I.

Hbrg., am 1. Ostertage 35.

_Hochgeehrter Herr Hofrath_.

Mein Schwager Waymar, den Sie ja von Carlsruhe her kennen gastirt in

Dresden: wem könnte ich ihn besser empfehlen, als Ihnen. Er selber,

natürlich, muß seine Sache vor den Lampen verfechten, aber welche

Kritik könnte dem redlich aufstrebenden Talente fördersamer sein, als

die Ihrige. Gönnen Sie ihm diese.

Wie wehe that es mir, Sie am Tage der Vorstellung des „Prinzen v.

Homburg“ nicht mehr in Carlsruhe zu finden: ich hätte bei neurer

Belehrung, dafern Sie eine Austauschung der Ideen mir erlaubt hätten,

gewinnen können.

Mein guter Meyer als Churfürst hat mir viele Wunden geschlagen, und

sicher auch Ihnen. Waymar verfehlte namentlich die Actschlußscene

„Mein Vetter Friedrich will den Brutus spielen u. s. w.“ Ihre Ansicht

wird ihn aufklären, besser denn die meine. -- Der „Hohenzoller“ war

absonderlich komisch. Empfehlen Sie mich gefälligst Ihren Damen, die

einen Fremdling so liebreich aufnahmen, und streichen Sie nicht aus der

Liste Ihres Gedächtnisses

Briefe an Ludwig Tieck (2/4) Zweiter Band · 第 250 / 358 题