II.

_Gotha_, d. 3ten Juli 1827.

_Verehrtester Freund_.

Soeben erhalte ich Ihre Zuschrift vom 30ten Jun. und eile darauf zu

antworten, um, so viel an mir liegt, Ihren Wünschen zu entsprechen.

Herr † † † ist mir mehr durch Andre, als durch eigene Kenntniß bekannt.

Nachdem er nothgedrungen geheirathet hatte, fing er an, bald in

Göttingen, bald in Leipzig zu studiren, und machte bey vorkommenden

Gelegenheiten mittelmäßige Verse, für die er einigemal durch fürstliche

Munificenz kärglich genug, aber immer noch über Verdienst, belohnt

worden ist. Jetzt hält er sich, wie ich höre, in Leipzig auf.

Der Gedanke B.’s Leben zu schreiben, kann wohl nicht in seinem Kopfe

gekeimt seyn. Er ist aber ein Freund Ihres Neffen, des jungen B., der

mit ihm vor etwa 6 Wochen hierher gekommen, und seine Wohnung zuerst

bey † † † Frau genommen hat, um wie er mir sagte, die Bibliothek zu

benutzen, die er auch in den ersten Wochen seines hiesigen Aufenthaltes

fleißig besucht hat. Wahrscheinlich erhält † † † die Materialien zu

B.’s Leben von diesem Freunde.

Ohne Zweifel wird diese Nachricht Sie in den Stand setzen, Maasregeln

zu ergreifen, einem Ihnen unangenehmen Ereignisse vorzubeugen. Ich

kann kaum zweifeln, daß das ganze Unternehmen eigentlich in den Händen

Ihres Neffen liegt, ob er mir gleich nichts davon verrathen hat. Sobald

dieser von Ihnen erfährt, daß Sie dem unbefugten Unternehmen Ihre

Einwilligung versagen, wird er ja wohl Verzicht darauf thun. Kann ich

Etwas dazu beytragen, diese Angelegenheit zu Ende zu bringen, so werde

ich es mit Vergnügen thun.

Die Erinnerung an unser Zusammenseyn in München und an die schönen

Abende, die Sie meinen Freunden und mir verschafften, ist mir immer

gegenwärtig, und erneuert sich beym Lesen jeder Ihrer Schriften auf

das lebhafteste. Werden Sie uns nicht bald mit der Vollendung Ihrer

herrlichen Cevennen erfreuen? Sie sind hier aus einer Hand in die andre

gegangen.

Erhalten Sie mir Ihr freundschaftliches Wohlwollen, und genehmigen die

Versicherung der ausgezeichneten Hochachtung, mit der ich bin

Briefe an Ludwig Tieck (2/4) Zweiter Band · 第 123 / 358 题