5. Vögel des Waldes.

Natürlich gehören hierher auch manche Arten, die in Gärten und Parken

heimisch geworden sind, wie z. B. Kohl- und Blaumeise, Hausbaumläufer

usw.; ich werde gelegentlich darauf zurückkommen; aber daneben

beherbergt der Wald die weitaus größte Zahl unsrer Vögel; das folgt

schon aus der Vergangenheit unsres Landes und überdies ist eben der

Wald das natürliche und beste Schutzgebiet der Vögel, soweit er nicht

von großen und kleinen Menschen, Katzen, Hunden und anderem Raubzeug

durchstöbert wird. Zunächst sei der _Vögel an den Waldrändern_ gedacht.

Hier findet sich oft noch eine gewisse Menge von dichtem Unterholz.

Da treffen wir vor allem die _Garten-_ und die _Mönchsgrasmücke_, die

von manchen als die herrlichsten Sänger unsrer Vogelwelt gepriesen

werden. Sie treten noch ziemlich zahlreich auf; leider wird besonders

dem »Schwarzplättel«, wie die Mönchsgrasmücke auch genannt wird, von

den Vogelstellern des Plauenschen Grundes sehr nachgestellt. Vorwiegend

dem Waldrand gehört ferner der _Baumpieper_ an, der seine mehrteiligen

Lieder gern von einer Kiefer oder einer Buche bei schräg aufsteigendem

Balzflug anstimmt; meist kehrt er unter Gleitflug mit steil

aufgerichtetem Schwänzchen und vorgestreckten Beinen zum Abflugort

zurück.

Und nun die _Vögel des ausgesprochenen_, in erster Linie aus Birken,

Buchen, Ahorn, Eschen usw. gebildeten _Laubwaldes_, der im Plauenschen

Grunde die Hauptrolle spielt. Ich nenne zuerst die drei, mit Recht so

benannten »Laub«vögel: den _Fitis-_, _Weiden-_ und _Waldlaubvogel_,

von denen der erste geradezu Charaktervogel des Plauenschen Grundes

ist. Er ist neben Haussperling und Buchfink der verbreitetste und

zahlreichste Vogel des Gebiets. Einer von ihnen machte mir übrigens

wieder einmal sehr deutlich klar, woher die Bezeichnung »Fitis«

stammt. Er beschloß nämlich seine Liedchen andauernd mit einigen

vitü. Der Weidenlaubvogel beschränkt sich nicht nur auf Weiden,

sondern kommt auch auf vielen anderen Laubholzarten vor. Der Waldlaub-

oder, wie er nach dem Ende seines Liedchens auch genannt wird, der

Waldschwirrvogel, ist wohl der wenigst zahlreiche Vertreter der

Gruppe, was damit zusammenhängt, daß er nicht zu alte Buchen mit

weit herabreichenden Ästen bevorzugt. In den sehr hochstämmigen, bis

hoch hinauf astfreien Buchen am Windberg habe ich dementsprechend

seine Stimme nicht vernommen. Dagegen hört man hier die _Hohltaube_

rucksen, die sicherlich in dieser oder jener Stammhöhle nistet. Auch

habe ich hier den _Schwarzspecht_ mehrmals seine lauten, anfangs

etwas ansteigenden Rufreihen und die breiten kjiäh(g) anstimmen

hören; doch scheint er im Gebiet nicht ansässig zu sein. Dagegen

nisten hier und da in den alten Buchen noch ein paar _Dohlen_. Dem

gemischten, an Unterholz reichen Laubwald zuzuzählen ist schließlich

der _Fasan_, der sich wohl besonders in den von Burgkschen Besitzungen

auf beiden Talseiten eingebürgert hat; seine sehr lauten chahgahk-Rufe

künden seine Anwesenheit recht nachdrücklich an. Im _Nadelwald_

finden wir dagegen besonders zwei Meisenarten: die _Tannen-_ und die

_Haubenmeise_. Erstere ist der Kohlmeise noch am ähnlichsten, besitzt

aber einen viereckigen weißen Nackenfleck, der übrigens auch bei

der Kohlmeise andeutungsweise sichtbar wird, besonders wenn sie den

Kopf stark vornüber biegt. Selbst die rhythmisch scharf gegliederten

Liedchen erinnern an die Kohlmeise; doch liegen sie etwas höher und

man hört leicht die mehrmals wiederholten Silben viedje oder ähnlich

heraus. Die Haubenmeise ist entschieden weniger zahlreich. Weiter

beschränkt sich in der Hauptsache auf den Nadelwald das sehr kleine

_Wintergoldhähnchen_, so genannt, weil es selbst im Winter bei uns

angetroffen wird und auf dem Scheitel des Kopfes einen goldgelben

Strich zeigt. Ich habe es auch einmal in den Obstbäumen des vom Walde

ziemlich entfernten Ortes Gittersee nahrungsuchend angetroffen.

Schließlich möchte ich dem Nadelwald noch den _Waldbaumläufer_

zurechnen, den ich allerdings nur einmal – zwischen Weißig und

Saalhausen – beobachtet habe, es war im Hochsommer, so daß ich bestimmt

annehme, er ist hier Brutvogel gewesen.

[Illustration: Abb. 1. =Vogelparadies am Opitzer Weg=

im Vordergrund für Zaunkönig und Rotkehlchen, dahinter für Goldammer,

Heckenbraunelle, Garten- und Mönchsgrasmücke, Müllerchen, Fitis usw.,

rechts in den Buchen für Waldschwirrvögel]

Unter den _Vögeln des gemischten Waldes_ ist einer der zahlreichsten

Vertreter der Vogelwelt das _Rotkehlchen_, das überall, besonders gegen

Abend, seine scheinbar etwas melancholisch klingenden Lieder anstimmt.

Es liebt die Nähe von Wasser. Noch mehr an kleine Wasserrinnsale hält

sich der _Zaunkönig_, einer der kleinsten der Kleinen, der seine

mehrteiligen, teilweise schnurrenden Lieder mit überraschendem Feuer

vorträgt. Hier und da durchbricht mit seinen wechselnden Rufen der

_Kleiber_ oder die _Spechtmeise_ die Stille des Waldes. Er klettert,

ähnlich wie die Baumläufer, an den Stämmen der Bäume herum und bezieht

gern verlassene Spechthöhlen, deren Eingang, falls dieser zu groß ist,

teilweise mit Erde verklebt wird. Ein schönes Beispiel hierfür gewahrt

man rechts von der Einfahrt zum Gute Heilsberg, und ein langer Spalt in

einer Robinie an der Tharandter Straße ist bis auf eine kleine runde

Öffnung von einem Kleiberpaar verschlossen worden. Mehrmals habe ich

die _Heckenbraunelle_ festgestellt, so z. B. am Opitzer Weg (Abb. 1),

im Döhlener Wald und in der Nähe von Saalhausen. Sie liebt niedrige

gemischte Bestände und singt ihre etwas kauderwelschenden Liedchen von

den Spitzen der Bäume, um plötzlich jählings in das Gebüsch am Boden

herabzustürzen. Recht breit machen sich vielfach die _Eichelhäher_, die

wohl mehr Schaden als Nutzen stiften und deshalb eine »künstliche«

Beschränkung gut vertragen. Sie sind als Spottvögel bekannt; einer am

Windberg ahmte einmal den Ruf der Rabenkrähe täuschend nach, während

ein andrer am Opitzer Weg wundervoll den Ruf des Pirols pfiff. Hier

und da läßt sich der _Pirol_ selbst hören, besonders in hohen, alten

Kiefer- und Eichenbeständen. Und nun die Spechte: Der _Grünspecht_

ruft zwar allerorten einmal; doch dürfte er nicht zahlreich sein: er

streift viel herum. Ebensowenig zahlreich ist der _große Buntspecht_:

ich hörte seine Stimme mehrfach am Windberg und hinterm Backofenfelsen.

Den _kleinen Buntspecht_ stellte ich nur hinterm Felsenkeller und

im Gute Heilsberg fest; hier war er sicher Nistvogel. Zahlreich war

wieder der _Kirschkernbeißer_, auch in den Bäumen der Ortschaften.

Infolge seiner unbedeutenden Stimme und seines Aufenthalts besonders

in den Wipfeln der Bäume entgeht er leicht der Beobachtung. Am 7.

Juni 1925 entdeckte ich infolge der Warnrufe der Alten ein Nest des

Kirschkernbeißers ungefähr eineinhalb Meter unter der Spitze einer weit

hinauf astfreien, rund sechseinhalb Meter hohen Fichte auf dem Rücken

des Windbergs. Die Jungen saßen zum Teil schon außerhalb des Nestes.

Auf dem Kopfe trugen sie noch lange dünne, haarartige und aufgerichtete

Federn, was sehr seltsam wirkte. Oft und deutlich vernimmt man in

etwas lichteren gemischten Waldbeständen den _Gartenrotschwanz_, der

ebenfalls zugleich Parkvogel ist. Man erkennt ihn außer am schneeweißen

Stirndiadem an der Einleitung seines Liedchens, die meist wie

ührviedsedsedse klingt. Hinter der Backofenwand nistete nicht weit von

einem Gartenrötel ein _Trauerfliegenschnäpper_ im Stamme einer Kiefer

mittleren Alters. Hier machte ich die überraschende Beobachtung, daß

_beide_ Vögel einander nachspotteten[44]. Sonst habe ich letztgenannte

Art nur noch im Park von Heilsberg angetroffen. In gemischten, aber

vorwiegend niedrigen Beständen kommen auch _Schwanzmeisen_ oder wie

der Volksmund sie so schön benannt hat, »Pfannenstielchen« vor, die

wegen ihres sehr unruhigen Wesens und da ihre Stimmchen meist nur wie

schwache dsrrrr klingen, auch sehr leicht dem Beobachter entgehen.

Ich stellte gewöhnlich die weißköpfige Form fest, so im Vorholz, am

Opitzer Weg, unterhalb Schweinsdorf am bebuschten Abhang usw. Am

letztgenannten Orte beobachtete ich am 22. April 1926 ein Pärchen,

das treu zusammenhielt. Im allgemeinen sind Männchen und Weibchen von

Schwanzmeisen im Freien nicht zu unterscheiden; hier war es mir sehr

leicht möglich, bei dem einen Exemplar war nämlich der lange Schwanz

stark sichel-, fast hakenartig gekrümmt; das rührt von dem andauernden

Aufenthalt in dem kleinen, kugelförmigen Nest während des Brütens her:

ich hatte also das Weibchen vor mir! So zahlreich ferner im Walde

die Amseln und Singdrosseln sind, so selten ist im Plauenschen Grund

die _Misteldrossel_, die im allgemeinen wohl ausgedehntere, stillere

Waldungen vorzieht; aber ihre kurzen kräftigen Lieder, meist mehr oder

weniger Varianten eines kleinen Motivs, sind herrliche Bestandteile

der Waldmusik; ich hörte sie am Windberg und am oberen Ende des Opitzer

Weges. Ob die Vögel hier zur Brut geschritten sind, wage ich nicht

bestimmt zu bejahen. Dagegen gehören dem Plauenschen Grunde sicher

zwei andere, größere Vögel an: die _Ringel-_ und die _Turteltaube_;

erstere war mehrzählig, letztere mindestens in einem Paar im Döhlener

Wald vorhanden. Dieses eine Paar wurde übrigens insofern für mich sehr

wichtig, als das Männchen mir eine schon immer gehegte Vermutung zur

Sicherheit machte, daß nämlich Turteltauben nicht bloß Rufe (turrr,

trrr usw.) hören lassen, sondern auch eine ausgesprochene Balzstrophe

besitzen, die ähnlich wie die der Ringeltaube gebaut ist[45]. Vielfach

– oft zu mehreren – treiben sich auch _Rabenkrähen_, seltener

_Nebelkrähen_, besonders in den Randgebieten der Wälder umher. Man hört

ihre lauten arrrk, arrrk, arrrk und ähnliche Rufe allerwärts einmal.

Sie nisten teilweise am Windberg. Schließlich sei noch erwähnt, daß ich

über den Wäldern und überm breiten Tal im ganzen zwei _Mäusebussarde_,

einen _Hühnerhabicht_ und vier _Sperber_ habe kreisen oder rasch

hinwegfliegen sehen. Doch bezweifle ich, daß sie im Gebiete selbst

zuhause sind. Hierfür kommt wohl der nicht weit entfernte Poisenwald

in Frage. Am Windberg hat man (nach freundlicher Mitteilung des Herrn

Revierförster Schellig in Burgk) auch mehrfach _Wespenbussarde_

beobachtet und geschossen. Doch dürfte von dieser Art dasselbe gelten

wie von den vorher genannten Arten.

Damit verlassen wir den Wald und treten wieder hinaus in freiere Teile

des Plauenschen Grundes.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVI, Heft 3–6 · 第 63 / 99 题