XII.

Aber diesmal erweichte sie ihn nicht, die rührende Stimme, den grimmen,

seit langen Jahren verhärteten Groll des Mannes. Einen Augenblick

noch blieb er vor ihr stehen mit festverschlungenen Händen: dann

wandte er sich jäh von ihr ab und stürmte in raschen Schritten -- in

abgebrochenen Sätzen redend -- den Saal auf und nieder. »Kann es anders

sein? -- Bedenkt doch! -- Ihr habt es wohl all vergessen -- in diesen

langen Jahren -- an der Seite des schönen Gemahls? Ich nicht! Ich war

nicht -- abgezogen durch neues Liebesglück! -- Merkt auf, ob ich's noch

weiß. Und straft mich Lügen -- gleich! -- thu' ich Euch unrecht -- nur

mit Einem Wort. -- --

Jahrelang kannten wir uns -- am Hofe der Regentin ... Ihr stets in der

hohen Frau Geleit: -- auch ich nur selten fern von ihr. Denn sie hielt

viel auf Euch. Und auch -- ein wenig -- auf mich. Seit ich zuerst Euer

Antlitz geschaut ... -- Genug! -- Ihr merktet es bald -- leugnet es

nicht! -- mußtet es merken! Und nach vielen Monden treuen Werbens --

durft' ich annehmen -- durft' ich wenigstens hoffen: ... Frau Gräfin:

sagt es offen, wenn es Einbildung eines eitlen jungen Thoren war.

Durfte ich nicht hoffen -- ich sei Euch nicht ganz ... o wie sag' ich

nur?«

Er stand jetzt wieder dicht vor ihr.

Da löste sie langsam die langen, schmalen Hände von dem Gesicht, wandte

ihm voll das blasse Antlitz zu, schlug die Augen groß auf und sprach

mit traurigem Blick: »Ja. Ihr durftet annehmen, ich liebe Euch. Denn

es war die Wahrheit. Und ich konnte -- Ja: mehr! Ich +wollte+ es auch

nicht -- weiter verbergen.«

»Hei! Das gesteht Ihr also zu? Und doch, und doch, Verräterin, verraten

und verlassen!«

»O Herr Heinrich ...!« -- »Nun, beim Zorne Gottes, der uns morgen

richtet! Ist das +nicht+ Verrat? Ihr liebtet mich, sagt Ihr? Seltsame

Liebe! Sechs Wochen aus den Augen -- für immer aus dem Sinn!« -- »Herr

Heinrich -- war das Heilfriedens Art?« -- »Nein! Freilich nicht! Gewiß

nicht! Ich hätte geeidet als Euer Eidhelfer und Euer Kämpfer -- allein!

-- gegen eine Welt von Speeren: -- ›Kein steter, kein verlässiger Herz

hat je in Weibesbrust geschlagen.‹ Daher ja die Verzweiflung! Es war

nicht nur der Schmerz um Euch: -- nicht nur Euch, den Glauben an die

ganze Menschheit hab' ich ja verloren. War mir doch bei der Kunde, als

fielen alle Sterne vom Himmel: +Dieses+ herrliche Geschöpf -- +dieses!+

-- verhehlt mir nicht mehr ihre Liebe. Das war zu Ostern. Ich ziehe

aus in der Regentin Dienst wider die Wenden. Ich wußte, kehrte ich

siegreich zurück an den Hof nach Regensburg, -- die Herzogswürde war

mir zugedacht. Als Herzog wollt' ich um die Hand Heilfriedens werben.

Zu Pfingsten bin ich, sieggekrönt, zurück und sie -- -- ist fort und

des Grafen Gerwalt Weib. O pfui! Wie grenzenlos abscheulich!« Und er

stürmte wieder durch den Saal.

Matt sprach sie, kaum vernehmbar: »Ja. Fort war sie. -- Und war des

Grafen Gerwalt Weib. -- Wißt Ihr auch, warum?« »Tod und Verderben!«

fuhr er auf. »Welcher Hohn! Weil sie jetzt -- war er doch auch jünger

und schöner! -- auf einmal den Grafen Gerwalt liebte!« Und er blieb

wieder hart vor ihr stehen und schoß flammende Blitze auf sie herab.

»Nein,« sagte sie ruhig und sah ihm voll und fest in die zornigen

Augen. »Weil Kaiserin Theophano befahl.«

Weltuntergang: Geschichtliche Erzählung aus dem Jahre 1000 nach Christus · 第 51 / 70 题