Aber diesmal erweichte sie ihn nicht, die rührende Stimme, den grimmen,
seit langen Jahren verhärteten Groll des Mannes. Einen Augenblick
noch blieb er vor ihr stehen mit festverschlungenen Händen: dann
wandte er sich jäh von ihr ab und stürmte in raschen Schritten -- in
abgebrochenen Sätzen redend -- den Saal auf und nieder. »Kann es anders
sein? -- Bedenkt doch! -- Ihr habt es wohl all vergessen -- in diesen
langen Jahren -- an der Seite des schönen Gemahls? Ich nicht! Ich war
nicht -- abgezogen durch neues Liebesglück! -- Merkt auf, ob ich's noch
weiß. Und straft mich Lügen -- gleich! -- thu' ich Euch unrecht -- nur
mit Einem Wort. -- --
Jahrelang kannten wir uns -- am Hofe der Regentin ... Ihr stets in der
hohen Frau Geleit: -- auch ich nur selten fern von ihr. Denn sie hielt
viel auf Euch. Und auch -- ein wenig -- auf mich. Seit ich zuerst Euer
Antlitz geschaut ... -- Genug! -- Ihr merktet es bald -- leugnet es
nicht! -- mußtet es merken! Und nach vielen Monden treuen Werbens --
durft' ich annehmen -- durft' ich wenigstens hoffen: ... Frau Gräfin:
sagt es offen, wenn es Einbildung eines eitlen jungen Thoren war.
Durfte ich nicht hoffen -- ich sei Euch nicht ganz ... o wie sag' ich
nur?«
Er stand jetzt wieder dicht vor ihr.
Da löste sie langsam die langen, schmalen Hände von dem Gesicht, wandte
ihm voll das blasse Antlitz zu, schlug die Augen groß auf und sprach
mit traurigem Blick: »Ja. Ihr durftet annehmen, ich liebe Euch. Denn
es war die Wahrheit. Und ich konnte -- Ja: mehr! Ich +wollte+ es auch
nicht -- weiter verbergen.«
»Hei! Das gesteht Ihr also zu? Und doch, und doch, Verräterin, verraten
und verlassen!«
»O Herr Heinrich ...!« -- »Nun, beim Zorne Gottes, der uns morgen
richtet! Ist das +nicht+ Verrat? Ihr liebtet mich, sagt Ihr? Seltsame
Liebe! Sechs Wochen aus den Augen -- für immer aus dem Sinn!« -- »Herr
Heinrich -- war das Heilfriedens Art?« -- »Nein! Freilich nicht! Gewiß
nicht! Ich hätte geeidet als Euer Eidhelfer und Euer Kämpfer -- allein!
-- gegen eine Welt von Speeren: -- ›Kein steter, kein verlässiger Herz
hat je in Weibesbrust geschlagen.‹ Daher ja die Verzweiflung! Es war
nicht nur der Schmerz um Euch: -- nicht nur Euch, den Glauben an die
ganze Menschheit hab' ich ja verloren. War mir doch bei der Kunde, als
fielen alle Sterne vom Himmel: +Dieses+ herrliche Geschöpf -- +dieses!+
-- verhehlt mir nicht mehr ihre Liebe. Das war zu Ostern. Ich ziehe
aus in der Regentin Dienst wider die Wenden. Ich wußte, kehrte ich
siegreich zurück an den Hof nach Regensburg, -- die Herzogswürde war
mir zugedacht. Als Herzog wollt' ich um die Hand Heilfriedens werben.
Zu Pfingsten bin ich, sieggekrönt, zurück und sie -- -- ist fort und
des Grafen Gerwalt Weib. O pfui! Wie grenzenlos abscheulich!« Und er
stürmte wieder durch den Saal.
Matt sprach sie, kaum vernehmbar: »Ja. Fort war sie. -- Und war des
Grafen Gerwalt Weib. -- Wißt Ihr auch, warum?« »Tod und Verderben!«
fuhr er auf. »Welcher Hohn! Weil sie jetzt -- war er doch auch jünger
und schöner! -- auf einmal den Grafen Gerwalt liebte!« Und er blieb
wieder hart vor ihr stehen und schoß flammende Blitze auf sie herab.
»Nein,« sagte sie ruhig und sah ihm voll und fest in die zornigen
Augen. »Weil Kaiserin Theophano befahl.«