erreicht, wo die philosophische Wissenschaft vom Wirklichen der
Erfahrungswissenschaft von demselben die Hand zu bieten vermag. Jene,
die von der Erfahrung aus-, aber auf Grund in deren Inhalt gelegener
Nöthigung über dieselbe hinausgeht, hat mit der letzteren, die
nicht nur wie jene auf der Erfahrung fusst, sondern auch innerhalb
derselben verharrt, die Aufgabe gemein, die Erfahrung begreiflich zu
machen. Seitens der letzteren geschieht dies, indem sie das gesammte
Wissen vom Wirklichen auf den Boden der Erfahrung zu stellen, seitens
der ersteren, indem sie den Boden der Erfahrung selbst sicher zu
legen unternimmt. Beide, die philosophische und die empirische
Wissenschaft vom Wirklichen gleichen Arbeitern, welche von den
entgegengesetzten Seiten eines Berges her, unsichtbar für einander,
aber auf gemeinsamen Voraussetzungen fussend und einer gemeinsamen
Methode sich bedienend, einen Tunnel durch das Innere desselben zu
bohren unternehmen, in der Hoffnung, wenn ihre Voraussetzungen giltig
und ihre Berechnungen richtig sind, irgendwo in der Höhlung desselben
zusammenzutreffen. Jene schreitet von den allgemeinen Begriffen und
Principien des Wirklichen und seines Wirkens in der Richtung gegen die
erfahrungsmässig gegebenen Erscheinungen der scheinbaren Wirklichkeit
nach vorwärts, diese, von der Erscheinungswelt der Erfahrung in der
Richtung gegen deren allgemeinste und oberste reale und gesetzliche
Voraussetzungen nach rückwärts. Wenn beider methodische Grundsätze
giltig und ihre Folgerungen zutreffend sind, werden beide früher
oder später irgendwo an der Grenze einerseits des Denknothwendigen,
andererseits des Erfahrbaren einander begegnen müssen.
298. Einen thatsächlichen Beweis für die Richtigkeit dieser
Annahme liefert die Herrschaft, welche die Atomistik einerseits
als philosophische über die philosophische, andererseits als
physikalische über die empirische Wissenschaft vom Wirklichen gewonnen
hat. In der ersteren ist dieselbe als zugleich realistische und
pluralistische Grundlegung der phänomenalen Welt an die Stelle der
sowol idealistischen als monistischen einstigen "Naturphilosophie", in
der letzteren ist sie, wie Fechner eben so gründlich als scharfsinnig
ausgeführt hat, längst mit Recht an die Stelle der (noch von Kant
begünstigten) einstigen dynamischen Naturauffassung getreten. So wenig,
wie Fechner selbst zugestanden hat, die philosophische Atomenlehre mit
der physikalischen identisch, so gewiss ist dieselbe mit der letzteren
verträglich d. h. bietet die Existenz einer unbestimmten Vielheit
einfacher wirklicher und unausgesetzt wirkender Wesen einen realen
Anknüpfungspunkt dar für die Zurückführung der gesammten Phänomene
der körperlichen Welt auf die Existenz unbestimmt vieler untheilbarer
und daher gleichfalls "einfach" genannter, mit rastlos thätigen
Kräften ausgestatteter Elemente. Dass die letzteren ihrer behaupteten
Einfachheit ungeachtet von Fechner als "körperliche" bezeichnet werden,
ist nur als Beleg anzusehen, dass die empirische Wissenschaft vom
Wirklichen, welche innerhalb der Grenzen des sinnlich Erfahrbaren
bleibt, der philosophischen, welche von Haus aus über dieselben hinaus
führt, zwar stetig sich nähert, aber sie noch nicht berührt.
299. Aber nicht nur der empirischen Wissenschaft von der körperlichen,
auch jener von der Bewusstseinswelt sowol des Einzel- wie des
gesellschaftlichen Subjects bietet die philosophische Wissenschaft
vom Wirklichen, jener in dem einfachen Wirklichen eine reale, dieser
in der unbestimmten Menge realer Bewusstseinsträger eine reale und
pluralistische Grundlage dar. Wie die unbestimmte Vielheit einfacher
Wirklicher den haltbaren Boden für den aus einer eben so unbestimmten
Vielheit atomistischer Elemente zusammengesetzten Stoff der physischen
Welt, so bildet das einzelne individuelle Wirkliche den haltbaren
Mittelpunkt, in welchem der aus einer unbestimmten Menge elementarer
Bewusstseinsvorgänge bestehende Stoff der psychischen Welt im Phänomen
der Einheit des Ich's wie in einem Brennpunkt zusammenfliesst, und
macht die Vielheit individueller Wirklichen der letztgenannten Art,
deren jedes für sich ein Bewusstseinscentrum abgibt, die unentbehrliche
Grundlage dessen aus, was als Vereinigung durch ein gemeinsames Band
unter einander verknüpfter, bewusster oder doch bewusstseinsfähiger
Individuen den Stoff der Gesellschaft und der Entwickelung derselben
in den Grenzen des Raums und in der Folge der Zeit d. i. der Geschichte
ausmacht.
300. Letzteren, den dreifachen Stoff, den die Betrachtung der
körperlichen, der Bewusstseins- und der geschichtlichen Welt liefert,
aber vermag die Wissenschaft vom Wirklichen nicht der philosophischen,
sondern nur der empirischen Wissenschaft von diesem zu entlehnen. Der
philosophischen Wissenschaft vom Wirklichen kann es nicht beikommen,
die unausgefüllte Kluft, welche zwischen den äussersten erlaubten
Consequenzen des Denknothwendigen und den äussersten Grenzen
des Erfahrbaren übrig bleibt, durch Conjecturen ausfüllen, oder
den Uebergang von dem einen zum andern durch Einbildungen ebnen
zu wollen, welche weder mehr in der Nothwendigkeit des Denkens,
noch schon in der Möglichkeit der Erfahrung eine Rechtfertigung zu
finden im Stande sind. Dieselbe hat zwar die Aufgabe, die Erfahrung
zu befragen und, wenn deren Antwort ihr unbefriedigend, sei es der
Form nach unvollkommen, sei es dem Inhalt nach unvollständig dünkt,
dieselbe den Normen des Denknothwendigen gemäss der ersten nach zu
berichtigen, dem zweiten nach deren Ergänzung abzuwarten, aber sie
hat weder die Mittel dieselbe aus Eigenem zu ersetzen, noch, wenn
sie nicht vom Taumel orphischen Hochmuths ergriffen ist, jemals
die Anmassung, die Erfahrung überflüssig machen zu wollen. Indem
sie sonach an die selbst aus der Erfahrung geschöpfte Eintheilung
des erfahrbaren Wirklichen in ein solches, dessen Kenntniss aus der
sogenannten äusseren (Physisches) ein solches, dessen Kenntniss aus
der sogenannten inneren (Psychisches), und in ein solches, dessen
Kenntniss aus der äussern und innern Erfahrung zugleich stammt
(Sociales, Geschichtliches) sich unbedenklich anschliesst, begnügt
sie sich, jedes der drei genannten Gebiete des Erfahrbaren mit dem
auf Grund der Erfahrung, aber durch Hinausgehen über dieselbe als
denknothwendig erkannten, wahren Wirklichen zu vermitteln und in
einer an logischem Faden ungezwungen fortlaufenden Anordnung des
durch die Erfahrung gebotenen Stoffs eine systematische Uebersicht
des erfahrbaren Wirklichen in der Körper-, in der Geistes- und in
der geschichtlichen Welt zu entwerfen. Jenes macht den Inhalt der
philosophischen Betrachtung der sogenannten bewusstlosen Welt,
oder des Nicht-Ich, das zweite den Inhalt der Betrachtung der
bewussten Welt, des Ich, das dritte den Inhalt der Betrachtung einer
gleichfalls bewussten, aber in dem Bewusstsein einer Mehrheit zur
Einheit verknüpfter, bewusster Individuen d. i. einer Gesellschaft
sich abspielenden Welt des socialen oder geschichtlichen Ich aus.
301. Die Betrachtung des Nicht-Ich beginnt mit jener des letzten,
was auf dem Wege der Erfahrung, oder vielmehr schon nur durch einen
Sprung, der über die wirkliche Erfahrung hinausführt, erreichbar ist,
des Atoms. Dasselbe ist nach der Ansicht der Physiker (Ampère, Moigno
u. A.) zwar einfach aber doch "körperlich" (Fechner); jenes bedeutet,
dass dasselbe untheilbar oder doch wenigstens für jetzt nicht weiter
als getheilt angesehen sein soll, dieses, dass dasselbe nichts desto
weniger als materiell d. i. dem körperlichen Stoff (Materie), dessen
letzten Bestandtheil es ausmacht, als gleichartig gelten soll. Erstere
Eigenschaft nähert, letztere dagegen entfernt das physikalische Atom
von dem philosophischen, welches letztere zwar im strengsten Sinn
des Wortes seiner Qualität nach als einfach, dessen Qualität selbst
aber als schlechterdings unbekannt d. h. auch nicht, wie jene des
physikalischen Atoms, etwa als materiell zu denken ist. Je nachdem
empirische Naturbetrachtung von der Ansicht ausgeht, dass sämmtliche
Atome unter einander der Qualität nach gleich, oder einige derselben
ursprünglich und unveränderlich ihrer qualitativen Beschaffenheit nach
von jener der anderen verschieden sind, scheidet sich dieselbe in eine
rein quantitative und in eine ganz oder doch zum Theile qualitative
Atomistik, deren erstere nicht nur alle Verschiedenheiten der Körper,
sondern auch sämmtliche Erscheinungen der körperlichen Welt aus den
Verschiedenheiten rein quantitativer Beziehungen unter der Qualität
nach homogenen, die letztere dagegen dieselben ganz oder doch
theilweise aus der verschiedenen qualitativen Natur die Elemente der
Körper, so wie die Grundlage körperlicher Erscheinungen ausmachender,
unter einander heterogener Atome abzuleiten bemüht ist.
302. Die erfahrungsmässig gegebenen Verschiedenheiten der Körper
d. i. der räumlich und zeitlich begrenzten zusammengehörigen Gruppen
von Atomen, also die Unterschiede einerseits des belebten (organischen)
oder leblosen (unorganischen) Körpers, ferner die Unterschiede der
letzteren, als zusammengesetzte, die sich in weitere, der Qualität
nach verschiedene Bestandtheile zerlegen, und einfache (die sogenannten
einfachen Stoffe der Chemie), die sich in solche nicht weiter auflösen
lassen, ferner die Unterschiede der letzteren selbst je nach ihrer
qualitativen Beschaffenheit (z. B. des Sauerstoffs vom Wasserstoff, des
Stickstoffs vom Kohlenstoff, des Calcium vom Magnesium u. s. w.) werden
von der qualitativen Atomistik auf eine fundamentale qualitative
Verschiedenheit der den Stoff der Körper ausmachenden letzten Elemente
zurückgeführt, so dass dieselben bei den organischen Körpern andere
als bei den unorganischen und ebenso bei jedem der einfachen Körper,
welche die letzten qualitativ unterschiedenen Bestandtheile der
zusammengesetzten abgeben, andere als bei den übrigen seien. Dieselbe
betrachtet als sogenannte biologische Atomistik jeden belebten Körper
als bestehend aus gleichfalls lebendigen Atomen, den sogenannten
Zellen, während der leblose Körper bis in seine letzten Elemente
hinab aus gleichfalls leblosen Elementen bestehend vorgestellt
wird. Als sogenannte chemische Atomistik sieht dieselbe nicht nur
den zusammengesetzten Körper, z. B. das Wasser, für bestehend aus
qualitativ verschiedenen und zwar aus Atomen von zweierlei Art an,
davon die einen sauerstoff-, die andern wasserstoffartig und davon
jene mit diesen nach einem bestimmten Verhältniss, so dass auf je
zwei Atome Wasserstoff ein Atom Sauerstoff (H2O) gerechnet wird (dem
sogenannten stöchiometrischen Verhältniss), unter einander verbunden
sind. Wird letztere Ansicht auch auf die sogenannten organischen Körper
ausgedehnt, so dass diese als zusammengesetzt aus einfachen Stoffen
gedacht werden, welche unter andern Verhältnissen die Bestandtheile
unorganischer Körper ausmachen z. B. aus Sauerstoff, Wasserstoff,
Kohlenstoff und hauptsächlich Stickstoff, so schwindet zwar der
qualitative Unterschied zwischen belebten und unbelebten Körpern, aber
derjenige zwischen den einfachen Körpern bleibt bestehen d. h. die
Atome des Sauerstoffs sind nach wie vor qualitativ verschieden
von jenen des Wasserstoffs, die des Azots von jenen des Carbons
u. s. w. Zeigen nun Körper, ungeachtet die qualitativen Bestandtheile
derselben die nämlichen sind, dennoch verschiedene Eigenschaften
(die sogenannte Isomerie), so werden, da diese Verschiedenheit
nicht mehr aus der Verschiedenheit der qualitativen Beschaffenheit
der Elemente sich erklären lässt, quantitative Verschiedenheiten der
(qualitativ gleichen) Körper und zwar solche, welche entweder aus dem
arithmetischen Gesichtspunkt der Menge oder aus dem geometrischen
der (räumlichen) Lage der Elemente entlehnt sind, zur Erklärung
herangezogen. (Wie dies z. B. bei der Weinsteinsäure, welche auf die
Polarisationsebene des Lichtes eine drehende Wirkung ausübt, bei der
Thatsache der Fall ist, dass eine Gattung derselben unter übrigens ganz
gleichen Verhältnissen jene Ebene nach rechts, eine andere dagegen
dieselbe nach links dreht. In diesem Falle wird angenommen, dass die
Atome der rechtsdrehenden Weinsteinsäure eine Lagerung nach rechts,
jene der letzteren eine solche nach links besitzen.)
303. Das Charakteristische der quantitativen Atomistik besteht
darin, dass sie diejenige Hypothese, welche die qualitative nur in
Ausnahmsfällen, wie z. B. in jenem der Isomerie, zu Hilfe ruft,
der gesammten Erklärung der Körperwelt als alleinige zu Grunde
legt. Während dieser zufolge die Verschiedenheit der Körper in der
Regel auf der qualitativen Verschiedenheit ihrer Elemente d. h. auf
der Verschiedenheit ihres Stoffes und nur in einigen Fällen auf der
Verschiedenheit der Zusammensetzung ihrer übrigens gleichen Elemente
d. i. auf jener der Form beruht, macht jene letztere Ausnahme zur
Regel d. h. betrachtet die Isomerie als eine Grund- und gemeinsame
Eigenschaft aller sonst wie immer unterschiedenen Körper und leitet
sämmtliche Verschiedenheiten der letztern ausschliesslich aus der
Verschiedenheit ihrer Zusammensetzung aus übrigens gleichen Elementen
d. i. aus der Form ab. Ihr zufolge sind daher nicht nur die Elemente
des belebten nicht von jenen des unbelebten Körpers, sondern auch
die Elemente irgend eines einfachen Stoffes nicht von jenen jedes
beliebigen andern Stoffes verschieden. Letzteres setzt voraus, dass
die gleichwol unbestreitbare Unterschiedenheit sowol der nächsten --
durch die Analyse organischer Körper erreichbaren -- Bestandtheile von
den -- durch Analyse sogenannter unorganischer Körper darstellbaren --
Stoffen (z. B. des Eiweissstoffes, des Proteïns, des Caffeïns, Theïns
u. dgl. von Oxygen, Hydrogen, Gold, Eisen, Platin u. s. w.) wie die
gleichfalls unleugbare Unterschiedenheit der einfachen Stoffe selbst
gleichwol nur eine scheinbare, der Grund derselben lediglich in der
verschiedenen Art der Verbindung ursprünglich durchaus homogener
Elemente zu einem Ganzen zu suchen, der sogenannte organische Körper
zwar in seinen nächsten und näheren, keineswegs aber in seinen
entfernten und entferntesten Bestandtheilen von den unbelebten
unterschieden, so wie dass die ganze bekannte und noch zu ergänzende
Reihe sogenannter einfacher d. i. weiter nicht zerlegbarer Stoffe
nur als eine Reihe der Form nach unterschiedener Umbildungen eines
einzigen (sei es eines der bereits bekannten Stoffe oder eines
bisher unbekannten Stoffes) anzusehen sei. Erstere Behauptung,
die der stofflichen Identität der lebendigen und leblosen Körper,
hat in der Naturwissenschaft unserer Tage bereits weite Verbreitung
gefunden; letztere Behauptung, welche auf einem weiten Umwege in
exacter Weise die Ansicht der Urmutter der Chemie, der Alchymie,
von der Transformationsfähigkeit der verschiedenen Körper in einander
erneuert, hat in der sogenannten "Philosophie der Chemie" (J. B. Dumas)
ihren Platz und durch die Aufstellung der sogenannten Typentheorie
und die Entdeckung der sogenannten typischen Körper, durch welche von
Einigen die grosse Zahl der bisher als einfach angenommenen Stoffe
bereits bis auf acht herabgemindert scheint (Ciancian), bereits eine
empirische, wenigstens annähernde Bestätigung erhalten.
304. Die Aufgabe einer logischen Uebersicht des empirischen Stoffs
kann es nicht sein, über die Geltung der einen oder der andern
beider entgegengesetzten Formen der Atomistik, über welche nur
Thatsachen zu entscheiden vermögen, einen Ausspruch zu thun. Die
logische Consequenz d. i. die innere Uebereinstimmung mit der durch
die philosophische Wissenschaft vom Wirklichen gelegten realen
Grundlage der phänomenalen Welt hat, wie es augenscheinlich ist,
die quantitative Atomistik in höherem Grade als die qualitative für
sich. Ist es überhaupt richtig, dass die vielen unbedingt gesetzten
einfachen Wirklichen unter einander die kleinste denkbare qualitative
Verschiedenheit d. i. keine andere besitzen als diejenige, welche
in deren räumlichen und zeitlichen Bestimmtheiten sich ausdrückt,
so ist es nur folgerichtig, auch die Gesammtheit der letzten realen
Elemente, welche zusammengenommen den Stoff der Körperwelt ausmachen,
der physikalischen Atome, als einen Inbegriff qualitativ gleichartiger
Elementarbestandtheile der Körper zu betrachten. Das elementare Atom,
dessen Qualität eben diejenige des einzigen wirklichen Grundstoffs ist,
wird sodann gleichsam die unterste Stufe einer aufsteigenden Reihe
bilden, als deren einzelne Glieder nach einander die Atome der bisher
sogenannten einfachen Stoffe (das Sauerstoff-Atom, das Stickstoff-Atom,
das Gold-Atom u. s. w.) auftreten würden, deren jedes für sich durch
eine eigenthümliche Combination, sei es von Atomen des Urstoffs, sei
es von solchen, die selbst schon durch dergleichen gewonnen wären,
repräsentirt würde. Die Aufstellung dieser Reihe, welche die übliche
Zerlegung organischer und unorganischer Körper in deren sogenannte
einfache Bestandtheile über die Grenze der bis zu diesem Augenblicke
als einfach betrachteten Stoffe hinaus durch die erreichte oder doch
versuchte Zerlegung dieser selbst bis zu dem schlechterdings letzten
nicht blos relativ, sondern absolut einfachen Grundstoff ausdehnt,
würde sodann das Ziel der Chemie als Wissenschaft ausmachen.
305. Wie der quantitativen Atomistik für die stoffliche Beschaffenheit
sämmtlicher Elemente der Körperwelt eine einzige Qualität, so genügt
ihr für die Art und Weise des Wirkens derselben ein einziges Gesetz;
die qualitative Atomistik, insofern sie eine Mehrheit qualitativ
unterschiedener Classen körperlicher Bestandtheile zulässt, bedarf für
die qualitativ verschiedene Art des Wirkens jeder einzelnen derselben
eben so vieler specifisch verschiedener Gesetze. So lange die Elemente
organischer Körper selbst als organisch, die unorganischer Körper
dagegen als unorganisch gelten, kann das Gesetz, welches das Wirken
der erstern, mit jenem, welches das der letzteren beherrscht, so
wenig wie das Wirken jener "lebendigen" Elemente (die Lebenskraft)
mit jenem der "leblosen" Elemente (der todten Naturkraft) identisch
sein. Eben so wenig kann das Wirken, welches seinen Grund in der
qualitativen Verwandtschaft (Affinität) der Körper hat (chemische
Anziehung) das nämliche sein mit demjenigen, das auch bei völliger
Nichtverwandtschaft (Disparatheit, Heterogeneität) der Körper erfolgt
(mechanische Anziehung) und folglich eben so wenig das Gesetz, welches
jenes (Affinitätsgesetz, Wahlverwandtschaft), identisch mit demjenigen,
welches dieses regelt (Gravitationsgesetz, Schwere). Mit der Aufhebung
qualitativer Verschiedenheit der Körper tritt der umgekehrte Fall
ein. Das Gesetz, welches das Wirken der Elemente organischer Körper
bestimmt, braucht fortan von demjenigen, von welchem das Wirken der
Elemente unorganischer Körper abhängt, eben so wenig verschieden zu
sein, als das Wirken, das seinen Grund in der Verwandtschaft der
Körper hat, als das Wirken der ursprünglichen Elemente d. h. als
dasjenige betrachtet werden kann, für welches Gleichartigkeit oder
Ungleichartigkeit derselben gleichgiltig und das daher eben so
wenig durch die qualitative Aehnlichkeit wie durch den qualitativen
Gegensatz der Körper bedingt ist. Sind die Elemente belebter und
unbelebter Körper qualitativ dieselben, so ist auch deren Wirken
und folglich dessen Gesetz dasselbe; ist das Wirken in Folge der
Verwandtschaft nicht dasjenige der ursprünglichen Elemente, so ist
auch dessen Gesetz nicht mit dem Gesetz des Wirkens dieser letzteren,
und da diese die wahren, weil letzten Elemente der Körper sind, nicht
mit jenem der wahren Körperelemente identisch. Wird daher, wie die
quantitative Atomistik thut, auf die in der That letzten Bestandtheile
der Körperwelt, die unter einander qualitativ nicht weiter
unterschiedenen Atome zurückgegangen, so muss das Gesetz, welches
das Wirken dieser letzteren regelt, das nämliche und einzige für das
Wirken der gesammten Körperwelt sein. Die Aufstellung dieses Gesetzes,
welches die Zerlegung der scheinbar unter einander grundverschiedenen
Wirkungsweisen der scheinbar von einander qualitativ unterschiedenen
Körper bis zur Auflösung der ersteren in die überall in gleicher Weise
erfolgende Wirkungsweise der wahren d. i. in allen Körpern qualitativ
identischen Elemente der Körperwelt verfolgt und dadurch die gesammte
phänomenale Welt als unter der Herrschaft eines und desselben, wenn
gleich nicht selten in so verwickelter Form auftretenden Gesetzes,
dass es den Anschein eines neuen Gesetzes erhält, stehend erweist,
müsste das Ziel der Physik als mechanischer Wissenschaft ausmachen.
306. Als dieses Gesetz sieht die moderne Naturwissenschaft das
Gravitationsgesetz Newton's an. Die philosophische Wissenschaft vom
Wirklichen bestimmt, wie oben gezeigt, das Wirken der Atome als eine
Function ihres räumlichen Abstandes von einander. Die empirische geht
über diese Allgemeinheit des Inhalts hinaus und bestimmt letztere näher
als Abnahme des Wirkens im Quadrate der Entfernung. Dieselbe bleibt
jedoch keineswegs bei der Bestimmung des Wirkens seinem Quantum nach
stehen, sondern schreitet zu der Erweiterung derselben seinem Quale
nach fort, indem sie dasselbe in den relativ grössten Abständen
der Atome von einander als Anziehung, Attraction, in den relativ
kleinsten als Abstossung, Repulsion charakterisirt. Erstere bewirkt,
dass die Atome auch in den relativ weitesten Abständen von einander
noch zusammengehalten, letztere macht, dass dieselben in Eins zusammen
zu fallen verhindert werden. In Folge der Attraction bilden sämmtliche
durch dieselbe an einander geknüpfte Atome ein nicht nur in Gedanken,
sondern durch ein physisches Band zusammenhängendes Ganzes; in Folge
der Repulsion bilden dieselben, weil die letztere die Annäherung
der Atome an einander über das Mass einer gewissen (kleinsten)
Entfernung hinaus unmöglich macht, ein discretes Ganzes. Während
der Raum, der philosophischen Wissenschaft vom Wirklichen zufolge,
demnach stetig mit "philosophischen" Atomen d. i. im strengsten
Sinne des Wortes einfachen Wirklichen erfüllt gedacht werden muss,
erscheint derselbe in der empirischen Wissenschaft vom Wirklichen nur
in der Weise mit "physikalischen" Atomen d. i. mit im physikalischen
Sinn letzten Elementen der Körperwelt erfüllt, dass zwischen je
zwei derselben leerer Raum d. h. ein Zwischenraum vorhanden ist, in
dem keine weiteren "physikalischen" Atome sich befinden. Dass mit
der Einschiebung desselben die Schwierigkeit des Begreifens einer
actio in distans d. i. eines Wirkens durch den leeren Raum hindurch
wiederkehrt, pflegt, da dieselbe ja nur eine "philosophische" ist,
der empirischen Physik selten Verlegenheit zu bereiten.