Lange, lange Zeit lag er so. --

In dem Bischofshause sammelten sich, nachdem die weltliche Arbeit des

Tages erledigt und der schuldige Dank dem Himmelsherrn dargebracht

war, die nächsten Zugehörigen des wunden Mannes. Es waltete nicht nur

in der Bücherei, auch in den andern Räumen des Hauses jene bange,

atemverhaltende Stille, welche die Sorge um das Leben eines geliebten

Kranken verbreitet; wer einmal ihren beengenden Druck lasten gefühlt

auf der Seele, vergißt sein nie mehr.

* * * * *

In einem Vorsaale der Bücherei saßen Hand in Hand die beiden

Liebespaare: sie sprachen in bangem, leisem Flüsterton.

»Wie traurig!« klagte Fulko. »Wir andern alle dürfen uns der

geschenkten Welt erfreuen. Ist es doch, als habe Gott der Herr die Erde

zum zweitenmal für uns geschaffen! und nur Er -- der Beste von uns

allen! -- soll sich nicht mit uns des gesicherten Daseins erlaben.«

»Ja, aber, Liebster,« koste Minnegard, verschämt das Köpflein an

seiner Schulter versteckend. »Nun steht die Welt immer noch! Und die

Welt und alle Leute werden schelten: -- -- -- es ist schreckbar, +wie+

sie alle schelten werden! Und wenn sie erst +alles+ wüßten, wie der

liebe Gott es weiß, dann würden sie gar nie mehr aufhören!«

Fest sah Edel dem Geliebten in die Augen: »Ich sage der Welt und dem

Herrn Bischof, bevor er stirbt, alles. Und fürchte mich nicht.« Er

drückte schweigend ihre Hand.

»Ja, das ist keine Kunst, streng Schwesterlein,« lächelte die Braune.

»Erstens hat der Herr Bischof dich nie zur Nonne bestimmt: -- was

will er Besseres für dich als einen Eheherrn wie dieser junge Ritter

Georg? Und zweitens« -- sie stockte, sie errötete, und schmiegte das

Haupt wieder an die Brust des Geliebten. »Nun, was, mein Liebling?« --

»Kann's nicht sagen.« -- »Nur mir ins Ohr -- ins Herz vielmehr.« --

»Die andre hat wohl nicht soviel zu gestehen: -- oder doch im stillen

zu bereuen: nein,« brach sie leidenschaftlich aus, »nicht soviel zu

bereuen, nein, selig zu bejubeln!« Und sie küßte ihn heiß auf den Mund

und umschlang seinen Nacken mit beiden Armen.

Weltuntergang: Geschichtliche Erzählung aus dem Jahre 1000 nach Christus · 第 67 / 70 题