Denn auf dem rechten Flügel der Wenden -- östlich der Straße -- in
den Weingärten und von den Waldhöhen herab ertönte auf einmal wildes,
wüstes, verworrenes Geschrei.
Freund und Feind stutzte, hielt ein im Kämpfen, wandte dorthin Augen
und Ohren. Und schon stürzten die wendischen Pfeilschützen und
Fußknechte, aufgelöst, in wilder Flucht, die Höhen herab, auf die
Straße, in die rechte Seite der Ihrigen hinein, brachten diese in volle
Verwirrung und warfen sie mit solcher Wucht auf die Mitte und diese auf
die westlichen Nebenmänner, daß diese über die steile Straßenböschung
hinunter in die Wiesen stürzten.
»Steht, beim Zrnbog! steht! meine Brüderlein,« schrie den flüchtigen
Pfeilschützen eine schrille Stimme zu. Und ein Führer, auf schwarzem
Roß, in ganz schwarzer Gewandung und Rüstung, warf sich ihnen
entgegen, den Nächsten über den Haufen reitend, den zweiten an der
Schulter packend und mit eisernem Griffe festhaltend, daß er wohl
stehen mußte. »Steht doch! Es ist ja schon alles gewonnen!« »Ja,
steht, ihr Memmen!« schrie Berengar herzureitend. »Habt ihr den Teufel
gesehen, daß ihr so lauft?« »Wie? du bist's, Kratochwyl?« rief der
auf dem Rappen. »Bist doch wahrlich kein Feigling! Hab' dir ja den
ganzen rechten Flügel anvertraut! Wer jagt euch denn so?« »Der Teufel,«
keuchte der Wende atemlos. »Wirklich der Christenteufel -- wie der
Christenpfaff gesagt hat. Wir hatten die Bürger vor uns zurückgeworfen
-- schon zweimal! -- hatten fast schon den Kamm der Höhe erstiegen, --
da plötzlich brach aus dem dichtesten finstersten Buschwald in unsere
rechte Flanke -- hoch von oben herab -- ein rasender Riese -- nicht gar
viele hinter ihm! -- Aber ein Riese! In Wolfsfellen! Das muß der Teufel
selber sein! Unverwundbar! Die Pfeile prallten von seiner Wolfsschur
ab. Er sprang mitten unter uns: ›Hilf, Woden! Woden hilf!‹ schrie er
unablässig und bei jedem Schrei schlug er mit einem fürchterlichen
Balken, den er mit beiden Händen schwang, einen, auch zwei von uns zu
Boden. Da zog ich mein Wurfmesser -- du weißt, ich fehle nicht -- und
warf's ihm seitwärts in den Kopf. Es traf: es blieb stecken. Aber er
fiel nicht! Vorwärts sprang er gegen mich und -- ich sterbe. Flieh,
Zwentibold! Es ist der Teufel!« Und er fiel um und war tot.
Zwentibolds geübtes Auge ersah, daß er die Flucht seines zersprengten
rechten Flügels nicht hemmen konnte. Rasch entschlossen befahl er
seinem Mitteltreffen, vorzurücken und die Fliehenden hinter sich
vorüber fluten zu lassen, wohin sie wollten.
Er warf einen Blick nach vorn, überzählte die geringe Schar der
deutschen Reiter, fand, daß von den Seinen immer noch genug in Ordnung
standen, sofort vorgeführt zu werden, und befahl mit gellendem Hornruf
den Vorstoß. Jetzt erst zog auch er den krummen Säbel. »Nun hat's
Sinn, daß auch der Feldherr ficht,« rief er Berengar zu. »Drauf, meine
Brüderlein! Wir sind immer noch fünf gegen einen. Werft den Bischof
dort und seine paar Reiter und euer ist die reiche Stadt. Plündert sie
und brennt sie nieder!«
Ein gellendes Geheul -- wie von Rudeln hungriger Wölfe -- ward ihm
zur Antwort. Vorwärts sprengten und rannten die Wenden und da die
Deutschen, die neue Wendung erkennend, im selben Augenblick anritten,
prallten beide Scharen sofort zusammen. Gewaltig war der Stoß. Gab den
Deutschen die Wucht der Hengste und der Waffen großen Vorteil, -- voll
aufgewogen ward er durch die starke Übermacht der Wenden. Ein wildes,
heißes Ringen auf der Straße: -- nach Osten, die Hügel aufwärts, gab
es kein Ausweichen für die Gäule -- so drängte alles von der Mitte
nach Westen gegen den Fluß hin: da stürzten die Rosse und die Reiter
und die Fußknechte der Wenden, oft, wie Käfer, aneinander zu Klumpen
geballt, in dichten Massen hinunter auf die Wiese. Zwentibold merkte,
daß dort die Seinen schwere Verluste litten; er bahnte sich den Weg
hierher; Berengar war dicht hinter ihm. Beide ersahen an der Spitze
der Deutschen hier einen Gewaltigen auf weißem Roß, der mit sausenden
Streichen seines langen Schlachtschwerts hoch von oben herab die
Fußknechte wie Mohnköpfe niedermähte. »Der Bischof!« riefen beide wie
aus einem Munde. Und alsogleich fielen sie beide ihn an.
»Schaut links, Herr Heinrich!« schrie Hellmuth und fing mit dem Schild
einen sehr starken Säbelhieb Zwentibolds, während Fulko mit dem
Schwert einen Speerstoß Berengars zur Seite schlug, daß der Schaft
zersprang. Aber da stürzte, von dem Lanzenstoß eines Fußknechts
getroffen, Fulkos Rappe und begrub den Reiter unter sich. Sofort riß
Berengar das Schwert aus der Scheide und hieb auf Herrn Heinrich ein.
Aber der -- nun gewarnt -- schwang ausholend mit aller Kraft -- denn
er war jetzt sehr zornig! -- die Klinge hoch in die Luft und hieb ihm
den Schwertarm samt Hand und funkelndem Schwert hart an der Schulter,
gerade wo er aus der Brünne trat, so säuberlich ab, als wär' er
niemals dort angewachsen gewesen. Aufbrüllend vor Schmerz schlug der
Verstümmelte rücklings aus dem Sattel.
Allein nun warf sich Zwentibold auf den Bischof.
Seines bisherigen Gegners Hellmuth, mit dem er blitzschnelle
funkensprühende Hiebe getauscht, hatte er sich soeben entledigt, indem
er des Gegners Roß durch einen tückischen Hieb über die Vorderbeine zu
Fall gebracht. »Hierher, Brüderlein! Alle zu Hauf! Auf den Bischof! Auf
den Schimmel!« schrie er.