Wir näherten uns nun vorsichtig dem Elefanten, der sich aber nicht mehr

rührte. Da das Herausnehmen der Zähne viele Stunden in Anspruch nahm,

schlugen wir, obgleich die nächste Wasserstation nur mehr eine Stunde

weit entfernt war, schon hier, in der nächsten Nähe des gefallenen

Tieres, unser Lager auf. Unsere Nairobiträger machten sich sofort an

das Zerlegen des Elefanten, und nun begann ein Raufen und Streiten

um jedes Stück Fleisch, so dass ich gezwungen war, die Verteilung

desselben von den mitgenommenen zwei Askari überwachen zu lassen. Die

Stimmung im Lager war eine äusserst gehobene, gab es doch eine Menge

Fleisch und ausserdem Schussgeld und Bakschisch. Bald war die Nachricht

von dem geschossenen Elefanten auch in die nächsten Dörfer gedrungen,

und eine grosse Anzahl nackter Eingeborener umschlich unser Lager,

um wenigstens noch die Gedärme und einige an den Knochen gebliebene

Fleischreste erhaschen zu können. Bei eintretender Dämmerung war von

dem mächtigen Tier nichts mehr vorhanden als die nackten Knochen

und Rippen! Alles andere war aufgezehrt oder hing über den offenen

Feuern zum Trocknen. Nachdem wir die Eingeborenen das Fleisch mit

so besonderem Appetit verzehren sahen, gaben wir unserem Koch den

Auftrag, einmal seine Kunst zu zeigen und auch uns ein Elefantengericht

zu bereiten. Er tat es auch, es war aber für uns unmöglich, diesen

Elefantenbraten zu geniessen, der hart wie Leder und obendrein noch

ganz geschmacklos zubereitet war.

In der Nacht, die diesem Jagdtage folgte, waren aus unserem Lager die

zwei Maultiere, die ich und Photograph Schwarzer ritten, durchgebrannt.

Wir vermuteten, dass die Tiere wohl in der Richtung gegen Nimule

laufen, aber kaum den Assuariver durchwaten würden. Die noch nachts

auf die Suche geschickten Träger kamen des Morgens ergebnislos

zurück, aber im Lager am Attapiriver trafen die Eseltreiber, die ich

tags vorher nach Nimule um Mehl geschickt hatte, auf einmal mit den

beiden Flüchtlingen ein, die sie in Nimule gerade auf der Suche nach

unserem dortigen Lager gefunden hatten. Sie waren also doch durch den

Assuariver gewatet und hatten in der Nacht den viele Stunden weiten Weg

nach Nimule mit ausserordentlichem Spürsinn zurückgelegt.

Am Morgen, als wir gerade im Begriffe waren, aufzubrechen, holte uns

ein Renner aus Nimule ein und überbrachte mir ein Telegramm Slatin

Paschas, in dem mir nachträglich in liebenswürdiger Weise die Erlaubnis

erteilt wurde, im Reservatgebiet des Sudan jagen zu dürfen.

Es sollten nun Tage kommen, die nur dem Vergnügen der Jagd gewidmet

waren, für die uns ja bisher, obwohl viel und oft Gelegenheit war, die

Zeit gefehlt hatte.

[Illustration: _Wie die Träger klettern_]

[Illustration: _Dr. Stigler erkrankt_

_Tafel 61_

]

Der Weg bis zum Attapiriver führte längs des Westabhanges des

Dhomiberges durch dichtes Buschland mit mehr als meterhohem Gras.

Gegen 11 Uhr vormittags erreichten wir den Fluss, der sehr steile

Ufer hatte und dessen Wasser gegen 60 cm tief war. Der Attapiriver

ist ein Nebenfluss des Assuariver und vereinigt sich mit diesem knapp

vor dessen Mündung in den Nil. Die Gegend ist sehr wildreich, und auf

dem Weg von unserem Lager bis zum Fluss waren wir auf zahlreiche, oft

ganz frische Fährten von Büffeln, Elefanten, Gazellen und auch

Hartebeesten gestossen. Vom Wild selbst war aber nichts zu sehen,

trotzdem unsere Eingeborenen zu wiederholten Malen Bäume erkletterten,

um über das Buschwerk hinaussehen zu können. Am flinksten war dabei

immer mein Präparator Fundi, ein Eingeborener, der übrigens während

der ganzen Reise einen alten, in allen Farben schillernden, von einem

Europäer abgelegten Winterrock mit Kapuze trug und ihn auch bei der

grössten Hitze nicht auszog. Er kletterte auf die höchsten Bäume, indem

er den dicken Stamm mit den Händen umfasste und die Füsse nur mit den

Zehen an die Rinde ansetzte. Spürte er einer Fährte nach, so beroch

er jedesmal den Sand, um dadurch zu bestimmen, wie alt sie schon war

(Tafel 61).

Der Tag verging, ohne dass wir Büffel oder Elefanten zu Gesicht

bekommen hatten. Am nächsten Morgen birschten wir am linken Ufer

des Attapiriver, aber mit dem gleichen negativen Erfolge, trotzdem

die vielen Fährten und die gebrochenen Aeste und Bäume auf das

Vorhandensein grosser Herden schliessen lassen mussten. Spät abends

meldeten uns Eingeborene, die wir stromauf- und -abwärts geschickt

hatten, um zu sehen, ob nicht Elefantenherden zur Tränke kämen, dass

stromaufwärts von unserem Lager sich eine grosse Herde von Elefanten im

Wasser herumtreibe. Da es an diesem Tage schon zu spät war, brachen wir

erst am nächsten zu dieser Stelle auf, verfolgten auch einige Stunden

die Spur, gaben aber schliesslich die Suche auf und vertrösteten

uns auf die Jagdgebiete bei Gondokoro, die uns Mr. Bains besonders

gepriesen hatte. Um 1 Uhr mittags erreichten wir den Assuariver, in

dessen reinem frischen Wasser wir ein erquickendes Bad nahmen, und am

Abend waren wir wieder in Nimule.

Der nächste Tag war Sonntag, und der Nildampfer brachte endlich unsere

Kisten aus Kumi. Mit demselben Dampfer, der abends wieder abging,

schickten wir sieben Askari sowie zwölf erkrankte Träger nach Mbale

beziehungsweise in ihre Heimat zurück. Jeder Mann erhielt seinen Lohn

für die ganze Reise, sowie das Fahrgeld für den Dampfer, und die aus

Nairobi stammenden auch das für die Bahn, bei welchen Auszahlungen Mr.

Bains mich in liebenswürdigster Weise unterstützte.

Abends waren Dr. Stigler und ich bei ihm zum Diner geladen, und

wir lernten dort Mr. Moore kennen, jenen Offizier, der kurz vorher

von den verlustreichen Kämpfen in den Lamogibergen zurückgekehrt

war. Die Unterhaltung war sehr angeregt, und natürlich war auch von

der Jagd die Rede. So erzählte uns Mr. Bains von einem soeben nach

Nimule zurückgekehrten englischen Schiffsingenieur, der seinen Urlaub

zur Elefantenjagd in dieser Gegend benutzt und auf dieser seinen

Gewehrträger verloren hatte. Er hatte aus ziemlich kurzer Entfernung

auf einen alten Bullen geschossen, der trotz der schweren Verletzung

auf ihn und seinen Gewehrträger losstürzte und den letzteren zu Tode

trat. Er wusste bei dieser Gelegenheit von einem noch tragischeren

Ausgang einer Elefantenjagd zu erzählen. Der frühere Arzt von Nimule

hatte auf einen Elefanten rasch nacheinander nicht weniger als 14

Schüsse abgegeben. Das schwer verletzte Tier lehnte sich an einen

grossen Baum, so dass der Arzt, da es in dieser Stellung regungslos

verharrte, annahm, dass es schon verendet sei, und sich ihm vorsichtig

näherte. Da richtete es sich aber plötzlich wieder auf, und trotzdem

ihm der Arzt sofort seine letzte Kugel in den Schädel knallte, hatte

der Elefant noch soviel Kraft, sich auf ihn zu stürzen. Er sank zwar im

selben Moment tot zu Boden, begrub aber den Jäger unter sich, der dann

zerdrückt als Leiche hervorgezogen wurde.

In Nimule konnte ich durch Vermittlung Mr. Bains von den Eingeborenen

viele Speere, Pfeile, Schmuck und andere Dinge erwerben. Auch eine

grosse, mit Elefantenhaut überzogene Trommel, für die der Besitzer zwei

Kühe als Preis verlangte, war darunter, die unsere bisherige, aus Mbale

mitgenommene kleine ausser Tätigkeit setzte, und auf der ein Träger

für den Rest unserer Reise die Marschmusik machte. Bei einem indischen

Kaufmann erstand ich hübsche, aus Elefantenzähnen geschnitzte Hörner,

die aus dem Kongo stammten, dafür verkaufte ich -- natürlich um einen

Pappenstiel -- die mir übrig gebliebenen Tauschartikel und einige

Kisten mit Konserven.

Das letzte Stück unserer Reise war die 163 km lange Strecke von Nimule

bis Gondokoro, wohin eine schöne, breite Strasse östlich vom Nil führt,

der hier wegen seines seichten Wasserstandes und starken Gefälles noch

nicht schiffbar ist. Die ganze Strecke ist, ebenso wie das westlich vom

Nil liegende und sich bis an den Albertsee erstreckende Ladogebiet, für

Europäer wegen der grossen Verbreitung der Schlafkrankheit gesperrt,

und für Karawanen wird nur ganz ausnahmsweise die Erlaubnis erteilt,

diese Gebiete zu betreten. Mr. Bains hat für uns in liebenswürdiger

Weise diese Ausnahme gemacht und den Durchmarsch bewilligt. Bis

Gondokoro werden gewöhnlich neun Tage als Reisezeit angenommen, doch

kann diese Dauer bei Marschleistungen von 22–24 km auch um zwei

Tage gekürzt werden. Von Gondokoro bis Khartum verkehren dann schon

monatlich zweimal, am 6. und 21., Regierungsdampfer, die stromabwärts

neun, stromaufwärts dreizehn Tage brauchen.

Für den Morgen des 26. Februar war der Abmarsch angesetzt. Aber wir

hatten wieder einmal erfahren, dass die Eingeborenen, je gründlicher

sie sich ausgerastet haben, um so länger brauchen, bis sie sich in

Bewegung setzen. Es währte daher geraume Zeit, bis sich die Karawane

zurecht machte. Zu unserem grossen Erstaunen meldete sich knapp vor

dem Abmarsch auch der im Naquagebiete von einer Giftschlange gebissene

Träger. Er hätte schon am Abend vorher mit dem Nildampfer zurückkehren

sollen, wollte sich aber absolut nicht von der Karawane trennen. Es

war ihm den ganzen Marsch bis hierher nicht am besten gegangen, und

zweimal hatte er so starke Anfälle von Fieber und Schüttelfrost gehabt,

dass wir fürchteten, ihn zu verlieren. Die ganze Strecke war er auf

einem von einem Eingeborenen geführten Esel geritten, auf dem wir ihm

einen bequemen Tragsessel errichtet hatten, nun schien ihm aber die

achttägige Rast in Nimule so gut bekommen zu sein, dass er erklärte, er

wolle unbedingt mit uns weiter marschieren und sogar eine Last tragen.

Wir waren von dieser Anhänglichkeit des braven Schwarzen sehr gerührt

und erfüllten gern seinen Wunsch.

Das letzte Hindernis, das unseren Abmarsch verspätete, war noch unser

Heatman Abeidi, über den wir bei unserer Verabschiedung von Mr. Bains

noch ausführlich sprechen mussten. Abeidi hatte nämlich die Absicht,

nach seiner Verabschiedung in Gondokoro mit einem Teil unserer Träger,

die ihm sehr ergeben waren, durch den nördlichsten Teil Ugandas nach

Abessynien zu ziehen, wo seine Frau und sein Bruder lebten, und

bei dieser Gelegenheit -- natürlich ohne Jagdschein und Erlaubnis

-- fleissig auf Elefanten zu schiessen, um das Elfenbein dann nach

Abessynien einzuschmuggeln. Solche Wilderer, wie wir sie ja auch schon

auf dem Marsche nach Mbale angetroffen hatten, schonen weder Weibchen,

noch Junge, sie knallen alles nieder, was ihnen in den Weg kommt,

und haben schon ganze Herden weiblicher Tiere vernichtet. Es handelt

sich ihnen nur um das Elfenbein, das sie von den Wilden auch gegen

alte, ausgemusterte und eingeschmuggelte Gewehre eintauschen, die dann

hauptsächlich wieder im Kampfe gegen die Engländer verwendet werden.

Man nennt solche Gewehrschmuggler Gunrunner. Es ist daher begreiflich,

dass die Behörden die Reisen solcher Leute -- es sind zumeist Araber

-- mit besonderer Wachsamkeit verfolgen und Streifzüge, wie sie unser

Abeidi vorhatte, mit allen Mitteln zu verhindern suchen. Mr. Bains, den

wir von den Absichten des Heatmans verständigten, ersuchte denn auch

seinen Vertreter in Gondokoro, Mr. Weatherhead, Abeidi nicht aus den

Augen zu lassen, ihn zur Rückkehr nach Nimule zu zwingen oder, wenn es

notwendig sei, kurzerhand zu verhaften.

_VON NIMULE NACH GONDOKORO._

_Auf der Strasse nach Gondokoro / Grosse Grasbrände / Ein Marsch

in der Vollmondnacht / In Loro / Wieder auf Elefantenjagd / Der

tollkühne Adubungomoi / Erkrankung Dr. Stiglers / Ein Engländer auf

Besuch / Unfreiwillige Träger / Schwarzer und Storch malariakrank /

In der Nähe des Nils / Einmarsch in Gondokoro._

All diese Verzögerungen unserer Abreise von Nimule hatten zur Folge,

dass wir am ersten Tag statt der geplanten 25 Meilen nicht einmal die

Hälfte hiervon zurücklegten und nur bis zum Kamp am Assuariver kamen.

Am nächsten Tage marschierten wir, immer auf der breiten Strasse, die

zwischen dichtem Buschland und über hügeliges Terrain nach Gondokoro

führt, bis +Kiripe+, wo wir unter prächtigen alten Bäumen unsere Zelte

aufschlugen. Alsbald erschien in Begleitung eines grossen, nackten, mit

Speer, Pfeil und Bogen bewaffneten Schwarzen der Häuptling des dortigen

Bari-Stammes und teilte uns mit, dass etwa eine Stunde östlich von

unserem Lager eine Herde von sieben Elefanten gesehen worden sei. Wir

brachen gleich in dieser Richtung auf und konnten schon nach kurzem

Marsche die frischen Fährten und die Verwüstungen entdecken, die die

Kolosse an den ihnen im Wege stehenden Bäumen angerichtet hatten.

Von einem kleinen Hügel aus sahen wir auch durch unsere Zeissgläser

in weiter Ferne zwei einzelne Elefanten. Wir versuchten, durch das

meterhohe Gras, in das uns die Tiere einen genügend breiten Steg

getreten hatten, anzubirschen, traten aber bald wieder den Rückweg an,

da die Elefanten inzwischen, wahrscheinlich um zur Tränke zu wandern,

einen grossen Bogen gezogen hatten, und ausserdem auch schon die

Dämmerung eingebrochen war. Am nächsten Morgen nahmen wir den Versuch

wieder auf, aber ohne Erfolg. Die Elefanten dürften vermutlich durch

grosse Grasbrände, die sich im weiten Umkreis zeigten und des Nachts

auf Meilen hinaus die Landschaft beleuchteten, vertrieben worden

sein. Die Träger haben nämlich die Gewohnheit, die Lagerfeuer, die

sie bei jeder Gelegenheit anzünden, beim Verlassen der Stellen ruhig

weiterbrennen zu lassen, und es genügt dann der geringste Luftzug, um

das trockene Steppengras in Brand zu setzen.

Da untertags fast unerträgliche Hitze herrschte, beschlossen wir, erst

abends aufzubrechen und in der Nacht bei Vollmondschein abseits von

der Strasse in nordöstlicher Richtung nach Loro zu marschieren, wo

sich zufolge einer Meldung, die uns Mr. Weatherhead durch einen Renner

übermitteln liess, viele Elefantenherden aufhalten sollten. Um 6 Uhr

abends traten wir unter Führung eines Barihäuptlings den Marsch an.

Die Träger waren in bester Stimmung, und es ging unter Trommelschlag

und Gesang in flottem Tempo vorwärts. Die ganze Landschaft war von den

sich immer mehr ausbreitenden Steppenbränden beleuchtet, namentlich

ein östlich von uns gelegener Berg stand nahezu ganz in Flammen,

und wir sahen alte Bäume auf seinen Abhängen wie riesige Fackeln

in sich zusammenbrechen. Es war ein mächtiger, schöner, imposanter

Anblick, wie ringsumher Berge und Hügel gleichsam in ein Feuermeer von

übernatürlichen Dimensionen gehüllt waren. Zudem stieg bald der grosse

Feuerball des Mondes auf, der fast taghelles Licht über die Landschaft

und die langgezogene Trägerlinie goss: ein unvergesslich schönes Bild.

Uebt der Marsch durch die afrikanische Steppe schon bei Tag auf den

Europäer ausserordentlichen Reiz aus, so ist der zaubervolle Eindruck

einer solchen hellen Nacht um so überwältigender. Hie und da nähern wir

uns einer Eingeborenenniederlassung, in der die Wilden um ein Feuer

hocken und scheu davonlaufen, sobald sie uns erblicken, um nach dem

ersten Schrecken aber doch wieder zurückzukehren und uns zu begrüssen.

Gegen 11 Uhr machten wir in der Nähe eines beinahe ganz ausgetrockneten

Flussbettes kurze Rast, dann ging es wieder weiter, das Trommelschlagen

und der Gesang verstummten allmählich, schweigend zieht die Karawane

vorwärts. Plötzlich erfasst meine Träger panischer Schrecken, in

nächster Nähe ist ein Rudel Elefanten aufgetaucht. Die Lasten

wegwerfen und das Heil in schleuniger Flucht suchen, war das Werk

weniger Augenblicke. Die Elefanten zeigten jedoch keine Angriffslust,

sondern zogen friedlich ihren Weg zur Tränke weiter. Es dauerte aber

eine geraume Weile, bis die furchtsamen Träger, vorsichtig spähend,

zurückkehrten und einer nach dem anderen seine Last wieder auf sich

nahm und weiter marschierte.

Um 1 Uhr nachts hatten wir unser Ziel, +Loro+, erreicht, wo wir unter

einem mächtigen alten Baum unser Lager aufschlugen und uns, ehe wir uns

zur Ruhe begaben, erst noch an einem kleinen Imbiss stärkten.

Am nächsten Morgen meldeten uns zwei Eingeborene, dass, ungefähr

eine Stunde von unserm Lager entfernt, ein Rudel Elefanten mit

mehreren Bullen gesehen wurde. In einer Viertelstunde waren wir

marschbereit, folgten unsern Führern das grosse Dorf entlang durch

weite Durrapflanzungen, in denen die nächtlichen Besuche der Elefanten

grosse Verwüstungsspuren hinterlassen hatten, und fanden dann in dem

mannshohen Steppengras des Buschlandes bald frische Fährten. Kurz

darauf erblickte auch mein Karamojomann von einem Baume aus, den er

erklettert hatte, die Tiere selbst. Es war eine grössere Herde, die

sich unter zwei hohen Bäumen niedergelassen hatte. Nur von einem,

wahrscheinlich dem Wachhabenden, der den Blick auf uns gerichtet hatte

und ununterbrochen die mächtigen Ohrlappen auf- und abschlug, sahen

wir die Stosszähne. Nach deren Grösse war es ein Weibchen, und ich

fürchtete, dass die ganze Herde aus solchen bestand, da wir von den

vielen Bullen, die angeblich gesehen wurden, keinen erblicken konnten.

Adubungomoi war von meiner Erklärung, deshalb nicht schiessen zu

wollen, sehr enttäuscht; er versuchte, die Tiere in weitem Bogen zu

umgehen, um aus kurzer Distanz das Geschlecht mit Gewissheit bestimmen

zu können. Dadurch erhielten die Elefanten Wind, und die ganze graue

Masse setzte sich staubaufwirbelnd und trompetend in Bewegung --

ein grossartiges Schauspiel! Nach wenigen hundert Metern machte der

Leitelefant mit seiner Herde unter Bäumen Halt, wir birschten nach und

konnten nun auch deutlich die Stosszähne sehen. Die Herde bestand aus

elf Stück, von denen zwei Junge und die übrigen alte Weibchen waren.

Die Frage war für mich also erledigt, und ich begnügte mich von einem

Termitenhaufen aus, den ich erstiegen hatte, mit dem schönen Anblick,

den die Herde gewährte. Ich begab mich nach einiger Zeit zu Abeidi

und den Eingeborenenführern zurück und kümmerte mich nicht weiter um

die Elefanten, die auch ihrerseits, da wir guten Wind hatten, uns

nicht beachteten und ruhig in ihrer Stellung blieben. Mit einem Male

erscholl ein durchdringender Trompetenton, die ganze Herde sprang auf

und ergriff -- glücklicherweise in der uns entgegengesetzten Richtung

-- im Trab die Flucht, alles unter sich zertretend und zerstampfend.

Wir griffen instinktmässig nach den Gewehren und konnten uns diesen

plötzlichen, eiligen Abzug nicht erklären; da kam Adubungomoi aus der

Richtung der Elefanten gelaufen und erzählte mit lachendem Gesicht,

er habe dem grossen Elefanten, der gegen uns äugte, aus unmittelbarer

Nähe den Speer ins Herz schleudern wollen, jedoch zu weit rückwärts

getroffen, habe dann die Waffe sofort wieder herausgezogen und sei

davongerannt. Ich wollte zuerst dies Jägerlatein nicht für ernst

nehmen, aber der Karamojomann zeigte mir seinen Speer, und da sah ich,

dass die messerscharfe Schneide in ihrer ganzen Länge mit frischem Blut

bedeckt war und musste nun wohl an diese Tollkühnheit glauben, die

freilich sehr übel hätte ausgehen können, wenn die Herde statt in der

andern Richtung gegen uns losgestürzt wäre. Den blutbedeckten Speer

kaufte ich Adubungomoi zur Erinnerung an diese Jagd ab.

Am nächsten Morgen wurde uns wieder eine grössere Herde Elefanten

gemeldet, der wir aber gar nicht nachbirschten, da die Eingeborenen,

die sie gesehen hatten, selbst meinten, es seien Weibchen und Junge.

Wir gingen zunächst bis +Kiriloo+, setzten aber den Marsch dann erst

abends, als es kühler geworden war, fort und erreichten gegen elf

Uhr nachts +Shindiroo+. Am Nachmittage hatte Photograph Schwarzer

besonderes Jagdglück. Von fünf Hartebeesten, die in einer Gruppe

beisammen standen, erlegte er mit drei rasch nacheinander abgegebenen

Schüssen drei Stück und brachte ausserdem auch noch eine kurz darauf

aufspringende Gazelle zur Strecke, so dass wir nach längerer Zeit auf

unserm Abendtisch wieder einen frischen, allerdings denkbar schlechtest

zubereiteten Lungenbraten vorgesetzt erhielten.

[Illustration: _Beratung mit dem Häuptling_]

[Illustration: _Regierungshaus in Gondokoro_

_Tafel 62_

]

Dozent Dr. Stigler, der hier ebenso wie im früheren Lager Beobachtungen

an Eidechsen bezüglich eines etwaigen Zusammenhanges ihres

Farbenwechsels mit dem Pariatalauge (Stirnauge) machte, hatte sich

hierbei eine recht böse Augenkrankheit zugezogen. Beim Belichten des

Pariatalauges mit einem Brennglas holte er sich infolge des Reflexes

durch das intensive Sonnenlicht eine Verletzung der Netzhaut, so dass

er an fortwährendem Flimmern litt und am linken Auge ausserdem eine

bedeutende Schwächung der Sehkraft fühlte, welche Netzhautblendung

in den folgenden Tagen leider noch schlechter wurde. Auch Photograph

Schwarzer war nicht wohl, und es stellte sich bei ihm, immer noch als

Folge der Krotonölvergiftung, grosse Schwäche und Brechreiz, begleitet

von vollständiger Appetitlosigkeit, ein. Präparator Storch, der seit

Naqua kränkelte und in Nimule einen sehr schweren Malariaanfall hatte,

war die letzten zwei Tage zwar etwas besser; abends fühlte er sich

aber immer sehr schwach und hatte Fieber. Meine grösste Sorge galt

Dr. Stigler, der natürlich in sehr gedrückter Stimmung war und sogar

von der Möglichkeit einer Erblindung sprach. Ich verzichtete daher,

trotzdem gerade diese Gegend ein Eldorado für Elefantenjäger ist, auf

jede weitere Jagd und trachtete, sobald als möglich nach Gondokoro

oder Rejaf zu kommen, wo vielleicht ein englischer Arzt zu finden war,

der Dr. Stigler augenspiegeln konnte. Gleichzeitig schickte ich einen

Renner nach Rejaf mit einem Brief an den dortigen Distriktsbeamten

voraus, in dem ich bat, dass uns ein Arzt eventuell entgegenkommen möge

(Tafel 61).

Mittags bekam ich den Besuch eines Engländers, Namens Grogan, eines

Sportsmannes, der in diese Gegend hauptsächlich der Elefanten wegen

gekommen war. Er erzählte mir, dass er vor kurzem zwei Tagereisen

östlich von unserm Lager auf eine Elefantenherde gestoßen war, die nach

seiner Schätzung nicht weniger als 500 bis 600 Stück zählte.

Bereits mittags war unsere Karawane marschbereit, es fehlte aber an

Trägern, um Dr. Stigler in der Hängematte zu transportieren. Der

Häuptling von Shindiroo, Lodju, hatte zwar versprochen, uns die

noch fehlenden Träger zu beschaffen, erklärte aber, als ich Abeidi

später zu ihm schickte, dass niemand von seinen Leuten diesen Dienst

leisten wolle. So blieb uns nichts anderes übrig, als uns selbst zu

helfen. Wir schickten drei Askari in die nächste Niederlassung, wo sie

einige Eingeborene einfingen und zwangen, uns bis zum nächsten Kamp

Trägerdienste zu leisten.

Erst spät nachmittags marschierten wir ab und lagerten die Nacht in

der Nähe eines grossen, ausgetrockneten Flussbettes. Am folgenden Tage

kamen wir bis +Kittriver+, dem Sitz eines mächtigen Sultans, der uns in

Begleitung seiner Minister, zweier Hornisten und vieler Untertanen in

einem violetten Sammtanzuge mit Goldverschnürung begrüsste und uns in

ein schönes Rasthaus geleitete. Dort erhielten wir alsbald aus Rejaf

die Nachricht, dass nachmittags ein Arzt eintreffe. Ausserdem wurde Dr.

Stigler von Major Castlesmith eingeladen, bis zum Abgang des nächsten

Dampfers nach Khartum bei ihm in Rejaf als Gast zu bleiben. Zu allem

Ueberflusse hatte Schwarzer heftiges Fieber und Brechanfälle bekommen,

er war malariakrank geworden, und Storch hatte sich nach dem Eintreffen

im Lager, wie gewöhnlich, sofort auf das Bett geworfen, so dass ich

wieder der einzige Europäer blieb, der gesund war. Nachmittags kam der

Arzt aus Rejaf, ein Syrier, und übernahm den Transport Dr. Stiglers,

während ich für Schwarzer, den wir mit uns nahmen, aus Stricken und

einer Zeltbodendecke eine zweite Hängematte machen liess. Indessen

war auch Mr. Grogan mit seinen Trägern angekommen, der ebenfalls nach

Gondokoro zu marschieren beabsichtigte.

Quer durch Uganda · 第 13 / 16 段