üppiger Tropenvegetation bedeckten Westküstengebiet des Dekhans,
das den Regen bringenden Südwestmonsun aus erster Hand erhält, in
immer trockenere Zonen; dementsprechend ändert sich auch die
Vegetation, die in Radjputana schon mehr Ähnlichkeit mit der des
trockenen Vorderasien hat, als mit der tropischen des südl. und
östl. Vorderindien. Die Temperaturverhältnisse ändern sich im
Sommer zwischen Bombay und Delhi nicht so sehr, als man es nach der
etwa 10 Breitengrade betragenden Entfernung erwarten sollte;
dagegen ist der Winter in Bombay ganz bedeutend wärmer als in Agra
und Delhi (Januartemperatur in Bombay 23,6°, in Agra 15,6°).
Die täglichen Temperaturschwankungen, die für das körperliche
Befinden des Menschen besonders wichtig sind, sind in
Nordwestindien viel größer als in dem beständig feucht-warmen
Bombay.
Die Bahn geht von _Bombay_ nördl. längs der Back Bay mit Blick auf
Malabar Hill und die Türme des Schweigens, durchläuft die flache Insel
Bombay, Dörfer mit Kokospalmen, und kreuzt bei (10 M) _Mahim_ das
seichte Meer zwischen den Inseln Bombay und Salsette auf einem Damm (von
hier ab vgl. die Karte S. 96). Jenseit des Dammes (11 M) _Bandra_ mit
alten portugiesischen Kapellen, beliebtes Seebad mit frischerem
Seeklima; ein Ritt längs der Westküste der Insel von Bombay nach Bandra
ist sehr lohnend zum Kennenlernen tropischer Natur (s. S. 42).--Die Bahn
führt nun nahe längs der Westküste der Insel Salsette nach (18 M)
_Goregaon_, dicht am Meer; etwa 2 km nö. vom Bahnhof liegen die
Tempelhöhlen von _Jogeshwar_ aus der zweiten Hälfte des 8. Jahrh.--(22
M) _Borivli_. Von der Stat. _Borivli_ in 1 St. (mit Tonga) über waldige
Hügel nach den interessanten Höhlen von _Kanhari_, 109 in Felsen
gemeißelte buddhistische Mönchszellen (jetzt verlassen).--Bei (23 M)
_Bhayndar_ (_Ghorbandar_) überschreitet die Bahn auf 2 M langer Brücke
den _Basseïn Creek_, einen Meeresarm, der die Insel Salsette vom
Festlande trennt; jenseits liegt (29 M) Stat. _Basseïn Road_ (Dâk
Bungalow).
Von Basseïn Road mit Tonga (stets bereit) auf Landstraße südwestl.
nach (8 km) *=Basseïn= (Dâk Bungalow, Frühstückskorb mitnehmen,
Unterkunft beim Stationsvorstand schriftlich vorausbestellen!), als
starke Seefestung 1532 von den Portugiesen angelegt, 1674 von
arabischen Piraten geplündert, 1739 von den Mahratten, 1744 und
1780 von den Engländern erobert, den Mahratten aber zurückgegeben,
wurde erst 1817 englisch. Das Rasthaus nahe den Ruinen hat Tische
und Stühle. Man fährt durch das mächtige Seetor (aus Teakholz, gut
erhalten) in das Fort; der Hauptweg führt zur Kathedrale _Matriz
St. Joseph_ mit gut erhaltenem Turm. Mitten im Fort liegt die
Zitadelle, in ihr die älteste Kirche Indiens, _Nossa Senhora da
Vida_, mit sehenswertem Kanzeldach. Im W. Hindutempel und Tank.
Zwischen Tank und Municipal Road liegen Kirche und Hospital
_Misericordia_, letzteres mit herrlichen Klosterhallen; die
Kirchenfront ist das schönste Architekturstück Basseïns. Im Kloster
pflegte der heilige Francis Xavier während seiner Besuche 1544 und
1548 auszuruhen. Auch das Landtor _Porto da Terra_ ist sehenswert.
(Der Besuch der Ruinen Basseïns wird von Kennern sehr empfohlen!)
Die Bahn berührt unbedeutende Stationen. Von (108 M) Stat. _Daman
Road_ (Dâk Bungalow) führt eine Landstraße westl. nach (7 M) =Daman=,
einer 1531 begründeten, noch jetzt portugiesischen Niederlassung, die
zu Goa gehört; kleine befestigte Seehandelsstadt an einem Flusse mit
seichter Barre und schlechtem Ankerplatz für Schiffe. -- Weiter nach
(115 M) Stat. _Udvada_ mit dem ältesten parsischen Feuertempel in
Indien, dessen Feuer aus Persien vor einem Jahrtausend (700 n. Chr.)
mitgebracht wurde und seitdem brennt. Es folgt die kleine Stadt (149
M) _Navsari_, Erziehungsort für parsische Priester. -- (167 M) Stat.
=Surat= (Dâk Bungalow), Stadt mit 114116 Einw., früher als Hauptort
der englischen Handelskompanie im 18. Jahrh. mit über 3/4 Mill. Einw.;
viele Moscheen, Hindu- und Parsitempel, große Basare (Intarsien,
Sandelholzschnitzereien), Tierspital; Baumwoll- und Seidenspinnereien;
da der Hafen von Surat, _Siwalli_, an der Tapti-Mündung eine schlechte
Reede und versandete Barre hat, hat Surat seine Bedeutung als
Seehandelsplatz längst verloren. -- 2 M weiter überschreitet die Bahn
auf langer Brücke den Tapti. -- Vor (204 M) Stat. _Broach_ (_=von
hier ab vgl. die Karte bei S. 64=_) führt die Bahn auf einer schönen
Brücke über den Nerbudda (spr. narbadda), den 1280 km langen Hauptfluß
der Zentralprovinzen, der den Hindus nicht viel weniger heilig ist
als der Ganges. Im Spätsommer, gegen Ende der Regenzeit, ist er
mächtig angeschwollen. Die kleine Stadt Broach ist sehr alt, hat auch
fünf »Türme des Schweigens«. 16 km östl. liegt der Hindu-Pilgerort
_Shukaltirth_. -- (248 M) Stat. =Baroda= (gute _Bahnwirtschaft_ mit
Schlafgelegenheit), Stadt mit 99376 Einw., am Flüßchen Wiswamitri,
Hauptstadt des gleichnamigen Gaekwar-(Kuhhirt-) Staates, mit starker
englischer Besatzung, deren Kasernen durch einen hübschen Park von
der Eingebornenstadt getrennt sind. In dem alten _Nazar Bagh-Palast_
liegen viele Juwelen, auch zwei Feldgeschütze, deren Rohre aus massivem
Gold, die Lafetten aus Silber sind. Weiße Stiere als Geschützbespannung
werden nahebei gehalten.--Nw. von Baroda durchläuft die Bahn die ebene,
fruchtbare, im Winter kahle und öde, in der Regenzeit aber grüne,
parkähnliche Landschaft _Guzerat_, durch die man bei Tage fahren
sollte. Besonders die Baumwolle von Guzerat ist berühmt. -- Vom Bahnhof
(292 M) _Mehmadabad_ (guter Warteraum im Bahnhof) malerischer Blick
auf den Fluß; abends und morgens spielen Affenherden dicht beim Zuge;
günstiger Jagdausflug auf schattiger Straße von Mehmadabad nach _Kaira_
(11 km), einer 3-1/2 Jahrtausende alten Stadt; die Umgegend ist reich
an Nilgai und andern Antilopen, Affen, wildem Geflügel (Kraniche,
Papageien) und Alligatoren. -- Die weitere Bahnstrecke bis nach Delhi
ist überreich an schönen Gebäuden und Ruinen. Man erreicht nun
(310 M, 496 km) Stat. *=Ahmedabad=, eine der schönsten Städte Indiens,
berühmt durch ihre Denkmäler; man sollte wenigstens 24 St. Aufenthalt
nehmen (5 Tage genügen kaum zu gründlichem Besuch).
=Bahnhof= der _Bombay & Baroda Railway_ beim Kaloopur Gate an der
östl. Stadtmauer. -- =Gasthöfe=: _Empire Hotel_, Bhadar, Pens.
10-12 Rup., in guter Lage; _Grand Hotel_, Mirzapur Road, Pens. 7
Rup., einfacher, gelobt. -- =Bank=: Filiale der _Bank of Bombay_.
-- =Einkäufe=: Empfehlenswerte Schnitzereien u. Einlegearbeiten.
-- =Wagen= in den Hotels; Droschken I. und II. Kl. nach Tarif.
_Ahmedabad_, Bezirkshauptstadt mit 215448 Einw. (2/3 Hindu, 1/5
Mohammedaner, viele Dschainas, d. h. Anhänger einer etwa gleichzeitig
mit dem Buddhismus entstandenen religiösen Sekte), am l. Ufer des
Sabarmatiflusses, mit alten Mauern und Türmen, ist Anfang des 15. Jahrh.
von Ahmad Schah, dem zweiten mohammedanischen König von Guzerat,
gegründet, war später zur Zeit des Mogulreichs eine der glänzendsten
Städte des westlichen Indiens und stets berühmt durch sein
Kunsthandwerk; hat bedeutendes Goldwaren-, Seiden- und Baumwollengewerbe.
Die Stadt ist reich an schönen Denkmälern, Moscheen, Mausoleen,
Dschain- und Hindutempeln und hat echt orientalisches Gepräge; die
schmutzigen Straßen haben viele marmorne Futterstellen für Vögel, die
Häuser sind reich an Holzschnitzereien. -- Bei einer Rundfahrt sind die
Hauptsehenswürdigkeiten: der _Hathi Sing's Tempel_ im Dschainstil,
Prachtbau mit reichen, kunstvollen Skulpturen (1848 erbaut) aus weißem
Marmor, von einem Vorhof mit 53 Pagodenkuppeln umgeben, auch im Innern
(Diener liefern Leinwandüberschuhe, die man aus zeremoniellen Gründen
tragen _muß_!) sehr sehenswert; er liegt nahe vor dem Nordtore (_Delhi
Gate_) der Stadt, im Grünen, von Affen und Papageien umschwärmt. Östl.
davon vor der Stadt die *_Mata Bhawani_ (große Zisterne). -- Man fahre
dann durch Delhi Gate südl. am _Manik Burj_ (Rubinbastei) vorbei (l.),
die über dem Grundstein der Stadt erbaut ist. -- Am Platz in der Mitte der
Stadt liegen die *_Gräber der Königinnen des Ahmad Schah_, ein großer
Bau aus schwarzem und weißem Marmor. Gegenüber, mitten auf dem Platze,
die Hauptmoschee, *_Jama Masjid_, 1424 von Ahmad Schah erbaut; Eingang
von N. auf einer Freitreppe; ihre beiden Minarets wurden im Erdbeben 16.
Juni 1819 halb zerstört. -- Ebenfalls ein Prachtbau ist die *_Rani
Sepree's Moschee_ nebst Grabdenkmal der Lieblingsgattin Mahmud
Bigarah's, am Ende der Straße nahe südl. von den Gräbern der Königinnen,
dicht beim _Astoria Gate_, erbaut 1514. Dicht westl. davon liegt _Dastur
Khan's Moschee_, erbaut 1486. -- Durch das Astoriator führt ein Weg nach
(2,5 km) dem *_Grabmal des Schah Alam_; nahe südl. davon liegt in
hübscher Umgebung ein Wasserbehälter. -- Auf der Rückfahrt besuche man
östl. vom Weg den großen *_Kankariya-Teich_ mit prächtigen Anlagen,
Marmortreppen und Kuppeltoren, 1451 vom Sultan Kutab-ud-din erbaut. -- Am
Fluß, mitten in der Westmauer der Stadt, liegt die alte Zitadelle
*_Bhadr_ (spr. bödder), 1411 von Ahmad Schah erbaut; an ihrer
Ostseite liegt _Azam Khan's Palast_, jetzt Gefängnis. Sehr schön ist das
Nordtor des Bhadr; in der NO.-Ecke der Zitadellenmauer liegt die *_Sidi
Said's Moschee_ mit reichen Pflanzenornamenten aus Marmor.
Etwa 3,5 km sw. der Stadt, jenseit des Flusses, liegt das
Prachtmausoleum _Azam and Mu'azzam Khan's Tomb_, aus dem 15. Jahrh.
Derselbe Weg führt nach (11 km) *=Sarkhej=, einer prächtigen
Sommerpalastruine aus dem 15. Jahrh., vom Sultan Mahmud Bigarah's
erbaut, gut erhalten, mit vielen prächtigen Mausoleen, Moscheen und
Palästen an einem künstlichen Teich; selten besucht, aber sehr
sehenswert.
Ein größerer Ausflug von Ahmedabad mit der Bahn durch die Provinz
Kathiawar über Viramgam nach (165 M) _Songad_ (bequeme
Karawanserei); von da mit Fahrgelegenheit, die der Deputy Assistant
Political Agent verschafft, nach dem etwa 24 km südl. von Songad
gelegenen Wallfahrtsort *=Palitana=, wo die schönsten, doch selten
besuchten Dschaintempel Indiens auf dem *=Satrunjaya= (Heiliger
Berg) liegen, eine großartige Tempelstadt, die sich über zwei Hügel
und das Tal dazwischen erstreckt. Auf Bequemlichkeit ist unterwegs
nicht zu rechnen. Schließt man daran noch den weitern Ausflug nach
den Tempeln von *_Girnar_ bei der Bahnstation _Junagarh_ (Dâk
Bungalow und staatliches Logierhaus), so muß man 6 Tage für den
anstrengenden, aber sehr lohnenden Ausflug rechnen.
Die Bahn kreuzt nördl. von Ahmedabad den _Sabarmati_ (_Saburmuttee_) auf
einer schönen Brücke und führt dann durch reich bebaute Gegenden des
nordwestlichen Guzerat; die Dörfer haben elende Lehmhütten. Nach
Überschreiten der Nordgrenze von Guzerat wird die Gegend wieder
hügeliger.
(425 M) _Abu Road Station_ (Bahnwirtschaft; Dâk Bungalow). Motorwagen
(7 Sitze, 35 Rup., Fahrzeit 1-1/2 St.; ein Sitz 5 Rup., fährt nur für
mindestens 4 Personen). Ponies (4 Rup.), Rikschas, Tongas, Ekka (4-1/2
Rup.) sind zu haben. Wagen 24 St. vorausbestellen!
Von hier besuche man die 30 km nw. gelegene, 1200-1700 m hohe
Berggruppe des *_Mount Abu_. Sie ist der südl. und zugleich höchste
Teil des Aravalligebirges, das in 500 km Länge die Grenze zwischen
dem nordwestl. Dekhan und dem nordostindischen Wüsten- und
Trockengebiet bildet; seine Hänge fangen die Regenwinde ab und
haben deshalb eine viel üppigere Vegetation als die umgebenden
Niederungen. Es besteht aus sehr alten Gesteinsarten und ist reich
an Erzen und Edelsteinen. Guter Weg zu Wagen (Tonga 10 Rup., hin
und zurück 18 Rup.), zum Schluß mit Rikscha oder zu Fuß bis zum
Kamm (2-1/2 St.). Der Ort =Mount Abu= (_Rajputana Hotel_, gut,
Pens. 7 Rup., Platz vorausbestellen!) in 1200 m Höhe ist
vielbesuchter Sommeraufenthalt und Sitz der Rajputana-Regierung
sowie eines militärischen Sanatoriums. In der Nähe liegen die
berühmten, ganz aus Marmor bestehenden *=Dilwarratempel= (11.
Jahrh.), Dschaintempel, viel von Reisenden besucht (von 12 Uhr an
zu sehen), äußerst lohnend; man benutze Rikscha mit 3 Kulis für 2
Rup. hin und zurück; Paß zum Besuch vom Magistrat in Mount Abu
besorgt das Hotel. Von den Dilwarratempeln gelangt man zu Fuß in
2-1/2 St. oder mit Rikscha nach _Achilghar_ (_Achalgrah- Fort_) mit
hochgelegenen Tempeln mit schöner Fernsicht.
Nach etwa 20 St. Fahrt von Ahmedabad erreicht man (615 M, 990 km)
=Ajmer=, _Adschmer_ (496 m ü.M.; _Railway Hotel_, mäßig, vorzügliche
Schlafzimmer und Restaurant im Bahnhof; Dâk Bungalow; Club Kaisar Bagh;
Bank: Alliance Bank of Simla; Droschken), Stadt mit 86273 Einw., mit
Mauer (fünf schöne Tore) umgeben, als Handelsstadt wichtig;
Bankgeschäfte für einheimische Fürsten und Baumwollmarkt; im März große
Messe »Aruss-Mela«. Aufenthalt 1-2 Tage ratsam. Hauptsehenswürdigkeit ist
die _Dargah_, ein Mausoleum aus dem 13. Jahrh., das Grab des
mohammedanischen Märtyrers Khwajah Muin-ud-din Chishti (genannt
Chodscha-Sahib), der allgemein als Heiliger verehrt wird; das von vielen
Pilgern besuchte Grab ist ein viereckiger Bau aus weißem Marmor mit
Kuppel; einer der beiden Eingänge hat einen silbernen Bogen. Christen
dürfen sich dem Heiligtum nur auf 20 m nähern!--Im alten Fort ist jetzt
ein _Museum_ eingerichtet.--Der im 11. Jahrh. angelegte künstliche See
_Ana Saugar_ ist mit Marmorbauten umgeben. Auch die Moschee
_Arhai-din-ka-jhompra_, um 1200 von Kutab-ud-din aus den Trümmern eines
Dschaintempels erbaut, am Hügel außerhalb der Stadt und dicht vor dem
Tore nahe der Dargah, ist sehr sehenswert.
Oberhalb von ihr vom Gipfel des =Taragarh-Hügels= (1000 m; morgens
mit Sänfte oder Pony bequem in 1-1/2 St. zu erreichen) hat man bei
der zerfallenen Burg prächtige *Aussicht auf die Stadt und die
weite Rajputana-Ebene. --Umgegend und Stadt Ajmer sind sehr
malerisch und reich an seltenen Motiven. Die alten Häuser und
Straßen sind gut gepflegt, das Straßenleben viel bunter
und »indischer« als in Bombay.--Ausflug nach dem heiligen
Brahmanensee *_Pushkar_ (11 km; Dâk Bungalow) mit mehreren Tempeln,
sehr lohnend; wird im Oktober und November von etwa 100000 Pilgern
besucht.
Seitentour nach Udaipur.
=Eisenbahn= von _Ajmer_ mit der Bombay, Baroda and Central India
Railway über (116 M) _Chitorgarh_ nach (185 M) _Udaipur_ in 12-1/2
St. für I. 17-1/2, II. 7-3/4 Rup. (bester Zug abds von Ajmer; man
bestelle vorher beim Stationsvorsteher von Ahmedabad oder Ajmer
durchgehenden Wagen (keine Nachzahlung), sonst umsteigen in
Chitorgarh (Chitorgarh besuche man erst auf der Rückfahrt).
*=Udaipur= (620 m; guter Gasthof mit beschränktem Raum, deshalb
Vorausbestellung zu empfehlen; _Tongas_ zu haben; Missionsarzt der
Church of Scotland am Orte), die wunderbar malerische Hauptstadt
des Mewarstaats und Sitz des Maharana (Fürstentitel) _Dhiraj Sir
Fateh Singh_, des Hauptes der ältesten indischen Adelsfamilie,
gegründet 1568 von dessen Vorfahren, dem Maharana _Udai Singh_, hat
jetzt etwa 46000 Einw. und ist mit bastionierten Mauern umgeben.
Dr. _J. Schmittmann_ nennt sie eine der schönsten Städte
Indiens: »Dort verwirklichen sich die Träume, die man in Europa von
der Pracht und dem Farbenreichtum Indiens träumt: das bunte
Volksleben und die malerischen Marmorpaläste findet man sonst
nirgendwo mehr«.--Sofort nach Ankunft bitte man den englischen
Residenten um Erlaubnisschein zur Besichtigung der Paläste, um
einen Reitelefanten des Maharanas und ein Boot zum Befahren des
Sees; alles wird kostenlos zur Verfügung gestellt (Trinkgeld!).
Nähere Auskunft gibt der Wirt des Gasthofs. Die Residency und die
Missionshäuser liegen westl. vom Gasthof. Die Hauptstraße der Stadt
führt vom _Hathi Pol-Tor_ vorbei an einem Uhrturm und an dem großen
*_Jagannath-Tempel_ (1640 erbaut) zum *_Palast des Maharanas_, der
in beherrschender Lage einen Hügel krönt. Durch das Große Tor
(_Bari Pol_, 1600 erbaut) gelangt man in den Schloßhof, wo viele
Elefanten angekettet bereitstehen. Geführt von einem Diener,
durchwandert man die vielen sehenswerten Räume des Palastes; von
einem Dachgarten *Aussicht auf Stadt und Umgegend. Nach S. dehnen
sich die Gärten des Maharanas aus, nördl. unter dem Palast breitet
sich ein märchenhafter See mit kleinen Palmeninseln und
Marmorkiosken aus. Zur Kahnfahrt auf dem See nehme man einen
Nachmittag und beobachte von einer Insel den Sonnenuntergang.
Bei Rückfahrt gegen Mittag ab Udaipur hat man einige Stunden Zeit,
die alte Ruinenstadt von *=Chitorgarh= (Dâk Bungalow 1,5 km vom
Bahnhof, gut, auch gutes Essen; wegen Erlaubnis zur Besichtigung
des Forts und Benutzung eines Reitelefanten schriftlich beim Hâkim,
Oberbeamten des Ortes). Die Ruinen liegen auf einem steil
abfallenden Hügel von 150 m Höhe (Rudyard Kipling beschreibt das
Fort in »_The Naulakha_« und »_Letters of Marque_«). Ein breiter
Zickzackweg führt durch mehrere Tore in die Feste hinauf. Man
besteige die berühmten beiden Dschaintürme des Ruhmes und des
Sieges; der siebenstöckige *_Tower of Fame_ (Sri Allat) soll 896
erbaut sein und ist ebenso wie der 1458 bis 1468 erbaute *_Tower of
Victory_ (Jai Stambha) ganz mit interessantesten Skulpturen
bedeckt.
Von _Ajmer_ führt die Hauptbahnlinie (S. 67) weiter nach:
(699 M, 1125 km) Stat. =Jaipur=, _Dschaipur_, _Jeypore_ (482 m;
_Jaipur Hotel_ [Bes. Parse], von Deutschen gelobt, Pens. 7 Rup.;
_Kaisar-i-Hind-Hotel_, nahe dem Bahnhof, 1,5 km vor der Stadt,
leidlich, Pens. 6 Rup.; Wagen, Tongas, Ponies, Elefanten besorgen
die Gasthöfe), Hauptstadt des gleichnamigen Fürstentums und Residenz
des Maharadscha, eine wunderlich malerische und gesunde Stadt mit
136491 Einw., zwischen Hügeln; viele Tempel und Moscheen, große
Bankgeschäfte, Kunstgewerbe für Export und Touristenwaren (Einkäufe
in der sehenswerten indischen Kunstgewerbeschule »School of Art«
[feste Preise] oder in den Werkstätten von Zoroaster, sonst Vorsicht
[tüchtig handeln!]: Emaillesachen, Metallvasen, Schmuckdecken, Teller,
Granaten, gelbe Topase); Teppich-, Musselin- und Kattunwebereien.
Aufenthalt 2-3 Tage ratsam, um auch Amber (S. 69) besuchen zu können.
Eine Mauer mit hohen Türmen und sieben prächtigen Toren umgibt die
Stadt. Der Maharadscha hält eignes Militär (Musik geleitet von einem
deutschen Kapellmeister); Zeughaus, Geschützgießerei.--_=Rundfahrt=_
vom Hotel 1,5 km zum Bronzetor vor der prächtigen, breiten Hauptstraße,
deren Häuser, alle in gleichem Stil, rosa bemalt sind mit weißen
Ornamenten; buntes Straßenleben, viele Tauben, interessanter Markt.
Der *_Palast des Maharadscha_ (Erlaubnis zum Besuch besorgt das Hotel)
mit prächtigem Garten (Teich mit Krokodilen), der siebenstöckigen
_Chandra Mahal_, das Hauptgebäude mit dem Audienzsaal Diwan-i-Khas
aus weißem Marmor. Östl. davon die berühmte alte _Sternwarte_ des
Radscha Jai Singh II. (der Jaipur 1728 gründete und den Namen gab)
mit seltsamen Instrumenten. Daneben der große _Marstall_ mit 300
Pferden (viele glasäugige und Schecken, aber nur etwa 10 besserer
Klasse) und einigen Elefanten; hier auch die _Zenana_ (Harem).--Ein
bizarrer Bau ist der _Hawah Mahal_ (Palast der Winde, von Jai Singh
II. erbaut), dessen Front nach der Hauptstraße liegt; Uhrturm und
Zeughaus sowie eine Druckerei liegen im innern Palasthof. Östl.
vom Audienzsaal ist der von Kolonnaden umgebene Exerzierplatz. Vor
dem Haupteingang steht das _Ushwari Minar Swarga Sul_, »das Himmel
durchbohrende« Minaret.--An der Stadtmauer ein schöner _Park_ mit
Tiergarten (sehr wilde Königstiger) und in der Mitte der Prachtbau
_Albert Hall_, ein reichhaltiges =Museum= für alte und neue
indische Kunst, nebst naturwissenschaftlichen Sammlungen; es ist
eins der größten Museen Indiens und wird durch die Freigebigkeit
des Maharadscha fortwährend bereichert.--Man besuche auch das
_Maharaja's College_, eine Schule des Maharadscha für etwa 1500
Zöglinge aller Religionen, mit schöner Bibliothek, sowie die _School
of Art_, eine indische Kunstgewerbeschule.-- Dicht nö. der Stadtmauer
liegen die *=Gedächtnistempel= (_Chhatris_, _Chuttries_) über den
Verbrennungsplätzen der Radschas; man nehme einen Führer, da der Weg
durch einen verwilderten Park (Schlangen!) führt. Auf dem Hinweg
zahllose Affenherden, die man füttern kann (aber Vorsicht; nicht necken
oder reizen). Jai Singh's Chhatri ist der schönste.--11 km südl. von
Jaipur liegt _Sanganer_, mit altem Palast und Krischna-Tempel.
=Ausflug nach Amber= (_Alt-Jaipur_), 8 km von Jaipur in den
Bergen des Aravalligebirges gelegen. Erlaubnis zum Besuch
erteilt der Resident (durch Vermittelung des Gasthofs);
Elefanten durch den Hotelwirt für 10 Rup. (doch ist das
Reiten unbequem); bis zu den Bergen fährt man im Wagen. Der
Weg ist sehr schön, er führt zwischen Parks und Villen der
Radschputen-Aristokratie, Palastruinen (eine mit Krokodilteich)
und Kandelaberkaktusgebüschen hindurch in 1 St. bis zu einem
freien Platz, wo man den Wagen mit Pferden verläßt (Ochsenwagen
fahren bis Amber) und wo event. der Elefant wartet (hier Rasthaus,
Essen vorausbestellen, Getränke zu haben). Von hier geht (oder
reitet) man auf gutem Weg in 40 Min. bequem bis *=Amber=; oben
prächtige Aussicht auf die graue Ruinenstadt von Amber in einer
Talsohle und das helle Jaipur in der Ebene. Das alte _Schloß_ ist
völlig verlassen, nur einige Fakire hausen in den Ruinen; man
reitet bis zum Tor, geht dann durch den großen Hof über Terrassen
und Gänge, sieht prächtige Marmorbauten mit Steingitterfenstern,
Kiosken, Bädern, Gärtchen in edelstem maurischen Stil.--Amber
wurde 1728 wegen Wassermangel oder nach der Überlieferung infolge
einer Prophezeiung von Jai Singh II. verlassen, weil die Stadt
ein Jahrtausend alt sein sollte und er, um sein Herrscherhaus
zu erhalten, eine neue Hauptstadt gründen müßte. In der Zenana
(Harem) von Amber hielt sich der letzte mohammedanische Herrscher
928 Frauen, darunter nur 28 Ranis (Königinnen); die Fenster der
Zenana sind noch dicht vergittert.--Schon Ptolemäus erwähnt die
malerische Schönheit von Amber; nur in Gwalior ist noch ein
indischer Palast von ähnlicher Schönheit.
=Ausflug nach Gulta.= Mit Wagen durch die Stadt zum Fuß des Berges
in 3/4 St., dann 1/2 St. zu Fuß auf guter Straße hinauf und auf der
andern Seite hinab 1/4 St. nach *=Gulta=; ein enges Felsental mit
1500 Jahre alten, teils verlassenen Hindutempeln in herrlicher Lage
in enger Schlucht mit reizenden Tankanlagen. Zurück auf demselben
Wege; für den _sehr_ lohnenden ganzen Ausflug genügt ein
Nachmittag.
Die Bahn von Jaipur nach Delhi durchläuft in 8 St. die einförmige Ebene
des Bangangaflusses und sodann das fruchtbare Hügelland des Staates
Alwar und berührt (792 M) Stat. =Alwar= (597 m; _Dâk Bungalow_),
Hauptstadt (56740 Einw.) eines Radscha. _Königspalast_ mit wertvoller
Bibliothek orientalischer Manuskripte (ein »Gulistan«, von Agha Sahib
[angeblich einem Deutschen] geschrieben, der 200000 Mk. wert sein
soll!); ferner Zeughaus (reich), Marstall mit 500 Pferden, Mausoleum des
Bakhtawar Singh, ein Elefanten-Festwagen, das _Tripuliya_ (Grabdenkmal
des Tarang Sultan, gest. 1350), mehrere Tempel. Vom _Fort_, 300 m über
der Stadt, prachtvolle Aussicht, man nehme zum Aufstieg eine Sänfte
(chair). Tigerjagd in der Umgebung.
Nach Überschreiten des Sabiflusses, der hier in der Trockenheit schon
versiegt, geht es nun durch die weite Jumna-Ebene bis Delhi. Die Bahn
bleibt westl. vom Kutab Minar und den Grabdenkmälern und Ruinen südl.
von Delhi, dreht nahe der Stadt nach O. und läuft durch die nw.
Stadtmauer beim Kabul Gate in den Hauptbahnhof von (890 M, 1432 km)
_Delhi_ ein.
Delhi.
Vgl. den Plan S. 71.
=Ankunft.= Der Hauptbahnhof vereinigt die Linien der _Rajputana
Malwa Railway_ (von Jaipur), der _East Indian Railway_ (nach
Calcutta) und der _Delhi-Umballa-Kalka Railway_ mit einer Linie
nach Lahore.
=Gasthöfe=: _Hotel Cecil_ (Hotz, Schweizer), Civil Lines, nahe
Ludlow Castle, in schöner, hoher Lage mitten in wohlgepflegten
Anlagen, I. Ranges, recht gelobt, auch die Küche, Deutsch
gesprochen, Pens. von 7 Rup. an.--_Maidens Metropolitan Hotel_,
nördl. vom Bahnhof, ganz gut, Pens. von 7 Rup. an.-- _Grand Hotel_,
Civil Lines, Pens. 5 Rup. --_Woodlands Hotel_, bei der St.
Jameskirche, Kashmir Gate, Pens. 5-6 Rup.