Wie sie unter solchem Gespräch auf dem mittleren Sandweg gegen die
Thüre der Wohnhütte vorschritten, hüpfte ihnen etwas entgegen mit
wehendem Gezöpf, gefolgt von einem desgleichen hüpfenden Hündlein,
das gar lustig bellte und mit dem struppigen Schweif wedelte. »Kind,«
lächelte der Bischof, und strich über das wirre Haar der Kleinen,
während sie ihm ehrfürchtig die Hand küßte, »weißt du's wohl? ›Das
schlimme Kind‹ nennen sie dich -- alle.« -- »Aber sie haben mich doch
gern -- alle, hochheiliger Herr.« -- »Mir ist, du bist nicht schlimm.
-- Und ein Kind ist sie auch nicht mehr,« sprach er zu sich selber.
»Sollte vielleicht Junker Hellmuth ...? Doch nein! Den traf doch wohl
ein andrer Pfeil! -- Aber immerhin, laß sehen. Mein fröhlich Vögelein,«
begann er wieder zu ihr, »hab' dich lange nicht gesehen. Hast du
keinen Wunsch?« »Doch, lieber -- hochlieber -- nein -- hochheiliger
Herr Bischof. Doch!« sprach sie und senkte das blonde Köpflein.
»Urgroßmutter befahl mir, Euren stärksten Segen zu erbitten gegen ...
gegen meinen argen Mutwillen, wie sie's nennt.« »Herr Heinrich, spart
Müh' und Segen!« lachte der Kellerer, der Kleinen in die volle Wange
kneifend, »der den Mutwillen auszutreiben, -- dazu brauchte es stärkern
Exorcismus als sogar der gelehrte Herr Papst Sylvester kennt. Was
meinst du selber, Hexlein?« »Daß Ihr recht habt, kluger Herr Supfo,«
antwortete sie ganz betrübt und kleinlaut. »Seht, es ist ein Kreuz und
ein Elend mit mir. Mein Mutwille, wie sie's alle heißen -- der ist
gerade wie -- wie meines -- Gott! wo ist er denn jetzt schon wieder
hin? -- wie meines Schnufilos Fell vom Schnauzbart bis zum Zagel. Immer
und immer kämm' und bürst' ich ihn glatt und Schnuf verspricht auch,
er solle nun glatt bleiben: -- und er schüttelt sich und 's ist alles
beim alten und zottel-rauh-zottig, zum Fürchten! Heiliger Kilian,«
seufzte sie, »ich weiß nicht, was in mir steckt. Aber es läßt mich
nicht! Ich muß!« -- »Nun, +was+ mußt du denn, Kleine?« -- »Lachen
muß ich! In einem fort lachen! Vom Aufstehn an, wann der Knecht so
tölpisch daher tappt mit den Wassereimern bis zur Vesper, wann die
Zicklein so närrisch gesprungen kommen von der Weide. Möchte oft gern
ernsthaft sein, -- werde soviel gescholten! Aber es läßt mich nicht!
Seh immer an allen Sachen und Tieren und Menschen was zum Lachen!«
»So? Zum Beispiel auch an mir?« forschte der Bischof. »Ei freilich!«
lachte sie. So geschwind kam die Antwort aus den kirschroten Lippen,
daß Herr und Diener mitlachen mußten. »Was? Daß Ihr Euren Abendgang
mit dem Kugelmännlein da machen müßt, armer heiliger Herr, und stünd'
Euch so gut zu Arm und Antlitz, ein stattlich Ehgemahl. -- Aber o weh,
das -- ich seh's an Euren Augen! -- das ist mehr zum Weinen als zum
Lachen.« »Wein und Kinder sagen die Wahrheit,« seufzte der Kellerer.
-- »Also den Segen für mich ... Herr Süpfelin hat recht! -- er ist
doch wohl vergeudet -- den möcht' ich umtauschen statt für mich -- für
einen andern.« »So? Und für wen?« forschte der Bischof ernst. »Etwa für
Ritter Hellmuth, der soeben mit Euch sprach?« »Der?« lachte sie. »Mit
mir? Behüte! Kein Wort. Sieht mich gar nicht. Nur mit Ohm Rado raunt er
immer heimlich. -- Aber den Segen möchte ich haben für den, der mir --
nach den Gesippen -- aber +gleich+ nach ihnen! der Liebste ist auf der
ganzen Welt. Seht Ihr. Da kommt er. Dort links!«
Argwöhnisch, wenig erfreut drehte sich der Seelsorger um und spähte
scharf nach links. »Seht, meines Herzens Schnufilo! -- O gnadenreiche
Jungfrau, wie schaut er wieder aus! -- Voll Schmutz, und blutend am
Mündlein. -- Jetzt hat er schon wieder gerauft mit des Nachbars großem
Kater! Meint Ihr, Herr Bischof, er läßt es? Nein! O +den+ segnet mir.
Er hat soviele Verfolger und Unterdrücker unter den Bürgerschweinen
und Bürgerhunden und den Beißkatern. Er kommt oft heim, zerzaust und
zerrissen und blutend, wie die heiligen Märtyrer im Sankt Burchhard
drüben in der Kapelle auf dem scheußlichen, greulichen, heiligen Bild!
Ich bitt' Euch um Euern kräftigsten Hundesegen. Ist er doch mein
herzallerliebster Schatz!« schloß sie seufzend.
Herr Heinrich hatte die Stirn in Falten legen wollen, aber -- »es
ließ ihn nicht«: -- er mußte lächeln, wie er der hübschen Kleinen
heiligen Ernst und des wirrhaarigen Köters Liebesblick zu ihr empor
aus den ringsumzottelten Augen gewahrte. »Möge er noch lange dein
Herzallerliebster bleiben und du noch lange die schlimme Fullrun,«
sprach er freundlich und schritt fürbaß. Supfo verweilte noch bei der
Verdutztem: »einen Hundesegen, tolle runde Runel, holt man nicht beim
Herrn Bischof, sondern von ... einem andern Jäger. Frage nur Rado --
aber ja nicht die Urmutter!« »Behüte! Weiß schon!« lachte sie, »komm,
Schnufelschatz!« und sie sprang davon in hohen Sätzen, daß Zöpflein
und Röcklein flogen, bis Schnufilo sie zornig bellend daran fing und
festhalten wollte. Aber sie schleifte ihn nach und lachte, daß es
schallte. Der Kellerer sah ihr nach: »Und das -- +das!+ -- soll der
liebe Himmelsherr demnächst zu Zunder und Asche verbrennen? Er müßte
sich ja schämen! Nein. Unser Herrgott hat das Herz am rechten Fleck --
trotz unsereinem. Ich mag's nicht von ihm glauben!«