sh.);--_De l'Europe_ (Z. 4, F. 1, Déj. 3, Dîn. 4, Pens. 10 sh.)
sind die besten Gebäude am Strand von Steamer Point, gut mit
Veranden geschützt und bequem eingerichtet; Pens. etwa 8 Rup. tägl.
=Post= am Strand von Steamer Point. --=Telegraph= am Landungsplatz;
nur Rupies oder englisches Gold wird in Zahlung genommen. Kabel
nach Perim und Suez, Bombay, Zanzibar. _Funkentelegraphenstation_
bei Marbut Hill.
=Wagen= sind knapp, viersitzige Einspänner; Kutscher hat gedruckten
Tarif; bei Zweifel wende man sich an die Polizei an der
Landungsbrücke.
=Dampferagenturen:= _Norddeutscher Lloyd_, _Hamburg-Amerika Linie_,
_Deutsche Ostafrika-Linie_ und _Deutsche Hansa-Linie_, Agentur für
alle vorgenannten die Aden Coal Co. (Tel.-Adr.
»Cory«).--_Österreichischer Lloyd_, Cowasjee Dinshaw & Br., ferner
Agenturen mehrerer nichtdeutscher Dampfschiffgesellschaften.
=Dampferlinien= nach Bombay s. S. 22 und nach Colombo S. 105;
Deutsche Ostafrika-Linie viermal monatl. nach Mombasa und
Daressalam; British India Co. und Messageries Maritimes monatl.
nach Mombasa und Zanzibar; Küstendampfer nach Djibouti, Hodêda und
Berbera wöchentl.
=Geld.= Silberwährung: 1 (indische) Rupie = 16 annas; 1 anna = 12
Pie. Es gibt Silbermünzen zu 1/8, 1/4, 1/2, 1 Rup. (15 Rup. gleich
20 Mark).-- =Bank:= _National Bank of India_, Korr. der Berliner
Disconto-Gesellschaft und der Deutschen Bank.
=Sprache:= Englisch und Arabisch.
=Konsulate:= _Deutsches Reich_, Konsul C. E. L. Kappelhoff jun.,
nahe der Landungsstelle in Prince of Wales
Crescent.--_Österreich-Ungarn_ und _Holland_, zurzeit vom Deutschen
Konsulat verwaltet.
=Krankenhaus= für Europäer in Steamer Point (European General
Hospital mit europäischen Ärzten und Krankenschwestern) oberhalb
der Postamtsbrücke auf einem Abhang in guter Lage.
=Kaufläden= für Straußenfedern, Felle, Geweihe, Muscheln, Korallen
und arabische Kuriositäten. Vorsicht im Einkauf bei den zum Dampfer
kommenden Händlern!
=Aden=, 54 qkm große, seit 1839 den Engländern gehörende Halbinsel an
der Südspitze Arabiens, unter 12° 46' nördl. Br., hängt mit dem
Festlande durch einen 1233 m breiten Flachlandstreifen zusammen (s.
Plan). Sie besteht aus einer steilrandigen erloschenen Vulkanruine, die
im Djebel Schamschan zu 531 m aufsteigt und deren nach dem Meere zu
geöffneter Krater das Hafenbecken bildet. Am Ostabhang liegt, von hohen,
völlig kahlen Felsmassen umgeben, die _Stadt Aden_, 37 m ü. M.,
gegenüber der befestigten Insel _Sirah_. Die Hafenstadt (»Steamer
Point«) liegt nw. davon an der von Bergen umschlossenen Bai _Tawaji_
(Tawahe). Aden war schon im Altertum (als Adana) und im Mittelalter ein
wichtiger volkreicher Handelsplatz, geriet aber später in Verfall, so
daß 1838 die Einwohnerzahl auf 600 gesunken war. Die Engländer
erstürmten die Halbinsel 1839, befestigten sie stark und machten sie zu
einem wichtigen Stützpunkt für den indisch-ostasiatischen Seeverkehr.
Auch die Ausfuhr von Kaffee, Aloe, Harz, Federn, Perlen, Häuten und
Fellen ist bedeutend (mit Perim 1904/05: 43 Mill. Rupien). Aden mit
Schech Othman und Perim hat (1901) 43974 Einw., darunter 23998 Araber,
8631 Inder, 7364 Somali und 2271 Europäer, meist Engländer. Seit
Eröffnung des Suezkanals hat sich die Bedeutung der Stadt als stark
befestigte Flottenstation, von der aus der Eingang zum Roten Meere
blockiert werden kann, ungemein gehoben. Der vollen Ausnutzung der
günstigen Lage steht nur die Schwierigkeit der Süßwasserbeschaffung
entgegen. Quellen fehlen, und das Trinkwasser muß durch Destillation von
Seewasser beschafft werden, wenn die vermutlich schon um 1700 v. Chr. in
die Felsen gehauenen, von den Engländern wiederhergestellten Zisternen
versagen. Neuerdings wird geplant, eine Wasserleitung vom Festlande bei
Lahadsch (Lahedj) herzuführen. Die Halbinsel Aden ist der
Präsidentschaft Bombay unterstellt; der politische Resident wohnt am
Nordabhang von Râs Tarschein, der Westspitze der Halbinsel. Die Stadt
Aden liegt am Ostende, das Geschäftsviertel mit Warenlagern am
Innenhafen.
Vom Landungsplatz _Steamer Point_ nach _Aden_ fährt man in etwa 3/4 St.
In Steamer Point beginnt das Straßenleben der Europäer nach 5 Uhr Nm.,
wenn die Sonne hinter die Berge tritt; dann versammeln sich die
Offiziere und Beamten nebst Familien beim Sportplatz. Die Straße nach
Aden führt anfangs am Strand entlang, dann vorbei am Dorfe _Malla_ und
durch mehrere Felsentunnel und Festungstore in die _Stadt Aden_, die
regelmäßig erbaut ist und nur wenig Grün zeigt. Der _Basar_ ist
sehenswert (Fettschwanzschafe, Kamele). Außerhalb der alten Stadt haben
die Parsen einen Feuertempel und einen Turm des Schweigens (S. 60)
angelegt. Die großen Zisternen liegen in einer Schlucht, wo das
Regenwasser von den Bergen zusammenfließt; ihre Umgebung zeigt als
einziger Punkt der Umgebung frisches Grün. Etwa 50 Zisternen sind
vorhanden, doch bisher nur etwa 13 wieder instand gesetzt; sie liegen
stufenförmig übereinander, am SO.-Ende der Stadt bildet ein großes
Becken den untern Abschluß. Das Wasser wird auf Eseln und Kamelen zur
Stadt geschafft. Die Zisternenanlage ist (auch landschaftlich) die
größte Sehenswürdigkeit Adens.
Das =Klima= von Aden ist nicht ungesund, doch in der großen Hitze
während des Südwestmonsuns kommen Hitzschläge häufig vor.
Passagiere von Europa sollten _stets_ mit Tropenhelm an Land gehen!
In der kühlen Jahreszeit (Mitte Oktober bis Ende März) hüte man
sich vor Erkältungen nach Sonnenuntergang. Gegen Sonne und Staub
ist eine graue Sonnenbrille empfehlenswert. Der Regenfall beträgt
im Jahresdurchschnitt 58 mm, bleibt jedoch manchmal jahrelang ganz
oder fast ganz aus; die mittlere Jahreswärme ist 28° C. Bei längerm
Aufenthalt wirkt das Klima sehr erschlaffend.
=Fahrt von Aden nach Bombay=, 1650 Seem., in 4-5 Tagen. Um heißes Wetter
und Regenzeit zu meiden, wähle man für die Fahrt die Zeit zwischen Ende
Oktober und Ende Februar. Mai und September sind heiß; zwischen Mai und
September, im Südwestmonsun, steht meist hoher Seegang zwischen Aden und
Bombay, dann ist die Überfahrt sehr rauh, naß und unfreundlich.
=Der Golf von Aden= und das _Arabische Meer_, der Nordwestteil des
Indischen Ozeans, stehen wie das übrige Südasien während des ganzen
Jahres unter dem Einfluß der _Monsunwinde_, jahreszeitlicher
Luftströmungen, die durch den Temperaturgegensatz zwischen Festland
und Ozean hervorgerufen werden. Das Innere der gewaltigen
asiatischen Festlandsmasse erwärmt sich im Sommer viel stärker als
die umgebenden Meere, kühlt sich aber auch im Winter viel stärker
ab. Infolgedessen steigt im Sommer die erhitzte Luft über
Innerasien in die Höhe, und die obern Luftschichten fließen gegen
die kühlem Meere hin ab, während unten umgekehrt eine Strömung vom
Meere zum Lande hin einsetzt. Diese äußert sich über dem Arabischen
Meer als Süd- und Südwestwind, als sogen. _Südwestmonsun_, der als
Seewind feucht ist und für den größern Teil Indiens die Regenzeit
bringt. Die umgekehrte Luftzirkulation tritt im Winter ein; dann
herrscht über dem Arabischen Meer der _Nordostmonsun_, ein trockner
Landwind, der viel schwächer weht, weil die gegen 6000 m hohe Mauer
des Himalaja die Luftmassen aus Innerasien nur in der Nordwestecke
Vorderindiens in dieses eindringen läßt.
Schwere Wirbelstürme sind im Arabischen Meer seltener als in der
Bai von Bengalen und im Chinesischen Meer, kommen aber doch,
besonders in den Monaten April, Mai, Juni sowie im November, vor
und bringen zuweilen sintflutartigen Regen und Gewitter. Fallen des
Barometers um 7-8 mm ist ein sicheres Anzeichen für einen
Wirbelsturm, dessen Zentrum meist im Winkel von etwa 6 Strich (=
68°) zur Monsunrichtung fortschreitet. Auch große Dampfer suchen
dem Zentrum nach Möglichkeit auszuweichen.
Während der Fahrt bietet sich häufiger als im Roten Meere Gelegenheit,
fliegende Fische, Delphine und auch Haie nahe am Bug und am Heck des
Schiffes zu beobachten; gelegentlich sieht man Tintenfische und
Prachtquallen (Siphonophoren), kreisrunde Scheiben von 5-6 cm
Durchmesser, wie schwimmende Kokarden, gelber Fleck mit rotem Zentrum.
Nach _E. Haeckel_ zeigt das _=Meerleuchten=_ im Arabischen Meere
zweierlei Formen: zuweilen erscheinen abends Tausende von
größern »Leuchtkugeln«, meist Medusen (_Pelagia_, _Rhizostoma_,
_Zygocannula_ u. a.), geisterhaft aus der dunkeln Flut auftauchend und
wieder verschwindend; von weitem leuchten sie nur schwach, doch von
einer Welle erfaßt, leuchten sie heller auf. Bei der zweiten Form
leuchten Milliarden kleiner Krebstiere (Ruderkrebse = _Copepoda_ und
Muschelkrebse = _Ostracoda_, von letztern hat eine kleine eiförmige
Cythere besonders starke Leuchtkraft); zwischen ihnen sind viele kleine
leuchtende Radiolarien und Infusorien, Peridineen und Pyrocysten. Dieses
Leuchten des Meerwassers erscheint am prächtigsten in den kämmenden
Bugwellen des Schiffes und im Kielwasser oder wenn Delphine dem Schiffe
folgen, auch ist es sehr schön zu beobachten, wenn man es zum Baden
benutzt und den Strahl einer Pumpe im Dunkeln auf den Körper richtet;
dann ist der Badende wie mit Phosphor übergossen.--Land sichtet man
gewöhnlich nicht zwischen Aden und Bombay. Die entlegene, selten von
Schiffen besuchte Insel _Sokotra_ bleibt meist außer Sicht r.; sie liegt
500 Seem. östl. von Aden und 130 Seem. vor Kap Guardafui. Die über 1400
m hohen Berge der Insel sind meist in Dunst gehüllt, so daß man oft die
Insel nicht sehen kann, auch wenn man ihr nahe ist. Der
Lloyddampfer »Oder« strandete 1887 bei der Insel im Nebel infolge von
Stromversetzung.
Etwa 700 Seem. onö. von Aden und 100 Seem. nördl. vom Dampferkurs liegen
vor der arabischen Küste die fünf, ebenfalls englischen
_Churja-Murja-Inseln_, die im Notfalle geschützte Ankerplätze bieten.
--Bei der Ansteuerung Bombays erscheint die niedrige Küste der Insel,
auf der die Stadt liegt; ihr höchster Punkt, Malabar Hill, ist nur 55 m
ü. M. Näher kommend erkennt man die Back Bay mit der Stadt. Prächtig
wird das Landschaftsbild, wenn der Prong-Leuchtturm vor Colaba Point
umsteuert ist und der Dampfer in den Hafen von Bombay an der Ostseite
der Stadt einläuft. Die Colaba-Kirche, das Taj Mahal Hotel und der
schlanke Turm der Universität sind besonders auffällig. Im N. und O.
sieht man kleine Inseln, darunter auch _Elephanta_. Die Festlandberge im
O. erheben sich bis zu 800 m, auffällig unter ihnen ist der _Funnel Hill
(Karnala)_ wegen seiner seltsamen Form und ganz l. der _Cathedral Rock
(Bawa Malang)_, auch Mallangadh genannt, dessen Gipfel ein senkrechter
Felsenabhang mit einem verfallenen Fort krönt.
Vorderindien.
Vgl. die Karten S. 64 und 96.
=Allgemeines über die Tropen.= Mit Vorderindien oder Ceylon betritt
der Weltreisende, der der in unserm Führer beschriebenen Route
folgt, zum erstenmal ein auch seinem äußern Ansehen nach
_tropisches_ Land. Zwar gehören, rein klimatisch betrachtet, auch
das Rote und das Arabische Meer der Tropenzone an, aber die Pracht
und Fülle der Pflanzenwelt, die das Wesen und den Hauptreiz der
Tropen ausmacht, fehlt den öden Gestaden des Roten Meeres gänzlich.
Die Vegetation ist ihrerseits abhängig von den
_=Klimaverhältnissen=_, in erster Linie von Temperatur und
Niederschlag. Ein allen Tropengebieten der Erde gemeinsames Merkmal
ist die _=hohe Temperatur=_, die durch den hohen Stand der Sonne
hervorgerufen wird. Zugleich ist aber auch die Schwankung der
Temperaturverhältnisse im Laufe des Jahres viel geringer als bei
uns, denn der Sonnenstand wechselt viel weniger als in unsern
Breiten, und damit bleibt ihre Strahlungskraft und auch die
Tageslänge während des ganzen Jahres ziemlich gleich. Der höhere
Stand, den das Tagesgestirn am Himmel erreicht, offenbart sich
durch die Kleinheit der Schatten, die auch hohe Gegenstände um die
Mittagszeit werfen, und vor allem in der Kürze, mit der sich der
Auf- und Untergang der Sonne vollzieht. Bei der Steilheit ihres
Auf- und Abstieges sind die Übergänge zwischen Tag und Nacht viel
plötzlicher als bei uns, und eine eigentliche Dämmerung fehlt fast
ganz. Wenn nun auch in einem großen Teile der Tropen trotz der
ziemlich gleichbleibenden wärmespendenden Kraft der Sonne ein
Wechsel der Jahreszeiten vorhanden ist, so ist dies auf den zweiten
Hauptklimafaktor zurückzuführen, die _=Niederschlagsverhältnisse=_.
Die Hauptjahreszeiten sind nicht wie bei uns Winter und Sommer,
sondern _=Regenzeit=_ und _=Trockenzeit=_. Der Regenfall aber ist
wieder abhängig von den Luftströmungen im indischen Klimagebiet,
also von den Monsunwinden, die schon (S. 40) erläutert worden sind.
Die Niederschläge drücken die Temperaturen herab, und infolgedessen
geht die größte Hitze der Regenzeit voraus, tritt also in
Vorderindien im März bis Mai ein. Man unterscheidet zwar in Indien
gewöhnlich drei Jahreszeiten, nämlich die kühle (während unsers
Herbstes und Winters), die heiße (März bis Mai) und die Regenzeit;
aber der Unterschied zwischen den beiden ersten ist viel geringer
als der zwischen der trocknen und der Regenzeit. Innerhalb dieser
Jahreszeiten ist das Wetter in den Tropen viel gleichmäßiger als in
Mitteleuropa, dessen Witterung hauptsächlich durch die westöstl.
wandernden Gebiete hohen und niedrigen Luftdruckes beherrscht wird.
Während bei uns »gutes« und »schlechtes« Wetter so unregelmäßig
aufeinanderfolgen, daß man die kommende Witterung kaum über einen
Tag hinaus mit einiger Sicherheit voraussehen kann, besteht in den
Tropen ein ähnlicher Wechsel nur in den Übergangszeiten zwischen
den Jahreszeiten. Innerhalb der letztern aber ist der
Witterungsverlauf mit seltenen Ausnahmen Tag für Tag derselbe, so
daß man z. B. in Manila in der Regenzeit einen Spaziergang vor oder
nach dem täglichen Nachmittagsgewitterregen zu verabreden pflegt.
Das Tropenklima bedingt nun überall da, wo zur Wärme auch die
Feuchtigkeit kommt, jenes _=üppige Pflanzenkleid=_, das gemeinhin
als Hauptcharakterzug der Tropen betrachtet wird. Dieses
Pflanzenkleid ist freilich innerhalb der Tropen je nach den
Niederschlagsverhältnissen wieder sehr verschieden. Dauerndes
Wachstum und das ganze Jahr hindurch fortdauernder Laubschmuck ist
dem Tropenwalde nur in _den_ räumlich beschränkten Gebieten
beschieden, die Regen zu allen Jahreszeiten empfangen, wie in
Vorderindien z. B. am Westabfall des Dekhans und in Sikhim. Der
größere Teil der Tropenwälder aber steht zur Trockenzeit ebenso
entlaubt da wie unsere Laubwälder zur Winterszeit, und die
Trockengebiete haben in den Tropen nicht weniger Steppen- und
Wüstencharakter wie in den andern Klimagürteln der Erde auch. Den
immergrünen wie den regengrünen Laubwald der Tropen unterscheidet
von den Wäldern höherer Breiten vor allem die äußerste
Mannigfaltigkeit der ihn bildenden Gewächse, während unsre
europäischen Wälder aus nur wenigen Arten zu bestehen pflegen; zwar
ist auch im gemäßigten und subtropischen O. Nordamerikas der Wald
sehr mannigfaltig zusammengesetzt, aber diese Vielheit von
Waldbäumen hat sich auch nur aus einer Periode mit tropischem Klima
in unser Zeitalter herübergerettet.
Im Tropenwald wird das Durcheinander der Pflanzenarten wieder
einigermaßen ausgeglichen durch das Einerlei der ungeteilten,
glänzend lederartigen, dunkelgrünen Blätter, die den meisten
Tropenbäumen eigen sind. Man bezeichnet den Tropenwald meist
schlechthin als _=Urwald=_, und in der Tat ist eine geregelte
Forstkultur auch in den unter engerer europäischer Verwaltung
stehenden Tropenländern kaum in den ersten Anfängen vorhanden.
Trotzdem werden die meisten Reisenden wirklich unberührten
»jungfräulichen« Urwald kaum zu sehen bekommen oder wenigstens
sein Inneres nicht betreten. Der ursprüngliche, geschlossene
Tropenurwald ist in seinem Innern vielfach kaum schwerer zu
durchwandern als etwa der Buchenhochwald in unsern Breiten;
das Laubdach, gebildet durch die mächtigen Baumkronen und noch
verdichtet durch üppiges Lianengewirr, ist so geschlossen, daß
unter ihm tiefe Dämmerung herrscht und Unterholz aus Lichtmangel
wenig aufkommt. Anders ist es freilich an den sehr zahlreichen
Stellen, wo alte, morsch gewordene Bäume gestürzt sind und bei
ihrem Fall die Nachbarn mit zu Boden gerissen haben; in diesen
Lücken entfaltet sich am Boden sofort der üppigste Pflanzenwuchs,
den man nur mit Hilfe des Buschmessers durchdringen kann, und
ebenso ist es überall da, wo der Mensch in den Urwald Breschen
geschlagen hat, wo er Pflanzungen angelegt und vielleicht zum
Teil wieder verlassen, wo er Straßen hindurchgebaut und auf
beiden Seiten noch einen Urwaldstreifen niedergeschlagen hat,
kurz, an den Stellen, die der Reisende meist berühren wird.
Hier und an den ursprünglichen Waldrändern, namentlich entlang
den Flußläufen sowie in den niedrigen Sumpfwäldern (in Indien
Dschangel genannt), sind die Hauptstandorte für die niedrigern
_Palmen_, die _Musazeen_ (Bananen), _Bambusarten_ und andre
Gewächse, die uns als besonders charakteristische Vertreter
der Tropenflora gelten, die aber doch nur die Kulissen für den
Hochwald bilden. Im Hochwald selbst kommen an Palmen nur die ganz
hochstämmigen Arten und die Kletterpalmen vor, die mit Hilfe ihrer
Haftorgane bis hinauf ins Licht zu gelangen verstehen. Neben deren
strickförmigen, blattlosen Stämmen enthält aber der Tropenurwald
in seinen untern Partien auch zahlreiche Gewächse, die das Auge
erfreuen: das sind die _Epiphyten_, Pflanzen, die an den Stämmen
und auf den Bäumen wachsen, ohne doch auf ihren Wirtspflanzen
zugleich zu schmarotzen und ihnen Nährstoffe zu entziehen. Sie
entsprechen also nicht unsrer einheimischen Mistel, sondern
unsern Flechten. Es sind vor allem Bromeliazeen und _Orchideen_,
letztere häufig mit prachtvollen, stark duftenden Blüten, die
vielerlei interessante Anpassungen an ihre eigenartige Lebensweise
zeigen. Ein besonderer Schmuck des Tropenwaldes der höhern
Bergzonen sind die hochstämmigen _Baumfarne_, die, zierlichen
Palmen vergleichbar, unter den Kronen höherer Bäume anmutige
Gruppen bilden.-- Eine besondere Art des tropischen Waldes ist der
_Mangrovenwald_, der Flachküsten und die Flußmündungen innerhalb
des Bereiches von Ebbe und Flut begleitet. Er hat sich den
wechselnden Wasserständen durch Stelzwurzeln angepaßt, zwischen
deren Geflecht das Wasser unschädlich ein- und ausströmt.
* * * * *
=Vorderindien= zerfällt seinem Aufbau nach in drei große Gebiete,
die auch in ihrem landschaftlichen Charakter stark voneinander
abweichen: das Hochland des Dekhans, das aus sehr alten Gesteinen
besteht und schon längst landfest war, als Hindostan und der
Himalaja noch vom Meer bedeckt wurden; das Punjab und Hindostan,
ein Tiefland jungen Ursprungs, in seinen oberflächlichen Schichten
von den mächtigen, dem Himalaja entströmenden Flüssen aufgebaut;
und endlich den Himalaja, ein gewaltiges Faltengebirge, dessen
Gebiet aber ebenfalls bis ins Tertiärzeitalter hinein vom Meer
bedeckt war und das sich somit erst in verhältnismäßig sehr kurz
verflossener Zeit emporgerichtet hat.
Dieser Entstehungsgeschichte entspricht der allgemeine
landschaftliche Charakter der drei Gebiete: Das _Dekhan_, in seinen
obern Partien aus flach gelagerten Gesteinsschichten bestehend und
seit unvordenklichen Zeiten der nivellierenden Tätigkeit von Wind
und Wasser preisgegeben, hat trotz seiner ziemlich bedeutenden
Erhebung über das Meeresniveau keinen Gebirgs-, sondern mehr
Hochlandscharakter, und nur die Abfälle dieses Hochlandes gegen den
Arabischen und den Bengalischen Meerbusen, die sogen. _Ghats_,
erwecken den Eindruck von Gebirgen. Entlang diesen Steilrändern ist
einst die Fortsetzung des Dekhans in die Tiefe gesunken. Nach N. zu
fällt das Hochland langsam ab und geht schließlich ohne schroffen
Abfall in die Tiefländer des _Punjabs_, _Hindostans_ und
_Bengalens_ über. Ihre weiten Ebenen reichen bis an den Fuß des
Himalaja im N. und des Grenzgebirges gegen Beludschistan und
Afghanistan im W.
Der _Himalaja_ zeigt alle Merkmale eines jungen Faltengebirges.
Tiefeingeschnittene, steilwandige Längstäler verlaufen dem
Gebirgsrande parallel ostwestl. und sind mit der Ebene durch enge,
zuweilen schluchtartige Quertäler verbunden, deren schmale Sohlen
fast ganz von rauschenden Flüssen eingenommen werden; Straßen wie
Ortschaften sind dann auf die steilen Talflanken angewiesen. Von
der Alpenlandschaft unterscheidet sich die Himalajalandschaft vor
allem durch das Fehlen eiszeitlicher Spuren unterhalb 2500 m
Seehöhe, wie Gebirgsseen, Kare etc. Die Bergketten steigen in so
rascher Folge hintereinander bis zur Zentralkette, die die höchsten
Gipfel der Erde trägt, auf, daß man vom tropischen Tieflande des
östl. Gangesgebietes aus vielfach in nur 75 km Entfernung die
Schneegipfel erblickt. Im Westen, z. B. in der Gegend von Simla,
sind die mittelgebirgsartigen Vorketten des Himalaja breiter, und
die Schneegipfelzone ist weiter zurückgerückt.
Für Vorderindien besitzt der Himalaja in zweifacher Hinsicht eine
ungeheure Wichtigkeit: einmal hält er die eisigen Winterwinde
Zentralasiens ab, die z. B. den in gleicher Breite gelegenen
Küstenorten Chinas rauhe Winter bringen, und sodann fangen seine
Südhänge gewaltige Niederschlagsmassen auf, die dem nördl.
indischen Tiefland in Gestalt der Ströme des Fünfstromlandes
(Punjab) sowie des Ganges und des Brahmaputra nebst ihren
Nebenflüssen wieder zugute kommen und die Kultivierung weiter
Flächen des an sich trocknen nordwestl. Indiens überhaupt erst
ermöglichen.
=Klima.= Die beste Jahreszeit für den Besuch Indiens bildet unser
Winter, etwa von Mitte November bis Mitte März (vgl. S. 2). Dann
ist in der Regel nicht nur schönes, regenfreies Wetter, sondern die
Temperaturen weichen auch, wie die kleine Tabelle auf S. 45 zeigt,
von europäischen Verhältnissen kaum ab. Der _=kühlste=_ Monat, im
größten Teile des Landes der Januar, hat an den Küsten des Dekhans
immer noch dieselbe Mitteltemperatur wie der _=wärmste=_ Monat in
Oberitalien; die Dezember- oder Januartemperatur im Dekhan und auch
in Calcutta entspricht der Julitemperatur in Süddeutschland, und
erst im mittlern Hindostan und östlichen Punjab sinkt die
Wintertemperatur etwa auf die unseres Mai oder Juni herab. Am
kühlsten wird es im nordwestl. Winkel Vorderindiens, gegen die
afghanische Grenze hin. Im Sommer dagegen muß man im Himalaja schon
auf 2000 m Seehöhe hinaufsteigen, um mitteleuropäische
Temperaturverhältnisse anzutreffen; auch ist in dieser Jahreszeit
die regelmäßige Abnahme der Temperaturen von S. nach N. und NW.
nahezu aufgehoben; aus der Tabelle ist zu entnehmen, daß Agra,
Peshawar und Allahabad sogar höhere Julitemperaturen aufweisen wie
selbst
Bombay und Madras: die weite Entfernung vom Meer und von den
Seewinden steigert im Punjab die Temperaturgegensätze zwischen
Winter und Sommer in demselben Maße wie etwa in Rußlands Steppen
gegenüber Nordwesteuropa. Ebenso ist an diesen Orten auch die
tägliche Temperaturschwankung, also der Gegensatz zwischen
Mittags- und Nachttemperatur, viel größer als an den Küsten; einer
sengenden Mittagshitze steht daher im Punjab in der heißen
Jahreszeit wenigstens in den allerersten Morgenstunden eine
erfrischende Kühle gegenüber.
Im folgenden geben wir (im Anschluß an _Jul. Hanns_ »Handbuch der
Klimatologie«) eine kleine Liste der Mitteltemperaturen des
wärmsten und des kühlsten Monats an je einem Orte der
Hauptlandschaften Indiens sowie an zwei Bergorten am Abhang des
Himalaja, in die man sich zurückziehen kann, wenn es im Tiefland zu
heiß wird. Die dritte Spalte gibt die hygienisch besonders wichtige
mittlere tägliche Schwankung an.