3. Die Sammlungen.

Die Sammlungen von Kunst- und Naturprodukten, welche heute nur zum

Teil öffentliches Gut, zum größten Teile aber Privateigentum sind,

haben heute schon einen sehr großen Umfang erreicht, werden aber im

Kollektivstaat ins Unermeßliche anwachsen und ins Kollektiveigentum

übergehen. Diesen Sammlungen gehören zwar auch die Bibliotheken an,

von welchen aber hier nicht die Rede ist, weil sie anderen Zwecken

zu dienen haben, als die Sammlungen von Gegenständen, welche Objekt

der Betrachtung sind und meistens nur in einem oder wenigstens nur in

wenigen Exemplaren vorhanden sind.

Im Kollektivstaat ist es Aufgabe der Verwaltung, die Sammlungen so

aufzustellen, daß sie ihrem Zwecke am Besten dienen. Der Sammler

von heute hütet seine Schätze und verbirgt sie zumeist vor seinen

Mitmenschen und nur wenige adelige Häuser haben sich verpflichtet

gehalten, einige solche Sammlungen, besonders Bildersammlungen, dem

Publikum zugänglich zu machen. Der Kollektivstaat wird alle Sammlungen

so aufzustellen haben, daß sie allen, vorzüglich aber jenen leicht

zugänglich gemacht werden, welche ihrer für ihre Studien bedürfen. Da

nun in Zukunft alle Bauten umgestaltet werden müssen, wird man darauf

bedacht sein, ein System anzunehmen, nach welchem die Sammlungen zu

verteilen sein werden, wie ja auch die Weltausstellungen nach vorher

angenommenen Plänen eingerichtet werden, damit Gleiches und Gleiches

vereiniget, Verwandtes nebeneinander geordnet werde.

Es wird nun weder möglich noch zweckmäßig sein, alle Sammlungen an

einem Orte, etwa in der Hauptstadt, oder überhaupt in den städtischen

Ansiedlungen, die nicht allzusehr ausgedehnt werden sollen, zu

vereinigen und so scheint folgender Vorschlag als der annehmbarste.

In der Hauptstadt sollen Sammlungen aller Art aber nur in

hervorragenden Typen aufgestellt werden. Ein kunsthistorisches Museum

sollte Kunstprodukte aller Art aus allen Zeiten und erzeugt von

allen Völkern der Erde zur Anschauung bringen, aber es können in der

Zentralsammlung der Hauptstadt für jede Schule, jede Periode, jedes

Volk nur einige wenige hervorragende Werke aufgestellt werden. Ebenso

wird es mit der hauptstädtischen Sammlung technischer Erzeugnisse und

der Naturprodukte zu halten sein.

Ins einzelne gehende Sammlungen sollen aber dann nach Gebieten

systematisch aufgeteilt werden, so daß, wenn jemand alle Sammlungen

bis in ihre kleinsten Verzweigungen besichtigen wollte, er das ganze

Reich bereisen müßte. Es würden also einige Provinzen vollständige

Bildersammlungen, und Sammlungen anderer Kunstwerke, andere

vollständige Sammlungen der Werkzeuge, Apparate und Maschinen, oder

kunstgewerblicher Erzeugnisse, andere Pflanzen, wieder andere der Tiere

beherbergen und das Alles würde auch auf Bezirks- und Urgemeinden

aufgeteilt werden. Dazu kommen dann die Präparate der Biologen und

Embryologen und Histologen, welche dereinst einen solchen Schatz

bilden werden, daß man am Sitze der Universität gewiß nur Typen zur

Vergleichung aufstellen kann, wer aber alle vorhandenen Präparate

kennen lernen will, sich die Mühe wird nehmen müssen, irgend einen

Teil des Reiches zu bereisen, wo er, von Ort zu Ort wandernd, alles was

jeweilig vorhanden ist, finden wird und zwar nicht nur die Präparate,

sondern die gesamte darauf bezügliche Literatur und die Mikroskope und

sonstigen Apparate, ohne welche die Sammlung von Sachkundigen nicht

benützt werden könnte.

Diese Sammlungen werden von Jahr zu Jahr bereichert werden und nur in

dieser Anordnung und Verteilung werden sie den größten Nutzen schaffen.

Das ganze Reich wird eine vollständige Weltausstellung sein. Übrigens

wird in der Metropole eine permanente Weltausstellung der neuesten

Erzeugnisse des Menschengeistes errichtet werden, welche im jährlichen

Wechsel immer das Neueste zur Anschauung bringen wird und nach Ablauf

des Jahres werden die Ausstellungsobjekte in die stabilen Sammlungen

wandern.

Der Kollektivismus und die soziale Monarchie · 第 121 / 152 题