In Vertretung des Bischofs hatten Hellmuth und Fulko alle
erforderlichen Maßregeln getroffen.
Die Toten vor dem Südthor wurden bestattet, die Spuren und Schäden
des Kampfes nach Möglichkeit getilgt. Hellmuth ritt als Herold,
einen Drommetenbläser voran, durch die Straßen, verkündete den in
der Stadt Verbliebenen, zu welchen doch nur wirre, abgerissene Kunde
der Ereignisse dieser Nacht gelangt war, feierlich das Geschehene
und forderte alle Burgensen auf, mit Weibern, Kindern, Knechten und
Mägden in den Dom und in die übrigen Kirchen und Kapellen der Stadt
zusammenzuströmen, wo überall Dankgottesdienst gehalten werden sollte.
Sie sollten beten für die Erhaltung ihres tapfern Bischofs, der, ein
echter Hirte, sein Blut gelassen in Verteidigung seiner Herde, -- und
den nur ein Wunder Gottes noch vom Tode retten könne.
Es war allbekannt, die kurzen Wurfmesser der Wenden waren vergiftet.
Und als der Wunde schon während er, von Blut überströmt, auf einem
breiten und langen Standschilde von sechs seiner Reisigen behutsam in
die Stadt zurückgetragen wurde, das Bewußtsein verlor, da gaben seine
Getreuen ihn verloren. Und man wagte doch nicht die tödliche Klinge
aus der Wunde zu ziehen: man fürchtete, alsdann werde der Bischof, der
schon sehr viel Blut verloren, sich rettungslos verbluten. Man hatte
das Lager des bleichen Mannes in dem geräumigsten luftigsten Gelasse
des Dombaues, der Bücherei, aufgeschlagen: man wußte, sie war -- nach
dem Waffensaal, aus dessen Vorräten die Bürger waren ausgerüstet
worden -- der Lieblingsaufenthalt Herrn Heinrichs gewesen. Wie viele
Nachtstunden hatte er hier durchwacht, den schweigenden Gang der Sterne
verfolgend, ein stiller, einsamer Mann, »wachend und betend« und doch
gar oft »in Anfechtung fallend«!
Der Wunde fand die volle Besinnung nicht wieder: auch nicht, als er
sanft von dem Schild herab auf ein Pfühl in der Bücherei gelegt wurde;
wohl war es ihm einmal, gleich beim Eintritt in die Stadt -- noch
unter dem Thorbogen -- gewesen, als beuge sich ein bleiches, schönes
Frauenantlitz auf ihn herab, als fühle er eine leise Berührung ihres
Mundes: -- dann hatte er eine große, große Erleichterung des Atmens
verspürt -- aber er sagte sich gleich selbst, das sei ein Gebilde
seiner Träume, des Wundfiebers.