Der Bischof schüttelte den Kopf, aber er mußte doch lachen. »Es ist nur
ein Glück, daß mir der wilde Bayer die Entscheidung des heiligen Vaters
schriftlich zu bringen hat. Seinem mündlichen Bericht ...!« »Nun ist's
schon recht,« rief Supfo heiter, sich erhebend von der Bank und das
Pergament wieder in den Gürtel des Schurzfells steckend. »Der freche
Brief hat doch was Gutes gewirkt: Ihr habt gelächelt, Herr Hezilo, und
die böse Falte auf der Stirn, mit der Ihr kamt, hat sich verzogen.
Wißt Ihr was? Wollt Ihr mir nicht in den Keller folgen, so verstattet,
daß ich mit Euch gehe. Meine Gesellschaft ist doch noch besser als die
Eurer Gedanken in der Einsamkeit.« -- »Du hast weit mehr recht hierin,
als du ahnst! -- Komm mit!« -- »Gleich, teurer Herr, gleich! Aber da,
nehmt, bitte, diesen Schattenhut: -- ich habe ihn für Euch erstanden
auf dem letzten Markt von den Dalmatinern -- er hängt nun immer hier
an der Hallenthüre für Euch bereit -- er ist von feinem Stroh, gar
leicht und luftig: -- die Sonne schießt noch heiße Pfeile über den Main
herüber. Wo steht mein Krückstock? Da in der Ecke. Ich schreite doch
besser damit und manchmal gilt's, ein bissig Schwein von den Waden zu
wehren! So!« Er öffnete die breite Thüre der Halle. »Im Namen Gottes!«
betete der Bischof im Hinausschreiten. »Er segne unsern Ausgang.«
Beide stiegen nun die Sandsteinstufen hinab auf den freien Platz vor
Bischofshaus und Dom. »Wohin zuerst?« fragte der Kellermeister. --
»Ich will einen Rundgang der Seelsorge machen und der guten Werke; es
gilt gleich, wo wir beginnen: führe du. Du kennst der Menschen Not und
Wünsche gut, fast besser als ich, was traurig zu gestehen,« schloß der
Bischof seufzend. »Ja freilich,« meinte Supfo und schlug die Richtung
von dem Domplatz nach links, nach Süden, ein. »Für die letzte Zeit
mag's zutreffen. Ihr zieht Euch ja immer mehr in Euch selbst zurück.
Oft seh' ich noch nach Mitternacht vom Hof aus in der Bücherei Euer
Öllämplein glimmen. Immer beten!« -- »Wenn's doch gebetet wäre!« --
»Oder höre unten in unserm Schlafzimmer Eueren Schritt ob meinem Haupte
rastlos -- rastlos -- auf und nieder! Seit Ihr diesen schwarzhaarigen
Welschen ...« -- »Schweig, Supfo. Ich weiß, du hassest ihn bitter.
Das ist unchristlich.« -- »Aber unvermeidlich! Der hagere Kerl mit
seinem graugelben Gesicht -- wie ein unreif verfaulter Apfel! -- sein
Anblick schon zieht mir das Wasser im Mund zusammen wie der Saure von
Dürrbach.« -- »Er hat sich als mein -- und was viel mehr ist -- dieses
Bistums eifrigster Freund bewährt.« -- »Wer's glaubt wird selig, --
oder angeführt! Er ist glücklich fort seit ein paar Tagen. Sankt Kilian
schenk' ihm eine lange Reise! -- Seht hier, Herr Bischof, könnt Ihr
gleich anfangen mit guten Werken!« Und er blieb stehen.