Eine Stunde später saß ich in der geschützten Loggia einer Villa, die am
höchsten Plateau von Fiesole hinter Pinien und Tannen ungesehen die
Gegend übersah. Die schöne Mary, ihr Bruder, sommerlich gekleidet, und
ein junges Ehepaar umringten mich und hörten mir zu.
Denn ich erzählte. Und ein Vogel, der Haft entronnen, schmettert auf
seinem Ast nicht unentwegter darauf los. Und glaubt man, daß er fertig
sei, so setzt er schon wieder ein und ist in Zug geraten. Mary
Coroughdeen saß den Kopf zurückgeworfen und lachte. Keine Linie an ihr,
die nicht der Regelmäßigkeit spottete, so triumphierend aber, daß meine
Nöte mir verächtlich erschienen. Ich äffte jetzt das Pferd, wie es
geängstet aus dem Hofe ausriß, und mich selbst, wie ich dem Wagen folgte
und seine Spuren beging, und das Pferd, wie es scheute, wenn es ihrer
ansichtig wurde. Es ging mir wie ihm. „Ich kann sie nicht sehen!“ rief
ich aus. „Auch sehe ich sie nicht.“
„Wie bringen Sie das fertig!“ fragte der sommerliche Herr, „da Sie doch
Ihre Tage bei ihr verbringen.“
„Daß Gott verhüte! da bin ich doch in Florenz! möglichst früh und komme
erst abends zurück.“
„Allein?“
„Aber ja! Wer sollte mit mir kommen den weiten Weg? und er ist ja so
sicher.“
„Wer hat Ihnen das gesagt?“
Mary Coroughdeen hatte sich hoch aufgerichtet, und alle starrten mich
an.