Eurer Excellenz

bereitwilliger Diener

~Dr.~ _Heinrich Laube_.

Lebrün, Karl.

Geb. 1792 in Halberstadt, gestorben 1842 in Hamburg, wo er, nachdem

sein Talent und seine Redlichkeit ihm die allgemeine Hochachtung

erworben, zehn Jahre lang Mitdirektor des Stadttheaters gewesen

und erst einige Jahre vor seinem Tode zurückgetreten ist. In

seinem Fache unbedenklich einer der besten deutschen Schauspieler;

dabei unterrichtet, fein gebildet, für alles Gute begeistert, an

Gemüth wie an Verstande reich, wohlwollend und wohlthätig, das

Muster eines Familien-Vaters in fast allen Beziehungen, unterlag

er doch _einer_ Schwäche, und wurde dadurch sehr unglücklich.

Er, der ordentlichste, bürgerlichste, solideste Mensch, den es

je beim Theater gegeben, hatte sich, wie er auf dem Höhepunkt

künstlerischen Rufes stand, daneben den Ruf der Trunksucht

zugezogen, und es läßt sich nicht leugnen, daß mancherlei

Ereignisse dieses traurige Gerücht bestätigten. War es doch schon

so weit gediehen, daß er auf offener Scene taumelnd die Darstellung

gestört und lauten Unwillen erregt hatte. Der Direktor des

Hamburger Stadttheaters, der Kollege eines Schmidt, der Nachfolger

Herzfeldt’s -- _Schroeders!!_ -- Man begehrte für öffentlichen

Skandal auch öffentliche Sühne: er sollte von den Brettern Abbitte

thun. -- Armer Lebrün! Wie muß dein Stolz sich innerlich empört

haben gegen diese Demüthigung! -- Er unterwarf sich mit männlicher

Entsagung. Aber wie er vor dem übervollen Hause erschien, da

ließen sie ihn nicht zu Worte kommen; sie ersparten ihm die Buße,

und unterbrachen schon bei den ersten Silben den Liebling mit

lauten Zeichen des alten Wohlwollens. Die braven Hamburger, die

immer das _Herz_ auf dem rechten Flecke haben, sie wußten

ja, wie unschuldig Lebrün doch eigentlich an dem sei, was er

verschuldet hatte! -- Es stand ganz eigen um diesen Mann. Klar,

verständig, mäßig, Herr des Wortes wie des Gedankens, anmuthig

beredt, belehrend, empfänglich, inneren Werthes bewußt und dennoch

bescheiden, -- so zeigte er sich einem Jeden, der ihn besuchte, der

ihm auf Geschäftswegen begegnete. Eine halbe Stunde nachher traf

man ihn zufällig wieder.. und erkannte ihn kaum, denn er mengte

mit schwerer Zunge leeres, breites Geschwätz durcheinander. Und

was hatte er unterdessen begonnen? Was hatte ihn verwandelt?....

Er hatte sich verlocken lassen, weil es neblicht und kalt war, den

sogenannten „Apothekerschnaps“ zu nehmen. Ein kleines Gläschen...

und er war nicht mehr er selbst. Dann kehrte er noch zwei- --

dreimal ein... immer nur naschend, und für solchen Tag blieb er

sich und den Freunden so gut wie verloren.

Als er, krank und schwer leidend seinem Berufe entsagend, an’s

Zimmer gefesselt, als die stets bewegliche Regsamkeit gelähmt

war, da hat er kein Bedürfniß mehr gefühlt, sich durch Getränke

zu stimuliren. In sanfter Würde, heiter bei Schmerzen, hat er die

letzten Lebensjahre nur geistiger Thätigkeit gewidmet.

Als dramatischer und als dramaturgischer Schriftsteller hat er

sich mannichfache Verdienste erworben. Seine Übertragungen und

Umarbeitungen zeugen von geläutertem Geschmack, von Kenntniß der

Sache, von sinnigem Fleiße. Seine Original-Stücke von ungeziertem,

kecken Humor. „Der freiwillige Landsturm“ kann für aristophanisch

gelten, und hat ihm, wahrscheinlich eben deshalb, einige

Gegnerschaft zugezogen.

Tieck wußte ihn sehr zu würdigen.

Briefe an Ludwig Tieck (2/4) Zweiter Band · 第 249 / 358 题