Das kühne Vorgehen des streitbaren Bischofs sollte sich aber doch gar
bald als allzukühn erweisen.
Zwar die Dienstmannen und Reisigen waren rasch zur Stelle und folgten
sofort eifrig ihrem heißgeliebten Führer: Blandinus, dem der Befehl
in der inneren Stadt übertragen war, hatte sie rasch gesammelt: aber
Hellmuth und Fulko konnten nicht zur Stelle sein: ihnen hatte ja Herr
Heinrich die gefährlichste Wacht: die in den beiden entlegensten
Blockhäusern des Pfahlhags flußabwärts und flußaufwärts anvertraut.
Und das Häuflein, an dessen Spitze jetzt der Bischof durch das Südthor
und die Sandvorstadt sprengte, war doch nur recht klein: zwanzig Rosse
und vierzig Fußknechte: mehr waren es nicht.
Die Bürger aber zeigten zwar guten Willen, waren auch nicht übel
gerüstet und in den Waffen geübt. Allein es währte recht lange, bis sie
diesmal in genügender Stärke beisammen waren und ihrem Bischof hinaus
nacheilen konnten, der sofort mit seinen Dienstmannen allein dem Feinde
entgegengesprengt war.
Unbewaffnet waren die Burgensen alle -- den Canones und dem
Landfriedensrecht gemäß -- in den Dom und in die übrigen Gotteshäuser
gekommen: nun mußten sie erst in ihre oft weit entlegenen Höfe
zurück, sich mit Schutz- und Trutzwaffen zu versehen, meist unter dem
Widerstreben, den Bitten und Thränen ihrer Weiber und Kinder, die sie
im Angesicht des nahenden Gerichts nicht von ihrer Seite, nicht aus
dem Hause, am wenigsten vor das Thor hinaus zum Gefecht ziehen lassen
wollten.
So sammelten sie sich heute nicht, wie herkömmlich war, an den
vorherbestimmten »Schar-Orten«, sondern einzeln, paarweise oder in
ganz kleinen Häuflein, wie sie sich auf dem Wege zu der Sandvorstadt
zufällig gefunden, trafen sie vor dem Südthor weit, weit hinter dem
Bischof auf der Heerstraße oder auf der Allmännde ein, die nun gar bald
zum Schlachtfeld werden sollten.
Bevor wir aber dieses betreten, müssen wir nachholen, was auf demselben
unmittelbar vorher sich begeben hatte.