XIII.

Vorteile und Nachteile des Kollektivismus.

Nach dem, was in diesem Werke dargelegt wurde, scheint es gewiß zu

sein, daß der Kollektivismus, so gehandhabt, wie hier vorgeschlagen

wurde, nur Vorteile für die Gesellschaft und für jeden Einzelnen hätte.

Freilich kann der Kollektivismus, wenn der kollektivistische Staat

anders eingerichtet wird, ebenso verderblich sein, wie ja auch das

Privatvermögen in den Händen eines Weisen sich sehr nützlich machen

kann, in den Händen eines Wüstlings oder Fanatikers aber verderblich

wirken wird. Wird der Kollektivismus ins Leben gerufen durch Toren

oder Betrüger, welche dem Arbeiter das Ideal einer zweistündigen

Arbeitsdauer vorschwindeln, so wird allerdings das allgemeine Elend

die Folge sein und bemächtigen sich die Jesuiten, Paraguays gedenkend,

des kollektivistischen Ideals, so kann geistloser Pietismus an die

Stelle unserer Kultur treten. Ich suche durch den Kollektivismus den

modernen Staat auszugestalten, der mir von allen Einrichtungen, von

welchen uns die Geschichte berichtet, das Herrlichste scheint, derzeit

nur eingeschnürt in die Fesseln einer veralteten Gesellschaftsordnung

und darum an der Erfüllung seiner Mission gehindert. Alles, was ich

anstrebe, strebt der moderne Staat an, aber in Anbetracht seiner

beschränkten Mittel unvollkommen und schwächlich.

Der Kollektivstaat würde Kunst und Wissenschaft viel großartiger

pflegen, als der heutige Staat vermag, er würde das Elend beseitigen,

das Volk veredeln, die sanitären Verhältnisse vervollkommnen,

Verbrechen, Vagabundage, erbliche und ansteckende Krankheiten

unterdrücken und es ist kein Zweifel, daß von der Einführung des

Kollektivismus ein neuer, großartiger Aufschwung der Kultur datieren

müßte.

Wir haben gesehen, daß von den Anklagen, die gegen die Veränderung

der Gesellschaftsordnung erhoben werden, keine sich als stichhaltig

erweisen wird. Der Kollektivismus widerspricht nicht nur dem

Christentum nicht, er ist vielmehr dessen Erfüllung, er ist das Wesen

dessen, was Christus das Gottesreich nannte. Wer seinen Nächsten liebt,

wie sich selbst, muß den Kollektivismus herbeiwünschen und wünschen,

daß davon in der Hauptsache jener Gebrauch gemacht werde, der in diesem

Buche vorgeschlagen wurde.

Wie sehr das richtig ist, geht schon aus den Zitaten hervor, die Bebel

in seinem Buche: »Die Frau und der Sozialismus« in der Anmerkung auf

Seite 294 aus den Kirchenvätern bringt. Danach sagte Papst Klemens I.,

[+] 102: »Der Gebrauch aller Dinge auf dieser Welt soll allen gemeinsam

sein. Es ist eine =Ungerechtigkeit= zu sagen, das gehört mein eigen,

das gehört mir, das dem anderen. Daher ist die Zwietracht unter die

Leute gekommen.« _Sanct Clem. act. concil._ Ambrosius, [+] 397, sagt:

»Die Natur (also Gott) gibt alle Güter allen Menschen gemeinsam, denn

Gott hat alle Dinge geschaffen, damit der Genuß für alle gemeinsam

sei und damit die Erde zum gemeinsamen Besitztum werde. Die Natur hat

also das Recht der Gemeinschaft erzeugt und es ist nur die ungerechte

Anmaßung, welche das Eigentum erzeugt.« _Ambrosius Sermo 64, Expositio

in Lucam caput XVI._ Chrysostomus, [+] 407, erklärte in seinen gegen

die Sittenlosigkeit und Verderbnis der Bevölkerung in Konstantinopel

gerichteten Homilien: =Nenne niemand etwas sein eigen=, von Gott

haben wir Jegliches zum gemeinsamen Genuß empfangen und »Mein und

Dein« =sind Werke der Lüge=. _Chrysostomus Homilia 11^{ma} concio

de Lazaro. Homilia 57^{ma} in Matthäum._ Augustin, [+] 430, sprach

sich folgendermaßen aus: »Weil das individuelle Eigentum existiert,

existieren auch die Prozesse, die Feindschaften, =die Kriege=, die

Aufstände, die Sünden, die Ungerechtigkeit, die Mordtaten. Woher kommen

alle diese Geiseln? =Einzig vom Eigentum.= Enthalten wir uns also,

meine Brüder, =es zu lieben=.« _Augustinus: De civitate Dei._ Papst

Gregor der Große, [+] 600, endlich sagt: »Sie sollen es wissen, =daß

die Erde, wovon sie ja herstammen und gemacht sind, allen Menschen

gemeinschaftlich ist= und daß daher die Früchte, welche die Erde

erzeugt, =allen ohne Unterschied gehören sollen=.« _Gregorius, Regula

pastoralis, admonito 22._ Alle diese Kirchenväter verdammen unsere

Gesellschaftsordnung, =die aber der Einzelne nicht aus der Angel heben

kann=, das kann nur das Werk der Staatskunst sein.

Aber so vernünftig ein Kollektivismus ist, der den gemeinsamen Gebrauch

aller Güter nach gerechten Grundsätzen verwaltet, so absurd ist

Tolstojs christlicher Anarchismus.

Auch beinahe alle griechischen Philosophen, wie Plato und

Aristoteles, leiteten alle Ungerechtigkeit und alles Unheil von der

Gesellschaftsordnung ab. Sie nannten unsere wirtschaftlichen Zustände

=den Krieg aller gegen alle=, und daß das Verwüstung von Gütern

bedeuten muß, ist doch klar. Weil wir aber diesen Krieg im Innern

täglich vor Augen haben, scheint uns auch der Krieg mit Nachbarn nicht

verwerflich. Hätten wir Frieden in der Wirtschaft, so müßte auch der

Krieg mit Nachbarn ein Ende nehmen.

Es ist auch offenbar, daß der kategorische Imperativ Kants =nur im

Kollektivstaat= zur Herrschaft gelangen kann, und darum sind seine

Anschauungen von der Notwendigkeit des Privateigentums und der

Berechtigung der gewaltsamen Aneignung schon an und für sich absurd,

aber völlig im Widerspruche mit seinem ethischen Grundgesetze.

Plato bezeichnet als das oberste Ziel aller Politik Frieden und

wechselseitiges Wohlwollen, was den Staat zusammenhält, müsse

gepflegt, der Staat müsse ein =in sich Befreundetes= werden, er

sei zu gestalten nach den Interessen und Bedürfnissen aller, die

Interessen der Einzelnen müssen den Interessen der Gesamtheit weichen.

Es bedürfe eines königlichen Ineinanderwebens der Gemüter, einer

Lebensgemeinschaft, es sei jenes allerköstlichste Geflecht zustande

zu bringen, welches alle Glieder des Staates miteinander verbindet.

Die Selbstsucht, der unersättliche Egoismus hebe alle Gemeinschaft

auf und lasse Recht und Ordnung gar nicht mehr zu. Der Egoismus

mache die Gesellschaft naturwidrig, =man müsse nach verhältnismäßiger

Gleichheit streben=. Jeder solle so handeln, daß seine Tätigkeit auch

der Gesamtheit zugute komme, der Staat sei ein Mensch im Großen, nicht

aber bloß eine Summe von Individuen. Der Einzelne solle lieber Unrecht

leiden als tun. Er tadelt die bestehende Gesellschaftsordnung, wo statt

sozialer Motive zersetzender Egoismus und Jagd nach Geld die Triebfeder

ist. Selbst die Aristokraten werden geldsüchtig und genußsüchtig. Sie

werden erfinderisch in neuen Formen des Aufwandes. Damit wird nach und

nach alles angesteckt, der Wettkampf dreht sich nur um Erwerbgier,

höhere Güter verlieren an Wert. Alles wird nach Geldsummen taxiert,

=der Staat zerfällt in Arme und Reiche=, die sich bekämpfen, so werden

die Staaten nach außen schwach. Das größte Übel ist die Geldwirtschaft

und absolute Freiheit des Erwerbes und der Veräußerung, wodurch

übermäßiger Reichtum und völlige Armut entstehen.

Plato findet, =daß das positive Recht von Unwissenheit und Selbstsucht

diktiert sei und daß das Privateigentum ein Auseinanderreißen der

bürgerlichen Gesellschaft herbeiführe, durch Gütergemeinschaft werde

Schmerz und Freude gemeinsam=, sie bringe Befreiung von Streit und

Kampf. Plato sucht neue Grundlagen der bürgerlichen Gesellschaft,

gelangt aber zu keinem brauchbaren Ergebnisse. Daß man aber damals

keine Abhilfe wußte, ist nicht verwunderlich, denn es fehlte alles,

was in unserer Zeit die Verwaltung großer Besitztümer erleichtert,

insbesondere Druck, Telegraphen und Eisenbahnen.

Auch Aristoteles fordert von jedermann eine solche Mäßigung im Erwerbe

und im Genießen, daß niemand in der Aufrichtung des Kollektivstaats

etwas Beengendes sehen könnte.

Napoleon sagt: _Les lois ont pour but le bonheur de touts._ Nur durch

den Kollektivstaat können sie es aber erreichen.

Die Freiheit wird durch den Kollektivismus nicht vermindert, sondern

vermehrt, und das größte Maß von Freiheit wird nicht den durch Geburt,

sondern den durch Verdienst dazu berufenen Personen zuteil. Ebenso

falsch ist, daß der Kollektivismus nur die materiellen Interessen

fördere. Der moderne Staat, wenn er die Mittel zur Verfügung hätte,

die ihm der Kollektivismus bieten würde, würde den idealen Interessen

viel mehr Vorschub leisten, als heute möglich wäre. Der Kollektivismus

ist die Ordnung selbst und somit der Antipode des Anarchismus. Aber

er ist nur die Ordnung in den Dingen, »die sich im Raume stoßen«, den

Ideen kann er weit größeren Spielraum gewähren, als der heutige Staat.

Hier verweise ich auf einen als Motto zitierten Ausspruch Bismarcks.

Sidney Whitman erzählt in seinem Buche: »Fürst Bismarck. Persönliche

Erinnerungen aus seinen letzten Lebensjahren«, daß Bismarck einmal

sagte: »Wenn ich die Gestalt wählen könnte, in der ich noch einmal

leben möchte, so weiß ich nicht, ob ich nicht ganz gern eine Ameise

sein würde. Sehen Sie, dieses kleine Insekt lebt in einem vollständig

organisierten Staate. Jede Ameise muß arbeiten, ein nützliches Leben

führen, jede Ameise ist fleißig. Da gibt es vollkommene Subordination,

Disziplin und Ordnung. Sie sind glücklich, denn sie arbeiten.« Dieses

Ideal verwirklicht für Menschen der Kollektivstaat, und die Zeit ist

nicht mehr fern, wo es eine Schande sein wird, etwas zu genießen, was

man nicht durch Arbeit verdient hat. Ich kann nur sehen, daß meine

Freiheit im Kollektivstaat größer wäre, als sie heute tatsächlich ist,

obwohl ich den herrschenden Klassen angehöre. Meinen Enkeln kann ich

nur wünschen, daß sie den Sieg des Kollektivismus erleben.

Die Gleichheit wird in den Genüssen wie im Ansehen nicht so exzessiv

durchgeführt werden, daß sie zu absurden Konsequenzen führen müßte.

Die Menschenwürde wird jedem Geringsten gewährt, die Vorzüge, welche

aus den natürlichen Unterschieden der Menschen fließen, bleiben nicht

unbeachtet. Nur die =künstlichen= Unterschiede werden unterdrückt, und

gerade das ist die Voraussetzung der gerechten Würdigung =wirklicher=

Verdienste.

Alle Anklagen gegen den Kollektivismus sind Eingebungen des

Parteigeistes. Freilich gibt es Berufe, welche sich durch den

Kollektivismus bedroht sehen, so insbesondere die der Juristen,

Kaufleute, Unternehmer, Priester. Allein es wird gezeigt, daß die

Umwandlung viele Dezennien dauern wird und mittlerweile werden diese

Berufe nach und nach aussterben, keiner aber, der ihnen angehört,

wird Schaden leiden. Dafür aber eröffnen sich neue Erwerbszweige,

und es wird der künftige Verwaltungs-, Sanitäts-, Unterrichts- und

Erziehungsdienst vorbereitet.

Der Kollektivismus ist aber vorzüglich volkswirtschaftlich vollkommener

als die heutige, auf dem Privateigentum aufgebaute Wirtschaftsform, und

seine volkswirtschaftlichen Vorzüge sind es, welche die Mittel bieten,

die Kultur zu erhöhen.

Es haben schon früher alle Vertreter des Kollektivismus darauf

verwiesen, daß derselbe den Handel und somit die Handelsarbeit

entbehrlich mache, allein man ist doch immer die Erklärung schuldig

geblieben, wie dann der Güterumsatz vollzogen werden solle. Es blieb

bei abstrakten Sätzen und es ließ sich nie ein Bild gewinnen, wie

denn die kollektivistische Wirtschaft aussehen würde. Ich befürworte

die absolute Naturalwirtschaft und die Befriedigung aller Bedürfnisse

der Kollektivisten durch Gewährung einer Pauschalversorgung, welche

bei Festhaltung eines sehr hohen Minimums doch eine sehr hoch

ansteigende Abstufung gestattet. Die Vereinfachung des Güterumsatzes

aber wäre nicht möglich, wenn man das Existenzminimum nicht auch den

arbeitsunfähig Geborenen gewähren würde, und dafür läßt sich auch

ein Rechtsgrund aufstellen. Denn die Zeugung der Kinder setzt im

Kollektivstaat gewissermaßen ein Einvernehmen voraus zwischen der

Frau, die empfangen und gebären will, und dem Staate, der dies von ihr

wünscht, weil er den Fortbestand des Volkes sichern will. Es ist nun

ganz klar, daß diese Frau ein Interesse daran hat, ihr künftiges Kind

auch für den Fall versichert zu wissen, daß es arbeitsunfähig zur Welt

kommt. Dagegen ist es klar, daß der Staat von dieser Verpflichtung dann

enthoben sein muß, wenn er Grund hat, einen arbeitsunfähigen Nachwuchs

zu besorgen, und wenn er deshalb die Ehe versagt. Einer solchen Mutter

hat er nichts versprochen.

Wie brutal müssen uns unsere Zustände scheinen, wenn wir eindringen

in die Verhältnisse, die der Kollektivstaat schaffen könnte, und

wie verrucht muß uns der Egoismus jener erscheinen, die, um ein

arbeitsloses Leben führen zu können, den Kollektivismus verwerfen und

unmöglich machen. Das sind jene Menschen, von welchen Christus sagt,

daß sie selbst ins Gottesreich nicht hineingehen, und jene, welche

hineingehen wollen, nicht lassen. Sie lassen das Gottesreich -- den

Kollektivstaat -- nicht zustande kommen.

Es ist übrigens gewiß, daß im Kollektivismus, trotz der vollständigen

Ausrottung des Elendes, doch für jeden Begabten Anreiz genug bleibt,

seine Gaben in den Dienst des Ganzen zu stellen und sich hervorzutun,

weil dadurch ganz Außerordentliches erreicht werden kann und weil es

der einzige Weg ist, der mechanischen Arbeit zu entgehen.

Es gibt aber auch heute keine Familie, welche nicht daran

interessiert wäre, daß der Kollektivismus ins Leben trete. Denn unsere

Gesellschaftsordnung bedroht auch die Reichsten und Mächtigsten. Die

Kaiserin Elisabeth ist ein schreckliches Beispiel, und wir haben allen

Grund, zu besorgen, daß, wenn wir die heutigen Zustände fortbestehen

lassen, die soziale Revolution hereinbricht, welche diesmal zu

Schrecknissen führen wird, die noch niemals erlebt wurden. Auch der

gewöhnliche internationale Krieg kann die Reichen wie die Armen ins

Elend stürzen. Und auch in ruhigen Zeiten bietet der Reichtum wenig

Schutz. Wir können durch Verbrechen und Zufall verarmen, unsere Kinder

von gewissenlosen Kindermädchen ins Verderben gestürzt werden, unsere

Söhne in schlechte Gesellschaft geraten und dem Spiele verfallen, und

wie oft erleben wir, daß unsere Töchter in einer unglücklichen Ehe

zugrunde gehen. Wir haben also allen Grund, zu verlangen, daß alle,

auch des Nachbars Kinder, erzogen werden, daß der Staat für erprobte

Personen sorgt, denen die Wartung der Kinder anvertraut werden kann,

daß verbrecherische Naturen keinen Nutzen aus schädlichen Handlungen

ziehen können, daß die Frauen und Kinder wirtschaftlich unabhängig von

den Familienhäuptern werden.[46]

[46] Ein Wiener Polizeipräsident ist am Flecktyphus gestorben,

nachdem er, durch sein Amt dazu genötigt, mit angesteckten

Armen in Berührung getreten war. Einige Richter brachten

Ungeziefer aller Art heim, weil sich im Gerichtssaale

Tausende von Armen und Elenden umtrieben. Nichts ist

alberner, als die Meinung, jeder brauche nur für sich

zu sorgen. Man sorgt am besten für sich, wenn man

dahin wirkt, daß für alle gesorgt werde. Wenn auch der

Zusammenhang der wirtschaftlichen Dinge im Einzelnen

nicht verfolgt werden kann, so ist es doch gewiß, daß die

Herrschenden von allem Elende ihren Teil erhalten, das die

Beherrschten zu tragen haben.

Sagen wir doch so oft den Armen, daß Reichtum nicht glücklich macht.

So handeln wir danach und machen wir dem Kriege Aller gegen Alle ein

Ende, dem Kriege, den Plato und Christus verurteilten, dem Elisabeth

und Sergius, Carnot und Rudolph, so viele Millionen geopfert wurden

ohne Sinn und Verstand. Wir sagen nicht, daß die Gesellschaftsordnung

dazu nötigt, aber sie ermöglicht, was eine weise Ordnung unmöglich

gemacht hätte. Wenn Augustin recht hat, da er sagt, woher kommen alle

diese Geißeln, die Prozesse, der Krieg, die Aufstände, die Laster,

Verbrechen, der Mord? Einzig und allein vom individuellen Eigentum!

dann sind Solferino, wo Franz Josef zuerst eine Provinz, Queretaro,

wo er den Bruder, Meyerling, wo er den Sohn, Genf, wo er die Gemahlin

verloren hat, eine furchtbare Mahnung an die Monarchen, der Quelle

aller Verbrechen und zugleich allen Elends ein Ende zu machen. =Es

bedroht die Gesellschaftsordnung ebenso den Kaiser, wie den geringsten

Arbeiter.=

Sehen wir um uns, was in wenigen Wochen in einem engen Gebiete die

Besitzenden, nicht allein die Armen, unter der Gesellschaftsordnung

leiden, nicht in Jahren, sondern in Monaten, und nicht in Provinzen,

sondern in der nächsten Umgebung von Innsbruck. Im Juni brennt das

Dorf Zirl ab und in vier Stunden sind 1300 Menschen, Arme und Reiche,

obdachlos und für lange dem Hunger verfallen, im April wird das Dorf

Götzens, im Juli Tulfes, Volders und ein Teil vom Zillertal von

angeschwollenen Bächen vernichtet, viele Felder verwüstet, Häuser

unter Wasser gesetzt, 16 Menschen gehen in den Wellen unter, eine

alte Frau wird um wenige Kostbarkeiten von Räubern ermordet, andere

werden angefallen und nur durch Zufall gerettet. Was davon durch den

Kollektivismus nicht verhindert worden wäre, wäre vom ganzen Staate

getragen worden. Daß die Verwaltungsfrage lösbar ist, meine ich

erwiesen zu haben.

Die Schattenseiten des Kollektivismus sind 1. die Notwendigkeit des

Umbaues aller Ortschaften, 2. das Nebeneinanderleben der ersten Staaten

der neuen Ordnung mit anderen, die noch die alte Ordnung beibehalten

haben, 3. die Unmöglichkeit, das Prinzip des Kollektivismus in kurzer

Frist zur Durchführung zu bringen.

Aber die Wohnungsfrage ist selbst in den Städten eine brennende

geworden, in neun Zehntel aller Dorfschaften ist sie auch von jenen

zugestanden, die der heutigen Gesellschaftsordnung huldigen. Muß schon

so viel gebaut werden, um sanitäre Zustände zu schaffen, um die Armen

menschenwürdig unterzubringen und um den nachwachsenden Volkszuwachs

mit Wohnung zu versorgen, weshalb sollte man nicht auch unter einem

dem Kollektivismus dienen? Wird endlich der Kollektivismus in irgend

einem Staate zum Durchbruche kommen, so wird das Ideal bald in allen

Staaten Europas sich einen Boden bereiten und der natürliche Hemmschuh

der Unmöglichkeit, die Umwandlung in kurzem durchzuführen, wird den

Widerstand abschwächen, den die Interessen der einen den Interessen der

anderen naturgemäß entgegensetzen.

Die gebildeten Klassen sind heute eine Macht, und sie haben allen

Grund, die Umwandlung in die Hände zu nehmen, weil es dann gewiß ist,

daß der Kollektivismus den Kulturinteressen zum Segen gereichen wird.

=Bringen andere Mächte, Tyrannen, Pietisten oder Anarchisten den

Kollektivismus, wie sie ihn sich denken, so gehen wir einer schlimmen

Zukunft entgegen.=

Es sind noch einige vermeintliche Übelstände des Kollektivismus zu

besprechen.

Der Mangel des Privateigentums wird von Vielen als ein großer Übelstand

betrachtet, aber ohne Grund. Die gänzliche Überführung des Eigentums an

Gebrauchsgegenständen in Staatseigentum ist keine notwendige Konsequenz

des Kollektivismus. Ich stehe vielleicht allein mit dem Vorschlage

dieser Einführung, aber es sind damit unermeßliche Vorteile verbunden.

In unseren Verhältnissen hat das Eigentum, das Privateigentum, eine

hervorragende Bedeutung als Vermögen. Da aber nur Wenige ein Vermögen

haben, die Mehrzahl aber davon ausgeschlossen ist, so kann es kein

allgemeines Bedürfnis sein, Vermögen zu besitzen. Die Vermögenslosen

aber haben ein Interesse, daß das Vermögen nicht im Besitze von

Privatpersonen stehe, sondern Staatseigentum werde. Das Vermögen

bezweckt die wirtschaftliche Herrschaft der Wenigen über die Vielen,

und diese ist freiheitsfeindlich. Denn die wirtschaftliche Herrschaft

der Wenigen ist zugleich absolutistisch und unverantwortlich, während

der Staat, wenn er an die Stelle der Privatbesitzer träte, über

Verwaltung und Verteilung Rechnung legen müßte. Es ist also eine

offenbare Freiheitsfrage, um die es sich handelt, und wie seit 120

Jahren die Bourgeois gegen die Herrschaft des Adels kämpften, so

wird jetzt das Volk gegen die Herrschaft der Bourgeois kämpfen. Die

Beseitigung des Privateigentums durch Verstaatlichung des Besitzes ist

im Interesse der großen Mehrheit. Übrigens wäre die Inventarisierung

des gesamten Mobiliarbesitzes für den Kollektivstaat der Schlußpunkt

der gesamten Umwandlung, und davon trennen uns mehr als 50 Jahre.

Trotzdem wird es sich empfehlen, deren Vorteile zu diskutieren.

Verderblich wäre nur die anarchische Herrenlosigkeit der Güter, und

diese wird durch den Kollektivismus gerade unterdrückt. Die Besitzenden

von heute sind, jeder so weit sein Besitz reicht, Anarchisten. Sie

haben schrankenlose Freiheit, damit zu schalten und zu walten. =Und

auch diesen Anarchismus aus der Welt zu schaffen, ist der Zweck

der Einführung des Kollektivismus.= Er ist das gerade Gegenteil des

Anarchismus, der an die Stelle des Anarchismus der Besitzenden den

Anarchismus aller setzen will, während umgekehrt der Kollektivismus

alle, auch die Besitzenden von heute, der wirtschaftlichen Ordnung

unterwirft.

Der Anarchismus als Wirtschaftsform ist ein Unding, weil er zum

Stillstand einer jeden Arbeit führen muß. Die menschliche Arbeit ist

durch die Arbeitsteilung so sehr wechselweise bedingt, eine Arbeit

von der anderen abhängig, daß die Volkswirtschaft unbedingt eine

Ordnung voraussetzt, durch welche verbürgt wird, daß =alle= Arbeiten,

und zwar in ihrer verhältnismäßigen Ausdehnung, besorgt werden. Der

Drucker braucht Setzer, der Setzer Schriftgießer, alle zusammen

brauchen Schriftsteller, und diese wieder eine Autorität, welche

die von den Schriftstellern gelieferten Manuskripte sichtet und die

zum Drucke zu befördernden auswählt. So ist es in allen Zweigen der

menschlichen Arbeit. Es ist eine verhältnismäßige Produktion auf

allen Gebieten menschlichen Schaffens ein Bedürfnis, und zwar in

dem Maße, daß, sobald diese Verhältnismäßigkeit gestört wird, ein

wirtschaftlicher Krach eintreten muß. Darum ist der wirtschaftliche

Anarchismus eine Unmöglichkeit. Das Privateigentum kann demnach nur

durch Kollektiveigentum verdrängt werden, welches Produktion und

Verteilung von Staats wegen zur Folge haben muß. In der heutigen

Wirtschaftsordnung ist es die Preissteigerung der zu wenig produzierten

Güter, welche alle vernachlässigten Produktionen wieder belebt, im

Kollektivstaate ist es der seinen Organen, aber auch jedem Einzelnen,

der sich darum bemüht, gewährte Überblick über Produktion und

Verbrauch, der eine verhältnismäßige Produktion aller Güter sichert.

Ich bin aber auch für die Ersetzung des Privateigentums an

Gebrauchsgütern, an Kleidung, Mobiliar &c. durch Staatseigentum, und

es wird das gewiß sehr heftig, und auch von Sozialisten, bestritten

werden. Aber mit Unrecht. Wir wohnen in Häusern, die nicht uns gehören,

und es gilt als etwas Alltägliches, daß auch Leute, die ein Wohnhaus

besitzen, es nicht selbst bewohnen, sondern sich in einem fremden

Hause einmieten. Sie betrachten ihr eigenes Haus als Vermögensanlage,

aber nicht als ein Gebrauchsgut, welches ihnen zur Befriedigung ihres

Wohnbedürfnisses dient. Dieses Bedürfnis kann man auch durch Sachen

befriedigen, die fremdes Eigentum sind, also auch durch solche, die

Staatseigentum sind. Kleider und Wäsche trägt man heute nur eine Reihe

von Jahren, und wenn sie abgenützt sind, verschenkt oder veräußert

man sie. Es kann uns nun gar nichts daran liegen, wenn der Staat uns

Kleider und Wäsche nur zum dauernden und ausschließlichen Gebrauch

überläßt und sich das Eigentum vorbehält, was zur Folge hat, daß er

für den Zufall haftet und das nicht mehr Gebrauchsfähige zu neuerlicher

Verarbeitung zurücknimmt. Dasselbe gilt vom Mobiliar unserer Wohn- und

Schlafgemächer, welches der Kollektivist zum dauernden Gebrauch, oft

auf Lebensdauer, angewiesen erhält, er aber nicht zu versichern nötig

hat, weil er nicht Eigentümer, sondern nur gebrauchsberechtigt ist, es

darum auch, Ausnahmsfälle abgerechnet, nicht mit sich herumschleppt,

wenn er sein Domizil verändert. Benützen wir doch solche Dinge so

oft, ohne ein Eigentumsrecht darauf zu haben, in Theatern, Kirchen,

Gasthäusern, auf Bibliotheken und Eisenbahnen, und so haben wir

längst die Erfahrung gemacht, daß ein Eigentum an Gebrauchsgütern kein

Bedürfnis ist, ein Luxusbedürfnis für Viele allerdings, aber solche

Launen zu befriedigen, ist nicht die Aufgabe einer Wirtschaftsordnung.

Wo es ein Bedürfnis ist, daß uns ein freies Schaffen gestattet und zu

diesem Ende ein Eigentum an Stoffen zugestanden werde, die wir zum

Zwecke solchen Schaffens umgestalten dürfen, habe ich ohnehin die

Verteilung solcher Stoffe als Konsumtibilien in Vorschlag gebracht.

Was aber das Privateigentum an Produktionsmitteln anbelangt, so gibt

es natürlich »Volkswirte« genug, welche behaupten, es bestehe ein

volkswirtschaftliches Interesse, daß die Produktionsmittel immer

Privateigentum bleiben, damit sie immer ein Vermögen der Tüchtigsten

bilden, wodurch die Produktion nur gewinnen könne, daher die heutige

Wirtschaftsordnung viel heilsamer, auch für die Armen, sei, als die

Produktion von Staats wegen. Über diesen Gegenstand wird bei Erörterung

der Bedenken gegen die staatliche Produktion zu sprechen sein.

Hier möchte ich aber noch bemerken, daß der Kollektivismus, streng

genommen, nicht jedes Privateigentum aufhebt, sondern ein Eigentum des

Einzelnen fortbestehen läßt, welches unserm Eigentum an Aktienbesitz

ganz analog ist. Das Recht des Einzelnen auf die staatlichen

Verteilungen ist ein solches Eigentum, denn auch der Aktionär hat

nur einen Anspruch auf die Ausschüttungen, während ihm keinerlei

Eigentum an den Sachen zusteht, die das Vermögen der Aktiengesellschaft

ausmachen. Freilich ist dieses Eigentum des Kollektivisten nach

mehreren Richtungen beschränkt. Er kann es nicht verschenken, verkaufen

noch vererben, er kann nur durch Auswanderung darauf verzichten, aber

ähnliche Beschränkungen kommen bei Fideikommissen, Heimstätten und bei

manchen Aktiengesellschaften, deren Statuten die Veräußerung der Aktien

verbieten, vor, ohne den Charakter des Privateigentums auszulöschen.

Es ist also gar nicht einmal richtig, daß der Kollektivismus

das Privateigentum, oder gar das Eigentum, gänzlich aufhebt, er

bedeutet nur die Vereinigung alles Eigentums an Sachen zum Zwecke

der Befriedigung aller Bedürfnisse des gesamten Volkes. Nur der

Anarchismus hebt den Begriff des Eigentums ganz auf und fordert das

Recht des freien Zugriffs; durch den Kollektivismus wird der Begriff

des Eigentums befestigt und geheiligt, denn der Eigentümer -- der Staat

allein ist Eigentümer -- ist nie zweifelhaft, und da das Eigentum zur

Befriedigung der Bedürfnisse aller dient, ist jeder Mitbürger Garant

und Wächter. Dieses Eigentum ist ebenso heilig, als es heute Gegenstand

der Verachtung ist, wenn wir den rechtmäßigen Erwerb bezweifeln, und

Gegenstand des Hasses, wenn sich erwucherter Reichtum breit macht.

Ich komme nun zur Besprechung eines weiteren Irrtumes, nämlich, daß die

staatliche Produktion nicht so ergiebig sei wie die Privatproduktion.

Man folgert das daraus, daß in einigen Fällen, wo ein oder die

andere Fabrik von Staats wegen betrieben wurde, ein Aufschwung

ihres Betriebes erst dann eintrat, als die Fabrik in Privatbesitz

überging. Die Erfahrung, die man mit der Post, der Telegraphie und

dem Eisenbahnbetrieb machte, worin sich der Staatsbetrieb bewährte,

fertigt man damit ab, diese Erfahrungen seien nicht beweismachend für

andere Produktionen, weil es sich da nur um Verkehrsanstalten handle.

Niemand hat aber je versucht, aus der Natur des Staates abzuleiten,

weshalb er zum Betriebe der Produktionsanstalten unbrauchbar sein soll.

Man spielt gerade den Egoismus des Privatunternehmers als so unendlich

förderlich aus und bedenkt nicht, daß im Kollektivstaat der Egoismus

des ganzen Volkes sich in derselben Richtung geltend machen würde, da

jede Verbesserung im Produktionsbetriebe dem ganzen Volke zum Vorteile

gereicht, sei es, daß in einem Produktionszweige Arbeit oder Material

erspart, oder ein besseres Produkt erzeugt, oder die Fruchtbarkeit

des Bodens erhöht wird. Der Erfindungsgeist wird im Kollektivstaat

außerordentlich gefördert, und so kann es nicht fehlen, daß das Sinnen

und Trachten Aller darauf gelenkt wird, die Produktion zu fördern.

Man wird die Erfolge der einzelnen inländischen Produktionsanstalten

untereinander und mit ausländischen Anstalten gleicher Art vergleichen,

und so auf beständigen Fortschritt bedacht sein. Dabei kann es

nur von Vorteil sein, daß die allgemeine Volksbildung so weit über

die gegenwärtige entwickelt wird und daß die heutigen Schäden der

Produktion ganz in Wegfall kommen. Diese Schäden sind zwiefacher

Art. Erstens die Versuchung, aus einem gemeinschädlichen Betriebe

der Produktion Vorteil zu ziehen, Nahrungsmittelfälschung, Förderung

der Unsittlichkeit, Betrug usw., und zweitens die Gefahr, daß ganz

unberufene Leute ein Unternehmen gründen, das zugrunde gehen muß, ja,

daß blühende Unternehmungen nach dem Tode des Gründers in die Hände

eines unfähigen oder leichtsinnigen Erben kommen und dann wieder

verfallen. Bilanziert man diese Gebrechen der Privatunternehmung mit

ihren vermeintlichen Vorzügen, so wird sich der kollektivistische

Staatsbetrieb, vielleicht nach einer kurzen Übergangszeit, immer als

der bessere erweisen.

Der Kollektivismus verteilt aber auch ökonomischer und besser.

Ökonomischer, weil er die Handelsarbeit erspart und besser, weil

er alle Volksbedürfnisse verhältnismäßig befriedigt, worauf die

Privatunternehmer ihr Augenmerk nicht richten. In letzterer Beziehung

ist der Kollektivismus auch wieder schon durch seine Verteilung

produktiv. Denn, da er alle geistigen und physischen Kräfte des Volkes

entwickelt, fördert er das wichtigste Betriebsmittel der Produktion,

die Menschenkraft.

Die Lobredner der Privatunternehmungen sind vor allem die

Privatunternehmer und dann ihre Soldschreiber. Aber auch jene, die die

reine Wahrheit suchen, argumentieren doch nur aus einzelnen Fällen, die

keine allgemeinen Schlüsse gestatten und würden sie die notleidenden

Privatunternehmungen mit in Rechnung ziehen, so würden sie zu ganz

anderen Ergebnissen gelangen.

Daß der Staatsbetrieb der ökonomisch beste wäre, folgt aus den Erfolgen

der Trusts, welche einzig und allein des unermeßlichen Umfanges

der Kapitalien und Betriebe wegen ökonomischer produzieren, als die

Kleinbetriebe und da dem Umfange nach der riesigste Trust sich zum

Staatskollektivismus verhält, wie das Kleingewerbe zum Trust, so

sind die ökonomischen Vorteile unermeßlich. Nicht das Talent der

Trustteilnehmer ist volkswirtschaftlich entscheidend, sondern das

Talent des Trust=beamten=.

Und dann ist ja der ganze Apparat eines judizierenden Staates ein ganz

anderer, als es der eines produzierenden Staates wäre. Die Organe des

heutigen Staates sind Juristen, die Organe des Kollektivstaates werden

wirtschaftliche Talente sein und wenn man auch in der Gegenwart für

einzelne Staatsfabriken technische Leiter bestellt hat, so waren sie

doch immer abhängig von Hofräten und Ministern, die von technischen

Fragen nichts verstehen und das hat die Tätigkeit der Techniker und der

merkantilen Leiter immer lahmgelegt.

Es ist also ein ganz unbegründetes Bedenken, das so oft gegen den

Staatsbetrieb ausgesprochen wird, daß er volkswirtschaftlich schlechter

erzeugen würde und in keinem Falle kann es sich um einen solchen Vorzug

der Privatunternehmung handeln, dessen wirtschaftlicher Effekt gegen

die großen, auch ökonomischen Vorzüge des Kollektivismus in Betracht

käme, die ich an vielen Stellen dieses Werkes dargetan habe. Wir hören

nur allgemeine Phrasen, abstrakte Sätze, nirgends einen Versuch, das

angebliche Unvermögen des Staates, mit Ökonomie zu produzieren, aus dem

Wesen des Staates zu erklären, wo das Gebrechen aber in den Personen

oder in der Organisation liegt, handelt es sich nur um einen Wechsel

der Personen oder der Organisation. Die lautesten Schreier gegen den

Staatsbetrieb sind die Unternehmer selbst und dann die politischen

Agitatoren, welche im Solde der herrschenden Klassen stehen. Einen

wissenschaftlichen Wert haben diese Redensarten nicht.

Die geringere Ertragsfähigkeit eines staatlichen Betriebes

bei Geldwirtschaft ist nicht beweismachend für den geringeren

volkswirtschaftlichen Betriebswert. Denn der Staat verwendet das

geringere Einkommen für allgemeine Zwecke, der Privatunternehmer die

größeren Einnahmen für die Befriedigung seiner Launen. Auch kann der

scheinbar erfolgreichere Privatunternehmer die Arbeiter mehr bedrückt,

oder den Abnehmern ein schlechteres Produkt geliefert, oder seine

Kontrahenten hintergangen oder wie Rockefeller[47] durch unerlaubte

Kunstgriffe vermehrt haben. Würde man also bestimmte Privat- und

Staatsunternehmungen in einer für unseren Zweck brauchbaren Weise

vergleichen, so müßte über jedes Vergleichsobjekt ein ganzes Werk

geschrieben werden.

[47] Man sagt übrigens, daß Rockefeller nur durch den

wirtschaftlichen Effekt des Massenbetriebes Erstaunliches

geleistet habe.

Dann ist die Staatsproduktion seit einem halben Jahrhundert kaum mehr

betrieben worden, in früherer Zeit aber war der Staat viel schlechter

organisiert als heute, Unterschleife waren leichter und man war

gewöhnt, den unbrauchbaren Verwalter, der Staatsbeamter war, im Amte

zu behalten wie den unabsetzbaren Richter und den Brauchbaren bei den

größten finanziellen Erfolgen abzulohnen, wie den Dutzendbeamten,

während der Privatunternehmer ihm den zehnfachen Lohn bot. Hat

doch Krupp einem Finanzgenie einen so hohen Gehalt geboten, daß

er den Privatdienst der Stellung eines sächsischen Finanzministers

vorzog, welche viel geringer dotiert war. Ich werde mich durch das

Parteigeschrei gegen den Staatsbetrieb nicht irre machen lassen.

Der Kollektivismus und die soziale Monarchie · 第 151 / 152 题