(=Eleutherata= _Fabricius_.)
FAMILIE. CLERIDAE, _Westwood_. PFAFFENKÄFER.
Westwood, Descriptions of new species of Cleridae etc. (Proceed Zoolog.
soc. of London, 1852 pag. 34, 1856 pag. 19. -- Clerides, Latreille,
Genera Crustaceorum et Insectorum, Tom. I. pag. 269.
=Characteristik=. Meist mittelgrosse, oder auch kleinere, bunt gefärbte --
roth, blau, metallischglänzend -- Käfer von schlankem, fast walzenförmigem,
eingeschnürtem, ziemlich weichhäutigem -- jedoch nicht so weichem, wie bei
den Malacodermen -- mehr oder minder dicht behaartem Körperbau. Der Kopf
ist gross von Breite des Halsschildes, aus diesem mehr oder weniger
hervortretend, mit von der Stirn getrenntem Kopfschilde und deutlicher
Oberlippe, kräftigen, scharfspitzigen, am Innenrande grösstentheils
gezahnten und mit einem membranösen, am Rande gefranzten Saume versehenen
Oberkiefern. Unterkiefer mit zwei, vorn gefranzten Laden. Kiefertaster
viergliedrig, mit meist beilförmigem, oft auch langovalem, am Ende
zugespitztem oder cylindrischem Endgliede. Kinn viereckig. Die Zunge theils
häutig, theils hornig, der vordere Theil in zwei rundliche Lappen
erweitert, am Vorderrande flach ausgebuchtet und gefranzt. Die Nebenzungen
durch schräge, gefranzte Leisten sehr wahrnehmbar angedeutet. Lippentaster
dreigliedrig, das Endglied oft beilförmig und nicht selten länger als die
Kiefertastern. Die Fühler vor den Augen, an der Seite der Stirn
entspringend, elfgliederig, die ersten Glieder rundlich oder verkehrt
konisch, die folgenden mehr oder weniger gesägt, die Endglieder oft eine
Keule bildend, deren letztes Glied häufig sehr beträchtlich verdickt ist.
Die Augen innen ausgerandet, ungleich facettirt und gekämmt, gröber und
feiner.
Das Halsschild cylindrisch, grösstentheils nach hinten verschmälert, von
dem Grunde mehr oder weniger eingeschnürt, am Grunde meist schmäler als die
Flügeldecken. Die Unterseite der Vorderbrust wird aus den umgeschlagenen
Rändern des Halsschildrückens und der Vorderbrust, die mit ihm mehr oder
weniger stark verschmolzen ist, gebildet. Gelenkgruben der Vorderhüften
hinten weit geöffnet. Das Sternum, die Episternen und Epimeren der
Mittelbrust deutlich geschieden. Die Episternen der Hinterbrust lang, nach
hinten ein wenig verschmälert, die Epimeren von dem Flügeldeckrande
bedeckt.
Die Flügeldecken den Hinterleib vollständig umfassend. Vorderhüften
cylindrisch-konisch, ein wenig hervortretend, die mittleren kürzer fast
kuglig, beide meist mit mehr oder minder getrennten Gelenkschienen.
Hinterhüften quer tief eingesenkt, von den Schenkeln bedeckt. Tarsen fünf-
oder viergliederig mit häutigen Haftläppchen versehen.
Hinterleib aus fünf bis sechs Bauch- und acht Rückenringen bestehend.
Die Larven sind langgestreckt, niedergedrückt, mit Einschluss des Kopfes
dreizehnringelig, meist fleischig, gelb oder heller oder dunkler roth
gefärbt, mit hornigem, horizontal vorgestrecktem, abgeflachtem Kopf,
grosser Hornplatte auf dem Vorderrücken und je zwei kleinen auf dem Mittel-
und Hinterbrustringe. Am Hinterleibe der letzte Ring, Afterring, oben mit
hornigem Schilde versehen, gegabelt. Der After zapfenförmig als
Nachschieber vorragend. Luftlöcher neun Paar vorhanden, acht an den Seiten
der acht ersten Hinterleibsringe, das neunte auf der Unterseite des
Mittelbrustringes.
Oberlippe vorgestreckt, kürzer als breit, vorn ausgebuchtet. Oberkiefer
ziemlich kurz aber kräftig und scharf mit sichelförmig gebogener Spitze.
Unterkiefer mit dem Kinn verwachsen, dicht neben der Unterlippe eingelenkt
mit dreigliedrigen Tastern. Lippentaster zweigliedrig. Fühler kurz,
unmittelbar über der Einlenkung der Oberkiefer entspringend, viergliederig.
Nebenaugen jederseits fünf in zwei Reihen, die vordern aus drei, die
hintern aus zwei bestehend. Beine ziemlich kurz oder auch ansehnlich
(Trichodes), aus drei Gliedern bestehend, einklauig.
=Lebensweise=. Die Käfer trifft man auf Blumen oder geschlagenem altem
Holze, an morschen Baumstämmen, manche auch an Cadavern. Sie fressen die
Antheren der Blüthen, doch dürfte ihre Hauptnahrung aus animalischer Kost
bestehen, wenigstens habe ich Trichodes apiarius auf Doldengewächsen
beobachtet, wie er eine Syrphuslarve erfasste und dieselbe ausweidete. Vom
Genus Clerus ist es schon längst bekannt, dass seine Repräsentanten den
verschiedenen Insecten, vorzüglich den Holzinsecten nachstellen.[5]
Corynetes ruficollis traf ich auch an todten Schnecken.
Die Larven dieser Käfer leben grösstentheils unter der Rinde der Bäume, in
morschem Holz, wo sie in den Gängen der Larven anderer Insecten, diesen
nachstellen und sie verzehren. Einige von ihnen leben in den Nestern von
Bienen, deren Brut sie fressen. Noch andere nähren sich von Aas.
=Geographische Verbreitung und Artenzahl=. Die Familie der Cleriden umfasst
gegen 500 verschiedene Arten[6] und ist in allen Welttheilen und Zonen
verbreitet, besonders artenreich in den Tropen, namentlich Americas, in
welchem Welttheil fast die Hälfte der bekannten Arten vorkommt. Europa[7]
zählt 40 gute Arten, von denen die deutsche Fauna 11 Species mit einigen
Varietäten umfasst.[8]
GENUS. TRICHODES _Herbst_. IMMENKÄFER.
Herbst, Natursystem etc. Käfer, IV. pag. 154.
=Characteristik=. Mittelgrosse, in der Grösse einer und derselben Art sehr
variirende, meist dunkelblaue oder ins grünliche ziehende Käfer mit rothen,
blau gebänderten, oder auch umgekehrt mit blauen, roth gebänderten
Flügeldecken. Oberlippe fast viereckig. Oberkiefer an der Spitze
dreizahnig. Unterkiefer mit zwei gefranzten Laden und fadenförmigen
Lippentastern. Kiefertaster mit verlängertem Endgliede. Kinn schmal. Zunge
vorn verbreitert, an jeder Seite rundlich erweitert, am Vorderrande
ausgebuchtet. Lippentaster etwas grösser als die Unterkiefer, mit verkehrt
dreieckigem Endgliede. Fühler ziemlich kurz mit dreigliedriger,
dreieckiger, plattgedrückter Keule. Augen stark dreieckig ausgerandet.
Halsschild cylindrisch, nach hinten verengt. Flügeldecken verlängert,
gleich breit, niedergedrückt. Beine stark, Füsse fünfgliederig, das erste
Glied sehr verkürzt, kaum sichtbar. Die folgenden, ausgenommen das
Endglied, mit breiten Hautsohlen versehen. Letztes Glied das längste, so
lang als die übrigen zusammengenommen.
Die Larven, welche man nur von zwei Arten, Trichodes apiarius und Trichodes
alvearius kennt, stimmen mit den schon bei der Characteristik der Familie
erwähnten Merkmalen überein, sie sind von Färbung rosenroth und weniger
schlank, als die des Genus Clerus und Tillus.
=Lebensweise=. Die Käfer trifft man meist auf Umbelliferen und Spiraeaceen,
wo sie sich von den Antheren dieser Blüthen, hauptsächlich aber, wie schon
erwähnt, vom Raube anderer Insecten, denen sie auf diesen Blüthen
nachstellen, nähren.
Ihre Larven leben in den Nestern verschiedener Bienenarten (Osmia,
Megachile, Apis) nnd nähren sich daselbst von den Bienenlarven und Nymphen.
Uebrigens scheint es, als ob sie, wenigstens die Larven von Trichodes
apiarius, es mit der Systematik nicht so genau nehmen, sondern auch Larven,
die gar nicht zur Familie der Bienen gehören und von diesen sich weit
entfernen, fressen. Nach meiner Beobachtung leben die Larven des Trichodes
apiarius auch im Holze in den Gängen der Sirexlarven, denen sie
nachstellen, und die sie, namentlich die jüngeren Sirexlarven verzehren[9].
Versuche, die ich mit eingesperrten Trichodeslarven anstellte, bewiesen
jedoch, dass nicht jede Insectenlarve von ihnen verzehrt wird, wie es etwa
die meisten Carabidenlarven thun.
So gab ich meinen Larven von Trichodes apiarius kleine Larven von Nematus
salicis, welche sie unberührt liessen. Desgleichen wurden kleine Raupen von
Plusia gamma nicht verzehrt. Dagegen frassen sie sehr gern Aphis pruni,
ferner weideten sie todte Arbeitsbienen aus.
TRICHODES APIARIUS, _Linné_. GEMEINER IMMENKÄFER.
(Bienenkäfer.) Taf. II. Fig. 1-3.
Herbst, Natursyst. etc. Käfer, IV. pag. 156. 1. Taf. 41. Fig. 11. --
Fabr. Syst. Eleuth. Tom. I. pag. 284. 6. -- Schönh. syst. insect. Tom.
II. pag. 48. 6. -- Sturm, Deutschl. Faun. XI. Bd. pag. 24. -- Klug,
Clerii, pag. 74. 2. -- Spinola, Essai monograph. sur les Clérites,
Tom. I. pag. 305. 7. -- Erichs. Ins. Deutschl. Bd. IV. Bearb. v. v.
Kiesenw. pag. 689. 3.
Attelabus apiarius Linné, syst. natur. I. II. pag. 260. 10. -- Clerus
apiarius Illig. Käf. Preuss. Tom. I. pag. 283. 3. -- Oliv. Entom. Tom.
IV. 76. pl. 7. 4. Taf. I. Fig. 4. -- Panz. Faun. German. pag. 31. 13.
-- Rossi, Faun. Etrusc. Tom. I. pag. 138. 353.
Die Larve: Swammerdam, Bibel der Natur, pag. 210. Taf. 26. Fig. III. a,
b, c. -- Réaumur, Mém. etc. IV. III. Tab. 8 (sub nomine Trich. alveari
us.)
=Characteristik=. Glänzend schwarzblau, dicht punktirt, rauhhaarig,
Flügeldecken nach hinten etwas erweitert, grob punktirt, hochroth mit
dunkelblauer Spitze und zwei solchen Binden, die sich bald stark
ausbreiten, bald verschmälern, oder die erste Binde löst sich in einzelnen
Flecken auf und ist in seltenen Fällen gar nicht vorhanden. -- Länge 5 bis
6''', Breite 1,76 bis 2,5.
Die Larven (Taf. II. Fig. 1.) sind rosenroth mit einzeln stehenden braunen
Härchen besetzt. Kopf, Thoracalschilde, Beine und Nachschieber bräunlich.
-- Länge 6 bis 7''', Breite 1,25''',
Die Nymphe (Taf. II. Fig. 2) ist gelblich-weiss, auf dem Kopf, Rumpf und
der Rückseite des Hinterleibes mit feinen, langen, gelblich rothen Härchen
besetzt. Am letzten Leibesringe befinden sich zwei aufwärts gekrümmte
fleischige Afterstachel. -- Länge 5''', Breite 1,75'''.
=Lebensweise=. Die Käfer findet man im Mai und Juni, in Russland -- dem
nördlichen und mittleren -- auch noch im Juli, auf verschiedenen Blumen,
besonders Umbelliferen, Spiraeaceen und auch Compositen, oft ziemlich
häufig.
Was nun den Parasitismus der Larven in Bienenstöcken anlangt, so trifft man
sie in Russland von Juli bis zum Mai des nächsten Jahres auf dem Boden
unreinlich gehaltener Klotzbauten, wo sie sich wie die Ohrwürmer und
Wachsmottenraupen in den Spalten verborgen halten und gelegentlich aus
ihnen hervorkommen, um die von den Arbeitsbienen auf den Boden
heruntergeworfenen halbtodten oder todten Bienen, sowie Bienenlarven und
Bienennymphen zu fressen. Die Bienen und Bienennymphen weiden sie nur aus,
die Bienenlarven aber verzehren sie gänzlich. Ein weiteres Heraufkriechen
in den Bienenbau, um etwa dort der Bienenbrut nachzustellen, habe ich an
ihnen nicht beobachten können, bezweifle aber durchaus nicht, dass es
geschehen könnte, wenn ein Stock schwach ist und seinen Bau nicht
hinreichend belagert. Ist die Trichodeslarve aber einmal im Bau der Bienen
in eine Bruttafel gelangt, dann möchten wohl die Bienen die Larve
schwerlich herausholen. Denn, nachdem die Larve sich in eine verdeckelte
Brutzelle hineingebissen hat, so bohrt sie sich gleich weiter seitwärts
längs den Zellenböden in die Brut hinein und macht förmliche Gänge nach
allen Richtungen, jedoch ohne etwa erst eine Bienennymphe zu verzehren,
sondern presst sich unter die Bienennymphen, ohne sie zu verletzen
hindurch, und beginnt erst ihren Frass im Centrum. So verfuhren die Larven,
die ich einem kleinen Ablegerchen aus einer Brutwabe und ein Paar hundert
Bienen bestehend, gab.
Die Käfer legen ihre Eier wahrscheinlich aussen in die Fugen und Ritzen der
Bienenstöcke und bei schwachen Stöcken auch wohl in's Innere derselben.
Wenigstens traf ich im Juli vorvorigen Jahres (1863) einen Trichodes
apiarius in einem jungen volkarmen Stock auf dem Bodenbrett, woselbst sich
auch im Gemüll vier gelbliche kugelrunde Eier von der Grösse eines
Mohnkornes fanden. Die Eier gelangten leider nicht zur Entwickelung,
sondern schrumpften ein und vertrockneten, wodurch es allerdings unerwiesen
blieb, ob die Eier wirklich dem erwähnten Käfer gehörten. Eine Section des
Käfers gab auch keinen Aufschluss, da der Eierstock nur unentwickelte
Eikeime enthielt. Allein ich glaube es deswegen annehmen zu dürfen, dass
die Eier ihm gehörten, weil der Käfer doch eigentlich im Bienenstocke
nichts zu suchen hatte, als eben seine Brut an einen passenden Ort
unterzubringen. Wenn die Larven aus den Eiern geschlüpft sind, begeben sie
sich höchst wahrscheinlich, wenn es die Verhältnisse des Stockes erlauben,
d. h. wenn der Stock nicht etwa kräftig genug ist und den fremden Thieren
den Zutritt verwehrt, sehr bald in die Brutzellen, um daselbst ihre Wohnung
aufzuschlagen. Ich hatte kleine Larven von etwas über eine Linie Länge, die
gewiss vor Kurzem erst aus den Eiern gekrochen sein mochten, welche aber,
als ich ihnen ein Stück von einer Bienenbrutwabe ins Glas gab, sich
sogleich, wie schon oben erwähnt, in die Brutzellen einbohrten.
Die Larven verlassen, sobald keine Brut mehr im Stocke ist, den Wachsbau
und verkriechen sich in die Spalten und Fugen des Stockes, wo sie
überwintern. Im April fangen sie wieder mit dem Frasse an, was sie bis in
den Mai fortsetzen, zu welcher Zeit sie ausgewachsen sind. Jetzt begeben
sie sich zur Verwandlung in die Erde, woselbst sie sich eine inwendig
glatte Höhle, die sie mit einem Gespinnst austapeziren, machen und nach
drei oder vier Tagen in eine Nymphe verwandeln, an der man sogleich einen
Cleriden erkennt. Nach 35 oder schon nach 30 Tagen entwickelt sich der
anfangs nur gelbliche Käfer.
Es scheinen aber auch manche Larven schon im nämlichen Jahre im September
sich zu verpuppen und als Puppen zu überwintern, in welchem Falle dann der
Käfer im Mai erscheint. So verpuppten sich bei mir die schon erwachsenen
Larven, welche ich in Baumstämmen in den Gängen der Sirexlarven fand, im
September desselben Jahres. Wie daher bei Swammerdam l. c. die Nymphen so
lange Zeit brauchten, ehe sie sich zum vollkommenen Insekt entwickelten --
er giebt ein volles Jahr für die Nymphenruhe an -- ist mir nicht klar.
=Apistische Bedeutung=. Im Ganzen genommen scheinen die Trichodeslarven den
Bienenstöcken nicht viel oder überhaupt nur den schwachen Völkern, die
ihnen den Zugang nicht versperren, zu schaden. Nur wenn sie in grosser Zahl
in einem Stock und zwar im Brutnest sich einfinden, können sie den Stock
durch die Gänge, die sie machen, wobei jede Larve allerdings hundert und
mehr Brutzellen an der Seite dicht am Boden aufreisst, schwächen und ihm
viel Arbeit verursachen, weil die verdeckelten Bienennympfen, wenn die
Wandungen der Zellen, in welchen sie liegen, von den Trichodeslarven
aufgebissen werden, absterben und so Veranlassung zu der sogenannten nicht
ansteckenden Faulbrut geben können.
Uebrigens ist der Käfer gerade nicht so sehr häufig und seine Brut ist ja,
wie aus dem früheren ersichtlich, nicht allein auf die Honigbiene, sondern
und was noch häufiger der Fall ist, auf andere Bienen und Hymenopteren
angewiesen.
Dagegen scheinen die Trichodeslarven in Frankreich in den Bienenstöcken
häufiger vorzukommen, wenigstens erwähnt Perris (Annales de la société
entomologique de France, 3. Série 1854. II. pag. 619), dass die Larven von
den Bienenzüchtern daselbst gekannt seien und als vers rouges bezeichnet
werden.[10]
=Prophylaxis=. Ein rationeller Bienenzüchter, der die Bienenzucht in
Stöcken mit beweglichem Wabenbau betreibt, wird wohl schwerlich je von
diesem Insekt Nachtheile verspüren, da er es gar nicht im Stocke aufkommen
lassen wird. Das häufige Auskehren der Stöcke, das Reinhalten von Gemüll
und dergleichen ist das beste Vorbeugungsmittel.
FAMILIE. VESICANTIA _Mulsant_. BLASENZIEHKÄFER.
(Cantharidiae _Latreille_.)
Mulsant, Histoire naturelle des Coléopteres de France. Vesicantes.
=Characteristik=. Mittelgrosse bis grössere, grün, blau, schwarz, meist
metallisch glänzende, oft auch bunt gefärbte Käfer von weichem häutigem
Körperbau.
Der Kopf ist gross, meist breiter als das Halsschild, gesenkt, herzförmig
oder dreiseitig, hinter den Augen verlängert und erweitert, dann stark
halsartig verengt. Oberkiefer einfach zugespitzt. Unterkiefer mit hornigen
Laden, die inneren oft schwindend. Kiefertaster fadenförmig, das letzte
Glied kaum etwas dicker, rund oder abgerundet. Endglied der Lippentaster
verbreitert, abgestutzt. Fühler meist elf-, seltener acht- bis
zehngliederig, fadenförmig oder schnurförmig, oder auch kurz und kolbig.
Augen grösstentheils quer, manchmal ausgerandet.
Halsschild cylindrisch rundlich oder viereckig nach hinten gewöhnlich
verbreitert, schmäler als die Flügeldecken. Schildchen bei einigen fehlend.
Metathorax verlängert, seltener sehr kurz. Die Flügeldecken biegsam, häufig
den Körper nicht ganz bedeckend, bei einigen sogar verkürzt, von einander
abstehend und sodann die Hinterflügel fehlend.
Vorderhüften sehr gross, zapfenförmig abwärts stehend. Mittelhüften von den
hinteren meist entfernt, seltener die hinteren bedeckend. Hinterhüften
einander genähert. Fussglieder heteromer, meist ungetheilt. Klauen
gespalten.
Hinterleib mit sechs bis sieben freien Bauchringen.
In anatomischer Hinsicht ist aus der Familie der Vesicantien das Genus
Meloë, Lytta und Mylabris ziemlich erschöpfend untersucht worden. Meloë
besonders von Brandt und Ratzeburg,[11] Newport[12] und in neuester Zeit
auch noch von Leydig.[13] Alle drei Genera dieser Familie stimmen im
Wesentlichen mit einander überein, so dass man die Gattung Meloë in dieser
Beziehung als den Grundtypus betrachten kann.
Vom Nervensystem ist vorzugsweise zu erwähnen, dass die Lobi optici sich
vom Gehirn deutlich abschnüren und einige dunkelviolette (wenigstens bei
Meloë) Pygmentflecke wahrnehmen lassen, sonst ist das Neurilemm
röthlichgelb (Meloë) gefärbt. Thoracalganglien sind drei vorhanden, breiter
als lang, aus den Längscommissuren zwischen dem ersten und zweiten Knoten
verläuft jederseits ein Seitennerv. Vom dritten Knoten gehen zwei stärkere
und acht schwächere Seitennerven ab, ausserdem aber noch ein
Nervengeflecht, welches Leydig a. a. O. pag. 287. als ein sympathisches
auffasst. Abdominalganglien vier, länglich oval, das letzte das grösste,
länglich, hinten abgerundet. Die Commissuren zwischen ihnen sehr lang. Aus
den drei vorderen Abdominalganglien zwei sich übereinander deckende
Seitennerven entspringend. Ein sympathisches mediales Ganglion erscheint
als ein gestieltes Beutelchen am Vorderrande des zweiten Bauchganglions
zwischen den beiden Längscommissuren. Die sympathischen Seitenganglien sind
weissgrau.
Circulations- und Respirationssystem zeigt bei den Vesicantien keine
besonders wesentlichen Unterschiede von den Coleopteren überhaupt.
Die Speiseröhre ist kurz, erweitert sich nach hinten und lässt innen eine
mehr oder weniger deutliche Abschnürung durch die Cardia, eine Art
Vormagen, wahrnehmen und deutliche Längsfalten erkennen. Der Magen ist
gross, länglich, cylindrisch, innen quer gerunzelt mit Spuren von Zotten,
von dem engeren Darm mehr oder weniger deutlich abgegesetzt. Der Darm macht
drei Biegungen und hat an der zweiten Krümmung vier Malpighische Gefässe.
Der Mastdarm ist deutlich abgeschnürt.
Die Ovarien sind beeren- oder traubenförmig, die Eiröhren sehr zahlreich
und zählen beim befruchteten Weibchen mehrere Tausend Eier. Samentasche mit
einem Nebenbläschen. Eine Anhangsdrüse. Die paarigen Hoden sind rundlich
mit dünnem, sehr langen Samenausführungsgange und drei paarigen in den
Ductus ejaculatorius mündenden schlauchförmigen Glandulae accessoriae, von
denen das eine Paar besonders lang und vielfach geschlängelt erscheint, die
andern bedeutend kürzer sind. Der Ductus ejaculatorius ist hinten mehrmals
geschlängelt.
Die Larven der Vesicantien sind ausser von Meloë noch von Cantharis, Apalus
und Sitaris bekannt und stimmen in der Bildung und Lebensweise mit einander
sehr überein. Sie sind in der Jugend von hornigem langestrecktem,
plattgedrücktem Körperbau und scharfen Kiefern, dreigliedrigen mit einer
langen Endborste versehenen Fühlern, zwei bis vier Ocellen, einem Paar weit
ausgespreizten halbkörperlangen Beinen, einem Paar Nachschieber und langen
vom Endsegment entspringenden Borsten, die ihnen zum Springen dienen.
Später erscheinen sie dick, walzig, weichhäutig und mehr oder weniger den
Larven der Lamellicornien ähnlich.
=Lebensweise=. Die Familie der Vesicantien ist phytophag, man trifft die
Käfer auf verschiedenen kräuterartigen Gewächsen, weniger auf Bäumen,
Sträuchern. Sie nähren sich meist von Blättern, manche auch von den
Antheren der Blüthen (Mylabris und Cerocoma traf ich häufig auf den Blüthen
der Labiaten und Umbelliferen, sowie Spiraeaceen, deren Staubbeutel sie
abnagten). Ihre Erscheinungszeit ist sehr verschieden, einige trifft man
mehr und sogar nur im Vorsommer, andere mehr im Spätsommer bis in den
Herbst. Manche von ihnen erscheinen oft in grosser Menge, andere und zwar
der weit grösste Theil kommt nur vereinzelt vor. Die meisten von ihnen
enthalten einen sehr scharfen, blasenziehenden Stoff, welcher aus
Cantharidin besteht und der bei einigen aus den Gelenken der Beine als ein
gelber Saft bei der Berührung hervortritt.
Die Käfer sind meist harmlose Thierchen, die nichts schaden, vielmehr
erweisen sich viele von ihnen dem Menschen durch ihre blasenziehende und
andere Eigenschaften als höchst nützlich und werden daher in der Officin
gebraucht, so namentlich in Europa das Genus Cantharis[14], so wie Meloë,
letztere freilich schon obsolet, in neuester Zeit aber wieder in Aufnahme
kommend.[15] Nur die Larven einiger Arten üben durch ihren
gelegenheitlichen Aufenthalt auf den Bienen, namentlich die der Meloë auch
auf der Honigbiene, einen nachtheiligen Einfluss auf diese und schaden
dadurch auch dem Menschen.
Zum Ablegen ihrer zahlreichen Eier graben die Weibchen entweder ein Loch an
einer beliebigen Stelle in die Erde, gewöhnlich dicht an der Wurzel einer
Pflanze, legen die Eier in dasselbe klumpenweise ab und decken sie mit Erde
zu, oder sie legen die Eier in unmittelbare Nähe von Bienenstöcken. Im
ersteren Falle begeben sich die ausgeschlüpften sehr munteren Larven
sogleich nach dem Auskriechen aus dem Ei schaarenweise oder in grösseren
Partien auf die verschiedensten in ihrer Nähe sich befindenden Blüthen der
niederen Pflanzen, vorzüglich Compositen, Ranunculaceen, Papilionaceen und
Labiaten, wo sie auf die Bienen, in den Blüthen versteckt, harren. Setzt
sich eine Biene auf die mit den Larven behafteten Blüthen, um Honig oder
Blumenstaub einzusammeln, so suchen sie flugs die Biene zu erklimmen, um
sich auf ihrem Thorax festzusetzen, oder sie bohren sich gar zwischen ihre
Ringe oder Gelenke ein und lassen sich so von der Biene in den Bienenbau
schleppen[16]. Im Bienenbau angekommen, verlassen sie die Biene. Im andern
Fall begeben sich die ausgekrochenen Larven direct in das Bienennest. Hier
besteht ihre erste Nahrung aus einem Bienenei. Hat die Larve ein Bienenei
verzehrt, so häutet sie sich, wobei sie ihre frühere paradoxe Gestalt
verliert und wie oben schon angegeben, ein engerlingartiges Aussehen
bekommt. Von nun an lebt sie in dem Bienenstock, bis zu ihrer Verpuppung
als Tellerlecker von Pollen und Honig (Bienenbrod) der Bienen.
Es entsteht aber aus dieser zweiten Larvenform, indem die Haut sich abhebt,
jedoch ohne zu bersten, innerhalb derselben, eine Art horniger Puppenform
ohne alle Bewegungsorgane, welche Fabre[17] als Pseudochrysalide bezeichnet
und die wie die Nymphe gar keine Nahrung zu sich nimmt und in Ruhe
verharrt. Nach einiger Zeit hebt sich die Hornhaut abermals ab und es geht
als dritte Larvenform eine wiederum weichhäutige, der zweiten Larvenform
sehr ähnliche ebenso vom Bienenbrod sich nährende Larve hervor, die sich
endlich in eine wirkliche Nymphe verwandelt, aus der der Käfer hervorgeht.
Es macht also die Larve, ehe sie sich zur echten Nymphe verwandelt, vier
Formen durch und zwar drei als Larve und eine als Pseudochrysalide. Diesen
merkwürdigen Verwandlungsgang, der bis jetzt bei keinem anderen Insect,
ausser dieser Käferfamilie beobachtet wurde[18], sah sich Fabre a. a. O.
pag. 364. veranlasst, mit dem Namen Hypermetamorphosis zu benennen.
=Geographische Verbreitung und Artenzahl=. Die Familie ist in allen
Welttheilen repräsentirt und besonders zahlreich in den wärmeren Gegenden.
Europa zählt 103[19] verschiedene Arten mit vielen Varietäten. Auf
Deutschland kommen aber nur 21 Species.[20]
GENUS. MELOË _Linné_. OELKÄFER.
(Maiwurm.)
Linné, systema naturae. Tom. II. pag. 696.
=Characteristik=. Ziemlich grosse, dicke ungeflügelte mit verkürzten
Flügeldecken versehenen Käfer von dunkler, metallisch schillernder Farbe.
Der Kopf breiter als das Halsschild, dreieckig. Endglied der Kiefertaster
eiförmig. Fühler elfgliedrig, schnurförmig, beim Männchen länger und oft
durch ein grösseres Glied in der Mitte unregelmässig. Augen quer
nierenförmig.
Das Halsschild klein, rundlich oder viereckig, nach hinten nicht
verbreitert; Schildchen fehlend. Metathorax sehr kurz, Flügeldecken
verkürzt, zuweilen jedoch so lang, oder auch etwas länger als der
Hinterleib, abgerundet, vorn breit, an der Basis sich gegenseitig deckend,
nach den Enden zu allmälig divergirend, grösstentheils runzelig. Flügel
fehlend. Beine ziemlich kurz, stark, zusammengedrückt; Mittelhüften die
hinteren bedeckend. Schienen gegen die Spitzen dreieckig erweitert;
Klauenhälften gleich lang.
Hinterleib im Umriss länglich oval, oft wurmförmig, dick, weich aus sechs
Ventralringen zusammengesetzt.
Die Larven der Meloë sind in ihrer Jugendform von mehreren Arten schon seit
lange bekannt[21] und von manchen Naturforschern irrtthümlich als ein
eignes Genus und gute Arten in das Thiersystem eingeführt worden.[22] Ihre
weiteren Verwandlungsformen kennt man jedoch nur von Meloë cicatricosus,
dessen Naturgeschichte vornehmlich Newport[23] und Fabre[24] monographisch
abgehandelt haben. Die Primitivlarven sind, wie schon bei der Familie der
Vesicantien überhaupt geschildert, von horniger Consistenz, langgestreckt,
plattgedrückt, dreinzehnringelig, mit scharfen gebogenen Oberkiefern,
dreigliedrigen, das Endglied mit einer langen Borste versehenen Fühlern,
zwei Ocellen, weit ausgespreizten mit scharfen Krallen besetzten Beinen und
vier langen vom Endsegment entspringenden Borsten. (Vergl. Taf. I. Fig. 1.)
Der Kopf ist breit, flachgedrückt, mit gerundetem Vorderrande. Oberkiefer
schlank, fast halbmondförmig gebogen, zugespitzt. Unterkiefer dick, mit
dreigliedrigen Tastern. Fühler dreigliedrig, die zwei ersten Glieder dick,
das Endglied dünner mit langer Borste. Augen (Ocellen) jederseits eins,
hinter den Fühlerwurzeln liegend, hervorragend, gross, rund.
Die drei Brustringe sind quatratisch, oben und an den Seiten mit nach
rückwärts gerichteten Borsten besetzt. Beine weit ausgespreitzt; Hüften
kräftig, kurz. Schenkelring deutlich ausgebildet; Schenkel kräftig;
Schienen lang, schlank; die Füsse mit lancettförmigen Krallen versehen, zu
deren beiden Seiten ein beweglicher Dorn eingefügt. Hinterleib
zehngliedrig, gestreckt, schmal, spindelförmig, am Seitenrande eines jeden
Ringes mit starken, steifen, nach rückwärts gerichteten Borsten besetzt,
von denen die vier am vorletzten Abdominalsegment befindlichen sehr lang
sind, besonders die zwei inneren. Letztes Segment mit zwei Nachschiebern.
Stigmen zehn Paar vorhanden, ein Paar auf dem zweiten Brustringe, neun Paar
auf den Hinterleibsringen; die des ersten Abdominalringes und die des
Metathorax sind grösser als die Uebrigen.
Die zweite Larvenform (Vergl. Taf. I. Fig. 2.) besitzt ganz die äussere
Gestalt eines Engerlings, ist weich, fleischig, blind, mit einem sehr
feinen, nur durch die Loupe sichtbaren Flaume bedeckt, mit Einschluss des
Kopfes dreizehnringelig, von welchen Ringen der Metathorax und die ersten
acht Abdominalringe die Stigmen tragen; das letzte Abdominalstigmenpaar ist
etwas kleiner.
Der Kopf ist hornig. Oberlippe hervorragend, trapezisch. Oberkiefer stark,
kurz, stumpf, wenig gebogen, schwindend und jeder innen mit einem breiten
Zahne versehen. Maxillen und Lippentaster dreigliederig. Fühler am Grunde
der Oberkiefer eingelenkt, dreigliederig, das erste Glied dick,
kugelförmig, die folgenden viel dünner, cylindrisch. Füsse kurz, jedoch
ziemlich kräftig mit einem starken Nagel versehen, zum Kriechen und Graben
tauglich.
Die Pseudochrysalide ist dreizehnringelig, hornig, von dickem plumpen,
etwas gekrümmtem Körperbau, auf der Rückseite stark convex, auf der
Bauchseite flach. Rück- und Bauchseite von einer hervorragenden
eingefassten Wulst getrennt. Der Kopf stellt eine Maske dar, an der einige
unbewegliche Erhabenheiten übereinstimmend mit den zukünftigen Theilen des
Kopfes unbestimmt ausgeprägt sind. Füsse fehlen, anstatt dieser drei Paar
Tuberkeln auf dem Thoraxsegment. Stigmen neun Paar, ebenso vertheilt, wie
bei der zweiten Larvenform. (Vergl. Taf. I. Fig. 3.)
Die dritte Larvenform stimmt mit der zweiten überein. Die Nymphe hat keine
besonderen Auszeichnungen. (Vergl. Taf I. Fig. 4.)
=Lebensweise=. Die Oelkäfer trifft man auf Wiesen, Feldern, an
Bergabhängen, Steinen, im lichten Gehölz, auch, wie wohl selten, in Gärten,
meist an Orten von leichter Bodenart. Sie sind Standthiere, die fast
alljährlich auf derselben Stelle vorkommen und im Mai, in manchen Jahren
auch schon im April erscheinen und etwa bis Ende Juni leben. Ihre Nahrung
besteht aus niederen Pflanzen, vorzüglich jungen weichen Gräsern,
Löwenzahn, Veilchen u. s. w., die sie mit grosser Gefrässigkeit Morgens und
gegen den Abend verzehren, wobei sie oft das Futter mit einem Vorderfusse,
besonders mit den Schienbeindornen desselben festhalten und häufig im
Fressen eine Pause machen, um mit den Vorderfüssen die Fühlhörner und
Fressspitzen von oben nach unten zu streicheln. Während der Mittagshitze
verbergen sie sich vor der Sonne ins Gras, nur an trüben Tagen trifft man
sie auch in den Mittagsstunden herumkriechend und Nahrung zu sich nehmend.
Ihre Bewegungen sind ziemlich plump und unbeholfen, indessen vermögen sie
Fuss- und ein Paar fusshohe Pflanzen zu erklimmen, indem sie beim Klettern
die Pflanze mit ihren Füssen umklammern. Bei der Berührung ziehen sie die
Beine und Fühler an sich und lassen aus allen Kniegelenken einen scharfen,
ätzenden auf zarter Haut schnell Blasen ziehenden, gelben, wie Oel
aussehenden Saft, welcher schwer zu vertilgende Flecke auf Haut und Kleider
macht und der zum Theil aus Cantharidin besteht, hervorquellen.
Seine hellgelben Eier legt das Weibchen in ein über ein Zoll tiefes Loch,
welches es in nicht zu losem, aber auch nicht zu festem Erdboden mit den
Vorderfüssen gräbt, während es mit den Hinterbeinen und dem Hinterleibe die
ausgescharrte Erde wegschiebt. Ist das Loch schon ziemlich tief gegraben,
so sucht es durch kreisförmige Bewegungen mit dem Körper dasselbe zu
runden, wobei es mit der Arbeit von Zeit zu Zeit inne hält, um auszuruhen.
Wenn die Erde sich vor der Oeffnung in grosser Menge angehäuft hat, so
kriecht das Thierchen sehr häufig heraus und vertheilt die Erde auf den
Seiten, damit sie das Loch nicht wieder verschütte. Ist das Loch endlich
von der nöthigen Grösse gegraben worden, so kriecht das Thierchen aus
demselben heraus und setzt sich jetzt mit dem Hinterleibe in dasselbe, so
dass nur der Kopf und die Vorderfüsse, welche an dem Lochrande wie
angeklammert ruhen, zu sehen sind. In dieser Lage und unter abwechselnden
Taster- und Fühlerbewegungen setzt es die Eier in mehreren Absätzen
haufenweise ab. Nachdem dies geschehen, schiebt es mit den Vorderfüssen die
am Lochrande sich befindliche Erde gegen sich und bemüht sich, allmählich
aus der Oeffnung herauszukriechen. Ist es herausgekrochen, so schiebt es
mit den Vorderfüssen so viel Erde auf das Loch und drückt sie gleichzeitig
mit den Hinterfüssen und dem Hinterleib an, bis das Loch vollständig damit
bedeckt wird. Während dieser für das Thierchen sehr mühsamen Arbeit ruht es
mehrmals aus. So bald es nur mit seinem Geschäft zu Ende ist, sucht es sich
von diesem Ort schleunigst zu entfernen und fängt sehr bald darauf zu
fressen an. Uebrigens lebt es nach dem Ablegen seiner Eier nur noch wenige
Tage.[25]
Je nach der mehr oder weniger günstigen Lagerstätte entwickeln sich die
Eier nach 28[26] bis 42 Tagen und die sehr lebhaften Lärvchen kriechen aus
der Erde heraus und begeben sich sogleich gesellschaftlich auf die
verschiedensten Blumen, besonders Compositen (Taraxacum officinale),
Cruciferen (Raps, Rübsen), Papilionaceen (Esparsett) und Labiaten (Ajuga).
Hier harren sie, in den Blüthen zwischen den Antheren versteckt, wie es
schon früher bei der Familie erwähnt wurde, auf eine Biene[27], um sich an
diese festzuklammern und in ihren Bau schleppen zu lassen. Die Larven
einiger besteigen hierbei meist den Thorax der Biene und halten sich hier
mit Hülfe ihrer sehr spitzen Kiefern und scharfen Fusskrallen an den Haaren
und Borsten fest. Andere bohren sich mit dem halben und ganzen Körper in
die übereinander liegenden Leibesschienen oder auch zwischen die Halsringe
der Biene ein. Die letzteren verursachen dadurch oft den Tod der Biene,
indem sie den besonders zarten Wachsapparat irritiren. Im Uebrigen ist die
Lebensweise schon bei der Schilderung der Familie erwähnt worden, das
Speciellere wird bei den betreffenden Species angeführt werden.
=Geographische Verbreitung und Artenzahl=. Die Gattung Meloë ist mit
Ausnahme von Australien in allen Weltheilen und Zonen verbreitet. Europa
zählt 22[28] Arten mit mehreren Varietäten, von diesen Arten kommen auf
Deutschland allein schon 13 Species.[29]
MELOË VARIEGATUS, _Donovan_. BUNTER OELKÄFER.
Taf. I. Fig. 5 ([männlich]), 5 a.
Donovan, Brit. insects Tab. 67. -- Mart., Engl. Entom. Tab. 39. Fig. 1.
-- Leach, Transact. of the Lin. soc. vol. XI. pag. 37. Tab. VI. Fig.
1. 2, ibid. pag. 243. -- Brandt u. Ratzeburg, Medic. Zool. pag. 107.
Taf. XVI. Fig. 6. ([weiblich]). -- Brandt u. Erichs. Monogr. Gen. Mel.
(Nov. act. acad. Leopold. Carol. Nat. Cur. Tom. XVI. pag. 128.)
Meloe majalis Fabricius, syst. Eleuth. II. pag. 588, syst. entom. pag.
259, Spec. insect. I. pag. 327. 2, Mantis. insect. pag. 215 (excl.
diagn. et citat. Linnaei) Panz. Faun. German. pag. 10. Tab. 13. --
Oliv. Ins. n. 45. 6. Tab. I. Fig. 4a, b u. Tab. II. Fig. 4c. -- Meyer,
Tentam. Monogr. gen. Meloe pag. 17. n. 3. -- Latr. gen. crust. et
insect. pag. 218.
Meloë scabrosus, Marcham. Entom. Brit. I, pag. 483. u. 5. -- Gyllenh.
Ins. suec. T. I. P. II. pag. 484.