| Heißester | Kühlster | Mittlere
| Monat | Monat | tägl.
_=Ort=_ | | | Schwankung
-------------------------------+--------------+------------+------------
_Vorderindien:_ | | |
Bombay (Westküste) | 29,2° Mai | 23,6° Jan. | 6,1°
Agra (östl. Punjab) | 34,4° - | 15,6° - | 12,8°
Peshawar (Nordwestgrenze) | 32,9° Juni | 9,8° - | 14,7°
Simla (2160 m; Vorberge des | | |
westl. Himalaja) | 19,4° - | 3,8° - | 6,1°
Srinagar (1586 m; Kaschmir) | 22,8° Juli | -0,7° - | 12,2°
Allahabad (mittleres | | |
Hindostan) | 33,6° Mai | 15,8° - | 13,0°
Calcutta (Bengalen) | 29,8° - | 18,4° - | 8,9°
Darjeeling (2255 m; Vorberge | | |
des östl. Himalaja) | 16,4° Juli | 4,5° - | 6,1°
Nagpur (Zentralprovinzen) | 34,7° Mai | 19,5° Dez. | 12,9°
Bangalore (920 m; | | |
südl. Dekhan) | 27,6° April | 19,7° - | 11,1°
Madras (Ostküste) | 31,5° Mai | 24,1° Jan. | 9,1°
| | |
_Ceylon:_ | | |
Colombo | 27,8° - | 26,1° - | 6,4°
| | |
_Hinterindien:_ | | |
Rangoon (Niederbirma) | 29,4° April | 23,7° - | 9,3°
Mandalay (Oberbirma) | 31,8° - | 20,4° - | 7,4°
Singapore (Malakka) | 27,5° Mai | 25,7° - | --
Bangkok (Siam) | 28,6° April | 23,8° Dez. | --
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Wie schon oben (S. 40) erwähnt, wird ganz Indien samt den
umgebenden Meeren von dem Wechselspiel der _=Monsune=_ beherrscht,
im Sommer vom feuchten Südwestmonsun, im Winter vom trocknen
Nordostmonsun. Der Sommermonsun ist für den größten Teil Indiens
der Regenbringer, wenngleich seine Spenden in den einzelnen
Landesteilen sehr verschieden ausfallen; sie sind um so größer, je
weniger der Monsun noch abgeregnet und je mehr er zum Aufsteigen an
Gebirgen gezwungen ist. Da er nun zunächst das Dekhan von dessen
Südwestseite her bis nach Assam und dem Himalaja hin überweht,
durch diesen aber abgelenkt wird und nun nach NO. zum Punjab
weiterzieht, so sind am regenreichsten die Südwestabdachung des
Dekhans, der Himalaja und der davorliegende Landstreifen,
namentlich Assam, das auch aus dem Bengalischen Meerbusen direkt
die Regenwinde zugeführt erhält. Hier, in den Khasiabergen, liegt
bei Cherrapunchi die regenreichste Stelle des Erdballs, die eine
jährliche Regenhöhe von 12-1/2 m hat (Deutschland 1/2-1 m). Das
Innere des Dekhans und sein Ostabfall sind schon viel regenärmer,
und am trockensten ist der Nordwesten des Landes. Die Regenzeit
beginnt in Südindien zu Ende Mai oder Anfang Juni und breitet sich
im Laufe des Juni über das ganze Land hin aus; ihr Ende fällt im
allgemeinen in die erste Oktoberhälfte.
Bei der großen Abhängigkeit der =Pflanzenwelt= von den
Niederschlägen könnte eine Karte der Niederschlagshöhen Indiens
beinahe auch zur Darstellung der wechselnden Üppigkeit des
Pflanzenkleides dienen. Eigentlichen tropischen, immergrünen
Regenwald tragen nur die Westghats (s. S. 42 die Bemerkungen über
die Tropen). Das Innere des Dekhans und dessen Ostabfall sind schon
mehr steppenartig und großenteils von lichtem Wald und von
Grassavanne überzogen. Hier begegnet man Wäldern aus _Teakbäumen_,
die in der Trockenzeit blattlos stehen, und Hainen der schönen
_Palmyrapalmen_. Üppiger ist die Vegetation wieder in Assam und in
Bengalens Niederungen, die großenteils von dichtem, teilweise
sumpfigem Wald bedeckt sind, dem _Jungle_ (Dschangel). In diesen
Gebieten wuchert der _Lotos_ in den Gewässern und wächst der
_Banyanfeigenbaum_, der aus seinen Ästen rings Luftwurzeln zur Erde
sendet und dadurch allmählich einen Säulenhain um sich herum
aufbaut, sowie sein Verwandter, der _Bobaum_, ersterer den
Brahmanen, letzterer den Buddhisten heilig. In Hindostan wird das
Pflanzenkleid westwärts immer spärlicher, die laubabwerfenden Bäume
nehmen immer mehr zu, und das Punjab gehört schon ganz dem
vorderasiatischen Trockenraum an: _Dattelpalme_, _Mangobaum_ und
_Gummiakazie_ sind seine Charakterbäume, die lange Dürrezeiten zu
überstehen vermögen, in denen sonst alles oberirdische
Pflanzenleben abstirbt. Nur in der Regenzeit bedeckt hier frisches
Grün die weiten Ebenen, deren Kultur zum großen Teil nur durch
künstliche Bewässerung möglich ist. Das untere Indusgebiet ist
sogar großenteils gänzlich wüstenhaft und vegetationslos (Wüste
Thar). Eigentliche Höhenzonen der Vegetation sind nur im Himalaja
vorhanden, wo hinter einem Sumpfgestrüppsaum, dem Tarai, die
untersten 1000 m von tropischem Regenwald bedeckt sind, der in den
Flußtälern auch tief ins Gebirge eindringt. Darüber folgt bis 2500
m der schönste Teil des Himalajawaldes, ein äußerst mannigfaltig
zusammengesetzter tropischer Gebirgswald, in dessen Gebiet unter
anderm auch Simla und Darjeeling liegen. Ihm schließen sich bis
3700 m hinauf nichttropische Wälder an, dann die Zone der
_Alpenrosen_ (Rhododendren) und Alpenkräuter bis zur Montblanchöhe,
und dann erst beginnt der ewige Schnee. Der Artenreichtum der
gesamten indischen Flora wird auf etwa 20000 geschätzt.
Die hauptsächlichsten =Charaktertiere= Vorderindiens: _Elefant_,
_Tiger_ und _Pfau_, sind Bewohner der Urwälder und Dschangeln, die
auch _Affen_, _Tapir_ und _Wildschweine_, verschiedene
_Wildrinder_, _Fasanen_, zahlreiche _Papageienarten_, in Südindien
außerdem _Nashornvögel_ und _Halbaffen_ (Makis) beherbergen. In den
Savannen und lichten Wäldern des Dekhans streifen das _Nashorn_,
verschiedene _Antilopenarten_, die _gestreifte Hyäne_, der
_Lippenbär_ und das _Schuppentier_ umher. In den Gewässern hausen
_Krokodile_ und _Gaviale_. Zahlreich sind die _Schlangen_,
namentlich die Giftschlangen (Brillenschlange!) des Dekhans, an
deren Biß jährlich etwa 12000 Menschen zugrunde gehen. Der _Löwe_
kommt nur noch in den Gebirgen des Indusgebietes vereinzelt vor.
Die =Bevölkerung= ist so dicht wie kaum sonst in einem großen
Ländergebiet der Erde, China und Westeuropa ausgenommen. 1901
lebten im eigentlichen Vorderindien auf 3,5 Mill. qkm etwa 280
Mill. Menschen, d. h. 81 auf 1 qkm (Europa ohne Rußland: 4,4 Mill.
qkm, 300 Mill. Einw., etwa 70 auf 1 qkm). Die Volksverdichtung
Vorderindiens würde aber viel höher sein, wenn nicht selbst jetzt
noch, unter der geordneten Verwaltung der Engländer, Pest, Cholera
und Hungersnöte (letztere hervorgerufen durch die namentlich im
Nordwesten öfters ausbleibenden Regenzeiten und darauffolgende
Mißernten) alljährlich zahlreiche Opfer forderten.
Trotz der Abgeschlossenheit der Halbinsel, die von zwei Seiten
durch schwer überschreitbare Gebirgszüge, von den beiden andern
durch inselarme Meere isoliert ist, ist die heutige indische Nation
aus sehr mannigfachen Bestandteilen erwachsen, die größtenteils
durch die einzige Zugangsstraße zu Lande, die Kabulpforte im NW.,
eingedrungen sind; erst seit dem 15. Jahrh. kamen sie übers Meer
herüber (Portugiesen, Franzosen, Engländer).
Zu Beginn der geschichtlichen Zeit kam um 2000 v. Chr. das
Viehzüchter- und Kriegervolk der _Arier_, die Träger der
Sanskritsprache, aus Iran ins Indusgebiet, und ihnen sind im Laufe
von vier Jahrtausenden noch viele Völkerwellen -- Perser, Griechen,
Skythen, Araber, Afghanen, Turktataren -- gefolgt. Aber schon die
Arier fanden sowohl im Indusgebiet als auch im Gangestal, in das
sie vom 14. Jahrh. v. Chr. an vorrückten, zahlreiche ältere
Völkerschaften vor, die sie großenteils in die Himalajawälder und
ins Dekhan verdrängten. Heute ist daher die Völkergruppierung im
wesentlichen die folgende: das ganze Indus- und Gangesgebiet und das
nordwestliche Dekhan nehmen die _Hindu_ ein, die im Tropenklima
schlaff und weichlich gewordenen und stark mit andern Völkerstämmen
vermischten Nachkommen der alten Arier. Den Südostteil der
Halbinsel bewohnen die _Drawida_ oder Südindier, häufig auch nach
einem ihrer Hauptstämme _Tamulen_ genannt; sie sind länger in
Indien heimisch als die Arier. Eine noch ältere Völkerschicht
stellen die _Mundavölker_ in der Nordostecke des Dekhans und dem
angrenzenden Stück des Gangestales dar, die noch heute auf ziemlich
primitiver Kulturstufe leben, und einige Naturvölker Südindiens,
besonders die _Toda_ im Nilgirigebirge um Ootakamund (S. 130).
_Mongolische_ Völkerstämme, Verwandte der Tibeter, wohnen im
Himalaja, sowohl im W., in Kulu und Spiti, wie namentlich im O., in
Nepal, Sikhim und Bhutan. Bei einem Ausflug nach Darjeeling kann
man sie kennen lernen.
Unter den außerordentlich mannigfaltigen Erscheinungsformen der
indischen Halbkultur treten besonders das _=Kastenwesen=_ und die
_=religiösen Verhältnisse=_ in den Vordergrund. Die _=Kasten=_, die
auf die Berufsteilung und auf die Rassenunterschiede zurückgehen,
sind unzählige, vom Brahmanen, dem Angehörigen der einstigen
arischen Herrenschicht, bis zum verachteten Paria. Äußerlich
unterscheiden sich die Kasten durch gewisse Abzeichen in der
Tracht.
Viel stärker als die Kasten machen sich die religiösen Gegensätze
im Volksleben wie in den Volkstrachten bemerkbar. Die
_=Religionsgeschichte=_ Indiens ist so reich, wie wohl die keines
andern Landes der Erde. Am weitesten verbreitet ist heute der
_Brahmanismus_ oder richtiger der Neu-Brahmanismus (_Hinduismus_).
Die Idee des Brahma, der Weltseele, geht auf den in den Veden
niedergelegten Dämonen- und Naturgötterglauben der alten Arier
zurück. Diese Vedenreligion ist einerseits zu einem hochstehenden
philosophischen System weitergebildet worden, anderseits aber durch
Aufnahme immer neuer Ideen aus den religiösen Vorstellungen der
ältern Volksstämme Indiens, wozu namentlich der
Seelenwanderungsglaube und die Verehrung von Wischnu und Schiwa und
ihrer Gemahlinnen Lakschmi und Kali zu rechnen sind, zu dem
heutigen Hinduismus herabgesunken, der sich scheinbar ganz in
Äußerlichkeiten, Prozessionen zu den prächtigen Tempeln, religiösen
Aufführungen, Bajaderentänzen, Wallfahrten zum heiligen
Gangesflusse, Fakirtum, erschöpft und in zahlreiche Sekten
zerfällt. Indien ist ferner um 500 v. Chr. die Geburtsstätte des
_Buddhismus_ geworden, der aber nach 1200 Jahren dem ältern
Brahmanismus wieder hat weichen müssen; nur Tempel- und
Klosterruinen halten die Erinnerung an seine indische Blütezeit
wach. Bis heute hat sich dagegen der _Islam_ erhalten, der in
Nordwestindien über 60 Mill. Bekenner zählt, und in Bombay und
Umgegend die an Mitgliederzahl (etwa 95000) kleine, aber
einflußreiche Sekte der _Parsen_, d. h. der Anhänger der Lehren
Zoroasters (vgl. S. 61). Mohammedaner wie Parsen unterscheiden sich
von den Hinduisten scharf durch ihre Kopfbedeckungen, die
Mohammedaner durch den Turban, die Parsen durch ihre hohen
schwarzen Glanzstoffhüte.
=Wirtschaftliche Verhältnisse.= Die Nahrung der indischen
Eingebornenbevölkerung ist fast ausschließlich vegetabilisch,
und so ist auch der Bodenbau die Grundlage von Indiens
Reichtum. _Reis_, _Weizen_, _Hirse_ und _Sorghum_ sind die
wichtigsten angebauten Nahrungspflanzen. Davon werden die
beiden letztgenannten im Lande verbraucht, während der Reis, die
Hauptfrucht des östlichen, besonders des nordöstlichen Indiens
(Bengalens und Assams), und der Weizen, der besonders im nw.
Trockengebiet und den angrenzenden Teilen des Dekhans und des
Gangestales angebaut wird, auch in großer Menge ausgeführt
werden. Wichtige Zweige der Bodenkultur gelten den Genußmittel
liefernden Pflanzen, nämlich dem _Mohn_ (zur Opiumgewinnung)
und dem neuerdings in Assam mit großem Erfolg eingeführten
_Teestrauch_. Noch weit bedeutungsvoller ist aber der Anbau von
Industriepflanzen, nämlich der _Baumwolle_ in größern Teilen des
Dekhans und des Indusgebiets und der _Jutepflanze_ im untern
Gangestal und einiger _Ölpflanzen_. Jute und Baumwolle und die
daraus hergestellten Waren stehen in der Ausfuhr mit mehr als 1
Milliarde Mark Wert an erster Stelle. Ein nicht geringer Teil
der Baumwolle und Jute wird nämlich im Lande selbst verarbeitet,
die Baumwolle in Bombay, die Jute in und bei Calcutta; beide
Industrien beschäftigen zusammen etwa 400000 Arbeiter, und wenn
man von Malabar Hill auf den Fabrikteil Bombays herabblickt, kann
man sich nach Manchester versetzt glauben.--Die _=Tierzucht=_
(hauptsächlich Büffel und Buckelrind; das Schwein wird von allen
Indern verabscheut) liefert große Mengen Häute sowie die berühmte
Ziegenwolle aus Kaschmir.
Gegenüber den Produkten der Landwirtschaft treten die des
_=Mineralreiches=_ in bezug auf volkswirtschaftliche Bedeutung
stark zurück; es werden Gold, Steinkohlen, Manganerze und Petroleum
gewonnen sowie Edelsteine, während die früher beträchtliche
Diamantengewinnung jetzt nur noch sehr geringfügig ist.
* * * * *
=Staatswesen.= Das _=Britisch-ostindische Kaiserreich=_ umfaßt
an unmittelbaren Besitzungen 2815743 qkm mit 232 Mill. Einw. Die
einheimischen Staaten (zus. 1759556 qkm mit 62 Mill. Einw.) sind
Vasallen-, Schutz- oder Bundesstaaten; die wichtigsten: Kashmir
mit Baltistan, Sikhim, die Fürstentümer der Rajputen und der
Mahratten, Hyderabad, Baroda, Mysore, Cochin etc. Die allgemeine
Aufsicht des indobritischen Reiches führt (mit Ausnahme von
Ceylon, das einen eignen Gouverneur hat) der Generalgouverneur
(Vizekönig) in Delhi, dem ein Ausführender und ein Gesetzgebender
Rat zur Seite stehen; die Präsidentschaften Madras, Bombay und
Bengalen stehen unter selbständigen, nicht vom Vizekönig ernannten
Gouverneuren mit besondern Gesetzgebenden Räten, die vereinigten
Provinzen von Agra und Audh, das Punjab, Birma und die neue
Provinz Behar unter stellvertretenden oder Lieutenant-Governors,
endlich die Zentralprovinzen, die nw. Grenzprovinz, Assam, sowie
die Andamanen und Nikobaren unter Oberkommissaren.--_=Armee=_
73668 Mann englische und 166090 Mann einheimische Truppen,
außerdem 190000 Mann militärisch organisierte Polizei.
=Geschichtliches= (vgl. auch S. 47). Die _=Europäer=_ begannen
in Vorderindien alsbald nach Auffindung des Seewegs nach
Ostindien (1498) festen Fuß zu fassen. Zahlreiche Forts und
Faktoreien wurden an den Küsten Indiens durch die Portugiesen
gegründet, die gegen Ende des 16. Jahrh. durch die Holländer
und Engländer verdrängt wurden. Letztere stifteten 1600 die
_Englisch-Ostindische Kompanie_ und kämpften seit dem 18. Jahrh.
mit den Franzosen und den einheimischen Fürsten um die Herrschaft
in Ostindien. Lord Clive begründete durch den Sieg bei Plassey
(26. Juni 1757) über den Nabob von Bengalen die britische Macht
in Ostindien. Die englische Macht wuchs dann durch die Kämpfe
mit den Mahratten (seit Ende des 18. Jahrh.), die 1818 mit deren
Ruin endigten. Ende 1843 wurde auch der Maharadscha Sindiah
unterworfen. Das Reich der Sikh im Punjab wurde 1845-46 erobert.
Der Aufstand, der im Mai 1857 unter den Sepoys zu Meerut ausbrach
und, von den Mohammedanern genährt, sich rasch verbreitete,
ward nur durch die größte Energie und Grausamkeit der Engländer
bewältigt. Im September wurde Delhi, im März 1858 Lucknow, im
Dezember Audh wiedererobert und im Februar 1859 der Aufstand
unterdrückt. Schon vorher war 1. Nov. 1858 die Ostindische
Kompanie aufgelöst und Ostindien unter Verwaltung der Krone
genommen worden. Der Vizekönig Lord Lytton proklamierte 1. Jan.
1877 in Delhi die Erhebung zum Kaiserreich Indien und begann
1878 Krieg mit Afghanistan, in dem ein Grenzstrich am Chaiberpaß
erworben wurde. 1886 kam Birma hinzu.
=Reiseliteratur für Indien:= _Katharina Zitelmann_, Indien (Leipzig
1905); _Dahlmann_, Indische Fahrten (Freiburg 1908); _Eustace
Reynolds-Ball_, The Tourist's India (London 1907); _Murray_,
Handbook for Travellers in India, Burma and Ceylon (7. Aufl.,
London 1911); _O. Kaufmann_, Aus Indiens Dschungeln (Leipzig): _H.
Zache_, Mit dem Kronprinzen durch Indien (Berlin 1911);
_Winternitz_, Geschichte der indischen Literatur (Leipzig 1909);
_Fergusson_, History of Indian and Eastern Architecture (London
1910); _Havell_, Ideals of Indian Art (London 1911).
Reisen in Indien.
Beste =Reisezeit=, s. S. 2.
=Reiseausrüstung= wie für jede Tropengegend. Vm. Leinen- oder
Rohseideanzug u. Tropenhelm, nach 4 Uhr leichter wollener
Jackettanzug und Strohhut, abds. Frack oder Smoking; schwarzer
Rock und Zylinder sind nicht gebräuchlich. Für Winterreisen ins
Innere sind dicke Überröcke nötig, dazu wasserdichte Reitmäntel.
Man beachte, daß der Abendtau die Kleidung naß macht, und daß
Nächte und Morgen kalt sein können, wenn auch der Tag heiß war.
Im südlichen Indien und an der Küste genügt leichtere Kleidung;
Anzüge erhält man billig und gut überall von tüchtigen Schneidern
und in guten Geschäften für europäische Bedürfnisse. Für
Gebirgsreisen ist wollenes Unterzeug und lange wollene Leibbinde
(»Kummurbund«) unentbehrlich. Derbe Reithosen nicht vergessen;
Tropenhelm ist überall in indischen Häfen zu haben. In Ceylon ist
leichteste Kleidung erforderlich, nur in den Bergen ist es kühl.
Bettzeug (ein Kopfkissen, zwei Steppdecken nebst Laken sowie
einige warme Decken, das Ganze in wasserdichtem Sack verpackt) muß
man stets mit sich führen, auch auf der Eisenbahn (_Razais_, s.
S. 16) und wenn man Bekannte besucht. In den Gasthäusern und den
Dâk Bungalows im Innern findet man meist gar kein oder unsauberes
Bettzeug. Wegen der Feuchtigkeit schimmeln verpackte Gegenstände
leicht, das gesamte Gepäck, Kleidung, Wäsche, Bettzeug, Schuhzeug,
muß also oft in der Sonne an trockenen Tagen gelüftet werden,
Vorräte und Medikamente etc. müssen luftdicht verpackt sein.
Auch Bücher und Papiere sehe man gelegentlich nach, damit sie
nicht schimmeln. Moskitonetz findet man in den meisten Hotels und
Bungalows vor.
=Geld.= Goldwährung; Einheit ist die _Rupie_, 1,33-1,38 Mark. 15
Rupies = 1 £ = 20,40 M. 1 Rup. = 16 annas; 1 anna = 12 Pie (= 4
Pice). Silbermünzen zu 2, 4, 8 annas und 1 Rupie. Nickelmünzen zu 1
anna (etwa 8 Pf.), Kupfermünzen zu 1 Pie, 1 Pice (1/4 anna), 1/2
anna. Goldmünze (Pfund Sterling) kann nur in größern Geschäften
gewechselt werden. Der Gold-Mohur (= 16 Rup.) ist nur noch im
Sprachgebrauch (wie die englische Guinea) vorhanden. Banknoten zu
5, 10, 20, 50, 100, 500 und 1000 Rupies gibt es von Bombay,
Calcutta, Madras und Rangoon, deren Noten über 50 Rupies meist nur
in der betreffenden Provinz ohne Abzug genommen werden. Man lasse
sich bei größern Summen nur die jetzt für ganz Indien gültigen
Banknoten mit _rotem_ Aufdruck, _payable at any office_,
geben!--_=Kreditbriefe=_ (_Letters of credit_, _circular notes_),
zahlbar bei _Thos. Cook's Offices_, sind für Reisende sehr bequem
(vgl. auch S. 7); sie werden von Cook's Banking Department (London,
Ludgate Circus) ausgegeben. Die Agenturen wechseln indisches Geld.
=Zoll.= Eigne Kleidung ist frei; sonst zahlt alles, auch Bettwäsche
und Handtücher, photographische Geräte nebst Zubehör etc., etwa 5
Proz. vom Werte (in Bombay); Sportswaffen 10 Proz.; Tabak, Wein
etc. wird ebenfalls höher verzollt; Opium 12 Rupien das Pfund.
=Eisenbahn.= Das Bahnnetz ist weit verzweigt, das Reisen trotz
der großen Entfernungen bequem und billig. Man sei mindestens
10 Min. vor Abfahrt zur Stelle; auf einigen Hauptstationen sind
die Schalter den ganzen Tag offen zum Verkauf von Fahrkarten und
zur Gepäckaufgabe. Man benutze stets den neuesten Fahrplan, da
häufig Änderungen in den Zeiten und Wegen eintreten. Am besten
sind _Newman's Indian Bradshaw_ (9 annas), erscheint monatlich
neu; ferner _Indian ABC-Guide_ und _Indian Railway Traveller's
Guide_; sie geben auch Auskunft über Fahrposten und andre
Fahrgelegenheiten sowie über Flußdampferfahrten und andres mehr.
Einen _=Platz=_ im Zuge bestelle man sich, besonders für
Nachtfahrten, schon einen Tag oder an der Abgangsstelle des Zugs
mehrere Stunden vor Antritt der Reise beim Stationsvorsteher; auf
Zwischenstationen so frühzeitig, daß telegraphische Bestellung bei
der Abgangsstelle _=vor=_ Abfahrt des Zugs noch möglich ist. Am
Zuge weist der Stationsvorsteher (_station master_), nicht der
Schaffner, die Plätze an. Wenn man zu viert reist oder vier
Fahrkarten I. Kl. bezahlt, kann man ein Abteil für sich haben, in
II. Kl. zu sechs. Die Abteile I. Kl. haben geräumige Längssitze und
Liegestätten (2 obere, 2 untere), II. Kl. hat noch eine Mittelbank;
Waschraum etc. ist neben jedem Abteil I. und II. Kl. Es gibt
Damenabteile (_Ladies only_) I. und II. Kl. in allen Schnellzügen
und vielen andern Zügen. In Schnellzügen dürfen Reisende I. Kl.
drei eingeborne Diener, solche II. Kl. zwei Diener zum Preise III.
Kl. in besondern Räumen mitführen. Alle Wagen sind hoch und luftig,
mit Doppeldach und Jalousiefenstern. Für richtiges Aussteigen muß
man selbst sorgen, die Stationen werden nicht ausgerufen, die Türen
auch nicht überall geöffnet. Die Sicherheit des Reisenden und
seines Gepäcks ist so gut wie in Deutschland.
_=Eisenbahnzeit=_ (_Indian Standard Time_) geht 4-1/2 St. vor gegen
mitteleuropäische Zeit, 39 Min. vor gegen Bombay-Ortszeit, 9 Min.
vor gegen Madras-Ortszeit, 24 Min. nach gegen Calcutta-Ortszeit.
_Man achte also auf die Bahnhofsuhren!_ Die Eisenbahngesellschaften
und ihre Fahrpläne rechnen den Tag (wie in Italien) zu 24 St., von
Mitternacht zu Mitternacht gezählt (also 12 Uhr ist Mittag, 24 Uhr
ist Mitternacht).
_=Fahrkarten.=_ Gültigkeitsdauer für Strecken bis 25 M (40 km) 2
Tage, bis 300 M (483 km) 4 Tage, bis 450 M (724 km) 9 Tage, bis 600
M (966 km) 12 Tage, bis 750 M (1207 km) 15 Tage und auf größern
Strecken 18 Tage.
Außer den einfachen Fahrkarten gibt es zusammengestellte
_Fahrscheinhefte (Specimen Tours)_ mit zweimonatiger Gültigkeit,
die Fahrtunterbrechung an allen interessanten Plätzen unterwegs
gestatten. Bei gewöhnlichen Fahrkarten (_single journey tickets_)
ist Fahrtunterbrechung nur für einen Tag für je 100 M (161 km) und
auch nur an Orten, die mindestens 101 M vom Abfahrtsort entfernt
sind, erlaubt; deshalb sollten sich Vergnügungsreisende stets von
_Cooks Reisebureau_ ein Fahrscheinheft (_Specimen Tours_)
zusammenstellen lassen, weil sie dann billiger reisen, als wenn sie
abschnittweise die Fahrkarten von Ort zu Ort (wo längerer
Aufenthalt geplant ist) nehmen.
_=Gepäck.=_ Jeder Reisende hat in I. Kl. 1-1/2 maund (etwa 56 kg)
frei, in II. Kl. 30 seers (etwa 28 kg). Überfracht kostet zwischen
Bombay und Calcutta über Delhi etwa 15 Rup. das maund (für je 37
kg), über Nagpur nur 7 Rup. 6 annas, zwischen Bombay-Delhi,
Bombay-Madras, Delhi-Calcutta etwa 7-1/2 Rup. Schweres Gepäck,
Deckstühle etc. übergebe man _Cook_ zur Versendung als Frachtgut
(etwa halber Preis). Gepäck, das man unterwegs nicht braucht, kann
gleich bis zur Endstation aufgegeben werden und lagert dort frei,
solange der Fahrschein gültig ist; später kostet Tag und Stück 4
annas Lagergeld. Gepäckaufbewahrung für kurze Zeit auf
Zwischenstationen übernehmen die Stationsvorsteher gegen
Gepäckschein.