_Marseille_ über _Port Saïd_, _Suez_, _Aden_ nach (4545 Seem.)
_Bombay_ (und weiter über Colombo nach Australien). Fahrzeit etwa
15 Tage.-- Über auswechselbare Rückfahrkarten mit dem
Österreichischen Lloyd s. S. 22. --Direktion der Messageries
Maritimes in _Marseille_, Quai de la Juliette 2, Bureau des
Passages, Rue Cannebière 16 (Telegrammadr. »Sicorne Marseille«).
In =Marseille= (_Grand Hôtel Noailles_; _De Russie et d'Angleterre_, Z.
5-12 Fr.; _De Genève_, Z. 3,50-5 Fr.) legen die Schiffe am Kai an. Bald
nach Ausfahrt nimmt der Dampfer SO.-Kurs, den er behält, bis nach etwa
20 St. die Inseln _Korsika_ (l.) und _Sardinien_ (r.) auftauchen,
getrennt durch die 12 km breite, flache, klippenreiche und daher nicht
ungefährliche _Straße von Bonifacio_, die das Schiff nun passiert. L.
auf 60 m hohem Kalkfelsen, an der Südspitze von Korsika, liegt die Stadt
_Bonifacio_, mit alten Befestigungen und Leuchtturm.--Der Dampfer nimmt
dann Kurs zwischen Sardinien, dessen mäßig hohe Berge mit niedrigem
Gestrüpp bewachsen sind, und kleinen Eilanden (l.): erst _Isola della
Maddalena_, dann die kahle Felseninsel _Caprera_ (Ziegeninsel), Wohnsitz
(1854-82) Garibaldis, der auch dort begraben ist. Das weiße Haus
Garibaldis ist im Hintergrund einer kleinen Bucht sichtbar. Das Schiff
durchfurcht dann sö. das _Tyrrhenische Meer_; dabei erscheinen die
vulkanischen _Liparischen Inseln_ (S. 24). Dann taucht die Küste von
Kalabrien (l.) und die von Sizilien (r.) auf, alsbald läuft das Schiff
durch die *_Straße von Messina_ (S. 24) und folgt dem S. 24
beschriebenen Kurs; nach 5 Tagen erreicht man (1516 Seem.) =Port Saïd=
(s. unten). Weiterfahrt durch den Suezkanal s. S. 27.
[Hand] Wer =Ägypten=: Alexandrien, Kairo und die Pyramiden besuchen
will, findet Näheres in =Meyers »Ägypten«=.
Port Saïd und der Suezkanal.
Vgl. die Kartons auf den Karten bei S. 22 und S. 28.
=Ankunft.= Die Schiffe ankern nahe am Kai; Ausbooten 1-1/2 Piaster,
nachts 2-1/2 Piaster, Gepäck 1 Piaster das Stück, großer Koffer 4
Piaster; Gepäckträger zum Zollamt 2, zum Hotel 3, zum Bahnhof 4
Piaster.
=Gasthöfe:= _Savoy_ (Pl. a), Quai François-Joseph, deutsches gutes
Haus in schöner Lage; 60 Z. 22, F. 8, Lunch 20, Dîn. 25, Pens. 62
(16 Fr.) Piaster.-- _The Eastern Exchange_ (Pl. b), Rue Sultan
Hassan, 13-15 sh.--_Continental_ (Pl. c), Mitte der Stadt, am
Schnittpunkte der beiden Hauptstraßen, Faßbierausschank, 10-1/2-12
sh. tägl.--_De la Poste_, Rue Hassan, tägl. von 12 Fr. an.--_Port
Saïd Casino_, in schöner Lage an der Hafeneinfahrt,
Konzertrestaurant (Mai bis September geöffnet). --=Cafés
chantants:= _Eldorado_, Rue du Commerce.--_Café Khédivial_, Quai
François-Joseph.
=Straßenbahn= durch die Stadt, Europäern nicht zu empfehlen!
=Post:= _Französische_ (Pl. 2);--_Ägyptische_ (Pl. 1), beide Rue
Sultan Hassan. --Das _=Postwesen=_ in Ägypten ist gut. Briefe läßt
man am besten an ein Hotel adressieren.--=Telegraph:= _Englischer_
(für das Ausland), Quai François-Joseph (Pl. 4).--_Ägyptischer_,
Rue du Commerce (Pl. 3).
=Konsulate:= _Deutsches Reich_, Rue El Nil, Gerent Rickmers;
_Österreich-Ungarn_, Vizekonsul Probizer.
=Geld:= _Ägyptisches Pfund_ (= 20,80 M.) zu 100 _Piaster_ (ca. 20
Pf.) zu je 10 _Millièmes_ (ca. 2 Pf.). Ägyptisches Gold sieht man
nicht häufig. Dafür gelten englische Pfund Sterling (_Gineh
inglisi_ = 97-1/2 Piaster), Zwanzigfrankstücke (_Bento_ [venti] =
77 Piaster) und türkisches Pfund (_lira turk_ = 87-3/4 Piaster).
Deutsches Gold ist nur beim Bankier (mit Verlust) zu wechseln, wird
aber in den Hotels genommen. Von Silber- und Scheidemünzen
kursieren _nur_ ägyptische Stücke: Silbertaler (20 Pi.), 1/2
Silbertaler (10 Pi.), 1/4 Silbertaler (5 Pi.), 2 Silberpiaster,
1 Silberpiaster, 1/2 Piaster in Nickel, 8-Parastücke (ca. 4 Pf.),
4-Parastücke (2 Pf.) in Kupfer und Nickel.--=Banken:= _Deutsche
Orient-Bank_; _National Bank of Egypt_; _Anglo-Egyptian Bank_;
_Bank of Egypt_; _Comptoir National d'Escompte de Paris_.
=Sprache:= Arabisch, doch wird im Verkehr viel Englisch,
Französisch und Italienisch gesprochen oder geradebrecht.
=Eisenbahn= von _Port Saïd_ über (80 km) _Ismailia_, dann westl.
nach (236 km) _Kairo_, tägl. zwei Schnellzüge
mit Speisewagen in 4 St., südl. nach (160 km) _Suez_ in 4 St.
=Dampferagenturen:= Norddeutscher Lloyd, W. H. Müller & Co.;
_Hamburg-Amerika-Linie_, Deutsches Kohlendepot; _Deutsche
Ostafrika-Linie_ und zahlreiche Schiffahrtsgesellschaften andrer
Nationen.
=Port Saïd=, Hauptstadt des ägyptischen Gouvernements Isthmus, im O. der
Nehrung, die den Mensalehsee vom Mittelmeer trennt, unter 31° 16' nördl.
Br. gelegen, wurde erst im Jahre 1860 beim Bau des Suezkanals gegründet
und zählte 1909: 60000 Einw., darunter 23000 Europäer (viele Griechen
und Franzosen). Durch die Lage an der Mündung des Suezkanals ist das
Geschäftsleben auf den Durchgangsverkehr von Fremden zugeschnitten. Die
Stadt, in deren höhern Klassen das französische Element überwiegt, ist
regelmäßig angelegt, die neuern Straßen sind mit Bäumen bepflanzt;
2-4stöckige Gebäude haben im europäischen Stadtteil die Holzhäuser fast
ganz verdrängt. Ihren Mittelpunkt bildet die _Place Lesseps_ mit Anlagen
(zuzeiten Militärmusik). Hauptgeschäftsstraßen sind: _Rue de Commerce_
mit Läden, _Quai François-Joseph_ mit den Konsulaten und
Dampferagenturen, _Rue Osman_ mit Banken und Gasthäusern. Sehenswert ist
der Hafen, _Grand Bassin Ismaïl_, 8 m tief, dessen Teile, von S. nach N.
gezählt, das _Bassin Chérif_, das _Bassin de l'Arsenal_ und das _Bassin
du Commerce_ bilden; weitere Hafenanlagen sind im Bau. In den
Kohlenlagerplätzen hat auch das _Deutsche Kohlendepot_, G. m. b. H.,
eine große Niederlage. Am Ostufer des Kanals die Werkstätten der
Kanalgesellschaft. Etwas nördl. vor der Stadt, am Kanal- und Meeresufer,
der 53 m hohe _Leuchtturm_, mit elektrischem Blitzfeuer, 20 Seemeilen
weit sichtbar; außerdem weiße Leuchtfeuer zu beiden Seiten des Kanals
und Leuchtbojen mit grünem und rotem Licht. Zwei riesige _Molen_, die
östliche 1600 m, die westliche 2250 m lang, beide aus Blöcken, die aus
hydraulischem Kalk und Wüstensand bestehen, schützen die Hafeneinfahrt.
Der westliche Damm soll die vom Nil ins Meer geführten Schlammmassen,
die die Strömung des Mittelmeers nach O. treibt, vom Hafen fernhalten;
auf ihm ein 16 m hohes _Standbild Ferdinand von Lesseps'_ (von Frémiet),
1899 von der Kanalgesellschaft errichtet. Östl. vom Hafenkanal sind
große Salinen angelegt.
Der =Suezkanal=, 1859-69 durch den französischen Ingenieur Lesseps
erbaut, hat eine Länge von 160 km, die Breite ist am Wasserspiegel
100-130 m, an der Sohle 38,5 m, die Tiefe 9,50 m; durch
Erweiterungsbauten soll die Sohlenbreite auf 45 m, die Tiefe auf fast 11
m gebracht werden. Die Baukosten beliefen sich auf etwa 19 Mill. Pfd.
Sterl., von denen 12800000 durch Aktienzeichnungen aufgebracht wurden,
während den Rest der Khedive deckte. Letzterm kaufte England 1875 die
übernommenen Aktien (177602 Stück im Werte von 3,5 Mill. Pfd. Sterl.)
ab. Die Einnahmen der Gesellschaft ergaben 1910: 133,7 Mill. Fr., die
Ausgaben nur 43,8 Mill. Fr., also Überschuß 89,9 Mill. Fr., wovon 31,6
Proz. Dividende gezahlt wurden. Es benutzten den Kanal 1910: 4533
Schiffe von 16581898 Nettotonnen, darunter 2778 englische, 635 deutsche,
259 holländische, 240 französische, 191 österreichische, 103 russische,
87 italienische, 72 japanische, 34 dänische, 26 spanische, 26 türkische,
25 schwedische, 20 norwegische, 14 griechische, 11 siamesische, 8
amerikanische, 3 ägyptische, 1 belgisches. Die Abkürzung der
Entfernungen zwischen Europa und den östlichen Ländern beträgt für die
Dampferfahrt nach Bombay von Brindisi und Triest etwa 37, von Genua 32,
von Marseille 31, von Liverpool, London, Amsterdam oder Hamburg 24 Tage.
Der Kanalzoll beträgt 7,25 Fr. für die Netto-Reg.-Tonne, so daß z. B.
ein Dampfer von nur 3000 Ton. 21750 Fr. Kanalzoll zahlt. Die Taxe für
Passagiere beträgt 10 Fr. Die Benutzung des Kanals, zu der alle Nationen
berechtigt sind, ist Schiffen bis 8,53 m (in nächster Zeit sogar bis
9,45 m) Tiefgang mit elektrischem Leuchtapparat auch bei Nacht
gestattet. Die Durchfahrtszeit beträgt 16-22 St. Die Fahrt ist
landschaftlich teilweise recht interessant, besonders abends bei
Mondschein.
Der _Kanal_ durchschneidet die an ihrer schmalsten Stelle nur 112
km breite und ganz flache (in der Linie des Suezkanals nur bis zu
16 m hohe) _Landenge von Suez_, ein verhältnismäßig junges Gebilde,
das einst eine Bucht des Mittelmeeres war, aber dann zum Teil mit
den Absätzen dieses Meeres, zum Teil mit Sedimenten des Nils
ausgefüllt wurde, der in alter Zeit einen Arm weit ostwärts
entsandte. Der Südteil der heutigen Landenge ist aus Absätzen des
Roten Meeres gebildet. Ihre landfest gewordene Oberfläche wurde
darauf von den benachbarten Festlandsteilen aus mit einer
Sandschicht überweht und ist heute ebenso sandig und wüstenhaft wie
diese. Reste der einstigen Meeresbucht sind der _Menzalehsee_ bei
Port Saïd und die übrigen Seen, die der Kanal durchschneidet (siehe
unten). Als einzige Landverbindung zwischen zwei gewaltigen
Erdteilen mußte die Landenge von Suez, seitdem Menschen sich
betätigen, eine sehr wichtige Völkerstraße werden. Der Zugang aus
Vorderasien zu dem reichen Niltal führte über sie hinweg, und
umgekehrt drangen die Ägypter oft genug über sie nach den alten
Kulturländern Syriens und Mesopotamiens vor. Wie oft spielt sie in
den Erzählungen der Bibel eine Rolle! Wichtige Handelsstraßen
führten seit der ältesten Zeit über sie hinweg, und noch heute wird
sie von einem viel benutzten Karawanen- und Pilgerweg zwischen
Ägypten einerseits, Palästina und Arabiens heiligen Stätten
anderseits gekreuzt. Während die Landenge von Suez so eine wichtige
Landbrücke für den friedlichen und kriegerischen Verkehr darstellt,
mußte sie umgekehrt schon bald als ein lästiges Hemmnis für die
Schiffahrt empfunden werden, und so entstand schon vor mehr als
3000 Jahren (um 1400 v. Chr.) die erste Wasserstraße zwischen dem
Mittelländischen und dem Roten Meer, die, wie die Mehrzahl ihrer
Nachfolger, vom Unterlaufe des Nil nach dem Nordende des Roten
Meeres lief, also weit westlich vom heutigen Kanal.
=Kanalfahrt Port Saïd-Suez.= Der Kanal geht von Port Saïd südl. und
tritt bei (14km) _Râs el-Esch_ in den fischreichen =Menzaleh-See=, einen
flachen, durch eine Nehrung vom Mittelmeer getrennten Strandsee; auf den
Sandbänken hausen Millionen von Sumpf- und Wasservögeln (Pelikane,
Flamingos). Der Kanal durchschneidet zwischen Dämmen den See in
schnurgerader Linie; die östl. Teile sind bereits trocken gelegt,
gleiches wird für die westl. beabsichtigt. Am Südende des Sees folgt die
Ausweichestelle (44 km) Stat. =El-Kantara= (»die Brücke«), eine niedrige
Bodenschwelle, über die seit alters die Heerstraße von Ägypten nach
Syrien führte, noch jetzt von Karawanen benutzt. An Stelle der alten
Brücke ist jetzt eine Fähre getreten. --Dann tritt der Kanal in den
kleinen _Ballâh_-(Dattel)-_See_, durch den ebenfalls Sanddämme gelegt
sind. Südl. vom Ballâh-See wird bei (63 km) _El-Ferdân_ und _El-Gisr_
(r.) eine 14 km lange Kalk- und Sandsteinbank, die höchste, nur 16 m hohe
Erhebung der Landenge, durchschnitten. Man passiert eine Moschee und
eine Schwimmbrücke sowie die Kapelle der _Vierge du Désert_ auf einer
Anhöhe. Beim Eintritt in den tiefblauen =Timsâh-= (Krokodil) =See= liegt
r. am Kanalufer eine Villa (Chalet) des Vizekönigs; der See war früher
eine Lagune mitten in der Wüste; sein erhöhtes Ostufer heißt das
Hyänenplateau. Am NW.-Ende des Sees liegt (76 km) =Ismailia= (_Hôtel des
Voyageurs_; gute Bahnwirtschaft; PT am Bahnhof), während des Kanalbaues
entstandenes, stilles, hübsches Städtchen (7000 Einw.), Zentralamt und
Hauptstation der Dampfer der Kanalgesellschaft, durch Eisenbahnen mit
Kairo (2-1/2 St.), Suez (2 St.) und Port Saïd (1-1/2 St.) verbunden.
Hier mündet der vom Nil bei Kairo kommende _Süßwasserkanal_, der die
Ortschaften am Suezkanal mit Trinkwasser versorgt.--Am SW.-Ufer des
Timsâh-Sees der _Djebel Marjam_, nach arabischer Sage die Stätte, auf
der Mirjam, die Schwester von Moses und Aaron, sieben Tage fern vom
Lager der Israeliten zubrachte (4. Mos., Kap. 12). Bei (85 km) _Tusûn_
(r.) ein weit sichtbares Schêchgrab. Der Kanal führt nun durch
Sandsteinlagen und erreicht (bei 90 km) die Bahnstat. _Serapeum_ (r.),
kleinen, durch den Kanalbau entstandenen Flecken; westl. ein
_Darius-Denkmal_ auf einem Hügel zum Andenken an den ältesten Kanalbau.
2 km südl. durchbricht der Kanal harte Kreidefelsen und tritt dann in
die blaugrünen =Bitterseen= ein, an deren Ein- und Ausgang je ein
Leuchtturm steht; das Fahrwasser ist mit Leuchttonnen und Pfahlbaken
bezeichnet. Vor dem Kanalbau lag die Mulde der Bitterseen trocken, am
18. März 1869 lief das Mittelmeerwasser in sie hinein, am 15. Aug. wurde
der südliche Damm durchstochen und die Begegnung beider Meere
hergestellt. Der Große (nördliche) Bittersee ist ca. 20 km lang; auf
dieser Strecke dürfen Dampfer mit »Volldampf« laufen und sich auch
überholen, da das Fahrwasser breit genug ist. Eine ausgebaggerte
Fahrrinne führt vom Großen in den Kleinen Bittersee, an dessen NW.-Ufer
die Ruinen eines andern Perserdenkmals liegen. Nw. sieht man die Hügel
und die Bahnstat. von _Geneffe_. Im Kleinen Bittersee sind zwei
Anlegestellen für Schiffe. Südl. von den Bitterseen ist harter Boden;
bei (139 km) Stat. _Schalûf_ (r.) führt der Kanal durch Sandstein; dann
folgen Sandhügel. Der Kanal wird hier breiter, seine Dämme sind höher
als vorher. Beim sogen. (150 km) _Campement Madama_ bestehen die Ufer
aus festem Mergel und weichem Ton; westl. Ruinen zweier Denksteine mit
Inschrift von Darius in Hieroglyphen- und Keilschrift. Eine Wüstenstraße
(Pilgerstraße nach Mekka) kreuzt hier auf einer Schwimmbrücke den Kanal.
Östl. in einiger Entfernung liegen die Trümmer der alten Stadt
_Arsinoë_. Die Ausfahrt aus dem Suezkanal ins Rote Meer mündet an der
Ostseite der großen Bai von Suez; die Stadt Suez, die Hafenanlagen von
Port Ibrahim, die Ausweichestelle und die Kaianlagen von Port Taufik
bleiben r., ebenso die Avenue Hélène (S. 29); l. ein starker
Wellenbrecher zum Schutze der Kanalmündung.--(160 km) _Port Taufik_
(_Tewfik_), Ausweiche- und Anlegestelle an der Südeinfahrt des
Suezkanals, ist mit Hafenanlagen ähnlich wie Port Saïd ausgerüstet;
Einrichtungen zum Bekohlen von Dampfern nahe dem Gebäude der
Kanalgesellschaft. Die Dampfer halten hier gewöhnlich etwa 2 St.
(160 km) =Suez= (vgl. den Karton auf der Karte »Rotes Meer«).
=Gasthöfe:= _Bel Air_, in Stadt Suez, Rue Colmar, am Bahnhof; 22 Z.
4 Fr., Pens. 13 Fr., gut.--_Sinai_, auf Port Taufik, nahe dem
Landeplatz der Dampfer; 16 Z., Pens. 13 Fr.
=Bierstube:= _Bayer. Bierhalle_, gutes Essen u.
Schlafzimmer.--=Cafés:= _Paradies_ und _Mahroussa_ (in beiden
Konzert).
=Post= (ägyptische), Hauptamt in Port Taufik, Avenue Hélène,
Nebenamt in Suez-Stadt, nahe dem Zollamt.--=Telegraph:= Ägyptischer
(für Ägypten) in Port Taufik, nahe dem Bahnhof (Suez-Dock), in
Suez-Stadt im Gouvernementsgebäude; --_fürs Ausland:_ der englische
Telegraph in Port Taufik, neben Hotel Savoy, in Suez-Stadt
gegenüber Hotel Bel Air.
=Konsulate:= _Deutsches Reich_, Konsul Geo. Meinecke (zugleich
Vertreter des Deutschen Kohlendepots).--_Österreich-Ungarn_,
Vizekonsul A. Pacho.
=Banken:= _Geo. Meinecke_ (Deutsche Orientbank, Banque Imperiale,
Ottomane etc.).--_Bank of Egypt Ltd._
=Eisenbahn= über Ismailia nach (247 km) _Kairo_ in 4-1/2-5-1/2 St.
=Dampfschiffagenturen:= _Norddeutscher Lloyd:_ W. H. Müller & Co.;
_Hamburg-Amerika-Linie:_ Geo. Meinecke (deutsches Kohlendepot) und
viele andre.
Auf dem (unbedeutenden) =Basar= schöne Korallen, Muscheln etc. aus
dem Roten Meer. Handeln!
_Suez_ liegt an der Nordecke des Meerbusens von Suez, eines Busens des
Roten Meers, im W. überragt vom Djebel Atakah. Die Stadt, mit etwa 18000
Einw., darunter 2774 Europäer, Sitz eines Gouverneurs, besteht aus dem
arabischen Viertel östl. vom Bahnhof, mit einigen unbedeutenden
Moscheen, und dem regelmäßig angelegten, sauberen europäischen Viertel
westl. und nördl. vom vorigen, mit einigen großen Häusern und
Warenlagern. Nw. vom europäischen Viertel die schmutzige arabische
Matrosenvorstadt _Arbaïn_.--Im N. der Stadt liegt auf dem Hügel Kôm
el-Kolzum ein verfallenes _vizekönigliches Landhaus_ mit schönem
Umblick. Von hier nö. die _Mündung des Süßwasserkanals_ mit
Schleusenwerk; der Kanal liegt hier 2 m ü. M. Etwas weiter nw. das
_Wasserhebewerk_ der Suezkanalgesellschaft; auf dem Ostufer des
Süßwasserkanals der frühere _Karawanenlagerplatz_.--Zu den im S. der
Stadt weit ins Meer hinausgebauten _Hafenanlagen_ führt ein 3,5 km
langer, 15 m breiter _Damm_, auf dem auch die Bahn läuft (stündl. ein
Zug zum Port Taufik [»Suês-Docks«]), die den Ankerplatz der Schiffe mit
Stadt und Bahnhof verbindet. Der Damm bildet einen aussichtsreichen
Spazierweg; östl. sieht man die Berge der Sinaihalbinsel, westl. den
Djebel Atakah. Am Ende des Dammes l. das _Bassin der Kanalgesellschaft_
und der _Port Taufik_ am Südausgang des Suezkanals; sodann Gebäude, die,
von den Kanallotsen und -beamten bewohnt, ihre Front dem Kanal zukehren
und die _Avenue Hélène_ bilden. Am Ende dieser Avenue das von Lesseps
errichtete _Standbild des Leutnants Waghorn_ (gest. 1850), eines
angeblich in Deutschland geborenen englischen Offiziers, der sein Leben
erfolglos der von Lesseps mit Glück durchgeführten Idee gewidmet hatte
und im Elend starb. Das Fahrwasser ist von hier nach S. noch 4 km weit
durch Pfähle und Bojen bezeichnet. Westl. von der Avenue Hélène liegt
das große Hafenbassin _Port Ibrahîm_, mit Trockendock (124 m lang),
durch eine mächtige Mauer in den Kriegs- und den Handelshafen
geschieden. Eine Bootfahrt im Hafen bei ruhigem Wetter ist lohnend.
Der Ausflug nach der am Ostufer des Golfs von Suez gelegenen
=Mosesquelle= (_Ain Musa_) erfordert 1/2 Tag mit Dampfpinnasse,
sonst einen Tag Zeit und ruhiges Wetter. Man macht ihn entweder zu
Esel (20 Pi. sowie 20 Pi. für Überfahrt des Esels) oder fährt mit
Dampfpinnasse (1-2 £) in 1 St. hin, oder Segelboot (15 Pi. finden
Tag) in 3-6 St. ans Ostufer und geht 3/4 St. durch die Wüste zu den
Gärten an der Quelle (nach früherer Annahme das Schilfmeer, das die
Juden bei ihrem Zug durch das Rote Meer passierten).
Wahrscheinlicher ist es, daß die Israeliten weiter nördlich durch
die Bitterseen gewatet sind.-- Die Mosesquelle ist eine kleine
Oase, mit salzigbittern Quellen (natronhaltig), die nach der
Tradition von Moses durch Hineinlegen eines Baumes aus einer
bittern süß gemacht wurden (2. Mos. 15, 23-25). Die Oase ist von
Arabern bewohnt, die Gemüsebau treiben.
Tagesausflüge zu Kamel oder Esel ins Atâkahgebirge sind für Jäger
und Naturfreunde lohnend.
Das =Rote Meer= (vgl. beifolgende Karte), ein 2250 km (entsprechend der
Entfernung von Berlin bis Batum) langes, aber im Mittel nur 275 km (=
Berlin-Sangerhausen) breites Meeresbecken, trennt als ein gewaltiger
Graben zwei wüstenhafte Hochländer ganz ähnlichen Charakters, die
Libysche Wüste und das Arabische Hochland. Im N. läuft es in die beiden
schmalen Zipfel des _Golfs von Suez_ und des _Golfs von Akaba_ aus, im
S. wird es durch die nur 26 km breite Einschnürung der Straße von _Bab
el-Mandeb_ vom Indischen Ozean geschieden. Dieser grabenartigen
Umrißgestalt des Roten Meeres entspricht auch seine Entstehungsweise: es
nimmt die Stelle eines in grauer Vorzeit (am Ende der sogen.
Tertiärzeit) in die Tiefe gesunkenen Stücks der nordostafrikanischen
Wüstentafel ein. Von der gleichen Entstehung ist auch der die SO.-Seite
der Sinaihalbinsel begrenzende Golf von Akaba (s. oben), der sich
als »Syrischer Graben« in dem landfest gebliebenen Wadi el Araba und dem
Jordantale noch weit nordwärts fortsetzt (vgl. S. 32).
Die Küsten des Roten Meeres zeigen noch heute seine Natur als
Grabenbruch: hinter einem schmalen, flachen Küstensaum (der Tihama),
einer jungen Meeresanschwemmung, erheben sich sowohl auf der ägyptischen
wie auf der arabischen Seite die Steilabfälle der benachbarten
Hochländer, die aus flachgelagerten Schichten von Kreidekalk und
tertiärem Sandstein bestehen, durch zahlreiche Trockentäler (Wadis)
zerrissen sind und durchaus ein gebirgsartiges Aussehen haben. Der
Gebirgscharakter der Küstenabfälle wird noch erhöht durch wirkliche
Gebirgszüge aus altkristallinen Gesteinen, die sie namentlich auf der
ägyptischen Seite überragen, sowie durch jungvulkanische, gleichzeitig
mit dem Einbruch des Roten Meeres aufgequollene Gebirgsstöcke, vor allem
in Südwestarabien; zu den erstern gehört der _Sinai_, zu den letztern
der _Djebel Schamschan_, die Berge um Aden.--Aber auch unterhalb der
heutigen Strandlinie setzt sich der Steilabfall noch fort, so daß das
Rote Meer trotz seiner geringen Breite namentlich in seiner nördlichen
Hälfte bedeutende Tiefen, bis zu 3000 m, aufweist. Größere Buchten
fehlen fast ganz, dafür ragen viele kleine Felsvorsprünge ins Meer
hinaus, und teilweise umsäumen zahlreiche Klippen die Küsten, die bei
der Wärme des Wassers auch reich an Korallenbauten sind.--Seinen Namen
trägt das Rote Meer zu Unrecht; es ist meist tiefblau und nur
stellenweise durch nahe der Oberfläche in großen Massen schwebende
niedere Organismen (sogen. Plankton) grünlich, gelblich oder rötlich
gefärbt. Das Tierleben in dem sehr warmen (bis 34,5°) Wasser ist
überhaupt reich, das Meeresleuchten oft prächtig.
Das _=Klima=_ des Roten Meeres ist verrufen wegen seiner hohen
Temperaturen. Schon Suez an seinem Nordende hat eine
Jahrestemperatur von 22°, gehört also bereits der heißen Zone an,
aber die südl. Küstenorte sind noch viel heißer, die Insel Perim in
der Bab el-Mandeb-Straße hat mit 30° die höchste mittlere
Jahrestemperatur von ganz Asien, und Massaua und Assab stehen ihr
nicht nach. Als verhältnismäßig schmale Einsenkung zwischen den im
Sommer gewaltig erhitzten großen Wüstenflächen Nordostafrikas und
Arabiens verwandelt sich das Rote Meer, allseitig zwischen
Steilabfälle eingebettet, im Sommer in einen wahren Glutkessel. Das
Meerwasser selbst bringt der Luft keine Abkühlung, denn die
Meeresoberfläche wird selbst sehr stark erwärmt, und durch die
schmale und wenig über 300 m tiefe Bab el-Mandeb-Straße findet das
kalte Tiefenwasser des Indischen Ozeans keinen Zutritt. So macht
die Erhöhung der Luftfeuchtigkeit und die Verhinderung nächtlicher
Abkühlung nur die Hitze unerträglicher, zumal auch keine stärkeren
Luftströmungen herrschen. Die Dampfer sind daher gezwungen, für die
Rote Meer-Fahrt arabische, somalische oder chinesische Heizer
anzunehmen, und die Reisenden werden häufig von einem lästigen
Hautausschlag, dem »Roten Hund«, befallen. Die beste Zeit zur Fahrt
durchs Rote Meer ist deshalb der Winter. Regenfälle treten über dem
Roten Meer im Sommer fast nie, im Winter selten ein; Stürme
bedrohen die Schiffahrt nur selten, doch hat diese in der
klippenreichen Küstenzone unter starken Strömungen zu leiden, und
die Luft ist oft mit Staub erfüllt, der über den benachbarten
Wüstenflächen aufgewirbelt ist.