Die Sammlungen von Kunst- und Naturprodukten, welche heute nur zum
Teil öffentliches Gut, zum größten Teile aber Privateigentum sind,
haben heute schon einen sehr großen Umfang erreicht, werden aber im
Kollektivstaat ins Unermeßliche anwachsen und ins Kollektiveigentum
übergehen. Diesen Sammlungen gehören zwar auch die Bibliotheken an,
von welchen aber hier nicht die Rede ist, weil sie anderen Zwecken
zu dienen haben, als die Sammlungen von Gegenständen, welche Objekt
der Betrachtung sind und meistens nur in einem oder wenigstens nur in
wenigen Exemplaren vorhanden sind.
Im Kollektivstaat ist es Aufgabe der Verwaltung, die Sammlungen so
aufzustellen, daß sie ihrem Zwecke am Besten dienen. Der Sammler
von heute hütet seine Schätze und verbirgt sie zumeist vor seinen
Mitmenschen und nur wenige adelige Häuser haben sich verpflichtet
gehalten, einige solche Sammlungen, besonders Bildersammlungen, dem
Publikum zugänglich zu machen. Der Kollektivstaat wird alle Sammlungen
so aufzustellen haben, daß sie allen, vorzüglich aber jenen leicht
zugänglich gemacht werden, welche ihrer für ihre Studien bedürfen. Da
nun in Zukunft alle Bauten umgestaltet werden müssen, wird man darauf
bedacht sein, ein System anzunehmen, nach welchem die Sammlungen zu
verteilen sein werden, wie ja auch die Weltausstellungen nach vorher
angenommenen Plänen eingerichtet werden, damit Gleiches und Gleiches
vereiniget, Verwandtes nebeneinander geordnet werde.
Es wird nun weder möglich noch zweckmäßig sein, alle Sammlungen an
einem Orte, etwa in der Hauptstadt, oder überhaupt in den städtischen
Ansiedlungen, die nicht allzusehr ausgedehnt werden sollen, zu
vereinigen und so scheint folgender Vorschlag als der annehmbarste.
In der Hauptstadt sollen Sammlungen aller Art aber nur in
hervorragenden Typen aufgestellt werden. Ein kunsthistorisches Museum
sollte Kunstprodukte aller Art aus allen Zeiten und erzeugt von
allen Völkern der Erde zur Anschauung bringen, aber es können in der
Zentralsammlung der Hauptstadt für jede Schule, jede Periode, jedes
Volk nur einige wenige hervorragende Werke aufgestellt werden. Ebenso
wird es mit der hauptstädtischen Sammlung technischer Erzeugnisse und
der Naturprodukte zu halten sein.
Ins einzelne gehende Sammlungen sollen aber dann nach Gebieten
systematisch aufgeteilt werden, so daß, wenn jemand alle Sammlungen
bis in ihre kleinsten Verzweigungen besichtigen wollte, er das ganze
Reich bereisen müßte. Es würden also einige Provinzen vollständige
Bildersammlungen, und Sammlungen anderer Kunstwerke, andere
vollständige Sammlungen der Werkzeuge, Apparate und Maschinen, oder
kunstgewerblicher Erzeugnisse, andere Pflanzen, wieder andere der Tiere
beherbergen und das Alles würde auch auf Bezirks- und Urgemeinden
aufgeteilt werden. Dazu kommen dann die Präparate der Biologen und
Embryologen und Histologen, welche dereinst einen solchen Schatz
bilden werden, daß man am Sitze der Universität gewiß nur Typen zur
Vergleichung aufstellen kann, wer aber alle vorhandenen Präparate
kennen lernen will, sich die Mühe wird nehmen müssen, irgend einen
Teil des Reiches zu bereisen, wo er, von Ort zu Ort wandernd, alles was
jeweilig vorhanden ist, finden wird und zwar nicht nur die Präparate,
sondern die gesamte darauf bezügliche Literatur und die Mikroskope und
sonstigen Apparate, ohne welche die Sammlung von Sachkundigen nicht
benützt werden könnte.
Diese Sammlungen werden von Jahr zu Jahr bereichert werden und nur in
dieser Anordnung und Verteilung werden sie den größten Nutzen schaffen.
Das ganze Reich wird eine vollständige Weltausstellung sein. Übrigens
wird in der Metropole eine permanente Weltausstellung der neuesten
Erzeugnisse des Menschengeistes errichtet werden, welche im jährlichen
Wechsel immer das Neueste zur Anschauung bringen wird und nach Ablauf
des Jahres werden die Ausstellungsobjekte in die stabilen Sammlungen
wandern.