d. i. des in Allen identischen transcendentalen Subjectes einer- und
des realistischen Factors d. i. des für Alle identischen (als seiner
Qualität nach unbekanntes x hinter der phänomenalen Welt stehenden)
Dings an sich an dem Zustandekommen einer allgemein giltigen Erfahrung
sind es, welche Kant als das a priori und das a posteriori der
Erfahrung bezeichnet. Zu dem letzteren gehört nach der Auffassung
Kant's nichts weiter als der sinnliche Stoff, zu welchem das "Ding
an sich" den äusseren Anstoss gegeben hat; zu dem ersteren gehören
sämmtliche Formen, welche demselben in aufsteigender Reihe durch die
(im Sinne der alten Wolf'schen psychologischen Theorie) einander
übergeordneten Stufen des sogenannten Erkenntnissvermögens, des
Sinnes, des Verstandes und der Vernunft zu Theil werden sollen. Als
solche betrachtete Kant bekanntlich die zwei von ihm sogenannten
"reinen Anschauungsformen", welche dem Sinn, die (zwölf) von ihm
construirten "Urtheilsformen", welche dem Verstande, und die (drei)
von ihm anerkannten (Schlussformen), welche der Vernunft erb und
eigen seien. Durch die Anwendung der erstgenannten, und zwar der
reinen Anschauungsform des Raumes d. i. des Nebeneinander auf den
durch die äusseren Sinne, der reinen Anschauungsform der Zeit d. i. des
Nacheinander auf den durch den sogenannten inneren Sinn gegebenen Stoff
entsteht der Schein räumlich und zeitlich verschieden angeordneter
Gruppen sinnlichen Vorstellungsmaterials, welche durch die Anwendung
der reinen Urtheilsformen und der daraus deducirten Stammbegriffe
(Kategorien) des Verstandes den Schein wirklicher Einzeldinge, und
zwar solcher erhalten, die als Substanzen Träger von Eigenschaften,
und entweder als Ursachen Urheber von anderen ihresgleichen als
Wirkungen, oder selbst als Wirkungen durch andere ihresgleichen als
Ursachen hervorgebracht sind. Durch die Anwendung endlich der reinen
Schlussformen und der daraus abgeleiteten Ideen der Vernunft entsteht
der Schein solcher Wirklicher, die entweder (wie die Seele) das
einheitliche Subject zu allen möglichen Prädicaten, oder (wie die Welt)
die Totalität aller Ursachen und Wirkungen, oder (wie die Gottheit)
als ens realissimum die Summe aller möglichen Prädicate darstellen.
254. In dem Nachweis der Nothwendigkeit der Entstehung obiger Gattungen
des wirklich Scheinenden besteht das positive, in dem gleichzeitigen
Erweis, dass obige Gattungen des wirklich Scheinenden nur eben so viele
Gattungen vom Schein eines Wirklichen seien, das negative Resultat
des Transcendentalidealismus. Hauptsächlich um des letzteren willen
ist Kant der "alles Zermalmer" genannt worden. Es ist aber nicht zu
übersehen, dass von anderer Seite aus angesehen Kant's Philosophie dem
negativen Ergebniss des Idealismus, der alles sogenannte Wirkliche
in Schein auflöst, gegenüber ein sehr positives Ergebniss durch
die nachdrückliche Betonung der Unentbehrlichkeit einer realen
Unterlage der phänomenalen Welt in der Existenz des "Dings an sich"
bietet, durch welche sich, wie Schopenhauer richtig gesehen hat,
die zweite Auflage der "Kritik der reinen Vernunft" sehr merklich
von der ersten, welche fast ausschliesslich der Hervorkehrung des
idealistischen Factors gewidmet ist, unterscheidet. Nachdem diejenigen
Wirklichen, welche Kant selbst als die eigentlichen Gegenstände der
alten Metaphysik bezeichnet hat, Seele, Welt und Gott, sich unter dem
Prisma der Kritik in blosse Scheinwirkliche aufgelöst haben, bleibt
als Rest des Wirklichen das Ding an sich allein übrig, welches man
mit Recht als den Rest der alten Metaphysik in Kant's Philosophie,
und dessen zu einem Minimum zusammengeschrumpfte Beschreibung man
als den Inhalt dessen betrachten kann, was im eigentlichen Sinne des
Wortes Kant's Metaphysik heissen darf.
255. Dieselbe setzt sich mit Ausnahme der Behauptung der leeren
Existenz durchaus aus negativen Prädicaten zusammen. Dem Ding an sich
können weder quantitative noch qualitative Bestimmungen beigelegt
werden. Dasselbe kann in ersterer Hinsicht weder als Eins, noch als
Vieles, in letzterer Hinsicht weder als raumlos, noch als räumlich
(also auch weder als unendlich, noch als endlich, weder als ausgedehnt,
noch als unausgedehnt), noch als zeitlos, oder zeitlich (also auch
weder als in der Zeit entstanden, noch als ewig), noch als geistig
(immateriell) oder körperlich (materiell) bezeichnet werden. Alles,
was der transcendentale Idealismus von demselben weiss und auszusagen
berechtigt ist, beschränkt sich darauf, zu behaupten, dass es sei,
aber nicht, was es sei.
256. Aber auch dies nur aus dem Grunde, weil der sinnliche Stoff als
wirklicher Schein eine im Bewusstsein vorhandene Wirkung ist und daher
als solche zur Ursache ein Wirkliches haben muss. Die Voraussetzung,
dass jede Wirkung ihre zureichende Ursache haben müsse (das von
Leibnitz sogenannte principium rationis sufficientis) gehört zu den
fundamentalen Axiomen des Denkens, nach Kant insbesondere zu den dem
Organismus des Erkenntnissvermögens wesentlichen Urtheilsformen des
Verstandes. Aus ersterem folgt, dass sich ein Denken, für welches
obiger Satz fundamentale Geltung besitzt, von einem in dieser
Hinsicht anders geartet sein sollenden Denken d. i. einem solchen,
für welches derselbe jene Giltigkeit nicht besässe, schlechterdings
keine Vorstellung zu machen im Stande sei. Aus letzterem folgt, dass
ein im Kantschen Sinn organisirtes Erkenntnissvermögen der Folgerung,
dass jeder angeblichen Wirkung eine derselben genügende Ursache
entsprechen müsse, schlechterdings nicht zu entrathen vermag, ohne
sich selbst aufzuheben. Beides zusammen macht einleuchtend, dass die
auch vom Idealismus unbestrittene Thatsache der Existenz wirklichen
Scheins zu dem Schlusse führen muss, dass auch als Ursache desselben
irgend ein Wirkliches existire.
257. "Wie der Rauch auf die Flamme, deutet Schein auf Sein";
in diesen Worten Herbart's ist obiger Schluss am prägnantesten
ausgesprochen. Allerdings mit dem Seitenblick, dass dieses angedeutete
Sein nicht inner-, sondern ausserhalb desjenigen Wirklichen, welches
den Träger des Scheins darstellt, d. i. des vorstellenden Subjects
zu suchen sein möchte. Hier ist der Punkt, wo die Nachfolger Kant's,
die, wie er, auf dem Boden des Transcendentalidealismus stehen, in
die einander entgegengesetzten Richtungen eines Idealismus, der sich
auf das Subject des Scheins (den idealistischen Factor) d. i. eines
idealistischen, und eines solchen, der sich auf das Object des Scheins
(den realistischen Factor) stützt, d. i. eines realistischen Idealismus
(der im Vergleiche mit jenem auch Realismus heissen kann) aus einander
gehen. Aber auch die Stelle, wo diejenigen, die nicht wie Kant auf dem
Boden des transcendentalen Idealismus beharren, sondern mit Umgehung
des idealistischen Factors das Wirkliche unmittelbar, weder durch
einen Schluss von der Wirkung auf die Ursache, noch überhaupt durch
einen Act eines wie immer gearteten Denkens, sondern auf einem von
diesem gänzlich verschiedenen Wege (etwa durch das Gefühl wie Jacobi,
oder durch den Willen wie Schopenhauer) ergreifen zu können glauben,
sich von jenen trennen und zu einem das Denken transcendirenden
(deshalb fälschlich transcendental genannten) Realismus gelangt sind.
258. Darin stimmen beide, der idealistische und der realistische
Idealismus, mit einander überein, dass der Schein als wirklicher
eine Ursache und zwar ein Wirkliches zur Ursache haben müsse; aber
darin gehen sie beide aus einander, dass der erstere diese Ursache
innerhalb, der andere dieselbe ausserhalb des Bewusstseins sucht. Der
"Jude Kant's", Salomon Maimon, war es, der zuerst die Bemerkung
machte, dass die Annahme des Dings an sich von Seite Kant's auf einem
Fehlschluss beruhe. Wenn der Satz, dass jede Wirkung eine Ursache
haben müsse, wie die kritische Organisation des Erkenntnissvermögens
lehrt, nichts anderes ist als eine dem vorstellenden Subject, und
zwar dessen Verstande innewohnende Urtheilsform, so folgt, dass das
Subject zwar niemals umhin kann, wo es eine Erscheinung als Wirkung
betrachtet, eine Ursache derselben vorauszusetzen, dass aber daraus,
dass das Subject durch die Natur seines Erkenntnissvermögens zu diesem
Vorgang gezwungen ist, auf keine Weise gefolgert werden darf, dass
eine derartige Ursache auch wirklich vorhanden sei. Wenn daher Kant
aus der Existenz der Empfindungen auf die nothwendige Existenz des
Dings an sich als deren Ursache schliesse, so begehe derselbe eine
mit seinen eigenen Principien im Widerspruch stehende Erschleichung,
indem aus den letzteren keineswegs die Existenz des Objects, sondern
höchstens für das Subject die Nothwendigkeit sich ableiten lasse,
ein solches vorauszusetzen. Als Fichte's Wissenschaftslehre mit der
Behauptung hervortrat, dass Kant durch die Zulassung des Dings an
sich als Ursache des Stoffs der phänomenalen Welt mit sich selbst in
unhaltbaren Widerspruch gerathe, war ihm jener mit der gleichen schon
vorangegangen. Fichte aber war es, welcher aus obigem Selbstwiderspruch
zuerst die Folgerung zog, dass die Annahme der Existenz eines Dings
an sich als eines vom Träger des im Bewusstsein wirklichen Scheins
unterschiedenen Wirklichen gänzlich fallen gelassen d. h. dass der
realistische Factor des Transcendentalidealismus, das Object, welches
scheint, entfernt werden müsse.
259. Nach dem Verschwinden des realistischen bleibt von den beiden
Factoren, durch deren Zusammenwirken die phänomenale Welt des
transcendentalen Idealismus entsteht, nur der idealistische Factor,
nach der Entfernung des Objects, welches scheint, von den beiden
Wirklichen, deren gemeinsames Product die Welt des Bewusstseins ist,
nur das Subject, welchem scheint, übrig, geht der transcendentale
Idealismus in einen solchen des Subjects (subjectiver Idealismus)
über. Statt zweier Wirklicher, welche die Basis des transcendentalen
Idealismus bilden, hat der subjective Idealismus zu seinem
Substrat ein einziges Wirkliches, welches zugleich die Rolle des
idealistischen und des realistischen Factors der phänomenalen Welt
übernimmt d. h. der phänomenalen Welt nicht nur (wie der erste)
die Form gibt, sondern auch (wie der letztere) den erforderlichen
Stoff (das sinnliche Empfindungsmaterial) selbst erzeugt. Während
daher im transcendentalen Idealismus der Träger des Scheins,
das wirkliche Subject, gegen die Ursache desselben, das wirkliche
Object, sich leidend, letzteres gegen ersteres sich thätig verhält,
stellt derselbe im subjectiven Idealismus als Träger (Subject)
zugleich die Ursache (Object) des Scheins in einem identischen
Wirklichen dar, verhält sich das nämliche Wirkliche zugleich als
Subject leidend gegen sich selbst als Object und thätig als Object
gegen sich selbst als Subject d. h. als Subject-Object. Den Anstoss,
welchen im transcendentalen Idealismus das Subject vom Object empfing,
um Empfindung d. i. Material der phänomenalen Welt im Bewusstsein
hervortreten zu lassen, empfängt dasselbe nunmehr nicht von einem
von ihm unterschiedenen Andern, sondern von sich selbst. Das von ihm
unterschiedene Andere (Object), welches der transcendentale Idealismus
noch als ein wirklich Anderes (d. i. als ein anderes Wirkliches) ansah,
ist in den Augen des subjectiven Idealismus nur mehr ein scheinbar
Anderes, in Wirklichkeit kein Anderes als das Subject, welches das
erste und einzige Wirkliche zugleich ist. Dasselbe, insofern es die
Rolle des wirklichen realistischen Factors, des Objects, spielt,
producirt nicht blos sämmtlichen Stoff der phänomenalen Welt, sondern
es schafft auch den Schein, als sei dieser Stoff durch ein Anderes
als es selbst d. h. es schafft den Schein eines realen Objects,
welches den Stoff der phänomenalen Welt producirt. Letzterer, als vom
Subject geschaffener Schein eines von diesem unterschiedenen Objects
und daher dieses selbst, ist sonach in der That nichts weiter als eine
Schöpfung d. i. eine durch einen Setzungsact des Subjects entstandene
und daher von diesem abhängige Setzung desselben, eine Fiction,
aber nichts Wirkliches. Wird diese seine fictive Natur vorübergehend
verkannt, der Schein eines Objects für dessen Wirklichkeit genommen,
das scheinbare Object, als ob es ein Wirkliches wäre, dem Subject
entgegengesetzt, so muss diese Täuschung, welche, weil das Subject
das einzige Wirkliche ist, nur eine Selbsttäuschung des Subjects sein
kann, einmal ein Ende nehmen, das scheinbare Object als blosser Schein
eines Objects erkannt und das vermeintlich vom Subject unterschiedene,
als von ihm unabhängig wirklich bestehendes gedachte Object als von
ihm abhängiges und nur durch dessen eigene Setzung entstandenes vom
Subjecte zurückgenommen werden.
260. Setzung des Objects durch das Subject, Verkennung des
scheinbaren Objects, indem dasselbe für wirklich gehalten wird,
und Wiedererkennung des fälschlich für wirklich gehaltenen Objects
als eines nur scheinbar vom Subject Verschiedenen sind die drei
Momente, in welchen die innere Entwickelungsgeschichte des einzigen
Wirklichen, welches der subjective Idealismus stehen gelassen hat,
des Trägers des Scheins im Bewusstsein sich vollzieht. Dieselbe
stellt gleichsam den Fortschritt einer dramatischen Handlung dar, in
welcher das ursprünglich Geschehene durch den Schein des Gegentheils
vorübergehend verdunkelt und am Schlusse aus der Verdunkelung wieder
hergestellt wird. Wie in der letzteren das wirklich Geschehene vor
dem Beginn d. i. ausserhalb der sichtbaren Handlung gelegen, also
der Kenntniss des Zuschauers anfänglich entzogen ist, so liegt im
obigen Process innerhalb des Bewusstseins das wirklich Geschehene,
die Setzung des scheinbaren Objects durch das Subject, vor dem Beginn
d. i. ausserhalb des erwachten Bewusstseins und bleibt auf diese
Weise der Kenntniss des Subjects d. i. dessen eigenem Bewusstsein
über sich selbst verborgen. Aus ersterem folgt, dass beim Beginne
des Dramas die sichtbare Handlung das Gegentheil dessen zeigt, was
wirklich geschehen ist; aus dem letzteren folgt, dass beim Erwachen
des Bewusstseins der Inhalt desselben das Gegentheil dessen aufweist,
was wirklich der Fall ist; jene stellt das Geschehene als nicht
geschehen, diese stellt das vom Subject gesetzte Object als nicht
gesetzt durch das Subject dar. Die schliessliche Lösung erfolgt, wie
in der dramatischen Handlung durch die Aufhellung des Geschehenen, so
in obigem Bewusstseinsprocess durch die Selbstaufhellung d. i. durch
das Bewusstwerden des Subjects über sich selbst und seine eigene
Setzung des Objects, d. i. durch das Selbstbewusstsein.
261. Dieses Subject, das einzige Wirkliche und folglich Wirkende ist
es, welches der Urheber der Wissenschaftslehre das "Ich" genannt
und dessen in den drei auf einander folgenden Stufen der Thesis,
Antithesis und Synthesis sich entwickelnde Natur derselbe als niemals
rastendes Thun (d. i. unablässiges Wirken) bezeichnet hat. Dasselbe
setzt im Lauf seiner Entwickelung sein eigenes Gegentheil, das
Nicht-Ich, und nimmt es im Verfolge derselben als von ihm selbst
gesetztes d. h. als Ich in sich wieder zurück. Der erste Theil dieses
Processes, welcher sich vor dem Bewusstwerden vollzieht, stellt die
bewusstlose d. i. die Naturseite (Nachtseite) der Entwickelung des Ich,
der zweite Theil desselben, weil er sich bei Bewusstsein vollzieht,
stellt die bewusste d. i. die Geistesseite (Tagseite) derselben und,
da das Ich das einzige Wirkliche ist, jener Abschnitt zugleich die
Entwickelung des Wirklichen als eines bewusstlosen d. i. als Natur,
dieser jene des nämlichen Wirklichen als eines bewussten d. i. als
Geist dar. Die Gliederung der gesammten Wissenschaft vom Wirklichen vom
Standpunkt des subjectiven Idealismus aus in eine solche vom Ich als
Natur (Naturphilosophie) und vom Ich als Geist (Geistesphilosophie),
aber auch die Möglichkeit einer solchen, welche beide Seiten der
Entwickelung des Ich als Entwickelungsseiten eines und des nämlichen
Ich, als identisch betrachtet (Identitätsphilosophie), so wie einer
weitern, welche die Betrachtung des Entwickelungsgesetzes des Ich
als eines nicht nur selbst innerlich nothwendigen, sondern diese
Entwickelung nothwendig fordernden, der Betrachtung des wirklichen
Entwickelungsganges desselben als Natur und Geist voranstellt
(Dialektik, metaphysische Logik) ist dadurch vorgezeichnet.
262. Je nachdem das Ich als Wirkliches (agens), oder als blosser
Infinitiv, als Wirken (agere) bestimmt, das erstere entweder als
endliches oder als unendliches (absolutes) Ich aufgefasst wird,
gliedert sich der Idealismus des Subjects in die drei Stufen des
(im engeren Sinn sogenannten) subjectiven Idealismus (Fichte),
absoluten Idealismus (Schelling) und Panlogismus (Hegel). Jener
besteht darin, dass als einziges Wirkliches ein endliches Ich
(das transcendentale Subject); der zweite darin, dass als einziges
Wirkliches ein absolutes Ich (die Gottheit, das absolute Subject); der
dritte darin, dass als einziges Wirkliches das unpersönliche Wirken
und zwar, da das einzige Wirkliche des Idealismus das vorstellende
(denkende) Subject ist, das unpersönliche Denken, die Vernunft
angesehen wird. Die Entwickelungsgeschichte des ersten d. i. der
Inhalt der gesammten Wissenschaft stellt den Bewusstseinsprocess dar,
mittels dessen das endliche Ich zum Bewusstsein seiner selbst, zum
Selbstbewusstsein gelangt d. i. Geist wird. Jene des zweiten macht
den immanenten Entwickelungsprocess aus, mittels dessen das absolute
Subject durch die vorläufigen Phasen der Natur- und der Weltgeschichte
hindurch zum Bewusstsein seiner selbst d. i. zum Bewusstsein seiner
Göttlichkeit, zum absoluten Bewusstsein gelangt d. i. absoluter Geist,
Gott wird. ("Am Ende der Weltgeschichte", sagte Schelling, "wird
Gott sein".) Der Panlogismus endlich repräsentirt den dialektischen
Process, mittels dessen die unpersönliche (objective) Vernunft
(die logische Idee) durch ihr Gegentheil, das vernunftlose Sein
(die Natur), hindurch zur persönlichen (subjectiven) Vernunft (zum
absoluten Geiste) wird. ("Aufgabe der Philosophie ist", sagte Hegel,
"die Substanz zum Subjecte zu machen".)
263. Alle drei Formen des Idealismus des Subjects kommen darin überein,
das Wirkliche sei, aber auch, dass nur ein Einziges wirklich sei. Wird
daher dieses als einziges Wirkliches von einem Widerspruch betroffen,
welcher entweder verhindert, dasselbe überhaupt anzunehmen, oder doch
hindert, dasselbe als wirklich gelten zu lassen, so werden sämmtliche
Formen jenes Idealismus von demselben zugleich betroffen. Derselbe ging
von dem Satze aus, dass der Schluss des transcendentalen Idealismus
von dem Schein als Wirkung auf ein Object als Ursache desselben ein
Selbstwiderspruch sei, aus dem Grunde, weil die Folgerung von der
Wirkung auf die Ursache nur eine Urtheilsform des Verstandes, und
daher die Consequenz, dass der Schein im Bewusstsein eine Ursache
haben müsse, zwar für den Verstand unvermeidlich, aber darum nichts
weniger als (objectiv) giltig sei. Gleichwol hat diese Einsicht,
wenn sie den Namen verdient, den Idealismus nicht gehindert, von der
Thatsache des im Bewusstsein schwebenden Scheins auf eine erzeugende
Ursache desselben zurückzuschliessen, nur mit dem Unterschied, dass er
dieselbe nicht ausserhalb des Bewusstseins (in ein Object), sondern
in den Träger des Bewusstseins (in das Subject) verlegt d. h. dieses
selbst zur Ursache des Scheines macht. Wenn nun, wie der Idealismus
behauptet, der Schluss von der Wirkung auf eine Ursache als blosse
Verstandesform überhaupt unberechtigt ist, so ist der Schluss von
der Wirkung auf eine innerhalb des Bewusstseins gelegene, sogenannte
innere Ursache mindestens ebenso unberechtigt, wie jener von der
Wirkung auf eine ausserhalb des Bewusstseins gelegene, sogenannte
äussere Ursache. Der subjective Idealismus hat daher von diesem
Gesichtspunkt aus ebensowenig das Recht, das Subject als Wirkliches,
wie der objective Idealismus seiner Meinung nach ein solches besitzt,
ein vom Subject unterschiedenes Object als Wirkliches anzunehmen.
264. Wie man sieht, hat der Idealismus des Subjects, der gewöhnlich
kurzweg mit dem Namen Idealismus bezeichnet wird, in diesem Punkt
dem Idealismus des Objects, kurzweg Realismus genannt, nichts
vorzuwerfen. Derselbe hat nicht nur nicht mehr und nicht weniger
ein Recht, als erzeugende Ursache des Scheins ein Wirkliches,
er hat überdies, was bedenklicher ist, kein Recht, das von ihm
angenommene Wirkliche als wirklich anzunehmen. Letztere Annahme
fällt, wenn dasjenige, was als wirklich gedacht werden soll, mit
einer Eigenschaft behaftet ist, welche verhindert, dasselbe als
wirklich zu denken. Dieser Fall tritt aber ein, wenn dasjenige,
was als wirklich gedacht werden soll, in sich einen Widerspruch
einschliesst. So gewiss aus dem Umstand, dass ein als wirklich zu
Denkendes keinen Widerspruch einschliesst, nur geschlossen werden
kann, dass es möglich, keineswegs, dass es wirklich sei, so gewiss
muss aus dem Umstand, dass ein als wirklich zu Denkendes in sich
einen Widerspruch enthält, die Folgerung gezogen werden, dass dasselbe
unmöglich d. i. auf keine Weise je wirklich sei. Das einzige Wirkliche
des Idealismus, das Ich, nun soll in der Weise gedacht werden, dass
dasselbe zugleich sein eigenes Object und sein eigenes Subject sei,
den Stoff seiner phänomenalen Welt zugleich empfange und erzeuge,
also zugleich gegen sich selbst als Leidendes und auf sich selbst
als Thätiges sich verhalte d. h. es soll so gedacht werden, dass es
zugleich seine eigene Ursache und seine eigene Wirkung (causa sui),
also dass es im strengsten logischen Sinn des Wortes Entgegengesetztes
d. i. sich unter einander Ausschliessendes zugleich und als jedes von
beiden sein eigenes Gegentheil, um es mit einem Wort zu sagen, der
lebendige Widerspruch sei. Ein solcher aber kann nicht als wirklich
gedacht werden.
265. Auch dann nicht, wenn die Erfahrung ihn zu bestätigen
scheint. Die Thatsache, welche der Idealismus anzuführen liebt,
um durch dieselbe zu erweisen, dass ein sich zugleich als Thätiges
und Leidendes Verhaltendes, eine causa sui, wirklich, und daher,
was auch die Logik dagegen einwenden möge, möglich sei, ist
das Phänomen des Selbstbewusstseins. Dasselbe, so schliesst der
Idealismus, als factisches Bewusstsein des Selbst von sich selbst,
ist thatsächlich Subject und Object, Leidendes und Thätiges, Ursache
und Wirkung zugleich: das Ich stellt sich vor und das Ich stellt
sich vor. Als jenes ist es das Vorstellende (Subject), als dieses das
Vorgestellte (Object), als beider Identität ist das Ich Vorstellendes
und Vorgestelltes zugleich (Subject-Object). Durch diese unbestreitbar
scheinende psychologische Thatsache, d. i. durch die Wirklichkeit eines
im logischen Sinn mit einem inneren Widerspruch Behafteten ist nach der
Meinung des Idealismus die Möglichkeit, ein in sich Widersprechendes
als wirklich zu denken, erwiesen; der Einspruch der Logik, dass
Widersprechendes nicht als wirklich gedacht werden könne, abgewiesen.
266. Gegenüber dem Canon: a non posse valet conclusio ad non esse, geht
der Idealismus von dem entgegengesetzten aus: ab esse valet conclusio
ad posse. Die Richtigkeit seiner Folgerung hängt von dem Umstande
ab, ob und dass die angebliche Thatsache des Selbstbewusstseins
wirklich eine Thatsache, oder, was eben so viel ist, ob und dass die
Behauptung, das Ich stelle sich vor, auf einer wirklichen Erfahrung
oder auf einer blossen Einbildung beruhe. Die Thatsache, welche den
Widerspruch zu stürzen bestimmt ist, darf nicht selbst wieder auf
einen Widerspruch sich stützen. Dieselbe muss, um gegen die Einrede
der Logik Stand zu halten, eine selbst widerspruchsfreie, evidente,
nicht nichtanzuerkennende Thatsache sein.