Es fehlten nur noch vier Tage. Mein Koffer stand inmitten des Zimmers
aufgeschlagen; im Tanzschritt hatte ich schon ein paar Sachen
hineingelegt, da sank mir noch einmal der Mut. An einem fast schwülen
Tag riß mir auf dem Heimweg ein plötzlicher Sturmwind den dünnen Umhang
immer wieder in die Höhe, während ein eisiger Regen die Schultern
durchnäßte. Es half nichts mehr, daß ich nachträglich eine gesteppte
Seidenjacke überzog und ganz vermummt zum abendlichen Spiele schritt.
Der Frost wollte nicht mehr weichen. Die Noten dagegen schienen alle aus
ihrer Bahn geschleudert, erst nur gefallenen Maschen gleich, und die
sich selber wieder fingen, dann aber sich auflösten zu einem verwirrten
Heere, das hinauf und hinab nach allen Seiten stob, die kleinen, die
schwachen und kurzen von den mächtigen tief unter die Linien
hinabgestoßen. Wer gab den verrannten Scharen die Ordnung, die Besinnung
wieder, die aufgewirbelt, mit gesenkten Köpfen losfuhren gegeneinander
und begeistert fielen. Hilf Gott. O der Not, o des Getümmels! Wüste
Bilder, Gesichte des Fiebers hatten im Nu unerträgliche Hitze erzeugt,
und ich warf Schal und Jacke von mir. Doch die Hexe hatte keinen
Unterschied in meinem Spiele wahrgenommen, sondern mit demselben
bemerkenswerten Stirnrunzeln zugehört wie alle Tage. Was legte sich
indessen wie eisige Tücher um Nacken und Hals, daß die Zähne
zusammenschlugen? Und wer, o wer hatte die Flammen im Kamin verräterisch
umnebelt, daß sie so trübe tanzten, kalt auch sie? Zuckte es da nicht
wie von Schlangenzungen in den Augen der Hexe auf, als sie, ohne ein
Wort zu sagen, endlich die Zeichen meiner Erkrankung las, die ihr doch
nicht genehm sein konnte ... und ich war nicht gewillt, so hart vorm
Ziele dem Becher der Freuden zu entsagen. Wie mit Krallen, alle Energie
der Jugend im Aufgebot, focht ich gegen die Erkältung an und trat sie
nieder. Als Cara nach einer schier endlosen Nacht endlich, endlich bei
mir eintrat, schlürfte ich den Tee, den sie mir brachte, wie ein
Elixier, und als wiederum der Abend kam, schlug ich den Flügel auf, als
fehlte mir nichts. Die Hexe konnte nicht umhin, sich gnädig zu zeigen.
In Wahrheit begegneten sich jetzt unsere Wünsche: der meine, sie zu
verlassen, der ihrige, mich los zu sein. Bedeutete sie mir doch seit
kurzem immerzu den deutschen Weihnachtsbaum, unter dem ich nun in Bälde
stehen würde, und was für eine hübsche Sitte er sei. So lag ich jetzt
tagsüber in meinem Zimmer zusammengerollt, Cara braute mir ungehindert
allerlei bittere Getränke und trug mir dann die entzauberten Speisen
auf, in welchen ich statt zerfaserten Schilfes Bohnen oder Spaghetti
erkannte.