In diesem Augenblick wußte ich schon längst, daß mir keine andere Wahl
bliebe, als schnurgerade nach Hause zu fahren.
„Schade“, sagte er.
„Sehr schade, sehr traurig“, sagte ich und ging gemessenen Schrittes an
seiner Seite auf und nieder.
Auch nach Norden ging ein Zug in einer guten Viertelstunde. Recht so.
Ich löste alsbald eine Karte. Er schien betreten über eine so
kategorische Hast. Aber Leute, die das Schafott besteigen müssen, haben
es eilig.
So nahm ich Abschied, stieg ein und winkte lächelnd aus dem Fenster, als
ich schon fuhr. –
Ein Bäumchen, vorfrüh ganz in Blüten gehüllt, sogar von Hitze schon
umwoben, von Bienen und von Faltern schon umschwärmt, das schon Vögel
aussandte und in seinem Geäste nisten sah, und das im Mondlicht vor
Entzücken schauerte und plötzlich unter einem niedrigen und schwarzen
Himmel von einem harten Schneegestöber gefaßt wie erblindet steht, mit
knackenden Ästen, sein herrliches Kleid vernichtet und zerfetzt – der
Anblick eines solchen Bäumchens wird mich zeitlebens an den Bahnhof von
Florenz und jenen Tag zurückversetzen, an dem ich dem sommerlichen Herrn
entgegenging, die Tüte schwenkend mit dem neuen Hut, in dem ich ihn und
alle, die mich darin sehen würden, zu betören gedachte. Er, dieser Hut,
im Übermut gekauft, war schuld. Meine Fahrkarte reichte nur bis Bozen.
Dorthin kam telegraphisch das Geld, das meine Heimreise ermöglichte. Es
schwebte mir das Postamt vor, von dem es aufgegeben wurde. Leute mit
frostentflammten Nasen gingen aus und ein. Es war in der Tat die kalte
Fahrt, die mir die Hexe versprochen hatte. München lag wie vereist.
Dies war meine erste Abfahrt von Florenz.