Natürlich gehören hierher auch manche Arten, die in Gärten und Parken
heimisch geworden sind, wie z. B. Kohl- und Blaumeise, Hausbaumläufer
usw.; ich werde gelegentlich darauf zurückkommen; aber daneben
beherbergt der Wald die weitaus größte Zahl unsrer Vögel; das folgt
schon aus der Vergangenheit unsres Landes und überdies ist eben der
Wald das natürliche und beste Schutzgebiet der Vögel, soweit er nicht
von großen und kleinen Menschen, Katzen, Hunden und anderem Raubzeug
durchstöbert wird. Zunächst sei der _Vögel an den Waldrändern_ gedacht.
Hier findet sich oft noch eine gewisse Menge von dichtem Unterholz.
Da treffen wir vor allem die _Garten-_ und die _Mönchsgrasmücke_, die
von manchen als die herrlichsten Sänger unsrer Vogelwelt gepriesen
werden. Sie treten noch ziemlich zahlreich auf; leider wird besonders
dem »Schwarzplättel«, wie die Mönchsgrasmücke auch genannt wird, von
den Vogelstellern des Plauenschen Grundes sehr nachgestellt. Vorwiegend
dem Waldrand gehört ferner der _Baumpieper_ an, der seine mehrteiligen
Lieder gern von einer Kiefer oder einer Buche bei schräg aufsteigendem
Balzflug anstimmt; meist kehrt er unter Gleitflug mit steil
aufgerichtetem Schwänzchen und vorgestreckten Beinen zum Abflugort
zurück.
Und nun die _Vögel des ausgesprochenen_, in erster Linie aus Birken,
Buchen, Ahorn, Eschen usw. gebildeten _Laubwaldes_, der im Plauenschen
Grunde die Hauptrolle spielt. Ich nenne zuerst die drei, mit Recht so
benannten »Laub«vögel: den _Fitis-_, _Weiden-_ und _Waldlaubvogel_,
von denen der erste geradezu Charaktervogel des Plauenschen Grundes
ist. Er ist neben Haussperling und Buchfink der verbreitetste und
zahlreichste Vogel des Gebiets. Einer von ihnen machte mir übrigens
wieder einmal sehr deutlich klar, woher die Bezeichnung »Fitis«
stammt. Er beschloß nämlich seine Liedchen andauernd mit einigen
vitü. Der Weidenlaubvogel beschränkt sich nicht nur auf Weiden,
sondern kommt auch auf vielen anderen Laubholzarten vor. Der Waldlaub-
oder, wie er nach dem Ende seines Liedchens auch genannt wird, der
Waldschwirrvogel, ist wohl der wenigst zahlreiche Vertreter der
Gruppe, was damit zusammenhängt, daß er nicht zu alte Buchen mit
weit herabreichenden Ästen bevorzugt. In den sehr hochstämmigen, bis
hoch hinauf astfreien Buchen am Windberg habe ich dementsprechend
seine Stimme nicht vernommen. Dagegen hört man hier die _Hohltaube_
rucksen, die sicherlich in dieser oder jener Stammhöhle nistet. Auch
habe ich hier den _Schwarzspecht_ mehrmals seine lauten, anfangs
etwas ansteigenden Rufreihen und die breiten kjiäh(g) anstimmen
hören; doch scheint er im Gebiet nicht ansässig zu sein. Dagegen
nisten hier und da in den alten Buchen noch ein paar _Dohlen_. Dem
gemischten, an Unterholz reichen Laubwald zuzuzählen ist schließlich
der _Fasan_, der sich wohl besonders in den von Burgkschen Besitzungen
auf beiden Talseiten eingebürgert hat; seine sehr lauten chahgahk-Rufe
künden seine Anwesenheit recht nachdrücklich an. Im _Nadelwald_
finden wir dagegen besonders zwei Meisenarten: die _Tannen-_ und die
_Haubenmeise_. Erstere ist der Kohlmeise noch am ähnlichsten, besitzt
aber einen viereckigen weißen Nackenfleck, der übrigens auch bei
der Kohlmeise andeutungsweise sichtbar wird, besonders wenn sie den
Kopf stark vornüber biegt. Selbst die rhythmisch scharf gegliederten
Liedchen erinnern an die Kohlmeise; doch liegen sie etwas höher und
man hört leicht die mehrmals wiederholten Silben viedje oder ähnlich
heraus. Die Haubenmeise ist entschieden weniger zahlreich. Weiter
beschränkt sich in der Hauptsache auf den Nadelwald das sehr kleine
_Wintergoldhähnchen_, so genannt, weil es selbst im Winter bei uns
angetroffen wird und auf dem Scheitel des Kopfes einen goldgelben
Strich zeigt. Ich habe es auch einmal in den Obstbäumen des vom Walde
ziemlich entfernten Ortes Gittersee nahrungsuchend angetroffen.
Schließlich möchte ich dem Nadelwald noch den _Waldbaumläufer_
zurechnen, den ich allerdings nur einmal – zwischen Weißig und
Saalhausen – beobachtet habe, es war im Hochsommer, so daß ich bestimmt
annehme, er ist hier Brutvogel gewesen.
[Illustration: Abb. 1. =Vogelparadies am Opitzer Weg=
im Vordergrund für Zaunkönig und Rotkehlchen, dahinter für Goldammer,
Heckenbraunelle, Garten- und Mönchsgrasmücke, Müllerchen, Fitis usw.,
rechts in den Buchen für Waldschwirrvögel]
Unter den _Vögeln des gemischten Waldes_ ist einer der zahlreichsten
Vertreter der Vogelwelt das _Rotkehlchen_, das überall, besonders gegen
Abend, seine scheinbar etwas melancholisch klingenden Lieder anstimmt.
Es liebt die Nähe von Wasser. Noch mehr an kleine Wasserrinnsale hält
sich der _Zaunkönig_, einer der kleinsten der Kleinen, der seine
mehrteiligen, teilweise schnurrenden Lieder mit überraschendem Feuer
vorträgt. Hier und da durchbricht mit seinen wechselnden Rufen der
_Kleiber_ oder die _Spechtmeise_ die Stille des Waldes. Er klettert,
ähnlich wie die Baumläufer, an den Stämmen der Bäume herum und bezieht
gern verlassene Spechthöhlen, deren Eingang, falls dieser zu groß ist,
teilweise mit Erde verklebt wird. Ein schönes Beispiel hierfür gewahrt
man rechts von der Einfahrt zum Gute Heilsberg, und ein langer Spalt in
einer Robinie an der Tharandter Straße ist bis auf eine kleine runde
Öffnung von einem Kleiberpaar verschlossen worden. Mehrmals habe ich
die _Heckenbraunelle_ festgestellt, so z. B. am Opitzer Weg (Abb. 1),
im Döhlener Wald und in der Nähe von Saalhausen. Sie liebt niedrige
gemischte Bestände und singt ihre etwas kauderwelschenden Liedchen von
den Spitzen der Bäume, um plötzlich jählings in das Gebüsch am Boden
herabzustürzen. Recht breit machen sich vielfach die _Eichelhäher_, die
wohl mehr Schaden als Nutzen stiften und deshalb eine »künstliche«
Beschränkung gut vertragen. Sie sind als Spottvögel bekannt; einer am
Windberg ahmte einmal den Ruf der Rabenkrähe täuschend nach, während
ein andrer am Opitzer Weg wundervoll den Ruf des Pirols pfiff. Hier
und da läßt sich der _Pirol_ selbst hören, besonders in hohen, alten
Kiefer- und Eichenbeständen. Und nun die Spechte: Der _Grünspecht_
ruft zwar allerorten einmal; doch dürfte er nicht zahlreich sein: er
streift viel herum. Ebensowenig zahlreich ist der _große Buntspecht_:
ich hörte seine Stimme mehrfach am Windberg und hinterm Backofenfelsen.
Den _kleinen Buntspecht_ stellte ich nur hinterm Felsenkeller und
im Gute Heilsberg fest; hier war er sicher Nistvogel. Zahlreich war
wieder der _Kirschkernbeißer_, auch in den Bäumen der Ortschaften.
Infolge seiner unbedeutenden Stimme und seines Aufenthalts besonders
in den Wipfeln der Bäume entgeht er leicht der Beobachtung. Am 7.
Juni 1925 entdeckte ich infolge der Warnrufe der Alten ein Nest des
Kirschkernbeißers ungefähr eineinhalb Meter unter der Spitze einer weit
hinauf astfreien, rund sechseinhalb Meter hohen Fichte auf dem Rücken
des Windbergs. Die Jungen saßen zum Teil schon außerhalb des Nestes.
Auf dem Kopfe trugen sie noch lange dünne, haarartige und aufgerichtete
Federn, was sehr seltsam wirkte. Oft und deutlich vernimmt man in
etwas lichteren gemischten Waldbeständen den _Gartenrotschwanz_, der
ebenfalls zugleich Parkvogel ist. Man erkennt ihn außer am schneeweißen
Stirndiadem an der Einleitung seines Liedchens, die meist wie
ührviedsedsedse klingt. Hinter der Backofenwand nistete nicht weit von
einem Gartenrötel ein _Trauerfliegenschnäpper_ im Stamme einer Kiefer
mittleren Alters. Hier machte ich die überraschende Beobachtung, daß
_beide_ Vögel einander nachspotteten[44]. Sonst habe ich letztgenannte
Art nur noch im Park von Heilsberg angetroffen. In gemischten, aber
vorwiegend niedrigen Beständen kommen auch _Schwanzmeisen_ oder wie
der Volksmund sie so schön benannt hat, »Pfannenstielchen« vor, die
wegen ihres sehr unruhigen Wesens und da ihre Stimmchen meist nur wie
schwache dsrrrr klingen, auch sehr leicht dem Beobachter entgehen.
Ich stellte gewöhnlich die weißköpfige Form fest, so im Vorholz, am
Opitzer Weg, unterhalb Schweinsdorf am bebuschten Abhang usw. Am
letztgenannten Orte beobachtete ich am 22. April 1926 ein Pärchen,
das treu zusammenhielt. Im allgemeinen sind Männchen und Weibchen von
Schwanzmeisen im Freien nicht zu unterscheiden; hier war es mir sehr
leicht möglich, bei dem einen Exemplar war nämlich der lange Schwanz
stark sichel-, fast hakenartig gekrümmt; das rührt von dem andauernden
Aufenthalt in dem kleinen, kugelförmigen Nest während des Brütens her:
ich hatte also das Weibchen vor mir! So zahlreich ferner im Walde
die Amseln und Singdrosseln sind, so selten ist im Plauenschen Grund
die _Misteldrossel_, die im allgemeinen wohl ausgedehntere, stillere
Waldungen vorzieht; aber ihre kurzen kräftigen Lieder, meist mehr oder
weniger Varianten eines kleinen Motivs, sind herrliche Bestandteile
der Waldmusik; ich hörte sie am Windberg und am oberen Ende des Opitzer
Weges. Ob die Vögel hier zur Brut geschritten sind, wage ich nicht
bestimmt zu bejahen. Dagegen gehören dem Plauenschen Grunde sicher
zwei andere, größere Vögel an: die _Ringel-_ und die _Turteltaube_;
erstere war mehrzählig, letztere mindestens in einem Paar im Döhlener
Wald vorhanden. Dieses eine Paar wurde übrigens insofern für mich sehr
wichtig, als das Männchen mir eine schon immer gehegte Vermutung zur
Sicherheit machte, daß nämlich Turteltauben nicht bloß Rufe (turrr,
trrr usw.) hören lassen, sondern auch eine ausgesprochene Balzstrophe
besitzen, die ähnlich wie die der Ringeltaube gebaut ist[45]. Vielfach
– oft zu mehreren – treiben sich auch _Rabenkrähen_, seltener
_Nebelkrähen_, besonders in den Randgebieten der Wälder umher. Man hört
ihre lauten arrrk, arrrk, arrrk und ähnliche Rufe allerwärts einmal.
Sie nisten teilweise am Windberg. Schließlich sei noch erwähnt, daß ich
über den Wäldern und überm breiten Tal im ganzen zwei _Mäusebussarde_,
einen _Hühnerhabicht_ und vier _Sperber_ habe kreisen oder rasch
hinwegfliegen sehen. Doch bezweifle ich, daß sie im Gebiete selbst
zuhause sind. Hierfür kommt wohl der nicht weit entfernte Poisenwald
in Frage. Am Windberg hat man (nach freundlicher Mitteilung des Herrn
Revierförster Schellig in Burgk) auch mehrfach _Wespenbussarde_
beobachtet und geschossen. Doch dürfte von dieser Art dasselbe gelten
wie von den vorher genannten Arten.
Damit verlassen wir den Wald und treten wieder hinaus in freiere Teile
des Plauenschen Grundes.