VII.

Wie sie unter solchem Gespräch auf dem mittleren Sandweg gegen die

Thüre der Wohnhütte vorschritten, hüpfte ihnen etwas entgegen mit

wehendem Gezöpf, gefolgt von einem desgleichen hüpfenden Hündlein,

das gar lustig bellte und mit dem struppigen Schweif wedelte. »Kind,«

lächelte der Bischof, und strich über das wirre Haar der Kleinen,

während sie ihm ehrfürchtig die Hand küßte, »weißt du's wohl? ›Das

schlimme Kind‹ nennen sie dich -- alle.« -- »Aber sie haben mich doch

gern -- alle, hochheiliger Herr.« -- »Mir ist, du bist nicht schlimm.

-- Und ein Kind ist sie auch nicht mehr,« sprach er zu sich selber.

»Sollte vielleicht Junker Hellmuth ...? Doch nein! Den traf doch wohl

ein andrer Pfeil! -- Aber immerhin, laß sehen. Mein fröhlich Vögelein,«

begann er wieder zu ihr, »hab' dich lange nicht gesehen. Hast du

keinen Wunsch?« »Doch, lieber -- hochlieber -- nein -- hochheiliger

Herr Bischof. Doch!« sprach sie und senkte das blonde Köpflein.

»Urgroßmutter befahl mir, Euren stärksten Segen zu erbitten gegen ...

gegen meinen argen Mutwillen, wie sie's nennt.« »Herr Heinrich, spart

Müh' und Segen!« lachte der Kellerer, der Kleinen in die volle Wange

kneifend, »der den Mutwillen auszutreiben, -- dazu brauchte es stärkern

Exorcismus als sogar der gelehrte Herr Papst Sylvester kennt. Was

meinst du selber, Hexlein?« »Daß Ihr recht habt, kluger Herr Supfo,«

antwortete sie ganz betrübt und kleinlaut. »Seht, es ist ein Kreuz und

ein Elend mit mir. Mein Mutwille, wie sie's alle heißen -- der ist

gerade wie -- wie meines -- Gott! wo ist er denn jetzt schon wieder

hin? -- wie meines Schnufilos Fell vom Schnauzbart bis zum Zagel. Immer

und immer kämm' und bürst' ich ihn glatt und Schnuf verspricht auch,

er solle nun glatt bleiben: -- und er schüttelt sich und 's ist alles

beim alten und zottel-rauh-zottig, zum Fürchten! Heiliger Kilian,«

seufzte sie, »ich weiß nicht, was in mir steckt. Aber es läßt mich

nicht! Ich muß!« -- »Nun, +was+ mußt du denn, Kleine?« -- »Lachen

muß ich! In einem fort lachen! Vom Aufstehn an, wann der Knecht so

tölpisch daher tappt mit den Wassereimern bis zur Vesper, wann die

Zicklein so närrisch gesprungen kommen von der Weide. Möchte oft gern

ernsthaft sein, -- werde soviel gescholten! Aber es läßt mich nicht!

Seh immer an allen Sachen und Tieren und Menschen was zum Lachen!«

»So? Zum Beispiel auch an mir?« forschte der Bischof. »Ei freilich!«

lachte sie. So geschwind kam die Antwort aus den kirschroten Lippen,

daß Herr und Diener mitlachen mußten. »Was? Daß Ihr Euren Abendgang

mit dem Kugelmännlein da machen müßt, armer heiliger Herr, und stünd'

Euch so gut zu Arm und Antlitz, ein stattlich Ehgemahl. -- Aber o weh,

das -- ich seh's an Euren Augen! -- das ist mehr zum Weinen als zum

Lachen.« »Wein und Kinder sagen die Wahrheit,« seufzte der Kellerer.

-- »Also den Segen für mich ... Herr Süpfelin hat recht! -- er ist

doch wohl vergeudet -- den möcht' ich umtauschen statt für mich -- für

einen andern.« »So? Und für wen?« forschte der Bischof ernst. »Etwa für

Ritter Hellmuth, der soeben mit Euch sprach?« »Der?« lachte sie. »Mit

mir? Behüte! Kein Wort. Sieht mich gar nicht. Nur mit Ohm Rado raunt er

immer heimlich. -- Aber den Segen möchte ich haben für den, der mir --

nach den Gesippen -- aber +gleich+ nach ihnen! der Liebste ist auf der

ganzen Welt. Seht Ihr. Da kommt er. Dort links!«

Argwöhnisch, wenig erfreut drehte sich der Seelsorger um und spähte

scharf nach links. »Seht, meines Herzens Schnufilo! -- O gnadenreiche

Jungfrau, wie schaut er wieder aus! -- Voll Schmutz, und blutend am

Mündlein. -- Jetzt hat er schon wieder gerauft mit des Nachbars großem

Kater! Meint Ihr, Herr Bischof, er läßt es? Nein! O +den+ segnet mir.

Er hat soviele Verfolger und Unterdrücker unter den Bürgerschweinen

und Bürgerhunden und den Beißkatern. Er kommt oft heim, zerzaust und

zerrissen und blutend, wie die heiligen Märtyrer im Sankt Burchhard

drüben in der Kapelle auf dem scheußlichen, greulichen, heiligen Bild!

Ich bitt' Euch um Euern kräftigsten Hundesegen. Ist er doch mein

herzallerliebster Schatz!« schloß sie seufzend.

Herr Heinrich hatte die Stirn in Falten legen wollen, aber -- »es

ließ ihn nicht«: -- er mußte lächeln, wie er der hübschen Kleinen

heiligen Ernst und des wirrhaarigen Köters Liebesblick zu ihr empor

aus den ringsumzottelten Augen gewahrte. »Möge er noch lange dein

Herzallerliebster bleiben und du noch lange die schlimme Fullrun,«

sprach er freundlich und schritt fürbaß. Supfo verweilte noch bei der

Verdutztem: »einen Hundesegen, tolle runde Runel, holt man nicht beim

Herrn Bischof, sondern von ... einem andern Jäger. Frage nur Rado --

aber ja nicht die Urmutter!« »Behüte! Weiß schon!« lachte sie, »komm,

Schnufelschatz!« und sie sprang davon in hohen Sätzen, daß Zöpflein

und Röcklein flogen, bis Schnufilo sie zornig bellend daran fing und

festhalten wollte. Aber sie schleifte ihn nach und lachte, daß es

schallte. Der Kellerer sah ihr nach: »Und das -- +das!+ -- soll der

liebe Himmelsherr demnächst zu Zunder und Asche verbrennen? Er müßte

sich ja schämen! Nein. Unser Herrgott hat das Herz am rechten Fleck --

trotz unsereinem. Ich mag's nicht von ihm glauben!«

Weltuntergang: Geschichtliche Erzählung aus dem Jahre 1000 nach Christus · 第 25 / 70 题