Meloë secundus, Schaeffer icon. Tab. 3. Fig. 6 (Figura pessima.)

Meloë proscarabaeus var. I. Walckenaer, Faun. Paris. I. pag. 267.

Die Larve. Frisch. Beschreib. v. allerlei Ins. Deutschl. Bd. VI. pag. 14.

Tab. 6.

=Characteristik=. Metallisch grün oder bläulich, mehr oder weniger mit

Purpur untermischt, grob punktirt und gerunzelt. Halsschild quer, nach

hinten etwas verschmälert mit wenig aufgetriebenen Rändern. Flügeldecken

runzlig, schwärzlich grün mit röthlichem Schimmer, am Grunde gestreift.

Bauchringe oberhalb in der Mitte metallisch purpurfarben. -- Länge 5 bis

12''', Breite 3,5 bis 5'''.

Die Primitivlarven sind 1,2''' lang, glänzend schwarz mit stumpfdreieckigem

Kopf, im Uebrigen der beim Genus Meloë gegebenen Characteristik

gleichkommend. Die späteren Formen sind bis jetzt unbekannt.

=Lebensweise=. Der Käfer führt die Lebensweise, wie sie überhaupt der

Gattung Meloë zukommt und beim Genus geschildert wurde. Er ist nächst dem

folgenden in den meisten Gegenden Europas der gemeinste Oelkäfer.

Die Larven erscheinen in manchen Jahren in unglaublicher Menge, vorzüglich

auf den Esparsettblüthen, Löwenzahn und Ajuga und überfallen mit einer

rasenden Geschwindigkeit die von diesen Blüthen Honig und Pollen

einsammelnden Bienen, namentlich auch unsere Honigbiene in grösserer Menge.

Sie hängen sich nicht einfach an die Haare der Bienen an, was die Larven

anderer Meloëarten thun, sondern sie dringen mit ihrem Körper mit Hülfe der

scharfen Oberkiefer und Fusskrallen zwischen die schuppenförmig über

einander liegenden Schienen der Bauchringe und zwischen die Kopf-,

Prothorax- und Mesothoraxringe. Sie bohren sich oft so tief ein, dass ihr

ganzer Körper versteckt erscheint und irritiren dabei die zarten Wachshäute

oder die Ringhäute des Kopf- und Bruststückes der Biene, wodurch diese

unter starken Zuckungen und Schmerzen stirbt. Die Bienen können sich ihrer

von selbst gar nicht entledigen, schleppen sie in ihre Stöcke und man

findet sie hier in grosser Menge auf dem Boden des Stockes an den todt oder

noch sterbend liegenden Bienen und im Gemüll, in den Fugen des Stockes an

den Wänden u. s. w. lebend und sich lebhaft bewegend oder auch todt und

eingetrocknet. Zuletzt sterben sie alle, wahrscheinlich Hungers, weil die

Bienen sie in ihre Zellen nicht gelangen lassen; schwerlich aber aus dem

Grunde, weil ihnen nur die Nester der Anthophoren als Wohnstätte, in der

sie ihre weitere Entwickelung durchmachen, angewiesen seien, wie es z. B.

ausser Newport, Transactions of the Linnean society vol. XX, pag. 319, auch

von Siebold, Bienenzeitung, Jahrgang X, N. 8, ausspricht. Denn ich habe

z. B. in einem faulbrütigen Stocke, der fast gänzlich bienenleer war, von

Meloë proscarabaeus zwei Larven in der zweiten Verwandlungsform

angetroffen, was ein handgreiflicher Beweis ist, dass die Meloëlarven, wenn

ihnen nur die Möglichkeit geboten wird, auch in dem Bau der Honigbienen

leben können. (Siehe weiter bei der genannten Art.)

=Geographische Verbreitung=. Der Käfer ist in ganz Europa, Nord- Westasien

und dem Kaukasus verbreitet, jedoch nicht überall so häufig, wie z. B. in

Deutschland.

=Apistische Bedeutung=. Wie aus der Schilderung der Lebensweise

ersichtlich, ist die Larve dieses Käfers, wenigstens die Primitivlarve den

Bienen sehr schädlich und wohl die bis jetzt gefährlichste bekannte aller

Meloëlarven. In manchen Jahren, wenn sie in grosser Menge erscheint,

wimmeln die Bienen von ihr und man sieht mehrere Schritt im Umkreise um die

Bienenstöcke herum todte und unter den schrecklichsten Colvulsionen

sterbende Bienen zu mehreren Hunderten, ja zu Tausenden liegen. Und wie

viele mögen nicht schon auf der Tracht von ihnen umkommen! Aber nicht blos

die Arbeitsbienen, sondern auch die Königinnen werden von diesen Thieren

geplagt. Sie gehen von den Arbeitsbienen, die sie, wie schon oft erwähnt,

in die Stöcke importiren, auf die Königinnen über und verursachen durch ihr

Einbohren in die Gelenke auch den Königinnen den Tod.[30]

Ich selbst habe nur einmal Gelegenheit gehabt, an meinen Bienen im

Gouvernement Smolensk diese Meloëlarven zu beobachten. Im Jahre 1861 vom 5.

Juni neuen Styls an bemerkte ich die Arbeitsbienen meiner neun Stöcke,

welche im Porjetscher Kreise auf einer Haidefläche standen, an der

sogenannten Toll- oder Maikrankheit befallen. Einzelne Bienen stürzten aus

den Stöcken, fielen vor dieselben hin und drehten sich von Schmerzen

geplagt, auf dem Boden im Kreise herum, ohne wieder aufzufliegen, starben

jedoch nicht gleich, sondern blieben vor den Stöcken über Nacht liegen und

verendeten erst den folgenden Tag. Auch viele von der Tracht

zurückkehrenden Bienen fielen ermattet und starben unter convulsivischen

Bewegungen. Nachdem ich einige von den Bienen aufhob und genauer

betrachtete, fand ich, wie oben geschildert, in jeder Biene einige, in

manchen sogar bis achtzehn Meloëlarven zwischen die Bauchringe, in einigen

Ringen sogar zwei Larven eingedrungen. Von Tag zu Tag mehrten sich die

Todesfälle der Bienen, so dass vor einzelnen Stöcken den Tag über bis 200

Bienen todt oder krank lagen. Bis zum 15. Juni hielten die Sterbefälle

gleichen Schritt, von da an nahm das Sterben allmählich immer mehr ab und

hörte den 2. Juli ganz auf. Königinnen wurden von den Meloëlarven, wie das

bei Köpf geschah, nicht belästigt, wohl aber viele Drohnen, auf die sie

jedenfalls von den Arbeitsbienen hinübergingen und die auch starben. Ebenso

gingen sie auf die jungen und sogar ganz jungen, eben erst aus den

Brutzellen herausgekrochenen Bienen von den Trachtbienen, welche die Larven

in den Stock importirten, über und verursachten diesen den Tod. Im Innern

des Stockes auf dem Boden befanden sich ebenfalls viele todte und sterbende

Bienen. Die Meloëlarven hatten sie meist verlassen und hielten sich

versteckt im Gemüll, andere waren im Stock zerstreut, die meisten drangen

aber durchs Flugloch und besonders durch die Spalten des Stockes aus diesen

wieder heraus.

Von den Trachtbienen starben meist blos diejenigen, welche Honig

einsammelten, weniger von denen, die mit Pollen ankamen. Dies rührte daher,

weil die Larven von Meloë variegatus in meiner Gegend vorzüglich auf Ajuga

genevensis anzutreffen waren und die Honig einsammelnden Bienen die Blüthen

dieser Pflanze in jenem Jahre sehr viel besuchten, was sonst eigentlich nur

selten geschieht, da die Nectarien bei Ajuga tief liegen und der Rüssel

unserer Honigbienen im Verhältniss zu vielen anderen Bienen kurz ist. Von

welchen Pflanzen die polleneinsammelnden Bienen die Meloëlarven

mitbrachten, konnte ich mit Gewissheit nicht ermitteln, da die Meloëlarven

auf den verschiedensten Blüthen anzutreffen sind und ebenso auch die Bienen

von sehr verschiedenen Blüthen Pollen einsammeln. Doch glaube ich, dass die

Bienen die Larven von Fragaria collina, von welcher Pflanze sie

Blüthenstaub einsammelten und von welcher ich mehrere Larven von Meloë

variegatus abkötscherte, herholten.

Die durch diese Meloëlarven verursachten Krankheits- und Sterbefälle der

Bienen glichen so sehr den Symptomen der sogenannten Tollkrankheit, welche

von bisher noch unbekannten Ursachen entstehen soll und in manchen Gegenden

und Jahren die Bienenstöcke sehr herunterbringt, dass ich durchaus kein

Bedenken finde, diese Krankheit mit der durch die Larven der Meloë

variegatus hervorgebrachten zu identificiren. Etwas würde dagegen wohl

sprechen, nämlich, dass der grösste Bienenzüchter unserer Zeit, der

geniale, scharfsichtige Dzierzon an seinen Bienen nie Meloëlarven

beobachtet hatte, während ihm die Toll- oder Maikrankheit der Bienen

häufig vorgekommen ist. Dzierzon ist der Ansicht, dass die Tollkrankheit

theilweise vom vergifteten Honig herrühre, den böswillige Bienenhalter den

Bienen bei Raubanfällen vorsetzen. Aber auch die Natur selbst soll, seiner

Ansicht nach, schädliche Blumensäfte spenden, namentlich gegen Ende der

Baumblüthen, wenn der Apfelbaum und die Eberesche blühen, gehen alljährlich

bald mehr, bald weniger Bienen an dieser Krankheit zu Grunde, vorzüglich

die jungen Bienen, welche die Zellen vor Kurzem verlassen haben.[31] Die

Krankheit wurde überhaupt seit lange[32] von vielen Bienenzüchtern

beobachtet und als mehr oder weniger gefährlich geschildert. Die

eigentliche Ursache konnte man aber, wie schon bemerkt, nicht ergründen.

Es würde Manchem allerdings als gewagt erscheinen, wenn ich die Ansicht

Dzierzons verwerfe und die Tollkrankheit von den Larven der Meloë

variegatus Donov. ableite. Warum sollten aber nicht die Meloëlarven, zumal

da sie sich so tief in die Bienen einbohren, dass man sie gar nicht

bemerkt, und wenn im Bienenstock anwesend, diesen sehr bald verlassen,

Dzierzons scharfem Blick entgangen sein? Gab es denn nicht genug

scharfsichtige Beobachter, denen so manches Wichtige entging, was von

minder scharfsichtigen nachgetragen wurde? Sind denn überhaupt die

Meloëlarven, wie man das oben gesehen hat, nicht schon längst an den Bienen

beobachtet worden? Aber die grosse Schädlichkeit derselben blieb bis auf

Köpf 1857[33] unbekannt. Sollten denn aber wirklich die Meloëlarven nur im

Jahre 1857 und zwar bei Köpf allein als den Bienen schädlich aufgetreten

sein? Gewiss nicht! Es fehlte blos an sorgfältigen Beobachtungen. Gerade,

dass meist die jungen Bienen der Tollkrankheit unterliegen, bestärkt mich

noch mehr in meiner Ansicht, dass die Meloëlarven diese Krankheit

hervorbringen, weil die jungen Bienen eine noch sehr zarte Haut besitzen

und die Meloëlarven diese daher viel leichter irritiren, während manche

ältere Biene oft ohne grossen Schaden davonkommt. Auch die Jahreszeit, in

welche die Tollkrankheit fällt, nämlich in wärmeren Gegenden im Mai, in

kälteren im Juni, spricht für meine Ansicht. Um diese Zeit trifft man

gerade auch die Meloëlarven, die sich in wärmeren Gegenden früher, in

kälteren später zeigen, nirgends aber nach dem Monat Juni, zu welcher Zeit

auch die Tollkrankheit nicht beobachtet wurde.

Ich möchte aber das Entstehen der Tollkrankheit bei den Bienen nicht allein

diesem Insekt zuschreiben, sondern es dürfte noch ein anderes Thier, ein

Endozoon aus der Ordnung der Gordiaceen, diese Krankheit hervorbringen,

namentlich Mermis albicans de Sieb. und vielleicht auch noch Gordius

subbifurcus Sieb., doch von diesen weiter an den betreffenden Stellen.

=Prophylaxis=. Um die Bienen vor den Angriffen der Meloëlarven zu schützen,

ist es das Gerathenste, wenn jeder Bienenzüchter in seiner Gegend auf die

Vertilgung der Oelkäfer ausgeht. Tödtet er ein Weibchen dieses Käfers, so

hat er zugleich gegen 5000 Larven vertilgt, da der Eierstock gegen 5000

Eier zählt. Freilich wird es damit fast ebenso gehen, wie mit den

Maikäfern: Man sammelt in Deutschland alljährlich und in manchen Jahren

Millionen von denselben, ohne dass es bis jetzt möglich wäre, sie gänzlich

auszurotten. Es werden daher die Bienen immerhin mehr oder weniger von den

Meloëlarven zu leiden haben. Sieht man aber die Bienen mit diesen Insekten

behaftet in ihren Stöcken ankommen, so unterlasse es der Bienenzüchter ja

nicht, die vor den Stöcken und in den Stöcken auf dem Boden liegenden

todten oder sterbenden Bienen nebst allem Gemüll aufzulesen und auszukehren

und in heisses Wasser oder in's Feuer zu werfen, damit die Meloëlarven, die

sich auf den Bienen befinden, umkommen und sich nicht im Stock auf andere

Bienen begeben.

MELOË PROSCARABAEUS _Linné_. GEMEINER OELKÄFER.

(Taf. I. Fig. 6 ([männlich]), 6a, 6b.)

Linné, Fauna suecica, pag. 227. n. 826, Syst. naturae II. pag. 697. (ex

parte) -- Fabr. syst. Entom. pag. 259. n. 1., Spec. insect. pag. 327.,

Syst. Eleuther. II. pag. 587., Mantiss. insect. I. pag. 205. (ex

parte). -- Villers Entom. I. pag. 397. (ex parte). -- Gyllenh. Ins.

suec. Cl. I. T. I. P. II. pag. 489. -- Marsham. Entom. Brit. I. pag.

481. n. 4. -- Oliv. Entom. III. n. 455. Tab. I. Fig. Ia., b., c., d.,

e. -- Brandt u. Ratzeb. medic. Zool. pag. 113. Taf. XVI. Fig. 4.

([männlich]), (5[weiblich]). -- Brandt u. Erichs. Monogr. generis Mel.

(Nod. act. Acad. Leop. Carol. Nat, curios. Tom. XVI. pag. 113.)

Meloë atra, Meyer. Tentam. monogr. gener. Mel. pag. 15. Fig. 2.

Cantharis proscarabaeus varietas nigra, De Geer, Ins. V. pag. 3. n. 1.

Fig. 1.; Uebers. v. Götze, Bd. 5. pag. 237.

Meloë primus, Schâffer, icon. Tab. III. Fig. V., Abbild. u. Beschreib.

des Maiwurmkäfers, Fig. I. III.

Meloë tecta, Panz. Faun. German. 10. Fig. 14., Crit. Revis I. pag. 140.

Die Larve: Réaumur, Mém. IV. Mém. II. pag. 490. Tab. 31. -- De Geer, Mém.

V. Mém. I. Tab. I. -- Zenker, Klopffleisch und Kürschner: Die Biene

und die Bienenzucht (1836) pag. 24. Tab. III. Fig. 54. 1. 2. (Figura

pessima!) -- Von Sieb. Stett. entom. Zeit. Jahrg. 141. pag. 130.

=Characteristik=. Schzwarzblau mit violettem Schimmer, grubig punctirtem

Kopf und Halsschilde, letzteres fast quadratisch, nach hinten leicht

verengt. Flügeldecken wurmartig gerunzelt. Das sechste und siebente

Fühlerglied beim Männchen verdickt. Länge 5 bis 12''', Breite 2,7 bis 5'''.

Die Primitivlarve ist etwas kleiner als die des vorigen Käfers, etwa nur

1''' lang mit mehr abgerundetem, fast rundlichem Kopf, von gelblichweisser

oder auch mehr gelber Farbe, im Uebrigen der des vorigen Käfers gleich. In

der zweiten Form ist sie 6''' lang, gelblichweiss, sonst ganz mit der beim

Genus Meloë characterisirten übereinstimmend. Die weiteren Formen sind

unbekannt.

=Lebensweise=. Die Lebensweise dieses Käfers kommt mit dem vorigen überein.

Er ist der gemeinste Oelkäfer in ganz Europa.

Die Larven trifft man ebenfalls auf den verschiedensten Blüthen (ich habe

sie auch auf Raps und Rübsen beobachtet), wo sie auf die Bienen lauern, um

sie zu besteigen. Sie bohren sich aber nicht in die Gelenke etc. der Bienen

ein, wie es die Larven der vorigen Käferart thun, sondern sie halten sich

am oberen und unteren Theil des Bruststücks der Bienen an den Haaren fest.

In den Stock gelangt, begeben sie sich, wenn sie von den Bienen nicht

gehindert werden, in die Zellen, fressen hier wahrscheinlich nach der

Lebensweise in den Anthophora-Nestern zu urtheilen, ein Bienenei auf und

gehen vielleicht dann in eine mit Bienenbrod gefüllte Zelle, wo sie so

lange verbleiben, bis sie das Material verzehrt haben und dann weiter in

andere Zellen wandern. Denn eine einzige mit Bienenbrod angefüllte Zelle

kann ihnen unmöglich bis zu ihrem völligen Wachsthum ausreichende Nahrung

gewähren.

Ich habe die Lebensweise der Larven in den Bienenstöcken nicht verfolgen

können und fand überhaupt nur einmal in einer faulbrütigen, fast

bienenleeren Klotzbeute beim Herausschneiden der Wachswaben zwei sechs

Linien lange Meloëlarven in zweiter Form, die aus den Zellen herausfielen.

Ich bin nicht einmal im Stande mit Gewissheit anzugeben, ob es die Larven

von Meloë proscarabaeus waren, weil die Larven, trotz aller angewandten

Mühe sie zu erziehen, nach einigen Tagen schon starben, glaube es aber

desshalb annehmen zu müssen, weil ich Ende Mai an den Bienen meiner Stöcke

die Primitivlarve von Meloë proscarabaeus beobachtete und überhaupt in

jener Gegend (es war im Gouvernement Moskau bei Podolsk) noch nie einen

anderen Meloëkäfer antraf.

Dass diese Meloëlarven im Stocke überhaupt so lange verweilen konnten, dass

sie in das zweite Lebensstadium übergegangen sind, ist gewiss nur dem

Umstande zuzuschreiben, weil der Bienenstock krank war und die wenig übrig

gebliebenen Bienen die Meloëlarven nicht verfolgten. Ob diese Larven wohl,

wenn ich den Wabenbau des Stockes nicht ausgeschnitten hätte, in demselben

alle Stadien durchgemacht hätten, kann ich definitiv nicht beantworten. Mir

scheint es fast, als ob dies nur dann stattfinden könnte, wenn die

Primitivlarve gerade auf einer Wabe ihren Wohnsitz genommen hätte, wo alle

angrenzenden Zellen mit Bienenbrod versehen wären, wo dann die Larve, wenn

sie in einer Zelle das Futter verzehrt hätte, gleich in der angrenzenden

ihren Frass weiter fortsetzen könnte. Denn eine grössere Strecke auf den

vertikal hängenden Waben vermögen die Larven in der zweiten Form nicht

zurückzulegen, sondern fallen auf den Boden herunter, wo sie dann

sicherlich umkommen. Bei mir, wo sich die Larven in einem Zuckerglase

befanden, in welches ich eine kleine Wabe mit Bienenbrod senkrecht

einstellte, versuchten sie mehrmals diese zu erklimmen, fielen aber

regelmässig von der fünften Zelle wieder herunter. Zuletzt krochen sie in

die erste Zellenreihe, wo sie auch bis zu ihrem Tode verweilten.

=Geographische Verbreitung= und =Artenzahl=. Dieser Käfer hat mit dem

Vorigen dieselbe Verbreitung, ist aber noch viel häufiger als Jener.

=Apistische Bedeutung=. Die Larven dieser Meloëart schaden den Bienen nicht

so wie die der vorigen Art, weil sie sich nicht zwischen die Gelenke und

den Wachsabsonderungsapparat einbohren, sondern, wie oben angegeben, auf

dem Brustkasten sich an die Haare der Bienen festklammernd aufhalten. Sie

bringen daher den Bienen nicht den Tod herbei, indess fallen sie ihnen

doch lästig, weshalb der Bienenzüchter auch diesen Käfer zu vertilgen

suchen muss.

ORDNUNG. DIPTERA _Linné_. ZWEIFLÜGLER.

(=Antliata= _Fabricius_.)

FAMILIE. PHORIDAE _Latreille_. PHORIDEN.

Latreille, hist. natur. génér. et partic. des crustac. et ins. Tom XIV.

pag. 394.

=Charakteristik=. Kleine bis mittelgrossse, sehr flink herumlaufende

Fliegen, von buckelartigem Körperbau, ähnlich dem der Käfergattung

Mordella.

Der Kopf freistehend, sehr kurz, vorn flachgedrückt, selten von der Breite

des Rückenschildes, mit breiter Stirn, sehr kleinem Untergesicht, grosser

Mundöffnung und kräftigem, fast hornartigem mit schmalen Saugflächen

versehenem Rüssel. Taster hervorstehend, gross, häufig flachgedrückt,

borstig. Fühler dicht über dem Mundrande eingesetzt, sehr kurz,

dreigliederig, walzenförmig; das dritte Glied rund, in seltenen Fällen

konisch, mit nackter oder feinhaariger Rücken- oder Endborste. Augen gross,

nackt oder feinhaarig. Nebenaugen drei vorhanden, am Scheitel stehend.

Rückenschild vorn ein wenig verschmälert, meist stark und oft buckelartig

gewölbt. Schildchen grösstentheils klein, im Umriss halbmondförmig. Flügel

gross, zur Zeit der Ruhe dem Leibe parallel aufliegend, mit starkem Lappen,

am Vorderrande zwei dicken, bis zur Flügelmitte reichenden Adern aus denen

drei bis fünf zarte Zweige entspringen, und sich in verschiedenen

Richtungen bis zum Rande erstrecken. Die dicken am Vorderrande befindlichen

Adern entsprechen der ersten und dritten Längsader, die Letztere ist vorn

häufig gegabelt; unterhalb oder vor der Gabel entspringt aus ihr der erste

Zweig, welcher als die Fortsetzung der ersten Längsader zu betrachten ist.

Die Basalzelle ist verschmolzen, doch bei genauer Prüfung immerhin

wahrnehmbar, vorn ist sie durch eine von der dritten Längsader schief herab

und nach innen gehende dicke Ader, der kleinen Querader, begrenzt. Bei der

Abzweigung der kleinen Querader von der dritten Längsader nimmt der zweite

zarte Zweig seinen Anfang, welcher der vierten Längsader entspricht; die

beiden folgenden Zweige entsprechen der fünften und sechsten Längsader. Die

Analader ist oft gar nicht vorhanden. Die Schwingen freistehend, blattartig

oder geknöpft; die Schüppchen nur angedeutet. Beine stark, mit verlängerten

Hüften, breiten, plattgedrückten Schenkeln, oft etwas gebogenen

Hinterschienen, stark verlängerten Fusswurzeln, zarten Klauen und

deutlichen Ballen.

Der Hinterleib ist sechs- bis siebenringelig, meist etwas kurz, vorn breit,

nach hinten verschmälert, etwas abwärts gebogen, manchmal auf der Mitte

eingedrückt. Geschlechtstheile des Männchens ein wenig vorstehend, häufig

kolbig und am Bauche mit einer buckelartigen Erhebung oder mit

griffelartigen Organen versehen. Die Legröhre vorragend.

Die Larven vieler Arten sind bekannt, sie sind eucephal, amphipneustisch,

walzig, murikat (die der Phora incrassata nur durch die Loupe gesehen), von

Farbe weiss. Hinten schief gestutzt und hier mit murikaten Fleischzähnen

und am After mit zwei turbinaten Erhöhungen versehen.

Die Puppen sind Pupae obtectae, mehr oder weniger elliptisch, an den Enden

niedergedrückt, an den Seiten gerandet, auch wohl gekerbt, und bei manchen

mit Zähnen versehen. Kopf- und Aftergegend rund, mit Zähnen besetzt.

Prothorax-stigmata durch mehr oder weniger lange feine tubulose Hörnchen

vertreten.

=Lebensweise.= Die Fliegen trifft man auf Blumen, Blättern der

verschiedensten Pflanzen, an Baumstämmen, Planken und sogar an den Fenstern

unserer Wohnungen. Die meisten von ihnen ziehen das Laufen dem Fliegen vor,

andere dagegen unternehmen stundenlange Tänze unter Baumkronen oder in der

Nähe der Hecken und Sträucher. Viele leben einzeln, andere gesellig und oft

in grossen Schwärmen.

Die Larven leben theils parasitisch von den mannigfachsten Insecten, ihren

Larven und Puppen, theils von verwesenden vegetabilischen Stoffen, faulen

Kartoffeln, Möhren, Rettig und verschiedenen Pilzen, seltener von faulenden

animalischen Körpern (todten Schnecken). Es sind daher meist nützliche

Insekten und nur die Larven der Phora incrassata haben sich bisher als

schädlich erwiesen durch ihren Parasitismus in den Larven der Honigbiene.

=Geographische Verbreitung und Artenzahl=. Die exotischen Arten sind noch

sehr ungenügend bekannt. Europa repräsentirt gegen 90 bis jetzt bekannte

Species aus den verschiedensten Gegenden.[34]

GENUS. PHORA _Latr_. PHORA.

Latreille, hist. natur. génér. et partic. des crust. et ins. Tom. XIV.

pag. 394.

=Charakteristik=. Meist kleine Fliegen von buckeligem Aussehen und

schwarzer, dunkelbrauner oder rostgelber Färbung.

Kopf gesenkt, halbrund; Stirn langborstig. Letztes Fühlerglied rund oder

rundlich, gross mit nackter oder haariger aufgerichteten Rückenborste.

Ocellen im Dreieck stehend. Rückenschild stark, gewöhnlich hoch gewölbt,

ohne eine Quernath. Schildchen klein. Mittelschienen auf der Aussenseite

grösstentheils nackt oder höchstens mit einzelnen Borsten besetzt.

=Lebensweise=. Die Fliegen findet man selten auf Blüthen und Bäumen, meist

auf Blättern niederer Pflanzen, an Planken und Fenstern unserer Wohnungen.

Sie haben einen nur kurzen Flug und fliegen überhaupt sehr ungern, laufen

aber dafür mit einer ungeheuren Schnelligkeit umher. Von der Lebensweise

der Larven gilt hier dasselbe, was schon früher bei der ganzen Familie

erwähnt wurde.

=Geographische Verbreitung und Artenzahl=. In Europa in allen Ländern

verbreitet. Die Artenzahl der bis jetzt bekannten beträgt über achtzig, so

dass also das Genus Phora bei Weitem die meisten Species der genannten

Familien umfasst.[35]

PHORA INCRASSATA _Meigen_.

Tafel I. Fig. 4-6.

Meigen, Syst. Bearb. der zweifl. Ins. Tom. VI. pag. 212. Taf. 65. 5.

Fallen, Diptera, Suec. Phytomyz. pag. 6. (Var. Mordellaria).

Schiner, Fauna Austriae., Diptera, pag. 338.

=Charakteristik=. Glänzend schwarz, Hinterleib matt grau, der erste Ring

weisslich, die Einschnitte der mittleren Ringe manchmal gelblich braun

gesäumt. Der Kopf ist schwarz, die Stirn am Scheitel mit einem deutlichen

Höcker. Taster, Rüssel und Fühler schwarz oder schwarzbraun, das letzte

Fühlerglied klein. Augen sehr feinhaarig. Schwinger schwarzbraun. Flügel

glashell mit gelber Wurzel, der Grund des Vorderrandes kurz gewimpert.

Erste Längsader im Beginn des Verlaufs der dritten nahe liegend, die

Mündung von dieser weit entfernt. Vier Längsadern auf der Flügelfläche, die

obersten sehr stark bogenförmig, aus der dritten entspringend, im weiteren

Verlauf gerade. Aus der dritten Längsader, nahe am Vorderrande setzt sich

eine Flügelfalte deutlich fort, welche man fast als fünfte Längsader

betrachten könnte. Beine pechschwarz. Die Vorderschenkel mit Ausnahme des

Grundes, die Vorderschienen und Vorderfüsse rostgelb. Die Schienen der

Vorderbeine aussen mit zwei bis vier starken Borsten, die der Mittel- und

Hinterbeine mit je einer, die der letzteren manchmal mit zwei Borsten und

ausserdem noch mit Spornen versehen. Hinterbeinfersen innen gewimpert, an

der Spitze mit einer langen Borste besetzt. -- Länge 1,5 bis 2,0''', Breite

mit ausgespannten Flügeln 2,8 bis 3,8'''.

Die Larve (Taf. II. Fig. 4) ist dreizehnringelig, walzenförmig, fein

murikat, vorn spitz, hinten verbreitert, schräg abgestutzt, von Farbe

glänzend weiss, wenig pellucid. Der Kopf ist sehr klein, rundlich, sehr

zurückziehbar, so dass man die Larve mit blossem Auge gesehen, für acephal

halten würde, schwarz, mit kurzen, feinen, dreigliedrigen Fühlern, deren

Endglied kugelich. Die Prothoraxstigmata pyramidalisch vorstehend, etwas

nach unten gerückt. An jeder Seite des Prothoraxringes befindet sich eine

ansehnliche Borste. Am Afterrande befinden sich sechs kurze Fleischzähne,

von welchen das zweite Paar das längste und mit feinen braunen Härchen

besetzt ist. Stigmenträger braun. Dicht am After stehen zwei kugelförmige

Erhöhungen. -- Länge 1,6''', Breite an der breitesten Stelle (am letzten

Leibesringe) 0,6'''. Die Puppe (Taf. II. Fig. 5) ist auf der Rückseite

acht-, auf der Unterseite siebenringelig, länglich-oval, an beiden Enden

stumpf zugespitzt, mit hervorragendem gekerbtem Rande; oben auf der

Rückseite des Leibes abgeflacht, der vordere Theil nach vorn geneigt, unten

überall gleichmässig und stark gewölbt. An der Vorder- (Kopf-) und

Endspitze mit vier und beiderseits an jedem Ringe mit einem Zähnchen

versehen. Die beiden Prothoraxstigmen als zwei kleine etwas seitwärts

gekehrte tubulose Hörnchen erscheinend. Färbung schmutzig gelb, etwas

durchsichtig, so dass man auf der unteren Seite nach einigen Tagen schon

die entwickelten Flügel und Beine der Nymphe durchscheinen sieht. -- Länge

1,5''', Breite an der breitesten Stelle 0,8'''.

=Lebensweise und Einiges aus der Entwickelungsgechichte=. Die Fliege,

welche man in den meisten Gegenden Deutschlands, in Schweden und Russland

den Sommer und Herbst hindurch, häufiger im letzteren trifft,[36] hält sich

meist auf Gesträuch und an Planken auf. In Russland, in den Gouvernements

Moskau und Smolensk, beobachtete ich sie recht häufig in der Nähe der

Bienenstöcke, in welche sie durchs Flugloch hineinkriecht, um in die

Bienenbrut ihre Eier abzulegen. Zum Eierablegen wählt sie stets nur die

unverdeckelte, jedoch schon ziemlich erwachsene Brut und legt nur ein Ei in

jede Bienenlarve.

Dabei verfährt sie auf die Weise, dass sie ihre Legröhre zwischen die

Leibesringe der Bienenlarve steckt und die dort sehr empfindliche Epidermis

durchbohrt und sodann das Ei gleich unter die Haut ablegt.

Das Ei ist nicht so klein, wie man es von einem so kleinen Dipteron im

Allgemeinen zu erwarten hätte. Seine Länge beträgt 0,2''', die Dicke am

breitesten Durchmesser 0,1'''. Es ist länglich-oval, an dem einen Pole

etwas breiter, abgerundet, am anderen spitz, von Färbung gelblich weiss. Am

abgerundeten Ende befindet sich die Micropyle.

Das Ei liegt in der Bienenlarve nicht, wie man das annehmen sollte, in

verticaler Lage, sondern vollständig horizontal mit dem breiteren

abgerundeten Pole, wo sich die Micropyle befindet, nach dem Kopfende der

Larve gerichtet. Es besteht nur aus einer einzigen Eihaut. Die Membrana

vitellina war nicht aufzufinden. Das Chorion ist mässig dick, fast farblos,

ganz glatt, durchsichtig, so dass der Dotter und Embryo deutlich hindurch

schimmerte. Die Embryonen waren schon gleich nach dem Ablegen des Eies

ziemlich entwickelt[37] und lagen im Ei nur wenig mit dem Hinterleibe

gekrümmt, während der Vorderkörper gestreckt war. Das Kopfende des Embryo

konnte man deutlich wahrnehmen. Die Embryonen füllten fast das Ei aus, nur

ein geringer Raum bei den Polen war frei. Alle Eier enthielten übrigens den

Dotter noch in ansehnlicher Menge, welcher eine gelblichweisse Farbe besass

und aus Fettkügelchen von 0,05''' und Bläschen von 0,08''' bestand. Die

Bläschen enthielten eine in Wasser feinkörnig gerinnbare Flüssigkeit, die

specifisch schwerer als das Wasser war, weil sie stets untersank.

Fettkügelchen und Bläschen waren gelblichweiss.

Die Hautbedeckugg der Embryonen war ziemlich undurchsichtig, weshalb ich

den Darmkanal etc. von Aussen nicht beobachten konnte. Drei Stunden nach

dem Ablegen des Eies hatte der Embryo den ganzen Raum ausgefüllt und nahm

eine gestreckte, dem Ei gleiche Form an. Der Embryo war zum Ausschlüpfen

reif. Sehr bald bemerkte man auch stossweise Bewegungen mit dem ganzen

Körper nach dem vorderen Endpole, durch Zusammenziehen und Wiederausdehnen

der Leibesringe hervorgebracht. Die Bewegungen wiederholten sich

immerwährend, nur durch sehr kurze Ruhezwischenräume wurden sie

unterbrocken, dann aber immer kräftiger werdend. Nach zwei Stunden war die

Eihülle bei dem Micropylpole mit dem Kopf von der Larve durchstossen. Kaum

hatte das Thierchen seinen Kopf aus der Eihülle frei, so fing es auch schon

sogleich an, sich in senkrechter Lage in den Körper der Bienenlarve tiefer

einzubohren, während der grösste Theil des Leibes noch im Ei steckte. Nach

dem Maasse des Einbohrens verliess es auch die Eihülle. Eine Stunde nach

dem Durchstossen des vorderen Eipols war der ganze Körper der Larve aus dem

Ei heraus und zum grössten Theil in die Fettsubstanz der Bienenlarve

eingedrungen. Nach dem Ausschlüpfen aus dem Ei hatte die Phoridenlarve

0,1''' an Länge mehr betragen als das Ei, so dass sie also 0,3''' mass. Die

Dicke dagegen betrug etwas weniger als der Durchmesser des Eis. Die Länge

der Larve hatte also auf Kosten ihrer Dicke zugenommen, was aber daher

rühren mochte, dass die Larve im Ei zusammengezogen lag. Ihre Gestalt und

Färbung war gleich nach dem Verlassen des Eis dieselbe, wie ich sie bei der

erwachsenen Larve schilderte, nur war die Haut nicht murikat, sondern die

Stacheln waren nur als sehr feine, etwas erhabene Pünktchen angedeutet.

Die Phoridenlarven schlagen in der Fettsubstanz der Bienenlarven, in die

sie sich, wie schon vorhin erwähnt, gleich anfangs einbohren, ihre

bleibende Wohnstätte bis zu ihrem völligen Wachsthum auf. Sie wachsen

äusserst schnell, schon am folgenden Tage nach dem Verlassen der Eihülle

betrug ihre Länge 6,5''', bei einer Dicke von 0,2'''. 48 Stunden nach dem

Ausschlüpfen aus dem Ei häuten sie sich zum ersten Mal und es erschienen

mit der neuen Haut auch die sehr feinen Stacheln. 24 Stunden nach der

ersten Häutung erlangen die Larven eine ganz bedeutende Dicke, während ihre

Länge noch dieselbe bleibt. Nach 36 Stunden von der ersten Häutung an

gerechnet, häuten sie sich zum zweiten Mal und das Wachsthum verdoppelt

sich, so dass sie 24 Stunden nach der zweiten Häutung eine Länge von 1,2'''

und eine Dicke von 0,4''' erlangen.

Nach abermaligen 24 Stunden sind sie erwachsen und ihre Länge beträgt jetzt

1,6''' und die Dicke 0,6'''. Jetzt häuten sie sich zum dritten und letzten

Mal. Etwa zwölf Stunden nach der letzten Häutung verändern sie ihre

Richtung in der Bienenlarve, indem sie mit ihrem Kopfende sich nach dem

Hinterleibstheil der Bienenlarve wenden. Die Bienenlarve, die anscheinend

gesund ist und zu gleicher Zeit mit der Phoridenlarve ihr Wachsthum

erreicht, sich sogar eingesponnen hat, verändert sehr bald auch ihre Lage

und erscheint mit dem Kopfende nach dem Boden der Zelle gerichtet.

Was für Motive die Bienenlarve wohl bewegen mögen, eine ganz und gar

unnatürliche Stellung einzunehmen, ist schwer zu erklären. Ich habe es in

der Bienenzeitung, Jahrgang 1860 n. 1 dahin gedeutet, dass durch den

Parasitismus der Phoridenlarve, die Bienenlarve Schmerzen empfindet und

sich wahrscheinlich nach allen Seiten krümmt und schliesslich die

sonderbare Lage in der Zelle sterbend einnimmt. Doch nicht immer sind ja

besondere Ursachen nöthig. Warum bespinnt die Raupe von Pontia crataegi

oder Pieris brassicae mit grosser Sorgfalt ihren Feind, der ihr das Leben

nimmt, die aus ihr gekrochenen Larven des Microgaster glomeratus? Die Natur

hat es ihr so vorgeschrieben, ihrem Feinde eine schützende Decke zu

bereiten! Etwa zwölf Stunden, nachdem sich die Phoridenlarve umgewandt hat,

verlässt sie die Bienenlarve, ihre Epidermis am letzten Leibessegment in

der Mitte durchbohrend. Gewöhnlich, nachdem der halbe Körpertheil der

Phoridenlarve in der Bienenlarve steckt, beginnt sie schon mit ihrem Kopf

den Brutdeckel in der Mitte zu durchbohren. Nur in Drohnenzellen, wo

zwischen der Bienenlarve und dem Brutdeckel ein grösserer Abstand ist,

pflegt die Phoridenlarve erst ganz aus dem Leibe der Bienenlarve

herauszukriechen und dann den Brutdeckel, nicht aber in der Mitte, sondern

mehr an der Seite zu durchbohren. Hat sie den Brutdeckel durchbohrt, so

fällt sie herab auf den Boden des Stockes und verpuppt sich hier im Gemüll,

oder auch wohl ein Theil der Larven kriecht durchs Flugloch aus dem Stock

und verpuppt sich in der Erde. Zwölf Tage nach der Verpuppung kriecht das

vollkommene Insect durch eine dorsale Längsspalte aus der Puppe heraus.

=Apistische Bedeutung.= Dies Dipteron ist der gefährlichste Parasit der

Bienen, indem es durch den Parasitismus seiner Larve die schlimmste

Krankheit der Bienen, die sogenannte Faulbrut hervorbringt. Hat nämlich die

Phoridenlarve die Bienenlarve verlassen, so stirbt diese und geht in der

Zelle in eine fast homogene, schleimige zähe Masse über, welche einen

widerlichen Geruch besitzt, den man, sind viele Bienenlarven in Fäulniss

übergegangen, selbst mehrere Schritt weit vom Stocke entfernt auf dem

Binnenstande wahrnehmen kann. Durch das Miasma, welches sich im Stocke in

Folge der faulenden Bienenlarven verbreitet, werden auch die andern

gesunden, nicht mit Parasiten behafteten Bienen krank, gehen in dieselbe

schleimig-zähe, mephitisch riechende Masse über und in kurzer Zeit ist

nicht nur die ganze Brut des ursprünglich durch den Parasiten erkrankten

Stockes abgestorben, sondern auch die benachbarten Stöcke werden von

der Krankheit inficirt und gehen in der Regel ein. Der Parasitismus

dieser Fliege in der Bienenbrut ist für die Apistik von so grosser

Wichtigkeit, dass ich mich hier etwas näher auf die Faulbrut einzugehen

veranlasst fühle.

=Die Faulbrut=. Der Name »Faulbrut« deutet schon darauf hin, dass darunter

eine Brutkrankheit zu begreifen ist, bei welcher die Brut in Fäulniss

übergeht. Allein diese Benennung ist zu allgemein gewählt und wird von den

meisten Bienenzüchtern für jegliche Krankheit der Brut, wenn Letztere nur

abstirbt und in Fäulniss übergeht, gebraucht, ungefähr wie der Laie mit dem

Namen Nervenfieber die verschiedenen Typhusarten bezeichnet.

Dr. Ahlefeld[38] war der Erste, der zwei Arten von Faulbrut unterschied. Er

theilte sie in die sporadische und in die epidemische Faulbrut. Von

Berlepsch[39] theilte sie ebenfalls in die nicht ansteckende und in die

ansteckende Faulbrut, ferner letztere nach Dzierzon[40] in die gutartig

ansteckende und in die bösartig ansteckende. Die nichtansteckende Faulbrut

ist weiter nichts, als ein Erfrieren oder auch ein Verhungern der Brut. Es

kann ebenso gut wie die Larve und Nymphe auch das Bienenei und auch das

vollkommene Insect der Kälte unterliegen, wie auch die Larve und die Imago

verhungern. Die erfrorene oder auch verhungerte Bienenbrut geht wohl mit

der Zeit in Fäulniss über, aber die Zersetzung ist eine ganz andere, als

wir sie bei der entschiedenen Faulbrut kennen lernen werden. Die Brut geht

in keine schleimige Masse über, sondern behält ihre Structur bis zuletzt,

wo sie einschrumpft und eintrocknet, bei. Bei den meisten Larven bildet

sich auch wohl in manchen Fällen (bei feuchter Witterung) einige Tage nach

dem Erfrieren im Fettkörper der Leibeshöhle ein starkes filziges

Pilzgewebe, welches zuletzt die Epidermis durchbricht und eine Aehnlichkeit

mit Botrytis Bassiana nicht verkennen lässt, was schon Prof. Leuckart

beohachtet hat.[41] Nach dieser Periode wird die Larve oder auch Nymphe

steinhart und trocknet bald darauf ein. Auf gleiche Weise verhält es sich

auch mit den vor Hunger gestorbenen Bienenlarven. Noch viel häufiger als

den eben erwähnten Pilz, trifft man an den abgestorbenen Bienenlarven

und Bienennymphen eine Isaria-Art, und zwar wie es mir schien, Isaria

floccosa Fries.

Diese Faulbrut beschränkt sich aber nur auf die abgestorbene Brut. Lebende

Larven und Nymphen werden von ihr nicht inficirt. Es ist demnach diese

Faulbrut gar nicht als eine Krankheit zu betrachten, weil die Fäulniss ein

nothwendiger Process eines jeden todten organischen Körpers ist. Ganz

anders verhält es sich mit der wirklichen Faulbrut, der epidemischen

Faulbrut Ahlefeld's, Berlepsch's und Dzierzon's, der ich die Benennung

Gangraena apum verleihen möchte. Hier geht die Zersetzung schon im lebenden

Körper der Larve allmählich vor sich und erreicht ihren Höhepunkt nach dem

Tode der Bienenlarve oder Bienennymphe und der Zersetzungsprocess pflanzt

sich von der einen kranken Larve oder Nymphe auf die benachbarte fort.

Die entschiedene Faulbrut, die ich so eben mit Gangraena apum bezeichnet

habe, ist folgendermaassen zu charakterisiren: Man findet im Anfange der

Krankheit an irgend einer oder an einigen, oft an den vordersten, manchmal

aber auch in den mittelsten bedeckelten Brutwaben einige 20 bis 50

zerstreut, manchmal in einer Gruppe beisammen stehende Brutzellen mit

eingefallenen Deckeln. Untersucht man diese eingefallenen Brutdeckel

genauer, so entdeckt man an ihnen schon mit dem blossen Auge ein in der

Mitte, oder auch mehr an der Seite sich befindliches kleines rundes Loch,

dessen Durchmesser kaum die Grösse von 0,5''' ausmacht. Nimmt man den

Deckel von der Zelle ab, so findet man die ausgewachsene, aber noch nicht

in eine Nymphe verwandelte Bienenlarve meist, ja in der Regel, in

verkehrter Stellung, d. h. mit dem Kopfende nach dem Boden der Zelle

gerichtet, liegen, eine bräunliche Farbe angenommen. Zerquetscht man die

Larve, so bemerkt man, dass sich ihr Inhalt in eine schleimige homogene

Masse verwandelt hat, die den Geruch von faulendem Horn oder Leim besitzt.

Nach Verlauf von 12 bis 24 oder erst nach 36 Stunden erkennt man an den

Larven nichts mehr von ihrer Gestalt. Sie zerfliessen vollständig in eine

schleimige, klebrige, homogene nach schlechtem Leim sehr stark riechende

Masse, welche nach 5 bis 7, oft aber auch erst nach 10 Tagen sich zu einem

trocknen dunkelbraunen Körper zusammenballt, welcher den unangenehmen

Geruch fast verliert. Ehe die faulenden Bienenlarven aber in diese

eingetrocknete Masse übergehen, ist schon die benachbarte gesunde im

Umkreise der faulenden befindliche Brut ebenfalls in denselben sich

zersetzenden Zustand übergegangen. Das Uebel greift nun zuletzt immer

weiter, so dass schon häufig in einigen Tagen die Brut einer ganzen Tafel

von 8 Zoll Höhe und 10 Zoll Länge von diesem Zerzetzungsprocess befallen

wird und schliesslich sich auch auf die übrigen Bruttafeln im ganzen Stocke

ausdehnt. Hin und wieder gelangen die Larven in einigen Zellen zur

Verwandlung in Nymphen und es kriechen auch aus denselben Bienen heraus;

95, mindestens aber 90 Procent unterliegen der Epidemie. Hat die Krankheit

in einem Stocke ihren Culminationspunkt erreicht, d. h. ist der grösste

Theil oder mindestens die Hälfte der Brut in Zersetzung übergegangen, so

kann man schon in einer Entfernung von 20 Schritt vom kranken Stocke einen

Leimgeruch wahrnehmen, als ob man sich in einer Leimsiederei befindet, die

einen grossen Vorrath von in Fäulniss übergegangenen Hörnern und Hufen zu

Leim verarbeitet.

Diese Pest erstreckt sich aber nicht blos auf den ursprünglich erkrankten

Stock, sondern sie pflanzt sich auf den gesunden Nachbarstock herüber, so

dass in einem Sommer alle Stöcke eines Bienenstandes an ihr zu Grunde

gehen, weil fast sämmtliche nachgezogene Brut der Stöcke, sobald sie in's

Stadium der Verwandlung zur Nymphe überzugehen anfängt, abstirbt und in die

schon erwähnte Materie übergeht.

Ist die Krankheit auf einem Bienenstande ausgebrochen, so wird sie

gewöhnlich von den Bienen selbst, welche sich bekanntlich sehr häufig

gegenseitig berauben, auf die benachbarten Stände verschleppt, entweder

durch die Bienen des kranken Standes, oder, was viel häufiger der Fall ist,

durch die Bienen des gesunden Standes, weil diese, sich munter und kräftig

fühlend, in die krankhaften abgeschwächten Stöcke mit der grössten

Leichtigkeit behufs des Honigraubes eindringen und so aus den kranken

Stöcken das Contagium zu sich hinüberschleppen. Auf diese Art können nicht

nur die Bienenstände einer Stadt oder eines Dorfes inficirt werden und

daher zu Grunde gehen, sondern es können die Stände eines ganzen Bezirks,

ja eines ganzen Ländchens in kurzer Zeit gänzlich bienenleer werden.

Nicht immer nimmt aber die Krankheit einen so raschen ungünstigen Verlauf,

wie ich ihn eben geschildert habe. In manchen Fällen geht das Absterben der

Bienen nur langsam vor sich. Es geht nur ein Theil der Bienenlarven in den

Zersetzungszustand über. Die übrigen bleiben gesund, verwandeln sich in

Nymphen, so dass der Stock immerhin noch junges Volk erhält und sich oft

zwei, ja sogar drei Sommer lang hält ehe er gänzlich eingeht. Im Herbst

hört die Krankheit auf, da keine Brut vorhanden ist, sobald aber gegen das

Frühjahr zu, Brut gezogen wird, stellt sie sich auch wieder mit dieser ein.

In den seltensten Fällen verliert sie sich allmählich und der Stock bleibt

gesund.

Das Benehmen der Bienen faulbrütiger Stöcke ist, je nach dem Grade der

Krankheit verschieden. Im Anfange der Krankheit, d. h. wenn noch wenige

Brut abgestorben ist, sind die Bienen ganz rüstig und munter und verrichten

alle ihre Geschäfte, wie die eines völlig gesunden Stockes. Hat aber die

Krankheit einen höheren Grad erreicht, ist schon ein ansehnlicher Theil der

Brut verdorben und hat sich daher auch der mephitische Geruch eingefunden,

so stellen die Bienen die meisten Arbeiten ziemlich ein. Es wird fast gar

kein neuer Wachsbau aufgeführt, nach Tracht wird nur wenig ausgeflogen,

ebenso wird wenig Brut angesetzt; die Bienen sind bemüht ununterbrochen Tag

und Nacht hindurch zu ventiliren, um die verpestete Luft aus dem Stocke

hinauszuwehen. Die Zellen mit der eingetrockneten Brutmasse werden nach

Möglichkeit ganz herausgebissen, weil die Brutmasse anders nicht zu

entfernen ist. Hat die Krankheit noch mehr überhand genommen, vielleicht

sich über den halben Stock verbreitet, dann hören alle Arbeiten der Bienen,

wenigstens innerhalb des Stockes gänzlich auf, Brut wird gar nicht mehr

angesetzt, die Bienen beschränken sich auf denjenigen Raum ihres Baues,

welcher keine Brut enthält. Erreicht die Faulbrut schon im Frühjahr oder

Vorsommer einen solchen Zustand, dann geschieht es häufig, dass die Bienen

aus ihrem Stocke ausschwärmen und eine neue Wohnung beziehen, wo sie sich

von neuem ansiedeln.

Damit retten sie sich jedoch nicht; sobald nur Brut angesetzt wird, und die

Bienenlarven sich einspinnen, bricht die Krankheit abermals aus.

Aus meiner Characteristik der epidemischen Faulbrut geht hervor, dass man

zwei Formen dieser Krankheit zu unterscheiden hat, eine, die mit einer

rasenden Schnelligkeit den Untergang eines Stockes hervorbringt und eine,

die den Stock nur langsam zum Absterben bringt und in manchen Fällen dem

Bienenstock nur schadet, aber ihn nicht vernichtet. Die erstere Form wäre

also, wie sie Dzierzon[42] nennt, die bösartig ansteckende, die zweite die

gutartig ansteckende Faulbrut. Die bösartig ansteckende Faulbrut, wie sie

Dzierzon a. a. O. schildert, stimmt mit meiner Beobachtung und der oben

angegebenen Characteristik überein, nur erwähnt Dzierzon a. a. O., ebenso

auch Scholtiss[43] Nichts darüber, ob die verdeckelten abgestorbenen

Bienenlarven in verkehrter Stellung sich in den Zellen befanden oder nicht.

Kleine und v. Berlepsch[44] dagegen führen ausdrücklich an, dass alle

Bienenlarven, welche faulbrütig waren mit dem Kopfende nach dem Boden der

Zelle gerichtet lagen, also ganz so, wie ich es jetzt geschildert und schon

früher beobachtet habe und in der Bienenzeitung, Jahrgang 1860 No. 1

beschrieb. Dzierzon's gutartig ansteckende Faulbrut weicht aber von meiner

in sofern ab, als Dzierzon dieselbe meist nur an unbedeckelten Bienenlarven

beobachtete, welche abstarben und in Fäulniss übergingen, während die

bedeckelten Bienenlarven gesund blieben und sich zu vollkommenen Insekten

entwickelten. Auch trockneten die in Fäulniss übergegangenen Larven zu

einer Kruste am Boden zusammen, welche die Bienen leicht aus den Zellen

entfernen konnten. Meine gutartig ansteckende Faulbrut dagegen

unterscheidet sich von der bösartigen in Nichts weiter, als dass sie den

Stock nur allmählich dem Untergange näher brachte und in manchen Fällen von

selbst verschwand, ohne dass der Stock ausstarb. Es gingen grösstentheils

nur die verdeckelten Bienenlarven in Fäulniss über und schrumpften nicht zu

einer von den Bienen leicht zu entfernenden trocknen Masse zusammen,

sondern die vertrocknete Masse haftete so stark an dem Zellenboden und den

Wandungen der Zelle, dass die Bienen, wenn sie die Masse wegschaffen

wollten, genöthigt waren, die ganze Zelle auszubeissen. Es wären also

demnach drei Arten von Faulbrut zu unterscheiden (die nicht ansteckende

lasse ich ganz weg, weil sie, wie ich gezeigt habe, gar keine Krankheit

ist) eine bösartig ansteckende -- um mich des Ausdrucks Dzierzon's zu

bedienen -- und zwei gutartig ansteckende Faulbrutarten.

Die von mir beobachtete gutartig ansteckende Faulbrut ist aber nur als eine

mildere Form oder Modification der bösartig ansteckenden Faulbrut zu

betrachten, weil sie bis auf die geringere Contagiösität, von der

bösartigen Faulbrut sich in Nichts unterscheidet und wahrscheinlich nur

durch den Mangel einer grösseren Disposition der Bienenlarven zur Aufnahme

des Contagiums nicht in die bösartige Faulbrut ausartet. Daher halte ich es

für passender die Faulbrut nicht nach dem Grade der Extensität, sondern

nach dem Alter der Bienenlarven, welche von ihr befallen werden, und nach

den Symptomen im weiteren Verlauf der Krankheit einzutheilen. Sodann würde

man also eine Faulbrut haben 1) welche meist nur die verdeckelten, der

Verwandlung zu Nymphen nahen, Bienenlarven heimsucht und sich rasch über

den ganzen Stock verbreitet und ihn vollständig zu Grunde richtet. Und 2)

eine Faulbrut, die meist nur die unverdeckelten Bienenlarven befällt, nur

langsam sich im Stocke verbreitet und manchmal von selbst verschwindet,

ohne den Stock zu vernichten. Ferner a) eine Modification der ersteren

Faulbrut, die wie diese meist nur die verdeckelte der Verwandlung zur

Nymphe nahe Brut vernichtet, sich aber nur langsam im Stocke verbreitet und

manchmal von selbst wieder verschwindet, ohne dem Stocke den Untergang zu

bereiten.

Alle Arten der Faulbrut, sie mögen bösartig ansteckend, oder gutartig

ansteckend sein, bringen dem Bienenzüchter grosse Verluste bei, nicht blos

dadurch, dass diese Krankheiten einen grossen Theil der Bienenbrut

wegraffen und dadurch dem Bienenstocke in den allerhäufigsten Fällen den

Untergang bereiten, sondern auch noch dadurch, dass der Bienenzüchter die

ihm so werthen Wachswaben nach dem Aussterben eines faulbrütigen Stockes

für andere Stöcke nicht verwenden kann, theils weil sie das Contagium

enthalten, theils aber auch, wenn man selbst das Contagium durch

desinficirende Mittel entfernen könnte,[45] dadurch, dass in den Zellen die

eingetrocknete Brutmasse zurückbleibt und von den Bienen mit Ausnahme der

unter 2. erwähnten Faulbrut gar nicht aus den Zellen entfernt werden kann,

mithin für sie die Waben unbrauchbar werden und der Bienenzüchter genöthigt

ist, die Waben, wenigstens diejenigen, in welchen Brut sich befand, die

aber bei Weitem den grössten Theil ausmachen, zu Wachs einzuschmelzen.

Jeder rationelle Bienenzüchter weiss aber, welchen hohen Werth die leeren

Wachswaben für ihn haben. Aber auch die Bienenwohnungen, in welchen

faulbrütige Völker ihren Sitz hatten, sind nach Dzierzon und mehreren

andern Bienenzüchtern erfahrungsmässig vor zwei bis drei Jahren für

anderweitige Schwärme nicht zu gebrauchen, weil sie sonst die Faulbrut

erzeugen. Ebenso vorhält es sich mit dem Honig faulbrütiger Stöcke. Der

Honig solcher Bienen darf zur Fütterung gesunder Bienen nicht verwandt

werden, wenn er auch dem vollkommenen Insect nichts schadet, so ist es doch

evident bewiesen, dass die Brut stets nach dem Genuss eines solchen Honigs

an der Faulbrut erkrankt. Ja selbst der Ort, auf welchem früher faulbrütige

Stöcke standen, kann nach v. Berlepsch vor ein Paar Jahren nicht benutzt

werden, weil der Ort länger als ein Jahr das Vermögen besitzt, gesunde

Stöcke zu inficiren.[46] Gleichfalls können auch Bienen eines faulbrütigen

Stockes zur Verstärkung anderer gesunder Stöcke nicht gebraucht werden, da

sie das Contagium mit sich führen.

Nach Dierzon, v. Berlepsch, Kleine und vielen anderen Bienenzüchtern ist

überhaupt von einem faulbrütigen Stock für andere gesunde Stöcke Nichts zu

verwenden, als die Königin, welche das Contagium nicht weiter verbreiten

soll. Nach meiner Beobachtung, freilich nur nach zwei vorgenommenen

Versuchen, inficirt auch die Königin die gesunden Stöcke. Aus dem früher

und eben Gesagten erhellt, wie verderbend die Faulbrut auf die Bienen sich

äussert und wie nachtheilig sie dem Bienenzüchter und in

national-öconomischer Hinsicht ist. Die Entstehungsweise und die Cur dieser

Krankheit hat daher von je her die Bienenzüchter aller Völker, welche die

Bienen cultivirten, lebhaft beschäftigt. Dass wir daher sehr reich an den

mannigfachsten Ansichten über die Entstehungsweise dieser Krankheit und

über ihre Behandlung sind, darf uns nicht wundern. Schon Junius Moderatus

Columella[47] erwähnt diese Bienenbrutseuche, die er mit dem griechischen

Wort [griechisch: phagedaina] bezeichnet und giebt auch die Mittel an, wie

man einen faulbrütigen Stock zu behandeln hat. Seiner Ansicht nach entstehe

diese Krankheit durch Volksverlust, welcher eintritt, wenn die Bienen auf

der Tracht plötzlich vom Regen oder Wirbelwind überrascht werden und

umkommen. Das Wachsgebäude wird in Folge dessen zum Theil von Bienennen

entblösst und fängt zu faulen an. Desgleichen verderbe auch der Honig.

Einen solchen Stock schlägt er vor, mit einem anderen zu vereinigen, damit

die verlorene Bienenmenge wieder ersetzt werde. Plinius[48] nahm an, dass

in den Tafeln ein Gewächs (Clavus) entstehe, welches eine Missgeburt der

Bienen sei. Die verbreitetste Ansicht über die Entstehungsweise der

Faulbrut war und ist auch jetzt noch unter den meisten Bienenzüchtern

diejenige, die wir bei Columella erwähnt finden. Nämlich durch plötzlichen

grossen Volksverlust bleibt ein Theil der Brut von den Bienen unverpflegt

und unerwärmt, stirbt ab und geht schliesslich in Fäulniss über. Oder auch

selbst bei gar keinem Volksverlust, aber bei eingetretener kalter

Witterung, welche die Bienen nöthigt, sich in's Centrum des Stockes

zurückzuziehen, erkaltet die äussere Brut und geht zuletzt ebenfalls in

Fäulniss über. Die zweite verbreitetste Ansicht über die Ursache der

Faulbrut ist die Fütterung der Bienen mit amerikanischem oder polnischem,

oder auch in Gährung übergegangenem deutschen Honig.

Auch Dzierzon ist der Ansicht, dass der amerikanische Honig die Faulbrut

erzeuge. Er selbst will durch die Fütterung mit diesem Honig einige hundert

seiner Stöcke eingebüsst haben.[49] Nach minder verbreiteten Ansichten

wurde die Entstehung dieser Krankheit von giftigem Honig, (Blüthensaft),

den die Bienen von der Tracht holen sollten, abgeleitet. Ferner sollte die

Faulbrut durch den Bienenwärter selbst hervorgebracht werden, wenn er etwa

an verdorbenen Säften, z. B. an der Scrophulosis und noch ärgeren

Krankheiten litt. Auch vermuthete man, dass ein Fadenpilz, Mucor

mellitophorus, der im Chylusmagen der Bienen vorkommt, auf die

Futtersaftbereitung der Bienen einen nachtheiligen Einfluss übe, die Brut

daher ein nicht hinreichend verdautes Futter erhalte und dieser Pilz also

die indirecte Folge der Faulbrut wäre. Endlich wurde in neuester Zeit sogar

Strassenstaub, der in die Brutzellen dringe, als Ursache des Sterbens und

nagträglichen Verwesens der Bienenlarven angesehen.

Die Ansicht, dass die Faulbrut durch plötzlichen Volksverlust und daraus

resultirende Verkühlung und schliessliches Erfrieren oder Verhungern der

Brut und dergleichen angeführte Ursachen entstehe, kann nur auf die

sogenannte nicht ansteckende Faulbrut bezogen werden. Die Fütterung der

Bienen mit amerikanischem oder polnischem Honig kann nur in dem Falle

Faulbrut erzeugen, wenn diese Honigarten von faulbrütigen Bienen abstammen,

oder wenigstens Honig von kranken Stöcken beigemischt enthalten. Dies

findet nun freilich sehr häufig statt, z. B. in denjenigen Ländern

(Russland, Nordamerika), wo man die Bienen im Herbst, um den Honig zu

ernten, abschwefelt und nun Honig, Bienenbrod (Pollen), Wachs, Brut und

selbst Bienen ohne Unterschied von gesunden und kranken Stöcken zu einem

Brei verarbeitet und durch Siebe den Honig, oder richtiger überhaupt die

flüssigen Körper von den festen Bestandtheilen abfiltrirt. Ein solcher

Honig den Bienen gereicht, oder auch von den Bienen selbst zufällig

genascht, muss die Krankheit unbedingt erzeugen. Aber dies würde nur als

eine secundäre Ursache der Faulbrut zu betrachten sein. Saurer oder in

Gährung übergegangener Honig, wenn er nur nicht von kranken Stöcken

herrührt, schadet den Bienen nichts, wenigstens verursacht er die Faulbrut

nicht. Ich habe oftmals absichtlich Honig mit einem Ferment versetzt, die

Gährung eintreten lassen und den Honig sehr stark säuerlich den Bienen

verfüttert, ohne davon den geringsten Schaden, geschweige die Faulbrut

wahrzunehmen. Auch Dzierzon sagt irgendwo, dass saurer Honig den Bienen

nichts schade.

Die Entstehung der Faulbrut vom sogenannten giftigen Honig oder Thau

herzuleiten, was Einige thun, ist wohl etwas zu weit hergeholt. Denn

sollten die Bienen wirklich giftigen Honig und dergleichen eintragen, so

müsste die Krankheit sich häufiger wiederholen, es müsste nicht ein Stock

eines Bienenstandes krank werden, sondern gleich, oder sehr bald darauf

mehrere oder alle Stöcke des ganzen Standes erkranken; denn bekanntlich,

wenn es eine gute Tracht giebt und namentlich einen Honigthau, so wird

nicht blos der eine Stock diese Tracht benutzen, sondern alle Stöcke

zugleich. Noch viel weiter hergeholt ist aber jedenfalls die Entstehung der

Faulbrut von den Ausdünstungen kranker (scrophulöser etc.) Menschen, die

mit den Bienen umgehen. Solch eine Ansicht bedarf eines Commentars nicht,

sondern fällt von selbst zusammen. Was nun den Fadenpilz anlangt, der eine

Störung der Futtersaftbereitung im Chylusmagen hervorbringen soll und

dadurch, wie oben erwähnt, auf indirecte Weise die Faulbrut erzeuge, so ist

dies schon darum unmöglich anzunehmen, weil Bienen ganz gesunder, nicht

faulbrütiger Stöcke oft mit diesem Pilze sehr behaftet sind, während

diejenigen faulbrütiger Stöcke sehr häufig gar keine Pilze beherbergen, was

ich in den Gouvernements Moskau und Smolensk an meinen Bienen oftmals

beobachtet habe. Wenigstens waren die Bienen meiner sämmtlichen Stöcke

pilzlos. Endlich was die Entstehungsweise der Faulbrut von Strassenstaub

betrifft, so müsste es denn sein, dass der Staub in solcher Masse in die

Brutzellen dringt, dass er die Stigmen und Poren der Bienenlarven gänzlich

verstopft und somit den Erstickungstod der Larven hervorruft, was aber noch

nicht die Faulbrut wäre. Ebenso kann auch grünspahnhaltiger Honig die

eigentliche Faulbrut nicht erzeugen.

Wie man sieht, sind die hier erwähnten Ansichten über die Entstehungsweise

der Faulbrut sehr problematischer Natur und beruhen auf blossen und sehr

unhaltbaren Hypothesen. Nachdem ich aber alle Ansichten der Bienenzüchter

über die Entstehungsart der Faulbrut verworfen habe, wird man an mich die

Frage richten, wovon entsteht denn eigentlich die Faulbrut? Diese Frage

habe ich schon bei der Schilderung der Lebensweise von Phora incrassata

beantwortet. Dieses Dipteron ist die wirkliche Ursache der Faulbrut. Den

Parasitismus dieser Fliege als Larve in den Bienenlarven habe ich bereits

im Jahre 1859 in Podolsk bei Moskau beobachtet und in der Bienenzeitung von

1860 N. 1, pag. 11 beschrieben.

Man wird mir vielleicht einwenden und meinen, sollte denn wirklich die

Faulbrut vom Parasitismus einer Fliege herrühren? Sollte es nicht eher

umgekehrt der Fall sein, ist nicht vielmehr die Faulbrut die Ursache des

Parasitismus der Fliege, d. h. legt nicht vielleicht die Fliege ihre Eier

erst dann in die Bienenlarven, wenn Letztere bereits gestorben sind? Dies

muss ich, auf meine Beobachtungen gestützt, absolut verneinen. Man kann

sich sehr leicht von der Gegenwart kleiner Phoridenlarven in den noch

unverdeckelten lebenden Bienenlarven überzeugen, wenn man diejenigen Larven

aus der Nähe der Faulbrütigen zur Untersuchung wählt. Man schneide nur den

Kopf dieser Larven ab und presse vorsichtig den Inhalt heraus, mit welchem

man, wenn viele Larven untersucht werden, von den Einen oder Anderen den

Parasiten herausbefördern wird. Benutzt man eine ziemlich stark

vergrössernde Loupe, so geht man sicherer; man wähle dann diejenigen

Larven, welche zwischen irgend einem Ringelpaar eine feine Narbe wahrnehmen

lassen. Die Narbe rührt von der Legröhre der Fliege her, welche die

Bienenlarve damit anbohrte. Bei einiger Uebung lässt sich sogar das

Fliegenei aus der Bienenlarve herausholen. Das Ei befindet sich, wie schon

erwähnt, gleich unter der Haut der Bienenlarve. Die ausgeschlüpften

Phoridenlarven bohren sich sogleich, wie das schon früher angegeben war,

tiefer ins Innere der Bienenlarven ein und schlagen ihren Wohnsitz im

Fettnetze auf. Nach fünf Tagen schon sind die Phoridenlarven ausgewachsen

und dies fällt regelmässig in die Zeit, wenn sich die Bienenlarve schon

eingesponnen hat und ihre Verwandlung zur Nymphe erwartet. Nur in sehr

seltenen Fällen traf ich auch Phoridenlarven in bereits schon zu Nymphen

verwandelten Bienenlarven an. Ist die Phoridenlarve erwachsen, so verlässt

sie auf die bereits beschriebene Weise die Bienenlarve, um sich im Gemüll

des Stockes oder in der Erde zu verpuppen. Und jetzt erst geht die

Bienenlarve in Fäulniss über. Dies geschieht aber nicht sogleich. Den

ersten Tag ist die Bienenlarve noch völlig frisch und es lässt sich an ihr

blos an ihrem hinteren Theile eine sehr feine Oeffnung erkennen, durch

welche die Phoridenlarve herauskroch. Die Oeffnung war ursprünglich

grösser, durch Zusammenziehen der Haut aber bald nach dem Ausschlüpfen der

Phoridenlarve erscheint sie sehr klein, jedoch mit dem blossen Auge

deutlich sichtbar. Den folgenden Tag aber schon bemerkt man an der Wunde

der Bienenlarve die Wandungen des Larvenkörpers dunkler, gelb geworden, den

dritten Tag schon fast braun und eine grössere Ausdehnung bis fast zum

vierten Ringe angenommen. Den vierten Tag wird die Bienenlarve bis zum

siebenten Ringe bräunlich und die hintersten Leibesringe sind gewöhnlich

schon in eine schleimig zähe Flüssigkeit zerflossen. Den fünften Tag wird

der Rest der Larve bräunlich und die halbe Larve ist zerflossen. Den

sechsten Tag hat sich die ganze Larve in eine homogene, schleimige und wie

schon früher erwähnt, nach Leim riechende Masse verwandelt, nur die derbere

chitinöse Epidermis bleibt unzerstört. In diesem Zustande bleibt die Masse

noch fünf Tage, dann fängt sie an allmählich immer dickflüssiger zu werden,

bis sie nach weiteren fünf Tagen zu einer harten dunkelbraunen Masse an den

Boden und den Wandungen der Zellen eintrocknet. Die eingetrocknete Masse

pflegt gewöhnlich ein Viertheil der Zelle auszufüllen.

Unter dem Microscop betrachtet, erscheint die faulbrütige Masse

wellenförmig gestreift, hin und wieder bemerkt man einige runde Körnchen,

die aus unverdauten Pollen, oder eigentlich Cellulose bestehen. Von einer

Pilzbildung ist keine Spur wahrzunehmen.

Versetzt man die faulbrütige Masse mit einer doppelten Gewichtsmenge kalten

destillirten Wassers, so wird nur ein sehr geringer Theil der Masse vom

Wasser aufgelöst. Das Wasser bekommt eine braun-röthliche Färbung. Die

faulbrütige Masse schwimmt nicht auf dem Wasser, sondern sinkt unter, ist

also specifisch schwerer als das Wasser. Eine vier- bis zehnfache

Wassermenge vermochte auch nur wenig mehr von der Masse aufzulösen. Bei

vorsichtigem Eindampfen in mässig erwärmtem Sandbade bekam die Auflösung

eine syrupartige Consistenz von brauner Farbe und schmeckte etwas süsslich

mit bitterem Nachgeschmack. Sie bestand aus Extractivstoff und ein wenig

Traubenzucker.

Ganz anders wirkte heisses Wasser auf die Faulbrutmasse ein. Eine doppelte

Gewichtsmenge heissen Wassers auf die Masse infundirt, löste nahezu den

vierten Theil der Masse auf. Noch mehr, die vierfache Gewichtsmenge heissen

Wassers auf die Masse aufgegossen und zwölf Stunden in der Wärme stehen

gelassen, löste sogar etwas über die Hälfte von der Brutmasse auf. Die

filtrirte Lösung hatte eine gelbbräunliche Färbung und gerann beim Erkalten

zu einem dünnen, klebrigen, durchsichtigen Gelée. Im kalten Wasser löste

sich dieses Gelée in jedem Verhältniss auf. Beim Versetzen eines Theils der

Lösung mit Alcohol entstand ein faseriger weisser Niederschlag.

Desgleichen, wurde die Lösung mit einer Auflösung von einer geringen Menge

Pyrogallussäure versetzt, so entstand ein weisser Niederschlag, der sich

aber am Boden des Gefässes als eine ziemlich zähe klebrige Masse

festsetzte. Aether, Alcohol und Benzol lösten nichts vom Gelée auf. Dagegen

verdünnte Schwefelsäure, Salz- und Essigsäure wirkten auf ihn völlig

auflösend. Der Luft ausgesetzt, ging das Gelée in Zeit von 48 Stunden bei

einer Temperatur von +18° in Fäulniss über und zeigte eine saure Reaction.

Beim Eindampfen und späteren Erkalten erstarrte die Flüssigkeit zu einer

vollständigen Leimmasse. Nach diesen chemischen Untersuchungen zu

urtheilen, scheint mir die mit heissem Wasser aus der Faulbrutmasse

extrahirte Flüssigkeit aus Glutin zu bestehen.

Die festen im Filtrum zurückgebliebenen Körper der Faulbrutmasse liessen

deutlich die Larvenhaut erkennen. Alcohol löste in der Wärme während einer

vierundzwanzigstündigen Digestion etwas von der Masse auf und färbte sich

bräunlich gelb. Durch eine achtfache Quantität kalten Wassers wurde ein

gelblicher, pulverförmiger Niederschlag gefällt, der aus einem Harz

bestand, welches angezündet mit hellleuchtender russender Flamme

verbrannte. In Aether und Benzol war das Harz löslich. Auf die mit Alcohol

ausgezogene unlösliche Masse blieben Aether und Benzol wirkungslos,

desgleichen auch in der Kälte weder verdünnte Essigsäure noch Kalilauge.

Die Masse bestand aus Chitin.

Der trocknen Destillation unterworfen lieferte die faulbrütige

Masse folgende Resultate: Zehn Drachmen vorsichtig aus den Zellen

herausgenommener fauler Brutmasse wurden in eine kleine Glasretorte

gethan und in einem Sandbade bei anfangs sehr gelinder Spiritusflamme der

Destillation unterworfen. Zuerst ging, wie zu erwarten war, Wasser über.

Nach dem eine Drachme Wasser übergegangen war, zeigte die überdestillirende

Flüssigkeit eine schwach alkalische Reaction. Es wurde sogleich mit dem

Recipienten gewechselt. Es mochte ungefähr noch eine Drachme alkalisches

Wasser übergegangen sein, so sah man feste weisse Blätter mit der

Flüssigkeit übergehen, was aber sehr bald wieder aufhörte. Es wurde

nochmals fractionirt. Jetzt ging stärker alkalisch reagirendes Wasser über,

zugleich mit sehr wenigem braunem empyrheumatischem Oele, welches auf dem

Wasser schwamm. Bald darauf setzte sich an den Seiten des Retortenhalses

kohlensaures Ammoniak in geringer Quantität an. Nachdem im Ganzen eine

halbe Unze Flüssigkeit überdestillirte, erschien mit wenig alkalischem

Wasser ein dunkelbraunes Oel, welches im Wasser untersank. Die Destillation

wurde bis zur Trockne fortgesetzt und im Ganzen gingen fünf und eine halbe

Drachme flüssige und fünfzehn Gran feste Destillationsprodukte über. In der

Retorte blieb eine stark glänzende, sehr harte Kohle zurück. Das alkalische

Wasser enthielt Ammoniak. Die Oele schienen denen, die man bei der trocknen

Destillation der Knochen erhält, analog zu sein. Die festen weissen Körper,

die gleich nach dem Wasser übergingen, bestanden aus reinem, aber brenzlich

riechendem Wachs,[50] welches später durch Sauerstoffaufnahme aus der Luft

sich bräunte. Das im Retortenhalse angesammelte Salz war, wie erwähnt,

kohlensaures Ammoniak.

Gleiche Resultate lieferten die Untersuchungen an der schon eingetrockneten

Brutmasse. Einer trocknen Destillation wurde sie jedoch nicht unterworfen.

Jetzt darf ich einen Umstand aber nicht länger verschweigen. Nicht alle

faulbrütigen Bienenlarven enthielten den obigen Parasiten. Viele, ja sogar

der grösste Theil der faulbrütigen Larven besassen gar keine Oeffnung in

dem eingefallenen Deckel und es liess sich auch nicht nachweisen, dass in

ihnen ein Parasit gewesen ist.

Die Zersetzung der Larven begann nicht, wie bei denjenigen, welche den

Parasiten beherbergten, in den letzten Leibesringen des Körpers, sondern

man fand den Brand, wie ich die Krankheit nenne, im Darmkanal den Anfang

nehmen, welcher stark braun und in einigen Tagen fast schwarz erschien. Von

dem Darmcanal verbreitete sich der Brand nach allen Seiten des Körpers hin.

Am vierten Tage ist gewöhnlich schon die ganze Fettsubstanz und das

Tracheensystem in Zersetzung übergegangen und die Stigmen werden durch eine

braune, den Brand andeutende Färbung deutlich markirt. Am fünften Tage

ergiesst sich der schleimige Inhalt aus dem Darm durch die Mundöffnung der

ebenfalls mit dem Kopfende nach dem Zellenboden gerichteten Larve, wie wir

diese Stellung bei denjenigen Bienenlarven, die vom Parasiten heimgesucht

waren, kennen lernten, in die Zelle. Jetzt geht die Zersetzung rasch vor

sich: den sechsten, spätestens den siebenten Tag berstet die Larvenhaut an

der einen Körperseite und die ganze Larve geht in die schon erwähnte

schleimige, zähe Flüssigkeit über, welche sowohl unter dem Microscop

gesehen, als auch chemisch untersucht, von der Masse derjenigen

Bienenlarven, welche der Parasit verliess, sich in Nichts unterschied.

Jetzt drängt sich unwillkürlich die Frage auf, wovon diese Bienenlarven

wohl an der Faulbrut erkrankt sein mögen, da sie doch von Parasiten

gänzlich frei waren? Gewiss nur durch das Miasma, welches von den

ursprünglich vom Parasitismus der Phoridenlarven gestorbenen und

schliesslich verwesenden Bienenlarven im Stocke entstanden ist.

Wenn man bedenkt, welch einen mephytischen Geruch auch nur einige hundert

faulbrütigen Bienenlarven im Stocke verbreiten, so wird wohl die Erkrankung

gesunder Larven von solchen eingeathmeten Gasen erklärlich genug

erscheinen. Aber das Contagium braucht ja auch nicht einmal durch die

ausströmenden schädlichen Gase, welche die Bienenlarven einathmen,

übertragen zu werden. Die Arbeitsbienen, welche sowohl die kranken als auch

die gesunden Bienenlarven pflegen, sind selbst das Medium, welches das

Contagium von den kranken Bienenlarven auf die gesunden hinüberpflanzen

können und nothwendig müssen.

Dass aber nicht jede Bienenlarve im faulbrütigen Stock vom Contagium

angesteckt wird und stirbt, sondern manche Larven, wie oben erwähnt,

inmitten der faulbrütigen befindlich, sich zum vollkommenen Insect

heranbilden, dürfte in dem Analogon seine Erklärung finden, dass wir das ja

auch unter den ansteckendsten Krankheiten des Menschen, z. B. der Pest,

asiatischen Cholera, Typhus antreffen, wo oft Menschen, welche in demselben

Hause, ja häufig in dem nämlichen Zimmer, in welchem der Kranke oder

Verstorbene lag, mit diesem die ganze Zeit während der Krankheit zusammen

wohnten und dennoch von der Krankheit des Patienten verschont blieben. Ganz

so ist es auch mit der Bienenbrut: nicht jede Bienenlarve ist für die

Krankheit empfänglich.

=Prophylaxis=. Die Vorbeugungsmittel sind sehr schwer zu treffen. Man wird

es nie verhindern können, dass die Fliege in die Stöcke dringt. Die

Arbeitsbienen scheinen eben auch keine ernstliche Jagd auf sie zu machen.

Denn ich habe häufig die Fliegen in den Stöcken an den Wänden und auf den

Waben unbehindert herumlaufen sehen, ja, sie laufen manchmal über einen

ganzen Bienenklumpen hinweg. Manchmal werden sie auch wohl von den Bienen

verfolgt. Die Bienen fassen sie aber nicht, wie sie es gewöhnlich mit

anderen Insekten zu thun pflegen, sondern kehren wieder um, was sie z. B.

auch bei der Verfolgung der Ameisen thun, vor denen sie einen gewissen

Respect oder Widerwillen zeigen. Uebrigens ist die Phoride so behend, dass

es nur in den seltensten Fällen den Bienen gelingen möchte, sie zwischen

ihre Mandibeln zu bekommen. Das Wegfangen dieser Fliegen von Seiten des

Bienenzüchters aus der Nähe seiner Stöcke ist wohl zu empfehlen, allein das

Thierchen dürfte seiner Kleinheit und unscheinbaren Färbung wegen meist

übersehen werden, und ausserdem ist es so flink, dass es nur schwer

gelingen würde, seiner habhaft zu werden. Ist aber die Faulbrut einmal in

einem Stocke ausgebrochen, so ist nur ein Mittel da, dem Untergange des

Stockes vorzubeugen: die faulende Brut, oder sicherer, die ganze

verdeckelte oder der Verdeckelung nahe Brut zu entfernen und an Stelle der

entnommenen Bruttafeln dem Stocke leere Wachstafeln einzuhängen. Mit dem

Ausschneiden der Bienenbrut wird zugleich auch die Brut der Phoride

entfernt und so eine Vermehrung der Fliege verhindert, wie auch dem

Umsichgreifen der Krankheit ein Ziel gesetzt. Dies muss aber sogleich im

Anfange der Krankheit geschehen. Denn hat das Uebel eine grössere Dimension

erreicht und die Influenz auch auf die gesunden Bienenlarven sich

erstreckt, dann ist das Mittel zu spät angewandt und der ganze Stock, sammt

seinem Volk und Bau muss fortgeschafft und vernichtet werden, damit nicht

auch andere gesunde Stöcke einer Infection unterliegen. Das Tödten des

Bienenvolkes rathe ich auf folgende Weise zu unternehmen, wie ich das in

neuester Zeit an meinen Stöcken that. Man nehme einen Theil pulverisirtes

Manganhyperoxyd (Braunstein), 4 Theile Kochsalz, mische beide Jngredienzien

recht tüchtig zusammen, stelle sie in einem irdenem Gefäss auf den Boden

des faulbrütigen Stockes und giesse darauf 2 Theile -- oder auch mehr, es

kommt darauf nicht so genau an, es ist sogar noch besser, wenn man mehr

nimmt -- rohe käufliche Schwefelsäure und verschliesse sogleich den Stock.

Durch die Einwirkung der Schwefelsäure auf das Gemenge von Manganhyperoxyd

und Kochsalz entwickelt sich Chlorgas, welches die Bienen tödtet. Die

todten Bienen kehrt man aus dem Stock heraus und vergräbt sie in die Erde.

Die Brut schneidet man aus den Tafeln heraus, und damit das Wachs nicht

verloren geht, schmilzt man die Bruttafeln ein. Die Honigtafeln und die

leeren Wachstafeln hängt man aber wieder in die Bauten ein und entwickelt

nochmals nach der angegebenen Methode recht viel Chlorgas und zwar so, dass

man zwei Unzen Manganhyperoxyd, acht Unzen Kochsalz und vier bis sechs

Unzen Schwefelsäure nimmt. Die Baute wird zwei Tage lang verschlossen

gehalten. Dann kann man die Wachs- und Honigtafeln nach meiner Erfahrung,

ohne Furcht, anderen Stöcken geben, oder für Ablager verwenden. Das

Chlorgas, wenn es in hinreichender Menge entwickelt wurde, zerstört alles

Miasma.

Wenigstens hat der Verfasser ohne Schaden Wachs- und Honigtafeln, so wie

die Baute benutzen können. Wenn alle Stöcke von der Faulbrut befallen sein

sollten, dann ist es allerdings sehr schlimm, dann wird man sie wohl alle

verlieren und sich von neuem Bienen anschaffen müssen. Uebrigens wird es

ein rationeller Bienenzüchter so weit nicht kommen lassen, sondern ist ein

Stock von dieser Krankheit befallen, so wird er ihn vor der Zeit schon auf

die angegebene Weise entfernen.

Die meisten Bienenzüchter, sogar die grössten Autoritäten, wie Dzierzon, v.

Berlepsch und Kleine rathen, die Königinnen aus den faulbrütigen Stöcken

auszufangen und dieselbe zu Ablegern u. s. w. zu verwenden, indem sie

sagen, dass die Königinnen die Faulbrut nicht herüberpflanzen.

Der Verfasser hat zwei Versuche mit Königinnen aus faulbrütigen Stöcken

angestellt und fand, dass die Königinnen ebenso, wie die Arbeitsbienen das

Contagium fortpflanzen.

FAMILIE. BRAULINA _Egger_. BIENENLÄUSE.

Taf. II. Fig. 7-8a.

Egger in Verhandl. des zool.-botan. Vereins in Wien, Tom. III. pag. 401.

=Characteristik=. Eine bis jetzt nur eine Gattung und Art repräsentirende

flügellose Dipteren-Familie, die wie die =Hippobosciden= und =Nycterebien

pupipar= ist.

Der Kopf senkrecht stehend, vom Rückenschilde getrennt, sehr gross, fast

von der Breite des Thorax, dreieckig, vorn gewölbt, hinten flach ohne Augen

und Ocellen. Rüssel kurz, häutig, hohl, mit zwei elliptischen dünnen,

senkrecht neben einander liegenden Platten versehen. Taster kurz, kolbig,

Oberlippe von den Kinnladen scheidenartig umgeben. Unterlippe ungegliedert.

Fühler kurz, in tiefen Stirnhöhlen eingesenkt, dreigliederig, mit kugeligem

Endgliede und gefiederten Rückenborsten.

Brustringe zu einem gemeinschaftlichen Brustkasten verschmolzen, dieser

halb so lang als der Kopf, ringförmig, nach hinten etwas erweitert,

jederseits mit einem grossen Stigma versehen.

Schwinger, ebenso wie die Flügel fehlend. Beine nahe der Mittellinie der

Unterseite des Brustkastens eingefügt, kurz, von gleicher Länge mit dicken,

flach gedrückten Schenkeln, ein Wenig gebogenen Schienen und fünfgliedrigem

Fuss. Die vier Wurzelglieder kurz, quer; das Endglied quadrangulär; die

Klauen von 30 bis 32 am Vorderrande des Endgliedes befindlichen

borstenartigen und kammartig gereihten einschlagbaren Zähnchen gebildet;

Haftläppchen dünngestielt, kolbig.

Der Hinterleib hoch gewölbt, im Umkreise eiförmig, fünfringelig, stark

borstig.

In anatomischer Hinsicht, wenigstens was die weiblichen Genitalien anlangt,

stimmen die Braulina mit den Hippobosciden sehr überein. Die Eierstöcke

bilden auch hier nach meiner Untersuchung zwei ovale Säcke, aus welchen die

Eileiter durch einen kurzen Eiergang in einen geräumigen, fast herzförmigen

Sack (Uterus) münden. Receptaculum seminis scheint zu fehlen, wenigstens

habe ich ihn nie auffinden können. Eine Secretionsdrüse mit zahlreichen

baumartigen Verzweigungen vorhanden. In beiden Eierstöcken sind im Ganzen

nur vier Keime anzutreffen, die, jeder einzeln, ihre Ausbildung zu

erwachsenen Larven im Uterus erhalten und die Larven daselbst von dem durch

die Secretionsdrüse abgesonderten Saft leben. Wenn die Larve im Mutterleibe

erwachsen ist, legt die Braula sie ab, oder vielmehr, sie lässt sie einfach

fallen und giebt sie dem glücklichen Zufall preis.

Die Larven (Taf. II. Fig. 7.) sind 0,5''' lang, elfringelig -- die

Ringelung jedoch nur unter dem Mikroskop sichtbar -- ganz glatt, weiss,

acephal, d. h. blos mit zwei äusserst kleinen, in den Körper sehr

einziehbaren braunen Häkchen bewaffnet, am hinteren Ende mit zwei sehr

kleinen in eckigen Vertiefungen stehende Stigmen versehen, also

metapneustisch.

Schon denselben Tag, nachdem sie gelegt worden, erhärtet ihre Haut und sie

stellt so eine ovale Tonnenpuppe dar, welche aus elf feinen Ringen besteht

und eine anfangs schmutziggelbliche, später eine dunklere, fast bräunliche

Farbe erhält.

GENUS. BRAULA _Nitsch_. BIENENLAUS.

Nitsch, die Familien und Gattungen der Thierinsekten, in Germars u.

Zinkens (Sommers) Magazin für Insektenkunde. Tom. III. (1818) pag.

286, 314.

Character der Familie.

BRAULA COECA _Nitsch_. BLINDE BIENENLAUS.

Nitsch, die Famil. u. Gattung. etc. in Zinkens Magaz. für Insektenkunde.

Tom. III. 1818. pag. 286, 314.

Réaumur, Mémoires pour serv. d'hist. nat. d. Ins. Tom. V. pag. 717. Tab.

38. Fig. 1-3.

Parasiten der Honigbiene und die durch dieselben bedingten Krankheiten dieses Insects. · 第 10 / 15 题