Bei der großen Regenarmut sind die Küsten des Roten Meeres wüstenhaft

und schwach besiedelt, Küstenstädte bei der Hafenarmut spärlich

vorhanden und von geringer Bedeutung, da auch ihre Hinterländer arm an

Menschen und an Erzeugnissen sind. Der gewaltige Verkehr dieser

wichtigen Weltverkehrsstraße flutet an den Küsten des Roten Meeres nur

vorbei. Dagegen bestand im Altertum ein reger Handel zwischen Südarabien

und Ägypten und Palästina (Salomo bezog von der Königin von Saba

Weihrauch, Myrrhen etc.). Im Mittelalter hatte Südarabien als

Kaffeeproduktionsgebiet eine gewisse Bedeutung, jetzt deckt es aber kaum

noch ein Hundertstel des Weltverbrauchs, und der einst wichtige

Kaffeeversandhafen Mocha ist ganz vereinsamt. Auch die Küstenplätze der

europäischen Kolonien, die an der dem abessinischen Hochlande

benachbarten Küste entstandenen sind, vermögen wegen des Fehlens regerer

Handelsbeziehungen zum Binnenland und wegen eines mörderischen Klimas

vorläufig zu keiner Blüte zu gelangen. Nur das schon außerhalb des

eigentlichen Roten Meeres nahe der SW.-Spitze Arabiens gelegene Aden ist

als wichtiger strategischer Stützpunkt der Engländer und durch seinen

guten Hafen zu größerer Bedeutung gekommen.

=Fahrt durch das Rote Meer= (Suez-Aden 1318 Seem.). Auf der Reede von

Suez, außerhalb der Kanalmündung (s. S. 29) sind gute Ankerplätze für

große Dampfer, doch müssen mehrere gefährliche Riffe, die aber mit

Leuchtbaken bezeichnet sind, gemieden werden; das große mittlere

Korallenriff _Kalaa el-Kebira_ hat drei rote Gerüstbaken. Die Küsten an

beiden Seiten der Suezbai sind kahl und öde; an der Westseite erhebt

sich der auffällige _Djebel Atakah_ zu 831 m Höhe. Die Mosesquelle (S.

30) an der Ostseite der Bai erkennt man an den Palmen, die sie umgeben,

sowie an der Quarantäneanstalt für Reisende. Bei der Fahrt durch den

Golf von Suez halten sich die Schiffe näher der Westküste, die

Leuchttürme auf _Râs Safarana_, _Râs Gharib_, auf den _Aschrafi-Riffen_

und auf der _Schadwan-Insel_ hat. Das Land ist an beiden Seiten

sichtbar, an der afrikanischen die gleichförmigern Steilabfälle der

Wüstentafel, die stellenweise rötliche Färbung haben und im _Djebel

ed-Dêr_ 1450 m Höhe erreichen; an der Ostseite, auf der Sinaihalbinsel,

erheben sich die »mächtig trotzigen, scharfzackigen Wände« des _Sinai_,

ein schönes Alpenland zerklüfteter Felsmassen, das sich hinter

wallartigen Vorbergen aufbaut und keine Spur von Pflanzenwuchs zeigt.

Der Hauptgipfel, _Djebel Musa_ (2270 m), und der etwas westlichere

Gipfel _Djebel Katherina_ (2602 m) treten für das Auge zurück gegenüber

der kühnen und großartigen Gestalt des _Djebel Serbâl_ (2050 m), der

neuerdings als der Berg der mosaischen Gesetzgebung angesehen wird.

Den =Sinai= besucht man vom Hafenplatz =Tor= aus (Quarantäneplatz

für heimkehrende Mekkapilger, deren 1907 dort 45000 die Quarantäne

durchmachten), von wo man in 2-1/2 Tagen auf Kamelen das _Kloster

auf dem Sinai_ erreicht; der Reitweg ist aber sehr schlecht und

durch Räuber gefährdet. Nach Tor laufen Postdampfer der Khedivial

Mail Line der Linie Suez-Djidda wöchentlich; auch führt ein Reitweg

längs der Küste nach Suez.

Vom Golf von Suez gelangt man durch die ziemlich enge, mit vielen

gefährlichen Riffen an beiden Seiten besetzte _Djobal-Straße_ in das

Rote Meer; auf den Aschrafi-Riffen (r.) ein Leuchtturm. Östl. von der

Djobal-Straße zweigt längs der Ostküste der Sinaihalbinsel der wenig

befahrene _Golf von Akaba_ (S. 30) ab, in dessen Fortsetzung das

Jordantal mit dem Toten Meer und dem See Genezareth liegt.-- Am Roten

Meer liegen auf ägyptischer Seite ein neuer Phosphathafen in der

_Safadjabucht_ sowie der nur monatlich einmal von einem

Regierungsdampfer besuchte Handelsplatz =Kossêr= mit 2200 Einw. an der

Mündung des Trockentals _Wadi Ambagni_; die Stadt ist sauber und hat

eine gute Reede. Eine Karawanenstraße führt nach _Kench_ am Nil nahe bei

Karnak. Weiter südl., am Fuße der _Berenice-Berge_ (1350 m), liegt unter

dem _Râs Benas_ der gute Ankerplatz _Port Berenice_ dicht bei den Ruinen

der altägyptischen Handelsstadt _Berenike_, von Ptolemäus II.

Philadelphus gegründet und nach seiner Mutter benannt; eine alte

Stationsstraße führte von dort nach Kench. In der Nähe Smaragdminen. Die

Umgegend ist reich an Antilopen.--Einer der besten Häfen an der Küste

von Nubien ist

=Port Sudan= (früher _Mirsa Schêch Barud_ genannt) auf 19° 35' nördl.

Br., der durch Eisenbahn und Telegraph mit Suakin und Berber am Nil

verbunden ist und im Jahre 1906 eröffnet wurde. Die Einsteuerung in den

gut geschützten Hafen ist sehr bequem. Die Hafenanlagen sind modern und

mit elektrischen Kohlentransportern, Ladebrücken, Kranen, Werkstätten,

Lagerhäusern etc. reich ausgestattet. Port Sudan hat sich schnell zum

Haupthandelshafen für den Sudan und Nubien entwickelt; Ausfuhr umfaßt

besonders Baumwolle, Gummi, Vieh und Häute. Die junge Stadt hat bereits

an 5000 Einw., darunter 1000 Europäer, besitzt Elektrizitätswerk,

Wasserwerk, Post und Telegraph. Zollamt und Bahnhof in der Oststadt,

europäische Geschäftshäuser, Gouvernementsgebäude, Schule, Krankenhaus

in der Weststadt; Garnison und Polizei. Port Sudan soll gesund sein,

trotz großer Hitze im Juni-September. Die Stadt liegt auf baumloser

Ebene, im Hintergrund mit malerischer Gebirgsgegend.

=Eisenbahn=: Mehrere Züge tägl. in 24 St. nach (792 km) _Chartum_,

über (39 km) _Sallom Junction_, von da Anschluß nach (20 km)

Suakin.

=Dampferlinien=: Wöchentlich ein Dampfer der Khedivial Mail nach

_Suez_; außerdem laufen Dampfer der Hamburg-Amerika Linie

(Vertreter Geo. Meinecke), des Norddeutschen Lloyd, der British

India Steam Nav. Co. und der Società Nazionale di Servizi Marittimi

Port Sudan an.

=Suakin= (_Sauakin_), bisher wichtigster englisch-ägyptischer Hafen, hat

sehr viele Riffe und Inseln vorgelagert, die die drei Einfahrten sehr

schwierig machen, so daß 1903 während des Bahnbaues hier 10 Dampfer

strandeten. Die Stadt hat etwa 7000 Einw., liegt auf einer Insel mitten

in vorzüglicher Hafenbucht, die während des englischen Sudanfeldzugs

(1884-91) gegen den Mahdi und seinen Nachfolger als Hauptstützpunkt der

kriegerischen Unternehmungen diente, aber auch von den Mahdisten

mehrmals belagert und hart bedrängt wurde. Auf dem Festlande liegt die

Arabervorstadt _El-Kef_, nach der von Suakin ein Damm führt; die

Vorstadt besteht meist aus Lehmhütten, hat mehrere Moscheen aus

Lehmziegeln und einen guten Basar. Die Landseite ist durch einen

halbkreisförmigen Befestigungsgürtel geschützt. Die Stadt Suakin hat

Post und Telegraph, zwei Krankenhäuser, katholische Missionskapelle,

mehrere Moscheen. Gouverneur ist der rangälteste englisch-ägyptische

Offizier der Garnison. Suakin ist in (20 km) _Sallom Junction_ mit der

Bahnlinie Port Sudan-Berber-Chartum verbunden (vgl. _Meyers_ »Ägypten«).

Dampfer der Khedivial Mail laufen wöchentlich an und gehen nach Suez,

Massaua, Dschidda, Hodêda und Aden alle 14 Tage. Suakin ist wichtig als

Einschiffungsplatz der sudanesischen Pilger, die von hier nach Dschidda

überfahren. Die Hitze ist im Juni, Juli und August am größten, bei

Sandstürmen über 40° C; Sonnenstich und Unterleibstyphus sind dann für

Europäer besonders gefährlich.

An der wüstenhaften _=arabischen=_ Küste des Roten Meeres liegen

folgende Seeplätze und heilige Städte:

=Janbo el-Bahr=, auf 24° 5' nördl. Br., ist Anlegeplatz für

Pilgerschiffe mit geschützter kleiner Hafenbucht. Die Stadt ist

verfallen und ärmlich; das Landtor führt auf den Karawanenweg nach

Medina. Die Bewohner sind Araber, Besatzung und Kaimakam (»Landrat«)

sind Türken. Der Handelsverkehr nimmt etwas zu; ägyptische, britische

und türkische Dampfer laufen den Hafen an.

Etwa 200 km östl. von Janbo liegt =Medina=, die Stadt des Propheten

mit dem Heiligtum _El-Haram_, einer Moschee auf der Stelle, wo

Mohammed starb. Der Zutritt zur Stadt ist Ungläubigen streng

verboten, doch haben einige Europäer die Stadt verkleidet besucht

und beschrieben (Burton 1852).

=Dschidda=, auf 21° 28' nördl. Br., mit etwa 20000 Einw., ist der

bedeutendste Seehandelsplatz dieser Küste und Hauptlandungsplatz der

zahlreichen Dampfer und Segler mit Mekkapilgern (jährlich etwa 40000).

Der Ort hat seine Bedeutung wahrscheinlich durch den Umstand erlangt,

daß der Wintermonsun die Segelschiffe von Südosten her gerade noch bis

hierher zu treiben vermag; anderseits waren die Schiffer häufig

gezwungen, hier länger liegen zu bleiben, um günstigen Wind abzuwarten,

und benutzten diese unfreiwillige Muße zu einem Besuche der heiligen

Stätte im Hinterlande, der Ka'aba (s. unten), die dadurch bis in weit

entfernte Gegenden bekannt wurde. Von See macht die Stadt mit hohen

weißen Häusern und vielen Minarets sowie den Türmen und Basteien der

Stadtmauer einen großartigen Eindruck. Im Hintergrund erhebt sich hohes

Gebirgsland. Dem Ankerplatze vor der Stadt sind gefährliche Riffketten

vorgelagert, durch die schwierige Fahrwasser hindurchführen. Vom Seetor

am Strande gelangt man durch enge, schmutzige Straßen geradeaus auf den

Basar; am Ostende der Stadt liegt das Mekkator. Die Tore bleiben von

Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang geschlossen. Die fanatische

Bevölkerung ist christenfeindlich; die Einwohner und die Beduinen aus

der Umgegend gehen stets bewaffnet; außer einigen Konsuln (England,

Frankreich, Rußland, Holland und Österreich) gibt es fast keine Europäer

in der Stadt; außerhalb der Stadt lasse man sich nicht sehen und sei

auch in der Stadt sehr vorsichtig!--Dampferlinien für den Pilgerverkehr

sind die Ocean Steamship Co., die Khedivial Mail, drei britisch-indische

und drei niederländische Linien. Telegraph nach Suakin, Medina, Mekka.

=Mekka=, die Geburtsstadt Mohammeds und Hauptstadt des Hedschas,

liegt etwa 95 km östl. von Dschidda und 400 km südl. von Medina und

hat etwa 60000 Einw. Um die _Ka'aba_ (den heiligen schwarzen Stein)

zu besuchen, der in der Mitte des Mekkatals in der SO.-Ecke des

_Beit Allah_ (Haus Gottes) eingemauert ist, strömen dort jährlich

bis zu 100000 mohammedan. Pilger zusammen. Mekka ist

Hauptpflegestätte der mohammedanischen Theologie.

Die Dampfer im Hauptfahrwasser des Roten Meeres steuern, nachdem sie bei

der Insel Schadwan die Djobal-Straße verlassen haben (S. 32), SSO.-Kurs

und sichten zunächst nach etwa 6 St. den Leuchtturm (mit neuem

Blitzfeuer) der beiden Koralleninseln _Die Brüder_, behalten dann

SSO.-Kurs 100 Seem. weiter, bis der Leuchtturm des _Dädalus-Riffs_ in

Sicht kommt. Von da 656 Seem. bis zur Insel _Djebel Tair_; dabei sieht

man r. die 213 m hohe _St. John-Insel_, die _Elba-Berge_ und andre

Gipfel der ägyptischen Küste. Nur einzelne Dampfer nehmen etwa vom 18.°

nördl. Br. südl. Kurs, um innerhalb der nördl. _Dahlak-Inseln_ längs der

Küste der italienischen Kolonie _Eritrea_ nach deren Haupthafen

=Massaua= zu steuern, der, von mehreren Inseln und einer Halbinsel

eingeschlossen, einen vorzüglichen Ankerplatz bildet. Die Stadt mit etwa

35000 Einw. liegt auf der gleichnamigen Insel; am Hafen liegen

Kaufhäuser, Kaffeehäuser und Kolonialgebäude, Marinewerft, Vorratslager,

Marinelazarett. _=Bank=_: _Società Coloniale Italiana_ (Korresp. der

Deutschen Bank). Aufblühender Handel, Ausfuhr von abessinischem Kaffee,

Elfenbein, Gold, Gummi, Fellen, Perlen u. a. Funkentelegraphenstation,

Post und Telegraph. Die Dampfer der Società Nazionale di Servizi

Marittimi laufen wöchentlich an. Das Klima ist eins der heißesten auf

der Erde, vom Juni bis September sinkt das Thermometer im Durchschnitt

nicht unter 30° herab; im April und Mai herrscht Malaria. Der

vorzügliche Hafen diente schon 1867/68 Lord Napier (of Magdala) als

Landungsplatz und Hauptstützpunkt beim Feldzug gegen Abessinien, wurde

später von den Engländern wieder aufgegeben und 1885 von den Italienern

besetzt. Eine Eisenbahn führt von Massaua westl. über _Dogali_ nach

_Sahati_. Der militärische Statthalter der Kolonie Eritrea wohnt in

_Asmara_, etwa 45 km sw. von Massaua.

Von Massaua laufen die Dampfer mit sö. Kurs längs der Eritrea-Küste nach

=Assab=, dem südlichsten Hafen und Handelsplatz der italienischen

Kolonie, von dem ein Karawanenweg nach _Magdala_ in Abessinien führt.

Assab liegt auf 13° nördl. Br. in einer durch Inseln und Riffe

geschützten Bucht und hat 5000 Einw.; die Einfahrt ist schwierig,

besonders durch das Ostfahrwasser. Die italienischen Dampfer laufen

Assab an.

Schiffe, welche die Hafenplätze der Küste von _Jemen_ besuchen,

müssen schon auf dem 20.° nördl. Br. aus dem Hauptfahrwasser des

Roten Meeres ostwärts auf die Stadt _el-Lid_ zusteuern und dann das

_=Innere Fahrwasser=_ innerhalb der Korallenriffe vor der

arabischen Küste benutzen. =El-Lid= liegt auf 20° 7' nördl. Br.;

Dampfer des Österreichischen Lloyd besuchen etwa vierteljährlich

diesen und die folgenden Hafenplätze, von denen der nächste im S.,

=Kunfuda=, eine befestigte türkische Stadt mit etwa 10000 Einw.,

auf 19° 8' nördl. Br. liegt. Beträchtlichern Handel mit Kaffee und

Getreide hat die kleinere Stadt =Lohêja=, mit 2000 Einw., auf 15°

42' nördl. Br.; der Ankerplatz liegt etwa 4 Seem. von der

Stadt.--Als Quarantäneplatz für indische Pilgerschiffe ist der

=Kamaran-Hafen= an der Ostseite der großen Insel _Kamaran_ wichtig.

Gegenüber liegt auf dem Festland die Stadt _Saliff_, aus deren

Steinsalzwerken viel Salz verschifft wird. Durch den _Kamaran-Paß_

führt die Küstenfahrt dann nach dem wichtigen Handelsplatz =Hodêda=

(_Hodeida_) auf 14° 47' nördl. Br.; die aufblühende Stadt hat etwa

45000 Einw. und regen Schiffsverkehr; Ausfuhr: Kaffee, Felle, Korn.

Kleiner Schutzhafen für Sambuks und Boote ist neu gebaut. Etwa

wöchentlich Dampfer der Khedivial Mail nach Suez und Aden und

italienische nach Massaua. Der Telegraph ist selten gebrauchsfähig,

man sendet schneller Telegramme mit Dampfer nach Aden. Cholera

tritt in Hodêda häufig auf.

Der _=Hauptdampferweg=_ führt l. an der 245 m hohen, vulkanischen Insel

_Djebel Tair_ vorbei, dann südl. und l. von den _Sebajir-Inseln_.

_Djebel Sugur_ und die _Hanisch-Inseln_ werden auf der Ausreise meist r.

gelassen, wobei aber die gefährliche _Avocet-Klippe_ auf 14° 22' nördl.

Br. gemieden werden muß; sie hat nur 4,6 m Wassertiefe und ist rings von

tiefem Wasser umgeben, auch nicht zu erkennen, so daß schon mehrere

Dampfer auf ihr Schaden erlitten haben. Die meisten Dampfer steuern

durch die _Abu Ail-Durchfahrt_ östl. von Djebel Sugur und halten dann

auf Mocha zu, wobei die _Hanisch-Inseln_ r. bleiben.--=Mocha= (_Mokka_)

ist von Bord aus an den Minarets und Moscheen zu erkennen; im

Hintergrund der Stadt erheben sich hohe Berge, an deren Abhängen der

berühmte Kaffee wächst; während nämlich der Küstenstrich selbst wüst und

öde ist, empfangen die terrassenförmig abfallenden Gehänge des

Hochlandes von Jemen oberhalb von 800 m Meereshöhe ziemlich ergiebige

Niederschläge und sind daher reich bewässert und bebaut. Die Gipfel

sind meist in Dunstschleier gehüllt. Früher war Mocha wichtigste

Handelsstadt von Jemen, ist aber jetzt von Hodêda weit überholt; die

Stadt sieht wie ein Trümmerhaufen aus. Die Reede hat viele Riffe.--

Dampfer nach Aden steuern in Sicht von Mocha südl. längs der arabischen

Küste durch die _Kleine Straße Bab el-Mandeb_ (S. 30) und dann östl.

meist in Sicht der im _Djebel Churruz_ bis 829 m hohen Küste nach _Aden_

(S. 38).

=Perim=, englische Insel in der Straße Bab el-Mandeb, ist kahl, felsig

und vulkanischen Ursprungs; auf dem 65 m hohen Gipfel der Insel am

SO.-Ende liegt eine Lloydsignalstelle, die passierende Schiffe

telegraphisch nach London meldet; Telegraphenkabel führen von der Insel

nach Aden, Suez, Obock, Assab, Massaua und Suakin. Der bequeme

natürliche Hafen an der SW.-Seite der Insel ist an die _Perim Coal

Comp._ verpachtet, die ein großes Lager an Kohlen zur Ausrüstung von

Dampfern unterhält. Indische Mekkapilger-Schiffe müssen die Insel zur

ärztlichen Untersuchung anlaufen. Perim ist strategisch als englischer

Flottenstützpunkt wichtig, aber unbefestigt. Zur Brutzeit

Schildkrötenfang am Hafen.

Dampfer nach Djibouti laufen westl. von Perim durch die _Große Straße

Bab el-Mandeb_ zwischen _Râs Sijan_, einem 135 m hohen rötlichen

Küstenvorsprung, und den _Sechs Brüdern_ (_Djesiret es-Sawahib_), sechs

auffälligen Felseninseln, hindurch, steuern dann um _Râs el-Bir_ herum

in den _Golf von Tadjura_, an dessen NO.-Ecke der von Riffen

eingeschlossene Hafen von _Obock_ liegt, früher Haupthafen der

französischen Somali-Küste, jetzt, weil ungesund, verlassen. Im Innern

des Golfs von Tadjura liegen die unwichtigen Handelsplätze _Tadjura_,

_Ambabo_, _Sagallo_ und das schwer zugängliche Becken _Ghubbet Charab_.

Am SO.-Ausgang des Golfs liegt die Hauptstadt der französischen Kolonie

_Somali_.

=Djibouti=, Stadt mit ca. 16000 Einw., davon 1800 Europäer, Sitz eines

Gouverneurs; zwei deutsche Firmen; Stadt mit steinernen Häusern, gut

gebaut. Polizeitruppe von 500 Gallaleuten.

=Gasthöfe=: _Continental_ (gelobt);-- _Des Arcades_;--_De France_,

Pens. 10-12 Fr.--=Cafés= am _Place du Port_ und am _Place de

Menelik_.--=Dampfer=: _Messageries Maritimes_, 14tägig nach

Marseille, Ostasien, Australien, Madagaskar und Mauritius;

Küstendampfer der _Cie. de l'Afrique Orientale_ nach Aden, außerdem

Dampfer des _Österreichischen Lloyd_, der _Hamburg-Amerika Linie_

und der _Cie. Harraise_ etwa monatlich einmal.--=Post u. Tel.=

französisch; =Telephon= nach Harrar und andern abessinischen Orten

bis Addis-Abeba. --=Eisenbahn= bis Diré-Daua (vgl. S. 37),

Fortsetzung bis Addis-Abeba im Bau.--=Geld= französisch: die

Eingebornen nehmen auch indische Rupien und Silber-Annas in

Zahlung.

=Konsulate=: _Abessinischer Konsul_ Ato Joseph, bei dem man

vorspreche vor einem Ausflug nach Abessinien zur Ausstellung eines

Waffenscheins (gratis). --=Bank=: Filiale der _Banque de

l'Indochine_.

=Geschichtliches=: Erste französische Niederlassung 1862 in Obock,

gekauft vom Sultan Ibrahim Abu Bekr; Kohlenlager wurden erst 1883

dort eingerichtet; 1896 wurde Djibouti Hauptstadt der Kolonie »_Côte

Française des Somalis_«.

An der Landungsbrücke für Leichter mit Schmalspurbahn liegen die

Kohlenlager und Gebäude der Messageries Maritimes. An der kleinern

südlichen Landungsbrücke, die dem Bootsverkehr zum Dampfer dient, das

Regierungsgebäude. Krankenhaus für Europäer. Trotz der Hitze sind die

Gesundheitsverhältnisse für Europäer gut, nur Sonnenstich kommt häufig

vor. Größte Hitze im Juli, August und September. Man trage stets

Tropenhelm!--Trinkwasser aus Wasserleitung ist nicht einwandfrei,

Darmkatarrhe treten häufig auf. Lebhafter Handel mit Elfenbein, Kaffee,

Gold und Häuten; Waffenausfuhr nach der arabischen Küste. Handelshäuser

am _Place du Port_ und _Place de Menelik_.

=Eisenbahn Djibouti-Diré-Daua=, 310 km in 16 St., zweimal wöchentl.

Personenverkehr für I. 180, II. 62, III. (nur Eingeborne) 15,50

Fr., Rückfahrkarten mit 8 Tagen Gültigkeit I. 220, II. 75 Fr.

Spurweite der Bahn 1 m. Die Bahn durchläuft die wasserarme,

hügelige Küstenebene und fährt dann in Trockentälern in das innere

Gebirgsland hinein. Nachdem bei (89 km) _Ali Sabiet_ in 734 m Höhe

der französische Grenzposten passiert ist, kommt man durch

besonders schöne Gebirgslandschaften hindurch. In 831 m Höhe bei

(106 km) _Daouanlé_ ein Bahnhofsgasthaus. Das Gebirgsland endet bei

(132 km) _Adelé_, die Bahn tritt auf eine unabsehbare, mit

einzelnen Büschen und Bäumen besetzte Hochebene, erreicht (190 km)

_Col du Harr_ (887 m) und, zuletzt wieder durch Bergland, den

vorläufigen Endpunkt in (310 km) _Diré-Daua_ (1100 m), 1905

gegründeter Stadt mit 15000 Einw., darunter 500 Europäer.

_=Gasthöfe=_: _Continental_; _De France_; _Vigier_; _Hermelides_;

_Michaelides_. _=Geld=_: Mariatheresientaler und Meneliktaler (Bör)

= 12-16 Mahalek (abessinische Silbermünze, etwa 12-13 Piaster

[Girsch]). Französisches Geld wird in Zahlung genommen.

_=Ausflug=_ von Diré-Daua nach _Harar_, 60 km in 1-2 Tagen auf

Kamelen, Pferden, Mauleseln oder Eseln; Preis für ein Tier 3-5

Taler. Die gebahnte Straße führt am See Hiramaya (abessinisches

Wirtshaus zum Übernachten) vorbei, überschreitet einen Bergpaß von

2030 m Höhe und senkt sich dann nach der Stadt =Harar= (_Hôt.

Universel_, Pens. 15 Fr.), die 1856 m ü. M. auf einem Berge liegt

und 50000 Einw. hat, davon 8-10000 Abessinier, an 7000 Galla und

Somali, Rest Fremde (Araber, Türken, Armenier, Hindus und

Griechen). Harar ist alte Handelsstadt, 1886 von Menelik erobert,

Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, Sitz eines Gouverneurs. Die

fünf Tore der Stadt werden bei beginnender Dunkelheit geschlossen

und unter keiner Bedingung vor dem nächsten Morgen geöffnet; vor

der Stadt ist _keine_ Unterkunft, das Kampieren im Freien ist wegen

des Geheuls der Hyänen und Schakale unangenehm. Die Stadt, mit

Mauern umgeben, inmitten von Bananenpflanzungen und Kaffeegärten

reizvoll gelegen, hat typisch orientalisches Gepräge. Sehr gesundes

Klima, gute Wasserleitung. _=Bank=_: _Bank of Abyssinia_, eine

Filiale der gleichnamigen Bank in Addis-Abeba. _=Münzwesen=_ s.

unter Diré-Daua; PT, Telephon nach Djibouti und Addis-Abeba.

_=Konsulate=_: England, Italien sind vertreten. Französisches

Hospital.

Lebhafter Handel, besonders in Kaffee und Häuten; der Markt wird

tägl. von etwa 10000 Angehörigen der Stämme dieser Provinz besucht.

Die Umgegend ist sehr fruchtbar, das Klima mild. Etwa 4 St. von

Harar Jagd auf Wildschweine etc.

Das eigentliche =Abessinien= (_Habesch_, _Äthiopien_), das man bei

diesem Ausfluge nicht berührt, umfaßt ein wildzerklüftetes

Alpenland mit wald- und wildreichem Tafelland im Innern, mit

gesundem europäischen Hochgebirgsklima, geeinigt 1889 vom Negus

Negesti (König der Könige = Kaiser) _Menelik_, der infolge schwerer

Krankheit im Jahr 1911 von der Regierung zurücktrat. Seitdem ist

der (1896 geborne) Enkel Meneliks, _Lidji Jeassu_, König von

Abessinien. Die südl. Provinzen werden künftig mit der Bahn

erreichbar, die von Diré-Daua westwärts 470 km weiter bis zur

Hauptstadt Meneliks, =Addis-Abeba=, im Bau ist. Addis-Abeba, etwa

2400 m ü. M. von Bergen umgeben in der Landschaft _Schoa_ gelegen,

zählt ca. 50000 Einw.; etwa 60 km westlicher liegt die zeitweilige

Residenz _Addis-Alam_ des Königs. Schoa hat in den Höhenlagen sehr

gesundes Klima, doch tropische Regenzeit vom Juni bis September.

_=Jagdgelegenheit=_ bei Addis-Abeba am Hawasch-Fluß und an den

Robi-Seen auf Nilpferde, Krokodile, Warrans, Löwen, Leoparden,

Büffel und Antilopen sowie auf Federwild, wie Marabus, Kuhreiher

etc.; zur Jagd sind Empfehlungen und Regierungserlaubnis

erforderlich.

Aden.

Vgl. den untenstehenden Lageplan.

[Illustration: Lageplan von Aden.]

=Ankunft.= Östl. und westl. von Aden ist die Küste niedrig und

sandig, so daß sich die drei Halbinseln _Râs Amran_, _Djebel

Hassan_ und _Aden_ scharf hervorheben; die Halbinsel Aden hat viel

Ähnlichkeit mit Gibraltar, ihr turmartiger, 541 m hoher Gipfel

_Djebel Schamschan_ kommt bei klarem Wetter schon auf 40 Seem.

Abstand in Sicht. Die aus dem Roten Meere kommenden Dampfer halten

geradeswegs auf die Leuchtbake auf _Elephants Back_ und die

Leuchttonnen bei _Steamer Point_ zu. Die Dampfer des Norddeutschen

Lloyd ankern meist sw. von den äußern Leuchttonnen im Außenhafen,

nur während des stärksten Südwestmonsuns, im Juni, Juli und August,

gehen sie des hohen Seegangs wegen in den innern Hafen (oder nehmen

in Perim Kohlen). Alle übrigen (kleinern) Dampfer suchen stets den

Binnenhafen auf.-- Die meisten Dampfer haben nur 3-6 St.

Aufenthalt, man erkundige sich genau nach der Abfahrtszeit, ehe man

an Land fährt, und bleibe bei starkem Seegang besser an Bord, weil

dann die Bootfahrt nach _Steamer Point_ zeitraubend u. schwierig

und rechtzeitige Rückkehr unsicher ist. Der äußere Ankerplatz liegt

etwa 2 km vom Lande, die Überfahrt kann 1 St. dauern. Am

Landungsplatz hängt ein Bootstarif (in Deutsch, Englisch und

Französisch) mit allen Gebühren für Personen und Gepäck. Ein

Bootsinspektor ist am Landungsplatz zu finden. --Aden ist

Freihafen, Waffen und Munition dürfen nicht eingeführt werden,

Weine und Spirituosen zahlen hohen Zoll.

Weltreise. Erster Teil: Indien, China und Japan · 第 5 / 63 段