Otto: {To him, who....}

Louis: Halt, Otto, halt!

Bella und Anna: Bitte, Otto, kein Englisch.

Otto: Kein Englisch? Ach so, ich habe das vergessen. Deutsch. Ja, ein

deutsches Gedicht -- -- -- Ich habe eins zu Hause. Es (= das Gedicht)

ist von Hoffmann von Fallersleben, und Sie können es verstehen. Ich

werde es Ihnen morgen bringen, meine Damen.

Bella: Kommen Sie morgen wieder, Otto?

Otto: Ja, ich hoffe es.

Louis: Wir wollen heute hier enden.

Alle: Um 12 Uhr morgen.

Anna: Was wird Herr Meister uns (= Anna, Bella, Louis, Otto) morgen

bringen?

Bella: Das weiß ich nicht.

Otto und Louis: Auf Wiedersehen!

Anna und Bella: Auf Wiedersehen!

[Sie gehen.]

[Illustration: Section Footer][III-8]

[Illustration: Section heading,

Lyre framed by winged women, a violinist, and a piper]

*IV.*

Louis: Es ist zwölf Uhr und Herr Meister ist (noch) nicht hier.

Anna: Ich wundere mich. Herr Meister kam (ich komme, ich kam, ich bin

gekommen) nie zu spät.

Bella: Da kommt jemand (= eine Person). Hören Sie? Bitte, Louis, sehen

Sie, ob es Herr Meister ist. (Louis geht.) Otto, haben Sie heute das

Gedicht von Hoffmann von Fallersleben?

Otto: Ja wohl; hier ist es, und wenn mein Bruder Louis wieder kommt,

so -- ah, hier ist er. (Louis kommt mit einem Briefe.)

Otto: Nun? Kommt Herr Meister?

Louis: Ich glaube (= denke) nicht. Hier ist ein Brief von ihm.

Bella: O, das ist ein dicker Brief.

Louis: Die Adresse ist:

Herrn Louis Parks,

225 5. Ave.,

h_i_e_r.

Louis: Ich will den Brief öffnen und ihn laut vorlesen:

Mein lieber Freund Louis!

Ich bin recht traurig, daß ich Ihnen schreiben muß: Ich kann heute

nicht kommen. Gestern Abend war ich im Theater und sah ein Drama von

Lessing: »Nathan der Weise.« Es ist Lessings letztes und größtes

Drama. In vielen Jahren hatte ich es (= das Drama) nicht gesehen, und

da wollte ich (ich will, ich wollte, ich habe gewollt) es nicht

versäumen. Alles war wundervoll. Warum waren Sie nicht bei mir, mein

Freund? Im Theater war es warm von den vielen, vielen Gaslichtern, und

als ich am Ende des Stückes (= Dramas) auf die Straße kam, war der

Wind eiskalt, und so habe ich mich erkältet; ich kann kein Wort

sprechen.

Doktor Smith, mein Arzt, kam heute Morgen zu mir und sagte sehr ernst:

Herr Meister, Sie müssen heute im Bette bleiben; ich werde (= will)

Ihnen Medizin verschreiben; davon (= von der Medizin) nehmen Sie jede

Stunde einen Theelöffel voll. Halten Sie sich warm; und so hoffe ich,

in vier oder fünf Tagen können Sie wieder aus dem Hause gehen. So

sprach der böse Doktor (ich spreche, ich sprach, ich habe

gesprochen). Vier oder fünf Tage im Hause bleiben! Das ist schlimm (=

nicht gut), sehr schlimm für mich; aber was kann ich thun?

Sie kennen (ich kenne = ich weiß) meine Töchter Martha und

Gretchen. Nicht wahr? Sie (= Martha und Gretchen) sind in guter Laune

(= Humor), daß ich zu Hause bei ihnen (= Martha und Gretchen) bin.

Sie spielen auf dem Piano, singen Lieder von Schumann und Mendelssohn,

und soeben (= in dieser Minute) sangen sie (ich singe, ich sang, ich

habe gesungen) das wundervolle Lied von Abt: »All' Abend bevor ich zur

Ruhe (= Rast) gehe.« Ich möchte (= will) nun nicht, daß Sie Ihr

Deutsch vergessen; ja, ich wünsche (= möchte, will), daß Sie mehr

lernen, und darum habe ich Fragen für Sie und Ihre Freundinnen[IV-1]

aufgeschrieben (ich schreibe auf, ich schrieb auf, ich habe

aufgeschrieben), und ich sende sie (= die Fragen) hier. Ihr Bruder

Otto versteht sehr gut Deutsch. Er kann Sie und Ihre Freundinnen

fragen. In wenigen Tagen werde ich wieder bei Ihnen sein. So hoffe

ich. Meine besten Empfehlungen (= Komplimente) an Sie, Ihren Bruder

und Ihre Freundinnen Bella und Anna.

Ihr Freund,

W. Meister.

* * * * *

Louis: Sie hören, meine Damen, Herr Meister kann nicht kommen. Er ist

unwohl, er kann nicht sprechen, er hat sich erkältet.

Anna und Bella: O, das ist schlimm (= nicht gut)!

Otto: Ich höre hier, Herr Meister ist verheiratet. Das wußte ich

nicht (ich weiß, ich wußte, ich habe gewußt).

Louis: Verheiratet? Was ist das?

Otto: Herr Meister hat ein Weib.

Bella: Und zwei Töchter.

Louis: Ein Weib? Ich verstehe auch das Wort W_e_i_b nicht.

Bella: O Louis! Das wissen Sie nicht? Es ist dasselbe wie im

Englischen. Adams Weib war Eva und George Washingtons Weib war Martha

Washington.

Louis: O ja, nun weiß ich, was du meinst, Otto. Ich habe oft das Wort

F_r_a_u gehört, aber noch nie das Wort W_e_i_b.

Anna: Ist W_e_i_b und F_r_a_u dasselbe?

Otto: Nicht immer. Man sagt im Deutschen: Herr Meister hat ein schönes

Weib, und auch: Herr Meister hat eine schöne Frau. Das eine ist so

gut, wie das andere. Man sagt aber nicht: Das ist W_e_i_b Meister;

nein, man sagt: Das ist F_r_a_u Meister.

Louis: Das kann ich gut verstehen.

* * * * *

Bella: Herr Meister kommt oft mit seiner Frau und seinen Töchtern in

unser Haus.

Anna: Sage mir, Bella, ist Martha älter (alt, älter, ältest) als

Gretchen?

Bella: Nein, Anna; sie ist größer als Gretchen, und so denken alle

Leute, sie ist älter; sie ist aber nicht älter; sie ist jünger. Beide

(= die eine und die andere) sind sehr klug (= weise), und sie haben

viel gelernt. Und Martha hat die wundervollsten, blauen Augen und ihr

Kopf mit dem langen, braunen Haar ist schön, wie der Venuskopf -- ah,

Martha ist schön!

Otto: Sie muß sehr schön sein.

Bella: Ja, sie ist sehr schön, und alle Leute sagen es.

Louis: Hier, Otto, gebe ich dir die Fragen des Herrn Meister.

Otto: Meine Damen, was wollen Sie hören, die Fragen oder das Gedicht

von Hoffmann von Fallersleben?

Bella: Ich bitte, mit den Fragen zu beginnen und dann mit dem Gedichte

zu enden.

Anna: Ja, so ist es gut.

Otto: Und was meinst du, mein lieber Louis?

Louis: Ich bin zufrieden mit allem, was die Damen sagen.

Otto: Sehr wohl. Dann werde ich Sie zuerst fragen, Fräulein Bella; und

dann Sie, Fräulein Anna; und dann dich, mein lieber Louis. Die erste

(= 1ste) Frage ist:

1) Ist der Fisch in dem Wasser? Ja, der Fisch ist in dem Wasser. -- 2)

Kann der Fisch schwimmen? Ja, der Fisch kann schwimmen. -- 3) Kann der

Schwan gut schwimmen? Ja, der Schwan kann gut schwimmen. -- 1) Kann

die Henne schwimmen? Nein, die Henne kann nicht schwimmen. -- 2) Kann

der Schwan so gut schwimmen, wie die Gans? Ja, der Schwan kann so gut

schwimmen, wie die Gans. -- 3) Ist der Schwan größer, als die Gans?

Ja, der Schwan ist größer, als die Gans. -- 1) Ist er auch schöner,

als die Gans? Ja, er ist auch schöner.

Otto: Louis, ich will dir eine Frage geben, aber es ist nicht Herrn

Meisters Frage. Kann der Schwan singen?

Louis: Nein, der Schwan kann nicht singen.

Otto: Was sagen Sie, Anna?

Anna: Ich sage dasselbe.

Otto: Und Sie, Bella?

Bella: Ich habe nie gehört (ich höre, ich hörte, ich habe gehört), daß

der Schwan gesungen (ich singe, ich sang, ich habe gesungen) hat. Aber

man sagt: Der Schwan singt vor seinem Ende.

Louis: O, das ist eine Sage (= Fabel).

Otto: Man sagt auch von dem letzten Werke eines Dichters: Das ist sein

Schwanengesang, das ist: das letzte Werk vor seinem Ende.

Louis: Dann ist »Nathan der Weise« Lessings Schwanengesang?

Otto: So ist es!

Bella: Was ist Schillers Schwanengesang?

Studien und Plaudereien. First Series · 第 17 / 55 题