Achtes Kapitel

Es dämmerte der Morgen meiner Abreise: hochgehißt, wie eine entrollte

Fahne, war er da. Zum letzten Male saß ich in dem zugigen Speisesaal zur

ebenen Erde und spürte seine kalten Ziegel unter meinen Füßen. Der Regen

schlug gegen die Scheiben; böse fuhr der Wind sie an. Aber trotz des

schonungslosen Mittagslichtes faßte ich heute die Hexe und ihre

Drachenschulter voll ins Auge. Sie glaubte noch immer, in einigen

Stunden würde mir der Apennin im Rücken liegen.

Es gab zu diesem Essen eine unvergleichliche Pastete. War sie wirklich

so vortrefflich, oder würzte sie zur Götterspeise das Gefühl des Sieges

und der überwundenen Krankheit? Zwei Riesenstücke hatte ich schon davon

gegessen und fuhr trotzdem fort, ihr Blicke zuzuwerfen. Auf einer Seite

hielt sich noch eine Kruste aufrecht. Etwas wie eine halbe

Entschuldigung, ein verlegenes Lächeln, und ich streckte sie hin. Denn

die Fenster sahen auf den Hof, und dort stand ja schon das Wägelchen

gerüstet, und meine Koffer lud man jetzt schon auf. Es folgten nur noch

die paar Augenblicke in dem verhängten Salon, wo die Schatten alle Dinge

schonten und man den Himmel weinen hörte über dieses Haus. Meinem stets

vorgreifenden Gemüte war es schon abgerückt, derweil ich mich noch darin

befand; schon war sie mir vergangen, diese ganze Zeit, mit der ich erst

im Begriff stand abzuschließen. Weggeblasen die lächerlichen

Klavierabende; alles vergessen, da es überwunden war!

Zum ersten Male seit meiner Ankunft schwang ich mich wieder auf den

hohen Sitz, von dem aus die Hexe ihr schemenhaftes Roß kutschierte.

Entzückt von den Schönheiten des Weges, seinem Flüßchen, seinem

Immergrün, hoben sich meine Arme zum Gruß der Rosen, die so spät von

einem ewigen Sommer träumten im Schutz des trügerischen Laubs.

In San Gervasio stieg ich aus.

„Ich hoffe,“ sagte die Hexe, – denn nichts hätte gesitteter sein können,

als unser Auseinandergehen – „ich hoffe, Sie besuchen mich, falls Ihr

Weg Sie wieder in die Gegend führt.“

„Ich werde gewiß nicht verfehlen.“

„Sie sind noch erkältet. Nehmen Sie sich in acht. Sie werden eine kalte

Reise haben.“

Ich lachte. Mochte das verderbliche Weib sich wundern über mein leichtes

Herz. Später, irgendwann, sollte es von meiner Übersiedelung nach

Fiesole erfahren, als hätte es sich auf Grund einer Begegnung ganz

improvisiert und zufällig ergeben. Denn so war es ausgemacht. Und alles

fügte sich gut. Ihr Gefährt war außer Sicht, bevor ich den Zug bestieg,

der statt nach Florenz den Hügel von Fiesole hinauffuhr.

Spitzbögen · 第 11 / 22 题