Es dämmerte der Morgen meiner Abreise: hochgehißt, wie eine entrollte
Fahne, war er da. Zum letzten Male saß ich in dem zugigen Speisesaal zur
ebenen Erde und spürte seine kalten Ziegel unter meinen Füßen. Der Regen
schlug gegen die Scheiben; böse fuhr der Wind sie an. Aber trotz des
schonungslosen Mittagslichtes faßte ich heute die Hexe und ihre
Drachenschulter voll ins Auge. Sie glaubte noch immer, in einigen
Stunden würde mir der Apennin im Rücken liegen.
Es gab zu diesem Essen eine unvergleichliche Pastete. War sie wirklich
so vortrefflich, oder würzte sie zur Götterspeise das Gefühl des Sieges
und der überwundenen Krankheit? Zwei Riesenstücke hatte ich schon davon
gegessen und fuhr trotzdem fort, ihr Blicke zuzuwerfen. Auf einer Seite
hielt sich noch eine Kruste aufrecht. Etwas wie eine halbe
Entschuldigung, ein verlegenes Lächeln, und ich streckte sie hin. Denn
die Fenster sahen auf den Hof, und dort stand ja schon das Wägelchen
gerüstet, und meine Koffer lud man jetzt schon auf. Es folgten nur noch
die paar Augenblicke in dem verhängten Salon, wo die Schatten alle Dinge
schonten und man den Himmel weinen hörte über dieses Haus. Meinem stets
vorgreifenden Gemüte war es schon abgerückt, derweil ich mich noch darin
befand; schon war sie mir vergangen, diese ganze Zeit, mit der ich erst
im Begriff stand abzuschließen. Weggeblasen die lächerlichen
Klavierabende; alles vergessen, da es überwunden war!
Zum ersten Male seit meiner Ankunft schwang ich mich wieder auf den
hohen Sitz, von dem aus die Hexe ihr schemenhaftes Roß kutschierte.
Entzückt von den Schönheiten des Weges, seinem Flüßchen, seinem
Immergrün, hoben sich meine Arme zum Gruß der Rosen, die so spät von
einem ewigen Sommer träumten im Schutz des trügerischen Laubs.
In San Gervasio stieg ich aus.
„Ich hoffe,“ sagte die Hexe, – denn nichts hätte gesitteter sein können,
als unser Auseinandergehen – „ich hoffe, Sie besuchen mich, falls Ihr
Weg Sie wieder in die Gegend führt.“
„Ich werde gewiß nicht verfehlen.“
„Sie sind noch erkältet. Nehmen Sie sich in acht. Sie werden eine kalte
Reise haben.“
Ich lachte. Mochte das verderbliche Weib sich wundern über mein leichtes
Herz. Später, irgendwann, sollte es von meiner Übersiedelung nach
Fiesole erfahren, als hätte es sich auf Grund einer Begegnung ganz
improvisiert und zufällig ergeben. Denn so war es ausgemacht. Und alles
fügte sich gut. Ihr Gefährt war außer Sicht, bevor ich den Zug bestieg,
der statt nach Florenz den Hügel von Fiesole hinauffuhr.