_Schloß Muskau_, d. 9. Septbr. 1841.
_Eurer Excellenz_
wohlwollendes Schreiben an mich aus Pillnitz habe ich hier erhalten,
und danke ergebenst für den Antheil, welchen Sie dem Monaldeschi
geschenkt haben. Es war mir von allergrößtem Interesse, daß dies Stück
gerade Ihnen, Excellenz, Theilnahme abgewinne, weil mir die Aufführung
desselben auf keiner Bühne so wünschenswerth scheint, als auf der
Ihrigen. In Deutschland nämlich ist jetzt keine, welche so gute Mittel
dafür besäße, sei’s im Personale wie im Dekorativen. Emil Devrient ist
für die Titelrolle einzig. In Berlin und München hält es zum Beispiele
sehr schwer mit der Besetzung, nur Stuttgart, welches die Herbstsaison
nächsten Monat mit meinem Stück zu beginnen gedenkt, bringt eine der
Dresdner sich annähernde gute Übersetzung der Rollen in Menschen zu
Stande. Nun haben mir Excellenz zwar in Ihrem Schreiben nicht eben gar
viel Hoffnung gemacht für Annahme des Stücks von Ihrer Seite, weil
Ihnen einige Situationen bedenklich scheinen, Sie haben mir indessen
die Aussicht nicht benommen. Erlauben Sie nun, daß ich dringend um
einen geneigten Spruch bitte. Fürst Pückler, ein lebhafter Gönner des
Monaldeschi, ersucht Excellenz unbekannterweise, seine eben dahin
gerichtete Bitte mit der meinen vereinigt anzunehmen. Das Kecke in
den Situationen ist doch anderwärts für kein Hinderniß der Aufführung
erachtet worden, an einigen Orten wohl auch für eine Empfehlung des
Stücks, das Auffallende in den Ausdrücken ist zu streichen, und ich
gebe das Stück ganz und gar der Konvenienz preis, welche jede Bühne
je nach ihren Rücksichten zu nehmen hat, gut Wirksames streicht doch
keine kundige Direktion. Ew. Excellenz aber werden mir zugestehn,
daß es fast unmöglich ist, unsre brach liegende dramatische Poesie
zu fördern, wenn man an neue Stücke mit so speciellen Forderungen
ginge, daß sie um einiger kecken Situationen willen zurückgewiesen
würden. Unser Vorrath an neuen Originalstücken müßte wohl reichlicher
sein für so strenge Auswahl, als er in der That ist, und die Herren,
welche der produktiven Poesie gegenüber eine so wichtige Position
einnehmen, wie die Intendanten der besten Bühnen des Vaterlands wären
dann allerdings dem Vaterlande verantwortlich für die Aufmunterung
oder frühzeitige Verurtheilung dramatischer Schriftsteller. Eurer
Excellenz Brief sagt dem Monaldeschi zum Beispiele so viel Gutes nach,
daß man als Literarhistoriker den logischen Grund schwer herausfände,
um deswillen das Stück doch nicht gegeben würde, und ich fürchte, wenn
Excellenz nicht ein Übriges thun, so wird es eben doch nicht gegeben,
weil man sich gewöhnt hat, Theaterstücke wie diplomatische Handlungen
anzusehn, und neuen Stücken nicht nachzusehn, was man alten Stücken
unbedenklich nachsieht. Ermessen Sie Excellenz, wie niederschlagend
es auf den Autor wirkt, aus Gründen eine lange Arbeit abgewiesen zu
sehn, aus Gründen, die dem Autor fast immer unverständlich bleiben.
Ich zum Beispiele bin, den Monaldeschi schreibend, mit vollen Segeln
an die Bühne gegangen, und ich raffe ein Segel nach dem anderen ein,
und ich ziehe mich zuverlässig von einem Meere zurück, das mit so viel
Klippen der Rücksicht droht, Rücksichten, die man beim Schreiben für
den Druck nicht zu nehmen braucht, Rücksichten, die man nicht nehmen
_lernt_, weil man eben gleich von vornherein abgewiesen wird, und
nicht zur Übung kommt. Und ich kann Ew. Excellenz nicht ausdrücken,
wie schwer Einem das wird, eine Richtung aufgeben zu müssen, für die
man sich Talent zutraut, und für die Einem nun die Phantasie Pläne auf
Pläne zudrängt, desto reichlicher, je bestimmter man weiß: Du schreibst
sie doch nicht.
Finden also Excellenz, daß ich nicht Verurtheilung, sondern Ermuthigung
verdient, so seien Sie mir ein milder Richter: bei späteren Stücken
ist ein Réfus nicht so entscheidend für eine ganze Laufbahn, wie beim
ersten. Erlauben Sie mir, daß ich bei meiner Rückreise nach Leipzig in
Dresden bei Eurer Excellenz anfrage, ob ich persönlich aufwarten und
mündlich ausdrücken darf, mit welcher Ergebenheit und Achtung ich bin
und verharre