VERMES. WÜRMER.

CLASSE. NEMATHELMINTHES _Vogt_. RUNDWÜRMER.

(=Nematoidea= _Rudolphi_.)

GORDIACEA _von Siebold_. SAITENWÜRMER.

=Characteristik=. Fadenförmige Würmer, zuweilen mit Papillen besetzt, mit

Mund und den Darm vertretenden, die ganze Leibeshöhle durchziehendem

Zellenkörper, ohne After, Gefäss- und Nervensystem.[58]

FAMILIE. GORDIIDEA _Diesing_. GORDIEN.

Diesing, Revision der Nematoden. (Sitzungsberichte der kaiserl. Academie

der Wiss. zu Wien. Mathem. naturwiss. Classe. Tom. 42. pag. 599.)

=Characteristik=. Sehr dünne Würmer von verschiedener Länge, von 1'' bis

gegen 4'', im Allgemeinen von brauner Farbe, die bald dunkler bald heller,

oft gelb erscheint. Die Männchen glänzend und dunkler. Kopf ohne Papillen.

Oesophagus kurz, in das zellige Körperparenchym sich öffnend. Schwanz beim

Männchen gegabelt; Geschlechtsöffnung an der Theilungsstelle befindlich mit

Stacheln besetzt, aber keine Spicula vorhanden. Weibliche

Geschlechtsöffnung an der Schwanzspitze.

Die Jungen besitzen einen schlauchförmigen Körper, der einen deutlichen

Schwanztheil wahrnehmen lässt. Am Vordertheil des Körpers mit Haken

bewaffnet.

=Lebensweise=. Die Gordien sind Endoparasiten, welche sich in der Jugend in

die verschiedensten Insecten aller Ordnungen, aber auch in Arachniden und

Schnecken einbohren, sich hier einkapseln und später in der Leibeshöhle von

der Fettsubstanz des Thieres sich nährend, eine Metamorphose bestehen und

allmählich ihre Geschlechtsreife erlangen. Nachdem sie geschlechtsreif

geworden sind, bohren sie sich durch die Haut ihrer Wirthe wieder nach

Aussen durch, um ins Freie zu gelangen, wo sie dann im Wasser leben, sich

begatten und Eier legen. Bei der Begattung wickelt sich das Männchen mit

seinem Hinterende mehrmals spiralförmig um das Hinterende des Weibchens und

bleibt längere Zeit in dieser Position. Die Eier werden nicht einzeln

abgelegt, sondern sie sind durch eine schleimige Masse, die später

erhärtet, zu einer Schnur verbunden, die sich spiralig eng zusammenwickelt

und so einen dickeren rundlichen Klumpen darstellt, den man wieder

auseinander wickeln kann. Die Gesammtmenge der gelegten Eierschnüre beträgt

bei manchen grossen Weibchen über acht Fuss[59] und liegt auf dem Boden im

Wasser oder an Pflanzenstengeln u. s. w.

=Geographische Verbreitung und Artenzahl=. Die Gordien kommen, da es

Parasiten der Insecten überhaupt sind, überall in der ganzen Welt mit

diesen vor. Diesing zählt in seinem Systema Helminthum 118 Species, die er

aber fast nur nach den Wirthen, in welchen sie angetroffen wurden,

unterschied, welche aber nach von Siebold[60] als sehr fragliche Species zu

betrachten sind, und Diesing hat später in seiner Revision der

Nematoden[61] den grössten Theil seiner früheren Species eingezogen und die

vorhandenen genauer characterisirt, so dass gegenwärtig im Ganzen nur elf

Arten mit Sicherheit angenommen werden.

GENUS. GORDIUS _Linné_. SAITENWURM.

Linné, systema naturae, edit. XII. I. II. pag. 1075.

Character der Familie.

GORDIUS SUBBIFURCUS _v. Siebold_.

(Taf. III. Fig. 2 ([männlich]), 4 ([weiblich]).

Von Siebold, Stettin, entom. Zeit. Jahrg. IX. pag. 296.

Diesing, syst. Helminth. vol. II. pag. 90.

Meissner, Beiträge zur Anat. u. Physiol. der Gordiaceen (Zeitschrift für

wiss. Zool. Bd. VII. Heft 1 u. 2. pag. 59. Taf. III. bis VI.).

Ebendaselbst Zusatz von von Siebold, pag. 143.

Gordius tolosanus, Dujardin, Annales des sciences naturelles, Tom. XVIII.

2 sér. pag. 146. -- Diesing, syst. Helminth. vol. II. pag. 106.

=Characteristik=. Bräunlich, nach vorn zu allmählich und deutlich verjüngt.

Kopf fortlaufend, allmählich unsichtbar werdend, etwas abgestutzt.

Schwanzende des Männchens (Taf. III. Fig. 2) unten gabelig gekrümmt; die

Geschlechtsöffnung am Bauche in der Gabel befindlich, vor der Oeffnung

kleine Dornen im Bogen in mehreren Reihen stehend. Schwanzende des

Weibchens (Taf. III. Fig. 4) schief abgerundet, durch eine seichte

Längsfurche in zwei wulstige kurze Gabeläste getheilt; in der Gabel die

Geschlechtsöffnung liegend. -- Länge 1'' bis 1'.

In der Jugend haben diese Würmer, wie erwähnt, einen schlauchförmigen

Körper, der in einen dickeren Vorder- (Kopf-) und in einen dünneren

Hinter-(Schwanz-)Theil geschieden ist. Der Kopftheil besitzt einen

einziehbaren Rüssel, um welchen sechs Haken sich gruppiren, ausserdem

stehen noch tiefer sechs grössere Haken. (Vergl. Taf. III. Fig. 1.)

=Lebensweise=. Was bei der Gattung erwähnt wurde, gilt auch hier. Der

Gordius subbifurcus kommt in den verschiedensten Insekten vor; ich traf

einmal im Juli beim zufälligen Zerdrücken einer Drohne in dieser ein

Exemplar dieses Thieres von drei Zoll Länge. Jedenfalls ist das Vorkommen

eines Gordius bei einer männlichen Biene sehr merkwürdig. Wäre es eine

Arbeitsbiene gewesen, die dieses Thier beherbergt hätte, so wäre das nichts

besonderes. Die Arbeitsbienen setzen sich sehr häufig an's Wasser und oft

sogar an die aus dem Wasser kaum hervorragenden, selbst nassen Gegenstände,

wie z. B. Strohhalme, Rohr u. dergl., um Wasser einzusammeln, wo die

Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, dass vielleicht ein junger Gordius

(Larve) in dieselbe einwandern könnte. Das Vorkommen in Drohnen aber,

welche den Stock überhaupt nur verlassen, um in der Luft herumzuschwirren,

ist jedenfalls paradox. In die Drohne dürfte das Thier nur durch eine

passive Wanderung hineingekommen sein. Ich glaube daher, dass die Gordien

und auch die Mermithen, welche letztere ich in den Drohnen in Menge fand

(siehe weiter unten bei dem betreffenden Wurm), ehe sie zu den

geschlechtsreifen Individuen heranwachsen, nicht bei der ersten

Einwanderung stehen bleiben, sondern den ersten Wirth, wo sie sich

incystirten (Gordius), verlassen[62], um später mit der Nahrung des Thieres

in den Darm eines anderen Thieres überzugehen (z. B. wie es viele andere

Endozoen zu thun pflegen), dann jedenfalls die Darmwand durchbohren, um in

das Fettgewebe zu gelangen. Eine zweite active Einwanderung unternehmen sie

nicht, wie ich glaube, weil ich eben Gordiaceen in den Drohnen fand, die

ihnen zur Einwanderung keine Gelegenheit geben. Passiv können sie aber

schon in die Drohnen einwandern, wenn z. B. die Arbeitsbienen mit dem

Wasser, welches sie einsaugen, auch junge Gordien, die ja überhaupt nur

1/60''' lang und 1/120''' dick sind, erhalten. Durch die Arbeitsbienen,

welche die Brut und die ausgebildeten Drohnen mit Futter versorgen, können

mit dem Futter, das die Werkbienen wieder von sich geben (auswürgen),

zugleich auch die Drohnen entweder schon als Larven oder als vollkommene

Insekten die Endozoen empfangen.

FAMILIE. MERMITHEA _Diesing_. MERMITHEN.

Diesing, Revision der Nematoden. (Sitzungsberichte der kais. Acad. d.

Wissensch. zu Wien, Mathem.-Naturw. Cl. Bd. 42. pag. 605.)

=Characteristik=. Sehr dünne, bis zu fünf Zoll lange Würmer von weisslicher

Farbe.

Kopf mit Papillen besetzt. Oesophagus lang, eng, in das zellige

Körperparenchym eingesenkt. Schwanzspitze ungetheilt, mit mehreren

Papillenreihen und zwei Spicula. Weibliche Geschlechtsöffnung in der Mitte

des Thieres liegend.

Die Embryonen gleichen den vollkommenen Würmern, besitzen keine

Hakenbewaffnung, wie die der Gordien. Die Eier werden einzeln abgelegt,

sind einfach oder in einer Kapsel eingeschlossen und sodann an jedem Pole

mit einer Chalaze versehen.

=Lebensweise=. Die Mermithen führen wie die Gordien ein endoparasitisches

Leben in den verschiedensten Insekten, in allen ihren Stadien, bohren sich

als Junge in diese ein, leben von ihrer Fettsubstanz, verlassen aber die

Insekten kurz vor ihrer definitiven Geschlechtsreife, begeben sich dann in

die Erde, wo sie sich häuten. Nach der Häutung werden sie geschlechtsreif,

begatten sich und legen Eier. Sie wandern manchmal in einer solchen Menge

aus den Insekten aus, dass sie stellenweise die Erde bedecken und den

Anschein geben, als ob sie vom Himmel herabgeregnet wären.[63] Die Eier

werden, wie oben erwähnt, einzeln abgelegt, nicht im Wasser, wie die der

vorigen Familie, sondern in die Erde.

=Geographische Verbreitung und Artenzahl=. Wie die Gordien, sind auch die

Mermithen in der ganzen Welt verbreitet. Ihre Artenzahl ist aber noch

geringer, als die der Gordien und bis jetzt sind mit Bestimmtheit nur fünf

Species anzunehmen.

GENUS. MERMIS _Dujardin_. MERMITHE.

Dujardin, Annales des sciences naturelles, Tom. XII. pag. 129.

Character der Familie.

MERMIS ALBICANS _v. Siebold_.

Taf. III. Fig. 3.

v. Siebold, Stett. entom. Zeit. Jahrg. 1850. pag. 33 c. -- Dies. syst.

Helminth. vol. II. pag. 108. -- v. Sieb. Zeitschr. für wissensch.

Zool. Tom. V. pag. 201. -- Meissner, Beitr. zur Anat. u. Physiol. der

Mermis albicans, in Zeitschr. für wissensch. Zool. Tom. V. pag. 207.

-- Dies. Revis. der Nematoden, in Sitzungsberichte der

Mathem.-Naturwissensch. Cl. der kais. Acad. zu Wien, Tom. 42. pag.

607.

Gordius Filum, Müller Inst. Verm. terrestr. et fluviat. vol. 2. I. pag.

31. -- Gmel. syst. nat. pag. 3083. -- Dies. syst. Helminth. vol. II.

pag. 106.

Filaria acuminata, Rudolphi, Entozoor. hist. natur. Tom. II. pag. 66.,

ej. Entoz. synopsis, pag. 6. -- Dies. syst. Helminth. vol. II. pag.

109. (Mermis acuminata).

Filaria truncata, Rudolphi, Entoz. hist. nat. II. pag. 59., ej. Entoz.

synops. pag. 5. -- Rosenhauer, Stett. entom. Zeit., Jahrg. 1847. pag.

318. -- Plieninger, Würtemberg. Jahresb. 1852. Heft 2. pag. 255.

Filiria succineae, v. Sieb. Wiegmann's Archiv. Jahrg. 1857. 2. pag. 255.

-- Dies. syst. Helminth. vol. II. pag. 287. (Mermis succineae.)

Autoplectus protognostus, Balsamo, Bibliothec. ital. 1840. XCVI., Mem. I.

R. Instit. Lombard. di sc. lett. ed arti, 1843. pag. 15. Fig. 1-15.

Filaria lacustris, Dujardin, Hist. natur. des Helminthes, pag. 68. Pl.

III. Fig. F. -- Dies. syst. Helminth. vol. II. pag. 112. (Mermis

lacustris.)

=Characteristik=. Körper nach vorn verdünnt, milchweiss oder am Kopf und

Schwanzende durchsichtig, mit fortlaufendem abgerundeten Kopf. Schwanzende

stumpf, beim Männchen hinter der Geschlechtsöffnung von vielen Perpillen

eingeschlossen. -- Länge 2 bis 5''.

=Lebensweise=. Die Lebensweise ist dieselbe, wie sie bei der Familie

erwähnt wurde. Der Wurm kommt in der Leibeshöhle der verschiedenen Insekten

vor, die ich hier aufzuzählen für überflüssig halte. Er wurde von mir auch

in der Honigbiene angetroffen, sonderbarer Weise stets aber nur in den

Männchen.[64]

Im Anfange August des Jahres 1856 entstand unter den Drohnen meiner

Bienenstöcke in Podolsk (Gouv. Moskau) eine wahre Epidemie, veranlasst

durch den Parasitismus dieser Mermis. Nachdem die Drohnen einige Tage

vorher an einer merkwürdigen Trägheit und Schwäche litten, die Stöcke

selbst in den schönsten und heissesten Tagen nur wenig verliessen, fand ich

eines Tages mehrere Drohnen um die Stöcke herum ganz ermattet und einige

auch todt liegen, ohne dass sie von den Bienen etwa gewaltsam, wie das

gegen den Herbst zu geschieht, aus den Stöcken entfernt worden wären. In

jenem Jahre war gerade die Tracht gut und die Stöcke behielten die Drohnen

bis in den September. Nachdem ich eine der Drohnen zerdrückt, fand ich in

dem Leibe derselben ein 3'' 5''' langes Individuum der genannten Mermis.

Später, nach drei Tagen lagen auf dem Boden um den Stock herum eine Menge

Mermithen, die im Sande, womit der Boden daselbst bestreut war,

herumwühlten und aus den Leibern der Drohnen ausgekrochen waren. Diese

Helminthiasis dauerte noch 12 Tage, im Ganzen 15 Tage. Nach Verlauf dieser

Zeit fingen die Bienen an, die Drohnen von selbst herauszuwerfen. Sehr

bedauere ich, dass ich zu der damaligen Zeit diesem merkwürdigen Falle

keine grössere Aufmerksamkeit schenkte und namentlich nicht auch einige

Arbeitsbienen dahin untersuchte, ob sich nicht vielleicht bei ihnen auch

Mermithen vorfanden. Die Arbeitsbienen waren übrigens gesund und munter.

Doch führt Professor Zenker in der Bienenzucht von Klopffleisch und

Kürschner[65] einen Fall an, wo nach de la Billardière auch an einer

Arbeitsbiene ein Endozoon beobachtet wurde. Ob nun dieser fragliche Parasit

eine Mermis war, oder überhaupt zu den Gordiaceen gehörte, kann ich nicht

angeben. De la Billardière machte aus demselben ein Genus Dipodium, das ich

leider sowie den betreffenden Aufsatz des Verfassers nicht kenne. Alle

meine Bemühungen, den fraglichen Aufsatz von dem Prof. Zenker nicht

angiebt, wo er abgedruckt ist, aufzufinden, um darin selbst nachzulesen,

blieben fruchtlos. Auch die von Prof. Carus und Wilh. Engelmann

herausgegebene Bibliotheca zoologica, sowie die Bibl. entomologica von Dr.

Hagen gaben mir darüber keinen Aufschluss.

Aus dem Parasitismus der Mermithen in den männlichen Bienen glaube ich

folgern zu müssen, dass auch diese Gordiaceen ebenso wie die Gordien nur

durch eine passive Wanderung in die Drohnen gelangen konnten. Wenn die

Möglichkeit auch da ist, dass einzelne Drohnen durch irgend einen Zufall

gezwungen sind, sich auf die Erde niederzulassen und so den jungen

Mermithen vielleicht Gelegenheit bieten, sich in sie hineinzubohren, so

kann das eben nur als Zufall betrachtet werden. Dann würden aber so viele

Drohnen, wie die meiner Stöcke, gewiss nicht von ihnen befallen worden

sein. In die Arbeitsbienen können aber die Mermithen sich ebenso gut, und

noch besser als die Gordien, einbohren, da die Arbeitsbienen sich sehr

häufig auf die feuchte Erde, die grade die Wohnstätte der Mermithen ist,

niedersetzen, um aus ihr das Wasser aufzusaugen. Ebenso können sie aber

auch mit dem eingesaugten Wasser in die Arbeitsbiene passiv gelangen und

durch diese, wie bei Gordius subbifurcus erwähnt, zu der Drohne kommen. Die

erste Einwanderung der Mermithen ist eine active, wie das von Siebold bei

dieser Mermisart, welche in die kleinen millimeterlangen Raupen von

Iponomeuta cognatella in Menge einwanderte, bewiesen hat[66]. Die zweite

Einwanderung ist aber jedenfalls eine passive, wie ich das auch bei Gordius

annahm, denn wäre die Einwanderung blos eine active, so würden die

Gordiaceen in die Drohnen nur dann gelangen können, wenn sie sich zuvor

durch die äussere Hülle der Arbeitsbiene durchbohren, so in die Leibeshöhle

gelangen, von hier sich durch die Magenhäute durcharbeiten, um in den

Chylusmagen zu kommen, und dann mit dem Speisebrei der Arbeitsbiene in den

Magen der Drohnenlarve oder vollkommenen Drohne wandern, hier angekommen,

durch die Magenhaut sich hindurchbohren, um in der Leibeshöhle der

Drohnenlarve oder vollkommenen Drohne ihren Wohnort aufzuschlagen. Dies

wäre nun eine sehr weite und umständliche Wanderung, die wohl schwerlich

anzunehmen ist. Ich glaube daher, dass die Mermithen ebenso wie die Gordien

zuerst activ in ein Insekt einwandern, hier sich vielleicht auch wie jene

einkapseln[67], dann nach einer bestimmten Zeit wieder auswandern, sich als

Embryonen überall zerstreuen, nicht blos in der Erde, sondern auch auf

Pflanzen, ihren Blättern, Blüthen, Wurzeln u. s. w. und so auf den Zufall

harren, bis ein Insekt sie mit der Nahrung verschluckt. Dies dürfte meiner

Ansicht nach gerade nicht so unmöglich sein, als es vielleicht scheint.

Verlassen doch die Proglottiden der Bandwürmer den Koth, besteigen Pflanzen

u. s. w. und ihre Brut gelangt dann mit den Pflanzen in den Darm der

Pflanzenfresser.

Wer weiss, ob die Embryonen der Gordiaceen, nach der Analogie anderer

Nemahelminthen zu schliessen, z. B. der Ascariden[68], nicht auch die

Fähigkeit besitzen, selbst vertrocknet längere Zeit ihre Keimkraft

beizubehalten. Man denke sich also, um nur ein Beispiel anzunehmen, einen

microscopischen Gordius oder Mermisembryo an einem Blatt angetrocknet,

welches Blatt von einer Raupe aufgefressen wird. Sollte er so nicht in den

Darm der Raupe gelangen können? Oder würde die Raupe die Blattstelle, an

welcher sich der Embryo befindet, unberührt lassen? Gewiss nicht! Denn

oftmals habe ich gefrässige Raupen (Pieris brassicae) die Blätter mit den

Häuten der Aphiden, die man doch mit dem blossen Auge sehr deutlich sehen

kann, verzehren sehen. Warum sollte sie daher nicht einen nur 1/60-1/14'''

grossen Gordiaceenembryo verschlucken? Ein so von einer Raupe verschluckter

Embryo mag vielleicht erst (wenn die Raupe der Verpuppung nahe ist) gewiss

in der Puppe oder im vollkommenen Insekt seine Vollkommenheit erlangen und

aus diesem auswandern. Und gewiss sind die Gordiaceen, die man in Insekten

mit saugenden Mundtheilen antraf, grösstentheils in ihre Larven gelangt.

Raubinsekten mögen sich am leichtesten mit Gordien inficiren, wenn sie ein

Insekt mit Gordioceenembryonen verzehren. Der Versuch Meissners a. a. O.

pag. 137., welcher mit Gordienembryonen versehenen Ephemeralarven

Wasserkäfer zu verzehren gab und beobachtete, dass die Embryonen verdaut

wurden, spricht allerdings gegen die Annahme einer nochmaligen, passiven

Einwanderung, aber er setzte seinen Versuch nicht weiter fort, in dem einen

oder auch in einigen Fällen können vielleicht die Gordienembryonen zwischen

die scharfen Fresswerkzeuge jener Käfer kommen und so verwundet worden

sein, dass sie keiner Entwickelung fähig waren. Oder die incystirten

Gordien hatten damals vielleicht, was ich für wahrscheinlicher annehme,

noch nicht das Stadium erreicht, wo sie der Verdauung des Magens

widerstehen konnten, was auch Meissner l. c. selbst andeutet.

=Apistische Bedeutung=. Bis jetzt steht der Fall nur vereinzelt da, wo

Mermithen in den Honigbienen schmarotzend beobachtet wurden und eine wahre

Helminthiasis verursachten. Ueber dies wurden sie von mir blos in den

Drohnen angetroffen, woraus dem Bienenzüchter nur selten, wenn er z. B.

italienische Drohnen nöthig hat, um seine Stöcke zu italisiren, Verluste

erwachsen können. Da aber die Mermithen sicherlich nicht anders in die

Drohnen gelangen können, als vermittelst der Arbeitsbienen, so ist mit

Bestimmtheit anzunehmen, dass auch die Arbeitsbienen von ihnen behaftet

werden. Ist die Einwanderung der Mermithen in die Arbeitsbienen eine

passive gewesen, so werden die Embryonen in den meisten Fällen von ihnen

wieder mit dem eingesammelten Wasser, Honig etc. ausgewürgt, weil der

Parasit sich in dieser kurzen Zeit, in der sich die eingesammelten Producte

in dem Honigmagen der Bienen befinden, schwerlich durch die Magenhäute wird

durchbohren können. Aber die ausgewürgten Stoffe werden ja zur Fütterung

der Brut verwandt oder bleiben auch bei den sogenannten Futtersaftbereitern

längere Zeit im Chylusmagen. In diesen Fällen haben die Mermisembryonen

hinlänglich Zeit aufzuleben und sich dann durch den Darm durchzubohren, um

in die Leibeshöhle zu gelangen, daher glaube ich, dass in manchen Jahren,

wenn die Mermithen in grosser Zahl vorkommen, ein guter Theil der

Arbeitsbienen auf Rechnung der sogenannten Tollkrankheit an den Folgen

dieser Helminthiasis stirbt. Und ich bin sogar der Ansicht, dass die Bienen

zu denjenigen Insekten gehören, welche am meisten Gelegenheit haben, sich

mit Gordiaceenbrut zu inficiren, da die Honigbienen überall nach Nahrung

herumschnüffeln und auch von einer activen Einwanderung nicht

ausgeschlossen bleiben.

Parasiten der Honigbiene und die durch dieselben bedingten Krankheiten dieses Insects. · 第 12 / 15 题