»O Herr Heinrich,« begann sie liebreich-sanft und beinah heiter in
allem Weh. »Nein, Ihr seid wahrlich nie ein eitler Mann gewesen, der
sich die Gunst der Frauen eingebildet hätte. Ihr sahet sie ja nicht an
vielen von uns, als sie mit Händen zu greifen war. Und nun vollends
+Sie+! Ihr allein merktet nicht, was der ganze Hof wußte.« -- »Aber was
denn? Was?« -- »Die Kaiserwitwe Theophano -- die wunderschöne Griechin
-- verwitwet im sechsundzwanzigsten Jahre -- die herrliche, glühende
Frau -- sie hat Euch geliebt aus aller Macht ihres Wesens.«
»Die Kaiserin? Unmöglich!«
»Und die schöne, stolze, heiße Frau in ihren blauschwarzen
diademgleichen Flechten,« fuhr sie ruhig fort, »sie entdeckte, der
Graf von Rothenburg, der von so vielen geliebte Held, zeichne vor
allen Frauen und Jungfrauen des Hofes aus das schlichte blonde, arme
Edelfräulein von der Heide, aus dem Lande der Westfalen. Sie konnt' es
nicht begreifen. Sie hatte recht: denn ich begriff auch nicht, warum?
Und deshalb -- so dachte sie wohl -- achtet er gar der Frau Kaiserin
nicht und sieht nicht ihre brennende Liebe. Sie war meine Wohlthäterin,
die Erzieherin meiner verwaisten Jugend. Sie ließ mich kommen, sie
öffnete mir ihr Herz. ›Du mußt ihm aus den Augen,‹ sprach sie, ›blondes
Kind. Du mußt ihm unerreichbar werden. Dann -- ist er mein. Du wirst
nicht so selbstisch sein, ihm den Weg an meiner Seite -- den sichern
Weg zu höchstem Erdenglanz und Ruhm -- zu versperren. Aber auch +du+
sollst nicht leiden. Behüte! Graf Gerwalt liebt dich, ich weiß es.
Er ist ein schöner wackrer Mann, ein Held wie jener. Du wirst sein
glücklich Weib. Heinrich aber -- er wird wozu ihn Gott vorausbestimmt
hat durch hohe Gaben --: Regent des deutschen und italischen Reiches
und mein Gemahl.‹ Sie befahl. Ich gehorchte. Durft' ich, -- ich armes
Ding! -- dem Aufflug des Adlers zur Sonne im Wege sein?« »Um Gottes
willen!« schrie der Gequälte auf. »Geopfert um meinetwillen?« Und er
warf sich leidenschaftlich vor ihr nieder auf die Kniee.
Sofort sprang sie auf.
Weit trat sie weg von ihm zur Thüre.
»Steht auf, Herr Bischof! Sofort: oder ich verlass' Euch.«