307. Dagegen hat sich dieselbe auf Grund der sogenannten

"Imponderabilien" veranlasst gesehen, durch die Einführung eines

weiteren gleichfalls körperlichen, jedoch, mit den physikalischen

Atomen verglichen, relativ "unkörperlichen" Stoffs, des sogenannten

"Aethers", in die leer gelassenen Zwischenräume der physikalischen

Atome, welche letzteren in demselben gleichsam, wie die Sterne

am Firmament, zerstreut zu schweben, oder, wie die Fische im

Wasser, in unregelmässigen Abständen zu schwimmen scheinen, der

Ansicht der philosophischen Wissenschaft vom Wirklichen von dem

stetigen Erfülltsein des Raumes durch einfache Wirkliche, um einen

beträchtlichen Schritt näher zu kommen. Die Elemente desselben, die

sogenannten Aetheratome, verhalten sich zu den physikalischen gleichsam

wie Atome zweiter zu solchen erster Ordnung. Dieselben werden zwar

eben so wenig wie diese ohne leere Zwischenräume, letztere selbst

aber werden im Verhältniss zu diesen als "unendlich klein" und das

von den Aetheratomen ausgehende Wirken wird zwar gleichfalls wie das

der Körperatome als Anziehung und Abstossung, jedoch als nur in der

kleinsten Entfernung wirksam vorgestellt. Jedes Körperatom erscheint

wie von Aetheratomen eingehüllt, welche dasselbe in Gestalt einer

Sphäre von allen Seiten umgeben und mit jenem zusammen unter der Form

winziger Kügelchen, deren vergleichsweise dichten Kern das Körperatom,

deren dünnere Peripherie die Aetheratome ausmachen, die reale durch

den Raum discret vertheilte Grundlage der sogenannten Materie bilden.

308. Je nachdem die erfahrungsmässig gegebenen Phänomene der

körperlichen Welt auf die Körperatome allein ohne Berücksichtigung des

deren Zwischenräume ausfüllenden Aethers, oder auf die Aetheratome

allein als Bestandtheile des die Zwischenräume der physikalischen

Atome ausfüllenden Stoffs zurückgeführt werden, ergeben sich zwei

Hauptclassen physischer Phänomene, deren eine das Wirken und die

Zustände des im engern Sinn sogenannten körperlichen Stoffs, die

andere das Wirken und die Zustände des Zwischenstoffs d. i. des

Aethers umfasst. Jene begreift, je nach der Grösse der Abstände der

Körperatome unter einander und der davon abhängigen Menge dieser

letzteren selbst innerhalb bestimmter räumlicher Grenzen (Volumen),

dreierlei Gattungen von Körpern, deren eine bei einem gewissen

Volumen die relativ grösste, deren dritte bei demselben Volumen

die relativ kleinste Menge von Körperatomen enthält, während die

zweite eine im Verhältniss zu jenem Volumen mittlere Menge von Atomen

einschliesst. Folge davon ist, dass in den Körpern der ersten Gattung

die Abstände der einzelnen Atome von einander relativ die kleinsten,

dagegen bei Körpern der dritten Gattung relativ die grössten sein

müssen, während bei den Körpern der Mittelgattung die Distanz der

Atome eine mittlere ist. Die Atome von Körpern der ersten Gattung

werden daher, da die anziehende Kraft je kleiner die Entfernung desto

stärker wirkt, am festesten, die Atome von Körpern der dritten Gattung

werden, da die Anziehung mit der Entfernung abnimmt, am lockersten

unter einander zusammenhängen; die Atome der Körper der Mittelgattung

werden, da die Entfernung und folglich die Anziehung eine mittlere

ist, einen mittleren Grad des Zusammenhangs darstellen. Bei Körpern

der ersten Art wird daher nicht nur das Verhältniss der Menge der

Atome (der Masse) zu der räumlich begrenzten Grösse des Inhalts (dem

Volumen) d. i. die relative Dichtigkeit die grösste, sondern auch der

Widerstand, welchen dieselben der Trennung der Atome entgegensetzen,

in Folge der starken Anziehung der Theile unter einander (der Cohäsion)

der relativ bedeutendste, bei Körpern der dritten Art dagegen aus

demselben Grunde die Dichtigkeit die geringste und der Widerstand

gegen die Trennung der mindestbedeutende sein, während den Körpern

der zweiten Art mit einer mittleren Dichtigkeit auch ein mittlerer

Widerstand d. h. ein solcher, welcher die Trennung der Atome weder

erschwert noch erleichtert, also gegen dieselbe sich gleichgiltig

verhält, eigen ist. Körper der ersten Art, als deren Repräsentant

die Erde angesehen wird, werden als feste, Körper der dritten Art,

als deren Repräsentant die atmosphärische Luft gilt, als luft- oder

gasförmige, Körper der mittleren Art, deren Typus das Wasser darstellt,

werden als flüssige bezeichnet.

309. Weder die Grösse des räumlichen Volumens, noch jene der Masse,

oder der Abstände der Atome von einander, absolut betrachtet, macht

hiebei einen Unterschied. Das Gesetz, welches die Atome der grossen

Weltkörper, der Nebelflecke und Sternhaufen zusammenhält, ist genau

das nämliche, welches auch die Atome des kleinsten Bruchtheils

eines festen Körpers auf der Erde an einander bindet; die Atome

des Weltmeeres hängen in keiner andern Weise zusammen, als jene

des Wassertropfens; und die Atmosphäre, welche entfernte Weltkörper

umhüllt, ja die ganze durch den Weltraum ausgebreitete, verdünnte

Luftmasse zeigt mit jener der irdischen Lufthülle verglichen nur

graduell verschiedene Structur. Zwischen den drei genannten Gattungen

von Körpern aber herrscht dabei das Verhältniss, dass einerseits

der luftförmige Körper durch Verminderung der Abstände seiner Atome

unter einander zuerst, wenn dieselbe den mittleren Grad der Entfernung

erreicht, in flüssigen, wenn sie denselben überschreitet, allmälig in

festen Zustand übergehen d. h. sich verdichten, umgekehrt der feste

Körper durch Vergrösserung jener Abstände seinerseits in flüssigen

und allmälig in luftförmigen Zustand übergehen d. h. sich verdünnen

kann. Je nachdem hiebei die zeitliche Aufeinanderfolge der genannten

Zustände verschieden, also entweder der feste, oder der luftförmige,

oder der flüssige als der (zeitlich) erste gedacht wird, aus welchem

die andern sich entwickelt haben, so dass im ersten Fall aus der

Verdichtung allmälig die Verdünnung, im zweiten aus der Verdünnung

allmälig (durch Niederschlag) die Verdichtung, im dritten aus einer

mittleren Dichtigkeit durch Verdichtung einerseits das Feste, durch

Verdünnung andererseits das Luftförmige hervorgeht, gliedern sich die

verschiedenen physikalischen Kosmogonien, als deren Repräsentanten

schon im Alterthum erscheinen: die Atomistiker, welche das Feste (die

körperlichen Atome), die jonischen Naturphilosophen Anaximenes und

Diogenes von Apollonia, welche das Luftartige, und Thales, welcher

das Flüssige für das der Zeit nach Erste erklärten, aus dem alles

Uebrige entstanden sei.

310. In allen genannten Fällen ist die Verbindung der Atome unter

einander eine mechanische, durch ein und dasselbe allgemeine Gesetz

der Anziehung nach dem umgekehrten Quadrate der Entfernung beherrschte,

welche so lange besteht, als dieses seine Geltung behauptet, und daher

jeder willkürlichen Aufhebung, sie komme von welcher Seite immer,

entzogen ist. Die zum Körper vereinten Atome erscheinen unter der

Pression dieses Gesetzes selbst zu einem mehr oder minder lockern

Gefüge comprimirt, also gleichsam einem von aussen kommenden Drucke

unterworfen. Die Elemente der Körper selbst stellen zusammengenommen

einen durch Vereinigung (Association) entstandenen räumlich begrenzten

Haufen, eine Menge gemengter (nicht gemischter) Bestandtheile dar,

deren jeder undurchdrungen von dem andern und undurchdringlich für

die andern für sich und zugleich im Verbande mit den andern als Glied

eines physischen Ganzen besteht. Auf qualitative Verschiedenheit

der zum Ganzen des Körpers verbundenen Theile konnte bisher schon

aus dem Grunde keine Rücksicht genommen werden, weil die quantitative

Atomistik eine solche bei den ursprünglichen Elementen der Körperwelt,

den primitiven Körperatomen, nicht kennt. Soll daher dennoch von

qualitativ unterschiedenen Elementen der Körper die Rede sein,

so können diese nicht selbst primitiv, sondern sie müssen aus

der allerdings primären Verbindung primitiver Atome gleichsam als

Atome höherer Ordnung entstanden sein. Von dieser Art wären, wenn

die Ansicht der quantitativen Atomistik die richtige und die darauf

fussende Behauptung der "philosophischen" Chemie, dass alle scheinbar

heterogenen Stoffe Umbildungen eines Grundstoffs seien, giltig sein

sollte, die bisher sogenannten einfachen Stoffe d. i. Körper wie

Sauerstoff, Wasserstoff, Kohlenstoff u. s. w. aufzufassen, deren jeder

demzufolge aus Atomen bestehend gedacht würde, welche selbst eine

eigenartige Gruppirung der primitiven Atome in sich schlössen. Das

sogenannte Sauerstoffatom wäre sonach zwar im Verhältniss zu dem

sogenannten Kohlenstoffatom, keineswegs aber im Verhältniss zu den

primitiven Atomen als wirklich atom d. i. als theillos zu bezeichnen,

da dasselbe zwar eben so wenig aus weiteren Sauerstoffatomen wie das

Kohlenstoffatom aus weiteren Kohlenstoffatomen, keineswegs aber,

wie es im Begriff des primitiven Atoms liegt, überhaupt nicht aus

weiteren Atomen bestehend gedacht wird. Wie das primitive einfaches,

so wäre demnach das Sauerstoffatom zusammengesetztes d. i. aus zu einem

Ganzen verbundenen primitiven Atomen bestehendes Atom (Molecul) und der

(feste, flüssige oder luftförmige) Körper, bei dessen Zusammensetzung

die qualitative Beschaffenheit seiner Bestandtheile in Frage kommt, ist

sonach als ein in seinen nächsten Bestandtheilen nicht aus einfachen,

sondern aus zusammengesetzten Atomen bestehender anzusehen.

311. Wie die Verbindung der Atome im mechanisch zusammengesetzten

Körper eine mechanische, so ist sie in dem chemisch zusammengesetzten

Körper, derselbe bestehe nun aus einander homogenen oder heterogenen

Elementen, eine chemische, auf der Anziehung derselben in Folge ihrer

qualitativen Verwandtschaft (Affinität) beruhende. Dieselben stehen

wie die Bestandtheile des mechanischen Körpers unter der Herrschaft

eines allgemeinen Gesetzes, nur dass dieselbe nicht sowol, wie dort,

einem von aussen ausgeübten Drucke, als vielmehr einem von innen aus

der Beschaffenheit der Atome stammenden Zuge sich vergleichen lässt,

vermöge dessen die Atome wie Glieder einer und derselben Familie

sich zu einander hingezogen, oder wie Glieder heterogener Rassen

(z. B. Weisse und Farbige) sich von einander abgestossen fühlen. Wie

die Verbindung blutsverwandter Familienglieder eine innigere ist als

die blos gesellige Zusammenkunft einander gleichgiltiger Genossen,

so ist die chemische Vereinigung qualitativ Verwandter inniger,

als jene blos mechanische indifferenter Atome und wird deshalb als

Verschmelzung im Gegensatz zur blossen Summation, als "Mischung"

im Gegensatz zur blossen Mengung bezeichnet. Letzterer Ausdruck ist

insofern ungenau, als er zu dem Irrthum verleiten kann, eine völlige

"Durchdringung" der einzelnen Atome als möglich anzunehmen, während

doch nur eine "Durchdringung" der sich unter einander verschmelzenden

Körper (z. B. Kohlenstoff und Sauerstoff zu Kohlensäure) in der Weise

stattfindet, dass mit jedem Atom des ersteren zwei Atome des letzteren

sich verbinden, also ein neues Gemenge gleichsam höherer Art entsteht,

dessen Atome je eine binäre Verbindung zwischen O und C darstellen,

die einzelnen, sowol Kohlenstoff- als Sauerstoffatome, dagegen für

einander undurchdringlich bleiben.

312. Sowol der mechanisch wie der chemisch zusammengesetzte

Körper hat die Eigenschaft, dass, sobald der dessen Bestandtheile

zusammenhaltende Druck oder Zug aus was immer für einem Grunde

erlischt, derselbe in seine Elemente zerfallen oder sich auflösen

muss. Wird statt dessen auf Grund einer im Körper selbst enthaltenen

Veranlassung jene zusammenhaltende Kraft ununterbrochen erneuert,

entweder indem überhaupt neuer Stoff, welchem dieselbe Anziehung, oder

neuer qualitativ verwandter Stoff, welchem derselbe Zug innewohnt,

von neuem herbeigeschafft wird, so entsteht im Gegensatz zu jenem aus

Mangel an Erneuerung abgestorbenen leblosen (unorganischen) der belebte

(organische) Körper. Die Eigenthümlichkeit, welche denselben von dem

mechanischen Körper unterscheidet, besteht darin, dass der letztere,

sobald die Bestandtheile desselben durch andere ersetzt werden, nicht

mehr derselbe, sondern ein neuer, wenngleich dem vorigen gleicher,

der organische Körper dagegen auch nach dem Ersatz derjenigen seiner

Bestandtheile, deren Anziehung unter einander erloschen ist, durch

andere, noch immer derselbe wie früher d. h. ein blos erneuerter

ist. Die Eigenthümlichkeit, welche denselben vom chemischen Körper

unterscheidet, dagegen besteht darin, dass der organische Körper

niemals, wie der einfache chemische homogen, sondern stets heterogen

d. h. aus verschiedenen Stoffen zusammengesetzt sein muss, aber

nicht, wie andere chemische Körper, aus beliebigen (z. B. Wasser aus

Sauerstoff und Wasserstoff, atmosphärische Luft aus Sauerstoff und

Stickstoff, Kalk aus Calcium und Sauerstoff, Kochsalz aus Chlor und

Natrium), sondern jedesmal nur aus gewissen Stoffen zusammengesetzt

sein darf. Folge der ersteren Eigenschaft ist, dass ein Theil des

organischen Körpers, nämlich derjenige, in dem die Veranlassung

liegt, dass sich der übrige Theil ohne Schädigung des Ganzen zu

erneuern vermag, diesem letzteren gegenüber eine ausgezeichnete

Stellung behauptet, insofern er den bleibenden, dieser dagegen den

wechselnden Bestandtheil des Körpers ausmacht, jener also denjenigen,

durch welchen der Körper immer derselbe bleibt, dieser denjenigen,

durch welchen derselbe unaufhörlich ein anderer wird. Folge der

letzteren Eigenschaft ist, dass, wo gewisse einfache chemische Körper

mangeln, als welche die Erfahrung bisher Sauerstoff, Wasserstoff,

Stickstoff und hauptsächlich Kohlenstoff hervorzuheben gelehrt hat,

die Entstehung organischer Körper, auch wenn alle übrigen Bedingungen

und die grösste Fülle anderweitiger chemischer Körper vorhanden

wäre, unmöglich ist. Finden beide Bedingungen vereinigt bei der

kleinstmöglichen Anzahl körperlicher Atome Erfüllung, so entsteht der

denkbar kleinste belebte Körper, das organische Atom, die sogenannte

Zelle, während aus der Verbindung von solchen, sei es mit, sei es

ohne Zuhilfenahme unorganischer Bestandtheile, der Zellenorganismus

d. i. der -- wie der mechanische Körper aus mechanisch verbundenen

mechanischen, wie der chemische Körper aus chemisch verbundenen

chemischen, so aus organisch verbundenen organischen Elementen

bestehende -- organische Körper hervorgeht.

313. Die ausgezeichnete Stellung des beharrenden Theils gegenüber dem

wechselnden im belebten Körper äussert sich nicht blos darin, dass er

selbst (er sei nun ein einzelnes Atom oder eine Gruppe von solchen)

während der ganzen Dauer des organischen Körpers (Lebensdauer) immer

derselbe bleibt, sondern auch darin, dass in ihm die Ursache enthalten

ist, um welcher willen und durch welche nicht nur stets neuer und zwar

zu seiner Erhaltung passender Stoff (Leibesnahrung) herbeigeschafft,

sondern auch der Neuheit des Materiales zum Trotz die ursprüngliche

Form (Leibesform) im Wesentlichen unverändert erhalten wird. Derselbe

stellt daher gleichsam den beherrschenden Mittelpunkt ("die Seele")

dar, zu welchem die Gesammtheit des übrigen den Körper jeweilig

ausmachenden Stoffs sich als beherrschtes, zur Erhaltung des Ganzen

verbrauchbares Material ("als Leib") verhält. Da derselbe beherrschend

nur im Verhältniss zu dem von ihm Beherrschten, mit dem Aufhören der

Herrschaft aber zwar Beherrschendes wie Beherrschtes nach wie vor

vorhanden, aber nicht mehr als Herrscher und Beherrschtes vorhanden

sind, so hört mit dem Erlöschen des organischen Bandes zwischen der

"Seele" und dem "Leibe" des belebten Körpers d. i. mit dem Tode

auch der bisher herrschend gewesene Bestandtheil desselben auf,

Seele eines Leibes, wie der bisher beherrscht gewesene Bestandtheil

desselben aufhört, Leib einer Seele zu sein; das Atom oder die

Atome, welche bisher den bleibenden, so wie diejenigen, welche

bisher den jeweiligen veränderlichen Bestandtheil des organischen

Körpers ausgemacht haben, hören jedoch dadurch keineswegs auf, als

Atome d. i. zwar aus ihrer bisherigen Verbindung ausgelöst, aber

fähig und bereit, neue Verbindungen einzugehen, sei es wieder als

"Seele" eines Leibes (Metempsychose) oder als Leibtheil einer Seele

(Palingenesie), zu existiren.

314. Je nachdem der organische Körper als am Orte haftend, oder

mit der Fähigkeit begabt, denselben beliebig zu wechseln, so wie,

je nachdem derselbe als sich oder anderes vorstellend oder überhaupt

nicht als vorstellend gedacht wird, wird derselbe im ersten Falle,

da die Erfahrung an der sogenannten Pflanze weder freie Bewegung,

noch Zeichen vorstellender Thätigkeit aufweist, als pflanzenartiger,

im zweiten Fall, da die Erfahrung am sogenannten Thiere zwar freie

Beweglichkeit, aber (wenigstens bei den niedersten Thiergattungen)

keine Spur von vorstellender Thätigkeit zeigt, als thierartiger, im

dritten Fall, wenn sich nicht nur die Fähigkeit, anderes, sondern

(wie schon bei den höheren Thiergattungen) sogar die Fähigkeit

äussert, bis zu einem gewissen Grade sich selbst vorzustellen,

da die Erfahrung letztere Eigenschaft (die Vorstellung des Ich)

hauptsächlich am Menschen kennt, als menschenähnlicher bezeichnet

werden. Mit dem Erwachen des Ich d. i. derjenigen Vorstellung, durch

welche der belebte Körper andere, sei es belebte oder leblose Körper,

von sich unterscheidet d. h. als Anderes als er selbst, als Nicht-Ich

sich gegenüberstellt und dadurch sich zu diesem und dieses zu sich in

ein Verhältniss bringt, welches je nach dem Mass seiner im Vergleich zu

der Kraft jenes Andern und nach der Beschaffenheit seiner Bedürfnisse

im Vergleich zu den Bedürfnissen jenes Andern zu einem überlegenen

oder unterliegenden, zu einem freundlichen oder feindseligen, zu

friedlichem Genuss oder zum Kampfe ums Dasein werden kann, ist das

Reich des Bewusstlosen, des Nicht-Ich, abgeschlossen.

315. Wie die Atome, so üben auch die Körper eine Wirksamkeit

auf einander aus, welche je nach der Beschaffenheit derselben

entweder mechanischer, chemischer oder organischer Art ist. Erstere

äussert sich als Schwere, indem ein Körper den andern vermöge

seiner überlegenen Masse, die zweite als Wahlverwandtschaft, indem

ein Körper den andern vermöge seiner innigeren Verwandtschaft, die

dritte als Geschlechtsneigung, indem ein Körper den andern in Folge

des geschlechtlichen Gegensatzes an sich zieht. Wie durch die erstere

eine Ablenkung des angezogenen Körpers, wenn derselbe bewegt ist, von

seiner ursprünglichen Richtung, wenn er unbewegt ist, eine Annäherung

an den Ort des anziehenden Körpers, in beiden Fällen jedoch, wenn

kein anderweitiges Hinderniss, z. B. die widerstrebende Eigenbewegung

des angezogenen Körpers, dazwischen tritt, eine Vereinigung des

angezogenen mit dem anziehenden und dadurch eine Vergrösserung der

Masse des letzteren herbeigeführt wird, so wird durch die zweite eine

Auflösung der bisherigen Verbindung des angezogenen Körpers und die

Entstehung einer neuen Verbindung durch die Verschmelzung desselben

mit dem anziehenden veranlasst, auf dem dritten Wege aber durch

die organische Vereinigung zweier geschlechtlich entgegengesetzten

belebten Körper ein neues organisches Individuum auf Kosten und aus

dem Stoffe der Zeugenden erzeugt. Jene, die mechanische Anziehung

associirt bisher getrennte Körper zu einem neuen, welcher dieselben

in sich begreift; die zweite trennt nicht zusammengehörige Körper, die

vereinigt, und führt zusammengehörige zusammen, die getrennt waren; die

dritte leitet aus bisher vereinzelt gestandenen organischen Individuen

durch Zusammenschluss derselben ein neues, in keinem derselben für

sich allein, aber in beiden zusammengenommen wol- und vollbegründetes

Individuum ab. Das Wirken der ersten wie der zweiten Art bringt als

producirende Thätigkeit zwar nicht dem Stoff, aber der Form nach neue

Körper, die letztgenannte als reproducirende weder dem Stoff, noch der

Form nach neue, sondern denjenigen, aus welchen sie entstanden sind,

gleiche Körper d. h. sie bringt das in der Zeugung untergegangene

in einem neuen Individuum wieder hervor. Während durch die erstere,

die schaffende ("die Phantasie der physischen Welt") Thätigkeit

der gegebene Stoff in vorher nicht gegebener Gestalt umgebildet,

wird durch die letztere, die fortpflanzende ("das Gedächtniss der

Materie") Thätigkeit die Spur des einmal vorhanden Gewesenen in allem

Folgenden mehr oder minder getreu aufbewahrt und dessen Andenken

durch dasselbe erneuert. Auf ersterem Wege bilden sich aus dem im

Weltraum gleichmässig vertheilten Stoffe durch locale Verdichtung frei

schwebende, sogenannte "kosmische Wolken", durch Anhäufung desselben

um einen dichtern Kern sogenannte "Nebelflecke" und "schweifende

Kometen"; wachsen durch Vereinigung kleinerer Weltkörper allmälig jene

im Weltraum zerstreuten Massenkugeln heran, die andern als Central-

und, wie es das Niederstürzen von Sternschnuppen und Meteorsteinen

auf deren Oberfläche beweist, zum Sammelpunkte dienen. Auf dem zweiten

Wege bildet sich jener wirthschaftliche Haushalt in der Natur, durch

welchen die von den pflanzlichen Organismen aufgenommene Kohlensäure

im Inneren derselben zersetzt, der Kohlenstoff zurückbehalten und der

Sauerstoff durch die Lungen der Pflanze, die Blätter, ausgeathmet,

von den thierischen Organismen dagegen eingeathmet und in den Lungen

zur Oxydirung des Blutes verwendet wird. Auf dem letztgenannten

Wege endlich werden wenigstens in den höheren pflanzlichen und

thierischen Gattungen die unzähligen Nachkommen gezeugt, während auf

den niederen Stufen der vegetabilischen Organismen die Fortpflanzung

durch Keimzellen (Sporen) und Sprossen, bei den animalischen durch

Theilung und Zerfällung der ursprünglich zu einem einzigen vereinigt

gewesenen in mehrere selbstständige Individuen die Stelle der sexualen

Generation vertritt.

316. Wie die Atome, so sind die Körper in verschiedenen regelmässigen

oder unregelmässigen Abständen durch den Weltraum ausgestreut, so

dass einzelne derselben unter einander, wie die Atome zu Körpern, so

die Körper zu Systemen und weiter diese selbst wieder zu ihrerseits

unter sich zu einem Ganzen verknüpften Aggregaten von Systemen gehören,

während andere keinem in sich geschlossenen Körperverband einverleibt,

sei es aus dem Gebiet eines in das eines anderen Körpersystems

hinüberstreifen, theils frei durch den Weltraum irren. Zu den

ersteren gehören die Systeme einzelner Centralkörper mit ihren in

ihren Bewegungen von ihnen abhängigen Begleitern, welche ihrerseits

wieder von solchen begleitet sein können. Dieselben bilden im Weltmeer

des mit Körpern erfüllten Raumes gleichsam "Weltinseln" und können

ihrerseits mit anderen ihresgleichen zu einem "Inselmeer" d. i. zu

einem Archipelagos von Weltsystemen vereinigt sein. Ein solches bildet

allem Anschein nach der selbst um einen, sei es idealen, sei es realen

(nach Mädler Alpha Herculis) Mittelpunkt gravitirende Weltring der

sogenannten Milchstrasse, von welchem unser Sonnensystem mit seiner

Centralsonne, seinen Planeten und Planetoiden, deren Trabanten und

Ringen, sowie mit den theils gleichfalls ringförmig angeordneten,

theils zerstreut rotirenden Asteroiden, Sternschnuppen und Meteormassen

einen Bestandtheil ausmacht. Der Inbegriff sämmtlicher Weltkörper

bildet das sichtbare Universum, das mechanisch durch das Gesetz

der Gravitation beherrscht und chemisch, wie die Spectralanalyse

gezeigt hat, durchgängig aus solchen Stoffen zusammengesetzt ist,

welche auch auf oder innerhalb der Erde vorkommen. Flüssige und

luftartige Bildungen (Meere und Atmosphären) sind auch auf von

der Erde verschiedenen Weltkörpern beobachtet, dagegen Spuren

organischen Lebens bisher nur auf dieser wahrgenommen worden, daher

von vegetabilischen und animalischen, so wie von menschenähnlichen

Bewohnern erfahrungsgemäß bisher nur auf dieser die Rede sein kann.

Anthroposophie im Umriss Entwurf eines Systems idealer Weltansicht auf realistischer Grundlage · 第 20 / 31 段