2. Vögel der Gärten und Parkanlagen.

Zunächst sei noch einmal hervorgehoben, daß zwar viele Gärten

vorhanden, meist aber von geringem Umfang sind, da die Häuser und

besonders auch die zahlreichen kleinen Häuschen mit den ebenso kleinen

Nebenbauten oft dicht beieinander und teilweise auch durcheinander

stehen. Man sieht viele kleine Gras-, Gemüse- und Obstgärtchen.

Ziergärten sind seltener. Hier und da finden sich noch schöne, alte

Bäume. Vielfach vermißt man dagegen größere Gebüschanpflanzungen.

Demgemäß ist die Vogelwelt hier nicht so stark vertreten, als sie es

unter Umständen sein könnte. So habe ich z. B. den _Gartenlaubvogel_

oder _Gartenspötter_ verhältnismäßig wenig angetroffen. Häufiger

verzeichnete ich den _Girlitz_, jenen kleinen gelblichgrünen Vogel,

der sein kauderwelschendes serridsisidsedserridsizsrrr usw. mit

Vorliebe in höherem Geäst oder auf Telegraphenleitungen anstimmt. Am

22. April v. J. sah ich, wie ein gegenüber dem Männchen mehr grau

gefärbtes Weibchen zu Neste trug. Es holte sich am Bahndamm Bastfäden

von vorjährigen, zusammengebrochenen Pflanzenstengeln, wobei es hohe

hinaufgezogene sieb hören ließ, während das Männchen auf einer nahen

Telegraphenstange Wache hielt. Es begleitete das Weibchen, ähnlich wie

es bei den Hänflingen regelmäßig der Fall ist, andauernd auf seinen

Flügen. Wie weit da anstelle der Liebe vielleicht ein gewisser Grad

von Eifersucht getreten ist, dürfte schwer zu entscheiden sein. Auf

_Hänflinge_ bin ich ebenso selten gestoßen wie auf _Stieglitze_; ich

habe die ersteren nur zwei-, die letzteren dagegen nur einmal während

der Brutzeit zu sehen und zu hören bekommen. Mehrfach habe ich dagegen

den _Wendehals_ beobachtet. Man hört seine anfangs etwas ansteigende

Rufreihe gjähgjäh .·˙˙˙˙˙˙[42] oft in alten Obstgärten, wo er gern in

einer Höhlung eines alten Baumes oder gar in einer Starmäste Wohnung

bezieht. In den Obstgärten etwas abseits vom großen Verkehr gelegener

Dörfer treibt sich hier oder da eine kleine Eule herum: der _Steinkauz_

oder das _Käuzchen_. So sah ich z. B. ein solches am 13. April 1926

nachmittags ½3 Uhr auf einem alten Birnbaum unterhalb Ober-Pesterwitz

an der Straße nach Zauckerode; es hatte dabei die Freundlichkeit, mir

nicht nur andauernd zuzublinzeln, sondern begrüßte mich auch mit Rufen,

die wie quiejug, quaejug (mit Tönen am Anfang der vierten Oktave) usw.

klangen. Den _grauen Fliegenschnäpper_, der sich anderwärts gern den

Menschen zugesellt, indem er sogar unter Veranden oder im Weinspalier

am Hause nistet, habe ich nur in geringer Zahl feststellen können.

Verhältnismäßig oft vernimmt man dagegen das klappernde Liedchen

tjiltjil … der _Zaungrasmücke_[43] oder des sogenannten _Müllerchens_.

Die kleinen Gebüsche, welche mit der Hand des Gärtners wohl noch nie

oder nur selten Bekanntschaft gemacht haben, bieten ihm willkommenen

Unterschlupf. Unerwartet geringzählig habe ich den _Grünfink_

bemerkt, den man doch an seinen sogenannten Klingeltouren oder an

hinaufgezogenen breiten fühied oder an dem sinkenden bschiejöhb leicht

erkennen kann. Am meisten noch stellte ich ihn auf den Friedhöfen fest.

Weitaus am zahlreichsten neben dem Haussperling ist in den Ortschaften

der _Buchfink_. Überall schmettert er seine fröhlichen Lieder. Es sind

durchweg »Würzgebühr«-Strophen, die nach der Endung der Lieder benannt

sind, sofern aus ihr die Silben würdsjibjürrr oder ähnliche Lautgebilde

herausklingen. Mit fast in gleichem Maße bekannten Liedchen lassen

sich die _Kohl-_ und die _Blaumeise_ oft einmal hören. Jene ruft meist

sidsibee, oder vistivistivisti usw., diese dagegen dsidsi-djejejejeje

oder trrrrédididid. Nur ganz vereinzelt trifft man auch eine

_Sumpfmeise_, die sich entweder mit kurzen sisdjä und sisidjä oder

einer Klapperstrophe djivdjiv… meldet. Das reichlich vorhandene Wasser

mag sie mit hereingelockt haben. – Und nun müssen zwei Vogelarten

genannt werden, die erst in nicht weit zurückliegender Zeit aus ihrer

Heimat, den Wäldern, in die Ortschaften vorgedrungen sind und sich

hier teilweise recht breit machen; es sind die _Schwarzdrossel_ oder

_Amsel_ und die _Singdrossel_ oder _Zippe_. Erstere scheint noch etwas

zahlreicher zu sein als die Zippe; möglicherweise hängt dies damit

zusammen, daß die Schwarzdrossel andere Vögel, besonders die Zippe,

verdrängen soll.

Den Schluß dieser Gruppe mag ein in jeder Beziehung, d. h. in Größe,

Färbung und Gesang bescheidenes Vögelchen bilden, das sich auch viel

in lockeren Baumbeständen, Obstgärten usw. einstellt. Es ist der oft

als Baummaus bezeichnete _Haus-_ oder _Gartenbaumläufer_, der meist

an den Stämmen der Bäume hinauf- und herumklettert, dabei Insekten

und deren Eier aus den Rindenspalten herausholt und – oben angekommen,

einen andern Baum meist weit unten anfliegt und dann absucht. Er ist

im Plauenschen Grund ziemlich vereinzelt, aber da und dort hört man

doch sein zartes Frühlingsliedchen: dsi … riidsi. – Und nun sei der

Königin der befiederten Sänger, der _Nachtigall_, gedacht, die Anfang

Mai 1926 nach vielen Jahren wieder einmal Einzug in den Plauenschen

Grund gehalten hat und zwar in dem schönen, an der Nordseite des Tals

gelegenen gebüschreichen und fließendes Wasser bietenden Park der

Herren Hüttendirektoren Pfeifer und Bervé in Döhlen. Sie war vorwiegend

Nachtschläger und begann meist gegen zehn Uhr oder etwas darnach, um

erst gegen Morgen ihr süßes Flöten zu beenden. Die Zahl der oft bis zu

später Stunde lauschenden Zuhörer war auffallend groß, was ich gern als

Beweis dafür betrachte, daß die Freude an der Natur und ein Verständnis

ihrer Sprache im Volk noch nicht erloschen, sondern vielleicht wieder

im Aufblühen ist. Nachstehend noch ein paar der schönsten Lieder:

[Illustration]

Es kommen auch noch andere Vogelarten in das Grün der Ortschaften und

Parkanlagen herein, wie z. B. Schwarzmeisen und Kernbeißer; doch bin

ich ihnen vorwiegend draußen in Busch und Wald begegnet, so daß ihrer

erst später gedacht werden soll.

3. Vögel an der Weißeritz und den kleinen, ihr meist von den Tallehnen

her zufließenden Bächlein.

Es können hier leider nur zwei Arten genannt werden, die _weiße_

und die _Gebirgsbachstelze_. Beide treten überall auf, trotzdem die

Weißeritz und ihre Ufer an vielen Stellen sehr wenig einladend sind

und obgleich neben den Bächlein oft kleine Straßen oder Fußwege

hinlaufen, auf denen oft reger Verkehr bemerkbar ist. Die weiße

Bachstelze überwiegt etwas an der Weißeritz, während an den Bächlein

und sonstigen Rinnsalen die Gebirgsbachstelze vorherrscht. – Nicht

vorgefunden habe ich, obwohl sie weiter oben an den beiden Weißeritzen

zum Teil mehrzählig vorkommen, den Eisvogel und die Wasseramsel. Die

vielen Abwässer aus Häusern und Fabriken, die Störungen durch Badende

und spielende Kinder usw., die Tatsache, daß das Wasser der Weißeritz

oft in Mühlgräben abgeleitet wird, infolgedessen das eigentliche

Bett derselben manchmal fast wasserleer wird – alle diese Umstände

verhindern das Vorkommen der letztgenannten Arten im Plauenschen Grund.

Landesverein Sächsischer Heimatschutz — Mitteilungen Band XVI, Heft 3–6 · 第 61 / 99 题