühler als
Simla). Die Regierungsgebäude liegen auf einem Bergrücken 2180-2450 m ü.
M., weit verstreut inmitten des prachtvollen Pflanzenwuchses der
subtropischen Bergwaldregion des Himalaja; Laub- und Nadelbäume,
besonders prächtige Libanonzedern und Rosen (die noch im November
blühen!). Prächtige Fernblicke auf die schneebedeckten Bergriesen des
Himalaja. (Man lese Rudyard Kiplings »Under the deodars«.)
Die unvergleichliche Naturschönheit Simlas erkennt man erst voll,
wenn man Fußmärsche in die Umgegend macht; einer der
beschwerlichsten, aber lohnendsten führt nach =Sultanpur= (etwa 88
km in der Luftlinie nördl. Simla, Weg dahin etwa 200 km mit 11
Bungalows-Zwischenplätzen), dort guter Bungalow mit Verpflegung.
Sultanpur, die alte Hauptstadt des Sultanats von Kullu, das schon
großenteils Hochgebirgscharakter trägt, liegt im Kullutale;
Jagdgelegenheit auf Fasanen und andres Wild, in den höhern Bergen
auch auf Bären und Steinböcke.
2. Seitentour: Delhi-Umballa-Amritsar-Lahore-Peshawar.
627 M (999 km) =Eisenbahn= von _Delhi_ nach _Peshawar_ in 30 St. für I.
Kl. 36 Rup., II. Kl. 18 Rup.
Von Delhi nach (123 M) _Umballa_, s. oben. Die Weiterfahrt mit der North
Western Railway führt durch einen großen Teil des östl. Punjab; von den
fünf Flüssen, nach denen es genannt ist, überschreitet man den Sutlej
und seinen Nebenfluß Bias. Die Landschaft ist einförmig und mit
Ausnahme der Regenzeit dürr, staubig und kahl; Dattelpalmen und Pappeln
machen sich am meisten bemerklich.
(278 M) =Amritsar= (_Bahnwirtschaft_, leidlich; _Hotel Cambridge_
[deutsche Besitzerin], Pens. 8 Rup., leidlich; _Hotel Amritsar_ und
andre dürftige, weshalb man Amritsar besser von Lahore aus besucht
[1-1/2 St. Bahnfahrt] oder den Frühzug von Delhi benutzt und mittags
nach Lahore weiterfährt), interessante Stadt mit 152866 Einw. (1/2
Mohammedaner, 3/8 Hindu, 1/8 Sikh; schöne Bevölkerung), in flacher,
ungesunder Gegend, aber die reichste und wichtigste Handelsstadt des
Punjab (die _Delhi & London Bank Ltd._ und die _National Bank of India
Ltd._ sind Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, die letztere auch
der Deutschen Bank) und für den Handel mit Kaschmir, Hauptmarkt für
Teppiche und Kaschmirschals (man kauft auch in Amritsar Stickereien etc.
zu billigern Preisen als sonstwo in Indien, doch muß man tüchtig
handeln!); zugleich religiöse und einst auch politische Hauptstadt der
Sikh, der durch kriegerischen Geist ausgezeichneten Anhänger einer um
1500 entstandenen religiösen Sekte, deren Lehren zwischen denen des
Brahmanismus und des Mohammedanismus zu vermitteln streben; als Volk
bilden die Sikh keine Einheit, da sie zum Teil dem Volksstamme der
Dschat, zum Teil den Hindu angehören. Das heilige Buch der Sikh, der
Granth-Sahib, ist Mittelpunkt des Gottesdienstes und wird deshalb in dem
großen *=Goldenen Tempel= _Darbar-Sahib_ fortlaufend vorgelesen. Der
Tempel liegt in der Mitte der Stadt, am »Teich der Unsterblichkeit« (=
_Amritsar_), mit vergoldeter Kuppel und vier silbernen Türen (Eintritt
für Fremde nur in Überziehschuhen durch die Nordtür) sowie schönem
Glockenturm. Priester schenken Blumenketten oder Pfauenfedern oder
Zuckersaft und erhalten dafür 1 Rupie; zum Dienst am Heiligtum sind mehr
als 500 Priester angestellt. Jeder Sikh badet im Teiche. An der Südseite
des Teiches liegt der weniger sehenswerte _Darbargarten_ mit
Fruchtbäumen und kleinen Pavillons; am Südende der malerische Turm
_Baba-Atal_ über dem Grabe des Sohnes des Apostels (Guru) Govind Singh
erbaut; die Fakire im Garten werden 7 Uhr abends von den Priestern
gefüttert.-- In der Stadt besichtige man die weltbekannte Teppich- und
Kaschmirschalfabrik von _Chamba Mal_ und _Devi Sarai_ und den _Kaisar
Bagh_, eine moderne Karawanserei, reich an Volkstypen aus Mittel- und
Ostasien.
=Ausflug= von Amritsar nö. mit der »Amritsar Pathankot Railway« bis
(67 M, 108 km) =Pathankot= (_Bahnwirtschaft_; _Dâk Bungalow_), am
Gebirgsfuße; von da mit Tonga (15 Rup., ein Platz 7 Rup.) bis (34
M) _Danera_ (Übernachten im Dâk Bungalow), dann mit Pony (5 Rup.)
oder Dooly (9 Rup.) nach (22 M, 35 km) =Dalhousie= (_Strawberry
Bank Hotel_; _Springfield Hotel_; _Bull's Head Hotel_), reizender
Sommerfrische mit Sanatorium im Waldgebirge, 2350 m ü. M., mit
ähnlichen Klima- u. Vegetationsverhältnissen wie Simla. Lohnender
Ausflug nach (19 km) _Chamba_ (Dâk Bungalow) in prächtiger
Landschaft.
Von Amritsar südwestwärts weiter nach dem Bahnknotenpunkt
(349 M) =Lahore= (254 m; _Bahnwirtschaft_, gut; _Nedous Hotel_, Pens.
7-8 Rup., gut, sehr erweitert, gegenüber Lawrence Gardens, 3,5 km vom
Bahnhof, 1,5 km von der Altstadt; _Faletti's Hotel Cecil_, Pens. von
7 Rup. an, gelobt, neu;--Banken: _Bank of Bengal_; _Alliance Bank of
Simla_ etc.--Klubs;--Droschken nach Tarif;-- Zeitungen: »_Tribune_«,
»_Civil and Military Gazette_«; Photographen: _Craddock_; _Burke_;
_Jadukishan_; mindestens 2 Tage Aufenthalt zu empfehlen), Hauptstadt
der Provinz Punjab, nahe dem Raji, dem dritten Fünfstromlandfluß, mit
dem östl. gelegenen Garnisonsort _Meean Meer_, 228318 Einw. (120000
Mohammedaner, 70000 Hindu, 7000 Sikh, 5600 Christen), im April 1905
von einem schweren Erdbeben heimgesucht. Wie Amritsar durch die Sikhs,
so hat Lahore durch die Herrschaft der mohammedanischen Mogulkaiser
(turktatarischen Stammes) seinen Charakter aufgeprägt erhalten. Die
Altstadt mit engen Straßen von Mauern umgeben, mit vielen Moscheen,
Karawansereien, Pagoden, Märkten; in der NW.-Ecke der Stadt die
_Zitadelle_ (Fort; Besichtigung nur mit Paß, vom Deputy Commissioner zu
bekommen) mit Werkstätten, an deren Ostende der _Akbar-Palast_ liegt;
im Fort die _Perlmoschee_ (Moti Masjid), daneben der Spiegelpalast
_Shish Mahal_ (vom Schah Jahan und Aurangzeb erbaut); östl. davon
ein kleiner Sikh-Tempel. Mitten in der Westmauer liegt der weiße
Marmorpavillon *_Nau Lakha_. Im Zeughaus alte indische Waffen, auch
Kamelgeschütze und merkwürdige Revolverkanonen. Neben dem Turme
von _Shish Mahal_ stand im Großmogulpalast noch ein größerer, der
_Saman Burj_. Nun östl. zum _Diwan-i-Khas_ (Marmorsäulenhalle),
jetzt als Kirche benutzt; östl. davon der Hindupavillon _Akbari
Mahal_ (jetzt Apotheke) und der rote Sandsteinbau an der Nordmauer
_Khwabgha-i-Kalan_. Mitten im Fort der _Diwan-i-Am_ (jetzt Kaserne),
östl. davon ein Hospital.--Die _Bank of Bengal_ und die _National Bank
of India Ltd._ sind Korr. der Berliner Disconto-Gesellschaft, letztere
auch der Deutschen Bank.
_=Rundfahrt=_. Vom Bahnhof durch die europäische Villenstadt sö. von der
Eingebornenstadt durch Empress Road über _Charing Cross_, vorbei am
_Government House_ (früher Mausoleum des Muhammed Kasim Khan, Vetter des
Kaisers Akbar); dann westl. durch Upper Mall Road zum _Lawrence Garden_,
Botanischem Garten mit Raubtierhaus; l. bleibt _Lawrence Hall_ und
_Montgomery Hall_ mit Porträtsammlung; dann r. am _Punjab Club_ und an
der _Kathedrale_ vorbei (in deren Nähe das Telegraphenamt); dann l. am
_Postamt_ und den *_Museen_ (Punjabsammlungen verschiedener Art,
besonders die reichhaltigste Sammlung von »Gandharaskulpturen«, etwa 2400
Nummern) nach den _Anarkali Gardens_; hier ein lange als christliche
Kirche benutztes _Grabmal der Anarkali_ (»Granatblüte«), Favoritin des
Kaisers Akbar, von ihm lebendig eingemauert, weil sein Sohn Salim sie
liebte; Salim (der spätere Kaiser Jahangir, dessen Lieblingsresidenz
Lahore war) erbaute 1615 das Mausoleum. Sehr interessant ist der
_Anarkali-Basar_.--Dann nördl. an den Regierungsgebäuden, Schulen,
Krankenhäusern und dem protestantischen Kirchhof vorbei über die
Schiffbrücke des Raviflusses nach (9 km) _Shah-Dara_. Man kreuzt die
Bahn und sieht l. einen Kuppelbau, das _Grab des Asaf Khan_; dann r. in
einen Park mit prächtigem Marmorpflaster zum *_Grabmal des Kaisers
Jahangir_, einem Quadratbau mit vier 30 m hohen Minarets in den Ecken,
aus weißem Marmor und rotem Sandstein 1627 erbaut; man beachte die
Feinheit der Steinskulptur der weißen Marmoreinfassung des Grabmals.
Rückfahrt durch das Westtor der Stadt über die _Esplanade_ nach dem
_Fort_ (s. oben).--Sehenswerte Moscheen sind die von _Wazir Khan_ (mit
sehr schöner Kachelfassade), die Goldene Moschee _Sonahri Masjid_ und
die Hauptmoschee _Jama_ (oder _Badshahi_) _Masjid_. In der englischen
Niederlassung ist ein Schwimmbad. Die Umgebung von Lahore ist durch vom
Ravi abgezweigte Kanäle bewässert.