Egger, Beitr. z. besseren Kenntniss der Braula coeca Nitsch (Verhandl.
des zool.-botan. Ver. in Wien). Tom III. pag. 401. ff.
Schiner, Fauna Austriaca, Diptera, pag. 650.
=Characteristik=. Hornartig, glänzend bräunlich-rostfarben; Fühler
gelblich; Borsten und Haare schwarz. -- Länge 0,5 bis 0,75'''.
=Lebensweise=. Das vollkommene Insekt ist ein Ectoparasit, welcher
beständig auf den Bienen lebt und sich von dessen Säften nährt. Auf der
Biene bewegt das Thierchen sich mit grosser Sicherheit, läuft auf ihr sehr
flink herum, jedoch nur vorwärts, während andere Pupiparen auch rückwärts
gehen, und fällt selbst beim Fluge der Biene von dieser nicht ab. Sein
eigentlicher Aufenthaltsort auf der Biene ist das Rückenschild. Im Stock,
wo die Bienen dicht aneinander oft in Kettenform sich befinden, wechselt es
manchmal seinen Wirth, indem es von dem Bein der einen Biene auf das Bein
der andern kriecht und sich dann auf den Thorax begiebt. Hier angelangt,
drängt es seine Füsse dicht aneinander, fährt mit den Kämmen in die hier
bei der Biene sehr dichte Behaarung hinein, welche sie auseinander drückt
und sodann gleichsam schnellend auf das Rückenschild gelangt, wo es sich
mit seinem hohlen Rüssel festsaugt und oft stunden-, selbst tagelang
unbeweglich sitzt. Manchmal trifft man das Thierchen jedoch, selbst beim
Herumkriechen der Bienen im Stocke, in schaukelnder Lage, in welchem Falle
es sich alsdann nur mit den Mittel- und Hinterbeinen auf dem Thorax der
Biene festhält, während die Vorderfüsse damit beschäftigt sind, die Haare
der Biene gleichsam spielend zu kämmen.
Von der Biene entfernt, sind diese Insekten gar nicht im Stande, sich
ordentlich fortzubewegen[51] und sterben nach wenigen Stunden. Nur die
jungen aus den Puppen herausgekrochenen Individuen besitzen eine ziemliche
Lebenstenacität und bleiben bis gegen 96 Stunden am Leben, was daher rührt,
weil sie im Magen noch hinreichend Nahrungsstoff aus dem Puppenschlaf
besitzen.
Die Bienenläuse kommen meist einzeln, häufig aber auch in sehr grosser
Menge, oft über hundert Stück auf einer Biene vor. Alle drei
Bienenindividuen werden von ihnen belästigt. Doch sollen sie vornehmlich
die Königinnen quälen und zu diesen eine besondere Vorliebe zeigen, so
dass, wenn man die Königin von ihnen reinigt, die Königin in kurzer Zeit
von diesen Epizoën wieder behaftet ist.[52] In manchen Jahren sind diese
Thiere in einigen -- ohne Unterschied in schwachen oder starken -- Stöcken
sehr häufig und zwar in solcher Anzahl, dass fast jede Arbeitsbiene eine
Bienenlaus auf sich hat,[53] ja, manche Arbeitsbienen wimmeln von ihnen in
derselben Menge, wie die Königinnen.[54]
In diesem Sommer (1864) wurden auch meine italienischen Bienen in Leipzig
von diesen Thieren geplagt, jedoch habe ich die Königin mit Läusen nicht
behaftet gesehen, sondern meist nur die Arbeitsbienen und auch einige
Drohnen. Gegen den Herbst hin verloren sich die meisten, doch sind auch
noch gegenwärtig (November) einige wenige zurückgeblieben und werden wohl
wahrscheinlich mit den Bienen überwintern.
Die Begattung der Bienenläuse geschieht wahrscheinlich auf den Bienen
selbst, da, wie erwähnt, diese Thierchen, von den Bienen heruntergenommen,
sich nur sehr unbeholfen bewegen. Doch habe ich den Begattungsact nicht
beobachten können.[55]
Ueber die Lebensweise der Larven wurde schon oben gesprochen. Wenn das
vollkommene Insect die Puppenhülle verlässt, was 13 Tage nach der
Verpuppung geschieht, sitzt es ganz still auf dem Boden des Stockes und
harrt hier, gleich den Meloidenlarven, auf den Blüthen, des Zufalls, wenn
in ihre Nähe eine Biene kommt, welche sie dann flugs an den Beinen besteigt
und auf die beschriebene Art auf das Rückenschild derselben gelangt. In den
ersten zwei Tagen ist das Thierchen strohgelb und besitzt ein weiches
Hautskelett. Erst den dritten Tag erhärtet die Haut und nimmt eine braune
Färbung an.
=Geographische Verbreitung=. Die Bienenlaus scheint mehr in dem Westen
Europas vorzukommen. Sie ist in ganz Deutschland, Frankreich und Italien
anzutreffen. In Russland scheint sie mit Ausnahme der Ostseeprovinzen, wo
ich sie beobachtet habe, zu fehlen. Wenigstens habe ich sie in Russland
trotz meines mir früher gehörenden ziemlich grossen Bienenstandes nie
getroffen und überhaupt ist sie den Bienenhaltern daselbst in den
verschiedenen von mir bereisten Gouvernements sowohl nördlichen, mittleren,
als auch südlicheren, gänzlich fremd.
=Apistische Bedeutung=. Im Allgemeinen schaden diese Epizoën den Bienen
nicht viel, weil sie meist nur vereinzelt vorkommen. Sind sie aber in
grösserer Anzahl in einem Stocke vorhanden, etwa so, dass es kaum eine
Biene giebt, welche nicht vom Schmarotzer behaftet wäre, oder gar, wenn
mehrere Bienenläuse auf einer Biene und namentlich auf der Königin ihren
Aufenthalt nehmen, dann allerdings erwächst dem Bienenzüchter daraus ein
Verlust. Die Arbeitsbienen, die mit Läusen behaftet sind, erscheinen matt
und sie sind im Arbeiten träge -- das habe ich namentlich in diesem
Frühjahre (1864) an meinen italienischen Bienen bemerkt -- mögen auch wohl
durch ihren Säfteverlust, den die Schmarotzer absorbiren, früher als
gewöhnlich sterben. Die Königinnen, die mit diesen Parasiten zu sehr
behaftet sind, erscheinen stets abgemattet und sterben im Winter[56],
wodurch der Stock natürlich, wenn man über eine andere Königin, die man ihm
im Frühjahr geben kann, nicht zu verfügen hat, eingeht.
=Prophylaxis=. Das Mittel, welches nach Egger[57] der Canonicus Stern
angiebt, um das weitere Umsichgreifen der Läusekrankheit bei den Bienen zu
verhüten, besteht im Abstreifen der Bienenläuse mit der Fahne einer Feder
von den Bienen. Dies dürfte jedoch nur dann Anwendung finden können, wenn
etwa die Königin oder nur wenige Arbeitsbienen mit Läusen behaftet sind.
Finden sich aber die Läuse in der Menge, wie es z. B. von Bose im Jahre
1858 beobachtet hat (a. a. O.), wo jede Biene belaust war, so dürfte wohl
dieses Mittel unanwendbar sein.
Da die Bienenläuse, wie oben erwähnt, ihre Larven auf dem Boden des Stockes
ablegen, so ist jedenfalls das Practischste, wenn man die Stöcke so häufig
als möglich vom Gemüll reinigt, auf welche Art man dann mit diesem auch die
Braulalarven entfernt. Namentlich muss man auch die Fugen etc. gut
reinigen.